N--\;N,\^>NrA jj. .^r^^-'^- z]z^ •^■^^v\;:■W. -,*'': flSnUi r^-a» ■a^Ak'' ./tjftS ^^.AVi rv(v, ''':y(l(^;< mfm HARVARD UNIVERSITV. LIBRARY MUSEUM OF COMPARATIVE ZOOLOGY. CVU 'XS', \c^0Vc>. ^.6 1^ SITZUNGS-BERICHTE DER GESELLSCHAFT x\ATUREORSCHENDER ERELNDE zu BERLIN. JAHRGANG 1905. ^ BEELIN. In Kommission bei R. Friedländer und Sohn. NW. Carl- Strasse 11. 1905. SITZUNGS-BERICHTE DER GESELLSCHAFT NATURFOKSCHENDER FREUNDE ZU BERLIN. JAHRGANG 1905. BERLIN. In Commission bei R. Friedländer und Sohn. NW. Carl-Strasse 11. 1905. Q^f III 1 11 h a 1 1 s - V e r z e i c h n i s aus dem Jahre 1905. V r t r ;i g e : ASCHERSON, P. Bericht üher die Entdeckung einer Spiraeoideen- Gattung Sihiraea Max., p. 219. V. Bardeleben, Karl. Iber den Unterkiefer der Säugetiere, p. 156. Bath, W. Über Kaulquajjpen in den Fangblasen von Utricularia ■vulgaris, p. 153. — Untersuchungen über Geschmacksorgane einiger Vögel, p. 225. Bergmann. Demonstration eines neuen Netzbügels, p. 159. DÖNiTZ, W. • Die Zecken des Rindes als Krankheitsüberträger, p. 105. — Cber eine neue afrikanische Fliege mit parasitisch in der Haut von Ratten lebenden Larven, Cordylohia Diurium, Dö., p. 245. Jacobi, A. Vorbericht über eine Homopterenfauna der Anden, nebst Diagnosen neuer Arten, p. 163. Jaekel, Otto. Über den Schädelbau der Nothosauriden, p. 60. — Über die primäre Gliederung des Unterkiefers, p. 134. Kirchhoffeh, Otto. Untersuchungen über eucone Käferaugen, p, 149. Matschie, P. Eine Robbe von Laysan, p. 254. — Einige anscheinend neue Meerkat;cen, p. 262. — Otolemur badius, eine neue Art afrika- nischer Halbaft'en, p. 277. — Merkwürdige Gorilla-Schädel aus Kamerun, p. 279. Neumann, 0.skar. Über neue Antilopen-Arten, p. 87. Pappenheim, P. Über die Aclpenserlden-Gattung SccqjhirhyticJms, p. 5. — Über Augenverlust und SchädeUerbildung bei einem Fisch, p 7. — Zur biologischen Bedeutung der Säge bei den sogen. Sägefischen Frktiophorns M. H. und Pristis Lath., p. 97. — Ein neuer „pseudo" -elektrischer Fisch aus Kamerun, p. 217. PoTOMi:, H. Über die Genesis des Petroleums, p. 1. Reichenow, Ant. Über einen Vogelzwitter, p. 84. Schulze, Franz Eilhard, u. Hans Thierfelder. Über Baryumsulfat in Meerestieren [Xeiwjohyojyhora F. E. Sch.), p. 2. Siegel, J. Kurze ^Mitteilung über Cytorrhyctes rariolae (vaccinae), p. 195. Thesing, C. Spirochaete jxdlidn und die Syphilis, p. 205. Thierfelder, Hans. Über Baryumsulfat in Meerestieren s. Schulze, Franz Eilhard. Verhoeff, Karl W. Zur Morphologie, Systematik und Hemiana- morphose der Scutigeriden, p. 9. ViRCHOw, H. Weitere Bemerkungen über den Lidapparat des Ele- fanten, p. 189. Zang, Richard. Coleoptera Lainellicornia aus dem baltischen Bern- stein, p. 197. — Coleoptera Lomjicornia aus der Berendt sehen Bernsteinsammlung, p. 232. Berichte über die Referierabende: pp. 8, 85, 103, 148, 161, 188, 223, 283. Berichtigfungen. S. 220, Z. lo V. 0. lies Cabulja statt Cabulja. „ 221, ,, 15 V. u „ Spiraea statt Sptraea. „ 222, ., 18 V. 0. „ Croatica statt Coratk-a. Auf der Zeckentafel zu S. 105 ist Fig. 4, Haeinaphysalis Neumanni versehentlich mit Augen gezeichnet worden. Die Gattung Haeina- 2>hysalis hat keine Augen. Ni. 1. 1905 S i t. z u n g s li p r i c h t der Uesellscliaft iiatiirforsclieiKkr Freunde zu Berlin vom 10. Januar 1905. Vorsitzender: Herr Ascherson. Herr H. PoTONiK: Über die Genesis des Petroleums. Die in der Dezember-Sitzung besprochenen Sapropel- Gesteine sind nach Ansicht des Vortragenden die Mutter- Gesteine der Petrolea. Bei der langsamen (kontinuierlichen) Bildung der Sapropel-Gesteine im wesentlichen als autoch- thone Sedimente (soweit das organische Material) und als allochthone Sedimente (soweit das unorganische Material [besonders Ton und Sand] in Betracht kommt), sind die- jenigen Theorien zur Genesis des Petroleums, soweit sie mehr oder minder weitgehende Katastrophen für notwendig halten, um die hinreichende Quantität organischer Massen zu erklären, durchaus abzulehnen. Vielmehr sind es all- tägliche und ständig zusammenwirkende Umstände, die die Urmaterialien schaffen, deren genügendes Vorhanden- sein die wesentliche Vorbedingung ist, um zur Petroleum- Bildung zu führen. Melir oder minder stagnierende Wasser, in denen organisches Material zur Ablagerung gelangt ist, sind immer reichlich vorhanden gewesen. Wegen der unge- nügenden Sauerstoffzufuhr erliält sich das organische Material zum grossen Teile in solchen Wassern in der Form fester zurückbleibender Bestandteile. Wo gelegentlich durch eine Katastrophe ein massenhaftes Absterben und eine nachherige pymbettung von Tieren stattfindet oder solcher Pflanzen, die wie die Tiere Bituminierungs-Tendenz haben, wird sich natürlich ebenfalls ein Petroleum - Muttergestein bilden 2 H. Potonie; Die Genesis des Petroleums. können; aber solche Katastrophen sind untergeordnete Er- scheinungen, die das Zusammentreffen besonderer Be- dingungen erfordern, während die Bedingungen zur Ent- stehung von Sapropel-Gesteinen sehr einfache sind, seit der Bildung von Sediment-Gesteinen immer gegeben waren und daher auch heute an sehr vielen Punkten der Erde vor- handen sind. Insbesondere sind es Meeresküsten, die in Strandseen, -Tümpeln und -Becken u. s. w. reichlichere Gelegenheit zur Bildung von Sapropel-Gesteinen geben: dieselben Stellen also, die die Bedingungen für die Ent- stehung natürlicher Salzgärten bieten. Dadurch erklärt sich das häufige geologische Zusammen-Vorkommen von Petro- leum mit Salz. Es hat sich durch eine chemische Untersuchung, die Herr Geheimrat Prof. Dr. C. Engler in Karlsruhe freund- lichst übernommen hat, nunmehr nachweisen lassen, dass als Ur-Material des Petroleums nicht allein die tierischen Reste in Frage kommen, sondern auch die pilauzlichen, die sich in rezenten Sapropel-Gesteinen und oft genug nach- weisbar auch in fossilen vorfinden. In der Erwartung, dass die ölführenden Algen in der genannten Richtuug besonders wichtig sein dürften, habe ich in dem vergangenen Sommer reichliche Mengen (und zwar von 3Iicroci/stis flos aqiiae) gesammelt und Herrn Geheimrat Exgleu übersandt, der dann durch Druck -Destillation Petrohuim-Öle daraus ge- wonnen hat. Ausführliches werde ich zunächst im Jahrbuch der Kgl. Preuss. Geolog. Landesanstalt, sodann in meinem Buch über die Entstehung; der Steinkohle bieten. Die Herreu FRANZ ElLHARD SCHULZE und HANS THIER- FELDER: Über Baryumsulfat in Meerestieren (Xeno- phyophora F. E. Sch.) Die einzige uns bekannte Mitteilung über das Vor- kommen von Baryum in Organismen rührt von G. Forch- iiAMMRR her, welcher im Jahre 1859 in einer Kopenhagener Universitätsfestschrift „Om Sövandets Bestanddele og deres F. E. Schulze u. II. Tiiierfeldior: Baryumsidfat in Meerestieren. 3 Fordeling i Ilavet" auf 8eitc 14 folgende wichtige Angabe gemacht hat: „Baryt lindes i forholdsviis stör Maengde i Söplauterne, og i eo forholdsviis riugo Maengde i Södyrenes Kallcaf- sondringer." In den aus grossen Meerestiefen stammenden, eigen- tümlichen Rhizopoden, mit deren Studium ich (F. E. Schulze) jetzt beschäftigt bin, und welche ich unter der Bezeichnung „Xoioph^ophom'^ kürzlich der hiesigen Alvademie der Wissen- schaften vorgelegt habe, ^) finden sich, eiiigelagert in eine an Zellkernen reiche Plasmamasse, zahlreiche stark licht- brechende, rundliche oder ovale, glatte Körnchen von 2—6 ji. Durchmesser. Da diese von mir als „Granellen" bezeichneten Körnchen, welche das Licht nicht oder doch nicht erheblich doppelt brechen, nach Zerstörung aller organischen Substanz durcli starkes Glühen unverändert blieben und auch nach diesem Glühen weder von Essig- säure noch von Salzsäure, Salpetersäure und selbst Schwefel- säure, ebensowenig von Flusssäure, auch nicht von starker Kalilauge gelöst oder irgendwie angegriffen wurden, so vei'suchte ich die Flammenreaktion. Nach dem Aufschliessen der geglühten Körnchen mittelst Kalium- und Natrium- l\arbonat. Ausziehen mit Wasser und Lösen des Rück- standes mit Salzsäure zeigte die Mikroflamme nach dem Verschwinden der gelben Natriumreaktionsfarbe eine deut- lich grüne Färbung. Obwohl ich hieraus auf das Vor- handensein von Baryum glaubte schliessen zu dürfen, habe ich doch meinen verehrten Freund, Herrn Professor Hans TiiiEkFELDER hier ersucht, zu grösserer Sicherung dieser auffälligen und überraschenden Tatsache, die Richtig- keit meines Resultates durch , seine eigene Untersuchung der Granellen prüfen zu wollen; und ich freue mich, hier sein sachverständiges Urteil anfügen zu dürfen. F. E. SCHULZE. ') Sitzungsber. der Kgl. Preuss. Akad. der Wissensch. 1904, LIII. pag. 1387. 4 F. E. Schulze u. H. Thierfeldeu: Banjumsulfat ix MccresüercH. Die mir übergebene Küriichenmasse wog. naclidem sie durch Erhitzen von einer geringen Menge organischer Substanz befreit worden war, 4 — 5 mg. Sie wurde, da ihre Unlöslichlveit in Wassser, Säuren und Alkalien bereits feststand, mit der mehrfachen Quantität von Ivohlensaurem Kali-Natron in einem Platintiegel gemischt und längere Zeit geglüht, zunächst in der Bunseuflamme, dann im Ge- bläse. Nach Behandeln der Schmelze mit Wasser in der Wärme und Filtrieren gab das Idare Filtrat auf Zusatz von Salzsäure und Baryumchlorid einen weissen Nieder- schlag, enthielt also Schwefelsäure. Die salzsaure Lösung des mit Wasser ausgewaschenen Rückstandes rief, am Platindraht in die Flamme gebracht, zunächst eine Gelbfärbung, dann aber die für Baryum charakterische, gelblich grüne Färbung hervor und gab dementsprechend auf Zusatz von Schwefelsäure sofort einen weissen Nieder- schlag. In der am zweitfolgenden Tage von diesem Nieder- schlag abfiltrierteu Flüssigkeit bewirkte Ammoniak und xAmmoniumoxalat eine Trübung, welche, da bei der Flammen- reaktion niemals auch nur vorübergehend eine Kotfärbung (Strontium) beobachtet worden war, auf Calcium zu be- ziehen ist. Um womöglich zu entscheiden, ob Calcium in erheblicher Menge vorhanden war, wurde der Rest der salzsauren Lösung eingedampft, geglüht und der Rückstand mit absolutem Alkohol ausgezogen. Der in Alkohol unlös- liche Teil, welcher das Chlorbaryum enthalten musste, gab in Wasser gelöst die Flammenerscheiuungen in der oben beschriebenen Weise und mit Salzsäure und Schwefelsäure sofort auftretende Fällung. In der wässrigen Lösung des Rückstandes des alkoholischen Auszuges Hess sich weder mit Schwefelsäure noch mit Ammoniak und Ammo- niumoxalat eine Trübung hervorrufen, also kein Calcium nachweisen. Es ergibt sich als Resultat, dass der Glührückstand der Körnchen im wesentlichen aus Baryumsulfat besteht, und dass Calciumsulfat nur in geringer Menge vorhanden ist. H. THIERFELDER. P. PAri'KNiiEiM : Die Acipcnseriden-Crattuiii/ Satphirhijnchus. 5 Herr P. Pappenheim: Über die Acipenseviden- Gattung Sc aphivhy iichiis Heckel, Aiinal. Wien. Mus. Natg. 1. j). 71, 1835. Synonvmie. — Accipenser, Rafincsque, Iclithyol. Oliicns., p. 80, 1S20; Anpcnscr,3. E. Gkay, Proc. Zool. Soc. Lond., Part II, p. 122-28, 1834; Scap/iorhync/iKs, L. Agassis (nee Scaphorynchus Max. Prinz zu Wied, Beitr. Natg. Präs., lil, 2. p. 982, 1831) Noniend. Zool. Index Univ. p. 332, 18-16 Inom. cmend.j; Srnpliijrlnjnchojts, GiLL, Transact. Anier. Phil. Soc. — 12, p. 178, 1SÖ3; Scapliirr/iyiic/ius, A. W. E. O'SriAUGHNESSY, Zool. Rec. for 1877, Pisces, p. 8, 1879. Svaphu'rlnjncliiyps^ JoRDANu. Gilbert, Synops. Fish. N. Am., p. 88, 1882; Kess/eria [nom. nud.], Bogdanow in „Skizze der Natur der Oase Chivin," p. 102, Taschkent, 1882. (Russisch)') Scapliirlninchiipti. IIilgendorf, Arch. Natg., 51. Jhrg., II., 2. Heft, p. 412,^1885; ' rscudof^capliirhynchux, NiKOLSKi (Annuair. Mus. Zool. Ac. Imp. Sc. St. Petersburg, V, p. 257, 1900 — z. T. in russischer Sprache') — ). Die YJer (bezw. drei)-) asiatischen Arten dieses mor- phologisch und biologisch gleich wenig bekannten Ganoiden, nämlich der Smphorhyuclms fcdtschenkoi Kessl., Jcaufmaniii Bogd . hermanni Sevektz., rossikowl NiKOLSKi sind 1900 von A. M. Nikolski ("op. cit.) von der alten HECKEL'schen Gattimg abgesondert und zu einer be- sonderen Gattung erhoben worden, die er PseudoscapJd- rhynchus nennt. Wenn auch zuzugeben ist, dass die asiatischen Arten einander morphologisch etwas näher stehen als dem amerilvauischeu Scaphorhynchus platorijnclius (Raf.), so dürfte es doch mehr als zweifelhaft sein, ob die von Nikolski angegebenen ]\Ierkmale — Schwanzstiel nicht oder nur leicht depress. nicht von Panzerung bedeckt wie bei mtapliradus J. E. Gray [=plator//nc7ms Raf.|, — selbst wenn sie zuträfen, den Wert von Genuscharakteren bean- spruchen können. Nun aber ist das erstgenannte Merkmal ') Herr Privatdozent H. Kluge -Kasan hatte die Liebenswürdigkeit, mir das Verständnis des russischen Titels bezw. Textes dieser und der Kesslerschen Arbeiten zu ermöglichen, wofür ich ihm zu grossem Dank ver[)tlichtet bin. -) L. S. Berg (Kasan) zieht neuerdings (Zool. Anz. XXVII. Bd., Nr. 22, p. 067, vom 28. VI. 04) den „Fseudosraphirhynchiis'' nixsikuivi zu lierinanni. Mir liegt von beiden Formen leider kein Material vor. (3 r. Pappenheim NiKOLSKis bei der schon von ihm selbst für uolwendig befundenen Einschränkung so relativ, dass es iminögiich in einer Gattuugsdiagnose verwendet werden darf. Und dem zu zweit angegebenen widerspricht schon der erste Unter- sucher der asiatischen Arten, K. F. Kessler, ausdrücklich, wenn er (Mem. Soc. Hist. Nat. Mose. X, 1872 — ich zitiere ihn nach der englischen Übersetzung von J. T. Naake in Ann. Mag. Nat. Hist. 4. ser. No. 70, 1873, XII, p. 273) für Sc. fedtschenJcoi sagt: „the extreme end of the tail, from the dorsal and anal Ans, is entirely covered with scutes." Heute aber, seit N. Iwanzow in seiner Mono- graphie — auf welche übrigens Nikolski keinen Bezug nimmt — (Der Scaphirhynchus. Vergleichend-anatomische Beschreibung, in Bull. Soc. Imp. Natural. Mose. 1887. N, S. I, p. 1 — 41) trotz seines natürlicherweise spärlichen Materials zeigen konnte, dass jede der ihm zugänglichen Arten {Sc. platorijuclius, fedtschcnJMi und htufmanni) ana- tomische Besonderheiten aufweist und, wie namentlich die spezilisch graduell recht verschiedene Ausbildung der Schwimmblase beweist, je ein auf verschiedener phylo- genetischer Stufe gleichsam „tixiertes" Entwicklungsstadium darstellt, liegt m. E. kein Grund mehr vor, die verhältnis- mässig unwichtigen Abweichungen der asiatischen Formen von der amerikanischen, wie es mir auch eine erneute Vergleichuug von Sc. fedfschenkon, Jcaufnianni und platoriinclms erweist, durch Spaltung der alten Gattung zum Ausdruck zu bringen. Ebenso gut wäre man berechtigt, dem Sc. fedtschenJcoi wegen seiner 25 Rippen {platoryncliiis besitzt nur 10, über die andern liegen noch keine Angaben vor) eine selbständige Stellung im System zuzuweisen. Allerdings hat unlängst L. S. Berg (op. cit.) die dürftige Gattungsdiagnose Nikolskis für „Pseudoscaphi- rliynclms'' erweitert. Als wesentlich neues Merkmal versucht er einmal die Gestalt der Kiemenreusen zu ver- werten, die aber wieder (grade wie die Ausbildungsstufe der Schwimmblase) innerhalb des asiatischen Formenkreises die Einheit vermissen lässt. Ebensowenig kann die bessere Ausbildung des Auges bei platorynchus ausschlaggebend Die Adpenseriden-Gattmig ScapkirhyncJius. 7 sein, da nach den Angaben von Trovvbridge (Science, III., p. 587, 1884-) dieses Organ auch bei dieser Art in Reduktion begriffen ist. So bliebe nur noch die Gestaltung der Haut- verknöcheruDgen (bei platorynchus in „Platten"-, bei den Asiaten in „Körnchen"-Form), die aber allein m. E. nicht die Aufstellung einer neuen Gattung rechtfertigt. Und schliesslich verhält sich selbst Berg zweifelhaft, wenn er unter den drei von ihm noch anerkannten Arten in ,,P5." kaufmanni den Übergang zur Gattung Scaphirhjnclms findet. Die Beschränkung der Gattung in ihren vier asiatischen Vertretern auf die Zutlüsse des Aralsees und ihr gänz- liches Fehlen im Stromgebiet des kaspischen Meeres widerlegt die heute auch von geographischer Seite (vgl. W. Sievers, Allg. Länderkunde, Asien, II. Auflage, 1904) entschieden zurückgewiesene Hypothese der ehemaligen Ein- mündung des Amu-Darja in das kaspische Meer, auch wenn diese tiergeographische Tatsache nur indirekt beweisend sein kann. 2. Über Augenverlust und Schädelverbildung bei einem Fisch. Von den im Sommer 1903 in einem Aquarium des Zool. Mus. geborenen Jungen eines Pärchens GlaridicJithjs canäimaculatus Hensel, einer aus Brasilien importierten lebend gebärenden Art der Cijprinodontklae, wurde unmittelbar nach der Geburt einem jungen <^ von der Mutter das linke Auge herausgefressen; die G. besitzen ja sehr spitze und scharfe Zähnchen, wenn auch von mikroskoi)ischer Kleinheit. Der schwer verletzte junge Fisch wurde mit den andern Jungen von der Mutter getrennt und mit diesen zusammen aufgezogen. Obwohl auch heute noch durch seine verminderte Sehfähigkeit in seinen Bewegungen etwas behindert (namentlich beim Fang der als Nahrung ver- wandten Daphniden und Cyclops), hat er die Verletzung doch überwunden, zeigt aber jetzt, nach IV^ Jahren (Dezember 1904), eine eigentümliche, unsymmetrische Vor- bildung des Schädels, besonders in der Schnauzenregion, die etwas an die Verbältnisse bei den Pleiironectidac 8 Hef er ier abend. — Inhalt. eriimert. Eine genauere Untersuchung, die erst nach Ab- schluss des möglicherweise noch nicht vollendeten Wachs- tums vorgenommen werden kann, dürfte interessante Be- funde liefern, wird aber bei der Kleinheit des Objektes mit grossen technischen Schwierigkeiten zu rechnen haben. Referierabend am 17. Januar 1905. Es referierten: POLL: Über echte Zwitter: 1. Liebe, Zwei Fälle von Hermapliroditisnms rerus hilateralis am Schwein. Arch. f. wiss. n. prakt. Tierheilk. Bd. 30, H. 1/2. 2. RiEL.'iNDER, Das Parooplioroii. Ilabilit. Schrft. Marbj?. 1904. MÖ15IUS: R. Lydekkkr, Pelzhandel 1903 und 1904. In: Natnre 1. Dez. 1904. Inhalt €levS 1. Heftes. PoTONii:, II. Über die Genesis des Petroleums, p. I. Schulze, Franz Eiliiard u. Tmierfeldei!, Hans. Über ISarynnisulfat in Meerestieren [XenopJiyopliora F. E. Sch.) ]i. 2. Pappenheim, P. Über die Acipeiifieriden-GAiiww^ Scap/iirhyuchus, p. 5. — Über Augenverlust und Scbädelverbildung bei einem Fisch, p. 7. Referierabend, p. 8. Für die Gesellschaft bestimmte Sendunoen sind zu richten: An die Gesellschaft naturforschender Freunde In Berlin W. 56, Französischestr. 29. Druck von J. F. Starcke, Berlin SW. 48, Wilhelmstr. 13ä. Nr. 2. 1905 Sitzungsbericht der Gesellschaft iiatiiiibrschender Freunde zu Berlin vom l-i. Februar 1905. Vorsitzender : Herr Ascherson. Herr KARL W. Verhoeff: Zur Morphologie, Systematik und Hemianamorphose der Scutigeriden. (Hierzu 1 Tafel und o Textfiguren.) Fortgesetzte Untersuchuogeu der Scutigeriden des Berliner zoologischen Museums haben meine früheren Er- gebnisse vervollständigt und die Formenkenntnis vermehrt. Zwei weitere neue Gattungen, aus Marokko und dem Bismarckarchipel, zeigen nahe Beziehungen zu Tlicrcuoncma und Thcreuopoda. Bisher warenepimorphotische Entwicklungs- formen nur von Scutigera bekannt, im folgenden werden derartige Stufen auch von zwei andern Gattungen beschrieben, wobei sich bemerkenswerte Entwicklungsunterschiede ergeben haben. Das genauere Studium von Bau und Ent- wicklung des eigenartigen Tarsus führte auch zu einer Feststellung der Wachstums weise desselben. In No. 10 der Sitz.-Ber. der Ges. nat. Fr. Berlin 190-1 habe ich die mir genauer bekannten Scutigeriden nach Gattungen bearbeitet und u. a. bei Thereuonema die beiden Untergattungen Thereuonema s. str. und Thereuopoda unterschieden. Nachdem ich dieselben noch weiter geprüft und mehr Arten untersucht habe, halte ich es für ange- messen, diese beiden (Jruppen als selbständige Gattungen zu behandeln, welchen ich im folgenden eine dritte neue beifüge, welche insofern interessant ist, als sie sich in einigen Merkmalen an Thereiwnoma anschließt, in andern 10 Kahl W. Veuhoeff 7'hcrcuojjoda. Man würde also eine Übergaugsform zwischen beiden Gruppen und somit gerade die Notwendigkeit von Untergattungen erwarten. Aber diese dritte Gruppe besitzt auch Merkmale, welche ihr keine Mittelstellung, sondern einen besonderen Stammeszweig anweisen, so die hohe Zahl der Fühlerglieder und der geringe Dornenbesatz, daher denn an den hinteren »Stomasätteln die Dornen ganz fehlen. Außerdem entfernt sie sich gerade von denjenigen Arten der Gattung Thercuopoda, welche ihr nach Füliler- und Tarsengiiederzahl am nächsten stehen, durch die geringere Zahl der Tibialstachel an den drei vordersten Beinpaaren. Nach der Gestalt des Gonopoden-Syntelopodit und der Subanalplatten des $, nach Färbung und Tarseu- gliederzahl schließt sich Fodothereiui n. g. an TJiereuopoda an, ebenso hinsichtlich der Tibialstachel des 2. und 3. Bein- paares an einen Teil ihrer Arten. Hinsichtlich des Besatzes der Rückenplatten mit Dornen und Tastborsten dagegen steht Podothereua n. g. den Arten der Gattung Thcreiwnemn entschieden näher. Hinsichtlich einer 4. neuen Gattung vergleiche man das Nähere weiter unten. Icli gebe für diese Gattungen folgenden Übersichtsschlüssel: A. An den Tergiten oder doch wenigstens dem des 15. Laufbeinsegments und an der 6. und 7. Stomaplatte sind zahlreiche Tastborsten vorhanden, welche allein stehen, also außer den die Dornen begleitenden Tast- borsten. Haarspitzen der Tergite deutlicli und sehr zahl- reich, kurz oder sliftartig lang. Die Wölbungen der Stomasättel der 6. und 7. Stomaplatte sind mit wenigstens b-\-b deutlichen Dornen besetzt. Seitenränder mit oder ohne Dornensäge. 1. Beinpaar mit V bis Vs, das 2. — 13. Bein- paar mit V2 Tibialendstacheln. 1. Flagellum der Antennen 55 — 71 gliedrig. 1. Beinpaar mit 15— Ißgliedrigem 1. Tarsus, 25— 33gliedrigem2.Tarsus. 7. Beiupaar mit 9-f 27gliedrigem Tarsus. 3 — 6. Beinpaar am 1. Tarsus 9 — 11. am 2. Tarsus 26 — 31 gliedrig. Syntelopodit-Grundglieder der Gonopoden des $ parallelseitig. die nicht verwachsenen Stücke der Grundglieder sind mindestens doppelt so lang, als am Ende (Gelenkrand) breit, d. h. von grund- nach endwärts Zur Mi>rph(ilo()ie, tSysicinKHk imd HeiinuiiftDiorjJto.sc der Seiiliiicridfu. \ \ iiiclit erweitert. Subanalplatteii des ¥ am Ende einfach abgerundet. 2 — 'iVamal län.i;er als breit. Bläiiliclie oder grünliche Zeichnungen. Gattung Therenonenia Vicuh. (macidata Ni-:\vp. Udcrcidata Wood.;. IJ Au den Tei-<4iteu. namentlich der . Bein- J 4 Karl \V. Vekhoeff paares 9 — ISgliedrig. Der 2. Tarsus des 2 und 3. üeiii- paares 42— 48gliedrig. Am 1. Gliede des 1. Tarsus stehen beim 9. und 10. ]>eiupaar nur 4-15 Dornen . g) f) 1. Tfu'sus des 1. I^einpaares 25gliedrig, des 2. und 3. Beinpaares 20gliedrig. des 5. uud ß. Beinpaares K) bis ITgliedrig, der 2. Tarsus des 2. und 3. Beinpaares 55 bis 59gliedrig. Am 1. Gliede des ]. Tarsus stehen beim 9. und 10. Beiopaar 25 bis über 30 Dornen. — Subanal- jtlatten des $ gerade, hinten mit kurzem Fortsatz uud abgestutzt. 5. — 7. Beinpaar an der Tibia oben dicht uud Ivräftig. unten zerstreut uud spärlich bedornt. 15. Tergit hinten abgerundet. Ränder der 4. Stomaplatte \'on auBen gesehen zweimal, der 3. und 5.-7. einmal deutlich ge- schweift. imdtidentctd n. sp. (Nordborneo) g) 1. Tarsus des 2. und 3. Beiupaares ISgliedrig, des 5. und 6. 11 — 13gliedrig, das 7. Beinpaar mit 12-|-38glie- drigera Tarsus. Tibia des 5. und 6. Beinpaares unten ohne, oben mit spärlichen kleinen Dornen, des 7. — 9. Bein- paares oben mit dichter, unten ohne oder mit spärlicher Bedornung. Ränder der 5. — 7. Stomaplatte von außen gesehen gerade, der 4. in der Mitte etwas vortretend, der 3. leicht ausgebuchtet. 15. Tergit hinten vollkommen abgerundet. Subanal- platten des $ etwas gebogen und am Hinterende mit kräftigem Fortsatz. amohiana Vkkh. h) 1. Tarsus des 2. und 3. Beinpaares 12 — 13gliedrig, des 5. und 6. Beinpaares 9giiedrig, das 7. Beinpaar mit 8-j- 39 gliedrigem Tarsus. Tibia des 5. -7. Beinpaares oben zerstreut bedornt, unten ohne Dornen. Ränder der Stoma- platten. von außen gesehen, nahezu gerade. Subaualplatten des $ gebogen, hinten abgerundet-abgestutzt. 15. Tergit hinten leicht ausgebuchtet. lomjlcornis (F.) Haase. Die vorigen Thereuopoda- Avten lassen sich auch noch folgendermaßen gruppieren : Zur Morpholo(jie, Systematik und Heiiiiaitaiiiürphose der Scuti(jeri(len. 15 a) 1. Tarsus des 1. Beiupaares 23— 26gliedrig. 9. und 10. Beinpaar am 1. Gliede des l. Tarsus mit 25 bis über 50 Domen besetzt. Subaualplatten des ? gerade. rubroUuiata, clunifera und mulüdentata. b) 1. Tarsus des 1. Beiopaares 18— 20gliedrig. 9. und 10. Beinpaar am 1. Glied des 1. Tarsus mit 4—15 Dornen. Subanalplatten des $ gebogen. lo)i(/icor)iis und amoläana. Zu den einzelnen Arten mache ich noch folgende An- gaben: 1. TJwreuopoda ruhvolineata (Newpoiit). Reifes $ 33 mm lang von Ceylon. 2. und 3. Beinpaar mit ISgliedrigem 1. Tarsus 4. „ O. ., „ ID <, 1. „ 6. Beinpaar mit lögliedrigem 1. Tarsus, dessen Be- dornuug an der Hintertläche vom 1. — 10. Gliede ist: lO-f- 3 4-"^+'^ »-lud 6 Glieder mit je 1 Dorn. 7. Beinpaar mit 164--10gliedrigem Tarsus, am 2. stehen kurze Höckerzapfen. 1.-3. Glied des 1. Tarsus mit 14+7+3 Dornen. 8. Beinpaar mit 14+47 gliedrigem Tarsus, Bedornung hinten lS+6+7 + 5+5+3+2 und ß Glieder mit je 1 Dorn, am 2. Tarsus am 1. Glied 1 Dorn. 10. Beinpaar mit lögliedrigem 1. Tarsus: 50+8+11 +7+6+4, das 7. — 14. Glied mit je 1 Dorn, am 2. Tarsus das 1. — 3. Glied mit 1 Dorn. 13. Beinpaar mit 18+55gliedrigem Tarsus, am 1. Tarsus das 1.— 3. Glied mit ca. 50+17+11 Dornen am 2. Tarsus zahlreiche Glieder mit stumpfen Zapfen. 14. Beinpaar 18+56gliedriger Tarsus, am 2. viele Glieder mit kurzen Zapfen, meist 2 neben einander. Telson des ^ reichlich mit Stachelborsten besetzt, welche im hinteren Gebiet stumpf sind. Gonopoden des $ innen mit starkem Tastborstenbüschel jederseits vor dem Gelenk der Endglieder. 16 Karl W. Yerhoeff 3. Th. clunifera (Wood.). Untersucht wurden Stücke aus Japan von 36—40 mm Länge. ]. Beiniiaai" 3. Beinpaar 4. Beini)aar 5. Beinpaar 6. Beinpaar 7. Beinpaar 8. Beinpaar 9. Beinpaar 10. Beinpaar 12. Beinpaar 1. Tarsus. 2. Tarsus. 26glieclrig ISgliedrig 16glietlrig ohne I)ornen lögliedrig 3 Dornen am 1. Glied je 1 Dorn am 2.-8. Ugliedrig anderHinterflächeDornen 3+2+2+2 und 7 Glieder mit je 1 Dorn. ISgliedrig Dornen 5 + 4+2+2+2 und 7 Glieder mit 1 Dorn. lOgliedrig Dornen 22+5 + 5 + 3+3 + 3 + 2+1 + 1. ISgliedrig Dornen 52 + 10+10+7+ 7+5+4+5+3+3+3+3 + 2. 50gliedrig mit kräftigen, gebogenen Zapfen, meist 2 neben einander. 43gliedrig mit kräftigen Zai^fen. 41 gliedrig 41gliedrig mit stumpfen Zapfen, meist 2, die hinteren größer. 42 gliedrig, Zapfen wie vorher. 12 gliedrig Dornen 56+17+15+10 u. s. w. 16 gliedrig Bedornung ähnlich wie vorher. 42 gliedrig Zapfen wie vorher. 38 gliedrig Zapfen sehr kurz und nur an einer Anzahl der end- wärts gelegenen Glieder. 42 gliedrig mit stumpfen Zapfen, meist 2 neben einander, wenig verschieden an Größe. 1. — 11. Glied hinten am Ende mit 1 Dorn. 47 gliedrig mit deutlichen stumpfen Zapfen, 1.— 14. und 17. Glied mit 1 Dorn. 52 gliedrig Zapfen kurz und stumpf, meist 2 neben einander. ].— -10. Glied mit 1 Dorn. 15. Beinpaar mit "'2 Tibialstaclieln. Tibia oben und unten (auch seitlich) ziemlich dicht aber doch in Abständen bedornt. Am Tarsus l^ommen zunächst 41 Glieder, welche ein bis zahlreiche deutliche Dornen besitzen, wobei die Dornenzahl nach endwärts immer mehr abnimmt. Die Olieder sind (wie ich das zuerst von Scutigera coleopirata hervorhob) auch liier alle durch Hautringe von einander Zitr Movphiilogie, Systematik iiiiil ?Ieiin<(>it(i)i(>rphose der Sci'.tiijcride)!. \ 7 abgesetzt, ohne Bildung von Oelenkknöpfon. Eine Tarsuszweiteilung ist nicht erkennbar. Im Ganzen zählte ich 145 Tai'salglieder, welche immer länger als breit sind, oft mehrmals länger. Hinter dem 41. Gliede kommen eine Anzahl Glieder, welche, namentlich am Endrande, etwas verdickte Haare besitzen, indem deren Grund an- geschwollen und etwas gelblich erscheint. Es ist dies eine Übergangsbildung von Haaren zu Dornen. Zwischen den zahlreichen Häutungshaaren stehen verhältlich wenige Tastborsten, welche gegen das Ende des Tarsus immer spärlicher werden. 3. Th. niitltülentafa n. sp. Körperlänge 45 mm. 1. Flagellum (jOgliedrig. die meisten Glieder sind viel breiter, manche mehrmals breiter als lang, manche auch quadratisch. Haare klein und sehr zahlreich, unregel- mäßig gestellt, selbst am kleinen 4. Glied, welches SVa mal breiter ist als lang, stehen die Haai'e dicht und entschieden unregelmäßig, nur am Endrande der Glieder, wo die Haare am längsten sind, stehen sie in einer regelmäßigen Reihe. Schaft länger als gewöhnlich. Ein Dorn steht oben am Endrand des 3., 5.-24., 27. und 31 Gliedes. Nodale = 3Vä vorhergehenden Gliedern, 3 mal länger, als breit, Post- nodale etwas schmäler und nur '/.^ der Länge des Nodale erreichend. 2. Flagellum IJOgliedrig. Die meisten Glieder sind auch hier bedeutend breiter als lang. Nodulus sehr deutlich abgesetzt, beinahe gleich vier vorher- gehenden Gliedern. Die Behaarung ist regelmäßiger als am 1. Flagellum, die 3 Glieder vor dem Nodulus haben 4 ( — 5)+34-3 Haarringe, an den auf das Nodale folgenden Gliedern dagegen ist die Behaarung unregelmäßig. Am 3. Flagellum werden die Glieder allmählig immer kleiner. Man kann hier an diesem über 300 Glieder führenden Geißelteil ein 3. und 4. Flagellum unterscheiden, indem das 206. Glied ein kleines Knötchen vorstellt (assessorischer Nodulus), da es fast gleich zwei vor- hergehenden ist und auffallend breiter als die folgenden. Es folgten bei dem untersuchteu Stück auf das 206. Glied noch 93 Gliedchen und dann war der Fühler aby-ebrochen. 18 Karl W. Verhoeff Die hinter dem 206. Glied des 3. Flagellum gelegeneu Gliedchen haben alle nur 1—2 Haarringe aus einer geringen Zahl von Haaren. An Tastborsten habe ich am 4. Flagelkini mit Sicherheit keine bemerken können, eine jedoch am accessorischen Nodulus. Hörstäbchen wie bei den Verwandten schräg gekreuzt gestreift. 1. Tarsus. 2. Tarsus. 1. Beinpaar 25 gliedrig — 9. Beinpaar 2Ügliedrig 55 gl iedrig mit Zapfen. 3. Beinpaar 20 gliedrig 59gli Glied gerad lieh 1 stärk sdrig, an zahlreichen ern mit je 2 Zapfen, e, stumpf, aber ziem- Lräftig, die hinteren ^-r als die vorderen. 4. Beinpaar 1.- -G 1 7 gliedrig Glied mit je 1 Dorn. 4() gliedrig 5. Beinpaar ITgliedrig- mit Dornen an der Hinter- fläche 2 am 1. Glied und je I an den 7 folgenden. 45 gliedrig 6. Beinpaar Ißgliedrig Dornen 2+^3 + 3 + 2+2 + 2 + 2 u. 3 Glieder mit 1 Dorn. 42 gliedrig 7. Beinpaar Hgliedrig Dornen 8+4 + 3 + 2 + 3 und 9 Glieder mit 1—2 39 gliedrig Dornen. Die weiteren Beinpaare sind entweder ganz abgebrochen oder doch nur teilweise erhalten: Das 1. und 2. Glied des 1. Tarsus besitzen auf der Hintertläche an Dornen am 9. Beinpaar 26-|-8, 11. „ . 41-1-10, 13. „ 47+11. Stom aplatten mit zahlreichen Haarspitzen, Dornen auch auf den inneren Plattenflächen zahlreich und auf den Stomasättelu, neben ihnen einfache Tastborsten. Am Rande. wo die Dornen sägeartig dicht stehen, sind die neben ihnen befindlichen Tastborsten nur wenig stärker als im Innern der Platten. Hinterrand der 7. Stomaplatte mit Ausnahme Zur Morphdioijic. SusleinuHk idul Heiiikniuiiiorjiho.se der S( utujerklen. \\) der Mitte ebenfalls dicht bedorut. 15. Tergit li inten ab- gerundet. Am Grunde der Grundglieder des Syntelopodit des V be- lindet sich nuten jederseits eine tiefe Grube. Subanal- jdatten des $ am Ende mit kurzem, stumpfen Fortsatz, daneben leicht eingebuchtet und abgestutzt, Innenrand ge- rade. Stachelborsten zahlreich, in der Vorderhälfte länger und spitzer als hinten. Vorkommen: Im ik'rliner zoolog. Museum befindet sich 1 ¥ von Nordborneo (N. 1456) ges. von Dr. Pagel. 4. Th. lo}igicoviüs (F.) Haask. Es ist bemerkenswert, daü diese Art hinsichtlich der Gliederzahl des 2. Tarsus am 1. — 6. Beinpaar mit c/«n//m« ungefähr übereinstimmt, hinsichtlich des 1. Tarsus dieser Beinpaare dagegen bedeutend abweicht ]. Tarsus. 2. Tj 1. Beinpaar 2. Beinpaar 3. Beinpaar 4. Beinpaar ö. Beinpaar G. Beinpaar 7. Beinpaar 9. Beinpaar 10. Beinpaar 13. Beinpaar IBffliedrii 13glieclrig r2gliediig 1 1 gliedrig Oglicdrig 9 gliedrig Dornen 2+3+2 + 2-f2 und noch 3 Glieder mit je 1 Dorn. S gliedrig Dornen 6+4-f 3 + 3 + 2-f 1 + 1+0 10 gliedrig hinten linden sich Dornen 8+5+4+6+3+3+3+3 + 2+1. 7 gliedrig 15+4+:!+3+ 1 + 2+1 Dornen. 1 1 gliedrig Dornen 12+5 + G + 4 + 4 + 3+3+4 + 3 + 3 + 2, also an allen Gliedern. 51 gliedrig, Zapfen meist 2 nebeneinander, etwas nach endwärts gebogen. 48 gliedrig, viele Glieder mit je 2 kräftigen, ge- bogenen Zapfen neben- einander. 48 gliedrig ebenso. 43 gliedrig ebenso. 39 gliedrig ebenso. 4! gliedrig mit kurzen, stumpfen Zapfen. Die vorderen sehr klein, die hinteren mäßig groß. 39 gliedrig mit stumpfen, kurzen Zapfen. 39 gliedrig, keine Dornen. 37 gliedrig mit stumpfen aber deutlichen Zapfen. Ohne Dornen. 20 Karl W. Verhoeff Rückenplatteii mit Haarspitzen, Doroeu und Tastborsten wie bei miiUidentata, die an den Randdoruen stehenden Tastborsten sind aber nicht stärlcer als die im Innern der Platten. Podotiwreua n. g. insidamm n. sp. Körperlänge des o^ 29 — 30, das $ 34 mm. Antennen weit über körperlang. Das 85gliedrige 1. Flagelhim reicht angelegt bis hinter das 3. Stoma. Seine Glieder sind viel breiter als laug. Das Schaftorgan hat rundliche Öffnung, deutliche Sinnesstiftchen und in der Umgegend zerstreute Drüsenporen. Behaarung der Antennen dicht aber ziemlich regelmäßig, am 1. Flagellum das 2. Glied mit 4, das 3 , 4., 5. mit 3, das ß. mit 4 Haarringen, das 7. mit 3 — 4, das 8. mit 2—3 Ilaarringen. Dornen fehlen vollständig an den Fühlern Nodale = 4 vorhergehenden oder 4 folgenden Gliedern. 2. Flagellum 187gliedrig. der Nodolus deutlich so lang wie drei vorhergehende oder drei folgende Glieder. Am 2. Flagellum ebenfalls alle Glieder entschieden breiter als lang, viele mehrmals breiter. Die liehaarung des 2. Flagellum ist am 1. und 2. Gliede desselben reichlich und nicht in deutliche Ringe gestellt, am 3. Gliede lassen sich 3 — 4, am 4. Gliede 4—5 Haarringe unterscheiden. Von den auf den Nodulus folgenden Gliedern ist das 1. und 3. zerstreut behaart, am 2. und 4 kann mau zwei regelmäßige Haaringe unter- scheiden. Auch hier kommt ein accessorischer Nodulus vor, welcher das hinter dem 2. Flagellum gelegene Geißel- stück in ein 3. und 4. Flagellum einteilt, davon jedes aus einer großen Zahl von Gliedern besteht. Der accessor. Nodulus ist ungefähr so groß wie zwei vorhergehende oder zwei nachfolgende Glieder. Am 13. und 14. Beinpaar sind der 1. und 2. Tarsus weniger als sonst von einander abgesetzt. l. und 2. Beinpaar mit "/i • '^- Beinpaar mit Vi, 4. —14. mit '/i Tibialendstacheln. Tarsalstachel fehlen. Zur Morphologie, Sijstenuitik und HemiaiKimiii-phose der Scutijjeriden. 21 1. Tarsus. 2. Tarsus. 1. IJeinpaar 24gliedrig ohne Dornen. 52 gliedrig, viele Glieder mit kurzen, gebogenen Zapfen, meist 2 neben einander. 2. Beinpaar 19gliedrig ohne Dornen. 50 gliedrig 3. Beinpaar 19glieclrig ohne Dornen. 4. Beinpaar 15glieclrig ohne Dornen. 49 gliedrig ö. B einpaar IGgliedrig ohne Dornen. 45 gliedrig 6. Beinpaar Ugliedrig 2 + 2+1 + 1 Dornen am 1. — 4. Gliede. 40 gliedrig 7. Beinpaar 13gliedrig 5 + 3+3 + 3 und 8 Glieder mit je 2 Domen, 13. Glied mit 1 langen Dorn. 43 gliedrig mit stumpfen Zapfen, meist 2 neben einander. Ein langer Dorn steht unten, v orn und endwärts auch am ]., 2. und 5. Gliede des 2. Tarsus. 8. Beinpaar Ugliedrig 15 + 7 + 7 + 6 +3+2 und weiter mit je 2 Dornen, 11. Glied mit 1 Dorn. 45 gliedrig 1.— 3. Glied mit 1 Dorn. •J. Beinpaar ISgliedrig, alle Glieder bedorut, das 1. Glied mit 13 Dornen. 40 gliedrig 1.— 3. Glied mit 2 Dornen. 10. Beinpaar 12gliedrig, alle Glieder bedornt, das 1. Glied mit 2() Dornen. . 43 gliedrig 1.— 6. Glied mit 1—2 spitzen Dornen. 11. Beinpaar 1 1 gliedrig. Dornen 27 + 8+11 u. s. w. 45 gliedrig mit stumpfen Zapfen. 1.— 10. Glied ('asi«Mrti«},welche zugleich länger sind als die übri- gen mit 1 — 2 langen spitzen Dornen 12. Beinpaar 12 gliedrig, Dornen 38+9 + 11 u. s. w. 47 gliedrig 1.— 13. und 16. Glied mit 1—2 teilweise auf- fallend langen Dornen. 13. Beinpaar 14 gliedrig, alle Glieder bedornt,' 22+15+10 u. s. w. 52 gliedrig Zapfen stumpf aber deut- lich. 1.-18. Glied mit 1( — 2) Dornen, welche auffallend lang sind. 14. Beinpaar Ugliedrig, alle Glieder bedornt, 39+20+15 u. s. w. 47 gliedrig 1.— U. und 14. Glied mit 2 — 3 Dornen. 22 Karl W. Vekhoeff Am 15. Beinpaar sind Präfeinur-j-Femiii'-|-1'il)ia 27 mm lang. Der Tarsus allein 66 mm. südaü die Endbein - telopodite mit !i)3 mm Länge fast die dreifache Körper- länge erreichen. Am Tarsus der Endbeine zählte ich 148 Glieder (200). doch war noch ein bedeutendes Stück am Ende abgebrochen, dessen Gliederzahl über 50 betragen mag. Zwei Ab- schnitte sind nicht unterscheidbar. Dornen finden sich am 1.-29., 35., 37., 38., 40., 41., und 50. Gliede. wobei von grund- nach endwärts die Zahl derselben abnimmt, am 1. Glied finden sich etwa 17 Dornen, vorn und hinten zu- sammen, an den letztgenannten nur noch 1 — 2. Die Glieder sind alle durch häutige (4elenke. ohne Gelenkknöpfe ge- trennt und namentlich in der Grundhälfte bedeutend länger als breit. Die Behaarung ist dicht. Dazwischen finden sich zerstreute Drüsenporen. Tastborsten stehen in einem Kranz am Endrande der Glieder und spärlicher in Längs- reihen. Mit der Größe der einzelnen Glieder nimmt auch die Zahl der Tastborsten von grund- nach endwärts ständig ab. Die Tibia ist am 1.—-!:. Beiniiaar oben und unl^en unbedornt, am 5. und 6. Beinpaar finden sich daselbst nur höchst schwache Dörnchen. /. — 9. Beinpaar mit ziemlich dicht stehenden kleinen Dornen oben und ebensolchen in weiten Abständen unten. Am 10. — 15. ]]einpaar findet sich dasselbe, nur sind die Dornen durchschnittlich kräftiger. Syntelopodit-Grundgiieder der Gonopoden des V von grund- nach endwärts bedeutend verbreitert, innen vor dem Ge- lenk der Endglieder mit Borstenbi'ischel. Diese Gelenke verlaufen typisch quer und gestatten den Endgliedern genügende Beweglichkeit. In den Eierstöcken der reifen ^ $ fand ich Eier bis zu 175 mm Länge. Subanalplatten des ? hinten in einen leicht gebogenen, ziemlich spitzen Fortsatz veidängert. reichlich mit Stachelborsten besetzt, welche innen und hinten kürzer und dicker sind als außen und vorn. J^eide Paare der Genitalzapfen des (^ länglich, griffeiförmig, die postgenitalen bis ans p]nde der genitalen reichend. Rücken- Zur ]\lüyph<>lo(jtf, Si/stciiKitilc in/d IIcnii(i)iinii(,i-)>/iu.sc der ScnthjCvidi'ii. 23 platten dicht mit zweierlei Haarspitzclieii besetzt. ,«;i'ül.)eren und Ivleineren. 15. Tergit fast ohne Dornen, innen mit zahlreichen einfachen Tastborsten, an den Rändern mit Haaren und Stachelborsten. 6. und 7. Stomaplatte innen mit spärlichen zerstreuten Dornen, neben welchen einfache Tastborsten stehen, auüerdem ziemlich zahlreiche, allein- stehende Tastborsten. Stomasättel ohne Dornen. Räuder mit kleinen, kurzen Dörncheh, neben welchen teils Tast- borsten teils (hier und da) Stachelborsten stehen. Stomata schmal und langgestreckt. Körperfarbe graugelb, am Rücken gelbbraun, die Stomasättel etwas dunkler, Beine einfarbig. Vorkommen: 2 $ 1 cf wurden von Prof F. Daih., bei Ralum im Bismarckarchipel erbeutet, außerdem die im folgenden erörterten Entwicklungsstufen. Diese sehr dankenswerten Funde zeichnen sich außerdem durch einen so guten Erhaltungszustand aus. wie er nicht oft bei den Scutigeriden gefunden zu werden pflegt. Epimorphotische Entwicklungsstufen von JPodothcrena Insularuni: a) Agenitalis I von 1272 nim Länge. Antennengeißel aus drei bis vier Abschnitten bestehend : 419gliedrig.^) 1. Flagellum 47gliedrig, 2. Flagellum OOgliedrig, 3. Flagellum 154gliedrig. 4. Flagellum 128gliedrig (unverletzt). Diese Vierteilung kann bei richtiger Beleuchtung schon mit unbewaffnetem Auge ganz deutlich erkannt werden an den in den Knotenpunkten gebrochenen stumi)fen Winkeln, doch ist das Vorkommen des 2. Nodulus variabel, da ich ihn an einer Antenne deutlich an der anderen über- haupt nicht fand.^) Nodale ungefähr doppelt so lang als ^) Nachträgliche erneute Prüfung von Scutigera coleoptrata ließ mich bei den Antennen des Agenitalis desselben eine Andeutung eines 4. Flagellum ebenfalls finden; dieselbe ist aber sehr schwach, indem der accessorische Nodulus nur dadurch noch auffällt, daß er etwas größer ist als das vorhergehende oder das folgende Glied und von letzterem durch eine etwas stärkere Gelenkhaut abgesetzt wird (und etwas stärkere Einschnürung) wie sie zwischen anderen Nachbar- gliedern besteht. '■') Vergl. meine Angaben über Sciitif/erd 1004, Heft 9. 24 Karl W. VEruiOEiF breit, gleich drei vorhergehenden und 4—5 folgenden Gliedern. 1. Nodulus sehr deutlich ausgebildet, breiter als die nachfolgenden Glieder. 2. Nodulus fehlend oder vor- handen (bei demselben Individuum!), im letzteren Falle ist er unter stumpfem Winkel gegen das 4. Flagellum abge- setzt, so groß wie zwei vorhergehende und '/^ länger wie das folgende Glied. Der 2. Nodulus besitzt etwa 7 wenig regelmäßige Haarringe. Muskeln sind am 2. Nodulus nicht vorhanden. Am 1. Flagellum besitzt das 1.— 3. Glied vorn und unten keine Behaarung, im übrigen aber kommen dem 2. — 6. Gliede je zwei ziemlich regelmäl.Uge Haarringe zu. dem 7., 8. und 9. Gliede 2—3 Haarringe. Nodale mit reichlicher, dichter, unregelmäßiger Behaarung, auch das vorhergehende Glied unregelmäßig, das 2. und 3. vorher- gehende mit 4 ziemlich regelmäßigen Haarringen. Jn No. 9 der Sitz.-Ber. d. Gesellsch. nat. Fr., Berlin 1904, habe ich bei ScuUgcra coleoptrata au den Antennen (von der Basis abgesehen) zweierlei Muskeln unterschieden, Muskelb ander, welche der Achse parallel verlaufend durch zahlreiche Glieder ziehen und Schrägmuskeln, welche zur Längsachse schräg gerichtet einer geringeren Zahl von Gliedern angehören. Diese zweierlei Muskeln begegnen uns auch bei Fodotliereiia. Ich möchte mich aber hinsichtlich der Muskelbänder noch etwas deutlicher ausdrücken, denn die a. a. 0. von mir gebrauchte Be- zeichnung (S. 202) „von Glied zu Glied ziehend" ist un- klar, da man daraus entnehmen könnte, daß eine Be- festigung am Rande der einzelnen passierten Glieder stattfinde, was nicht der Fall ist. Die Muskel bändei-, deren ich nach erneuter Prüfung, sowohl bei ßcutigera als auch Fodotliereiia mit Sicherheit zwei habe nachweisen können, dienen ebenso wie die Schrägmuskeln zur Bewegung des Postnodale. Ich habe schon früher a. a. 0. das Scharniergelenk zwischen 1. und 2. Fla- gellum beschrieben und die Gelenkknöpfe als „oberen" und „unteren", was auch ganz zutreffend ist, wenn man sich die Fühler nach der Seite gehalten denkt. Wenn man Zur Morpholoiiie, i>ij-^ti'ina(t/c toicl Hein iancunorphose der Scutujeriden. 25 aber die gewöhnliclio Ruhelage der Antennen ins Auge faßt, bei welcher dieselben vom Kopfe her nach hinten parallel über den Eiicken gelegt werden, so kann man sich durch den Versucli direkt überzeugen. daB zwischen No- dale und Postn<;dale ein Gelenk besteht, welches dem 2. Flagellum (unfi 3.) nur eine Bewegung von oben nach unten gestattet. In diesem Sinne mul.i man die Gelenkknüpfe als äuBere (vordere) und innere (hintere) unterscheiden. Die genannten Muskelbänder sind bei Scutigera grundwärts beide im Flagellobasale befestigt, und zwar ist das eine viel stärker (breiter) als das andere. Das stärkere Muskelband liegt, wie ich schon a. a. 0. S. 206 beschrieben habe, gleich hinter dem Gelenkknopf (Plöcker und Grube), welche sich vorne zwischen Schaft und Geißel l-ßfindet, in ziemlich beträchtlicher Breite be- festigt, während das andere schmale ganz unten am Fla- gellum befestigt ist. (Meine frühere Angabe, daß ein Muskelband auch aus dem Schafte komme, wird hierdurch berichtigt. Ich habe überhaupt keinen Muskel beobachtet, welcher den Schaft durchsetzte). Bei ScnUgera greift das große vordere Muskelband, ebenso wie einer der Schrägmuskeln oben an das Postnodale, das kleir.e Muskel band und der untere (hintere) Schräg- muskel r.nten und hierdurch eben wird die hebende und senkende Bewegung des hinter dem Nodale gelegenen Geißelteiles bewirkt. Bei Podothereua ist im Flagellobasale hinter dem Gelenkknopf kein Muskel ausgebreitet, sondern nur weiter unten sind Muskelfasern befestigt. Eine genauere Prüfung zeigte mir aber, daß dieselben beiden, an Größe ver- schiedenen Muskelbänder vorhanden sind wie bei Scutigera. und daß nur ihre Befestigungsstellen im Flagellobasale mehr nach unten verschoben sind, was auch schon bei Fodotherena selbst etwas verschieden ist. Diese Gattung besitzt ebenfalls die an das Postnodale gehenden Schräg- muskeln, deren Fasern sowohl im Nodale als auch an vorhergehenden Gliedern befestigt sind und zwar an zahl- 21" 26 Kakl W. Verhoei'f reicheren Gliedern als bei Scutigcm, der allgemeinen gröioeren Gliederzahl des 1. Flagellum entsprechend. Um noch einmal auf die Fühlerbewegung zurück- zukommen, so bemerke ich, daß die ganzen Antennen mit dem Schafte nach allen Richtungen drelibar sind, am meisten aber von vorn und unten nach hinten und oben bewegt werden. Durch das Aufrichten steil nach oben wird das 1. Flagellum gewissermaaßen zu einem Schaft und durch Vermittelung der Geißelmuskeln und ihres Scharnier- gelenkes findet die nickende, eigentliche Tastbewegung statt. Im 2. (und 3.) Flagellum des Agenitalis von Scutiyera habe ich außer den schon beschriebenen beiden Schrägmuskeln keinen Muskel mit Sicherheit feststellen können, doch scheint es als wenn zwei feine Längsbänder sich durch die Gliedermenge hinstreckten. Beim Agenitalis von Podothercua sind zwei deutliche Muskeln vorhanden, welche sich hinter dem 1. Nodulus an das 3. Flagellum heften. Es sind wenigstens teilweise Schrägmuskeln, welche aber mit einem Teil ihrer Fasern sehr gestreckt erscheinen, weil sie sich durch 25 und mehr Glieder verteilen. An den vorliegenden Objekten konnte ich aber ihre grundwärtigen Enden nicht mit Sicherheit erkennen. Unzweifelhafte Schrägnmskelfasern sind aber an der Wand des Nodulus befestigt. A. a. 0. habe ich auf eine Zweiteiligkeit des Fühler- Schaftes hingewiesen und dieselbe als eine „sekundäre" aufgefaßt. Diese Meinung halte ich aber auf Grund zahlreicherer Vergleichsobjekte nach erneuter Prüfung nicht aufrecht, doch kann ein sicherer Entscheid vielleicht eher durch die Antennen der Larven -Stufen gebracht werden. Vorläufi.g kann ich nur sagen, daß ich die Ab- setzung der beiden Schaftabschnitte bei Agenitalis der Scutigera coleoptrata entschieden deutlicher gefunden habe als bei den Erwachsenen, auch befindet sich grundwärts vor dem vorderen Gelenkknopf zwischen Flagellum und Schaft bei Agenitalis. eine nahtartige Vorbuchtung, Ziif MorphohxjU'^ SysteiiKitik lorl HciiiifDKdiiorphim' der Sc>(ti;ieri(li')i. 27 welche gegen ileii (jielenkhücker am Schaftendrande zieht und einen Vorsprung der Naht zwischen den beiden Schaft- abseiuiitten an der VordertUiclie darstellt. Dies deutet eher auf eine selvundäre Verwachsung bin (nicht Zerschnü- rnngl) und scheint auch eine, wenngleich schwache Bewegung zwischen den beiden Schaftabschnitten zu ge- statten. Es spricht dafür auch der Umstand, daß sich zwischen dem gelben Chitin eine gebogene, helle, mehr grauweii.Uiche Hautstelle befindet. Vorn hat der Eud- abschnitt -'3 der Länge des Grundabschnittes, aber an der Stelle des Gelenkhöckers ist der Endabschnitt sehr kurz. Hinten dagegen, (in der Nachbarschaft des Schaftorganes) ist der Endabschnitt etwas länger als der Grundteil. Die nahtartige Vor buchtung ist auch bei den Erwachsenen noch vorhanden, wenn auch weniger auffällig, aber die übrige Naht, w'elche bei Ageuitalis im Profil sogar als rinnenartige Einschnürung zu erkennen ist. findet man bei den Erwachsenen nicht mehr, höchstens ist bisweilen in der betr. Gegend ein heller Streifen zu sehen. Der Fühlerschaft des Agenitalis \on Podothcreiia insiihyum zeigt im Profil keine rinnenartige Einschnürung, (also auch nicht eine so deutliche Zweigliedrigkeit wie Sci(t/(jcra). Trotzdem ist dieselbe unverkennbar, denn vorne und namentlich hinten sind beide Abschnitte durch einen deutlichen hellen Querstreifen abgesetzt, während die nahtartige Vor buchtung vor dem Gelenkhöcker am End- rande ebenfalls unverkennbar ist. Während aber bei Scut/f/cra der Agenitalis-Fühlerschaft sich namhaft von dem des Maturus unterscheidet, habe ich bei diesen Formen für Fodothereua keinen nennenswerten Unterschied finden können. Wenn also, meiner jetzigen Auffassung zufolge, die Zweiteilung des Schaftes das Ursprüngliche ist, bleibt dieselbe bei Scuügera, der geringeren Fühler- gliederzahl entsprechend, länger erhalten als bei Podo- tlicreua. Hinsichtlich der Beine des Agenitalis I \on Fodothereua folgendes: Tibialstachel fand ich am 3. Beinpaar 7i> fim 5. — 15. Vi- ^)'^s 1.— 6. Beinpaar besitzen überhaupt keine 28 Karl W. Veriioeff Dornen, am 8. Beinpaar kommen der Tibia unten keine, oben nur wenige, sehr kleine Dörnchen zu. Tibia des 10. Beinpaares unten ohne, oben mit etwa 12 kleinen Dornen in weiten Abständen. Tarsalstachel fehlen an allen Bein- paaren. 1. Tarsus. 2. Tarsus. 3. Heinpaar 5. Beinpaar 6. Beinpaar 8. Beinpaar 10. Beinpaar llgliedrig 7 gliedrig Sgliedrig 8 gliedrig Tarsus ohne Dornen. 7 gliedrig Tarsus ohne Dornen. 30 gliedrig, 1. — 5. Glied bedeutend länger als die übrigen. 12., 14., Ifi., 18, 20., 22., 24., 26. Glied mit langem, aber wenig spitzen, stark gebogenem hinteren Zapfen. Etwas kürzere, aber stark gebogene Vorderzapfen am 14 — 22. Gliede. 26gliedrig, 1. — 6. Glied länger als die übrigen. Lange, stark gebogene Hinterzapfen am IL, 13., Ib., 17., 19., 21., 23. Glied. Beträchtlich kleinere, gebogene Vorderzapfen am IL— 22. Gliede. 27 gliedrig, 1. — 7. Glied länger, größere gebogene Hinterzapfen am 12., 14., 16., 18., 20, 22., 24. Glied am 14. — 22. mit kleinerem Vorder- zapfen. 29gliedrig, 15., 17., 19., 21.. 23., 25. Glied mit gebogenem Hinter- zapfen, kürzer als an den vorher- gehenden Beinpaaren, 19. und 21. bis 25. Glied mit etwas kleinerem Vorderzapfen. 26gliedrig, L— 9. Glied länger als die übrigen. 18., 20. — 22. Glied nur mit einem ziemlich kurzen, gebogenen Zapfen. 11. — 14. Beinpaar abgebrochen. Am 15. Beinpaar besitzt die Tibia nur wenige kleine Dörnchen. Tarsus ohne Dornen, ohne Einteilung in zwei Abschnitte, Gelenke, wie bei den Erwachsenen. Ich habe 108 Tarsalglieder feststellen können, hinter der Bruchstelle scheinen auch nur noch wenige vorhanden ge- wesen zu sein. Die Glieder sind von sehr verschiedener Größe, zwar im allgemeinen gegen das Ende kleiner werdend, aber doch im einzelnen, namentlich der Endhälfte Zur Morpholoßie, Sysicinatik und Hemicouunorphosc der Scu/igerideu. 29 unregelmäßig. Man sieht eine Anzahl Glieder, welche hier und da liegend in zwei Glieder mehr oder weniger deutlich eingeschnürt sind. Abgesehen davon, daü das 16. Glied am Ende sehr schw^ach angeschwollen ist, fehlt jeder Hinweis auf zwei Tarsusabschnitte. Die Behaarung ist dicht un(] auüer den Endrändern unregelmäßig. Die Tast- borsten sind teils schräg, teils ungefähr senkrecht abgesetzt. Die Stomata sind noch kurz, das 7. ist stark nach hinten gerichtet. Rückenplatten mit Haarspitzen spärlich besetzt, Tastborsten zerstreut, namentlich zu Seiten der Mittellinie, einigere kräftigere an den Rändern. Dornen fehlen vollständig. Telson reichlich behaart. Tastborsten zerstreut. An der Genitalzone des einzigen, etwas defekten Stückes dieser Entwicklungsstufe bemerkte ich nur zwei kurze Wärzchen mit wenigen kleinen Tastborsten und Haarf'U besetzt. b) Agenital is II, gliedrig, 1. — 8. Giiedlänger als die folgenden 13., 15.— 17., 19., 21., 23., 25.-27., 29. Glied mit weniger als an den vorhergehenden Beinpaaren ge- bogenem und etwas schwächerem Hinterzapfen. 16. — 31. mit ge- radem, kurzen und stumpfen Vorder- zapfen. Ich konnte von dieser Stufe ein Sf. untersuchen, in •dessen Ovarium sich bereits eine Menge Eizellen vor- fanden, welche, mit bloßem Auge nicht unterscheidbar, unter der Lupe als gelbbraune Körnchen erscheinen. 4. Beinpaar 6. Beinpaar 6. Beinpaar 7. Beinpaar 8. Beinpaar Hgliedrio- 13 gliedrig 12 gliedrig ■ 10 gliedrig 11 gliedrig 1., 4., 5., 7., 8., 10. Glied mit je 1 Dorn Znr Morpliokujic, Systematik und Honüouniiorjihose der Scutii/eriden. 33 Mikroskopisch erkennt man leicht die verschiedene GroÜe der Eizellen, welche aber alle ein sehr deiitliclies, großes Keimbläschen enthalten. Wichtig ist die Gestalt der Gonopoden, indem dieselben die von grund- nach endwärts bedeutende Erweiterung des Syutelopodit - Grund- gliedes noch viel deutlicher zeigen als die Er- wachsenen, womit dem etwaigen Einwurf, die Thercuonema könnten Entwickelungsstufen von Thcrcuopoda oder Podo- thereiiu sein, sofort die Spitze abgebrochen wird. Der Querdurchmesser der Syntelopodit-Grundglieder ist nämlich am Ende ungefähr doppelt so lang als am Grunde, den Zwischenraum in der Mitte natürlich eingerechnet. Median- llaht und Borstenbüschel sind schon vollkommen deutlich, das letztere besteht abei' nur aus wenigen Borsten. Quer- muskeln sind ebenfalls schon zu erkennen. Kurz die Gonopoden gleichen in der Hauptsache schon denen der Entwickelten. Im Vergleich damit sieht das Telson des ^ noch viel unentwickelter aus. denn es besitzt erst wenige Stachel- borsten, und die Fortsätze der Subanalplatten fehlen noch, da deren Hinterende einfach abgerundet ist oder höchstens rechtwinkelig vorspringt. e) Pseudomaturus (^ von 27 7-' lum Körperlänge. 1. Flagellum 78gliedrig auf einer. 70gliedrig auf der anderen Seite, 2. Flagellum 182gliedrig. Am 1. Flagellum besitzt das 2.— ß. Glied nur 2 Haar- ringe, aber vorn fehlt die Behaarung größtenteils und ist erst vom 15. oder 1(5. Gliede an auch vorne vollständig aus- gedehnt, 7. und 8. Glied mit 3 Haarringen. Nodale (welches reichlich doppelt so l^ang wie breit ist), ebenso wie die vorhergehenden Glieder dicht behaart, das 1. vorher- gehende zeigt ungefähr 6 größtenteils unregelmäßige Haar- ringe, während das 2. vorhergehende deren 7 erkennen läßt. Die Behaarung des Postnodale ist so dicht und un- regelmäßig, daß man keine Binge zählen kann. 1. Beinpaar am 1. Tarsus 22gliedrig, am 2. Tarsus 48gliedrig, das lt.— 17., 19.— 22^ 25., 27.-39. Glied mit Vorderzapfen. 22.-25., 27.. 29.-39. und 41. Glied 34 Karl W. Verhoeff mit üiuterzapfeu, beide kurz, stiiinpf, leicht gebogen. 3. Beinpaar am 1. Tarsus 17gliedrig, am 2. Tarsus 45gliedrig mit Zapfen. 4. Beiupaar am 1. Tarsus logliedrig, am 2. Tarsus 43gliedrig. Die Rückenplatten führen über zu denen der Erwach- senen, indem sie auüer zahlreichen Haarspitzchen und zer- streuten, allein stehenden Tastborsten auch schon einige Dornen aufweisen, z. B. stehen an der 7. Stomaplatte jederseits der Mediaue 12 Dornen außen, innen keine, Ibei Maturus außen 3 — ß, vom Rande abgesehen, innen 7 — 9) an der (3. Stomaplatte 2 Dornen außen, 3 — 5 innen, (bei Maturus ungefähr das doppelte). Die Außenränder der 7. Stomaplatte sind dornenlos, während sie bei Ma- turus eine zerstreute Reihe kleiner Dörnchen tragen. Zur Erleichterung des Vergleichs der Entwicklungs- stufen mögen folgende Übersichten dienen: I. Flaoellum 2. Flasrcllum Agenitalis I: AgenitJilis II: Immaturus: Prämaturus: P s e u d m a t u r u s ; Maturus: 47gliedrig eOgliedrig- (27—28) — (35-41) 78gliedrig (56) 78-79 gliedrig((>5) 85gliedng (73—77) 90 gliedrig 139gliedrig 182 gliedrig 187 gliedrig 1. Beinpaar 2. und 3. Beinpaar j 4. Beinpaar 1 , Tarsus 2. Tarsus 1. Tarsus 2. Tarsus I.Tarsus 2. Tarsu Agenitalis I: — " — 11 gliedrigj 30 gliedrig Agenitalis 11: 17 gliedrig 37 gliedrig 13 „ 35 ., 1 1 gliedrig 3lgliedri Prämaturus.: 20 „ 47 .,. 17-18gl. 45— 46 gl. 14 40 ., P s e u d 111 a t u r u s : 22 ., 48 „ I7-I8gl. 45— 46.gl, 15 .. 43 „ Maturus: 24 „ 52 ._ ., 19 gliedrig 50 gliedrig 15 .. 49. ., Zur Morpho/ij/jk', Sijstentatik und IlriiiidiKunorphosc der Stutiijerulen. 35 Diese tjbersicliten lassen in übereinstimmender Weise erkennen, daß die gröüte Lücke zwischen Agenitalis II lind Prämaturiis besteht, daß also hier ein Stadium noch fehlt (Immaturiis)^), imd daß die als Prämaturus ge- deutete Stufe, welche Pseudomatunis meist sehr nahe vorangeht, eben nur dieses sein kann, nicht aber Immaturus. Daß ferner Prämaturus und Pseudomaturus verschiedene Stufen sind, zeigt außer den Unterschieden in Größe. Tarsengiiederzahl und Tergitenbedornung besonders das Verhalten des 2. Flagelluin. Oben habe ich durch ein- geklammerte Zahlen die Menge der Glieder des 1. Flagellum von IScut/gera colcoptnita zum V^ergleich angegeben, woraus hervorgeht, daß die Entwicklung dieser Form in der epimorphotischen Periode nicht nur mit viel geringeren Zahlen beginnt, sonderu daß auch die Zahlenzunahme eine auffallend stärkere ist. Ebenso wenig wie bei den Lithobiiden kann bei den Scutigeriden allgemein eine bestimmte Zahl der Fühlerglieder für die niederen Ent- wicklungsstufen angegeben werden, dasselbe gilt bei den Scutigeriden für die Zahl der Tarsenglieder. Die weiteren Peinpaare sind bei den Stufen von Podotlicrena leider sehr lückenhaft erhalten, daher muß ich mich auf folgende Fälle des 8. Beinpaares beschränken: 1. Tarsus 2. Tarsus Agenitalis 1 : A genitalis II: Prämaturus: M a t u r u s : Sgliedrig, ganz ohne Dornen J)gliedrig, ganz ohne Dornen llgiiedrig, 1.4. 5. 7. 8. 10. Glied mit je 1 spitzen Dorn. llgliedrig, alle Glieder mit Dornen und zwar 15-|-7 + 7 + 6 + 8 + 2+2+2+2+2+1. 29 gliedrig 29gliedng 3C gliedrig ohne Dornen 45 gliedrig 1.-3. Glied mit je einem Dorn. ') Sollte diese Lücke natürlich sein, dann wäre Agenitalis II richtig als Immaturus zu bezeichnen! 36 Karl W. Yerhoeff Die Bestäche liiiio; der Beintibieu zeigt fol2;ende Zunalime : 3. Beinpaar 4. Beinpaar 5. Beinpaar 6.-8. Beinpaar u. folgende bis 14. Agenitalis I Vi — Vi Vi Agenitalis II 7. Vi Vi '/l Prämaturus 7i Vi Vi V2 Pseudomaturus ^'. 1 ^'.(2) 'h 'h Maturus '/i l ,;, v^ Der Umstand, daß die den Erwachsenen von Fodo- thereua fehlenden Tarsalstachel auch allen Entwicklungs- stufen fehlen, darf betont werden als Beleg für die Wichtigkeit dieses systematischen Charakters. Das a. a. 0. über das Auftreten der Beinstachel von Scuüyera Gesagte, gilt aucli für Podothereua. d. h. man kann hier ebenfalls der Entwicklung nach ältere, mittlere und jüngere Stachel unterscheiden und zwar in gleicher Verteilung. Insbesondere sind als die älteren Stachel, welche schon bei Agenitalis I au allen Beinpaaren lang und stark sind, zu nennen der obere und untere des Präfemur und der obere des Feniur. Daß die bei Podo- thereua fehlenden Tarsalstachel bei Scutigera „weiter nach hinten am Körper immer frühzeitiger ausgebildet werden", habeich ebenfalls a. a. 0. nachgewiesen, und für die Tibial- stachel belegt es die vorhergehende Übersicht. Aber auch die übrigen Stachel, namentlich die spät auftretenden, also Hinter Stachel an Präfemur und Femur und Vorder- stachel am Feniur werden weiter hinten am Körper immer frühzeitiger ausgebildet, wie folgende Zu- sammenstelluno-en für Podothereua beweisen: Zur ^lorpliohxjie, SijstciiiatiJc und HcmifüHitiiorpliose der Scitti(jeri(len. Prüfe in u r - Hinterstachel Agenitalis I Agenitalis II ' Prämaturus i Pseudomatiuus 1. Boinpaar fehlt fehlt [am 2. Bein- paar von der Länge der Borsten]. so groß wie die längeren Nach- barborsteii. 3. Beinpaar Ein kleines Zäpfchen, noch kürzer als die Nachbarborsten. fast doppelt so lang wie be- nachbarte Tastborsten. doppelt so gross wie diese Borsten. 5 Beinpaar 8. Beinpaar kleines Zäpfchen , kaum länger als die Nachbar- borsten. reichlich doppelt so lang wie die Tastborsten. l^'amal länger als Nachbar- borsten. fast doppelt so lang wie die Nachbar- boi-sten. von halbem Präfemur- durchmesser Femur- | ^genitalis I Hinterstachel '^ i Agenitaiis II ; Prämaturus Pseudomaturus 1. Beinpaar fehlt fehlt von der Länge benachbarter Borsten. ebenso 3. Beinpaar fehlt fehlt von der Länge benachbarter Borsten. von der Länge benachbarter Borsten. 5. Beinpaar fehlt fehlt [6. Beinpaar schwach an- gedeutet]. Zäpfchen von der Länge der Tastborsten. 8. Beinpaar fehlt Zäpfchen von der Länge der Tastborsten. von der Länge benachbarter Tastbarten. 38 Iva KL W. Vehhoeff ^ I'^'^y- , Agenitalisl V r d e r s t a c h e 1 '^ 1 Agenitalis II Prämaturus \ Psendomaturus 1. Beinpaar 1 'Anial länger wie benach- barte Tast- borsten. doppelt so langwie solche Tastborsten. ebenso 3. Ueinpaar kleines Zäpf- chen von Tast- borstenlänge. doppelt so lang wie die Tastborsten. ebenso 1 ebenso 5. Beinpaar doppelt so lang wie die Tastbürsten. von der Länge des halben Feniurdurch- messer. ebenso 8. Beinpaar von der Länge des halben Femurdurch- niesser. von mehr als halbeniDurch- niesscr. von ^3 des Femurdurch- messer. Die Stufe A genitalis ist charaivterisiert durch das Fehlen des Femur- Hinterstachels und zwar bei A. I am 1. — 8., bei A. II am 1. — 5. (6.) Beinpaar, während er bei Prämaturus schon an allen Beinpaaren vorkommt, wodurch ebenfalls auf ein noch dazwischen befindliches Stadium (Immaturus) verwiesen wird. Eine regelmäßige Chätotaxie, wie ich sie von den Lithobiiden-Entwickiungsformen nachweisen konnte ^). besteht bei den Scutigeriden nicht, jedenfalls nicht bei den epimorphotischen Stufen. An den Tergiten z. B. treten nicht nur die Haarsi)itzchen. sondern auch Dornen. Stachel- borsten und Tastborsteu in unregelmäßiger Weise auf. höchstens abgesehen von den wulstigen Rändern. Bei Sciitigcra konnte ich an den Antennen drei regressive Metamorphose - Charaktere nachweisen. . PodotIterciKt ver- hält sich in dieser Hinsicht anders, denn sein Nodulus bleibt sehr deutlich erhalten und besitzt auch noch kleine Schräg- muskeln. Sogarder2. Nodulus ist bei Erwachsenen deutlich aus- geprägt, anscheinend aber ebenso variabel wie bei Scutigera die Ausbildung des 1. Nodulus. Eine Rückbildung typischer *) Yergl. zoolog. Jahrbücher 1905, Festschrift für K. MObius. Zur MQrplioli>[iie, Sysfematik und Hi'miaudDiorjihdxe der Scufiyeridoi. '^[) Tastborsteu vom 2. Flagellum findet bei Fodothereua eben- falls nicht statt, eher das Gegenteil. Am 1. Flagvllmn werden die liräftigereu. schräggestellten Tastborsten deiitlicli vermehrt, indem z. B. am FJagellobasale bei Agenitalis 5— (1 Prämatnriis 7 — 8. Psendomatiirns 8 und IMaturiis 9 — 10 größere Tastborsten anzutreffen sind. Was die Zapfen des 2. Tarsus betrifft, so fehlt auch bei ihnen die regressiv-metamorphe Entwicklung der Vorderzapfen, welche ich von Scntigera nachwies, es findet im Gegenteil bei Fodothereua fast überall eine allgemeine Vermehrung sowohl der Vorder- als auch Hinterzapfen statt. Indessen erfahren die einzelnen Zapfen im ganzen keine Verstärkung sondern eher eine Ab- schwächung, denn durchschnittlich sind die Tarsalzapfen der Agenitales länger und stärker gebogen als die der übrigen Entwicklungsstufen, während bei ihnen die Sohlen- bürsten noch nicht so entwickelt sind wie bei den weiteren Stufen. Für die Vei'änderungen der Zapfenbewehrung mögen folgende Beispiele als Erläuterung dienen: 1. Beinpaar, 2. Tarsus: Tarsus- "liedcrzahl Vorderzapfen Hinterzapfen Agenitalis II: Präniaturus : Pseudomaturus : Maturus . 37 47 48 52 13.— 32. Glied, an- fangs lang und dünn, endwärts immer kür- zer, alle gebogen. 15.17.-19.21 Glied. -39. 14.-17.19.-22.25. 27.-39. Glied. 17. 19.-47. Glied, anfangs dünn und gebogen, nach end- wärts gedrungener und schließlich ganz höckerartig, gerade und stumpf. [11. 14. 15. Glied mit kleinem,] 19. 21. 23. 25. 27. 29. 31. 33. mit größerem Zapfen lang,gebogen 23. 25. 27. 29. 31. 33. 35. 37. 39. 41. Glied. 22.-25.27.29.-39. 41. Glied. 24.-37. 39.-48. u. 50. Glied, alle ge- bogen, aber nach endwärts gedrun- gener werdend. 40 Kaul W. Yerhoeff Die genauere Betrachtung dieser Verhältnisse lehrt uns zunächst, daß dem 1. Glieds, welches Vorder- undgröBeren Hinterzapfen zugleich besitzt, ß (7) Glieder vorangehen, denen nur ein Vorderzapfen zukommt. Auüerdem läßt sich feststellen, daß die Zahl derjenigen Glieder des 2. Tarsus, welche vor jenem 1. Vorder- und Hinterzapten zugleich führenden Gliede liegen, allmählig zunimmt, woraus man folgern muß, daß innerhalb des Grund - gebietes des 2. Tarsus neue Glieder erzeugt werden. In diesem Grundgebiet haben wir aber zunächst die Tarsalia asinnata, welche auffallend länger sind als die folgenden T. sinuata, das 1. Beinpaar besitzt T. asinuata bei Agenitalis II 6. Prämaturus 8. Pseudomaturus 7 und Maturus 6. Der Vergleich lehrt, daß die zwei Glieder, welche Prämaturus mehr besitzt, dadurch entstehen, daß das 2. Tarsobasale endwärts 2 Glieder von sich abschnürt. Der Vergleich der Größenverhältnisse beweist dies. Denn während bei Ag. II das 1. Glied Vt länger ist als das 2. und dieses 1 V2 mal länger als das 3., welches dem 4. — 6. einzeln ungefähr gleich ist, erreicht bei Prämaturus das 2, Glied kaum -/s des 3., das 3. ist etwas kleiner als das 4., dieses etwas größer als das 1. Wir erreichen aber das Verhältniß von Ag. II an- nähernd wieder, wenn wir uns das 1.— 3. Glied von Prämaturus als ein Glied vorstellen. Weiterhin werden keine neuen T. asinuata erzeugt, vielmehr erst das 8. und dann (bei Maturus) das 7. dieser Glieder in ein Tarsale sinuatum umgewandelt. Wir haben bei: Grundglieder ohne Zapfen Zapfen tragende Glieder Endglieder ohne Zapfen Agenitalis 11 10 23 4 Priimaturus 14 27 6 (Zunahme 10) Pseudomaturus 13 80 5 ( „ 1) Maturus 16 33 3 ( „ 4) Zur Morphologie, Systematik und HcDtianainarphose de)- Scudyericlen. 41 Bei Ageuitalis II ist das 1. Vorder- iiud Hinter- zapfen zugleich tragende Glied das 19., bei Prämaturiis das 23. Unter den 4 neu in dem Grundgebiet aufgetretenen Gliedern befinden sich also zwei im Bereich der Asinuata, zwei sind im Bereiche der weiter folgenden, kürzeren Öiniiata als "neu aufgetreten zu suchen. Tatsächlich linden wir auch, daß zwischen den G ersten Gliedern mit Vorder- zapfeu bei Prämaturus zwei zapfenlose (16. und 20.) ein- geschaltet sind. Wie schon oben erwähnt, sind unter den Hinterzapfen des Agenitalis II drei schwache dünne (am U. 14. und 15. Glied), von 8 starken (am 19. 21. 28. 25. 27. 29. 31. und 33. Glied) zn unterscheiden. Die drei schwächeren Zapfen verschwinden bei Prämaturus, und dies ist der einzige, im Vergleich mit Scutigcra schwache, metamorphe Zug. welchen ich bei Podothercuu beobachtet habe. Da bei Prämaturus (im Vergleich mit Ag. II) 10 neue Glieder aufgetreten sind, in der Grund- hälfte aber nur 4 neue Glieder nachweisbar sind, wodurch das 1. A'order- und Hinterzapfen zugleich tragende Glied vom 19. zum 23. geworden ist. während 10 kräftige Hinterzapfen führende Glieder vorhanden sind, die zai)fen- losen Endglieder aber von 4 auf (3 vermehrt wurden, so fragt es sich, wo kamen die übrigen neuen Glieder zu Stande! Eine Antwort gibt uns die genauere Betrachtung des Tarsofinale Untersucht man nämlich zahlreiche 8cutigeriden-Beine verschiedener Stufen, so wird man dar- unter garnicht selten Fälle antreffen, in welchen das letzte dem Tarsofinale vorangehende Glied von diesem mehr oder weniger unvollständig getrennt ist. so daß es noch keiner selbständigen Bewegung fähig ist. Man erkennt, daß der Grundabschuitt des Tarsofinale in einer Entfernung, welche der Größe der kleinen Tarsalglieder entspricht, abgeschnürt wird, und zwar beginnt die Trennungsnaht sich unten zu bilden und rückt dann mehr oder weniger dorsal hinauf. Die Zunahme der zapfenlosen Endglieder beim Vergleich von Agenitalis und Prämaturus deutet ebenfalls auf diese abschnürende Tätigkeit des Tarsofinale hin. Daß dieselbe aber eine ^1 ! 42 Karl W. Verhoeff andauernde ist, lehrt die Tatsache, daß mau am Grunde des Tarsofiuale unvollständig abgeschnürte Glieder in allen Stufen beobachten kann, auch noch bei Maturus. Die Grundbälfte des Tarsofinale stellt somit einen Zylinder von Zellen regsten Wachstums- und Teilungs- vermögens dar, eine Sprossungsscheib e. welche am Beine eine ähnliche Rolle spielt wie am Rumpf die Sprossungsscheibe vor dem Telson (Podotelson undSomato-Telson!). Bei Prämaturus sind somit die übrigen 6 neuen Glieder entstanden durch basale Tarsofinale- Abschnürungen. was noch klarer hervortreten würde, wenn mii* der Immaturus zur Verfügung stände. Von den 6 neuen Gliedern sind fünf zapfenlos, das 6. trägt einen Hinterzapfen. Die bei Agenitalis II zapfen- losen Endglieder sind zapfentragend geworden, ein Fall der nichts Auffallendes an sich hat, wenn man Prämaturus und Maturus vergleicht, wo er in noch reichlicherem Maße eintrat. Der 2. Tarsus von Maturus ist nämlich gegenüber Prämaturus nur um 5 Glieder vermehrt, während die Hinterzapfen um 15, die Vorder- zapfen um 7 (von 23 auf 30) vermehrt wurden, somit ein sicherer Beweis. Die regelmäßigen Lücken zwischen den größeren Hinterzapfen, d. h. abwechselnde (alter- nierende) Anordnung derselben hat Prämaturus von Agenitalis übernommen. Die Lücken werden aber später ausgefüllt und zwar bei Pseudomaturus teilweise, bei Maturus vollständig. In anderen Fällen beginnt die Lückenausfüllung schon bei Prämaturus und scheint von grund- nach endwärts fortzusclu'eiteu (vergl. das 5. Beinpaar). Bei der großen Gliederzahl muß natürlich mit einer kleinen Variation der Glieder gerechnet werden. Zitr Jlurpholofjie, SystenKitilc und IfcniiaiuiDiorphusT der Scnticjfriden. 43 Für das 3. Bein paar folgende Notizen: Tarsalgliederzahl des 2 Tarsus Vordei'zapfen Hinterzapfen A genitalis I A genitalis II 30 85 14. — 22. Glied, im Ganzen 9. i;l,I5.-29.Glied, im Ganzen 14. 12., 14., 16., 18., 2U., 22., 24., 26., Glied, i. Ganzen 8. 13., 15., 17., 19., 21., 23., 25., 27., 29., 31. Glied, im Ganzen 10. Also sind bei Ag. 11 neu aufgetreten ein Glied im Grund- bezirk, vier durch Abschnürung vom Tarsofinale. Maturus 12., 15. -44. Glied kurz, stumpf, an den grundwär- tigen Gliedern gebogen, an den endwärtigen im- mer höckerar- tiger, i. Ganz. 29. 21.— 40., 42.— 45. Glied kurze, stumpfe, aber leicht gebogene Zapfen, im Gan- zen 24. Gliederzahl des 2. Tarsus Vorderzapfeii Hinterzapfen Agenitalis II 31 5 T. asiiniata 10. — 25. Glied (16) 8., lU., 12., 14., 16., 18., 20., 22., 24., 26. Glied (10) Prämaturus 40 8 T. aninnata (9.), 13.- 33. Glied (21) 15., 17., 19., 21., 23., 25., 27., 29., 31,33,35. Glied (11) Von den 9 neuen Gliedern sind offenbar 3 im Grund- gebiet gebildet und dadurch ist das 10. Glied des Agenitalis zum 13. des Prämaturus geworden. Der Hinterzapfen am 8. und 10. Glied scheint rückgebildet zu sein und der des 12. bei Prämaturus ist zum 15. geworden, der 2ß. also zum 29. Vom Tarsofinale sind 6 Glieder abgeschnürt und dabei sind anfangs zapfenlose (^rlieder zu zapfentragenden ge- worden. TT' 44 Karl W. Verhoeff Maturus | 49 15. — 44. Glied I IG. — 43. Glied 6 T. asimiata alle kurz und j ziemlich kurz, die gedrungen, nur grundwiirtigen die grundwär- dünner und ge- tigen etwas ge- bogener, die end- bogen. (3ü) wärtigen dicker I und schwächer ge- bogen (28) Von den 9 weiteren neuen Gliedern sind noch zwei im Grundgebiet erzeugt, 7 vom Tarsofinale aus. Gerade wie am 1. Beinpaar finden wir liier bei den längeren Grundgliedern des 2. Tarsus zunächst eine Vermehrung, indem das 1. derselben (2. Tarsobasale) hier sogar drei Glieder durch Sprossung abschnürt. Unter den 5 T. asiminta des Agenitalis ist nämlich das 1. ungefähr so lang als die 4 übrigen, während bei Prä- maturus das 1. — 4. nicht viel länger sind als das 5.-8., (das 1. Glied länger als das 3.. dieses länger als das 2., das 2. länger als jedes der 4 weiteren). Weiterhin erzeugt aber das 2. Tarsobasale kein Glied mehr, denn die Zahl der Tarsalia asinuata nimmt vielmehr ab. auf 7 bei Pseudomaturus, auf 6 bei Maturus. Dieser Um- Btand hängt damit zusammen, daB diese Tarsalglieder von den T. sinuata weniger auffallend durch ihre Größe abstechen, daher die Annahme gerechtfertigt ist. daB ein bis mehrere dieser asimiata in T. sinuata umgewandelt werden. 5. Beinpaar: Glied erzähl des 2. Tarsus Vorderzapfen Hinterzapfen Agenitalis I 26 G T. asinuata 11.-22. Glied (12) 11., 13., 15., 17., 19., 21., 23. Glied Agenitalis II 33 7 T. asinuata 12.,I4.-27.Glied (13) (12.),14., 16., 18., 20., 22., 24., 26., 28. Glied (8-9) Prämaturus 37 8 T. asinuata 13.-30. Glied (18) 13.— 17., 19., 21., 23., 25., 27., 29., '31. Glied (12) Maturus 45 5 T. asinuata 14.-39. Glied kurze, stumpfe Zapfen (26) 13.— 41. Glied kui-ze, stumpfe Zapfen (29) Zur Morpkolo(ju'^ Systematik und Henvianamorphose der Scutüieriden. 45 Die Tarsalia asimiata verhalteD sich hier anders als an den vordersten Beinpaaren, denn wir sehen, daü schon bei Agenitalis I das 2. Tarsobasale die sprossende Tätigkeit eingestellt hat, da das 2. Glied des 2. Tarsus schon kleiner ist als das 1. und 3. etwa 7* ^^^ 3. be- tragend, das 1. aber nicht ganz dem 2. und 3. zusammen- genommen gleich. Bei Agenitalis II und den folgenden Stufen bleibt das 2. Glied kürzer als das 1 . und 3. da nun aber dennoch die T. asimiata bei Agenitalis II und Prämatiirus um je ein Glied vermehrt sind, so kann dies (da auf das größere 3. Glied ziemlich gleichgroße kleinere folgen) nur durch Abschnürung vom 3. Gliede ent- standen sein. Bei Maturus ist dann die Zahl der läng- lichen Glieder wieder auf 5 vermindert, indem die 3 end- wärtigen in gekeilte Glieder umgewandelt wurden, ähnlich den geschilderten Verhältnissen beim 1. und 4. Beinpaar. Von den 7 bei Agenitalis II neu aufgetretenen Gliedern ist also eins bei den T. asimiata aufgetreten, eins scheint zwischen dem 12. und 14. eingeschoben zu sein und die 5 übrigen entstanden vom Tarsofinale aus und führten zum Auftreten des Hinterzapfens am 2(5. und 28. Gliede. Bei Prämaturiis sehen wir den Beginn der Lücken- ausfüllung zwischen den primären Hinterzapfen von grundwärts aus, bei Maturus ist die Lückenausfülluug beendet. Am 2. Tarsus der Erwachsenen kann mau bei Foclofhereua am 1. — 14. Beinpaar fast immer finden, daß das 2. Glied kleiner ist als das 1. und 3. Beine an denen das 1. Glied länger ist als das 2. und 3. zusammen und das 2. länger als das 3. kommen nur bei Agenitalis vor, aber auch nicht an allen Beinpaaren derselben. Weitere Mitteilungen über die epimorphotischen Stufen von Scutigera coleoptrata. Die Befunde bei den Entwicklungsstufen von Podo- thereua veranlassen mich über die von Scutigcra Verschiedenes mitzuteilen, was a. a. 0. noch nicht berücksichtigt wurde. 46 Kai:l W Yehhoeff 1. Bein paar: Gliederzahl fies 2. Tarsus Läiigl. Grundglieder, Tarsaliu asinuatu Vorder- zapfen Hinter- zapfen A genitalis 20 (4 zapfenlose Endglieder) 3 (das 1. etwas länger als das 2., dieses länger als das 3.) 6.-14. i8.,lU.,12., und 16. 14. (4) Immaturus 24 4 (das 2. u. 3., welche (8 zapfenlose I zusammen noch nicht 6.— 16. Endglieder' dem 1. gleichkommen, sind entstanden durch Zerteilung des 2. Glie- des von Agenitalis). 7., 9., IL, 13., 15., 17., 19., 21. (8) r s e u d - maturus I 32 (6zaptenlose Endglieder) 6 (jedes der ursprüng- lichen 3 Glieder des Agenitalis ist in zwei zerteilt worden). fehlen o ^ ^ . -H CO — -v| P s e u d - maturus II 34 (6z;apfenlose Endglieder) h (eine Variation, in- dem das 1. Glieds wel- ches 1 '/2 mal länger ist als das 2. ungeteilt geblieben ist). 2. — 5. fast gleich. fehlen ^ tu ^ ;^ OÄ -*^ Am Tarsofinale dieses Beines sind zwei Glieder in Abschnü- rung begriffen; beim grundwärtigen geht die Naht nach oben bis über die Mitte, beim endwärtigen nur bis zur Mitte, (x y Abb. 5.) Maturus 35 ! 6 (8 zapfenlose Endglieder) 1. = 2. Glied 3. = 4. 5. = 6. also 8 Paare gleicher Glieder). fehlen ^ r-' ic C CO t- _- -^ (M P c <^ — 'S c^ Zur 3Iorpholo(jie, Si/steiuatik und Hemianamurphose der Scutigeriden. 47 5. Bein paar: Gliederzahl des 2. Tarsus Längl. Grundglieder Tarsalia asimiata Vorder- zapfen Hinter- zapfen A g n i t a 1 i s von 6 mm Lg. 18 (2 zapfenlose Endglieder). 3 (1. länger als 2.+3.) 8.— 14. Agenitalis von 7'/2 mm Lg. 19 (2 zapfenlose Endglieder). 4 (das \. und 2. ent- standen durch Teilung des ursprünglich 1 . Gliedes). 7.— 14. 9., IL, 13., 15., 17., (5) Iinmaturus von 8 ','2 nin Lg. 21 {4 zapfenlose Endglieder). 6 (3 Paare, deren 2. und 3. entstanden sind durch Teilung ent- weder des 1 . und 2. oder 3 und 4. Gliedes des Vorigen). 9., 11.— 13., 7-, 9.— 11., 13., 15. 17., (7) 1 la ni a t u r u s von 11 mm Lg. 22 4 (wie bei dem 2. IL, 13. (5 zapfenlose Agenitalis). recht Endglieder). | klein 9., IL, 13., 15., 17., (5) Prä m a t u r u s von 12 mm Lg. auf einer Seite. auf der an- dern Seite, Bein des- selben In- dividuums. 22 (5 zapfenlose Endglieder). 25 (4 zaplenlose Endglieder). 4 (wie vorher). (wie bei Immaturus). ein kleinen 7., 9., 1 L, noch am 9. Gliede. fehlen 13., 15., 17., (C) 9., IL, 13., 15., 17., 19., 21., (7) Prämatur US von 16 mm Lff. 25 (6 zapfenlose Endglieder). 6 (wie vorher). fehlen 9., IL, 13., 15., 17., 19., (6) P s e u d - maturus von 19 mm (4 zapfenlose Endglieder). 6 (ebenso) fehlen IL, 13., 15.,(]6.), 17., 19., 21., 23., (7) Pseudo- m a t u r u s von 20 mm Lg- 30 (7 zapfenlose Endglieder). größere Grundglieder. fehlen 13., 15, 17., 19., 21., 23., (6) Maturus von 25 mm Lg. 31 (8 zapfenlose Endglieder). unter den Grundglie- dern gehen die end- wärtigen allmählig über zu den weiteren Gliedern. fehlen 13., 15., (16.), 17., 19., 21., 23., (6) 48 Kahl W. Verhoeff Unter den zapfeiilosen Beinpaaren erwähne ich als Beispiel das 10. 13ei Agenitalis finden sich 5 T. asimiata, von denen das 1. länger ist als das 2. + 3. Das 2. fast gleich 3. + 4., das 3. gleich dem 4., dieses etwas kleiner als das 5. (Der 2. Tarsus 18 gliedrig.) Von 3 ursprüng- lichen Gliedern sind offenbar durch Teilung des 2 und 3. Gliedes 5 gebildet worden. Bei Immaturus finden sich gleichfalls 5 längliche Tarsalglieder am Grunde des 2. Tarsus, aber das 3. Glied ist fast doppelt so groß wie das 4., was auf eine Teilung des 1. und 3. der drei ursprünglichen Glieder hinweist, mithin auf eine Variabilität hinsichtlich der Teilungsfähigkeit der drei ursprünglichen länglichen Tarsalia (asinuata). Bei Prämaturus ist auch das 3. dieser drei ursprünglichen Glieder geteilt, indem hier 6 Tarsalia asinuata vorkommen, während dieselben bei Maturus wieder nur in der Vierzahl vorhanden sind, da das 5. und 6. Glied von den folgenden Gliedern nicht mehr deutlich abstechen. Der Vergleich von Podothcrcua und Sciiügerii hinsicht- lich der Tarsalzapfen lehrt uns folgendes: 1. In beiden Gattungen verhalten sich die Vorder- zapfen nach Entwicklung und Verteilung verschieden von den Hinterzapfen. 2. Die Entwicklung der Vorderzapfen von Podothe- reu/i ist verschieden von derjenigen bei Scutujera, denn während bei Podothereua eine fortgesetzte Vermehrung der Vorderzapfen stattfindet, sehen wir, daß bei Seidigem unigekehrt die bei Agenitalis vorhandenen Vorder- zapfen rückgebildet werden und zwar an manchen Beinpaaren, (wie oben das Beispiel des 5. Beinpaares zeigt.) in' ganz allmähliger Weise. Jedenfalls fehlen die Vorder- zapfen schon bei P send o maturus vollständig. Dieses metamorphotische Verhalten von Scutigera erlaubt uns •den SchluB auf eine teilweise Verschiedenheit im Leben der Erwachsenen und der Jugendformen. Zui' Morphuloyie, Systematik uml ilennunainorykoae der Sattiger iiloi. 49 3. Verhalten sieii aber auch die Hinterzapfen in ihrer Entwicklung nicht übereinstimmend, denn während bei Scuügcm allerdings auch eine Vermehrung der Hinter- zapfen (beim 1. Beinpaar z. B. von 4 auf 8. 9) stattlindet. aber die bestehende abwechselnde (alternierende) An- ordnung beibehalten wird, findet bei Fodothcrcua nicht nur eine viel stär}mur Femur Tibi; X oben unten oben unten oben unten 6. Beinpaar (1 2 1 7. Beinpaar 2 I y (kl ■) 8. Beinpaar Ü 2 6 4 8 9. Beinpaar 5 6 8 14 lU. Beinpaar 4-5 10 7 15 3 (kl.) 11. Beinpaar 8 10 S 19 3 14. Beinpaar 2 17 16 14 17 Zu7' 3Iiipphol<>(/ie, S)/stcnmtik ximl He»iiananiorp/iu>ie der Scutii/crido). 55 Tibialeiidstachel am 1. Beiiipaar 7>- '^^^^ - iiii*^ 15. Beinpaar Vi- ^ro '^- — l-l- Beinpaar ^'2. Tarsus 1. Tarsus 2. Tarsus 1. Beinpaar 13glie(lrig •28 giiedrig, 8.— 19. Glied mit kurzem Yorderzapfen, 8.— 10., 12., 14., 16., IS., 20., 22. mit ziemlich starken gebogenenHinter- zapfen. 2. üoiiipaar J 3 giiedrig 27 giiedrig, 9.-19. Glied mit kleinemVorderzapfen, 9.— 11., 13., 15., 17., 19 mit gebogenem Hinter- zapfen. 3. Beinpaar llgliedrig 20 giiedrig. 4. Beinpaar 1 1 giiedrig 25 giiedrig. 6. Beinpaar 8 giiedrig 23 giiedrig, eine Reiiie wie die Vorigen ohne von Gliedern besitzt je Dornen. 2 Zapfen neben einander, aber beide recht kurz. 7. Beinpaar 8 giiedrig 23gliedrig, 6.-21. Glied ohne Domen. mit meist 2 kurzen Zapfen neben einander. 8. Beinpaar 8 giiedrig 25 giiedrig mit äußerst ohne Dornen. kurzen, höckerartigen Vorderzapfen am 8.— 2ü. Glied. Am 8.-22 Glied Hinterzapfen kurz, meist gerade, die endwiirtigen etwas größer und leicht gebogen. 9. Beinpaar 9 giiedrig die beid. ersten Glieder mit je 1 Dorn. 10. Beinpaar 8 giiedrig Dornen an den beiden ersten Gliedern 5+i. 24gliedrig.- 11. Beinpaar 10 giiedrig 26gliedrig mit kurzen Dornen4+l + l + l + l. höckerartigen Zapfen, meist 2 neben einander. 12. Beinpaar 10 giiedrig 27 giiedrig mit ähnlichen Dornen 4 + 1 + 1 + 1. Zapfen. 14. Beinpaar 9 giiedrig 3] giiedrig, Zapfen sehr ! Dornen 8+2+2. kurz, höckerartig. 15. Beinpaar am Tarsus vollkommen ohne Dornen. 56 Karl W. Verhüeff Tarsalstachel fehlen au allen Beinpaaren. Hörstäbchen mit äußerst feiner, schräger, gekreuzter Streifung. Grundglieder am Syntelopodit des ^ deutlich nach endwärts erweitert, die nicht verwachseneu End- abschnitte dieser Grundglieder auffallend kurz, nur wenig länger als breit, innen mit kräftigem Borstenbüschel vor dem queren, leichte Beweglichkeit der Endglieder ermög- lichenden Gelenk. (Vergi. die Abb. 8 der beiliegenden Tafel ) Endglieder innen fein gesägt-gezähnelt. Subanal- platteu des $ schwach gebogen, stark doppelt so lang als breit, mit Stachelborsten besetzt, hinten abgerundet. 15. Tergit hinten abgerundet, an den Rändern fast unbedornt, innerhalb der Fläche mit etwa 20 Dornen, neben welchen Stachelbörstchen stehen. Die Stoma- platten sind reichlich mit Dornen besetzt, neben welchen immer Stachelborsten stehen. Es gibt aber auüer diesen noch zahlreiche alleinstehende Stachel borsten, dagegen weder feine Tastborsten noch Haarspitzchen. Vor vielen Dornen befindet sich eine kleine Gruppe von Porenkanälen, welchen offenbar einzellige Drüsen zugehören. An den Hinter- rändern stehen einige Dornen, während die Seitenränder davon fast frei sind. Hinterrand in der Mitte stark aus- gebuchtet, in der Mitte der Bucht mit dem Stoma etwas vorspringend. Die Stomata sind nur mäüig lang, der schmale Spalt hinten etwas erweitert, das 7. und in geringerem Malie H. Stoma sind schräg nach oben und hinten gerichtet. Vorkommen: Das Berliner zoologische Museum be- sitzt eine Anzahl erwachsener Stücke aus Tanger und Casablanca, gesammelt von M. Quedenfkldt Ende Dezember 1885 bis Anfang Januar. Dazu kommen noch '2 junge cT und 1 junges $ von 12 — 13 mm Körperlänge, über deren Eigentümlichkeiten noch einige Angaben gemacht w^erden sollen. Prämaturus der Tachytlierena maroccana m.: Die Antennen enthalten einen deutlich zweigliedrigen Schaft. Die beiden Glieder sind dadurch zum Ausdruck ge- Ztir 3Iorpholoyie, Systematik und Hemianamorplidse der Sctitiyeriden. 57 bracht, das ihr gelbbraunes Chitin durch eiaen lielleu Ring getrennt wird und daB an derselben Stelle sich eine mehr häutige Einschnii.'ung befindet, welche am Rande bei der Seitenansicht als Ideine Rinne zum Ausdruck I^ommt. Bei Maturus fehlt diese Einschnürung bis auf eine schwache Andeutung und der helle Ring ist ebenfalls vorhanden, wenn auch nicht ganz so auffällig. 1. Flagellum 41gliedrig, 2. Flagellum 85giiedrig. Ein 2. Nodulus ist deutlich erkennbar, 17-' mal länger als das vorhergehende und das folgende Glied, auch deutlich breiter als das Letztere und durch eine etwas breitere Zwischenhaut von ihm getrennt. Es läßt sich also 3. und 4. Flagellum unterscheiden, wobei das 3. entschieden länger ist als das 4. Beide bestehen aus zahlreichen Gliedern, welche sich aber kaum genau zählen lassen, da manche Glieder wieder in neue Glieder mehr oder weniger deutlich zerfallen. 1. Tarsus 2. Tarsus 2. IJeinpaar 12gliedrig 21 gliedrig, 9. — 15. Glied mit schwa- chem Vorderzapfen, 7., 9., 11., 13. und 15. mit kräftigem, gebogenem Hinterzapfen. 3. Beinpaar lOgliedrig 22 gliedrig 7.— 17. mit kürzerem, leicht gebogenem Vorderzapfen. 5., 7., 9., IL. 13-, 15., 17. mit längerem, geborenem Hinterzapfen. 4. Beinpaar 9 gliedrig 22 gliedrig, 9. — 17. mit Vorderzapfen. Hintei'zapfen wie vorher. 5. Beinpaar Sgliedrig 22 gliedrig 8.— 18. Glied mit kür- zerem, gebogenem Vorderzapfen. 7., 9., 11., 13., 15., 17., 19. mit kräftigem, gebogenem Hinterzapfen. Diese Beinpaare entbehren an den oberen und unteren Kanten der Bedornung vollständig. 8. Beinpaar 8 gliedrig 23gliedrig, 10.— 18. Glied mit höckerigem kurzen Vorderzapfen. 7., 10.— 12., 14., 16., 18. mit ge- bogenem Hinterzapfen, schwächer als die der vorhergehenden Boin- paare. 53 Karl W. Yerhoeff Sehr kleine Dörnchen linden sicli oben am Femur (3) und der Tibia (7). Tibialendstachel Vi am 2.-5. Beinpaar Vs am 8. Beinpaar. Die vSubanalplatten des ^ sind mit Stachelborsten besetzt, aber spärlicher als bei Maturus Auch die Gono- poden des $ sind denen des Maturus $ höchst ähnlich, nur etwas weniger beborstet, die Endabschnitte der Grund- glieder des Syntelopodit wenig schlanl<:er. Übrigens sind diese Grundglieder nach endwärts ebenso erweitert wie bei den Erwachsenen und die Endglieder innen schon deutlich gezähnelt. An den Tergiten finden sich zahlreiche, ziemlich gieichmäBig zerstreute Stachelborsten in Gestalt kurzer, spitzer Stifte. Dornen treten von der 5. Stomaplatte an auf und zwar an der 5. etwa 14, nicht viel mehr an der 6. und 7. Das 15. Tergit ist nahezu unbedornt. Stomata kürzer und namentlich an der 4. — 7. Platte schräg nach hinten gerichtet. In den zahlreichen Stachelborsten erinnert diese Gattung an die Ballonemim. Es ist daher nicht unwesentlich, gerade durch den vorliegenden Prämaturus zu erweisen, daß schon bei ihm Dornen in größerer Zahl vorkommen. Die Hinterzapfen am Tarsus, welche bei Prä- maturus, ähnlich Scutigera, eine abwechselnde Anordnung aufweisen, behalten dieselbe bei Maturus größtenteils an den vorderen Beinpaaren, während an den hinteren die zwischenliegenden Lücken ausgefüllt werden. Die nebenstehenden Textabbildungen zeigen bei A ein Stück aus der Mitte der 7. Stomaplatte von Thereiionema tuherculata aus Cliina, (bei ungefähr 300 facher Vergrößerung). Außer den stiftartigen langen Haarspitzen finden sich 5 Tastborsten und neben denselben 3 Dornen und ein Doppel- dörnchen. B führt einen Bezirk vor aus der 7. Stomaplatte A'on TacJiythereua maroccaiia m. (bei 60 facher Vergrößerung). Einen der Dornen und vor ihm Drüsenkanäle nebst vier benachbarten Stachelborsten sieht man unter C bei 300 facher Vergrößerung. In B und C gibt es keine Haarspitzchen. Zur Morphtilo(jie, Systotiatik utid Heniinnamorphn.se der Scutiijeriden. 59 -^^^ — — f Tafelerliläruiig-. Yig. 1—3. Hentitjtra cvleoptmta (L.) 5. Bein des Ageiiitalis von 7 mm Lg. 1. Enddrittel der Tibia und beide Tarsusabschnitte. 1. Tarsus viersliedrig, 2. Tarsus 19 gliedrig, von der Seite gesehen, 60 f. Vergr. 2. Das 3. Glied des 1. Tarsus bei ungefähr 3üOf. Vergr. • 8. Das 18. — 15. Glied des 2. Tarsus ebenso. Das 18. und 15. Gl. besitzen je zwei Zapfen, das 14. nur einen Vorderzapfen. Fig'. 4. Scntigera coleopirala (L.) Maturus. 19. Glied des 2. Tarsus, unten mit einem Hinterzapfen und einem angedrückten Sohlenhaar. Fig-. 5. Sctdifjer« coUoptrata ^L.) Pseudomaturus. Tarsofinale des 1. Beinpaares nebst Kralle," von der Seite gesehen. Bei y und X beginnen zwei Glieder mit der Abschnürung. Fig". (J II. 7. PodotJhcreua insidarum Verh. 6. Eine Subanalplatte des 9- Eine schmale, mittlere Längsgrube, welche von Haaren freibleibt, bildet nach innen eine Muskelkante, an welcher die (nur teilweise gezeichneten) Muskeln m 1 und m 2 befestigt sind, die einen zur gegenüber- liegenden anderen Subanalplatte ziehend, die andern zur Supraanalplatte. Die Borsten und Stachelborsten sind voll- ständig angegeben, von den Haaren ist nnr ein mittlerer Quergürtel eingezeichnet. 2ttt^= ßQ Otto Jaekel 7. ein Stück aus dem inneren Gebiet der 7. Stomaplatte mit Plaarspitzchen, zAvei Dornen und vier Tastborsten. (300 f. Vergr. ) Fig". 8 u. y. Taihytliereua maro( cmia Yeuh. 9 • 8. Gonopoden=Syntolopodit, von unten gesehen, die Grundglieder mit Mediannaht und äußerer Grube. 9. Das Endstück eines Endgliedes des Syntelopodit, stärker vergr. Fig". 10—12. Fsclliopltora pu/chrltarbis Yerh. .;-. 10. Die Verwachsungsstelle zwischen Grund- und Endglied des Gonopoden-Sj'ntelopodit, c/. äußere, ,3 innere Naht, y das untere Borstenbüschel, o vorragendes, größtenteils verdecktes Büschel. 11. Der Schaft und die drei ersten Geißelglieder einer Antenne, von hinten gesehen j 1 das innere (linke), y das äußere (rechte) Gelenkknöpfchen des hinteren Gelenkes zwischen Schaft und Geißel. Zwischen y und y l befindet sich weiter grundwärts der Porus der Grube des Schaftorgans, n der Antennennerv, m m 1 m 2 basale Motoren des Schaftgrundes, ab das sichelartige, antennale Basalstück. 12. Gonopoden-Syntelopodit von unten gesehen. Tast- borsten nur teil- weise eingezeichnet, teilweise nur deren Basalgrübchen. Zwischen diesen münden stellenweise viele Drüsenporen, x abgekürzte schwache Naht zwischen den beiden Abschnitten der Grundglieder des Syntelopodit, y Nähte zwischen Grund- und Endgliedern. Vom Coxosternum ist nur ein hinteres Stück angegeben. Fig'. 13 u. 14. Thereuonema tuhercidata (Wood) aus Tsingtau. 13. Ende des 1. und Grund des 2. Flagellum (nd = No- dale, g = Gelenk, pn = Postnodale.) 14. Schaft und die sechs ersten Glieder des 1. Flagellum von hinten gesehen, der Porus des Schaftorgans zwischen den beiden Gelenkleisten, x der verdünnte, hellere Streifen zwischen den beiden Schaftgliedern, ab das antennale Basal- stück. Herr OTTO JAEKEL: Über den Schädelbau der Notho- sauriden. (Hierzu 8 Textfigiireu). Die Stammesgeschichte der Reptilien steht zur Zeit in lebhafter Diskussion, wird aber dadurch auf Schritt und Tritt behindert, daß wir von dem Schädelbau der meisten fossilen Typen nur eine unvollständige Kenntnis haben. Während die Spezialisierungsprozesse der Reptilien zumeist im Bau ihrer Füße scharf zum Ausdruck kommen, bildet ihr Schädelbau offenbar den zuverlässigsten Maßstab für ihre rückwärtigen, phylogenetischen Beziehungen. Da man I !i über den Schääelhan der Kot/tosaiiriden. Q{ den Reptilschädpl allem Anscheiu nach von dem rings überdachten, nur von Nasen- und Augenhöhlen durch- brochenen Stegocephalen-Scliädel ableiten muß, so dürfte die Art, wie in diesem Dacli Brücken und Fenster ent- standen, die ersten und für die ganze Klasse entscheidenden Divergenzen l^ennzeichnen. Um diese Unterschiede auch bildlich klar zu stellen, habe icli in den Figuren 1 bis 3 typische Beispiele dieser drei Schädeltypen gezeichnet. OsBoKN hat in seinem neuen Klassiflkationsversuch der Reyttilien darauf die erste Einteilung derselben basiert, in- dem er sie in die beiden Unterklassen der Synapsida mit einem einfachen und der Diapsida mit einem doppelten Jochbogen zerlegte.') Aber den Reptilien, den Eroberern des Festlandes, boten sich nicht nur sehr mannigfaltige Lebens- und Funktionsverhältnisse, sondern vielen zwang sich ein mehr- facher Wechsel ihrer Lebensbedingungen auf, dem die er- erbte Form allmählich oder ruckweise nachgeben mul.Ue. So kommt es, daü nicht nur bei den jüngeren Diapsidiern die untere Brücke zwischen Maxille und Quadratum verschwinden kann (Lyognatha: Lacertilia. Mosasauria Ophidia), sondern auch bei Synapsidiern ähnlich wie bei Nagetieren, die eine Brücke, der Jochbogen, unterbrochen werden kann (Testudinata z. T.). IndeB ergäben sich daraus nur systematische aber keine phylogenetischen Schwierigkeiten, da in den angezogenen Fällen für die Lyognatha die ursprüngliche Existenz von 2, für die Testudinata die Präexistenz des einen Jochbogens außer Frage steht. Nun aber finden sich Synapsidier, bei denen der eine Joch bogen nicht einfach ist, sondern in seiner Fläche ein kleines Fenster zeigt, also auch streng ge- nommen zwei Brücken vorliegen. OsuoiJN nimmt nun an, daß solche P^ormen mit einem „interjugalen" Fenster, wie ich es kurz nennen möchte, beweisen, daß bei den Synapsidiern die untere „Wangen- ») Henry F. Osboun: The Reptilian Subclasses Diapsida and Svnapsida and the eailv Historv of the Diaptosauria. (Mem. Am. Mus. Nat. Ilist. Yol. I, pt. 8) New York 1903. (52 Otto Jakkel brücke'' an die obere „Schläfenbrücke" herangezogen und mit ihr verschmolzen sei. der einfaclie Jochbogen also nicht die Wangen- oder die Schläfenbrücke sondein beide zusammen repräsentiere. Es wäre wohl aber auch mit der Möglichkeit zu rechnen, daß in einem einfachen Joch bogen sekundär jenes interjugale Fenster entstanden wäre, denn nicht alle anatomischen Ausbildungsformen lassen sich in eine Reihe ordnen. Es will mir scheinen. dal,> diese Verhältnisse zunächst noch nicht völlig geklärt sind, und vor allem darüber noch Untersuchungen anzustellen wären, welche Bedeutung die verschiedene Brücken- und P'ensterbildung für die Musku- lierung des Unterkiefers bei lebenden Reptilien hat. Denn darauf wird wohl schließlich die Divergenz zurückzuführen sein. In jedem Falle müßte man den Diapsida und den Synapsida einen primären Typus der „Stegapsida" vor- anstellen, für diejenigen paläozoischen Reptiltypen, die noch das geschlossene Schädeldach der Stegocephaleu be- wahrt haben wie die Pareiasauria. Nach der Analogie anderer Entwicklungsprozesse größerer Formenkreise möchte ich annehmen, daß von solchen Ausgangstypen aus zunächst keine scharfe Sonderung ausschließlich in zwei später dominierenden Richtungen erfolgte, sondern zunächst tastende Versuche in verschiedenen physiologischen Richtungen erfolgten, durch die die Unsicherheit in der diesbezüglichen Organisation der älteren Formen wie ander- wärts auch hier eine Erklärung fände. Besondere Schwierigkeiten bereiten dem neuen System die Ichthyosaurier, die meiner tlberzeugung nach echte Synapsidier sind, von Osborn aber den Diapsidiern ein- gereiht werden unter der Annahme Buooms'). daß bei ihnen durch Verkürzung der hinteren Schädelregion das Wangenfenster sich sekundär geschlossen habe. Auch über die Mesosaurier sind die Akten noch nicht geschlossen. Osborn will sie zu den Diapsidiern stellen. mir scheinen sie nach dem Bau ihrer Wirbel der Rippen, des ^) R. Broom: On the structure and affinities of Udcnodon (Proc. zool. Soc.) London J901. über den Schiklclbau der Nothosauriden. (j:> ^ ^O ^■ r> ^ <^^- r f^ '-5 aj -^ .2" -S § >D -^ 'S 3'"' s 5 Ü X o* « 'S -/:■ sf "1 Oi 1— t -i^ CS CS ^ :S _ Ü O ä3ß > ä p 5 £ P^ 1 -1 ^ ^ •i^ ^1 , ^ 'S CS CS Ci ^^ / » flj' -Sl ^^5 2^ - ^ s ^ "- '^ o"^ £^ Ä C/l rt c« S cn Y) — O cn o 'X - S l^^l Ol ^ ^ '.3 CO ^^•P r- i- ^ cT-sO ^ ^ Tj X in 2 t=H rt~ ^ X 'S Piaeii a, F arietali =- 2^P. 3\/^- 64 Otto Jaekel r ^n Fig. 2. Diapsider Scliädel von Sphenodon punctatum mit Schläfen- und Wangenfenster und Schläfen- und Wangenbrücke. Nat. Größe. > Fig. 3. Synapsider Schädel von Placochelys placodonta mit einfachem Joch- bogen und einem Schläfenfenster. Vs nat. Größe. Vher (k'ii Sckaddlian der Nothusdurideii. ß5 Schulter- und Beckeiigürtels den Sanroptengiein näherzu- stehen, üa wir aber ihren kSchädelbau nocli nicht kennen, laut sich darüber noch keine Entscheidung fällen. So anregend und dankenswert mir daher der Versuch OsBOHNs erscheint, eine Einteilung der Reptilien in zwei Hanptreihen durchzuführen, scheinen mir dem definitiven Ausbau dieser Einteilung doch noch erhebliche Schwierig- keiten im Wege zu stehen. Schon die neue Fragestellung wird aber wie ich hotfe, bald zu einer Revision ver- schiedener mangelhafter Darstellungen aus älterer Zeit führen und dadurch zur Klärung des Stammbaumes der Reptilien neue Grundlagen schaffen. Sehen wir einmal zu. was im System der Reptilien zur Zeit gesichert erscheint, und betrachten wir zunächst die Diapsidia. Als sicher kann man wohl ansehen, dal.» die Lacer- tilier die Stammformen der Mosasaurier einerseits und der Ophidia andererseits sind. Alle 3 Gruppen bezeichne ich als .,Lyognatha", weil die freie Verbindung des Quadratums am Schädel wohl das durchgreifendste und aus- schlieüliche Kennzeichen dieser Formenreihe bildet, wäh- rend durch den Namen „Squamata" auch verschiedene andere Typen bezeichnet werden könnten. Es ist ferner wohl auüer Zweifel daü die Lacertilier von den Spheno- donten abzuleiten sind. Für die Stammesgeschichte beider ist von Interesse, dal,) jetzt ein neuer primitiver Sphenodont aus dem Keuper von Hannover und ein eidechsenartiger Rumpf leider ohne Kopf aus dem Buntsandstein der Eifel vorliegt') und damit das Alter der Eidechsen und Spheno- donten, die bisher erst aus dem oberen Jura bekannt waren, erheblich zurückverlegt wird. Einwandsfrei erscheint mir ferner eine verwandtschaft- liche Beziehung der Dinosaurier zu den Crocodiliern und zu den Pterosauriern. Ob aber als Ausgangsformen dieser Gruppe, die man vielleicht zweckmäüig als „Dino- cephalia" zusammenfassen könnte, überhaupt schon ältere ') 0. Jaekel: i'ber ein neues Reptil iius dem Buntsantlstein der Eifel. Zeitschr. d. Deutscli. üeol. Ges. Berlin 1904. ßf, Otto Jaeki-.l paläozoische Formen io nähere Betrachtung gezogen werden können, erscheint mir bei deren äuBerst mangelhaften Kennt- nis sehr zweifelhaft. Immerhin dürften für alle diese Typen, die unter den OsnoKNSchen Begriff der Diapsidia fallen, als Ausgangspunkt Formen wie der oberkarbonische Gephyro- stegus ') in Betracht kommen, bei dem zwar der Schädel noch den Bau des Stegoce[>halen-Schädels zeigt, aber doch den Beginn einer diapsiden Briickenbildung und eines Wangenfensters deutlich erkennen läßt. Von solchen Über- gangsformen der Stegocephalen zu Reptilien dürften dann permische Formen die Brücke zu den Sphenodonten ge- schlagen und andere den Übergang zu den spezialisierteren Typen der Dinocephaliern vermittelt haben. Unter Osborns Synapsidiern sind die älteren Formen aus dem Paläozoicum und der Karooformation noch sehr unvollständig bekannt. Seeleys Darstellungen der süd- afrikanischen Anomodontier lassen an Deutlichkeit noch nahezu alles zu wünschen übrig. Namentlich ist die Bildung der Gaumentläche und die Zusammensetzung der Schädel- Oberseite und seiner Rückwand fast in allen Darstellungen so unklar geblieben, daß kaum über einen einzelnen Knochen geschweige denn über die Gesamtheit dieser Formen ein sicheres Urteil erlaubt wäre. Hoffentlich wird die Be- schreibung der neuen nordrussischen Funde dieser soge- nannten Anomodontier und Theriodontier mehr Licht in ihre Organisation und namentlich auch klarere Abbildungen der Schädel bringen. Auch die inzwischen erschienene Dar- stellung permischer Reptilien aus Texas durch Broili^), hat leider über die Anatomie des Schädels der beschriebenen Formen größtenteils im Unklaren gelassen. Die zuversichtlichen Bemerkungen F. v. Hüexe"s^) in seiner an sich sehr dankenswerten Zusaniraenstelluns: M 0. Jaekel: Gephyiostegus bohemicus. (Zeitschr. d. Deutsch, geolog. Ges. Bd. 54. Berlin 1902 pag. 127. ") Ferd. Broili: Permische Stegocephalen und Reptilien aus Texas. (Palaeontographica LI. Stuttgart 19U4.) ^) F. V. Huene; l'bersicht über die Reptilien der Trias. (Geol. u. paläont. Abhandl. Neue Folge. VI (X) Heft 1. G. Fischek, Jena 1902.) i'ber den Schädd/'uu der Xot/w.sdnriden.. (^7 iiml Besi)rechuiig der Trias - Reptilien über die pliylo- geiietisclien Bezielumgeu dei- älteren Reptilgruppeu zu ein- ander, können bei kritischer Prüfung seiner Methode über die Unsicherheit seiner Grundlagen und Ausgangspunkte nicht hinwegtäuschen. Um mir wenigstens über die tyi>isclien Anoniodontier. die in den phylogenetischen Entwürfen Hup:ni-:'s eine groüe Rolle spielen, ein klareres Urteil bilden zu können, habe ich einen Schädel von Oudenodon kürzlich l»räpariert und beschrieben') und bin dabei zu dem Er- gebnis gelangt, dal.) die Schädelbildung dieser ty))ischen Anoniodontier abgesehen von ihrer zweiteiligen Nasenöffnung und dem später verschwundenen sog. Lacrymale (non Lacrymale der Mammalia, Postnasale Jkl.) durchaus säuge- tierartig ist. Mit ihrem doppelten Condylus und ihrer doppelten Gaunienbildung haben sie dabei die für Säuge- tiere typischen Organisationsverhältnisse ziemlich erreicht, und sich entsprechend gerade von typischen Reptilien wie den Placodonten und Nothosauriern entfernt. Ob man derartig organisierte Forjnen überhaupt noch bei den Reptilien beläUt und sie nicht zweckmäl.Uger mit den Monotremen als Pi'omaramalia zusammenfaüt, möchte ich in diesem Zusammenhange wenigstens berührt haben. Mit der nachstehenden Besprechung einiger triadischer ^leeres - Reptilien möchte ich versuchen, einige Lücken unserer Kenntnis des Synapsidier- Schädels auszufüllen. Besonders möchte ich damit die Aufmerksamkeit auch auf die Gaunienbildung lenken, die bisher nur bei wenigen fossilen Typen, wie namentlich den Crocodiliern genauer beachtet worden ist. Der Nothosaurierschädel, den . ich der folgenden Be- sprechung zugrunde lege, ist mir von meinem Freunde *) 0. Jaekkl: Über den Scliiidelbau der Dicynodonten. (Diese Berichte, Okt.i 1904. ßg Otto Jaekel Prof. P^iiKKHAKD Fkaas aus dem Kgl. Naturalien - Kabinet in Stuttgart geliehen worden. Er entstammt den oberen Schichten des oberen Muschelkalkes des Heidenfels bei Crailsheim in Württemberg. Der Fig. 4 und 6 abgebildete Schädel ist insofern nicht vollständig, als das vorderste Ende der Prämaxillen und die Hinterwand des Schädels unterhalb der überragenden Parietalia fehlt. Alle übrigen Teile konnte ich dagegen so unverletzt aus dem Gestein herauspräparieren und zwar die Oberseite als Positiv, die Gaumenfläche von auilen und innen im Negativ, daU alle Einzelheiten der Siailptur und der Nähte klar zu ei-kennen sind. Die Oberseite des Schädels von Simosaurus zeigt in einem ovalen Unuili die drei Paare von Durchbrüchen der Nasen-, der Augen- und der Schläfenlöcher, die von vorn nach hinten ziemlich gleichmäßig an Größe zunehmen. Die Hauptaxe aller divergiert von der Mittellinie nach hinten. Alle zeigen dabei eine relativ spitze Ausbuchtung nach hinten und außen, am schärfsten ist dieselbe an den Augen- höhle« und Schläfenfenstern ausgeprägt. Die Schädelbrücken zwischen und zur Seite dieser Durchbrüche haben fast überall die gleiche Stärke, sodaß sich daraus ein sehr regelmäßiges Bild der Schädelproportiouen ergil>t. welches für die Gattung Simosaurus charakteristisch ist, und mit denen von Nothosaurus im weiteren Sinne und Pistosaurus auffallend kontrastiert. (Fig. 4 und 6.) Während diese Maße mehr systematisches Interesse für den engeren Gattungstypus haben, dürften die folgenden Angaben über die Zusammensetzung des Schädels aus seinen Elementen eine allgejneinere Bedeutung für die Be- urteilung aller Nothosauriden haben, da sich erfahrungs- gemäß der elementare Bau des Schädels auch im weiteren Kreise einer Ordnung im wesentlichen gleich bleibt. Die Prämaxillen bilden das vordere gerundete Ende der Schnauze; sie sind paarig getrennt, anscheinend jeder- seits mit 4 Reißzähneu besetzt und greifen rückwärts mit einem schmalen Fortsatz bis in die Mitte der Nasenbrücke. Vl>ev den Schäddüdii der Xot/io-iauridoi. (^9 Seitlich stoßeu sie mit einer bogigeii Nahtliniu an die Maxillen. Ihr Ossitikationszentriun liegt, wie sich aus der strahligeii Skulptur des erhaltenen Teiles ergibt, ziemlich weit vorn, ist aber am Fossil nicht mehr erhalten. Die Ergänzung des Vorderrandes wurde nach der Krümmung des vorhandenen Stückes und dem von H. v. ]\Ikyer ab- gebildeten Schädel ') derselben Art von Crailsheim vor- genommen. Die Nasenlöcher sind oval gerundet und ziemlich groß im Verhältnis zu denen anderer Nothosam'ier, bei denen sie offenbar — namentlich bei Pistosaurus — durch die Verschmälerung des vorderen Schnauzenteiles beengt sind. Die Nasalia bilden als schmale Stücke den hinteren Teil der Nasenbrücke und reichen rückwärts fast bis in die Zone der Augenhöhlen, ohne sich aber hinter den Nasenhöhlen seitwärts auszubreiten. Sie sind also bei der Oröße des Schädels recht klein. Den Hinterrand der Nasenhöhlen bilden die sogen. Lacrymalia, an die sich rückwärts die sogen. Präfrontalia anschließen. Beide sind klein und bilden Dreiecke, die mit ihren Spitzen zusammen- stoßen. Ihr Innenrand folgt dabei dem Außenrand der Nasalia. dem die sogen. Lacrymalia noch in ganzer Länge anliegen. Von den sogen. Präfrontalien geht ein kräftiger Fortsatz nach der Schädelbasis herunter, zugleich die \'orderwand der Orbita bildend. Dieses Stück nun, das bei Reptilien als Präfontale bezeichnet wird und bei ihnen immer dieselben Lagebeziehungen wie hier zeigt, weist nun durchaus den generellen Charakter auf, den Johannes KoBER für das Tränenbein oder Lacrymale der Säugetiere nachgewiesen hat.''^) Ich trage nach dieser Darstellung nicht das geringste Bedenken, das sogen. Präfrontale der Reptilien mit dem Lacrymale der Säugetiere zu identi- fizieren. Da nun dieses letztere schon von Cuvieu ') Heum. v. Meyer: Zur Fauna der Vorwelt. Die Saurier des Muschelkalkes. Frankfurt a. M. 1847 — 18.55, Taf. 65 Fig. 1, Taf. 16, Fig. 1, Taf. 19 Fig. 4. ^) Jon. Kober: Vergleichend anatomische Beitrage zur Geschichte des Tränenbeins. Stuttgart Schweizerbart 1879 pag. 36 — 38. 70 Otto Jaekel charakterisiert wurde und die Fiioiität hat, su iiiuU mau den Namen Präfrontale bei Reptilien durch Lacrymale ersetzen imd für das sogen. Lacrymale derselben eine nene Bezeichnung wählen. Als solche empfehle ich den Namen „Postnasale", weil dieses normal, wenn es überhaupt ausgebildet ist, hinter den Choanen gelegen ist und eine etwa den Postorbitalien entsprechende Lage hat. Eine ])esondere morphologische Bedeutung inöchte icli diesem Element übrigens nicht zuschreiben, obwohl es sclion bei Stegocephalen sehr verbreitet ist. Es ist offenbar ein Deckknochen, dessen Hauptzweck sein dürfte, den Winkel hinter den Nasenlöchern auszufüllen und dadurch die Brücke zwischen den Maxillen und der Nasalregion des Schädels zu verstärken. Die Hauptverbindung der Maxiila mit dieser Region geht anscheinend durch das echte Lacrymah'. welches mindestens mit seinem Gaumenfortsatz dem Innen- skelet angehört und die präorbitale Ecke der eigentlichen Schädelkapsel bildet. Dadurch, daü das Postnasale nur eine nebensächliche Bedeutung in jener Brückenbildung hat, erklärt sich w^ohl auch, daß es vielen Reptilien und vielleicht auch einigen Stegocephalen ganz fehlt (Branchio- sauridue nach Credner) und in seiner Gröüenausdehnung außerordentlich schwani^t. Hier bei Simosaurus und offen- bar auch bei anderen Nothosaurien sind, wie Fig. 1 zeigt, die Postnasalia sowohl wie die Lacrymalia sehr klein, da sich die sehr große und kräftige Maxille weit nach oben an die Schädelkapsel herandrängt. Die Lacrymalia sind übrigens dick verknöchert und besonders rauh skulpturicit. Das ist wohl eine Folge ihrer starken Zusanimeudrängung, die eine normale Ausbreitung der radiären Skulptur l)e- hinderte. Deshalb sind auch die Grenzen etwas undeutlich geworden. Die Maxille (M), der Oberkiefer, ist der kräftigste Knochen des Schädels. Sie ist. wie gesagt, vorn stark nach der Nasenregion ausgebreitet und rückwärts so energisch mit ihrer Zahnreihe ausgedehnt, daß sie die lugalia zu kleinen Stücken zusammengedrängt hat und selbst noch ein Stück über den Unterrand des Jochbogens TJliev (hu Svhl'nhihau der Nothofd ariden. 71 liiiiaiisragt. Dieser liiulen' Zii)feJ ist in der Oberaiisicht deutlieli zu sehen und auch schon in der Al)bilduug II. von Meyeus angedeutet. Ich erblicke in dieser fast gewalt- samen Vergrößerung der Maxille auf Kosten der Nachbar- elemeute (Postnasalia, Lacrymalia, lugalia) den Ausdruck einer schnellen Anpassung an eine ränberische Lebensweise im Wasser, die auch bei anderen Tierformen (Crocodilier, Mosasaurier, Delphine) ähnliche Vergrößerungen des Zahn- randes Aerursachte und naturgemäU mit dessen Träger der Maxille auch die benachbarten Schädelknochen entsprechend beeinflußte. Die Frontalia,(Fr) sind langgeslreckte, schmale, hinten etwas verbreiterte Knochen, die zwischen den Orbita aus- schließlich die Augenbrücke bilden, vorn zwischen den Lacrvmalien bis an die Nasalia reiciien und hinten zwischen den Postfrontalien in scharfer Zickzacknaht mit den Parietalieu verfalzt sind. Sie sind mit einander so fest verwachsen, daß ihre mittlere Grenze kaum zu verfolgen ist. Während sie in ihrer mittleren Länge eine auffallend ebene Oberfläche zeigen, sind sie vorn rauher skulpturiert und median an den Nasalien zu einem länglichen Höcker vorgewölbt. An die Frontalia stoßen die Postfrontalia (Ptf), in der Postorbitalbrücke mit langer Basis an; ihr hinterer Fortsatz berührt noch die Parietalia. Ihr konkaver Vorderrand bildet den hinteren Innenwinkel der Orbita. ihr ebenso geformter Hinterrand den vorderen Innenwinkel der Schläfenfenster. Seitlich werden sie spitzwinklig überlagert durcli einen vor- springenden Fortsatz, der Postorbitali a, (Po), die als lange bogige Stücke von dem mittleren Teile der postorbitalen Brücke weit in die Schläfenbrücke nach rückwärts hineinreichen. Ihr Ossi- fikationszentrum liegt am äußeren vorderen Winkel der Schläfenfenster und erscheint damit etwas weiter in die Schläfenbrücke verschoben, als das sonst der Fall zu sein pflegt. Es hängt das offenbar mit der energischen und anscheinend schnellen Ausdehnung der Maxillen zusammen, durch die auch der sonst vorhandene Vorsi>rung nacli Fit!'. 4. vnn r!\?i!l''^'' '1*^^ ^^liiulels von Sn,H>,ai„>,s GuiUardoti. Ob Muschelkalk >on irailshenn, ■ , „at. Grösse. Pm Prae.naxillae. Mx Maxillae na a Ch Choanen der weiße Raum innerhall, der äu.^eren \/4 löd er Pn Postnasal.a. Fr r>ontalia. Ptf Postfrontalia. Po PosUnlitälia J jl ' i " L'ljtr de)i Scltäddban der Xothosauridoi. 73 uiiswärts unterhalb der Scliläfenbriicke unterdrückt ist. Voji dem Knochenzentrum geht ein vorderer Fortsatz an die Postfrontalia und die Orbita. ein hinterer Ausläufer ver- bindet sich fest mit dem Squamosuni. während dej' konvexe Auüenrand die Jugalia und Maxillen begrenzt. Die Jugalia, (J), sind so auffallend klein, wie ich es sonst nirgends beobachtet habe, indessen kann über ihre dargestellte Begrenzung an der Schädeloberfläche kein Zweifel obwalten. Sie sind also kleine dreieckige Stücke, die mit ihrem Ossifikationszentrum und allen Lage- beziehungen normal erscheinen, aber so in dem hinteren äuLieren W^inkel der Orbita zusammengedrängt sind, dal.' sie weder nach hinten noch nach unten merkliche Ausläufej- zeigen. Während sie bei Stegocephalen meist außen den ganzen Orbital rand bilden und vorn bis an die Postnasalia reichen, sonst aber allgemein rückwärts weit in die Schläfen- brücke ausgedehnt sind und eine Verbindung mit dem Quadratum bezw. Quadratojugale herstellen, sind sie hier von diesen beiden Verbindungen vollständig al)gedrängt durch die kräftigen Maxillen. die hinter ihnen bis an die Postorbital ia anstoßen. Das ist eine Form, die ich bei anderen Tetrapoden nicht bemerkt habe und mir nur ilurch eine unverhältniümäßig schnelle Vergrößerung der ]\Iaxillen erklären kann. Die Parietal ia, (P), bilden den größten Teil der intertemporalen Schädelbrücke. Vorn sind sie strahlig ver- zapft mit den Frontalien und Postfrontalieu, dann ver- schmälern sie sich etwas, um sich in ihrer hinteren Hälfte, wo sie das Scheitelloch umschließen, wieder allmählich zu verbreitern bis in die Region, in d"r sie seitliche Fort- sätze zu den Squamosa aussenden. Ihr Hinterrand ist flach ausgeschnitten, zeigt aber median eine kleine Vorwölbung, die derjenigen der Placodonten und Schildkröten homolog sein mag. Unter dem Hinterrande der Parietal ia fällt der Schädel ziemlich senkrecht ab. Die Oberseite der Parietalia ist ganz ebenflächig, aber vorn und hinten an den Grenz- nähten rill ig skulpturiert. 2ttrr 74 Otto Jaekel Das Scheitelloch oder die Epidyse ist 9 mm lang imd 5 mm breit. Die Squamosa (S) bilden die hinten vorspringenden Seitenecken des Schädeldaches. Leider ist das rechte Squamosum ganz weggesprengt nnd das linke auch nicht ganz erhalten, sodaß ich zur Vervollständigung des Bildes die Darstellung eines anderen Schädels unserer Form bei H. V. Meyer heranziehen mul.Ue. Bei der Übereinstimmung aller Proportionen dürfte diese Rekonstruktion keiner Be- denken unterliegen. Leider lassen sich an den Abbildungen H. V. Meyers keine Grenzen und Nähte der einzelnen Schädelknochen erkennen, sodaü ich hinsichtlich der Hinterwand des Schädels auf die Wiedergabe der UmriB- linien beschränkt bin. Die Squamosa senden nach vorn zwei Fortsätze aus. einen medialen, der sich mit den Perietalien zu der „posttemporalen" Brücke verbindet und einen seitlichen der sich an die Postorbitalia und Maxillen anschliel.Wnd den Jochbogen hinten und oben zum Ab- schluß bringt. Während des Druckes dieser Arbeit hatte Prof. E Fraas in Stuttgart noch die groBe Freundlichkeit, mir die Photo- graphie eines neuen Simosaurier Schädels des Stuttgarter Naturalien Kabinetes zu schicken. Wenn dieselbe auch die Nähte des Knochens nicht erkennen läßt, so ergänzt sie doch das Fig. 4 gegebene Bild insofern sehr erfreulich, als sie die (jesamtform und namentlich den Umriß der Schnauzenpartie ganz intakt zeigt. Dieselbe ist hier etwas breiter und dem Kieferrand geradliniger angeschlossen, als mir das an dem Fig. 4 abgebildeten Schädel der Fall zu sein schien. Die Gaumenfläche unseres Simosaurus-Schädels zeigt das Fig. 2 dargestellte Bild, welches hinsichtlich der Schnauzenspitze und der Konturen am Hinterrand ent- sprechend der Oberseite Fig. 4 vervollständigt wurde. Alle übrigen Grenzen und Knochenflächen, namentlich innerhalb der eigentlichen Gaumenfläche sind bei der Präparation so klar herausgekommen, daß jede Ergänzung überflüssis; gewesen wäre. Ein anderer Schädel von Siwosauriis Gaillardoti von demselben Fundort mit rings erhaltenem Umritt, um die Gesamtform ohne Rekonstruktionen zu zeigen. Nach einer Photographie verkleinert. 76 Otto Jaekel Was zunächst an der Gaumeubildung auffällt, ist die scharfe Trennung des Schädels in der Mittellinie, wo sonst die Präraaxillen und die sog. Vomera (Prevomera Broom) vielfach verschmolzen sind Das zweite auffällige Moment ist die ununterbrochene breite Flächenbildung des Gaumens, wie ich sie in solcher Ausdehnung nirgends wieder ge- sehen habe. Die Prämaxillen sind mäßig groß, am Rand jeder- seits mit Zähnen besetzt, und sonst in der Gaumenfläche wenig ausgedehnt, da die Choanen ziemlich weit vorn liegen. An diese treten die Prämaxillen nur mit einem schmalen rückwärtigen Fortsatz. Median schieben sich zwischen diese die sog. Vomera oder Prevomera (Broom), die vor und hinter den Choauen etwas verbreitert, zwischen diesen ziemlich stark eingeengt sind. Die Choanen sind hier groß und auffallend rund und scheinen sich in letzterer Beziehung von den Choanen anderer Nothosaurideu zu unterscheiden, bei denen eine längsovale Form normal zu sein scheint. Innerhalb der Prämaxillen und zwar median in ihrem unteren Teil zeigt sich bei den Nothosauriern wie auch bei anderen Reptilien eine einfache oder median ge- trennte (irube, die sich als herzförmige Durchbrechung des Knochens schon bei Stegocephalen findet und vielleicht mit dem Jacobson scheu Sinnesorgan in Beziehung zu bringen ist. Bei Pistosaurus ist diese Grube längs oval und so ausgeprägt, daß H. v. Meyer sie für die Choauen hielt und dann in Verlegenheit mit der Deutung der echten Choanen kam. Die Begrenzung der Prämaxillen am Außenrand bilden die Maxillen. die den recht langen Kieferrand bilden und mit einer Reihe stattlicher, verschieden großer Reiß- zähne besetzt sind. Diese Zahnreihe wird außen uil,d innen von einer Leiste begrenzt durch die die Zahnreib'e in einen gemeinsamen Graben eingesenkt erscheint, wenn auch -die einzelnen Zähne in besonderen Vertiefungen als Alveolen eingesetzt sind. Die Grabenbilduug erscheint mir wichtig im Hinblick auf die tieferen Furchen, in die bei den Ichthvosauriern die Zahureihe eingesenkt iöt. Fio. 6. Gaumenseite des Fig. 4 abgebildeten Schädels von Siniosaurus gaillar- doti. Der hinterste Teil des Schädels ist ergänzt.. Pm Praemaxillae. Mx Maxillae. N irrthümlich für Pv Praevomor (Vomer aut). PI Palatina Pt Pterygoidea. Tr Transversa (Ectopterygoidea). Q Quadrata. 78 Otto Jakkel Von einer typischen Alveolen -Bildung kann hier bei Simosaurus auch streng genommen, nicht gesprochen werden. Die Zahnsockel sitzen in oberflächlichen Ver- tiefungen, zwischen denen sich rundliche Kuppen erheben, aber der Zahnsockel bleibt dort im Grunde der Grube dem Kieferknochen aufgewachsen. Innerhalb dieser Gruben bilden sich die Ersatzzähne in der Weise, unterhalb der alten, dal.* in diese eine zahnförniige Alveole von hinten her eingeschnitten ist und dem neuen Zahn Raum zur Entfaltung bietet. j\Iit dem allmählichen Wachstum des Fi.!?. 7. Schematisclie Darstellung der Zalinliefestigung uiul des Zahnersatzes bei Dimosaurus. Nacli dein Exemplar Fig. 4 und (>. Nat. Größe. neuen Zahnes vergröüert sich offenbar die ihn bergende Resorptionsgrube, bis der alte Zahn ganz unterhöhlt ist und ausbricht. Diese Art der Zahnbildung leitet an- scheinend eine echte Alveolen bildung erst ein, indem sich um einen echt acrodonten Zahn durch jene geraeinsame Zahnfurche und ihr eingeschaltete Polster Gruben bilden, innerhalb deren auch der Zahnersatz bequem vor sich gehen kann. Immerhin ist einer typischen Alveolenbildung gegenüber dieses Stadium noch so indifferent, dal,) man daraus sowohl eine thecodonte als eine taphrodonte (Taipo^ = Graben) Bezahnuug, wie ich die der Ichthyo- saurier nennen möchte, ableiten kann. Außerdem ist sie von der acrodonten der hinteren Zähne der Placodonten und deren Zahnwechsel noch kaum zu trennen. Nach innen werden die Maxillen begrenzt von den Präniaxillen. den Choanen, den Palatina und den Transversa L'bcr (Ich Schiidd/'iiu der Nuthasauriden. 79 (Ectopterygoidea). Besonders bemerkenswert ist, daB sie hinten spitz und frei endigen, also liier nicht wie sonst durch die Jugalia an den Jochbogen angeschlossen werden. Die Palatina, die ich als die inneren Declfknochen des Stückes betrachte, dessen äußeren Deckknochen die Maxillen bilden, das uns als primärer Knochen des Innen- skelets noch bei Acanthodes erhalten ist, und dessen Spuren auch sonst gelegentlich von Anatomen bemerkt worden sind. Diese Palatina, die bei Stegocephalen. Sphe- nodonten und Placodonten noch bezahnt sind und bei den Säugetieren durch medianen Zusammenschluß den sekundären Gaumen bilden, sind hier relativ klein und halten sich durchaus in der primären Gaumentläche. Sie begrenzen mit ihrem Vorderrand die Choanen, mit ihrem äußeren Rand die Maxillen, mit ihrem inneren die Vomera und die Pterygoidea, mit ihrem Hinterrand die Transversa. Ihr Ossifikationszentrum liegt in ihrer vorderen Hälfte den Maxillen genähert. Sie sind von dort ans radial skulpturiert,- Zähne tragen sie nicht. Die Transversa oder Ectopterygoidea schließen sich in Lage und Form der Palatina nach hinten an und liegen zwischen den Maxillen und Pterygoidea eingekeilt, 160 381 — „ uQandac (Uganda) 198 415 270 Hierbei ist zu bemerken, daß dieses Uganda-Stück, der Hornlcänge und den Zähneu nach, lauge nicht so alt ist wie die erwälmteu Stücke von harnieri und matschiei, die Records ihrer Formen sind. Wie riesig das Hörn von ugandae wird, zeigt das im Rowland Ward'), p. 184 angeführte Hörn von Toru mit „3574 inches" = 895 mm Länge. Heimat: Küstengebiete des Victoria Nyansa. Albert, Albert-Edward-See und Tanganyka. Typus: Alter Bulle von mir am (1 IX. 189-1: am Maiandja-Fluß in Nord-Uganda erlegt. Buhalis noaclH nov. spec. Der Buhalis swaynei Scl. vom Nord- und Zentral-Somali- land nahestehend und wie diese mit schwarzer Beinfärbung, aber die Gesamtfärbung des (/ viel dunkler als bei ersterer Art, durchweg düster rot, von ähnlicher Farbe wie Darnalis Hang Heugl. nur viel dunkler. Der schwarze Nasenrücken nicht so scharf abgesetzt wie bei sivaynci. sondern mehr in das dunkelrot der Kopfseiten verlaufend. $ bedeutend heller. Jüngere Tiere ganz ohne Schwarz am Kopf. Heimat: Südäthiopische Seenkette vom Hauasch bis zum Gandjule-See und zum Sagan-Tal. ') „Records of Big game" 4. Edition 1903. 94 Oscar Neumann Typus: Alter Bulle von mir am Suksuki-Fluß siidlich des Zuai-Sees am 28. XT. 1900 erlegt. In meiner Sammlung. Nach Professor Dr. Noack in Braunschweig genannt, bei dessen Sammlung ich Kopfhäute und Gehörne der beiden Arten vergleichen konnte, und der schon das Vor- handensein zweier verschiedene)', unter dem Namen swcnjnei vereinter Formen vermutet hatte. Auch in den Gehörnen scheinen Verschiedenheiten zu bestehen, auf die ich aber derzeit nicht eingehen kann, da mir Gehörne der echten swayuci von Somali-Land nicht zur Hand sind. Biibalis 7'othschildi nov. spec. Im Fell am ähnlichsten der Bubalis coohel von Ost- Afrika, aber durchweg dunkler gelbrot. nicht so blaß rötlich wie cooJcel. Hinterschenkel und Keulen nicht so l)laß weißlich wie cooJcci, sondern fast von der Körperfarbe, nur wenig heller. Auch die Körperseiten dunkler und mit mehr gelbem Ton wie bei cooh'i. Kinn ganz ohne schwärzliche Haare. Gehörn ähnlich dem von noacki, aber gleich von unten an mehr gerundet. Die Spitzen sind weit mehr nach hinten gebogen als bei noaclä. Heimat: Vermutlich vom Adoshebai-Tal westlich von Gardulla nach Süden bis zum Rudolf-See. Typus: Alter Bulle von mir im Adoshebai-Tal ca. 80 km nördlich des Stefanie-Sees am 17. I. 1901 erlegt. In meiner Sammlung. Nach Hon. Waltkr Rothschild genannt. Diese Art traf ich in großen Rudeln im Adoshebai: Tal westlich des Gardulla Bergrückens, während ich am Gandjule-See und im Sagan-Tal östlich dieses Gebirgs- zuges nur noaclü angetroffen hatte. Leider konnte nur dieses eine Stück erlegt werden. Ich hielt diese Art zuerst für nciimünnt Rothsch. Doch war es mir beim Vergleich mit Gehörnen von neu- manni klar, daß hier eine ganz neue Art vorliegt, wie Über neue Antilopen -Äi'tcn. 95 auch das Maß des Abstands der Spitzen ineines Gehörns — 368 mm — zeigt. Die meisten als neumanni gellenden Gehörne gehören Bastarden von jaclcsoni und coohei an und sind an der Grenze der Verbreitungsgebiete dieser zwei Arten erlegt, nämlich am Nalvuro See, Mau, Baringo See, Kiuaugop, Elmenteita u. s. w. siehe Rowlaiid Ward. ^) p. 128, 129. Welcher Art die dortselbst von Kero am ßahr-el-Jebel und vom Djebel Achmed Aga angeführten Geliörne angehören, ist mir unklar. Bubalis neumanni kann dort nicht vor- kommen. Bubalis niediecki nov. spec. Ähnlich Bubalis jacksoui von der Fordküste und dem Osten des Viktoria Nyansa gefärbt, aber reiner und dunkler rotgelb und mit ganz schwarzem Kinn. Der Hauptunterscliied gegen j>^cA:50j^/ resp. Iclvd liegt in der Stellung der Hörner. Während jachsoni und lelvcl die Hornspitzen stets nach außen gedreht haben, hat die Sudan- Form die Hornspitzen parallel verlaufend oder nach innen sich nähernd. Ich habe schon früher") (Sitz.-Ber. dieser Ges. 1899, p. 77 — 79) darauf hingewiesen, damals aber beide Arten zusammengezogen. Heuglin unterscheidet die Art mit auseinander gehenden Spitzen von der mit nach innen gerichteten, indem er die erste lelvel nennt, während qy die mit nach innen gei-ichteten als caama anführt^) (Reise in Nordost-Afrika II, p. 123, 124). Aus diesem Grunde muß letztere, die natürlich von der südafrikanischen caama weit verschieden ist, einen neuen Namen haben. Die Fundortsangaben HkuT^lins sind allerdings un- riclitig, denn auch im Djur Gebiet kommt seine caama, also niediecki vor, wie die Junkeh sehen Gehörne auf dem Wiener Museum beweisen. 1) „Record of Big gamc" 4. Edition 1903. 2) (Sitz.-Ber. dieser Ges. 1899 p. 77-^79) 3) (Reise, in Kordost-Afrika II, p. ]28, 124] 96 OscAu Neumann Vermutlich ist ein lelvel Gehörn auf dem Handels- vvege aus dem Süden geliommen, und es wird wohl lelvel als Synonym zu jachsoni gezogen werden müssen wie ich schon 1. c tat. Ich benenne die Form des Sudan nach Herrn Paul NiKDiECK, dem unternehmenden Sportsmann, der mehrere Stücke dieser Art bei Kalva am Weiiien Nil erlegte. Das schwarze Kinn an den dort erlegten Köpfen ist sehr be- merkenswert. Heimat: Östlicher Sudan (Weißer Nil und Zuflüsse, Sobat, Gazellenfluß, Djur). Typus: Alter Bulle von mir im Jambo-Laud am Gelo (Quelliluß des Sobat) am 11. V. 1901 erlegt. In meiner Sammlung. Connochoetes hecki n. sp. Färbung der Kehlmähne weiß wie bei albajtihatus, aber die Stirn und der Vorderkopf bis unter die Augen nicht schwarz, sondern grauweiß oder hellrötlich weiß. Diese Färbung nach unten keilförmig in das Schwarz des Nasen- rückens hinein geschoben, scharf abgesetzt. Färbung der Halsmähne schwarz und weiß meliert. Die (irundfärbung der Haut nicht blaugrau wie bei cühojuhatus, sondern mehr ins gelblich fahle. Zwischen den Hufen der Vorderbeine brennend rote oder rotschwarze Haare, die sich deutlich von der Beinfärbung abheben. Dieses Gnu scheint stets kleiner zu sein als alhojuhutus. Heimat: Kibaya — Massai Land. Ugogo, Irangi, (lurui, nach Norden bis zur Nordspitze des Manjara-Sees und bis zum Kilima Ndscharo. Schon früher. Zool. Jah. 190Ü, p. 558, habe ich zwei Arten (Jnus für Deutsch-Ost-Afrika erwähnt, eine größere dunklere, graublaue und eine kleinere hellere, mehr gelbliche. Am (Jurui glaube ich beide Arten gesehen zu haben, erlegt habe ich dort nur lieclä. An der Nordspitze des Manjara Sees fand ich sicher beide Arten nebeneinander, doch war hier alhojubatus schon häufiger. Weiter nördlich am Nguruman Salzsee, in Mossiro und in den Loita Bergen bis zum Ngare Dobasch hin fand ich nur alhojubatus. Der- P. Pappenhkim : Zur Imloijisch. Bedeutung d. Säye h.d. sogen. Sägefisch.^'] zeit leben im Berliner Zoologischen (»arten albojuhatus und lieckl nebeneinander. Beide Stücke sind auf der ehemals Bronsardt' sehen Faugstation zwischen Kilima Ndscharo und Maeru gefangen, was beweist, daß hier ungefähr die Cfrenze zwischen den beiden Arten ist. Doch muß hier alhojubatus schon viel häufiger sein, da C. (i. Schillings stets nur diese Art erlegte und photographierte. Äleine drei am (Jurui erlegten Stücke sind alle hccki Ich benenne diese Art nach Dr. Heck, dem Direktor des Berliner Zoologischen Gartens. Eine gewisse Ähnlichkeit mit heclü hat Catoplepas rcichcl NoACK. Zool. Anz. 1893. p. 153 vom oberen Limpopo, doch wird dasselbe als dunkler wie gorgon be- schrieben, was auf meine Tiere absolut nicht paßt, und reichel hat eine schwarze. hecJä eine weiße Kelilmähne. Herr P. PAPPENHEIM demonstrierte Proben von dem Mageninhalt von Fristis 2)crrottcU (M. H.) und Pristiojjliorus drratus (Lath.) und sprach: Zur biologischen Bedeutung der Säge bei den sogen. Sägefischen (PristiopJiorus M. H. und I*ri.stis LATH.^') „Der eigentliche Aufenthalt dieser Fische ist," so schreibt LiniNi':, „im Nordischen Meere, wo sie bei Ißland, Spitzbergen und Grönland die Wallfische herum jagen, ihnen öfters mit der Säge den Bauch aufreißen, und sie bis in den Mexikanischen Meerbusen, ja bis au die Küste von Guinea herunter verfolgen. Man sagt indessen, daß sie von den Seepflanzen leben, und daß ihnen die Säge dien- lich sein soll, solche abzunehmen und loszureißen. Daß sie aber auch wohl selbst miteinauder fechten, kommt uns nicht unwahrscheinlich vor, indem wir eine solche Säge besitzen, woran der Zahn von einem andern Sägefisch steckt und abgebrochen ist. "-) ') Die Anregung zu den nachfolgenden Ausführungen verdanke ich einer von Herrn Privatdozenten Dr. Stromeu (München) an mich gerichteten Anfrage. ') LiNNK, vollständiges Natursysteni, nach der 12. lateinischen Ausgabe ausgefertigt von Ph. L. St. Mi'llek, III. Teil, p. 274/75, Nürnberg 1774. gg P. Pappenheim Die Fischsäger die „serra marioa" des alten Bellonius, hat von jeher das Interesse nicht nur des Zoologen auf sich gelenkt. Wohl ist heute, dank den Untersuchungen von Johannes Müller und Henle, von PIilgendokf und namentlich 0. Jaekel, die morphologische Bedeutung') dieser eigentümlichen Rostralbildungen erl^annt — die physiologische Seite dieses interessanten Problems aber ist bis heute dunkel geblieben. Ja, merkwürdigerweise haben sich fast alle nach-linueischen Autoren, soweit sie das Thema überhaupt berühren, (über einige rühmliche Ausnahmen s. u.) auf die mehr oder weniger ausgeschmückte Wiedergabe der „Berichte" von dem Angriff der Pmte- Arten auf Wale oder auf ihresgleichen beschränkt, dagegen eine weitere, von LiNNE zwar nur mit Vorbehalt an zweiter Stelle ge- äußerte Bedeutung der Säge außer acht gelassen. Sollte aber nicht gerade diese, freilich recht unbestimmte Angabe des „Vaters der Naturgeschichte" der Wahrheit erheblich näher kommen? Allerdings, die Annahme, die Sägefische nährten sich von „den Seepflanzen", läßt sich m. E. nicht aufrecht erhalten. Zwar ist sie durch Beobachtungen an lebenden Tieren noch nicht widerlegt worden; es ist mir wenigstens nicht gelungen, in der neueren Literatur Nachrichten über die Lebensweise dieser Selachier zu finden. Ich muß ') Daß es sich um morphologisch clurchaus ungleichartige Bildungen bei der Säge von Pristiophin-us und Prisfls handelt, geht besonders aus den Ausführungen von 0. Jaekel (Über die systematische Stellung und über fossile Reste der Gattung Pristiojj/iorus, Zeitschr. Deutsch, gcol. Ges. Jg. 1890, p. 86— 12ü, 4 Tfln.) hervor; danach müssen die in Alveolen wachsenden „Zähne" von Fristis (die nicht gewechselt werden können) als Rostral stach ein bezeichnet und als Homologa der Flossenstacheln aufgefaßt werden, was übrigens schon HiL€iENDOUF (S.B. Ges. natuif. Frd. Berlin 1888, p. 109/110) erkannte. In den entsprechenden Bildungen der Frisfiophom.ssäge dagegen haben wir es mit typischen, einem kontinuierlichen Ersatz unterliegenden Hautzähnen zu tun. Dieser morphologische Unterscbied ist nicht ohne, praktische Folgen: während die Hautzähne bei FrLstiop/ionis nur relativ lose sitzen und leicht abgestoßen werden, sitzen die Rostral stach ein bei P/'w^/.s- bedeutend fester; sie splittern höchstens aus oder brechen an ihrer Spitze ab. Ein Ausfall aber scheint nur ganz ausnahmsweise bei sehr großen Sägen vorzukommen. Zur biologischen Bedeutung der.. Säge hei den sogen. Siigefisclien. 99 daher annehmen, daß die wenigen Beobachter, die die Tiere überhaiii)t lebend geseheu^^haben, über den Gebrauch der Säge nichts haben aussagen Jvönnen; dies ist umso auf- fallender, als die (iattung Pristis weit verbreitet ist (so erklärt sich wohl auch Linjs^es Angabe von ihren weiten „Jagden"); überdies leben die Tiere nicht streng marin, sondern gehen (vielleicht allerdings nur zeitweise) auch in die FluBmündungeu (siehe weiter unten die Fundorts- angabeu!) und steigen hier sogar ziemlich weit hinauf: so erwähnt Peteus^) den ob seines wohlschmeckenden Fleisches geschätzten Pristis pcrrottcti aus ^em Sambesi von Tette und Sena. Ich glaubte daher, daß vielleicht die Untersuchung des Magen- und Darjninhaltes einigen x-^-ufschluß über die Ernährungsverhältnisse gewähren würde und habe folgendes festgestellt. A. Pristiophorus M. H. Es liegt nur ein ca. 55 cm langer (im ausgespanntem Zustande) Darm vor, der die von Jon. Müller Iierrührende Bezeichnung trägt: Pristiophorus cirratus $ , Vandiemens- land. (Anat. Samml. 13 336). Im Magen finden sich Wirbel, Kieferfragmente mit Zähnen, Gräten u. dgl. eines Fisches, der höchstens einige cm Länge ({{eincsfalls über 10) gehabt haben dürfte. Zu einer systematischen Be- stimmung ist das Material unzureicliond. B. Pristis Latil Es konnten 2 Exemplare von P. pcrrotteti M. II. unter- sucht werden. a) $ ; Lagune der Bay Luzon. (Pisc. Cat. 8305); vollständiges Exemplar, 11 0cm Totallänge (einschl. 27 cm Säge). Der Magen (Totallänge des ausgestreckten DaTmes ca. 70 cm) enthält größtenteils Fischschuppen (cycloider Typus, ca. V-' cm Durclunesscr) in reichlicher Anzahl ') W. Pkteus, Rciso nacli Mnssanil)i(iuo. Zonlnoic IV; FUißi fiiiche p. 9. Berlin 18CS 4". ' ■ •■ ■-' lOQ P. Pappeniif.im daneben einige angedaiite Fleisclifetzen (bis 5 cm lange Teile von der Seiteumuslvulatur) eines Fisclies, wahr- scheinlich desselben vielleicht ca. V4 m laugen Individuums. Ferner Wirbelkörper und Reste von gegliederten Flossen- strahlen mindestens noch eines kleineren Fisches (von etwa 20 cm Länge). Zur Bestimmung sind die spärlichen Reste ungenügend. 1)) Geschlecht? Nur Kopf mit Säge und Darmkanal. Fluß Ramu, Neuguinea. (Pisc. 14 507). Das Tier kann auf etwa 75 cm Totallänge geschätzt werden. Der reichlich schlammigen Sand bergende Magen enthält 1 halbverdauten kleinen Fisch (ca. 6 cm lang), eine kleine Garneele von etwa 4 cm Länge (^ Palaenwn sp.), Reste eines zweiten kleinen Macruren, Fischschuppen, Stacheln u. a. Mehr noch als der letzte Befund vermag vielleicht die spezielle Osteologie Aufschluß zu geben. Am Skelet von Frist ioplionis (ein solches von Frist/s liegt mir z. Z. nicht vor') ist die Artikulation des Sciiädels mit der Wirbel- säule in hohem Grade auffallend. Sie weicht von den uns sonst bei den Selachiern gewohnten Verhältnissen be- trächtlich ab. und es ist das Verdienst 0. Jaekkls, eine erste Grundlage für das physiologische Verständnis dieser abweichenden Bildungen gelegt zu haben. Die beiden halbmondförmigen condjU occipitales des Schädels artikulieren mit 2 deutlichen Gelenkpfannen des ersten Wirbels. Dieser und die nächsten vier zeigen eigenartige lateral vor- springende Verbreiterungen ihres Körpers, wodurch die jederseitige (ielenkpfanue des ersten Wirbels ein massives Widerlager erhält. Diese eigentümliche Artikulation ermöglicht nun, wie schon Jaekel erkannt, eine vertikale Drehbarkeit des Schädels; er kann mit der Schnauze in der Sagittalebeue ') vgl. hierzu C. Gegenbauu, Untersuchunpon z. vorgl. Anatomie der Wirbeltiere, 8. Heft. Das Kopfskelet der Selachier, p. 32, Taf. XIV, Fig. 5; Leipzig 1872. Zur biologischen Bedeutung der Säge hei den sogest. Sägefischen \Q\ bis zu eiüem Winkel von etwa 45" in dorsaler Richtung aufwärts gedreht werden. Daneben wird aber auch eine i\reisförniige Drehung des Schädels um seine Längsachse') ermöglicht, die allerdings unvollkommener bleibt. Die Kombination beider Drehungen ergibt eine Form der Be- wegung, die am besten als „Wrickbeweguug" (in dem vom Rudern her bekannten Sinne) bezeichnet werden kanu.^) Es ist hier bei Fristiophorus die spezialisiertere, auf Atlas und Epistropheus verteilte (lelenkung. wie sie z. B. ein Wiederkäuerskelet zeigt, in primitiverer, aber daher auch universalerer Weise durch 1 (ielenk erreicht. Höchstwahrscheinlich stellt das Rostrum des Pristio- pliorns (und ziemlich sicher auch das von Pristis) einen höchst vollkommenen Baggerapparat dar, der das Tier be- fähigen dürfte, am Boden im Schlamm und Schlick herum- zuwühlen^) und die dadurch sich auf dem flachen Rostrum anhäufenden Objekte durch energisches Aufwärtsdrehen und Kreisen des Kopfes nach den Seiten zu werfen, wobei dann die kammartig angeordneten ..Zähne'' der Säge als Seihapparat wirken ktinnten.') Der massivere oder zartere Bau der Säge bei den einzelnen Arten könnte viel- leicht mit der verschiedeneu Qualität des Bodens der einzelnen Verbreitungsbezirke in Zusammenhang stehen. Für diese Auffassung der Säge spricht auch die Stellung der Zähne und die Art ihrer Abnutzung. Diese zeigen eine mit zunehmendem Alter deutlich gesteigerte Abwetzung, die sich in Abschleifung und starker Schram- mung (namentlich auf der Unterseite")) äußert, wie sie nur ') worauf mich Herr Prof. Tornieu aufmerksam zu machen die Freundlichkeit hatte. *) Genaueres über den P.au uiid die Funktion dieses Gelenkes hoft'e ich später bringen zu können. ^) Es ist sehr wohl m(')glich, daß dabei gelegentlich dann auch Pflanzen abgerissen werden, eine Vermutung, die zu den linneschen Angaben gut passen würde. *) Ich möchte auch an dieser Stelle Herrn Prof. Turnier für seine mannigfachen Anregungen meinen besten Dank aussprechen. *) Diese hat zuerst E. Stromeu beschrieben in; Die Fischreste des mittleren und Oberen Encäns von Ägypten, I. Teil, Die Selachier,- A. Myliobatideji und Pristiden, in Heitr. z. Paläont. u, Geologie Österreich-Ungarns und des Orients. Wien 1905. 1Q2 P. Pappenheim bei der Berührung mit sehr harten Objekten (Saud, Kieseln, Molliiskenschalen, Echinodermenstacheln, harten Wurmröhren u. dgl.) erklärlich wird. Diese Ansicht wird wahrscheinlicher mit Rücksicht auf die Tatsache, daß die meisten der mir vorliegenden PrisüsSÄgeu am Vordereude des Rostrums eine eigentüm- liche Aufwulstung zeigen, ähnlich wie an einem Yerbogenen Spaten. Diese Erscheinung findet vielleicht ihre Analogie in dem bekannten aufgewulsteten Rüssel der Schweine. Wäre die Säge wirklich ein Instrument zum Rammen, wie es die ältere Auffassung doch schließlich will, so bliebe jedenfalls eine so eigenartige Abnutzung der Zähne unverständlich. Ganz unzweckmäßig aber wäre dann die äußerst gelenkige Verbindung des Schädels (und damit der Säge) mit der Wirbelsäule. Bei jedem Anprall mülite die Säge nur zu leicht seitlich ausweichen, was bei einer starren Verbindung von Schädel und Wirbelsäule ver- mieden würde. Ich muß schlieülich erwähnen, daß auch Pi<:chuel- LüsciU': ') vermutet, daß „der Sägefisch (Pristis) nach Art anderer Roclien nahe am Boden lebt" (ich möchte nur stigen, seiner Nahrung nachgeht!) „und hier auf kleine Fische, Krebse, Weichtiere u. dgl. jagt". Auch ich möchte, wie dieser Autor, die Möglichkeit eines Zusammen- geratens der Sägefische mit größeren Tieren nicht ganz in Abrede stellen; zeugt doch für diese vielleicht unfrei- willige Verwendung der Säge schon das von Linne (s. o.) besprochene Exemplar einer solchen. In der Säge aber lediglich eine Schutzeinrichtung sehen zu wollen und sie mit dem Stachelkleid mancher Säuger und des Igelfischs {Diodon und Verwandte) auf eine Stufe zu stellen, wie es H. Simrotii in .,Abriss d. Bio- logie d. Tiere" (II., p. 49, Leipzig 1901) tut, halte ich für unrichtig, obgleich ich eine solche „Nebenfunktion" natürlich zulassen muß. — ') BiiEHMS Tierlcbeii, 3. Auflapro, Fischo. Äiinlich iiußert sich auch ein nngenaiintor Autor in ...Jagdgewolinliciten und Waft'cn der Wasserbewohner, p. 393 — 400, Neues Universum, (Union) Bd. 24, Stuttgart, 19U3. Referier abend. — Inhalt. 103 Referierabend am 21. März 1905. Es referierte: C. TheSIN(t: Siegel, Uatersuchiiug über die Ätiologie der Syphilis. A. SCHOEXICHEN legt das erste Heft der Zeitschrift ,.Aus der Natur" vor. Inhalt des 3. Heftes Neumann, O.scar. L bor nouo Aiitilopcn-Ailen, \\. 87. Pappenheim, P. Zur l)iolooischoii Bedoutung der Säge bei den sogen. Sägefisclien rri.stidpkoruü M. H. und Pristis Lath., p. 97. Referierabend, p. 108. Für die Gesellschaft bestimmte Sendungen sind zu richten: An die Gesellschaft naturforschender Freunde in Berlin W. 56, Französischestr. 29. Huchilruckorpi J. F. Stare ke, Berlin SW. 4.S, Williolmstrasse 13',. Nr. 4. 1905 Sitz 11 II g s b e r i c li t der Gesellschaft iiatiirtbrscheiider Freunde zu Berlin vom 11. April 1905. Vorsitzender: Herr Schwendener. Herr DöNiTZ: Die Zecken des Rindes als Krankheits- überträger. Seitdem Smith und Kilborne 1893 die Entdeckung machten, daß das sog. Texasfieber, welches in den Ver- einigten Staaten ganze Rinderherden zugrunde richtete, durch Zecken verbreitet wird, haben diese Tiere in er- höhtem Maße die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, und in der Folge haben wir nicht nur eine ganze Reihe neuer Arten kennen gelernt, sondern auch unerwartete Aufschlüsse über ihre Lebensweise und ihre geographische Verbreitimg erhalten. Da mir von unserem großen Hygieniker Robert Koch ein- sehr bedeutendes, zumeist in Afrika gesammeltes Material zur Verfügung gestellt wurde, wozu noch Sendungen aus Japan und die großen Vorräte des Kaiserlichen Gesundheitsamtes kamen, die ich zur Durchsicht erhielt, so bin ich in der Lage, auch meinerseits ein Scherflein zur Kenntnis der Zecken beizutragen, und ich möchte mir gestatten, der Beschreibung an Rindern gefundener neuer Arten einige kritische Bemerkungen und sonstige ^Mitteilungen über bekannte Arten folgen zu lassen. Für die Unter- stützung, die mir dadurch zuteil wurde, daß ich das Material des Berliner Zoologischen Museums zum Vergleich heranziehen durfte, bin ich dem Direktor Herrn (leb. Rat MöBiüS und dem Kustos Herrn Prof. Dahl zu Dank ver- pflichtet. 106 DöNiTz: Um die Systematik der Zeclien hat sich in neuester Zeitgauz besonders G. Np:umann, Professor an der Veterinär- schiile in Toulouse, verdient gemacht. Das Ergebnis seiner eben so mühevollen wie sorgfältigen Untersuchungen ist in einer Reihe von 4 Veröffentlichungen, welche in den Mem. de la Soc. Ent. de France 1896, 1897. 1899 und 1901 erschienen sind, niedergelegt. Diese Arbeiten nehme ich zum Ausgangspunkt meiner Besprechungen und lege ihnen zunächst die im Schlul^abschnitt auf S. 367 gegebene Aufzählung der Zecken des Rindes zugrunde. Ich beginne mit den Rhipicephalen, welche gerade für das Texas- fieber und auch für das afrikanische Küstenfieber der Rinder eine besondere Bedeutung haben. 1. Mhiirlcephalus Koclii n. sp. Zu Ehren von Robert Koch benannt. Beschreibung nach 1 cT imd 5 $ von Saadani und 3$ von Lindi, auf Rindern gesammelt. cf. Die Art ist durch das Fehlen der Randfurche ausgezeichnet, was sie mit R. ecindiis-l^EVMA-^'s gemein hat. Sie ist aber bei weitem nicht so breit wie dieser, ähnelt vielmehr in ihrer Gestalt dem li. sangtiineus. Augen flach, vielleicht ein wenig weiter nach hinten gerüclit als bei letzterem. Hinterrandkerben kurz. Die drei typischen Eindrücke oder Furchen vor dem Hinterrande felilen, doch ist die Mittelfurche als feine mikroskopische Linie ange- deutet. Da, wo die Nebenfurchen stehen sollten, zeigt das Mikroskop eine fein chagrinierte Stelle. Cervicalfurchen sehr kurz und tief, grübchenartig. Die Punkte der Ober- fläche gleich groß, etwas kleiner als die groioen Punkte bei M. sanguineus zu sein pflegen, gleiclunäßig verteilt und ziemlich dicht stehend; nur längs des Randes sind einige kleine Punlcte beigemischt. Die Seitenfurche fehlt, ist aber dadurch angedeutet, daß große Punkte etwas dichter ge- drängt reihenweise hinter einander stehen. Kragen breiter als lang, mit scharf vorspringenden Ecken, im Gegens'atz zu 2?. ecinctus, wo er länger als breit ist und abgerundete Ecken hat; der vordere Abschnitt des Die Zecken des Hindes als KranWieitsüberir/Kjer. \ 07 Seitenrandes ist nur wenig kürzer als der hintere, während er bei B. ecinctus sehr km'z ist. AnalphUteu sehr breit, ähnlich wie bei It. hursa, die Seitenränder ziemlich gleich laug, der Innenrand ein wenig ausgeschnitten. $ . In demselben Glase wie das beschriebene c/ be- fanden sich neben anderen Arten noch 5 ^ . denen die Raudfurche fehlt, und welche ein ähnlich punktiertes Kopf- schild haben, wie jenes cT, sodaß man berechtigt ist, sie für die zugehörigen $ zu halten. Der Seitenwulst des Kopfschildes fällt ganz allmählich gegen die vertieften Felder ab und ist mit einer geringen Anzahl kleiner Punkte besetzt, während auf dem übrigen Teil des Schildes größere Punkte ziemlich gleichmäßig verteilt sind und ebenso dicht stehen wie bei jenem cT- Das Schild ist ziemlich kreis- förmig, mit stark abgerundeten Ecken, immerhin aber etwas länger als breit. Die Porenfelder sind um mehr als den eigenen Durchmesser von einander entfernt. Die Beine sind schwach entwickelt, doch nicht ganz so dünn wie bei B. (uinulatns und decoloratus. 2. Bhipkejjhalns hursa Canestrini et Fanzago. Es mußte auffallen, daß sich unter dem afrikanischen Material keine Stücke dieser Art befanden. Eine Unter- suchung der im Berliner Zool. Museum vorhandenen, aus demselben Gebiet stammenden, von Neumann als hursa be- stimmten Stücke ergab, daß sie keine hursa sind, sondern zumeist li. appendicidatns. Zur Erklärung mag dienen, daß NeuiMann diese Bestimmungen gemacht hat, bevor er seinen B. appendiculatus aufstellte und demgemäß auch noch nicht beide Arten auseinander, halten konnte. Um mich selber vor Irrtum zu sichern, habe ich mir zunächst echte B. hursa verschafft. Die Art ist aus Italien beschrieben worden, wo sie neben B. sanyiiineus vorkommt, mit dem sie nicht verwechselt werden kann. Für mein italienisches Material bin ich Herrn Prof. Gosio in Rom zu größtem Dank verpflichtet. Das cf dieser Art ist besonders kenntlich an seinen sehr breiten Analplatteu. Dieses Merkmal haben die 4* jQ3 DöxiTz: Autoren Canestrini und Fanzago übersehen, ja sie haben auf Taf. 43 Fig. 4 ihres Prospetto deirAcarofauna italiaua (1890) diese Platten geradezu falsch abgebildet. Bkrlesk und auch Neümaxn erwähnen dieses Kennzeichen, ohne es für die Unterscheidung der Art zu verwerten, denn Bkrlese hat es nicht in seine Diagnose und Neumann nicht in seine P>estimmungstabelle aufgenommen. Das Ptückenschild hat neben der breiten Mittelfiirche stark entwickelte Nebenfiirchen, die mit den Kerben des Hiuter- randes verschmelzen. Die Punktierung ist dicht, mäßig fein und sehr gleichmäüig. Beim ¥ ist das Kopfschild breiter als lang, ähnlich wie bei R. simus, aber anders punktiert, nämlich ebenso dicht und gleichmäßig wie beim cT- Das Schild ist sechs- eckig, hinter den Augen oft deutlicli konkav begrenzt, nach hinten glatt abgerundet, also ohne auffällige unpaare Ecke. Als Vaterland kann ich mit Sicherheit auf Grund des mir vorliegenden Materials nur das südliche Europa mit den Inseln (Sardinien, Corsica, Sporaden) angeben. Für Nordafrika muß ich die Verantwortung Neumann überlassen, denn aus Ägypten habe ich diese Art nicht er- halten, und ein im Berliner Zool. Museum befindliches, von AsCHERSON in der Libyschen Wüste gesammeltes $ ist sicher nicht E. hursa, vielleicht sanyiiinens. Daß die Art im tropischen und im südlichen Afrika vorkomme, habe ich allen Grund zu bezweifeln. Von MoTAS in Bukarest ist diese Art. (vorausgesetzt, daß die Bestimmung richtig war), zu Übertragungsversuchen bei einer Schafkrankheit benutzt worden, welche durch einen endogiobulären Blutparasiten, ein Piroplasma, be- dingt wird. Es gelang, die Krankheit auf gesunde Schafe zu übertragen, wenn man ihnen erwachsene Zecken an- setzte, die auf kranken Schafen Blut gesogen hatten; in- dessen mißlangen die Versuche, wenn dazu Larven und Nymphen genommen wurden, die von solchen infizierten Zecken abstammten. Sie waren aus den von reifen $ abgelegten Eiern gezogen worden, fielen einige Tage, nach- dem man sie Schafen angesetzt hatte, ab, und die Schafe Die Zecken des Bindes cds Krankheitsüberträger. 109 erwiesen sich später für die Kranlvheit empfänglich, waren also weder krank noch immun geworden. Die ganze Angelegenheit bedarf noch sehr der Aufklärung, besonders auch wegen der Rolle, welche die Nymphen in diesen Versuchen gespielt haben, und es ist noch fraglich, ob B. hnrsa der natürliche Überträger dieser Krankheit ist. Zur richtigen Würdigung dieser Versuche bitte ich das zu beachten, was ich bei Bhii^iccplmlus ctppcndkulutiis sowie decoloratus und australis anführen werde. 3. Rhipicephahis sanr/umcus LATREiLTiE. Als typisch betrachte ich italienische Stücke, deren ich eine größere Anzahl durch Herrn Prof. Gosio erhalten habe. Das cT ist leicht an zwei Grübchen zu erkennen, welche kreisrund oder leicht oval vor dem Hinterrand neben der ]\Iittelfnrche des Rückenschildes liegen und nicht mit den Einschnitten des Hinterrandes zu- sammenhängen. Sie sind schon von C.L.Koch beschrieben worden. Weiter vorn, etwa in der Mitte des Schildes, liegen zwei weitere flache Eindrücke, die einerseits fehlen, andrerseits sich aber stark ausdehnen und mit den hinteren (Jrübchen verschmelzen können, sodaß dann zwei kräftig eingeschnittene Nebenfurchen die Mittelfurche be- gleiten. Dabei verwischt sich aber nicht das charakteristische Kennzeichen von B. sangumcus: Die Furchen bleiben von den Kerben des Hinterrandes getrennt. (Unter typischen samjuineus habe ich aus Kairo einige solche Varietäten erhalten, und auch im tropischen Afrika und in Neu-Guinea kommen sie meinen Erfahrungen zufolge vor.) Über das ganze Schild sind ziemlich regelmäßig kleine Punkte verstreut, zwischen denen auffallend größere in unregelmäl.)iger Anordnung stehen. Das ? ist manchmal schwierig zu unterscheiden, wenn es aus einer (Jegend stammt, in welcher B. appjendicidatus Nx. vorkommt. Man kann sich da nicht auf ein einziges IMerkmal verlassen, sondern mnl,) mehrere heranziehen. Bei samjumeus $ ist das Kopfschild ebenso punktiert wie das c/ '• zwischen zahlreichen feinen Punkten eine größere 110 DöNITZ: Anzahl stark abstechender großer Punkte. Y^^i'i appcndiciüatus ist die Mehrzahl der Punkte grölkr als die feinen Punkte von sangnineiis. und die großen Punkte sind nicht so auf- fallend von ihnen verschieden. Bei sauyulnms ist das Kopfschild deutlich länger als breit; bei appendiciddtns ist der Unterschied weniger auffällig; die Ecken desselben sind bei sanyiimeus mehr abgerundet. Die Porenfelder auf dem Kragen stehen ungefähr um einen Durchmesser auseinander, bei cqijicndicu'latus da- gegen um zwei. Leider ist dieses Verhältnis nicht k'onstaut; die Felder können bei der ersten Art auseinander, bei der zweiten zusammenrücken, und dann verwischt sich dieser Unterschied. Wenn mau die Gesamtheit der Unterschiede in Petracht zieht und besonders auch die cT berücksichtigt, die auf demselben Wirte gefunden wurden, gelingt es meist, eine sichere Diagnose zu stellen. Das cT hat oft einen kräftigen schwanzartigen Anhang, den ich aber nicht so lang vorgestreckt gesehen habe wie gelegentlich bei B. aj/pendicidatus. R. sanguineus scheint eine ursprünglich südeuropäische Art zu sein, die sich mit dem Hunde über die ganze Erde verbreitet hat und auf viele wilde Tiere übergegangen ist. Unter meinem Materiell befindet sich ein i- ccphalus, wo sie Neumann schon untergebracht hat. Sie besitzt ein kleines einziehbares Schwänzchen. Das $ weicht durch sein rein weißes Kopfschild auf- fallend vom c/ ab, welches auf weißem Grunde schwarz l)unktiert ist. 10. BhipicejjJialus Evertsi Neumann. Wegen der hellroten Beine und des roten Saumes des schwarzen Rückenschildes des cT ist diese Art am Kap den Landwirten als red tick wohl bekannt. Das $ ist für ein ungeübtes Auge schwerer von ähnlichen Weibern zu unterscheiden, doch aber an den roten Beinen, den kug- ligen Augen und dem großen, breiten, chagrinierten Kopf- schild leicht zu erkennen. Aus Südwest-Afrika hat Herr Ober-RoBarzt Rickmann unter anderem Material einen männlichen Bldpicephalus eingeschickt, dessen Beine ebenso' bunt geringelt sind wie bei Hi/alomma aeyijptiiim. Dies Stück hat kuglige Augen wie Evertsi, und auch die Skulptur der Oberfläche stimmt mit dieser Art überein, sodaß man es vorläufig wenigstens als eine Varietät oder Abnormität von B. Evertsi llQ DÖNiTz: wird auspi-echeu miisseü. Dauebeii ist in Südwest-Afrika die typisclie Form gesammelt worden. Diese im tropischen Afrika sehr häutige Art wird in Rhodesia von Lounsbuhy als Überträger des Küsten- fiebers der Rinder verdächtigt. Die Tiere sitzen mit Xov- liebe an haarlosen Hautstellen, wie After und Euter, und gehen deswegen auch tief in den Gehörgang liinein. wo sie, was zu beachten ist. der P^inwirkuug der zecken- tötenden Bäder entgehen. 1 1 . liliipiceplialus oculatus Neumann. Neujiann hat diese Art nach 2 cf und 2 4^ aus dem Berliner Zool. Museum und dem Kaiserlichen Gesundheits- amt beschrieben. Jetzt ist im Museum eine große Anzahl Stücke vorhanden. Die Tiere haben kuglige Augen wie li. Evertsi und sind punktiert wie ((ppendiculfitus. Die (/ sind meist noch kleiner als sanyuineus, nach vorn spitz zulaufend, indem die Seiteuränder stärker gestreckt sind als bei diesem, und nach vorn konvergieren. Am Kragen ist der hintere Abschnitt der Seitenränder nicht viel länger als der vordere. Die drei Furchen vor dem Hinterrande sind stark entwickelt und erstrecken sich manchmal fast bis zur Mitte des Rückens; hinten hängen sie gewöhnlich mit den Randkerben zusammen. Die Analplatteu sind im Verhältnis zur Größe breiter als bei sanyuineus, mit sehr schräg gestelltem, langen Hicterrande. Nebenspitzen fehlen. Beim $ bildet das Kopfschild ein schönes, längliches Oval mit abgerundeten Seitenecken. Die ziemlich regel- mäßig und mäßig dicht über das ganze Schild verstreuten Punkte fließen in den breiten Eindrücken zu Längsgrübchen zusammen; der Randwulst ist ziemlich glatt, w^enig punk- tiert. Die Augen sind kreisförmig, springen aber nicht so stark kugelig hervor wie beim (f. Die Porenfelder des Kragens stehen um mehr als ihren eigenen Durchmesser auseinander. Bei Tieren, welche Schillings von der Giraffe ge- sammelt hat, ist die Skulptur nicht so scharf ausgeprägt, wie beim Typus, das Oval des Schildes des $ ist etwas iJie Zecken des liindes als Kranlheitsü/jcrtraije/: \\\) breiter, und eiues der (f hat eiuen langen Schwanz- anhang, etwas spitzer als IL appendiculutus und auch mit einer Endplatte versehen. Bei einem (^ unter dreien fehlen auf der hinteren Hälfte des Schildes die feinen Punkte gänzlich. Andere Stücke, welche Schillings am PaDganitluU von der Gazella Granti sammelte, stimmen mit den Typen überein. Diese Art, welche nur tropisch zu sein scheint, ist bisher nur einmal auf einem Rinde gefunden worden. 12. Ilhqncephalus decoloratus Koch und annulatus Say. Von dem im Jahre 1821 von Say ungenügend be- schriebenen nordamerikanischen Ixodes anmdatus kann man wohl mit Neumanx annehmen. daB er mit dem von Cuütice 1890 beschriebenen Booph'dus bovis zusammenfällt. Dazu kam 1844 die von Koch auch nur sehr unvollständig be- schriebene südafrikanische Art, lihipicejjhalus decoloratus- Die von C. L. Koch im Jahre 1847 veröffentlichte Ab- bildimg läBt zwar nicht mit Sicherheit erkennen, daß seine Art in die Verwandschaft von IL anmdatus gehört; man könnte sogar an eine Haemaphysalisart denken, weil der Zeichnung die Augen fehlen; indessen lehrt die Type im Berliner Zool. Museum, ein. sehr kleines 9 , dal,'» es sich in der Tat um einen Verwandten von B. anmdatus handelt, welcher 3 Reihen Zähne in jeder Hälfte der Radula be- sitzt. Füller hat die zugehörigen cT aufgefunden und dazu noch eine neue Form als IL austmlis hinzugefügt. Nach dem mir vorliegenden Materiale kommeu in Afrika zwei Formen vor: 1. decoloratus Koch mit 3 Zahn- reihen in jeder Hälfte der Radula und 2. australis (Füller) mit 4 Reihen Zähne. Beide Formen haben eiuen einzieh- baren Schwanzanhang. In welchem Verhältnis diese Form zu IL anmdatus Say steht, bin ich außer stände zu sagen, da es mir bisher noch nicht gelungen ist, die nordameri- kauische Art in die Hände zu bekommen. Doch da sie 4 Reihen Zähne, aber keinen schwanzartigen Anhang be- sitzen soll, unterscheidet sie sich von der afrikanischen Form mit 4 Reihen Zähne, welche einen schwanzartigeu 120 DÖNiTz: Anhang besitzt, und für welche ich daher vorläufig den Füller sehen Namen 11. australis annehme, ohne indessen etwas präjudizieren zu wollen. üie cT der beiden afrikanischeü Formen unterscheiden, sich, wMe Füller gezeigt hat, so scharf, daß man sie not- gedrungen als Arten auseinanderhalten muß. Bei i?. decoloratiis sind alle 4 Analplatten scharf zugespitzt und ragen oft über den Hinterrand des Körpers hinaus; bei australis da- gegen sind sie quer abgestutzt (wenngleich in der Ver- längerung der Seitenränder der mittleren und gelegentlich auch der äulJeren Platten eine kleine stumpfe Spitze her- vorspringt), und sie ragen nicht über den Hinterraud hinaus. Bei allen cf mit spitzen Platten habe ich 3 Zahnreihen, bei allen mit abgestutzten Platten 4 Zahnreihen gezählt. Beide Formen kommen im tropischen Afrika neben einander vor, doch haben wir aus einzelnen Orten nur die eine Form erhalten, und- zwar in so großer Menge und zu verschiedenen Zeiten gesammelt, daß man daraus schließen möchte, daß in gewissen Gegenden nur die eine Form heimisch ist. In Rodesia hat Ron. Koch nur B. decoloratns gesammelt; und da diese Form außerhalb Afrikas gänzlich unbekannt ist, wird man sie als die typische Form von Südafriiia ansehen müssen. Dagegen ist B. australis vielleicht erst in Afrika eingewandert. Bei der Untersuchung eines Loses aus Daressalam fanden sich zahlreiche Nymphen mit 3 Zahnreihen, aber es waren auch solche mit nur 2 Reihen darunter. Die aus ihnen herausgeschälten geschlechtsreifen Tiere, tf u. ^ . besaßen ausnahmslos 4 Reihen; es kann also die Nymphe von E. australis 2 oder 3 Reihen Zähne haben. In Betreff der Zahl der Zahnreihen macht Neumann die Angabe, daß die cT dieser Gruppe immer 4 Reihen haben. Da ich aber, wie oben angegeben, bei cf mit spitzen Analklappen immer nur 3 Reihen gefunden habe, kann ich nicht umhin, Füller in Betreff der Artverschieden- heit zuzustimmen. Vielleicht daß mit dem Neumann sehen Material Verwechslungen vorgekommen sind. Im übrigen aber hat Neumann Recht, wenn er von Unregelmäßigkeiten Die Zecken des Eindes als Kranklieitsüberträyer. \2]_ in der BilduDg der Zahnreihen spricht. Es kommt vor, dal?) bei nustralis 2 eine Reihe sich in der Mitte teilt und daß beide Hälften sich ein wenig verlängern und neben einander herlaufen, so daü man darin eine Andeutung zur Bildung einer fünften Reihe sehen kann. Auch zeigt sich manclimal am medianen Rande die Andeutung einer accessorischen Reihe. Doch das sind seltene Ausnahmen, welche als solche sofort zu erkennen sind. Mit E. australis stimmen Tiere aus Südamerika überein, welche ich durch Herrn Prof. Kolle erhalten habe; und auch australische Tiere in der Sammlung des Kaiserlichen Gesundheitsamtes lassen sich nicht mit Sicher- heit unterscheiden. Dagegen kommt in Neu-Guinea eine Form vor. bei der die vollgesogenen $ Yiel kürzer sind als die typischen australis $ ; sie sind manchmal fast kugelig wie eine Pille, nicht walzenförmig- wie der Typus. Ihre Beine sind noch viel zarter als die des Typus. Solche Tiere liegen auch aus Formosa vor, wo sie von Herrn ToKisHiGE gesammelt wurden. In Japan dagegen tritt wieder die langgestreckte walzige Form der vollgesogeneu $ auf. Die japanische Form mit 5 Reihen ist mir noch nicht vorgekommen. Der ihr von Neujmann gegebene Name candatus zeichnet sie nicht v'or ihren Verwandten aus, denn It. auslrnlis und decoloratus sind auch caudati. Sonst fuhrt Xeumanx noch folgende Varietäten auf: 1. Var. micropla Oanestrini. Der Beschreibung nach ähneln die Analplatten denen von 11. australis. Wahr- scheinlich gehören hierher meine Stücke aus Argentinien, welche 4 Reihen Zähne haben. 2. Var. argentina Neumanx, aus Süd-Amerika (Buenos- Aires). mit 3 Reihen Zähne, würde also Verwandt- schaft zu li. decoloratus haben, cf unbekannt. 3. Var. Buyesl Megnin. Nord-Afrika. ^ ein wenig kleiner als der Typus; Schild des $ ein wenig kleiner. Das vollgesogene $ erreicht nicht ganz die Grolle des Typus. Das alles sind unfaßbare Unterschiede Die Größe des cf ist überall sehr verschieden; mir liegen sehr kleine aus Australien und Ost- Afrika vor. Ebenso 122 DöNiTz: ist die Länge der A^ollgesogeuen $ individuell sehr verschieden. Einen auffälligen Unterschied in der Gestalt des $ habe ich nur bei den $ aus Neu- Guinea und Formosa gesehen, welche sich außerdem noch durch sehr zarte Gliedmaßen auszeichnen; ein Unterschied, den man zahlenmäßig würde ausdrücken können. Aus dem Gesagten folgt, daß zwar die Abgrenzung der einzelnen beschriebenen Formen aus der Verwandtschaft von Bh'ij/iceiohalus nnmdatus noch nicht ganz geklärt ist, daß aber 11. decoloratus Koch mit Sicherheit als gute Art abgetrennt werden kann. Beide afrikanischen Formen, decoloratus und cnistral/s, sind als die hauptsächlichsten, wenn nicht alleinigen Überträger des auch in Afrika vor- kommenden Texasfiebers anzusehen. Großes Aufsehen erregte die von Smith und Kilborne in Nordamerika gemachte Beobachtung, daß das Texas - fieber durch die Eier der Zecken verbreitet wird, sowie die von Robert Koch in Afrika gemachte Entdeckung einer dem Texasfieber verwandten Krankheit, jetzt Küston- fieber genannt, welche auch durch die Zecken weiter ver- breitet wird. Da sich aber Mkgnin im Journal de T Anatomie etc. 1904. Nov. Dec. neuerdings sehr heftig gegen die Richtigkeit dieser Beobachtungen ausgesprochen hat, dürfte es zweckmäßig sein, hier näher darauf einzugehen. Megnix stellt die Behauptung auf, daß die Lebensweise aller Zecken gleich sei, und deshalb überträgt er das, was ihm von Ixodes ricinus bekaüut ist, ohne weiteres auf Bhipice- jphalus annuhtus. Megnin sagt also, daß alle Zecken vor jeder Häutung ihren Wirt verlassen und nach der Häutung sich wieder einen neuen Wirt suchen; und ferner, daß die Larven und Nymphen einen viel zu schwachen Rüssel haben, um ihn durch die dicke Haut großer Vierfüßler einbohren zu können; sie seien also auf kleine Tiere mit dünner Haut, wie Mäuse, Ratten, auch Eidechsen und Vögel u. s. w. angewiesen, und erst die geschlechtsreifen Zecken gehen an große Wirtstiere, nachdem ihr Rüssel kräftig genug geworden ist. — Daß nicht erst neuere Die Zeclen des lUndes (ds Krankheitsii/>ertr(i[icr. |23 Bakteriologen gesehen haben, daü die ganze Entwicklung der fraglichen Art auf ein oder demselben Rind vor sich geht, sondern daÜ sciion Curtice 1893 die Entwicklung experimentell verfolgt und beschrieben hat, wirft Megnix zu Gunsten seiner vorgefaßten Meinung einfach über den Haufen. Es wird deshalb gerechtfertigt erscheinen, wenn ich auch meine eigenen Beobachtungen hier mitteile, damit die ]\Iegnin sehen Irrtümer nicht etwa festen Fula fassen. Von Herrn Prof. Gotschlich erhielt Herr Geh. Rat Roisert Koch mit zahlreichen Zecken besetzte Hautstücke von Rindern, die in Ägypten (Alexandrien) geschlachtet waren. An ihnen sitzen zahllose liliipicephalus aiistralis in allen Entwicklungsstadieu, mit dem Rüssel fest in die Haut ein- gebolirt. Der größte Teil dieser Zecken ist halb versteckt unter einer trockenen Hautschuppe, welche sich bei näherer Betrachtung als die abgew^orfene Haut des vorhergehenden Stadiums erweist. Die Schüppchen der Nymphen bestehen aus 2 Blättern, nämlich der Rücken und Bauchhaut; das abgestreifte Chitin des Rüssels steckt noch fest in der Haut des Rindes. Das Luftloch, spiramen, ist an der Rückenplatte zu sehen. Aus dieser Beobachtung ergibt sich, dal,) die Nymphe, wenn sie sich häutet, aus ihrer hinten und an den Seiten aufgeplatzten alten Ciiitinhaut herauskriecht und sich sofort unter dieser alten Haut, der Exuvie, wieder einbohrt. Sie begibt sich nicht auf die Wanderschaft, um sich eine passende Stelle zum Festsaugen zu suchen, weil sie hier schon alles für ihre Bedürfnisse vorbereitet findet, denn die Haut des Rindes ist an der Stelle, wo die Zecke vorher gesessen hatte, jedenfalls erweicht und saftreich, sodaß der Rüssel mühelos eindringt. Damit ist nicht ausgeschlossen, daß einzelne Tiere nach der Häutung wandern und sich an einem anderen Platze festsaugen. Ferner gehört liierher die von R. Koch gemachte Be- obachtung, daß Larven und Nymphen von B. decolomtus sich in den äußeren Gehörgängen der Rinder ansiedeln. Es liegen mir zahlreiche Larven und Nymphen vor. welche Stabstarzt Kleine in Kochs Auftrasie auf mehreren Rindern 41 124 DöNiTz: in den (lehörgäugeu erbeutet hat. Damit ist erwiesen. daU die Larven nicht nur auf Ideine Tiere angewiesen sind, sondern auch an große Tiere gehen uod dort leicht ihr F'ortkommen finden, und dal,^ die Zecken aus der Verwandt- schaft des Ilhipicephalns annulatus ihre Scämmtlicheo Häutungen auf demselben Wirt durchmachen, den sie nur verlcissen. ■wenn sie sich anschielten ihre Eier abzulegen. Das sind Tatsachen, die der Wissenschaft angehören. Das (Jen US Boophilus Curtice. Wir haben also im (lenus Ilhiphicephalus zwei Gruppen mit auffallend verschiedener Lebensweise: Die Gruppe des anmdatus, welche ihre sämtlichen Häutungen auf demselben Wirt durchmacht, und die übrigen Rhipicephalen, welche zu jeder Häutung das Wirtstier verlassen. Das legt uns die Frage nahe, ob damit nicht auch anatomische Unter- schiede einhergehen, welche eine generische Trennung be- dingen würden. Auf einiges hat Nkumaxn schon hingewiesen : nämlich auf die kurzen, eckigen Palpen und das Fehlen der Arialfurchen beim $ von 7t. annulatus. Ich möchte noch folgendes hinzufügen. Das Kopfschild des $ ist ganz anders gestaltet: es ist von den Augen an nach hinten zu- gespitzt und erscheint demnach dreieckig; seine Oberfläche ist nicht glatt mit eingestochenen Punkten, sondern sieht aus wie zerknitterter Seidenstoff mit spärlichen kleinen Punkten. Auch die cT «ind von allen anderen Rhipicephalen so ver- schieden, daß sie auf den ersten Blick erkannt werden; sie sind außerordentlich klein, nach oben sehr stark konvex nach allen Richtungen hin. also mehr schalen- oder muschel- förmig. und rauh behaart. Vor allen Dingen sind die Anal- platten ganz abweichend gestaltet. Bei den anderen Arten sind sie dreieckig mit vorwärts gerichteter Spitze und ab- gerundeten hinteren Ecken; hier dagegen laufen die Seiten- ränder ziemlich parallel, und hinten sind sie entweder ab- gestutzt oder zugespitzt. Die Analplatten der R h i p i c e p h a 1 e n sind gewöhnlich von einem Paar lateraler Wülste begleitet. die bei manchen Arten stärker chitinisieren und dann in meist unscheinbare Spitzen ausgezogen sind. Bei der Anüulatusgruppe haben sich diese accessorischen Spitzen Die Zecl'cii iles Itimlcs cda KvunlJiriinäre Gliedermiy des UnterJdefers. 143 Fiff. 8. Placodus. Fig-. 10. Placoclielys. /a^ Fig. 12. Trionyx. In neu sei toi). Ag Angulare, lag Articulaie. Sj- Symphyse. 144 0- Jaekel: Das Spleuiale von Acanthodes, das nach Reduktion der Deckknochen am Skelet dieses jüngsten nnd niedersten Vertreters der Acaathodier-Reihe am Unterkiefer allein übrig geblieben ist, erscheint zunächst so auffallend, daß ihm äußerst sanguinische Deutungen gegeben wurden. Es erklärt sich aber als Rest des mandibularen Dermalskelets, wenn man ihm als Stütze der zerlegten Unterkieferelemente c und d seine besondere Funktion zuerkennt. Das Supraangulare (Sag) ist der äußere, über dem Angulare gelegene Deckknoehen der hinteren Hälfte des primären Unterkiefers, die ich als Articulare bezeichnet habe. Es ist ein verhältnismäßig indifferentes und deshalb in seiner Ausdehnung ziemlich konstantes Element, das höchstens bei stärkerer Ausdehnung des Kronfortsatzes größere funktionelle Bedeutung erlangt. Das Angulare zeigt bei Stegocephalen eine normale Ausdehnung am Angulus des Unterkiefers (Fig. 3), ist aber bei Ganoiden sehr reduziert (Fig. 5 und 6), während es bei Reptilien oft stattliche Größe erreicht (Fig. 7—13). Bei Schildkröten (Fig. 11 — 12) ist es durch die caudane Ausdehnung des Spleniale auf seine ursprüngliche Position an der Innenfläche des Unterkiefers zurückgedrängt (Fig. 12). Zu diesen (5. den zwei vorderen und zwei hinteren Deckknochen und den zwei inneren chondrogenen Knochen, tritt in der Regel als siebentes Element hinzu das Comjdementare, das an der Bildung des Kronfortsatzes am meisten beteiligt ist. (Fig 5—12.) Die Deutung, die wir den vorher besprochenen Elementen des Unterkiefers geben konnten, versagt bei diesem Complementare voll- ständig; es läßt keine morphogenetische Beziehung zu den primären oder sekundären Elementen des Unterkiefers er- kennen. Es zeigt im Gegenteil eine große Inkonstanz in seinen Lagebeziehungen, die sonst viel konstanter sind als die Form der Knochen. Es liegt bald obenauf am Kron- fortsatz (Fig. 7 und 11), bald greift es außen am Unterkiefer herab (Fig. 9), bald liegt es wieder an dessen Innenfläche. Fig. 4 und 6 ist es mit seiner Längsachse nach hinten gewandt. Fig. 12 nach vorn, und in vielen Fällen hat man über die primäre (jliederu)i(j da Vnterläefers. 145 den Eindruck, daß es dem UnterkieferUnochen nur lose aufgelagert wäre. Das tritt besonders deutlich bei Mosa- sauriern hervor, von denen ich die betreffende Stelle an einem Exemplar von Platecarpus (Orig. Mus. Berlin) be- obachtet habe (Fig. 13). Dazu kommt, daß gelegentlich C Fig. 13. Unterkiefer eines Platecarpus aus der oberen Kreideforniation von Kansas. Innenseite mit dem lose angelagerten Complementare C und der Beugeverbindung (Gl) zwischen dem vorderen (d) und dem hinteren (c) Abschnitt des Unterkiefers. Stark verkleinert. und anscheinend ohne Regel an Stelle des einfachen Complementare zwei derartige Stücke erscheinen, wie schon Georg BAuii an Schildkröten gezeigt hat. Aus alledem habe ich die Überzeugung gewonnen, daß das Complementare ursprünglich garnicht in den Verband des Unterkiefers gehört, sondern demselben von außen zugetreten ist. Für diese Auffassung läßt sich nun ohne Schwierigkeit die Präexistenz der Labialia als Roste eines dort reduzierten präozalen Mnndbogens ins Feld führen. Diese Labialia erhielten sich bei degenerierten Formen, die ihren Mund nicht weit aufrissen in den Mundwinkeln. Diesen Formen fehlt der charakteristische Kronfortsatz am Unter- kiefer, und ich halte es nicht für imwahrscheiulich, daß dessen oberstes Stück, das Complementare dem bei Chiniaerca ganz ähnlich geformten und gleich gelagerten Lippenkuorpel homolog ist. Auch die erwähnte gelegentliche Existenz zweier Cornplementaria würde dabei leicht erklärlich sein, da sich derselbe Wechsel in der Ausbildung der Labialia zeigt. Hier könnte wohl eine embryologische Untersuchung bald Klarheit schaffen. Die von Herrn Prof. v. Bardeleben am menschlichen und Säugetier -Unterkiefer beobachteten Knochengrenzen 146 0. Jaekel: Fig. 14. Muiulskelct und Lippenkiiorpel von CInmaera monstrusa L. Md Mandibula, Pq Palatoqnadratum, L Labialia oder Lippenknorpel. Dem Unterkiefer sitzt eine, dem Oberkiefer sitzen zwei Zahnplatten auf. werden sich, wie mir scheint, auf das oben skizzierte Schema der Deckknochenanlage zurückführen lassen, wenn sich auch bei der weiten Kluft, die zwischen den lebenden Säugetieren und den übrigen Tetrapoden liegt, große Vor- sicht bei der morphologischen Deutung der unterscheidbaren Teile empfehlen wird. Eine Sonderstellung scheint das „iMentale" Bardelebens zu beanspruchen, das als un- paaver oder paariger Knochen der Symphyse eingeschaltet oder vorgelagert ist. Es kommen verschiedentlich bei Reptilien und Fischen solche prämandibularen oder mentalen Gebilde vor, aber sie sind meines Erachtens selbständig entstanden und durch verschiedene Ursachen hervorgerufen, wie die Prämandibel der „prädentalen" Dinosaurier, oder die Abschniirung des Symphysenteiles am Unterkiefer von Aspidochijnchus. Nur dadurch stimmen sie offenbar unter einander und mit dem Mentale der Säugetiere überein, daß sie nicht etwa das vordere Stück d des primären Unter- kiefers repräsentieren, sondern nur dessen vorderem Ende entnommen sind. ij7>er die primäre Gliederunrj des IhUerkiefei's. 147 Die üächstliegencle, auch von Herrn v. Bardelebex zuerst angenommene Deutung, daß das Mentale eine Copula des Mundbogens sei. erweckt natürlich zunächst den Wider- spruch, dal] gerade bei den höchsten Wirbeltieren ein Element erhalten sein soll, das bei den niederen Wirbel- tieren nahezu fehlt und sicher bei ihnen nirgends morpho- genetische Bedeutung erlangt hat. Für das Befremdliche dieser Annahme könnte sich aber doch eine Erklärung daraus ergeben, daß bei den Säugetieren die Bildung physiologisch selbständiger Schneidezähne eingetreten ist, die überdies oben in dem Zwischenkiefer (Prämaxillen oder Intermaxillen) eine morphogenetisch selbständige Grund- lage besitzen. Ich könnte mir nun nach Analogie ähnlicher Umbildungen vorstellen, daß die bei Säugetieren im Ober- kiefer physiologisch und morphologisch begründete Selbst- ständigkeit des yordersten Gebißteiles auf den vordersten Teil des Unterkiefers eine formende Einwirkung erlangt habe. Daß dann längst bei Seite gelegte Erbstücke, in diesem Falle die Copula als Requisite gelegentlich \vieder aus dem Farailienschrank hervorgeholt werden, ist eine auch sonst zu beobachtende Erscheinung.') Die Inkonstanz dieser mentalen Stücke in Lage, Zahl und Ausdehnung würde bei dieser Auffassung eine besondere Erklärung nicht mehr bedürfen. Die Tatsache aber, daß dieses Mentale im Falle eines langen Diastema vor den Backzähnen außer der Region der Schneidezähne gelegentlich noch die Eck- zähne umfaßt, spräche direkt für eine physiologische Neu- bildung in obigem Sinne. ') 0. Jaekel: Über verschiedene Wege phylogenetischer Ent- wicklung. Yerhandl. des V. internationalen Zoologen-Kongresses. Berlin 1901 p. 22—34. ^^48 Referierabend. — Inhalt. Referierabend am 16. April 1905. Es referierte: POLL: Demonstration einer erpelfarbigen Ente. Inhalt den 4. Heftes. DöNiTZ, W. : Die Zecken des Rindes als Kranklieitsüberträger, p. 105. Jaekel, 0.: Über die primäre Gliederung des Unterkiefers, p. 184. Referierabend, p. 148. Für die Gesellschaft bestimmte Sendungen sind zu richten An die Gesellschaft naturforschender Freunde in Berlin W. 56 Französischesir. 29. Druck von J. F. Starckc, Herlia S\V. 48, WilliL-liii-tr. 13.'. Nr. 5. 1905 Si tziingsberich t der Gesellschaft iiatiirforscliender Freunde zu Berlin vom 9. Mai 1905. Vorsitzender: Herr Schwendener. Herr OTTO KiRCHHOFFER: Untersuchungen über eucone Käferaugen. Messe faud iü seinen Untersuchungen über die Organe der Lichtempfindung bei niederen Tieren 1901, daß bei Myriopoden, Insekten. Crustaceen, iVrachnoideen die reci- pierendeu Endorgane an den Sehzellen aus Stiftchensäumeu bestehen. Die Substanz derselben ist Veränderungen unter- worfen, auch können die Stiftchen eng miteinander ver- bunden sein, wie z. B. im Komplexauge von Byticus mar- ginalis. Bei diesem Käfer konnte er immerhin ihre gesonderte Existenz erkennen und vermutet, daß auch hier die Rhabdomere echte Stiftchensäume sind. Ferner fand er am proximalen Ende des Rhabdoms eine. Zelle mit großem Kern, die sich proximal in eine Nervenfaser auszieht, distal aber einen stark färbbaren Aufsatz trägt, der besonders da, wo er der Zelle aufsitzt, eine Längsstreifung erkennen läßt. Diese Zelle ist nervöser Natur. Hesse stellt den Aufsatz einem Rhabdomer gleich und betrachtet ihn als Stiftchensaum. Diese Befunde bei Byticus marginalis waren mir Ver- anlassung, eine größere Zahl pentamerer Käfer zu untersuchen und zwar 1. Scarabaeides ßcarahacus variculosus F. Gcotrujjes silvaücus Panz> Geotrupes laevigatus F. (ieotnipes vcnudis L. Hoplia farinosa L. 150 Otto Kirchhoffer: Phyllopertha Jiorticuh F. Cetonia aurata L. Cetonia metallica F. Tricliius fasciatus L. 2. Cicinäclides Gicindela campcstris L. Cicindela silvatica L. Gicindela hyltrida L. 3. Carabidcs Carabus auratus L. Carabus auronicus F. Carnhus grannlatus L. Carabus hortensis L. Carabus nemoralis Müll. Carabus arvensis F. Carabus glabratus Payk Calosoma sjjcophanta L. Harpalus seripes Qüensel Harpalus aeneus F. Amara fulva de Geer. Poecilus lepidus Leske Poecilus cujyreus L. Elaphrus cuprcus Duft. Chalatus fuscus F. Pseudophonus ruficornis F. -4&aar. striola F. -4&a.z; paralellus Duft. Pterostriclius vulgaris L. Pterostriclms metallicus F. Proscus cepJialothcs L. Molops elata F. SpJiodrus leucopJithahnus L. 4. Dgficidc's Dgticus marginalis L. Dz/ticus circumcindtis Ahr. Dtfticus latissimus L. Acilius sulcatus L. 5. Gyrinides Gyrinus mergus Ahr. wobei ich folgendes fand: 1. In dem distalen Teil der Retiniila befindet sich bei Carabidcü, Dyticiden und Gyrinus ein lichtbrechendes Untersuchungen über eucone Käferaugen. 151 Axengebilde, wie es Gkknachek 1879 bei Dyticus margi- nalis besclireibt. Dasselbe ist eine Erweiterung der fadenartig ver- düünten Kristallkegelscheide, welche in die Retinula ein- dringt. Sie ist proximal elliptisch abgerundet, von wabiger Strulttur und hängt nicht, wie Orknacher angibt, mit der hinteren Anschwellung durch einen feinen Faden zusammen. Bei Oicmdelkleu , Hoplia farinosd und P]iijlloj)ertha hor- ticula ist die Kristalkegelscheide. stabartig verlängert, bei Cetonia aiirata und Trichhis fasciatus Ivonisch zugespitzt; sie wird gleichfalls vom distalen Teil der Retinula umgeben. 2. Die Retinula wird von sieben Zellen gebildet, welche sich im Querschnitt um die Kristallkegelscheide gruppieren. Die Zellgrenzen sind in dem oft stark granulierten Plasma manchmal nur schwer erkennbar. Die Kerne dieser Zellen liegen im distalen Teil der Retinula, allerdings nur selten in einer Schnittebene. Auf Serienquerschnitten und etwas dickeren Längsschnitten ließen sie sich bei den genannten Käfern, Hoplia farinosa, Phi/Uojjertha horticula ausgenommen, feststellen. Proximal von der Kernpartie nimmt die Re- tinula bei Carabiden. Hoplia farinosa und Phlloj)ertha hör- ticula ausgenommen, an Durchmesser bedeutend ab, um im proximalen Teil zur Bildung des Rhabdoms wieder anzu- schwellen. Auch in diesem von Gkenacher als fadenartig bezeichneten Teil lassen sich die Grenzen der sieben Zellen erkennen. Die Retinula von Hoplia farinosa und Fhijllo- ^jertha horticula nimmt proximal allmählig an Durchmesser ab. Bei Cicindeliden und Carabiden behält die Retinula bis zu ihrem Eintritt in die Basalmembran den gleichen Durch- messer bei. Bei ersteren ist die Länge des Rhabdoms bemerkens- wert, welcbes am proximalen Ende der Kristallkegelscheide beginnt und öfters sogar durch die Basalmembran hin- durchtritt. 3. Das Rhabdom wird bei Scarabaeiden, Cetonia me- tallica ausgenommcMi, von sieben Zollen, bei dieser, den Carabiden, Cicindeliden, Dyticiden und Gyrinus von sechs 152 Otto Kirchhoffer : Untersuchungen über eucone Käferaugen . Zellen gebildet; die siebente Zelle sciieidet alsdann aus, wie von Hesse bei Dyticus beschi'ieliiMi wiii-de. Obwohl hei den Cicindeliden das Rhabdom nur einen Durchmesser von ca. 3 ]l hat und eine feinere Struktur nicht überall festzustellen war, konnte ich an einzelnen Stellen doch die Zusammensetzung aus Stiftchen erkennen. Scarahaeus varicttlosus, Cetonia aurata, Trichius fasciotus haben getrennte Rhabdomere, während sie bei Cetonia mctaUica zum Rhabdom verschmolzen sind. Bei (leotrupes sind die inneren Seiten der prismatisch dreikantigen Zellen mit Stiftchensäumen bekleidet, die Rhab- domere bleiben von einander getrennt, während bei Melo- lontha die Stiftchensäume sich berühren und so ein Rhab- dom bilden, welches von Grenacher als geflügelt be- zeichnet wird. Carabiden, üyticiden und (iyriuus haben im allgemeinen ein Rhabdom, wie es von Hesse bei Dyticus margiudlis be- schrieben wird. Ich gelangte zu der Überzeugung, daü in allen diesen Fällen Stiftchensäume vorhanden sind. 4. Bei Dyticiden, (}yrinus. Scarabaeus, Melolontha, Cetonia und Trichius fisciatus konnte ich das Vorhandensein der von Hesse geschilderten Basalzelle mit Kern, bei Geo- trupes lediglich den Kern feststellen. Derselbe steht proxi- mal mit Nervenfasern in Verbindung. Auf Querschnitten durch den proximalen Teil des Rhabdoms erkennt man bei Cetonia aurata und metaUica. Scarabaeus variculosus und Trichinus fasciatus ein zentrales rundes Gebilde, welches sich in gleicher Weise wie der Stiftchensaum färbt. Bei Scarabaeus und Melolontha ist auf Längsschnitten durch diesen Teil des Rhabdoms distal vom Kern ein färbbarer ^Aufsatz erkennbar. Diese Ge- bilde dürften wohl einem basalen Rhabdom entsprechen. Ebenso war dieses Basalorgan bei Dyticiden und Gy- rinus auf Längs- und Querschnitten zu erkennen. Es steht hier im unmittelbaren Zusammenhang mit dem proximalen Ende des Rhabdoms. Seine getrennte Beschaffenheit läßt sich jedoch leicht feststellen. W. Bath: Kaulqit(i2)pen i. d. Funghlasen von Utricitkiria vulgaris. ]53 Das Rhabdom der Cicindeliden hat aü seinem proximalen Ende eine kolbenförmige Anschwellung, welche sich ganz besonders stark färbt und an welcher eine ZusammensetzAuig aus Stiftchen, wie bei dem Rhabdom, nicht zu erkennen ist. Dieselbe steht mit einem proximalen von der Basalmembran gelegenen Kern durch (Nerven?-) Fasern in Verbindung, Querschnitte durch den proximal von der Basalmembran gelegenen Teil lassen bei dem bisher aufgeführten Käfern «rkennen, daß zu einer Retinula acht Nerven gehören. Das Rhabdom der Carabiden spitzt sich proximal konisch zu und zeigt auch auf den am weitesten proximal gelegenen Querschnitten dieselbe Beschaffenheit, wie auf den distalen Eine Basalzelle konnte ich bei diesen Käfern nicht linden. Dagegen liegt auch bei manchen Carabiden proximal von der Basalmembran ein Kern, welcher mit dem Rhabdom in Verbindung zu stehen scheint. Zu meinen Untersuchungen benutzte ich Schnitte von 2 — 3 jj. Stärke bei 1200facher Vergrößerung. Eine genaue Beschreibung, sowie den Beleg durch Zeichnungen werde ich in einer demnächst zu veröffent- lichenden Arbeit bringen. Herr W. BATH: Über Kaulquappen in den Pangblasen von Utricularia viilf/aris. Daß die Ultricularia in ihren eigentümlich gebauten Fallen kleinere Wassertiere, meist Crustaceen, oft in großen Mengen einfängt und verda.ut, ist allgemein bekannt. Weniger bekannt dürfte es jedoch sein, daß bisweilen auch Tiere, die ebenso groß oder sogar größer als die Faug- blasen sind, eingefangen werden. Hier und da ist beobachtet worden, daß junge Fische eine Beute der Utricularia ge- worden sind. Walter^) rechnet sie aus diesem Grunde unter die Schädlinge der Fischbrut. Von vielen Seiten aber sind auch diese Angaben bezweifelt worden. Ich selbst habe kürzlich die interessante Beobachtung gemacht, daß ') Dr. Emil Walter, die Biutschädlinge der Fische ujid die Mittel zu ihrer Vernichtung. Neudamm 1899. 154 W. Bath: auch Kaulquappen von der Utricularia eingefangen werden. Wenn man in ein Gefäß mit Utricularia jüngere Frosch- larven setzt, so dauert es garnicht lange, bis ein großer Teil der Quappen in den Blasen festsitzt. Ehe ich darauf eingehe, wie die Tiere eingefangen werden, möchte ich eine liurze Beschreibung des Baues der Blase geben und werde mich dabei an Darwins') vor- treffliche Untersuchungen halten. Von der Seite betrachtet hat die Blase fast das Aussehen einer Daphnia. In ihrer hohen plattgedrückten Form gleicht sie ganz der Schale einer solchen. Die Haare, die trichterförmig die Eingangs- öffnung umgeben, entsprechen den Antennen, und der Stiel, an dem sie festsitzt, der Schwanzspitze. Die zienüicii halbkreisförmige Öffnung wird durch eine äußerst elastische Klappe verschlossen, die an einer Seite festgevvachsen nur nach innen bewegt werden kann und auf einer vei-dickten Leiste, Widerlager, aufliegt. Um die ganze Klappe herum, namentlich auf der Klappe selbst und dem Widcrhiger^), befinden sich zahlreiche kurze Schleimhaare, die den Zweck haben, die Tiere herbeizulocken und in die Falle zu führen. Solche Stelleu nun suchen auch die Kaulquappen gern auf. Von den trichterförmig angeordneten Haaren werden sie zum Eingang in die Blase geleitet, stoßen den Deckel hinein und werden auf diese Weise eingeklemmt (Fig. 1). Ein Hinaus ist nicht mehr möglich, nur noch weiter hinein können sie, wenn sie sich anstrengen, freizukommen. Es kommt vor, daß eine Kaulquappe vollständig im Inneren verschwindet; sie liegt dann aufgerollt in ihrem Gefängnis, in dem sie umkommt und dann verdaut wird. Auch habe ich bisweilen gesehen, daß eine Quappe, die zufällig gerade auf die Öffnung zuschwimmt, bis über die Hälfte in der Blase verschwindet; wahrscheinlich infolge des heftigen Anstoßens. Merkwürdigerweise habe ich auch Kaulquappen ge- funden, die mit der äußersten Schwanzspitze in der Falle festsaßen, ohne freikommen zu können (Fig. 2). Wahrscheinlich ') Charles Dakwin, Insektenfressende Pflanzen. *) Dr. GoEBEL, Pflanzenbiologische Schilderungen. über Kiitihniuppcn in den Famjblasoi von Utriculariu vuhjaris. 155 Fig. 1. Fangblase von Utricularia mit einer Kaulquappe, deren vorderer Teil in der Blase steckt. Blase mit einer Kaulquappe, die mit dem Schwänze in der- selben steckt. waren sie bei den Ruderbewej^iingen mit dem Schwänze in die Falle geraten. Auch Waltek hat jimge Karpfen in dieser Lage in Fangblasen vorgefunden. Noch merlc- würdiger und mir unerklärlicli ist die Tatsache, daß ich garnicht selten Froschlarven beobachtet habe, die mit dem Bauche oder der Seite des Körpers eingeklemmt sind und sich durch die gewaltsamen Anstrengungen freizukommen, den Leib aufreißen, sodaß die Eingeweide in die Blase hiueintreten. Leider habe ich nicht mit angesehen, wie eine Froschlarve sich auf diese Weise fängt und kann daher hierfür keine Erklärung geben. Die eingefangeuen Tiere leben oft noch einige Tage, ehe sie absterben, und erst dann wirkt das in der Fang- blase abgesonderte Ferment und leitet so die Verdauung ein. Die angeführten Beobachtungen habe ich zwar nur im Aquarium gemacht, zweifele jedoch nicht daran, daß sich auch im Freien derartige Vorgänge abspielen. 156 Karl von Bardeleben: Herr KARL VON BARDELEBEN: über den Unterkiefer der Säugetiere. Bakdeleben berichtet über seine Untersuchungen am Unterkiefer des Menschen, bei jüngeren Embryonen (Schnitt- serien), älteren Embryonen, Kindero. Erwachseneu, — ferner bei Säugetieren, an dem riesigen Material der zoologischen Sammlung zu Berlin (Direktor Herr Geh. Rat MÖBius). Letztere erstreckten sich auf Affen, Halbaffen. Fledermäuse. Carnivoi'en (junge), Nager, Ungulata, Hyrax (jung), Pachydermen (jung), Delphine, Wale. Manatus (jung), Beuteltiere (jung), Edentaten (jung). (Die Monotremen kommen nicht in Betracht.) Der Vortragende resümiert kurz die Ergebnisse be- trettend des beim Menschen und bei vielen Säugern ge- fundenen Os mentale und legt eine größere Reibe von Zeichnungen davon vor. Die Bedeutung dieses bisher un- bekannten oder unbeachteten Skeletelements ist noch nicht klar. Um eine besondere Eigentümlichkeit des Menschen handelt es sich nicht, da das Mentale schon bei Beutel- tieren auftritt. Vielleicht wird es noch bei Reptilien ge- funden. Eine Neubildung ist es also nicht, auch kein Schaltknochen oder eine Epiphyse. Baudeleben neigte einige Zeit zu der Ansicht, daß es sich um Reste der Labial- oder PrämandibularbilduDgen handle. Jetzt möchte Baude- leben wieder auf seine im November 1904 ausgesprochene Vermutung, daß hier eine Art Copula. also eine Inter- mandibularbilduug, vorliege, zurückkommen. Allerdings ist das Mentale fast immer paarig. Die anderen, vom Vortragenden bei Säugetieren und Mensch gefundenen, bisher unbekannten Bestandteile des Unterkiefers entsprechen in Form und Lage im wesent- lichen den bekannten Skeletelemeuten, die den Unterkiefer der Reptilien bilden, wenn natürlich auch bei den ver- schiedenan Ordnungen der Säuger — sowie zwischen Säugern und Reptilien Unterschiede vorhanden sind. Das Condyloid (Articulare) der Säuger kommt sowohl als ein auf den Kopf (und Hals) des Unterkiefers be- schränktes Teilstück, meist aber in größerem Umfange vor. tiber den Unterkiefer der Snuyetierc. 157 Zwischen ihm und dem fast überall leicht nachweisbaren Angulare kann ein Supraangiilare liegen. Vermutlich ist dieses in den Fällen, wo es zu fehlen scheint und wo das Condyloid auffallend groi3 ist, in dieses mit auf- gegangen. Das Coronoid (Coraplementare) ist an seinem unteren vorderen Ende durch eine Greuznalit gegen das Dentale fast stets deutlich abgesetzt. Zwischen ihm und dem Condyloid liegt eine Ausfüllungsmasse, die seliundär zu entstehen scheint. Zwischen diesen drei (oder vier) Stücken befindet sich bei manchen Beuteltieren (Macropus). sowie Embryonen und jungen Individuen höherer Säuger eine Öffnung oder Lücke, wohl der letzte Rest des bei Reptilien hier befindlichen Loches. Das am unteren Rande des Unterkiefers liegende, bei verschiedenen Säugern ver- schieden weit hinauf an der äußeren Fläche reichende Stück, das Baudeleukn einstweilen als Marginale bezeichnet hatte, kann jetzt als das Spleniale angesprochen werden, da seine allmähliche Wanderung von der Innenfläche um den unteren (caudalen) Rand des Unterkiefers nach der Außenfläche sich verfolgen läßt. Ist es doch schon bei Archegosaurus von außen her sichtbar. Die Trennung zwischen Spleniale und Dentale ist nicht nur innen — oft in Uestalt einer Spalte — sondern auch außen als Naht oder Nahtspur sichtbar. Vor Dentale + Spleniale liegt dann das Meutale. (Eine große Reihe von Unter- kiefern aus der zoologischen Sammlung wird demonstriert.) Auch die Entwicklungsgeschichte, die Bardelehkn bisher nur an Embryonen vom' Menschen und von einigen Säugern studieren konnte, zeigt die Entstehung des Unter- kiefers aus getrennten Anlagen, \md zwar nicht nur in Gestalt von perichoudalen oder dermalen Knochenplatten, sondern aus knorpelig präformierten, endochondral ver- knöchernden Teilen. So sind knorpelig vorgebildet: Coronoid. Condyloid, Angulare, Mentale; die übrigen Elemente scheinen Misch- knochen darzustellen. Für die Entstehung aus getrennten Anlagen sprechen ferner die bisher wenig zahlreichen Beobachtungen über 158 Karl v. Baiideleben: Über den Unterkiefer der Säugetiere. Mißbildungeü des Unterkiefers (Mundspalte; sog. „Agnathie", V. Winckel) und der Umstand, daß bei primitiven Säugern, sowie bei jungen Tieren die Trennungsüähte viel deutlicher und zahlreicher sind, als bei höheren, besonders bei den einseitig und abseits entwickelten Formen. Die Primaten ge- hören, worauf Bardeleben schon öfter hingewiesen hat, betreffs ihres Skelets zu den relativ primitiven Formen (vgl. Hand und Fuß). Die jetzt herrschende Lehre, die den Unterkiefer der Säugetiere für das „Dentale" erklärt und das Articulare der Reptilien im Hammer der Säuger sucht, stützt sich, abgesehen von negativen Befunden, wesentlich auf die embryologische Untersuchung von K. B. Reichert. Neuere, bei Säugetierembryonen angestellte Forschungen über die Entstehung der Gehörknöchelchen und das proximale Ende des MECKELSchen Knorpels') haben nun dargetan, daß die bisherigen Angaben ungenau oder unvollständig waren, daß die Unterkieferanlage mit den Gehörknöchelchen direkt nichts zu tun hat, daß es sich vielmehr nur um sekundäre, caeuogenetische Beziehungen handelt, sowie daß der Meckel- sche Knorpel ursprünglich aus zwei Stücken besteht, die sich erst sekundär vereinigen.-) Wenn so die bisher für unüberbrückbar gehaltene Schwierigkeit, die bisher als Postalat angenommene Not- wendigkeit der Homologisierung des Articulare der Rep- tilien mit dem Hammer der Säugetiere, fortfällt. — wenn ferner die physiologisch ganz unverständliche Annahme, das Kiefergelenk, dieses für das Leben wichtigste Gelenk des tierischen Körpers, habe eines Tages seine Funktionen ein- gestellt und an ein anderes, erst neu zu bildendes, abge- geben, — wenn diese Annahme nicht mehr nötig ist, wenn sich ferner im Säugetier-Unterkiefer von den Beuteltieren bis zum Menschen hin alle Elemente des Reptilien-Unter- kiefers in wesentlich tibereinstimmender Lage und Form vorfinden, dann dürfte doch der direkten Vergleichuug auch dieser Skeletteile zwischen Säuirern und niederen Verte- ') DrÜner, Anat. Anz. Bd. 24, S. 257. 1904. '^) Fuchs, Briefliche Mitteilung, Februar 1905. Bergmann: Dcuionstration eines neuen Netzhiujds. 159 braten, zunächst Reptilien, kein Hindernis mehr im Wege stehen. Bardelebün kommt somit auf Grund seiner vergleichen- den Untersuchungen und der neuesten erabryologischen For- schungen zu dem Ergebnis: Der Unterkiefer der Säugetiere ist dem der Reptilien im ganzen und in seinen Teilen homolog. Herr BERGMANN: Demonstration eines neuen Netzbügels. Die Mannigfaltigkeit der Fanggeräte ist für den For- schungsreisenden und fiir den Sammler auf einer Exkursion recht lästig, denn ihr Umfang und ihr Gewicht machen das \A'andern mit einer Sammelausrüstung oft recht be- schwerlich. Für verschiedene Zwecke braucht man ver- schiedene Netze und jedes Netz hat einen mehr oder weniger schwereren Netzbügel. So lag es mm nahe, einen Universal- netzbügel zu konstruieren, an dem verschiedene Netzbeutel befestigt werden können und dessen Bau es erlaubt, ihn als Wasserkätscher, Streifsack für Landfänge, Kratzer, Dredsche und Oberflächennetz zu benutzen. Der Bügel wird in der gewünschten Größe, am besten wohl 30—35 cm breit und 23 — 26 cm hoch, aus Messing oder aus Eisen, verzinnt oder vernickelt, hergestellt. Die Form ist die der gewöhnlichen Kratzer. Während der vordere, gerade Teil (a) des Bügels senkrecht steht, ist der gebogene Teil (b) unter einem Winkel von etwa 45'^ geneigt. In der Mitte trägt der Bügel (b) eine kurze aber starke Hülse (c), in deren Zentrum der Bügel (b) durchbohrt ist. Am unteren Rand des ganzen Bügels sind Löcher zum Befestigen der Netzbeutel, die an ihrem oberen Rand in Leinwand einge- schlagene Messingösen tragen, eingebohrt. Soll das Netz in diesem Zustande, mit einem Beutel aus Kongreßstoflf versehen, als Kätscher verwendet werden, so befestigt man es mittels einer besonderen Hülse an einem beliebigen Stock. Diese Hülse trägt bei (d) eine Flügel- schraube, die zum Festklemmen der Hülse auf dem Stock dient. Etwa in der Mitte der Hülse ist ein Bolzen einge- 1 60 Bergmann : JUemonstration eines neuen Netzbüyels. lötet und genietet, der die vorne schräg abgeschnittene Hülse überragt und an dessen Vorderende ein Schrauben- gewinde (e) angeschnitten ist. Die kurze Hülse (c) paBt in die Stockhülse und greift über den Zapfen (e). Das Ge- winde desselben tritt durch die Durchbohrung des Bügels (b) im Zentrum der Hülse (c). Da die Stockhülse vorn schräg abgeschnitten ist, paßt sich die Schnittfläche der Schräg- stellung des Bügels (b) an Durch eine auf das Gewinde geschraubte Flügelmutter wird der Bügel nun auf die Hülse gepreßt und die Abschrägung verhindert das Drehen des Bügels um den Stock. Mit einem geeigneten Beutel ist das Gerät so auch als Streifsack zu verwenden. Der gerade Teil (a) des Bügels trägt zwei Löcher. Soll nun das Netz als Kratzer gebrauciit werden, so wird eine etwa im Winkel von 45° umgebogene Schiene (f), welche zwei den Löchern in (a) entsprechende Durchbohrungen mit Schraubengewinden trägt, mit zwei Fliigelschrauben an a) befestigt und zwar so, daß die Schneide nach innen zeigt. Um das Netz als Dredsche verwenden zu können, ent- fernt man die Stockhülse und schraubt die vordere Schiene (f} umgekehrt an. so daß die Schneide nach außen steht. Drei starke Schnüre, die sich in einem Messingring vereinigen und die an ihren freien Enden je einen Messingkarabiner tragen, dienen zum Schleppen des Netzes. Löcher an den beiden Ecken des Bügels bei (g) und (h), sowie in dem oberen Teil der Hülse (c) nehmen die Karabiner auf. Bei (g) und (h) können Gewichte zum Beschweren der Dredsche angebracht werden. Als Planktonnetz verwendet mau den Bügel ohne die Stockhülse und die Schiene (f). Ein bootsförmiges, d. h. vorne zugespitztes und abgeschrägtes Brett mit einem Falz (i), der ein Verziehen desselben verhindert, dient als Schwimmer. An seiner Unterseite trägt es zwei den Löchern in (a) ent- sprechende Schraubengewinde. Mit den Elügelschrauben, die sonst die Schiene (f) halten, wird nun der Bügel an den Schwimmer geschraubt. Das Netz wird wie die Dredsche nachgeschleppt, nur muß man in diesem Falle als Netz- beutel Seidengaze A^erwenden. Heferieraffmd. — Inhalt. 1 ß 1 Bei den Versuchsfängen hat das Netz in jeder Form recht gut funktioniert. D. R. G. M. ist angemeldet. Aus- kunft erteilt gerne der Referent. Referierabend am 16. Mai 1905. Es referierten: Herr JAHN über; G. Hikronymus, Zur Kenntnis von Chlamy- domyxa lnhyrintliuloides Archer. Hedwigia. 1828. Yj. Penard, Etüde sur la Chlannjdomyxa montana. 1904. G. HiEKONYMus, Bemerkungen zu Penards Arbeit. Hedwigia. 1904. Herr V. HANSTEIN über; Wasmann, Ursprung und Entwick- lung der Sldaverei bei den Ameisen. Biolog. Zentralbl. XXV, Heft 7-9. 1905. Inhalt des 5. Heftes. KiROHHOFFEK, Otto. Untersuchungen über eucone Käferaugen, p. 149. Bath, W. Über Kaulquappen in den Fangblasen von Utricularüt i'i(l,iju7-is, p. 153. Bahdeleben, Karl von. Cber den Unteikiefer der Säugetiere, \). 15C. Beugmann: Demonstration eines neuen Netzbügels, p. 159. Referierabend, p. 161. Für die Gesellschaft bestimmte Sendungen sind zu richten: An die Gesellschaft naturforschender Freunde in Berlin W. 56, Französischestr. 29. Druck von .T. F. Starcke, Berlin SW. 48, Wilhelnistr. I3.'>. V, ^ 1. Der Bügel u. die Schiene. 2. Dredsche. Zu Seite 159. Kratzer. 4. Stockhülse. 5. Planktonnetz. J P. Starcke, Berlin W. Nr. 6. 1905 Sitz 11 11 gsbe r i c h t der Gesellscliatt iiaturtorsclieuder Frf3uiide 7.11 Berlin vorn 13. Jiiüi 1905. Vorsitzender: Herr Schwendener. Wegen außergewölinlidi mangelhaften Besuches konnten am heutigen Vorti-agsabeud keine Vorti'äge gehalten werden. Eingesandt wurde folgende Abhandlung von Herrn A. JACOBI aus Tliarandt: Vorbericht iiber eine Homopterenfauna der Anden, nebst Diagnosen neuer Arten. Seit Jahren hat das Staudiugersche. Handelshaus in Blasewitz großartige Sendungen von Insekten aus den Gebirgsgegenden von Peru und Bolivien erhalten, die größtenteils von dem ausgezeichneten zoologischen Sammler Gustav Gaulkpp. neuerdings auch von dessen Bruder Otto (iARLEPP lierriihren. Bei dem Verständnis, mit dem das Zusammenbiingen dieser an Neuigkeiten reichen Schätze erfolgt, sind darin auch solche Formengruppen gut ver- treten, welche gewöhnlich beim Absammeln tropischer Länder kaum beachtet werden, namentlich die Ilomopteren bis zu den kleinsten Vertretern hinunter. Die Schätze letzterer Art wissensciiaftlich zu bestimmen, ließ ich mir seit geraumer Zeit auf Veranlassung der Firma Dr. Stau- dinger & A. Bang-Haas tunlichst angelegen sein, wobei sich aber bald ergab, daß der Reichtum an neuen Formen die Anzahl der bekannten in den Schatten stellte. Ferner fanden sich eine Reihe überraschender zoogeographischer Bezie- hungen zu der bekanntlich gut erforschten Cikadeu- fauna von Mittelamerika, was beides den Wunscii in mir Iß4 ^- JAcoBi; erweckte, mit einer systematischen Durcliarbeituüg des zugcäügliclien Materials den Weg zur Lösimg der Frage zu finden, welclie Zusammensetzung und Verwandtschaft zu anderen neotropischen Gebieten die Zirpenfauna der ge- nannten Teile des westlichen Südamerikas habe. ]>ald jedoch fand ich es angezeigt, mit dem Vorhaben über di<' ursprünglichen Fimdbezirke hinausgehend das gesamte von der südamerikanischen Cordillere eingenommene Gebiet, d. h. die Homopteren der gebirgigen Teile von Venezuela, Columbien, Ecuador, Peru, Bolivien und Chile zu berück- sichtigen, also die ^Homoptcni And/na''^ im Vei'gleich mit dem entsprechenden Teile der ^ßiolorjia Ccntnili-Amcricana'^ zusammenfassend zu untersuchen. Die Ausführung dieser Absicht stützte sich nicht nur auf die GAHLEPPSchen K(dlektionen — deren im Nationalniuseuni zu Budapest befindlichen Teil mir Herr Direktor Dr. \on Horvatii in zuvorkommendster Weise zu benutzen gestattet liat — sondern auch auf die reichhaltigen Bestände von entsprechender Herkunft, welche die Direktion des Berliner Museums dank gütiger Vermittlung des Herrn Dr. Kuhlgatz zur Verfügung stellte, sodaß ich unter Berücksichtigung andervveiter Unter- lagen Aussicht habe, den gedachten Zweck zu erreichen. Sehr förderlich war mir hierbei das weitgehende Entgegen- kommen der Firma Staudinger und namentlich ihres Auge- hörigen Herrn Marquardt, das mir gestattete, die sehr umfangreichen Garlepp sehen Sammlungen längere Zeit wissenschaftlich zu benutzen, wofür ich namentlich dem genannten Herrn zu aufrichtigem Dank yerbunden bin. Der erste Teil der ^J/onio/dcra Andina'\ die Ckndidae und F'ulgoridae umfassend, soll hoffentlich noch in diesem Jahre erscheinen; da aber .die Bearbeitung der übrigen Familien längere Zeit erfordert und der Staudingerschen Firma erklärlicherweise daran liegt, die in ihren Beständen vorhandenen neuen Arten benannt und veröffentlicht zu sehen, halte ich es für angezeigt, zunächst aus den Gruppen der TcttigonieUini und Jassint wenigstens die individuen- reichsten neuen Formen mit kurzen Diagnosen im folgenden zu kennzeichnen. Es werden aufgeführt: Vorhericht ii. e. Houioptcreiifainia d. Anden, nehst Diagnos. neuer Art. \ ß5 A. TcttigonicUini I 11. g. Phcrcurhinns. 45 u. sp. I>. Jassini. 5 11. sp. Die den Beschreibungen zugrunde liegenden Typen gehören sämtlicli meiner Saininhing an. 1. Amhliidiscd sujjercilinris n. sp. Fulva; ocnlis fulvis, vertice postice jugisque, fascia antica pronoti. scutello, tibiis tarsisqne, linibo angusto tegminnm, non nisi ad appendicem interrnpto, nitide nigris; clypeo, rostro. peetore, fenioribus brunneis; tegniinibns ad venas remote subtilissimeqne nigropnnctatis; alis seini- pelhicidis. cinereis, fnlvo dilutis, extus infuscatis. Vertice breviore. anticc utriinqne globose intlato, fronte media longitrorsum laevi, nounihil excavata; clypeo a iatere rectangulo, apice angnli panlulum producto; pronoto antice sulco profunde transverso instiUito, ante medium nonniiiil conslricto, margine posteriore sinuato; tegminibus venulis transversis compluribns reticulatis instructis, ad venationem punctis impressis majoribus inscnlptis. — cf. l^amina subgenitali parallelogramniica, inargine postico inedio vix inscisso. Long, cum tegm. 17(' $ )— 19(c/'), E.xp. tegm. 35 mm. Hah. — Peru: Callanga, Marcapata. Bolivia: Yuiigas. Von A. irregulär is (Sign.) verschieden durch luirzeren Kopf, stärkere blasige Aufti'eibung des Vorderrandes, Bildung des Clypens und Pronotums, glättere Decktlügel. abweichende Färbung, so^vie die Form der ans den ver- schmolzeneu (louapophysen entstandenen Subgenitalplatte des cf. 2. Amhlydiscd callldula n. sp. Statnra robusta; supra scabra, pronoto praesertim fossis duabus profundis lateralibus iniquo, tegminibus venis clevatis callisque duabus oblique transversis, undulatis instructis; alis latissimis; vertice pronoto dimidio breviore, jugis parallelis; frontis disco late planiusculo, clypcum 6* Ißß A. Jacobi: versus declivi, parte clypei siirsum vergente nonnihil ciirvata; prouoto postice profunde siiiuato; scutello parte angustata elevata. Supra fusco-teiTea, tegmiiiibus appendice niacula elougata testacea oraatis; alis subhyaliuis. llavidis, apice limboque fiiscis; abdomiue ochraceo-rufo. supra vitta media lata fusca, siibtus margiue aQtico steruitorum fasciis raedio interruptis iiigris oroato; facie, rostro, pectore, pedibus obscure sanguiueis; geniculis, apice tibiarum, tarsis uigris. (/. Gouapopiiysibus sejiinctis. laciuiatis, prope basin conjuuctim inflatis, apice intlexis. $. Segmente veutrali sexto margine postico medio producto, apice emarginato. Long, cum tegm. 12—15, Exp. tegm. 24 mm. Hah. — Peru: Marcapata. Bolivia: Yungas; Mapiri; Curoico. 3. Amhli/disca puJhild n. sp. Nigerrima; vertice, genis, pectore, prouoto antice, apice tegminum albesceute vel caerulescentetomeutosis; alis subopacis, ciuereo-fuscis, basi clarioribus; segmeutis abdominis supra subtusque margiuibus postico et exterioribus rufolimbatis. Vertice horizoutali, producto, antice truncato, lateribus couvergentibus, medio canaliculato; oculis pro- minentibus; froute retrorsum declivi. cum clypei latere antica recta iu eodem piano jacente, lougitutinaliter aequiiate excavata, medio cariniila subtili instructa; j>ronoto medio constricto, postice nonnihil siuuato; scutello uiedio traus- verse impresso; tegminibus elongatis, apice oblique truncatis, veuis regularibus instructis; alis angustis. $ : Segmento ventrali ultimo medio profuudissime exciso, lobis laterales duos rotuudatos lingente. Hab. — Peru: Marcapata. 4. Amhlydisca J/orvdthi n. sp. Supra cyaueo-nigra; basi verticis, scutello, tegminibus. abd(»miue tomento coeruleo aft'latis; fasciis 2 pronoti poue uculos, vertice ultra medium, fronte, corpore subtus, Vor/ierirht it. c. HumoptcroifdHua d. Änilvii, nchat DianiKH. neuer Art. Iß7 pedibiis flavis; fascia a[)iea]i genarnm froiitisqne, clypen. rostrn. mesopleuris, medio mesosterui. coxis, übiis anticis ultra medium, tai-sis. vitta lata media ventris nigris vel nigrofuscis; pronoto a basi maximam partem castaneo- rubro; aus fiiscis. Capite angulato, lateribus verticis l)aiiUim ciii'vatis, superno medio per totam loiigitudinem impresso, apice callo vel cicatricula sat elevata instriicto; pronoto medio gibbo, ad latera transverse impresso, apice valde declivi. margine postico sinnato; tegmiuibus angiistis, aeqiiilatis. Hab. - Peru: Marcapata. Herrn Dr. G. Hokvath gewidmet. 5. Ainhliidisca pomposula n. sp. A. horodthi Jac. aflinis; fascia basali verticis medio valde reducta. rostro flavido, tibiis tarsisque non nisi apice imo obscurioribus, abdomiue rufo, subtus medio infuscato, tegminibus purpureis vel ])urpureo-fulvis, fascia lata antepicali lata eburnea. intus et postice fuscolimbata, ornatis. alis sublimpidis. cinereo-fuscis, plaga apicali margineque anteriore cinereo-tlavis ornatis distinguenda. $ : Segmento ventrali ultimo elougato, apicem versus producto, apice medio quadrangulariter exciso, lobiilos duos laterales emittente instructo. Long, cum tegm. 17 — 19 mm. Nah. — Peru: Marcapata. A. pomposula und A. honmthi weichen beide von den jMerkmalen der Gattung Anihlijdlscd , wie von Stal, nemi|)t. Fabric. 2. p ßl angegeben, durch den keilförmig vor- springenden, vorn mit einem scharf abgesetzten schwieligen Höcker versehenen, oben der ganzen Länge nach gefurchten Kopf mit sehr schief gestellter Stirn, das Schildchen an Länge übertreffendes und vorn in der Mitte gebuckeltes Pronotum nicht unerheblich ab, doch wäre selbst eine subgenerische Abtrennung für sie bei der noch lückenhaften Einsicht in die Formengliederung der TettkjonidUni un- angebracht. 168 A. Jacobi: Phereurhinus n. g. Tettigoniellinorum. Corpore de- presso. superne subtusque deplauato; capite acu- tangiilariter porrecto, a latere aüguliim peractitiiin formaiite; vertice piano, inter ocellos longitrorsum impresso, ultra medium c a r i n a e 1 e n' a t a acuta i n - structo, margiuibus leviter inflexis; j iigis porrectis, longis, depressis, marginibus acutis pariimque inflexis, apicibus iiaud abbreviatis infra carinu- lam obliquam versus frontem, supra scrobes trun- catam tuberculuuKjue prominens fingentem emit- tentibus; ocellis a basi capitis valde remotis. Fronte minus convexa, disco glabro, clypeo biconvexo, fronte clypeoque in eodem piano jacentibus; pro- noto capite cum oculis nonnihil angustiore, fere quadrangulari, postice late sinuato, lateribus parallelis, disco piano, parte anteriore medio linea transversa foveolisque nonnullis impressis in- structo; scutello aequilatero, piano; tibiis aute- rioribus cylindricis, tarsis posticis articulo primo duobus aliis dimidio longiore; tegminibus magnam partem diaphanis, iatera abdominis tegentibus, appendice nullo, venis regularibus, venis duabus clavi parallelis instructis. Typus generis: Ph. latilhts Jac. Eine sehr eigentümliche Gattung, die habituell vieles mit Phem StÄl. gemein hat, aber nicht eigentlich mit ihr verwandt ist, sondern wegen der vorn nicht scharf von den Kopfseiten abgesetzten Jochstücke, der drehrunden Vordertibien und des langen ersten hinteren Fußgliedes in die Nähe der eigentlichen Tettigoniellen (Tettujonia auct. nee L.) gehört^). 6. Pliereurhinus hatillus n. sp. Capite hyperbolico, pronoto saepissime longiore; medio spatio inter angulos interiores oculorum sito circa tertia parte longiore; jugis margine laterali verticis vix dimidio 1) Vergl. StAl Hemipt. Fabr., 2, p. 61. Vorlicriclitü. c. Hice iacteis, appendice limboque apicali luridis; alis fusco purpureis; segmentis abdominis superne postice flavolimbatis. Ca[)ite rotundato-angulato, pronoto angustiore et tertia circiter parte breviore; fronte convexa, disco subplano, poiie medium tuberculo transverso vel plicula instructo; clypeo uonnihil convcxo; pronoto autrorsum angustato et declivi. basi trun- cato, angulis lateralibus distiuctis; scutello piano, aequi- latero; tegminibus apice angustatis, appendice distincta instructis. Long, cum tegm. 13 mm. Vorbericht i'i. c. Homopterenfauna d. Anden, nehstDiaguos. neuer Arten. 171 Variat corpore, capite, sciitoUo medio aurantiacis, teg- miuibus iofra medium plus miniisve luridis. Hah. — Peru: Callanga; Marcapata. Bolivia: Yungas. 10. Tcttiyoniella marquardtl n. sp. T. lnjacbithintdae affinis: major; pronoto antice fasciis diiabns medio abrupte trimcatis ornato; sciitello medio flavo; tegmiuibiis schistaceo-coeriileis, parte plus quam tertia apicali distincte sejuucta eburnea, margiue apicali late fusco; alis fus«;is. Long, cum tegm. 15 — 16, Exp. tegm. 27 mm. Hah. — Peru: Marcapata. Herrn jM.AuguAUDT von der Firma Dr. Staudinger & A. ]iang-Haas gewidmet. T. hijacinthinula und T. niarqnardti können nebst T. quadriniaculata (Wk.) und einigen andern Arten als eine besondere, von den übrigen Tettigouiellen anscheinend morphologisch gut unterschiedene Gruppe angesehen werden, die vielleicht Gattungswert hat. Auf den ersten Blick ähneln jene Arten sehr denen von Aidaciscs A. & S.. doch hindert der Bau der Jochstücke und der Vordertibien, sowie die nicht vertiefte, mit einem Querhöcker versehene Stirn an der Einreihung in jenes Genus. 11. Tettigoniellü (jeniinatula n. sp. Atro-purpurea, tomento pruinoso hie illic obducta; tegminibus alisque apice sordide eburneis, illis i)one apicem cla,vi infuscatis, alis praeterea fuscis, basi maculis nonnullis lacteis ornatis; venis nigris. Capite obtiisissime angulato, medio tertia parte breviore quam inter ociilos lato; lateribus verticis parallelis; fronte medio plana, ante tertiani partem apicalem callo transverso instructa; pronoto paruni declivi, distincte transversim rugoso, serie transversa foveolarum anteapicali instructo, marginibus antero-lateralibus con- vergentibus. postico late sinuato; tegminibus obli(pie sub- truncato-rotundatis. Long, cum tegm. 15 — 16, Exp. tegm. 19 mm. Hah. — Peru: Marcapata. 172 A. Jacobi: Den beiden A^orhergehenden Arten wolil zunächst an- zuschließen, wenn auch der Kopf stumpfer und die Bildung des Pronotunis und der Decktlügel eine etwas andere ist. 12. Sphacropogonia miniatula n. sp. Nigra; capite, pronoto, tegminibus miniatis; notulis duabus clypei — altera basali, altera apicali — , niacula basali longiuscula frontis saepius ad basin verticis continuata, punctis duobus antero-lateralibus et niacula antica media subfj[uadrata et fascia basali pronoti antice sinuata saepi- usque cum illa conjuncta, basi ipsa tegminum limboque apicali latissimo nigris; margine costali augusto tegminum alisqne fuscis. Long, cum tegm. 16 — 16,5, Lat. 4,5 mm. Hah. — Peru: Pachitea; Urubamba. 13. Tcttique anticis sordide fuscis; vertice basiqiie l'rontis. infra niedio iitriraque einarginata, nigi'is; ])i'onoto sciitelloqiie lubidis, illo plaga magna apicali albido-8iilphnrea ornato; tegmiinl)us sauguiueis. parte apicali obliqiia subliyalino-fuscis, macula transversa clavi ante medium aliaque aj)icem clavi areolamque adja- ceutem corii occupante eburneis vel pallide sanguineis; alis infuscatis; abdomine supra coccineo. Fornia T. colo- ratae (Geum.) Long, cum tegm. 9 —9,5, Lat hum. 2,3 mm. Hab. — Peru: Vilcanota. Bolivia: Mapiri. 29. Tettigoniella triplicnla n. sp. p: Subtus cchracea, segmento veutrali ultimo nigro; oculis. vertice, basi frontis nigris; pronoto nigro, basi sordide sanguineo, plaga magna subquadrata, parum trans- versa, marginom anticum attingente. flavida ornato; teg- minibus sanguineis. parle apicali"" übli(jue subhyalino fuscis, fascia ante medium a margine costali reniola nee non maculis tribus pone medium — una costali transversa, altera apicem clavi occupaute. altera pone eam in corio Sita — eburneis ^■el pallide sanguineis; alis infuscatis; abdomine superne valvulisijue genitalibus cocciueis; tibiis anticis fuscis. Capite anlice rotundato-truiicato ; pronoto basi capite cum oculis acquiiato vel ])arum latiore, tertia parte longiore. Segmentuni ventrale ultimum longuui, re- trorsum attenuatum. medio caiiiiatum rt api(:e in deutem productum. Var. — Apice clavi immaculato. Loüg. cum tegm. 8,5 — 9, Lat. Iium. 2.3 mm. Hah. — Peru: Marcapata. Bolivia: Yuugas; Mapiri. Mit T. phoenicea (Sign.) verwandt. 6t 180 A. Jacobi: 30. Tettigoniellci imitatricida n. sp. T. tripliculae Jac. simillima; prouoto capite vix qiiarta parte longiore, basi distincte angiistioi'e, plaga antica trans- versa, postice sinuata, sulpliurea oruato; fascia anteriore maciilisque tribus tegminum sulpliiireis; illa plerumqiie medio coiiKtricta, fiisco limbata. Segmento veiilrali foininae i)ltimo postice ad latera leniter siniiato, medio profunde emarginato. haud carinato. Long, cum tegm 7,8 — 8.5. Lat. hum. 2 mm. Bah. — Peru: Callanga. 81. Tettlgoniella sertigerida n. sp. Nigerrima; disco ventris maris segmentis postice tenu- issime flavo limbatis. feminae flavo; coxis, pedibus, apice faciei, basi antennarum, fascia media veiticis infra juga extensa. fascia basali |»ronoti, tegminum ante medium, altera subobliqua pone medium, altera obli(|ua anteapicali percur- rentibus maris flavis. feminae albo flavidis; niacula costali anteapicali subhyalina; alis cinereo fuscis. Forma tenuis; capite angulato. angulo derotundato. medio quam inter oculos circiter aequilongo, a latere viso angulum acutum formante; vertice nonnihil couvexo; pronoto basi capite cum oculis parum latiore; tegmioibus margiue costali ultra medium leviter curvato, dein i'ecto vel subsinuato. Long, cum tegm. 5,2 5.5, Lat. bum. l.G mm. Hah. — Peru: Callauga; Marcapata. Bolivia: Mapiri. Eine zierlicbe, durcb den gescblecbtiichen Färbungs- unterschied bemerkenswerte Art. 32. Tettigonielln scapnla n. sp. Nigra; coxis, pedibus, rostro pallescentibus, tibiis tarsisque anticis ciuereo-iuscis; pro- et metasterno, margiue faciei infimo, lateribus froutis parteque adjacente genarum, lateribus ventris, plaga magna partem anteriorem clavi occu- pante suturaque pone eam flavis; tegminibus macula costali subapicali semipellucida strigaqne subcostali antea posti- ceque deleta striolisque tribus prope appeudicem viridulis, saepissime dcletis, ornatis. Capite nonnihil rotundato-pro- Vorhericht iL e. Hoinopterenfaunad. Anden, nebst Diafjnos. neuer Arten. IgJ diicto, medio quam intcr ociilos tertia parte breviorc; fronte niodice convexa, latcribus di.stiiicto snkatis; pronoto capito fero dnplo longiore et noniiihil latiore, autrorsiim sat angiistato, postice late sinuato. Long, cum tegm. 7,5. Lat. hiun. 2,3 mm. Hah. — Peru: Rioja. 33. 7'etti(joniclla hydccatula n. sp. Facie abdomineque nigris; vertice tlavo. regione ocello- riim vittaque media antice dilatata nigris; pronoto testaceo- tlavo, fascia basali plagisque 2 anticis nigris; sciitello flavido, croceo lineato; pectore ochraceo. disco maculisque 2 latera- libus nigris; pedibus flavidis, femoribus anticis basi apiceque exceptis nigris ; tegminibns nigris, basi hyalinis, margine sntnrali strigaque subcostali aurantiacis. Capite obtusangulo, fronte minus conyexa, disco planiusculo, margine antico verticis nonnihil inflexo; pronoto basi capite ])aruni angustiore, margine postico vix sinuato. Long, cum tegm. 5,8—6,7 mm. Hah. — Peru: Marcajtala. Bolivia: CuroTco. 34. TctUyonieUa pfnri(juiosula n. sp. Nigra; rostro, pedibus. limbo jtostico segmentornm ab- dominis i)allide tlavescentibus: strigi.s 2 verticis margineque interiore oculorum, pl^gis 2 lateralibus punctisque anterio- i'ibus ])ronoti vittulisque coinpluribus scuteili ochraceis; tegminibns fuscis. parte tertia apicali subhyalinis. vitta sub- costali feriuginea ornatis. clavo niaximam partem iivido. Capite obtusangulo, fronte parum convexa. medio depla- nata. vertice impresso, margine- antico nonnihil inflexo; l)ronoto basi capite vix latiore, ])ostice late sinuato. Long, cum tegm. (3.3 — 7 mui. Hah. — Peru: Rioja; Vilcanota; Callanga. 35. TcttiyonicUa personatula n. sp. Su}>erne aurichalcina; pronoto tegmiuibusque in olivaceum vergentibus; fronte rufa, sulcis, vitta media, margine jugo- rum, regione ocellorum, vitta verticis antice posticeque 6t* 1^2 -^- Jacoüi: amj)liata nigris; margiue postico pronoti plagisqiie noüiiullis minus distinctis disci, maculis diiabiis auticis vittulaque media sciitelli poue medium dilatato-abbreviata rufo- fusels • tegminibus margine costaii rufo, liuea subcostali flavida limbisque Aenarum bi-unueo-fuscis ornatis. Sublus tlavida; genis, niÄCula infra oculos, mesosteinu. plagis duabus lateruin pectoris nigris; abdomine supra fulvo; apicibus tarsorum fuscis Forma T. larvatid'ie Bredd.; vertice acutangulo, ante apicein trausversini nounihil impresso, juxta oculos foveola sat inipressa instructo. Var. — Pectore toto nigro. ventre uigro, segmentis auguste tlavolimbatis, tsupra olivacea, tegminibus brunneo- veuosis. Long, cum tegm. 7,5 — 8 mm. Bah. — Peru: Vilcanota; Callanga. Bolivia: CuroTco. 36. Tetttijoiiiclla tractutula n. sp. Subtus ocliracea, vitta latissima frontis per clypeum continuata, disco plagaque laterum mesosterni nigris; vertice fulvo-ochraceo; prouoto, scuteilo. tegminibus sordide san- guineis, fascia basaii et media pronoti, striolis numerosis scutelli tegminumque eorumque margine sulurali lineaque subcostali pallide ochraceis; margine costaii dorsoque ab- dominis fuscis. A T. cruaitula (Bkeud ) slatura latiore, capite nonnihil breviore margineque verlicis obtusiore ]!ronotoque poslice minus sinuato diversa. Long, cum tegm. 7-7,6 mm, Lat. hum. 2 mm. Hab. — Peru: Rioja. 37. Tetti(jonieUa graiidinula n. sp. Subtus flavescens; fronte vitta percurrente fusca ornata; vertice flavo, cinnamomeo signato; [)ronoto, scuteilo, teg- minibus sordide sanguineis. guttulis molybdo-coeruleis con- spersis; margine costaii coccineo, tlavo limbato et jamctato. Capite angulariter producto, medio quam iuter oculos fere aequllongo, margine obtuso; fronte aeque convexa; pronoto basi capite latiore, anirorsum distincte angustato, pone Vorherichtü. e.Homoptereiifannad. Anden, nebst Diagnos. neuer Arten. 133 vei'tlceiii valde roliindato, margine postico late simiato. Long, cum tegni. (3 ß,o, Lat. luiin. 1.7 mm. Hab. — Peru: Eioja. 38. Tettiyoniella hahciiula n. si>. Supra uigra; vertice margine antico striolisque nonnullis parum distinctis tlavidis, tegminibiis plaga coraiuuni majore ante medium, altera minore |>one medium albido-sulphureis nee non inaculis duabus costalibus anteapicalibus subhya- linis ornatis; alis fuscis; Mpice scutelli sulphureo: subtus flavida, pedibus albidis, apice ventris et tarsorum nigris. Statura T. variegatae (F.), sed major, vertice sulco destituto, nonnihil excavato, margine acuto. Var. a; Plaga antica tegminum angustiore, ad basin scutelli continuata. Var. b: Plagis tegmiuum sanguineis. Long, cum tegm. 8,5—10, Lat. hum 2,3 mm. Ilah. — Peru: Pachitea; Marcapata; Callanga (var. a). 39. Tettiyoniella quadrigula u. sp. Capite nigro; genis, foveis antennarum, i»uuctis quattuor verticis transversim seriatis flavis; pectore flavo: pedibus albidis; ventre nigro, segmeutis tlavolimbatis; pi'onoto nigro, fascia media rufa ornato; scutello rufo, basi nigro: teg- minibus rufis, nigrovittatis; abdomine superne nigro. Capite rotundato-obtusato, inter oculos circiter du[)lo latiore quam medio longo; fronte couvexa, di.sco planiere; pronoto basi capite sat latiore, antrorsum välde angustato, postice vix siuuato. Var. — Disco frontis, clypeo, ventre flavis, hoc posterius iufuscato. Long, cum tegm 6,5. Lat. pron. 1,7 mm. Hah. — Peru: Rioja. 40. Tettigoniella cijcloj)ula n. sp. Subtus flava; froutis lateribus a ,basi infra medium lineolis transversis nigris, capite summo puncto nigro, flavo- cincto ornatis; superne sauguinea, vertice serie transversa 184 A. Jacobi: piinctoniin quattuoi* tlavis, proaoto litiira forma laqiiei traiisveryi viridl coeriilo'i.s ornatis; tegminibus iiiari;ine scu- tellari, sutiirali ante inediuin, costali nee nou vitta aequilata clavi jiixta suturam eoi'iique coenileis ornatis; apice tibi- ai'iun auticanim tarsorunique fusco. Capite rotimdato, fronte planiusfula, clypeo a latere viso uoniiihil gibbo, vertice piano; pi'onoto capite pariiin angustioi'e, antrorsum angustato, postice Jevissime siniiato, disco antice haud impresso. Long, cnm tegm. 7,5 8, Lat. hiim. 2 mm Hab. - Peru: Rioja. 41. Tctti(jonicll(i i>nirtcxtatiihi n. sp. T c//clo/nihie Jac. affinis; fronte testacea. lateribus transversim nigiostriatis, disco basique nigris, basi striola media pimctisque duobiis tlavis notata; vertice nigro, regione ocellorum piinctisqne diiobus inter hos positis tlavis. Hab. — Peru: Rioja; Callanga. Bolivia: Curo'ico. Bei abgeriebenen Exemplaren ist die Stirn fast ganz schwarz, jedoch sind die charakteristischen gelben Flecken an ihrer Basis erhalten, die querovale Zeichnung des Pronotums bald noch erhalten, aber in olivengrünem Tone, bald verwischt, und von der Deckflügelfärbung sind auf rotbraunem ({runde nur Reste der blauen Streifen, eben- falls zu Olivgrün verdunkelt, vorhanden. 42. Tcttigoiiiella rudicula n. sj). T. olivatulae (Buedü.) aftinis. sed multo minor, capite non nisi obsoletissime angulalo. fere rotundato, vertice magis convexo. viridi-ciuereo, puncto apicali nigro ornato, pronoto olivaceo-viridi, apice late aurantiaco margiuato, teg- minibus aeruginosis in olivaceum vergentibus, basi ipsa, venis, margine costali et siiturali scutelloque aurantiacis. Long, cum tegm. 6—6.5, Lat hum. 1.5 mm. Hab, — Peru: Callanga; Marcapata. 43. Tettiyoniclla facetula n. sp. T. rudiculae Jac. simillima, at satis major, capite late rotundato nee angulato, tegminibus venis fulvis, inter venas coeruleo indutis distingueuda. Vorbericht ii. i'. H(,mENER. über: IIaberlAxNdt, Die Lichtsinnes- organe der Laubblätter. Leipzig: W. Exgülmann 1905. Inhalt des 6. Heftes. Jacobt, A. Vorhoricht über eine Homoptcroiifauiia clor Andou, iu'l)st Diagnosen neuer Arten, p. IG;). Referierabend, p. 188. Für die Gesellschaft bestimmte Sendungen sind zu ricliten: An die Gesellschaft naturforschender Freunde in Berlin W. 56, Französischestr. 29. Druck von .J. F. Starcke, Bei-lin S\V. 4y, Wilholmstrasse l:lö. Nr. 7. 1905 Sitzungsbericht der Gesellschaft iiatiirforschender Freunde zu Berlin vom 11. Juli 1905. Vorsitzender: Herr Waldeyeu. Herr HANS ViRCHOW: Weitere Bemerkungen über den Lidapparat des Elefanten. Aüschlieiküd au die Tötung eiues Elefanteu im hie- sigen Züologischeu Garten am 26. ]\Iai d. J. wurden mir durch Herru Schmaltz, welcher das Tier für das anato- mische Museum der tierärztlichen Hochschule erworben hatte, die Lider der linken Seite und der Inhalt der linken Orbita. allerdings ohne den Augapfel, überlassen. Ich er- hielt die genannten Teile am Abend desselben Tages und präparierte sie am nächsten Vormittag. Obwohl mir ein gleiches Objekt schon früher zur Ver- fügung gestanden hatte (s. Berichte der Ges. Jahrg. 1903 S. 341—354), so lag mir doch sehr viel daran, eine solche Gelegenheit von neuem wahrnehmen zu können, ja ich muß sagen, gerade weil ich sclion einmal die Präparation gemacht hatte. Denn wenn schon überhaupt ein wissen- schaftliclier Befund nie oft genug nachgeprüft werden kann und bei nur einmaliger Gelegenheit die Gefahr besteht, individuelle Zufälligkeiten für allgemein gültig zu beschreiben, so bringt gerade dieses spezielle Objekt, der Lidapparat, infolge der räumlichen Anordnung die Notwendigkeit mit sich, den Zusammenhang zu zerstören, wodurch die Auf- fassung der topographischen Verhältnisse erschwert wird. Einige Punkte muß ich wieder nennen, um das Feld, auf dem wir uns bewegen, zu kennzeichnen. Die Augen- höhle des Elefanten ist sehr geräumig, insbesondere auch sehr tief, weil der Kopf wegen der Stoßzähne eine große 7 190 Hans Virchow: Breite besitzt. Der Augapfel dagegen ist bekanntlich ver- hältnismäßig Ivleio, absolut kleiner als der des Pferdes. Wegen dieses eigentümlichen Größenverhältnisses, wenn man will IMissverhältnisses. zwischen Höhle und Auge drängt sich das letztere nicht, wie bei vielen anderen Säugetieren hervor, und der Ausdruck des „Versteckten", den wir leicht als einen physiognomischen Zug in dem Gesichtsausdruck des Elefanten betrachten, hat einen ganz materiellen Grund. Dieser Ausdruck wird gesteigert durch die großen starren, borstenartigen Haare des oberen Lides, welche sich vor die Lidspalte stellen. Gegen die Schläfeugrube ist die Augenhöhle abgegrenzt durch ein dickes unnachgiebiges fibröses Septum von solcher Starrheit, daß es an mechanischem Wert einer knöchernen Wand gleichkommt. Die Lider zeigen äußerlich gar keine Besonderheit, welche sie als solche, als Lider, der äuseren Haut gegen- über kenntlich machte. Lifolgedessen fehlt es der äußeren Umgebung des Auges an jeder Modellierung, an jeder physiognomischen Eigenart. Das gleiche gilt auch von dem inneren Gefüge der Lider. Das dicke schwielige ({e\vel)e. welches der Cutis des Elefanten eigen ist, setzt sich nicht nur bis an den Musculus orbicularis heran fort, sondern schließt auch den Muskel ein, sodaß dieser bei der Präparation gewisser- maßen ausgegraben werden muß. Es gibt also innerhalb des Lides keine Differenzierung in dichtere und mehr lockere bindegewebige Formationen, keinen Tarsus und keine lockere Gewebsschicht, weder ein subcutanes noch ein retronius- kuläres lockeres Bindegewebe. Auch gegen die Augenhöhle ist dieses derbe schwielige Gewebe nicht irgendwie scharf abgegrenzt. Allerdings ändert sich nach innen von dem Ringmuskel der Charakter des (lewebes, dieses wird weicher und mehr schwammig, aber es gibt zwischen beiden Gegenden keine trennende Zwischenschicht wie etw^a die Fascia palpebralis an der menschlichen Orbita. Auch innerhalb der letzteren kann man nicht von Weitere BemeikntKjcn lU/er den Lnbipparat des Elefiuilen. |91 ii'gcuchvelclicn gesonderten Formationen sprechen wie Muskel- scheiden oder ähnlichem. Fettgewebe l\ommt zwar auch beim P^lefanten vor, aber dasselbe hat nicht die Konsistenz und die formenbestinimende Bedeutung wie beim Menschen; seine flachen, blaßrötlichen Lappen unterscheiden sich in der physiivalischen Beschaffenheit nur wenig von dem Bindegewebe, in welches sie eingesprengt sind, ohne einen vorwiegenden Bestandteil der Gesamtmasse auszumachen. Das Bindegewebe selbst ist von so eigentümlichen mechanischen Eigenschaften, daß icli es nur mit einem zwar nicht schriftgemäßeu aber allein treffenden Ausdrucli als „zadderig" bezeichnen kann. Es setzt selbst scliarfen Instrumenten einen ermüdenden Widerstand entgegen, nicht weil es fest und starr, sondern gerade indem es weich, da- bei aber zähe ist. Trotzdem macht es nicht in hervor- ragendem Maße den Eindruck des ,,Ehistischen". Zwischen die Bündel der Musiveln sieht man es in Form von derb gewebten Blättchen eindringen. Im Hauzen betrachtet füllt es die Augenhöhle als ein zäher Schwamm vom Knochen bis an den Bulbus und bis an die Bindehaut und umhüllt selbst die in meinem früheren Vortrage geschilderte Drüsen- formation der Conjunctiva so vollständig und so innig, daß man die Nähe der einzelnen Drüsen selbst dann noch nicht ahnt, wenn nur noch eine papierdünne Schicht über den- selben liegt. Daraus allein läßt sich die auffallende litte- rarische Tatsache verstehen, daß früheren Untersuchern der ungewöhnlich reiche drüsige Apparat der Lider ent- gangen war. Vielleicht bietet dieser eigentümliche zähe Schwamm, aligesehcn von seinen mechanischen Eigenschaften, noch einen besonderen Vorteil, nämlich für die Zurückhaltung der Gewebsflüssigkeit. Auf diese Betrachtung wurde ich geführt, da ich bei der 30 Stunden nach der Tötung des Tieres und 15 Stunden nach der Entnahme der Lider aus- geführten Präparalion die Muskeln und Drüsen trotz der herrschenden Somuierwärme noch ganz frisch und prall fand. Über den Drüsenapparat der Lider, den ich schon das vorige Mal sehr genau präpariert hatte, habe ich nichts 192 Hans Virchow: wesentlich neues zu berichten. Ich fand die Drüsen blaß- rot, jedoch ausgesprochen rot und nicht gelblich; die Hardeu sehe Drüse von der gleichen Farbe wie die Binde- hautdrüsen. Ich achtete darauf, ob etwa an der lateralen Seite eine Drüse sich besonders hervorhöbe und als Tränen- drüse bezeichnet werden könnte. Ich hatte bei meiner früheren Präparation an dieser Stelle einen Körper abgegrenzt, welcher sich in etwas von den übrigen Drüsen unter- schied, hatte aber doch die Uründe hervorgehobeu, welche eine Homologisirung mit der orbitalen Tränendrüse des Menschen ausschlössen, und ich muß dies hier von neuem betonen. Im übrigen fanden sich die Drüsen an der Binde- haut der Lider und des Bulbus in der gleichen Verteilung wie ich schon geschildert habe, auch die der Nickhaut- tasche. Der 45 mm lange Ausführungsgaug der Hahdkk- schen Drüse war wieder in ganzer Länge von accessorischen Drüsen besetzt, an deren temporaler (dem Bulbus zuge- wendeter) Seite er selbst verlief. Etwas Ergänzendes ist über die HAKDEUSche Drüse mitzuteilen, welche in dem vorigen Falle bei der Heraus- nahme des Orbital-Inhaltes verstümmelt worden war. Icli wendete daher größere Vorsicht au. um eine Beschädigung zu vermeiden, und fand, daß sie tatsächlich größer ist, als ich sie früher gesehen hatte. Ihre Länge mißt von der Stelle, wo der Gang abgeht, bis zum hinteren Rande in horizontaler Richtung 32 mm, die Dicke, d. h. der Abstand von der nasalen bis zur temporalen Fläche beträgt 8 mm; die Höhe, d. h. der Abstand der dorsalen von der ven- tralen Kante, -17 mm. Die Drüse hat also ihre größte Ausdehnung in senkrechter Richtung und ist von der nasalen zur temporalen Seite abgeflacht. Sie stellt sich im Ganzen dar als eine Platte mit einem oberen, unteren und inedialen Rande. Jedoch ist sie nicht regelmäßig gestaltet, sondern bildet an der dorso- medialen Ecke einen Vorsprung. Am besten vorstellbar ist sie in dieser Form: wir haben ein gleichseitiges Dreieck vor uns, dem an der dorsal -medialen Ecke ein gerundeter Lappen aufgesetzt ist. Die temporale (dem Bulbus zugewendete) Fläche ist höckerig, indem die Weitere Bemerkungen über den Lidapparat des Elefanten. 193 Läppchen, durch bindegewebige Septa getrennt, vorspringen; die nasale Fläche ist glatter. Den Musculus orbicularis habe ich diesmal mit der Cutis in Verbindung gelassen und nur seine Innenfläche präpariert, um einen besseren Zusammenhalt seiner Teile und eine klare topographische Einsicht" zu erzielen. Es fand sich wieder, daß sowohl an der dorsalen wie an der ventralen Seite ein Teil des Muskels sich an dem Stiel des Nicldiautknorpels befestigt, daß aber diese Partien nicht einen selbständigen Nickhautmuskel bilden. Vielmehr heben sie sich einfach aus der medialen (von der Haut ab- gewendeten) Fläche des Orbicularis heraus, und wenn man sie nach der temporalen Seite verfolgt, so sind sie nicht von dem Orbicularis zu trennen. Die Befestigung dieser beiden Portionen an dem Knorpel hat sowohl an der dorsalen wie an der ventralen Seite eine Breite von 25 mm, nimmt also nur das am tiefsten in der Orbita steckende Stück des Knorpels ein, denn die Entfernung von dem medialen Ende des letzteren bis zum Rande der Nickhaut, d. h. die Ciesamtläuge des Knorpels, beträgt 85 mm. Der Randteil des Muskels, der in meinem früheren Falle etwas verletzt worden war, wurde diesmal durch vorsiclitigere Präparation geschont, und ich habe dadurch ein deutliclieres Bild der Ansatzverhältnisse erhalten. In diesem treten drei bemerkenswerte Züge liervor: 1. Die Ansätze liegen nicht auf der nasalen, sondern auf der temporalen Seite, also gerade entgegengesetzt wie beim Menschen. 2. Die am meisten in der Peripherie des .Muskels gelegenen Bündel befestigen sich am frühesten, die dem Lidrando näher gelegenen verlaufen weiter temporalwärts und schließen sich teilweise olme Unterbrechung zum Ringe. 3. Die dorsale Portion des Muskels findet schon früher ihren Ansatz als die ventrale. Die am meisten dorsal gelegenen Bündel beginnen nämlich schon zu endigen bei einer senkrechten El)ene. welche der Mitte der Lidspalte entspricht, die ventralen dagegen erst jenseits des lateralen Lidwinkels. Dies markiert sich mit größter Deutlichkeit, da die einzelnen Büudel kleine Sehnen bilden. 194 H. ViKOHOw: Weit Bemerkunfjen üb. d. Lidapparat d. Elefanten. Zur Anheftung werden die in meinem früheren Vor- trag erwtähnten bindegewebigen Formationen und ein an der temporalen Seite dorsal gelegenes Knorpelstück, welches von dem Orbitalrande abgeschnitten sein muß, benutzt. Ein an die IlARDEUSche Drüse tretendes Muskelbündel fand sich auch diesmal wie im vorigen Falle. Angesichts eines so ungewöhnlichen Verhaltens, des Ansatzes eines Muskels an eine Drüse, wofür wir freilich als Analogie die Schildrüse anführen können, hatte ich früher Bedenken gehabt, ob es sich nicht um eine individuelle Zufälligkeit handeln möchte. Doch stimmten beide Fälle auf's genaueste überein. Ich mache deswegen bestimmte Angaben über das Ergebnis meiner letzten Untersuchung. Das fragliche Bündel gehörte der ventralen Seite an. Es löste sich aus dem Orbicularis ab, von dessen medialer (von der Haut abgewendeter) Seite, nicht unmittelbar am unteren Rande, jedoch nicht weit oberhalb desselben, hatte eine gleich- bleibende Breite von 2,5 mm und befestigte sich an der temporalen (dem Bulbus zugewendeten) Fläche der Hardek- schen Drüse in dem die Drüse deckenden und gewisser- maßen als Kapsel derselben funktionierenden Bindegewebe 8 mm unterhalb der Stelle, an welcher der Ausführungs- gaug die Drüse verlieB. Das Bündel hat also eine nahezu horizontale Ricbtung und wäre, wenn man ihm einen besonderen Namen geben wollte, als Protractor glandulae harderianae zu bezeichnen. Ohne Zweifel tritt dasselbe in Aktion zu gleicher Zeit mit der an den Knorpel an- greifenden Partie des Orbicularis und verhindert dadurch eine Zerrung des Ausführüngsganges der Drüse, welche sonst beim Vorschieben der Nickhaut eintreten würde. Inhalt des 7. Heftes. ViRCHOw, H. Weitere Bemerkungen über den Lidapparat des Elefanten, p. 189. Für die Gesellschaft bestimmte Sendungen sind zu licliten An die Gesellschaft naturforschender Freunde in Berlin W. 56, Franzüsischestr. 29. J. F. Starcke, Builin W. Nr. 8/9. 1905 Sitzungsberich t der Gesellscliaft iiatiirtbrsclieiider Freunde zu Berlin vom 10. Oktober ii. 14. November 1905. Vorsitzciuler: Herr H. Schulzk. Herr Dr. J. SIEGEL : Kurze Mitteilung iiber Cytorvhyctes variolae (vaccinae). lu den letzten Jahren habe ich im hiesigen Zoologischen Institut Untersuchungen vorgenommen über die Ätiologie der sogenannten akuten Exantheme, einer Krankheitsgruppe, zu der Masern, Pocken, Scharlach, Maul- und Klauenseuche, sowie auch die Syphilis zu rechnen ist. Die Erreger dieser Krankheiten waren bisher nicht gefunden, nur so viel stand fest, daß sie nicht zu den Bakterien gehörten. Ich fand bei der ganzen (iruppe eine bestimmte Gattung von Para- siten, die ich wegen bestimmter Eigentümlichkeiten besonders wegen des Besitzes von Geißeln im Einverständnis mit Herrn Geh. Rat F. E. Schulzi-: für Flagellaten erklärte. Sie bestehen aus einem nackten Plasmaleibe mit wenigstens zwei deutlich hervortretenden Kernen und 1—3 Geißeln. Die Vermehrung geht, wie ich bei der ganzen Gattung finden konnte, durch fortgesetzte Teilung der Kerne vor 8,9 196 J- Siegel: Kurze Mitteihnif) iiher Cytorrhyctes vnriolae (vaccinac). sich, eine Art Schizogonie oder Sporulation. Außerdem — ^venlgstens konnte ich diese Vermehrungsart bei den Pocken beschreiben — , durch Läugsteilung. Die beigege- bene Sldzze mag die Formen veranschaulichen. Die Parasiten kommen bei den Poclven resp. der Vaccine nicht alleiii in den geimpften Hautpartien vor, sondern schwärmen auch im Blut. Für geimpfte Kaninchen stellte ich als den Höhepunkt der Vermehrung im Blute den fünften Tag fest. Die Formen der Parasiten in der ge- impften Kaut hat vor kurzem v. Prowazek bestätigen können. ') Wie ein Blick auf die von mir vorgelegten Tafeln von v. Prowazek' s und meine Photogramme beweist, decken sich bei derselben Vergrößerung einzelne Formen vollständig. Seine Untersuchungen über die Befunde im Blute will v. Prowazek in einer Fortsetzung geben. GuARNiERi hatte die Parasiten Cytorrhyctes genannt, wobei er die Gebilde in den Hautepithelien im Auge hatte, die er als ein ganzes einheitliches Körperchen auffaßte, ohne die Hülle von dem eigentlichen Parasiten zu trennen. V. Prowazek nimmt nun an, daß die Hülle des Parasiten nicht vom Parasiten, sondern von dem Kerne der Wirts- zelle stammen, und benennt deswegen den Parasiten nicht mehr Cytorrhyctes sondern „Initialkörper". In der Nomen- klatur pflegt man sonst den ursprünglich gegebenen Namen auch dann noch beizubehalten, wenn sich auch heraus- stellt, daß er sich nicht mehr vollständig mit der späteren Definition deckt. Deswegen könnte man meines Erachtens den ursprünglichen Namen fortbestehen lassen. Ich habe schon oben erwähnt, daß ich den Parasiten der Pocken auch im zirkulierendem Blute nachweisen konnte. Trotz seiner außerordentlichen Kleinheit, er mißt V2— 2V2 H- kann man ihn lebend im Blutstropfen noch ganz scharf erkennen. Ja es gelingt besonders bei den größeren Formen die Kerne deutlich zu definieren, wie auch bei vielen die Geißeln. Auch hier zeigt sich wie bei den Malariapara- siten und den Trypanosomen, daß die Betrachtung des ') „UntersiKliuiigen über die Vaccine 1", ArLeiten aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte, Band XXII, Heft III. R. Zang : tJ her Coleoptera LatneUkornia aus dem haltischen Bernstein.^^l lebenden Protozoons die sicherste Anschanung ergibt, viel sicherer als etwa die Iksichtigung der gefärbten Parasiten im Ausstrich. Die Färbung gelingt in zwei Weisen entweder nach GiKMSA, um die Geißeln sichtbar zu machen. Doch ist diese Färbuugsart sehr schwierig und gelingt nur so selten, (hil3 sie z. B. zur Diagnose noch nicht verwendet werden kann. Leichter ist die Färbung mit Ilämatoxylin-Azur (wegen der Einzelheiten verweise ich auf meine ausführlicheren Abhandlungen). Doch erhält man hier nur die Kerne des Parasiten gefärbt. Zur Diagnose läßt sich diese Methode, wie ich, um vor Fehlschlüssen zu warneu, hier ausdrücklich bemerken will, nur dann mit Sicherheit verwerten, wenn größere Mengen der Parasiten im ausgestrichenen Gewebe liegen und zwar mögliclist der vielkernigen größeren Formen. Es ist klar, daß bei so kleinen Gebilden, wenn es sich nur um ganz vereinzelte, noch dazu kleinere, etwa 2 — 3 kernige Formen handelt, Verwechselungen mit Zufalls- gebildeu des ausgestrichenen und eventuell gequetschten Gewebes vorkommen können. In allen diesen Fällen stehe man von einer Diagnose, auf Grund eines Ausstriches, ab und stelle dieselbe nur dann, wenn man zugleich lebendes Blut untersuchen kann. Steht solches frisch nicht mehr zur Verfügung, so läßt sich jederzeit durch Einspritzung auch etwas älteren Materials, Blut oder Gewebsemulsion, eine Anreicherung der Parasiten im Blute eines Impftieres (Kaninchen oder weißer Maus) erzielen. Ich sah mich zu dieser kurzen Bemerkung über die Möglichlveit der Diag- nosenstellung veranlaßt, weil ich bisher über diesen Punkt in meinen Publikationen noch nichts ausgesagt hatte. Herr RICHARD ZANG: Über Coleoptera I^amcUi- (ovnia aus dem baltischen Bernstein. Die Familienreihe Lamellicornia stellt, wie schon von Hermann Burmeister richtig erkannt und erst neuerdings (1903) von Ludwig Ganglbauer') wohl definitiv nachge- ') „Systematisch -kolcopteiologische Studien'', Müiichcncr Kole- opterol. Zeitschr. I. 9-^ X98 Richard Zang : wiesen wurde, die zur höchsten Entwicklung gelaugte Gruppe der Coleopteren dar. Angehörige dieser Familienreihe sind, wenn mau die Zahl der heute in uusern Breiten lebenden Arten (in Deutsch- land mehr als 200) in Betracht zieht, im Bernstein außer- ordentlich selten. Indessen wäre der Schluß, daß dieses fast völlige Fehlen von derartigen Inklusen auf einen ge- ringeren Arten- und Individuen-Reichtum in alttertiärer Zeit zurückzuführen sein könnte, durchaus verfehlt, da so- wolil die Lebensweise dieser Tiere (in Laubwäldern oder an Säugetierexkrementen) wie auch die meist ziemlich be- trächtliche Größe ihre relative Seltenheit im Bernstein ge- nugsam erklärt. Die Lamellicornia zerlegt Ganglbauer in vier Haupt- gruppen'), von denen die erste (Lucanidae) im Bernstein am zahlreichsten gefunden wurde, während von der dritten (Scarabaeidae) zwei und von der vierten nur ein Vertreter (von GiKHEL zur Gattung Scrica M. L. gestellt) bis jetzt bekannt ist. Die zweite Gruppe endlich, diejenige der über den gesamten Tropengürtel der Erde verbreiteten Passaliden, dürfte im Bernstein aller Voraussicht nach überhaupt nicht vorkommen, obwohl sie an Koniferen lebende Arten enthält. Ein einziger Passalide (Odontotae- nius disiunctus Ili> ) bewohnt allerdings das gemäßigte Nordamerika (im Norden bis zur Breite von New York etwa), ist aber zweifellos als Eindringling von den Tropen Mittelamerikas her zu betrachten , wo auch seine nächsten Verwandten leben. Das Material zu den nachfolgenden Beschreibungen ist mir von Herrn Prof Dr. Ja ekel, Kustos der paläonto- logischen Sammlung des Kd. ]\Iuseums für Naturkunde ') Oft'enbar in dem Bestreben, eine gewisse Gleiclnveitigkcit aller Coleopteren-Faniilien zu erzielen, bezeichnet Ganglbauku diese vier Gruppen als Unteifaniilien der Familie Scarabaeidae, die die einzige Familie der ..Faniilienrcilie" Lamellicornia bildet. Dieses Verfahren halte ich für etwas unpraktisch, weil sich die beiden Begriffe Lamelli- cornia und Scarabaeidae dabei vollkommen decken, und weil die Ent- scheidung über die Bewertung der Gruppencharaktere doch stets sub- jektivem Ermessen überlassen bleiben wird. Ü/)er Coleoplera Lamellicornia aus dem haitischen Bernstein. 199 mit höchst dankenswerter Bereitwilligkeit zum Studium zur Verfügung gestellt worden. Es stammt aus den daselbst konservierten Sammlungen Kühl und Berendt. Da ernst zu nehmende Vorarbeiten auf dem Gebiete der Bei'ustein-Coleopterologie fast völlig fehlen, halte ich es — hier mehr noch als bei Behandlung andrer fossiler Coleopteren — zunächst für dringend erforderlich, vorläuüg durch eine möglichst eingehende Charakteristik, die bis jetzt aufgefundenen und erkennbaren Formen zu fixieren. Die Bilanz aus den dabei gewonnenen Resultaten zu ziehen muß einer späteren Zeit vorbehalten bleiben, da hierzu in erster Linie eine durch rein deskriptiv - systematische Arbeit zu schaffende liasis Vorbedingung ist. I. Lucaiiklac. S. II. ScuDDKii^) führt (1891) drei Bernstein-Lucaniden auf unter den Nummern: 3779 (Mi-:xge, 1856), 4310 (Mot- scFiuLSKY, 185ß) und 4797 (Beuendt, 1845). Der erst- genannte ist zweifellos mit dem zweiten identisch. Dieser, von MoTSCHüLSKV höchst oberflächlich in seinen „Etudes Entomologiques" als Dorcasokles (!) hilobus beschrieben und skizzenhaft abgebildet, dürfte nur mit Hilfe des Original- stückes in der äIenge sehen Sammlung zu deuten sein. Von ScuDDEi: übersehen wurde eine dritte eigentümliche Art, die sogar ein besonderes (ienus bildet; l^ulaeoguathiis siicchu, von Waga sehr sorgfältig beschrieben und abge- bibiet (Ann. Soc. Entomol. France, 1883, p. 191, tab. 7, f. 1 , 2). Ich gebe hier die Charakteristik der von Beuendt (Organ. Reste Bernst. I, p. 5(3) erwähnten, aber nicht gekennzeichneten Art: Platjjccrus Bcraulti m. cf. Labrum nicht erkennbar. Mandibeln von der Länge des Kopfes, nach dem Ende hin kaum merklich auf- gebogen, außen schwach gerundet, am Innenrande gerade, ') S. II. ScuDDKR, Index to tlie known fossil Insects of tlie world, inclucling Myriapods and Araclinids. Washington 1S9J. 200 Richard Zang: vorn scharf, fast im rechten Winkel nach innen umgebogen und in eine Ivurze Spitze ausgezogen. Ihre Oberseite nahe am Außenrande mit einem flachen Längslviel, zu den Seiten desselben nach innen sanft, nach au Ben steil ab- fallend. Unterseite der Mandibeln flach längskielig, un- deutlich punktiert, ihr Innenrand kurz lor der Basis mit einem kleineu stumpfen Ilöckerclien, hinter der umgebogenen Spitze mit winzigem, kaum angedeutetem Zähnchen. Vorderrand des Kopfes in der Mitte stark im Bogen aus- geschnitten, jederseits auiku stark lappenartig nach vorn und den Seiten vorspringend und erhöht. Die Außenränder vor den Augen nach vorn divergierend , ]uit der Silhuette des Auges fast einen rechten Winkel bildend. Nahe dem Innenrande der ziemlich stark gewölbten und vorspringen- den Augen beginnt eine leistenartige Erhöhung, die vorn nach außen umgebogen ist und in den vorspringenden Außenecken endet, wo sie ihre höchste Entwicklung er- reicht. Clypeus und Stirn stark vertieft, glatt, liöchstens mit ganz vei'einzelt stehenden groben Punkten. Scheitel zerstreut, der ganze Außenrand des Kopfes (besonders in der Nachbarschaft des Auges (und der nach vorn ziehenden Leiste) dicht und grob ])unktiert und mit kurzen Börstchen besetzt. Antennen gekniet, ihr erstes Glied (Schaft) so lang wie alle übrigen zusammen, am Ende keulig verdickt, die folgenden sechs deutlich länger als breit, untereinander nicht wesentlich verschieden. Die drei letzten Glieder pubescent, mit dicken, plumpen Lamellen, von denen die des 8. und 9. Gliedes doppelt so breit als lang sind; das 10. Glied hat breit eiförmigen Umriß. Endglied der Maxillarpalpen an der Spitze stark verdickt, doppelt so lang als das vorletzte, dieses halb so lang als das vorher- gehende. Letztes Glied der Labialpalpen nach dem Ende hin stark keulig verdickt, so lang wie das vorletzte. Mentum mit geradem Ilinterrand, fast halbkreisförmig, mit gleichmäßig grober Punktskulptur. Ligula nicht erkennbar. Wangen und Gegend zwischen Mentum und Augen mit groben Borstenpunkten dicht besetzt. i^her Cnleoptera Laiiteüicornia aus dein haltischen Bernstein. 201 Pronotum nahe der Mitte fast doppelt so breit als lang, vorn zweimal ausgebuchtet, mit stark vorspringenden, die Augen fast erreichenden Vorderecken'), fast genau in der Mitte des aufgebogenen Aul5enrandes mit stumpfwinldiger, aber deutlich ausgeprägter, scharfer Ecke. Außenrand vor letzterer schwach nach außen, hinter ihr nach innen ge- bogen. Hinterecken scharf, nicht abgerundet, rechtwinklig. Ilinterrand fast gerade, in nur sehr flachem Bogen nach hinten erweitert. Haare oder Borsten am Pronotum nicht wahrnehmbar; Oberfläche dicht und gleichmäßig grob punktiert, mit länglicher, schmaler, glatter Stelle auf der Mitte. Prosternum mit grober, zerstreuter Punktskulptur, zwischen den Hüften nicht gekielt. Scutellum halbkreisförmig, hinten nur wenig zugespitzt, ohne erkennbare Skulptur. Elytren an den Schultern etwas schmäler als der Prothorax nahe der Mitte, nach hinten erweitert (der Grad der Erweiterung ist nicht genau zu fixieren, da bei dem Unicum die Elytren so weit klaffen, daß die Unterflügel deutlich zu erkennen sind) , wenig konvex, feiner und weniger dicht als das Pronotum, außen stärker, auf dem Discus schwächer punktiert, die Punkte fast überall zu Längsreihen geordnet. Außenrand der Elytren deutlich abgesetzt und stark aufgebogen. Schulter- ecken stumpfwinklig, mit feinem, scharfeo Zähnchen. Neben der Sutur eine — besonders hinten deutliche — feine Furche. Meso- und Metasternum Verstreut grob, Episterueu des Mesothorax feiner punktiert. Episternen des Meta- thorax von derselben Form wie bei I'l caraboklcs L. Die 5 sichtbaren Sternite des Abdomens von annähernd gleicher Länge, zerstreut grob punktiert und spärlich anliegend be- haart. Randfurche des letzten Sternits nicht erkennbar. Beine einzeln grob punktiert und kurz behaart. Vorder- schenkel in der Mitte, die übrigen nach dem Ende hin schwach verdickt, alle relativ dünn und lang, innen mit ') Die relativ tiefe Einscnkung des Kopfes in den Protliorax dürfte zufälligen, mechanischen Einflüssen zuzuschreiben sein. 202 Richard Zang: flacher, an den vorderen bis fast zum Trochauter reichen- der Furche zum Einlegen der Tibien. Haarflecke auf den Vorderschenkeln nicht wahrnehmbar, aber sicher vorhanden. Schenkel der beiden hinteren Beiupaare schwach gebojj^en. Vordertibien am Ende doppelt so breit als an der Basis, distal außen mit spitzem Zahn, innen mit einem geraden, den letzteren überragenden Dorn, am Außenrande über dem Endzahn mit 3—5 feinen Zähncheu (die nach der Basis der Tibie hin gradatim an Länge abnehmen), unten mit scharfem Längskiel, der unterhalb des ersten Tarsengliedes in einen kleinen Zahn ausläuft. Mittel- und Hintertibien dünn, fast walzenrimd, von der Länge der Schenkel, außen ohne erkennbare Bedornung. an der Spitze innen mit einem dünnen Enddorn, der das erste Tarsalglied an Länge etwas übertrifft. Tarsen fünfgliedrig, die vier ersten Glieder unter sich gleich lang, das letzte am vorderen Beiupaar so lang wie die 4 ersten, an den übrigen etwa so lang wie die 3 ersten Glieder. Gesamtlänge: 12 mm; Länge der Elytren 7, des Pro- thorax 2.5, der Mandibeln 1,2 mm. . Sammlung Bükendt. Ein Exemplar, in ziemlich dunklem Bernstein. Hier- durch und durch den mandelförmigen, aber ohne Ver- letzungen des Tieres nicht zu verbessernden Schliff wird" das Studium des Objektes etwas erschwert. Dieser Art steht unter den recenten Lucaniden die Gattung Platycerus am nächsten. Innerhalb dieser schließt sie sich ebenso eng an die uordamerikanischen Spezies, die mir fast sämtlich zum Vergleich vorliegen, wie an unsern mitteleuropäischen Fl. caralioidcs L. an, sodaß ich sie als Stammform aller dieser wenig distinkten Arten an- sehen möchte. Die Unterschiede zwischen ihr und den recenten Platycerus sind allerdings — besonders was den Bau der IMandibeln anbetrifft — derart, daß ihnen viel- leicht ein Spezialkenner dieser Familie generische Valenz zuschreiben würde. Ich glaube indessen, daß die Frage, was als geuerischer Charakter zu gelten hat und was nicht, gerade bei vielen Lucaniden noch nicht als entschieden zu Vier Coleopterd LamelUcornia ans dem lialtischea Bernstein. 203 betrachten ist, da die meist als Grundlage benutzte Form der Rlandibeln innerhalb fast jeder einzelnen Art — Hand in Hand mit der GröÜe des Individuums — außerordent- lich stark variiert. Der Flut. Bcrcndti liefert meines Er- achtens den Beweis, daß der Form und Hezahnung der j\laudibeln als relativ neuen Bildungen wenig Wert bei der Umgrenzung der Genera beizumessen ist. Von dem recenten IH. carahoklcs L. unterscheidet sich PL Bcrcndti bei gleicher Größe hauptsächlich durch die ohrförmig vorgezogenen Vorderecken des Kopfes, die mehr eckige Kontur des Prothorax, die Fühlerbildung ^), die bedeutende Länge der Schenkel, insbesondere der mittleren und schließlich durch die Form der Mandibeln, die in ihrem Bau viel mit dem der IMandibeln vieler Lucaniden im weiblichen Geschlecht gemein haben. Daß das vor- liegende Stück indessen sicher ein cT ist, kann in Anbe- tracht der Größenverhältnisse des Kopfes und Prothora.x und aus anderen Gründen nicht bezweifelt werden. II. Scarahcicidac. Von dieser Familie, die in der ]Iau]>tsache die kopro- phagen Lamellicornier umfaßt, ist in der Literatur-) nur einer im Bernstein vorkommenden Art Erwähnung getan, die mit dem heute noch in Deutschland lebenden Aphodius fossor L. identisch sein soll, demnach also jedenfalls der mir vorliegenden Spezies ziemlich fern stehen muß. In welches der zahlreichen, z. T. ziemlich labil be- grenzten Subgeuera von Aphodius, oder der wenigen abge- spaltenen Genera (Rh//sscmus, FAiparia!) die nachstehend be- schriebene, durch die eigenartige Skulptur der Elytreu sehr ausgezeichnete Art zu stellen ist, dürfte nur schwer mit Sicherheit zu ermitteln sein, da die Älundteile der Unter- suchung leider nicht zugänglich sind. ') Nur die 3 Ictztoii Glieder liabeii ausj,'ebildelc Laiiielh ii. lUi dem recenten carahoides L. sind 4 — 5 zu Lamellen erweitert, von denen indessen auch nur 3 pubescent sind, was mit für einen engen phylogenetisclien Zusammenhang mit Baxndti spricht. *) Robert, Bull. Soc. Geol. France, IX, p. 114 (1838). 204 R- Zang : UOer Coleoptcra Lainellkoinia aus dem baltisdien Bernstein. Ajjhodius succini m. Körper stark gewölbt, walzenförmig. Kopf (bei dem Unicum teilweise verdeclvt) stark geneigt, mit fast vertikaler Stirn. Clypensvorderrand verdeckt. Scheitel zerstreut. Stirn sehr dicht fein punktiert. Augen nicht sichtbar. Pronotum etwa so lang wie breit, stark, fast kugelig ge- wölbt, mit aufgebogenen Vorderecken, auf der Mitte des Diskus kaum abgeplattet, vorn und liiuten in sehr flachem Bogen etwas erweitert und fein gerandet, überall, hinten grob, nach dem Vorderrande hin feiner und dichter punktiert. Scutellum etwas länger als breit, lialbelliptisch. Elytren an den Schultern so breit wie der Prothorax, fast doppelt so lang als zusammen breit, den Hinterleib ganz bedeckend, mit 10 breiten, aber ziemlich flachen Furchen, Die Intervalle zwischen diesen stark erhaben, gewölbt, doch nicht gekielt, auf dem Kücken etwa so breit, an den Seiten breiter als die Furchen, jedes einzelne auf der Mitte in seiner ganzen Länge mit einer Reihe dichtstehender winziger Tuberkeln, von denen jedes ein kurzes Börstchen trägt. Von den Furchen nur die erste und zweite hinten neben der Naht punktiert. Die ganze Unterseite durch einen dicken weißlichen Überzug verdeckt. Schenkel mit sehr großen, aber ziem- lich flachen Punkten und tiefen Furchen zum Einlegen der Tibien, ohne erkennbare Beborstuug. Vordertibien am Ende dreimal so breit als an der Basis, an der Spitze außen mit starkem Zahn und innen mit fast ebenso langem Enddorne, am Außenrande mit 2 fast gleichstarken Zähneu, von denen der erste am Anfang des letzten Drittels der Tibieulänge steht. Mittel- und Hintertibien nach dem Ende hin verdickt, schwach gebogen, ohne erkennbare Querleisten, an der Spitze mit einem schmalen Dorn, der 73 tler Länge des Metatarsus erreicht, und einem zweiten, nicht ganz halb so langen, mehr nach iimen stehenden. Alle Tibien mit Reihen kurzer Börstchen. Vordertarsen dünn und kurz, ihr erstes Glied nur wenig länger als die übrigen. Mittel- C. Thesing : SpinicJutete pallida und die Si/philis. 205 und flintertarsen fadenförmig, dicht behaart, ilir Metatarsiis so lang wie alle übrigen Glieder zusammen. Länge 3,9 mm. ►Sammlung KfiiL (ohne jede Bezeichnung). Bei dem einzigen, leider teilweise verdeckten Exemplar sind die UntertUigel nicht zusammengefaltet. Das Tier ist also, was ja bei seiner Lebensweise auch schwer anders denkbar ist, offenbar fliegend auf die klebrige Ilarzmasse gelangt und konnte dann dort die häutigen Flügel nicht mehr unter den Elytren bergen. Diese Art bietet insofern noch besonderes, allgemeines Literesse, als sie das Vorhandensein von großen Mammalien im Berusteiuwald indirekt zu beweisen scheint. Denn da fast alle mit ihr näher verwandten receuten Formen sich aus- schließlich von Säugetier-, insbesondere von Rinder- und Fferdeexkreraenten nähren und auch ihre Metamorphose darin durchmachen, so dürfte wohl die Nahrung der altter- tiären Vorfahren mit ihrer in keinen wesentlichen Punkten abweichenden Organisation ganz dieselbe gewesen sein. Fig-urencrkläniiis'. Fiff. 1. Flatycerus Berendti m. cs" (Vergr. 4:1). Fier. 2. ., „ „ d" Kopf von unton (Vergr. 8 : 1). Fig'. 3. „ carahnides L. d' (Vergr. 4 : 1). Fig-. 4. „ ., „ 'S, Kopf von unten (Vergr. 8:]). Fig". 5, Aphodiits siucini ni. (Vergr. 8:1). Herr C. T H ES ING Steglitz: Spirochacte iKdlida und die Syphilis. Im März dieses Jahres fand im kaisei'lichen (lesund- heitsamte eine Sitzung des Reichsgesundheitsrates statt, in welcher Dr. J. Sikgkl eigentümliche Organismen demon- strierte, die er regelmäßig sowohl in syphilitischen Primär- affekten, in breiten Kondylomen etc. vor allen Dingen aber im Blute luetischer Personen und geimpfter Versuchstiere (Makaken und Kaninchen) nachzuweisen vermochte und die er in Gemeinschaft mit F. E. Schulze für Protozoen 206 C. Tuesing: (wahrscheinlich Flagellateu) erldärte. ') Regieriingsrat Dr. F. ScHAUDixN und Stabsarzt Dr. E. Hoffmanx wurden mit der Nachprüfung dieser Befunde betraut und traten bereits wenige Wochen später mit einer Mitteilung-) •^) an die Offeullichkeil, in der sie nicht nur nicht die Sii:gel- schen Untersuchungen bestätigten, sondern vielmehr über einen anderen Organismus, eine Si)irochäte, berichteten, den sie regelmäßig in verschiedenen luetischen Ki-ankheitsprodukten fanden. Und zwar unterschieden die Forscher zwei ver- schiedene Arten von Spirochacten, eine grobe llachgewundene und mit verscliiedeuen Farbstoffen leicht darstellbare Form, die sie als Sj). rcfringens bczeiclineteu, und eine andere zarte mit engen und steilen Windungen versehene Art, die sie ihrer schwachen und blassen Färbbarkeit wegen mit dem Namen *S/>. ptdlida belegten. Während aber die Sj). pallida ausschließlich in ihrem Vorkommen auf luetische Produkte beschränkt sein sollte, und hier sowohl an der Oberfläclie, wie in der Tiefe des erkrankten (lewebes, und vor allen Dingen auch im Safte syphilitischer Inguiualdrüsen gefunden wurde, sollte die Refriugens nur au der Oberfläche des Gewebes und auch bei anderen, als luetischen Prozessen vorkommen. Anfangs sprachen sich die beiden Forscher über die ätiologische Bedeutung der Hp. jKiUida mit einiger Zurück- haltung aus, neuerdings erklären sie sie jedoch direkt für den Erreger der Syphilis. In den wenigen Monaten, die seit der Entdeckung der Sj). pallida verflossen sind, wurden bereits mehr als 100 Arbeiten namentlich aus Arztekreisen veröffentliclit, welche der überwiegenden Mehrzahl nach, die Befunde bestätigen und zum großen Teil die Frage nach der Ätiologie der Syphilis fiir gelöst erachten, (die ein- schlägige Literatur findet sich im Centrlbl. f. Bacteriol. verzeichnet.) Freilich felilt es auch nicht an einigen kri- tischen und zur Vorsicht mahnenden Stimmen. Bekanntlich wurden die Spii'ochaeten bereits von Ehrenbfkg untersucht und aboebildet und auf Orund ihrer ') Anhang z. d. Abhaiidl. il. Kgl. Prcuß. Akad. d. Wissenscli. 1905. ') Arbeiten a. d. Kais. Gesundheitsamte X\U. ^) Deutsche med. Wochenschr. Ko. 18. Spirochaete pallida und die Syphilis. 207 ganzen Organisation zu den Bakterien gestellt (Sp. plicatiUs). Seit jener Zeit wurden sie einstimmig Yon allen Unter- suchern und einschlägigen Lehrbüchern als Baicterien ge- führt. Auf Grund einer 1904 gemachten Untersuchung über den Entwicklungskreis eines Flagellats der von SciiAUDiNN sogenannten „Spirochaete Ziemanni" , in deren Entwicklungskreis ein spirochaeten ähnliches Stadium auf- tritt, gründete genannter Forscher das Recht, die Spirochaeten überhaupt von den Bakterien abzutrennen und den Protozoen zuzurechnen. Im folgenden sei es mir gestattet, auf einige Be- denken, sowohl hinsichtlich der ätiologischen Bedeutung, wie auch in Bezug auf die Protozoen-Natur der Sp. pjallida hinzuweisen, zu denen ich auf Grund der Lilteratur und eigener Untersuchungen gelangt bin. Zuerst möchte ich auf SciiAüDiNxsBehau|)tuug betreffs der Zugehörigkeit der Spirochaeten zu den Pi'otozoen kurz zu sprechen kommen. Es genügt, einen Blick auf die Ab- bildungen der Sp). Zicnianni (Vergl. Abb) zu werfen, um die tiefgreifenden Unterschiede zu erkennen, welche zwischen ihr und den echten Bakterien- Spirochaeten bestehen. Vor allen Dingen besitzt erstere einen hochorganisierten Kern- apparat, der den echten Spirochaeten völlig mangelt, wenn man nicht etwa den bei den Spirochaeten') sowohl wie bei vielen anderen Bakteiien, Spirillen, Chromatium etc., ferner bei Oscillarien und Cyanophyceeu vorhandenen Centralkörper, wie BüTsciiLi es mit Recht tut, für einen primitiven Zell- kern ansieht. Hieraus würde sich aber selbstverständlich nicht eine Berechtigung ableiten lassen, die genannten Or- ganismen nun einfach den Protozoen zuzurechnen. In seiner neusten Veröffentlichung trägt denn Scii.audinn auch endlich den von mir von vornlierein erliobenen Bedenken'-)^) Rechnung und läßt den Zusammenhang zwisclien der Pseudo- Spirochaete ,,Ziemanni" mit den übrigen echten Spirohaeten fallen, frei- ") In No. 47 cl. dfutsfli. med. Woclinisclii-. spricht sich Robeut Koch ebenfalls sehr entschieden gegen die Zugehörigkeit der Spiro- chaeten zu den Protozoen aus. 2) Berliner klinisclie Wochenschr. No. 22 u. 23, 1905. ^j Münchener medizinische Wochenschrift No. 2S, 1905. 208 C. Thesing: lieh olme daraus die unabweisbare Kousequeuz zu ziehen und seine Behauptung über die Zugehörigkeit der letzteren zu den Protozoen nunmehr auch zurück zu nehmen, einer Behauptung der damit völlig jede (irundlage entzogen ist, da sie sich ja ausschließlich auf diese Zusammengehörigkeit stützte. ScHAUDiNN Schreibt wörtlich: „Der von mir als Splruchade Zicmamu bezeichnete, bei dem damaligen Stande meiner Kenntnisse mit den anderen Spirocliäten verglichene Organismus besitzt nur in einem kurzen Entwicklungszustand Spirochaetengestalt. Meine neuen vergleichenden Arbeiten liefern mir immer deutliclier den Beweis, daß dieser Organis- mus sehr weit von den typischen Spirochaeten (Sj). plkatills Ohcnneijri) entfernt ist und nur vielleicht phylogenetische Beziehungen in fernsten Zeiten der Stammesgeschiclite zu ihnen besaß." Weiterhiun setzt Sciiaudinn sogar das Spirochaetenstadiura als Entwicklungszustand bei den Protozoen in Parallele mit dem Gastrulazustand der Wirbel- tiere. — So notwendig auch die theoretische Spekulation in der wissenschaftlichen Forschung ist, so erregt doch eine so völlig in der Luft sciiwebende Hypothese schwere Bedenken. Ich meine, man braucht auf diese offenbare petitio principii nicht weiter einzugehen. Auch die Beweise, welche Hkkxheimek^) für die Proto- zoen-Natur der Spirochaeten zu erbringen versucht, lassen sich nicht aufrecht erhalten. Herxhkimer unterscheidet nämlich speziell an der Sp. pallida drei Gruppen von Ge- bilden, von denen er auch Abbildungen (Vergl. Abb.) gibt. Ich zitiere: „Von diesen Gebilden sind drei Gruppen zu unterscheiden, nämlich solche, welche deutlich im Spiro- chaetenleib liegen, solche, welche an denselben gelagert sind, und endlich, solche, die in der Nähe der Spirochaeten liegen, aber mit dem Körper derselben in keiner Weise verbunden sind." Von den im Spirochaetenleibe liegenden Körpel-chen vverden wieder drei Arten unterschieden, nämlich ein Körperchen von 7^ — ^ H- gi'ößten Durchmessers, das häufig ') Münchener medicinisclie Wocliensclir. No. 39 und 46. Spirochiete palUda und die Syplülis. 209 ein stark lichtbrechendes Zentrum besitzt; dies Gebilde schließt di& S}). pallkla auf der einen Seite wie ein kleiner Knopf ab; Herxheimeu deutet es als Centrosom! In jeder Hinsicht ganz gleiche Körper finden sich innerhalb der doppelt konturierten Wand der Pallida in größerer Zahl; sie sollen den Zellkern darstellen, während endlich mehrere flache, ebenfalls in der Spirochaete gelegene Körnchen den ,,Blepharoblasten oder kinetischen Kern" repräsentieren sollen. Vergeblich sucht man nach dem Schein eines Be- weises für diese Meinung! Die Spirochaete soll nun mal unbedingt ein Protozoon sein, infolgedessen wird alles in diesem Sinne gedeutet. In der folgenden Arbeit IIeux- iiEiMERs hat sich denn auch bereits das „Centrosom" als eine auf geknäuelte (Jeisel entpuppt! Übrigens führt IIeuxueimek selbst ohne es zu wollen ein Merkmal auf, das entschieden für die Bakterien-Natur der Sp. pallida B^vi(M, ich meine, die doppelte Konturie- rung der Membran. Gleich hier möchte. ich es erwähnen, daß auch das Verhalten der Spirochaeten der Kalilauge gegenüber für ein Bakterium spricht, denn selbst bei längerer Einwirkung bleiben sie in ihrem Aussehen und Gestalt völlig unbeeinflußt. Die erste der beiden genaunnten Arbeiten Hekxiieimers schließt mit folgendem Satz; ,,Den Nachw^eis einer Geisel und damit den Beweisschluß (nämlich für die Protozoen- Natur. Anmerk. d. Verf.) werden wir später erbringen. Jedenfalls ist die Behauptung Tiiesings: ,,Die Spirochaete pallida ist ein typisches Bakterium und nichts spricht für ihre Protozoen-Natur unhaltbar." Ich bedaure diesen Satz nicht verstehen zu können. Wir kennen eine große Zahl von Bakterien mit Geiseln, was soll da der Nachweis einer Geisel bei Spirochaeten gegen ihre Zugehörigkeit zu den Bakterien beweisen? Mein zweiter Einwand richtet sich gegen den Spezies- unterschied der 8p. pittllida von den anderen Spiro- chäten. In ihren ersten Arbeiten führen Schaudinn und. Hoffmann als Artmerkmale der Pallida gegenüber den anderen Spirochaeten ihre große Zartheit, schwache Färb- 210 C- Thesing: barkeit und besonders die Steilheit der Windungen au, die sich bei keiner anderen Spirochaete in der Weise finden sollen. Wie ich von Anfang an hervorhob wider- sprechen jedoch die eigenen Präparate der beiden Autoreu und die ihren Arbeiten beigegebeueuMikrophotogramme dieser Behauptung, denn neben den typischen eng und steil ge- wundenen Formen, sieht man in demselben Gesichtsfelde ganz flache mit nur drei, vier Windungen versehenen Spirochaeten. (Vergl. Abb.) Da sich derartige flache Formen gerade auch im Ausstriche aus einer syphilitischen Inguinaldrüse befinden, müssen die Forscher, falls sie nach ihren neusten Untersuchungen, auf die ich noch zu sprechen komme, diese flachen und nur wenig Windungen auf- weisenden Spirochaeten nicht mehr als Pallidae anerkennen wollten, zu geben, daß auch andere sicher harmlose Spiro- chaeten bei luetischen (iewebserkrankungen und sogar im Drüsensaft neben der Pallida als Saprophyten vorkommen. Damit wäre aber bereits die Erregernatur der Pallida sehr erschüttert. Erkennen sie andrerseits diese flachen Formen noch weiterhin als Pallidae an, so widersprechen sie damit entschieden ihrer Artdiagnose und machen sie völlig hinfällig. Weiter aber kommt noch hinzu, daß sich auch in sicher nicht syphlilitischen Produkten Spirochaeten finden, die sich weder morphologisch noch in ihrer Färbbarkeit in irgend einer Hinsicht von üertypischenSjjqjaJUda unterscheiden lassen. Besonders zahlreich fand ich solche Formen bis- weilen in der Mundhöhle, in kariösen Zähnen, wo sie ver- gesellschaftlicht mit den seit lange bekannten flachen Formen auftreten. Ferner fand ich die gleichen Formen im Smegma-Ausstrichen gesundei* Personen, an verschmutzten Stellen der Hautoberfläche etc. (Vergl. Abb.). Den gleichen Nachweis über das Auftreten der Pallida erbrachten KiOLOMENOGLOU uud V. CuBE,') die ein, wie sie schreiben, unzweifelhaftes Vorkonnnen der Sjj. pallida in folgenden Fällen feststellten : 1) bei einer Reihe luetischer Bildungen. ') Miinchener med. Woclicnsclir. No. 27. Sinruchacfe /Mllidd uiul die Si/philis. 211 2. im balanitisdien Sekret einer entzündlichen Phimose (l)edingt diircli einen larvierteu Primäraffekt?) 3. im Eiter eines gonorrhoischen Ahscesses der Bar- tholinschen Drüse einer Person mit Lculcodcrma colli spccificnm, 4. hei einfaclier Balanitis, 5. im Eiter von skrofiilodcrmatischen Abscessen, ß. in den Zerfallsprodukten eines jauchigen Karzinoms, 7. im Saft von sj)itzen Kondylomen. Wenn aher hiernach die *S^?. pallida für Sypliilis nicht spezifisch ist, so fallt damit hereits ihre ätiologische Bedeu- tung, nnd sie singt zu der Bolle eines harmlosen accidenteleu Saprophyteu herab, der vielleicht in luelischen Pro- dukten das Optimum für seine Existenz findet und daher hier besondei's zahlreich und mit ziemlicher Begelmäßigkeit vorkommt. Analoge Verhältnisse sind ja vielfach bekannt. Bemerkenswert ist er auch und ein gewichtiger Grund gegen die ätiologische Bedeutung der Pallida, dal] die Blutuntersuchungen Luetischer fast immer negative Resultate lieferten. Die zwei einzigen in der Litteratur als positiv verzeichneten Fälle, erscheinen auch nicht genügend be- gründet. Sehr auffällig ist es ferner, dati die Präparate und Photogramme von Sciiaudinn und IIoffmann, welche an- geblich nur die Pallida enthalten sollen fast durchweg, soweit sie mir bishei' vorgelegen haben, eine starke Ver- unreinigung mit zahlrfiichen anderen Bakterien, Kokken und Pilzfäden aufweisen. (Vergl. Abb.) Wie kommen all diese Organismen in die Ausstriche? Da man doch nicht gut annehmen kann, daß sie alle aus dem luetischen Ge- webe respective Drüsensaft stammen, so läßt sich der Gedanke nicht von der Hand weisen, daß sie sekundär in die Präparate gelangt sind (von der Hautoberfläche etc.). Da aber auf der verschmutzten Hautoberfläche, wie bekannt, auch häufig Spirochäten wuchern, so liegt die Vermutung nahe, daß zahlreiche der positiv ausgefallenen Spirochäten Nachweise bei Lues ebenfalls auf diese Quelle zurückzuführen sind. Diese Vermutung wird zur Wahrscheinlichkeit, wenn 8/9 1 212 C. Thesinü: man in Betracht zieht, daß gemäß den Literatiirangaben die Spii'ocliäten immer iu Lesoiiders grotjer Zalil iiud Regelmäßig- l;eit in nlcerierten und macericrteu Papeln gefunden wurden, namentlicli aus der Gegend am After, Mund und (ienitalien, also Stellen, an denen auch normaler Weise sich fast regelmäßig Spirochäten finden! Es ist dieses um so sicherer, da viele der Nachunter- sncher, in der Erlcennung so kleiner Objekte ungeübt, kritiklos jede in ihren Prä[)araten vorkommende Spirochäte für eine Pallida erklären, ja vielleicht liegen wohl auch bisweilen Verwechselungen mit Fibrinfäden und Knnstprodukten vor. Ein t^'pischer Fall für meine Behauptung bildet eine Arbeit von Gkouwkn und Fabky^) aus der Universitätsklinik für Syphilis und Hautkrankheiten in Bonn, eine der wenigen Untersuchungen, denen dankenswerter Weise als Beleg für die gewonnenen Anschauungen ein Mi-krophotogramm beigegeben ist. Den Autoren haben nach ihren eigenen Angaben die Ori- giualpräparate von Schaudinn und ?Ioffmann vorgelegen und sie betonen ansdrücklich. daß die von ihnen gefundenen Mikro- organismen den von Schaudinn als Pallida bezeichneten Spirochäten völlig analog seien. Das der Arbeit beigefügte Mikrophotogramm (Vgl. Abb.) soll also „mehr als 30 Exem- plare" der 82). pallida enihalten! In Wahrheit zeigt je- doch die Abbildung nicht eine einzige Sp. liüUida, wohl aber zahlreiche, ganz flach gewundene, faden- förmige Spirochäten, wie sie auch beim gesunden Menschen häufig in der ^Mundhöhle vorkommen. Das Präparat ist nämlich ein Ansstrich einer Lippen- sklerose! Viele der fädigen Gebilde würde ich, soweit man nach der Abbildung sich ein Urteil erlauben darf, überhaupt nicht für Organismen anerkennen. ]\Ian sieht hieraus mit welcher \'orsicht man diesen angeblich positiv ausgefallenen Nachuntersuchungen begegnen muß. Vor allem ist es aber, wie dieser Fall zeigt, eine unbedingte Forderung um Irrtum auszuschalten, daß die Untersucher so kleiner Objekte, bei denen der subjektiven Deutung so ') Deutsche med Wochensclir. No. 3' Spiriic/iaetii pälulu und die Syp/iilis. 213 wie so oiü weiter Spielraum gelassen ist, ihre Beliaiiijtiuigeu dureh das objektive Photogramm belegen. Neuerdings gibt überdies Sciiaudinn^) eine so modifizierte Cliaraivteristilc (Vgl. Abb. 8) der Sj). pallida, dal] es auch aus diesem Grunde bereits sicher ist, daß die vielen sich mit deu Syphilisspirocliäten beschäftigenden Arbeiten großen- teils ganz differente Formen behandeln. Nach seiner jüngsten Arbeit unterscheidet sich die Pallida von allen anderen Spirochäten dadurch, ,,daß der Organismus diese tyidsche Spirale nicht nur im Zustande der Bewegung, sondern auch beim Stillstehen aufweist, während alle übrigen ähnlichen Spirochäten die si)iralige, mit engen Windungen versehene Einroliung nur während der lebhaftesten Bewegung zeigen können, in der Ruhe aber in die flach gewundene mehr der geraden Linie sich nähernden Gestalt zurückkehren. Das eigentümlich starre, man könnte sagen gedrechselte Aus- sehen der Spiroduide pallkla beruht aber darauf, daß die Spirale bei ihr präformiert ist und nur gelegentlich bei Schädigungen aufgegeben wird, während umgekehrt die übrigen Formen die enge Spirale nur gelegentlich bei leb- hafter Rotation bilden, um bei Rückkehr zur Ruhe sich zu strecken." Hiernach möchte ich konstatieren, daß dann die bisher von ScHAUDiNN iu Photogrammen reproduzierten Spiro- chäten keine echten >S)j, pallidae sind, da bei ihnen die Windungen durchaus nicht starr und gedrechselt^ sondern vielmehr in demselben Gesichtsfelde, sowohl ganz flache, wie tief gewundene Spirochäten liegen. (Vgl. Abb. 3.) ..Im konservierten Präparat entsteht nun die Schwierig- keit, daß beim Eintrocknen der Ausstriche auch die anderen Spirochäten gelegentlich (?d. Verf) im Momente der leb- haftesten Bewegung vom Tode überrascht werden und eng gewunden erscheinen." Schaudixn rät dann als sicherstes Unterscheidungsmerkmal zwischen diesen Spirochäten und der Pallida die Messung der Dicke auf mäkrophotogra- phischem Wege. I3ekanntlich ist die mikrophotographisclie ') Desgl. Nr. 42. 2t 4 C. Thesing: DickcDbestimmung bei solch dünnen Objekten so ziemlich das Unsicherste, was man sich denken kann, da je nach- dem man das Opjekt etwas mehr oder weniger scharf ein- stellt, es dementsprechend dicker oder dünner erscheinen mul^. Ferner entspricht Sciiaudinns Behanptnng, die anderen Spirochäten erreichen nie 10-26 enge Windungen, nicht den tatsächlichen Verliältnissen. Ich habe selbst Präparate und Photogramme von Mund Spirochäten, von Sj). Ohcrmcijeri etc. mit 10, 12 und mehr engen Windungen (Vergl. Abb.). Ebenfalls ist es, wie man leicht feststellen kann, auch nicht richtig, daß nur die Pallida spitz auslaufende Enden hat, die übrigen stumpf abgerundete.') — Trotz dieser angeblich deutlichen Unterscheidungsmerkmale gesteht Schaudinn jetzt selbst zu, gibt es Fälle, in denen man nicht zu einer sicheren Entscheidung kommen kann. JJei all solchen morphologischen Untersuchungen soll ein „gewisses Gefühl für das typische" notwendig sein. Bisher war es in der wissenschaftlichen Forschung nicht üblich, sich auf ein „gewisses Gefühl'' zu verlassen, sondern lediglich auf ob- jektive Merkmale, ich gestehe auch nnumwunden ein, „daß mir dieses „gewisse Gefühl" scheinbar mangelt, denn trotz besten Willens und reichlicher Übung in der Anwendung stärkster Vergrößerungen ist es mir in vielen Fällen nicht möglich, die Pallida von anderen Spirochäten zu trennen. Endlich ist es Schaudinn gelungen, bei der l'allida Geiseln nachzuweisen, und zwar soll die Spirale nach beiden Enden in je eine dünne Geisel auslaufen. — Nach der Art der Fortbewegung der Spirochäten hatte ich selbst auf das Vorhandensein von Geiseln geschlossen, nur ist dieses, wie ich oben bereits ausfüJirte, kein Merkmal eines Protozoons, da ja viele Bakterien und gerade die Spirillen Geiseln besitzen. Den übrigen von Schaudinn untersuchten Spirochäten sollen Geiseln nicht zukommen, dafür sollen sie aber mit einer deutlich differenzierten undulierendcn Membran ausgestattet sein. Auf den von ') In No. 22 der Berl. kl in. Wo cbenschr. gibt Schaudinn selbst ein Mikropliotograniin clor Sp. refrinert liatte, einer Deutung, der icli durcliaus zustimme, da(,) der Centrall\ürpcr der Cyano- ])h3ccen etc. und natürlich auch der Spirillen und Spiro- chäten einen primitiven Zellkern darstellt. Deswegen wird man jedoch nicht diese Organismen den Protozoen angliedern diu'fen. Ich kann nach all diesem nur wiederholen, worauf ich von Anfang an hingewiesen habe, dal] sowohl der Beweis fiir die Protozoennatur der Spirochaeten, wie für die ätio- logische Bedeutung der Pallida noch aussteht, ja daß die bisherigen Forschungen die urs[)rüngliclien Bedenken nur noch verstärkt haben. Tafclorkläruiiff. l'ifi'. 1. Yeiscliifiltiie Entwiekliingsstaditii von „Spirochaete Ziriiuiinn^' aus dem Körper der Mücke. Zeicliinuig (nach Scuaudinn). Fig'. 2. „Spinichaete pidlida'''- (nach Hkuxiiki-Meh). Das Knoijfclicii ani Ende soll ein Ccntrosom darstellen, während die Körnchen im Innern den Zellkern und den Blepharo- bl asten repräsentieren sollen. Zu beachten ist, daß nach Herxueimehs Abbildung die Spivochaete pcdlida an beiden Enden abgerundet erscheint. ris;-. 'J. „S'piroch'iete pallida'-. Photogramm eines Ausstriches aus einer syphilitischen Inguinaldrüse. Vergr. ca. '2S00 (nach Schaudinn). Wie man ohuo weiteres erkennt, weisen die 3 im Gesichtsfelde liegenden ypirochäten eine sehr diffe- rente Art der Einrollung auf. Während die mittlere Form ziemücli tiefe Windungen besitzt, zeigen die beiden anderen ganz flache Windungen. Entweder ist also Schaudinns Charakteristik der Sp. palliila unrichtig, oder es kommen auch in den syphilitischen Inguinal drüsen neben der Pallida noch andere Spirochäten vor. Fig'. i. „Spiiuchactc pallida'-''. Photogranun eines Ausstriches einer breiten luetischen Papel. Vergr. ca. 1200 (nach Schaudinn). Auch die hier abgebildeten Spirochäten zeigen eine große Differenz in der Art der Windungen. Dann fällt ferner so- wohl in Fig. o wie 4, die nur Sp. pallida enthalten sollen, auf, daß neben den Spirochäten noch zahlreiche andere Or- ganismen, Bakterien, Kokken, Pilzfäden etc. in den Präparaten zu sehen sind. (Von mir mit Zahlen bezeichnet). i Zu Seite 205. i. \ Fi'j. 4. *; •! Fiff. G. Fiö-. 5. Fiff. 8 /-^^--'■'^'VWA.aAA.'^^- Fi-, 12. Fiff. 0. .1 V Slni^rVi. Mo Zu Seite 205. l\ f K \ J ( i X } \ ü / f V v'7- .4 s \üy: -^ ; Fio-. 2. Fio-. 7. Fiji-. 10. J. F. Starcke, Berlin V!, P. Pappenueim: Ein neuer „pr:ei(du"-elektriö\h. Fisch a. Kaiueniii. 211 Spiiocliiitcn aus kaiiüsiii Zalmcii. riidto^iainni. Viigr. ca. 2(iü(). Si)irocliiite aus tltiii Snioguia eines gesunckn Mannes. PJioto- grauim. Ycrgr. ca. 2000. Pluitogramm eines Ausstriclies (iner Lippeusk Icrose, das nielii' als HO Exemplare der ,^Spi/oc/iaete pd/lida'''' ditliaUen soll. (Nach Gkouven und Fauky). „Spivüchacfe pa/lida''^. Zeichnung. (Nach Sciiaudinm). „!^j)irocliacfe Ohermeieri^'- mit ca. 12 engen Windungen aus dem Blute eines Recurrenzkranken. Pliotogramm eines Blutausstriches. Yergr. ca. 1000. (Fürstenherg i)hot.j. Y'vj:. 10. „Spiioc/iaete Obcrincieri'-^. Blutpriiparat. Vergr. 1000. (Nach MiouLA). Das Photogranim zeigt im Gegensatz zu den vorigen ganz flach gewickelte Formen. Fig". 11. ,,SinrS'. laeviijata mit dem Sj-nonym S. „ctUajens is'-'' Laxm. aufitührt. Pallas, welcher im Anhang zum zweiten Teile seiner ..Reise durch verschiedene Provinzen des russischen Reiches" S. 73'J (1773) dieselbe Pflanze als ckung einer Spiracoiden-Gattung, p. 219. Referierabend, p. 223. Für die Gesellschaft bestimmte Sendungen sind zu richten An die Gesellschaft naturforschender Freunde In Berlin W. 56, Französischestr. 29. Druck von J. F. Starcke, Hfrlin SW. 45, Willielmstr. 130. Nr. 10. 1905 S i t z 11 n c s b e r i c h t der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin vom 12. Dezember 1905. Vorsitzender: Herr F. E. Schulze. W. BATH: Untersuchungen über Geschmacksorgane einiger Vögel. Seitdem durch Leydig und F. E. Schulze die becher- fÖrDiigen' Organe der Fische aufgefunden waren, hatte man nach und nach bei allen Klassen der Wirbeltiere Geschmacks- organe nachgewiesen mit Ausnahme der Vögel, bei denen man Yollkommen vergeblich gesucht hat, obwohl man aus dem ganzen Gebahren derselben auf das Vorhandensein derartiger nervöser Endorgane schließen konnte und mußte. Fast alle Forscher hatten sich auf Grund der negativen Resultate der Ansicht Merkels angeschlossen, der das Vorhandensein von Geschmacksorganen bei Vögeln vollkommen in Abrede stellt. Bei der Suche nach Organen dieses wichtigen Sinnes- hatte man eine große Zahl verschiedenster Tastkörperchen gefunden und sich durch deren Studium von dem eigentlichen Zweck der Untersuchungen ablenken lassen. Vor Jahresfrist nun erschien im biologischen Central- blatt eine Arbeit von Botezat, in der er mitteilt, daß es ihm endlich gelungen sei, die lange gesuchten Geschmacks- organe der Vögel zu finden. Als Sitz gibt er die Rachen- gegend an. „An gewisse Papillen sind sie nicht gebunden, sondern finden sich in der ungefalteten, weichen Schleim- haut der hinteren Zungen partien, ferner um den Schlund herum und im weichen Gaumen". Er unterscheidet zwei Arten von Geschmacksknospen, solclie, die den bei den übrigen Vertebraten vorkommenden gleichen, hinsichtlich ihrer Form die Mitte zwischen denen der IMammalia und jenen der Fische halten und solche, die, nur den Vögeln 10 226 W. Bath: zukommend, keine soliden Gebilde darstellen, sondern deren Elemente in der Achse des Organes dilatiert sind oder durchbrochen werden durch den Durchtritt des Ausmündungs- ganges der großen und auch kleinen Schleimdrüsen. Zu seinen Untersuchungen hat er Anas, Passer und Columba herangezogen. Diese Angaben Botezats waren mir Veranlassung. eine größere Anzahl von Vögeln auf Geschmacksknospen hin zu untersuchen und zwar: Lamellirostres : Anas hoschus 1,. Sjjatida dypeata Boie. Gressores: Phoenicopterus roscus Fall. Gyrantes: Columha livin domestica L. Phasianidae: Gallus domcsticus L. Raptatores: C/rcus macninis (Gm.) Falco tinminculus L. Psittaci: Mdopsittaciis undidatus Gould. Pahcornis rufirostris (L.) Scausores: Dcndrocoims minor (L) Insessores: Buccros hicornis L. Strisores: Cijpsclus apus L. Oscines: Passer domcsticus L. Emherisa citrincUa L. Sturmis vidgaris L. Tiirdus mcrida L. Chlor (S chlor is L. Ilirundo rustica L. Bei allen diesen Vögeln war es mir gelungen, typische Geschmacksorgane aufzufinden. Im Folgenden will ich kurz die gewonnenen Resultate angeben; eine eingehende Arbeit hierüber wird demnächst erscheinen. Niemals habe ich in der fast immer sehr stark yer- hornten Zunge Geschmacksknospen gefunden, wohl aber in den anderen Teilen der Mundhöhle. Nach meinen bisherigen Ergebnissen scheint die Form der Zunge nicht ohne Einfluß auf die Verteilung der Geschmacksknospen in der Mund- höhle zu sein, insofern nämlich, als bei Vögeln mit schmaler rntcisiichioi'jcn über Gcschmacksorj/ane einiger Vö(/d. '221 Zunge, die also den ganzen Kaum des Untersclmabels nicht ausfüllt, der Hauptsitz die Schleimhaut des Uiiterschiiabels 7Ai sein scheint. Hierher gehören die Oscines mit Ausnahme von llii'undo, Scansores, Raptatores. Gyrantes, Phasianidae. Eine Ausnahme bilden llirundo und Cypselus, bei denen wahrscheinlich in Anpassung an die Art der Nahrungs- aufnahme die Schleimhaut um die Epiglottis der Sitz des ■Geschmackes i.st. Füllt dagegen die Zunge den ganzen Unterschnabel aus, so sitzen die Geschmacksknospen ■entweder in der Schleimhaut des Oberschnabels (Psittaci. Lamellirostres) oder im Schltmde in der Gegend der Epiglottis (Gre^^sores). Sitz der Geschmacksknospen ist immer eine i^latte und vollkommen nnverhornte Schleimhaut, die gleich- zeitig reich an Speicheldrüsen ist, und zwar nur solche Stellen derselben, zu denen die Nahrung oder Teilchen •davon leicht hingelangen können. Die einzelnen Sinnesbecher findet man an den von ihnen besetzten Gebieten in keiner bestimmten Anordnung, bald einzeln, bald mehrere beisammen. Meist stehen sie Tollkommen frei in der Schleimhaut, nur selten sind sie lun die Ausführgänge der Drüsen gelegen und bis zu einem gewissen Grade an diese gebunden. Die Zahl derselben ist bei den verschiedenen Vogel- arten erheblichen Schwankungen unterworfen, ebenso die specitische Dichte derselben. So schätze ich die Zahl der .Sinnesbecher bei der Taube auf etwa 50 — 75. Bedeutend zahlreicher sind sie bei Sturnus und Anas, bei denen die Zahl derselben etwa gegen 200 betragen mag; die meisten weisen die Papageien auf, etwa 3—400. Den feineren Bau der Geschmacksknospen habe ich außer au Schnitten an Isolationspräparaten studiert. Bei den von mir untersuchten Vögeln habe ich drei verschiedene Arten von (ieschmacksknospen gefunden, die ich kurz besprechen will. Ein allen gemeinsames und deutlich kenntliches Merkmal gegenüber den (ieschmacks-: knospen aller übrigen Vertebraten besteht darin, dciß die Neurocpithelzellen den Kern meist in ihrem oberen Teile .aufweisen. 228 ^V. Bath: 1. Eüdküospen, die hinsichtlich ihrer Gestalt und Zusamineinsetzung den bisher bei den Vertebrateu aufge- fundenen gleichen. Sie bestehen aus den Stütz- und Sinnes- Zellen und weisen einen gut ausgebildeten Porus und eiui Knospengrübcheu auf, in das die Sinnesstiftchen hineinragen. Diesen Typus habe ich nur bei den Papageien gefunden. 2. Bei dieser und der folgenden Art Ivommt zu den Elementen der Stütz- und Sinneszellen, die sich auch durch die ganze Länge der Knospe erstrecken, noch eine dritte peripher gelegene Zellart hinzu, die ich mit dem Namen Hüllzellen belegt habe, da sie gewissermaßen eine Hülle um die beiden erstgenannten Zellarten bilden. Ich habe sie nur bei den Vögeln nachweisen können, und sie sind daher ein specilisches Merkmal der Mehrzahl dieser Klasse. Sie- gleichen in ihrer Gestalt sehr den zu unterst gelegenen Zellen des Stratum Malpighi und bestimmen durch ihre Anordnung im wesentlichen die Gestalt der Geschmacks- knospe. Bei diesem zweiten Typus sind sie hauptsächlicli im basalen Teile angeordnet, wo sie in mehreren Schichten den centralen Teil, der aus den Stütz- und Sinneszellen be- steht und eine spindelförmige Gestalt aufweist, umgeben, während sie am distalen Ende nur noch in einer Schicht gelagert sind. Sie überragen meist die Stütz- und (Je- schmackszellen, erreichen aber nie die Oberfläche der Epi- dermis, sondern werden noch von zwei bis drei Zellschichten des Stratum corneum überdeckt- Diese Art habe ich bei den meisten der von mir untersuchten Vögel aufgefunden. 3. Dieser Typus ist bei den Lamellirostres und Gressores verbreitet. Die Gesamtheit der Hüllzellen macht den Ein- druck eines Hohlcylinders, der über die Stütz- und Ge- schmackszelleu gestülpt ist. Ciiarakteristisch ist, daß die- Geschmacksknospen das Stratum corneum der ganzen Breite nach durchbrechen. Ein Porus kommt daher nicht zur Ausbildung, das Knospengrübchen ist gut entwickelt. Von nicht geringer Bedeutung für die scharfe Trennung und Unterscheidung der drei von mir aufgestellten Typen ist die Tatsache, daß ich niemals bei einem Vogel Geschmacks- knospen zweier verschiedener Typen habe finden können. Untersuchim(]cn über GeschwacTtsorgane einiger Vi'xjcl. 229 üiad (laß bei nahe verwandten Arten ebenfalls nur eine Art verbreitet zu sein scheint. Gestalt und Große unterliegt nicht geringen Schwan- Ivungeu. Bei weitem die größten Endknospen haben die Lainellirostres und Gressores, nicht nur unter den Vögeln, •sondern unter allen Vertebraten; denn hier w^erden sie oft fast 0,3 mm lang. Ein Geschmaclisporus ist immer entwickelt außer bei dem Typus der Lamcllirostres und Gressores. Er durch- setzet in der Regel zwei bis drei Lagen platter Zellen des Stratum corneum. Das Knospengrübchen ist stets vorhanden und übertrifft bisweilen den Porus um ein bedeutendes an Länge. Die Sinnesstiftchen ragen in das Grübchen hinein, das von ihnen nur äußerst selten überragt wird. Als die Elemente, welche die Geschmacksknospe zu- sammensetzen, wären kurz zu besprechen die Hüllzellen, die Stützzellen und die Neuroepithelzellen. Die llüllzellen gleichen der Form nach vollkommen 4q\\ untersten Zellen des Stratum Malpighi, unterscheiden sich aber von diesen durch ihr Verhalten gegen die Farb- stoffe. Bei guter Erhaltung läßt sich im Plasma ein feines VVabengerüst erkennen. Sie umgeben den centralen Teil, bestehend aus Stütz- und Sinneszellen, basalwärts immer in mehreren Schichten, distalwärts bei dem unter 2 be- sprochenem Typus nur in einer Schicht. Bisweilen liegen ^n der Basis zwischen den Stütz- und Sinneszellen einzelne dieser Zellen. Die Stütz; oder Deckzellen stehen in ihren Struktur- "verhältüissen den ebenbeschriebenen Zellen sehr nahe, weichen jedoch in ihrer Form erheblich von diesen ab. Sie erstrecken sich immer durch die ganze Länge der Ge- schmacksknospe und haben daher eine schlanke spindel- förmige Gestalt. Nach oben und unten laufen sie in der Regel spitz zu, nur bisweilen enden sie distalwärts breit ■abgesetzt. Der Kern liegt an einer etw^as verdickten Stelle in wechselnder Höhe. Ihre Zahl gegenüber der der Neu- roepithelzellen ist verhältnismäßig gering, bisweilen sind weniger Stütz- als Sinneszellen vorhanden. 230 W. Batii: Die Neuroepithel-, Geschmacks-, oder Sinneszellen, bilden den wichtigsten Bestandteil der Geschmacl\sknospe, da durch sie die Geschmaclisempfindiing durch Umsetzung des chemischen Reizes in Nervenerreguug vermittelt wird. Die beiden anderen Zellarten sind nur zu deren Scliutze da und um sie zu stützen. So findet man sie denn auch vornehmlich in dem geschütztesten Teile, der Mitte, unterge- bracht. Bei den Geschmacksknospen der Papageien werden die einzelnen Sinneszellen durch die Stützzellen vollkommen getrennt, während bei den anderen Typen die Isolation nicht so weit durchgeführt ist; denn hier findet man meist die Neuroepithelzellen in BündelnvonS — 4 beisammen liegen. Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet ist der Typus der Geschmacksknospen der P;jpageien höher entwickelt als der der übrigen Vögel. Die Sinueszellen erstrecken sich gleichfalls durch die ganze Länge der Geschmacksknospe. imd zeigen in ihrem feineren Bau eine große Übereinstim- mung mit den gleichen Zellen der übrigen Vertebraten, Auch sie sind sehr schmal, tragen den Kern an einer etwas- verdickten Stelle und weisen oft mehrere kleinere An- schwellungen auf. Ein scharfer Unterschied jedoch besteht darin, daß der Kern meist oberhalb der Mitte gelegen ist> während er bei den Geschmackszellen aller übrigen Wirbel* tiere basal liegt. Die Kerne sind äußerst chromatiureich und färben sich daher immer sehr intensiv, ebenso nimmt das Plasma manche Farbstoffe stark an. Immer habe ich eine feine Körnelung wahrnehmen können, sowie bei gün- stigen Objekten feine Fibrillen, die oft den Eindruck machten, als wenn sie vom Kern ausgingen, der an diesen Stellen in eine feine Spitze ausgezogen war. Bei Melopsittacus habe ich in den regelmäßig vorkommenden Anschwellungen der Sinneszellen sowohl basalwärts wie distalwärts vom Kern größere intensiv gefärbte Körnchen gefunden, die offenbar in innigem Zusammenhang mit den Fibrillen stehen. Distalwärts sitzt den Sinneszellen das Geschmacks- stiftchen auf, das immer schmaler als diese ist. Die Länge ist bei den verschiedenen Vögel nicht unerheblichen Diffe- renzen unterworfen. Über die feinere Struktur derselben. Untersuchungen über Geschmacksorgane einiger Vögel. 231 kann ich nichts aussagen; sie sind außerordentlich stark lichtbrecheud und erschienen auch bei den stärksten Ver- grölkrungen vollkommen homogen. Leider gelang es mir nicht festzustellen, ob die Fibrillen der Sinneszellen sich in das Stiftchen fortsetzen oder nicht. Basalzellen, die schon von vielen Autoren beobachtet sind, habe ich auch bei den Geschmacksknospen der Vögel gefunden, doch ist es außerordentlich schwierig, sie von den Hüllzellen zu unterscheiden. Sie gleichen vollkommen den untersten Zellen des Stratum Malpighi, sind aber bisweilen viel mehr in die Breite gezogen. Ich möchte sie für einen wichtigen Bestandteil der Geschraacksknospen halten, da ich in ihnen die Regenerationsheerde für die Elemente der (ieschmacksknospe erblicke. Über die Nerven kann ich nicht viel aussagen. Es ist mir nur gelungen feine Nervenfasern an die Knospe herantreten zu sehen, die sich unterhalb der Geschmacks- knospe korbartig ausbreiten und warscheinlich hiermit das perigemmale Nervengeflecht bilden. Nur einzelne Fasern treten in die Knospe hinein, ihren weiteren Verlauf konnte ich nicht verfolgen. Dicht unterhalb der Geschmacksknospen findet man stets um die feinen Nervenfasern eigentümliche multi- und bipolare Bindegewebszellen in großer Zahl, die höchstwahr- scheinlich zum Schutze der Nerven in dem groben Binde- gewebe dienen. Auch bei den Säugetieren hatte man der- artige Zellen gefunden, die vielfach für Ganglienzellen ge- halten, aber von Ebner, da ihnen typische Eigen- schaften peripherer Ganglienzellen fehlen, für Bindegewebs- zellen erklärt wurden. An Geschmacksknospen der Taube, die ich nach einer der Apathy sehen Methoden gefärbt hatte, konnte ich sehen, wie feine Bindegewebsfasern hineintraten und die unteren Zellen netzartig umflochten. Hiermit habe ich die wesentlichsten Punkte meiner Untersuchungen über die Geschmacksorgane der Vögel auf- geführt. Eine ausführliche Arbeit mit eingehender Berück- sichtigung der Litteratur und zahlreichen Abbildungen wird demnächst erscheinen. 232 Richard Zang: Herr RCHARD ZANG: Colcoptera Longicovnia aus der Berendtschen Bernsteinsammlung. Id dem ej'steu Teil seines Werkes über die im baltischen Bernstein eingeschlossenen Organismen zählt Beuendt 19 Exemplare der Longkornia auf, die er auf fünf ver- schiedene Gattungen verteilt, während er die Frage nach der Artenzahl unentschieden läßt. Nach dem Befund in seiner seitdem fast unberülirt stehen gebliebeneu Samm- lung^) glaube ich besonders aus der in derselben ebenfalls durchgeführten Einteilung in Gattungen schlielkn zu dürfen, daß Berendt die Stückzahl zweier Genera („CaUidkim" und „LcjJütm") verwechselt hat, da die Sammlung von ersterer Gattung 6 (statt 3) und von letzterer nur 3 (statt 6) birgt, Außerdem habe ich zwei von Berendt registrierte Exemplare von ,ßaperda'^ noch nicht ausfindig machen können. Da- gegen tritt eine von ihm bei früherer Gelegenheit als „Ccramhix" erwähnte Art hinzu, die ich unter dieser Be- zeichnung auch vorfand. Da die Angaben Berendts über die Ccramhycidae seiner Sammlung (obwohl es zum Teil gar keine Ccramlycidae waren!) in die gesamte Literatur aufgenommen wurden, so werde ich nachfolgend diese 18 Tiere, von denen einige untereinander artgleich sind, im Zusammenhang behandeln und vor allen Dingen zu deuten versuchen: Eine Anzahl müssen als nicht zu den Longkornia gehörig ausgemerzt werden, von einigen Arten gebe ich Diagnosen und den Rest schließlich gedenke ich zu- sammen mit dem Material der Sammlungen Kühl und TnoMAE einem erneuten Studiun"i zu unterziehen. Ich be- merke noch, daß nur wenige der von Berendt an- geführten Gattungsbestimmungen sich als einigermaßen zutreffend herausgestellt haben. 1. „Ccmmhi'x". Ein Tier, dessen Zugehörigkeit zur Faiuilie Ckinddidae (Familieureihe Adephaga) ich gleich anfangs festzustellen ^) Über die allgemeinen Punkte bitte ich, um "Wicderliolungen zu vermeiden, meine erste kleine im vorigen Monat erschienene Arbeit über Bernstein- Colcoptcren zu vergleichen. Cdlcuptera Lowjkornia aus der Bcreudfsrhen BernsteinsammUnig. 233 vermochte. IlerrDr. med. Walter Hörn (Berlin), gegenwärtig der bedeutendste Spezialkenuer dieser Gruppe, determinierte das ihm zur Begutachtung vorgelegte Stück als die in einem weitausgedehnten Vcrbreituugsbezirk in Amerika häufig vorkommende Tctrocha Carolina L. Herr Dr ITorn fand nur so minimale Abweichungen beim Vergleicli mit Serien rezenter Exemplare, daß eine scharfe Sonderung der alttertiären Stücke nicht durchführbar er- schien. Ich verweise bezüglich der Begründung dieses Schlusses und bezüglich alles weiteren auf Dr. Horns im Laufe des nächsten Jahres erscheinende Publikation, die diesen interessanten und speziell bei Bernsteinarthropoden fast einzig dastehenden Fall zum Gegenstand haben wird. 2. „Mohrchas''. Bestimmt kein Cerambycide, vielmehr höchst wahr- scheinlich (das Stück liegt sehr unglücklich!) eine Cantharis- Art, die allerdings dadurch, dal,) der hintere Teil der Elytren verletzt zu sein scheint, einem Molorchus immerhin ähnelt. 3. „Lamia^ I. Als „Lamkr'' bezeichnet, fand sich ein auffallend kleiner Vertreter der noch jetzt in Europa ziemlich arten- und auch individueureichen Gattung Fogonocluicrus vor, den ich nachfolgend charakterisiere: Pogonocliacrus Jachell sp. nov. In Größe und Körperform (besonders von der Seite gesehen) dem nordamerikanischen Ciirtinus xvjcjmaeus IIald. ähnelnd. Körper relativ schmal und schlank, insbesondere der Prothorax. Kopf mit einzelnen, abstehenden, steifen Haaren von der halben Länge des Basalgliedes der Antennen be- setzt, ohne erkennbare gröbere Skulptur und anliegende Behaarung. Mundteile durch einen weißlichen Über- ring fast vollständig verdeckt. Antennen merklich länger als der Körper, fadenförmig, clfgliedrig, relativ kräftig und gedrungen gebaut. Ihr erstes Glied doppelt so dick als die folgenden, viermal so lang als das zweite, das dritte 234 Richard Zang: fast ebenso lang als wie die beiden ersten zusammen- genommen, das vierte noch etwas länger und annähernd doppelt so lang als das folgende, das fünfte und sechste untereinander gleich, die folgenden nur sehr wenig kürzer, nach der Spitze hin Ivaiira merklich an Länge abnehmend, das Endglied dünner, aber etwas länger als das verlier- gehende. Augen wenig gewölbt, nicht stark vorragend, mit feiner Facettieruug, vorn mit tiefer, bogenförmiger Aus- randung, die sie in zwei nur noch durch eine ganz schmale Brücke gesonderte Teile teilt. Der Raum innerhalb der Ausrandung wird von dem kugeligen Ansatzgelenk der Antennen vollständig ausgefüllt. Prolhorax oben und an den Seiten sehr stark annähernd kugelig gewölbt, kaum kürzer als breit, hinten hart vor dem Ilinterrande schwach aber doch deutlich eingeschnürt, an den Seiten etwas hinter der Mitte mit einem kurzen, kegelförmigen, spitzen llöckerchen. Prouotum am Vorder- rande breiter als an der Basis (dadurch dem ovatits Gokzk nahestehend), auf der Scheibe ohne die zwei denudierten llöckerchen des ovatus, vielmehr mit vier kleinen, flachen, die Ecken eines regulären Quadrats bildenden Grübchen, überall mit relativ feiner Puuktskulptur und sehr ver- einzelt stehenden, vertikal aufgerichteten Härchen von der halben Länge des Basalgliedes der Antennen. Anliegende Pnbescenz nicht erkennbar. Scutellum klein, eiförmig, punktiert, aber ohne sichtbares Toment. Elytren an der Basis breiter als der Prothorax an seiner breitesten Stelle, mit etwas vorspringenden Schulterecken, der Außenrand hinter diesen merklich nach innen gebogen, hinter der Mitte aber wieder deutlich — Avenn auch schwach — bauchig erweitert, an der Spitze ohne vorspringende Dornen, nicht gerade abgeschnitten, sondern jede Flügeldecke einzeln abgerundet. Oberfläche der Elytren stark gewölbt, fast walzenförmig, in den hinteren zwei Dritteln durch das plötzliche Abbrechen der groben Skulptur des Basalteils fast angeschwollen erscheinend. Von den Schulterecken erstreckt sich zum Ende des ersten Drittels der Sutur eine sich ziemlich gleichbreit l)]eibende Colcoptei-a LongiroDiia aus der Beremltxchen BernsteinsamudiDuj. 235' vertiefte SchrägbiDde, die selir diclit mit groben und tiefen Punkten und langen, einzeln stehenden, aufgerichteten Ilaaren besetzt ist. Die gesamte übrige Obertläche der Elytren vor und hinter der Binde mit sehr zerstreuten und viel flacheren Punkten und einzelnen langen, steifen Härchen,, die ebenfalls so lang wie die des Kopfes sind, besetzt. Die drei Längsrippen der Elytren sind sehr schwach, die äußerste noch am deutlichsten zu erkennen. Längs der .Sutur verläuft bis zur Spitze jederseits eine feine, schmale Furche. Auch hier auf den Elytren ist, wie auf Kopf und Prothorax, nichts von der feinen Tomentierung der rezenten Arten wahrnehmbar. Eine außerordentlich feine Punlctierung indessen, die wohl das ehemalige Vorhandensein des Toments dokumentiert, ist an vielen Stellen deutlich zu erkennen. Unterseite und Beine zum Teil durch einen weißlichen Überzug verdeckt. Sternite des Abdomens fein und dicht punktiert. Alle Schenkel distal stark keulen- förmig verdickt. Beine relativ kurz, die Tibien fast von der Länge der Schenkel. Unterflügel nicht zusammen- gefaltet, an der Spitze der Elytren hervorragend. Gesamtlänge: 2,9 mm; Länge des Kopfes 0,2, des Pro- thorax 0,8, der Elytren 1,9 mm. Unikum der Sammlung Bekendt. Dieser Cerambycide ist unter den rezenten Arten der Gattung Pogonochaerns, in die er jedenfalls einzureihen ist, am nächsten verwandt mit ovatiis (iOeze und dccorakis- Faihm. steht aber dem ersten der beiden wegen des an der Basis schmäleren Pronolum und wegen der Skulptur der Elytren näher. P. ovatus ist über das mittlere, vor- zugsweise aber über das nördliche Europa A'erbreitet, wo er auch viel weniger selten ist als beispielsweise in Süd- deutschland. Pog. Jaehcli unterscheidet sich — abgesehen von der viel geringeren Größe durch die schlankere, schmälere Ge- stalt, die Dimensionen der Antennenglieder, das Fehleu der schwarzen Haarbüschel auf den Elytren, ferner die einzeln abgerundeten Spitzen derselben und die Kürze der Beine und schließlich durch die Skulptur des Pronotum und "236 Richard Zang: ■die vorspringendeu Scluilteru. Die bis auf das vordere Drittel gleichsam angeschwollenen Elytren verleihen der Art einen ganz besonderen Habitus (Ciirtimis lyygmaeus Hald!) Das scheinbare Fehlen des Toments kann nicht als fest- -stehender Charakter angesehen werden. Was endlich das Verhältnis des P. Jael-cU zu den zwei rezenten, verwandten Arten betriiTt, so konnte man sie wohl als die Stammform ansehen, ans der sich die die beiden einander sehr nahestehenden heutigen Arten ent- wickelt haben. 4—5. ,,Lainia'' II — III. Zwei Exemplare — spezifisch sicher zusammengehörig — •durch die eigenartigen Dimensionen und Verhältnisse der Antenneuglieder merkwürdig. Die generische Zugehörigkeit konnte ich mit Sicherheit noch nicht feststellen. 6. „Lamia'-- IV. Eine durch starkes Vortreten der Elytralcariuen, breiten, •gedrungenen Körperbau und zwölfgliedrige Antennen sehr ausgezeichnete Art einer Gattung, von der mir rezente Vertreter bisher noch nicht bekannt geworden sind. 7 — 11. ,, Ca llidiiim " I — V. Es liegt hier der im Bernstein zweifelsohne häufigste Oerambycide in fünf Exemplaren vor, eine NotJtorrJtina, die insbesondere dadurch außerordentlich an Interesse gewinnt, daß die Art ihres phylogenetischen Zusammenhanges mit 4ev rezentennmricataDAJM. durchaus sicher gestellt erscheint: Nothorrhina gyanulicolUs sp. nov. Von Noth. imiricata Dalm., der einzigen, meines Wissens bekannten Art der Gattung (die hierher gestellte nordamerikanische aspera Leg. kann ich nicht als kon- ■generisch ansehen) unterscheidet sich das nachfolgend be- ■schriebeue und mir in zahlreichen Inklnsen (auch aus anderen Sammlungen^ vorliegende Tier zunächst durch be- •deutendere Größe und stärker konvexen Körper, ferner Coleoptcra Longicornia aus der Berendtschen Bcrnsteinsaminlung. 237 auch durch die verschiedeueii DimensioneD der Autenuen- glieder, insbesondere aber durch die gleichmäi3ige, auf der Scheibe nicht durch eine große fast glatte Schwiele unter- brochene Skulptur des Pronotuni. $ — ■ Im Habitus von der rezenten Art nicht sehr ver- schieden, größer und vor allen Dingen stärker konvex, dorsal sowohl wie ventral. Elytren im Verhältnis zum. Pronotum viel länger als bei iimricafa, hinten spitzer zu- laufend. Kopf etwas geneigt. Mandibeln sehr kurz, kaum vorragend. Das letzte Glied der Maxillarpalpen ist, wie ich bei dem vorliegenden für die Beobachtung derselben noch am günstigsten gelagerten Stück zu erkennen glaube, annähernd doppelt so lang wie das vorhergehende und merklich breiter, am Ende zugespitzt. Das drittletzte ist der Beobachtung nicht zugänglich. Endglied der Labial- palpen auffallend dick, länger als das der Maxillarpalpen, vollkommen zylindrisch, das vorletzte um die Hälfte dünner, aber fast ebenso lang, distal verdickt. Antennen etwa von der halben Länge des Körpers, dünn, fadenförmig, elf- gliedrig, mit langen abstehenden Haaren dicht besetzt. Basalgiied relativ dünn, nicht viel breiter als die folgenden, das zweite ziemlich groß, fast halb so lang als das erste,, das dritte und vierte nur wenig kürzer als das Basalglied, Das fünfte Glied bedeutend länger als das erste, etwa lV2mal so lang als das vierte. Das sechste Glied kaum länger als das vierte, die folgenden bis zum zehnten all- mählich kürzer werdend, das Endglied distal zugespitzt, viel länger als das vorletzte und nur wenig kürzer als das fünfte. Emlenkungsstelle der Antennen ziemlich vor dem Vorderrand der Augen gelegen und dicht hinter der Basis der ^laudibeln. x\ugen dementsprechend nur sehr wenig ausgerandet, oval, relativ groß und konvex, mit fein- körniger Facettierung. Stirn und Scheitel flach konkav. Kopf oberseits und unterseits dicht und fein punktiert und mit Haaren besetzt, die — wie die der Antennen — etwa die halbe Länge des Basalgliedes der letzteren erreichen. Pronotum länger als breit, ziemlich stark konvex, mit "238 Richard Zang: fast paralleleu Seiten. Vorderrand in sehr flachem Bogen ausgeschnitten, Hinterrand nach hinten deutlich gerundet erweitert. Hintere Ecken stumpfwinklig, stärker abgerundet als die fast rechtwinkligen vorderen. Pronotum in seiner ganzen Ausdehnung mit langen vertikal aufgerichteten Haaren nnd gleichmäßig mit groben dicht stehenden kreisrunden bis ovalen Tuberkeln besetzt, letztere von derselben Stärke, Avie sie sich bei der rezenten muricata nur an den Rändern ftndeu. Diskus nicht erhaben, eher abgeplattet. Prosternum vom Pronotum außen durch eine ziemlich scharfe Grenzlinie geschieden, sehr fein punktiert, mit sehr ^verstreuten, groben, aber flachen Punkten, ohne erkennbare Pubescenz, am Vorderraude sehr tief, fast halbkreisförmig ausgeschnitten und fein gerandet. Scutellum halbelliptisf^h, fein tomentiert. Elyfren lang gestreckt, konvex, mehr als dreimal so lang als zu- sammen breit, an den Schultern breiter als der Pro- thorax, mit fast parallelen, erst kurz vor dem Ende kon- vergierenden Seiten, an der Spitze einzeln in gleichmäßigem Bogen abgerundet. Die drei Läugscarinen flach, sehr un- deutlich und nur bei besonders günstig auffallendem Licht wahrnehmbar; die Intervalle zwischen der ersten, zweiten, dritten und dem Außenrande annähernd gleich, der Zwischen- i'aum zwischen Sutur und erster Cariue bedeutend größer. Die ganze Oberfläche der Elytren grob und dicht, oft fast runzelig punktiert und mit lang anliegenden nach rückwärts gerichteten Haaren dicht besetzt. Metasternum auf der hinteren Hälfte von den Hinter- hüften mit breitem und sehr tiefem Mediansulcus, überall — wie auch die nach hinten sich keilförmig verschmälernden Episternen-fein punktiert und anliegend behaart. Sternite des Abdomens (teilweise durch einen weißen Überzug ver- deckt) grob und ziemlich dicht punktiert, behaart. Beine fein punktiert und behaart, die hinteren mit der Tibien- spitze das Ende des letzten Abdorniualstei'nites erreichend. .Schenkel ziemlich in der Mitte am dicksten, schwach ge- bogen, seitlich stark komprimiert, mit tiefen Furchen zum .Einlegen der Tibien. Diese dünn, nur wenig seitlich Cüleoptera Longicornia aus der BerendtscJten Bernsteinsamvünng. 239 ziisammeDgedrückt, etwas küi-zei- als die Schenkel, am Ende innen mit einem feinen Dörnchen. Erstes Tarsen- glied doppelt so lang als das zweite. Drittes zweilappig, herzförmig. Klauen mit angedeutetem Basalzaha. Gesamtlänge 11,8 mm; Länge des Prothorax 2,8, der Elytren 7,9 mm In der Sammlung Bkrendt befinden sich — sämtlich mit der Bezeichnung ,,CaUidkim" — fünf Stücke, von denen allerdings nur bei einem die Ober- und Unterseite dem Studium zugänglich ist. Dieses Stück liabe ich daher auch allein der obigen Beschreibung zugrunde gelegt. Die Größe der übrigen schwankt ziemlich stark (zwischen 8 nnd 14 mm). Anfifallend ist jedenfalls die Tatsache, daß sich bei allen Stücken die Antennen als elfgliedrig, nicht zwölfgliedrig herausstellten, soweit eine genaue Untersuchung möglich war. \on murkata weiß man, daß das cf zwölf- gliedrige Antennen hat, während von denen des $ nichts sicheres bekannt zu sein scheint. (Die meisten Stücke in den Sammlungen sind defekt, wie auch das mir vorliegende). Der Befund an den tertiären Nothorrhinen spräche, da ja noch nicht die Hälfte davon ein sicheres Urteil erlaubt, eher für elfgliedrige Antennen des $ (also auch dafür, daß das oben beschriebene Stück ein $ ist), wenn man nicht an- nehmen will, die Teilung eines Antennengliedes in zwei (beim cT) sei eine relativ junge Bildung, was mir indessen weniger akzeptabel erscheint. Die Übereinstimmung der tertiären mit der rezenten Nothorhine ist so außerordentlicli groß, daß die Vermutung nahe liegt, es handle sich hier um eine einfache unver- zweigte Ahnenreihe, die, falls sie vollständig erhalten wäre, keine scharfe Grenze zwischen gramdicollis und murkata zu ziehen gestattete. Die Nothorrhine der Jetztzeit ist eine außergewöhnlich seltene Art, die nur an relativ wenigen, weit voneinander entfernten Orten Europas bis jetzt gefunden worden ist Außer in Österreich ist sie noch mehrfach (das mir vor- liegende Stück wurde bei Berlin gefunden) auf deutschem Boden angetroffen, stets aber in nur sehr geringer In- dividuenzahl. 240 Richard Zaxg: Dieses spärliche Auftreten der N. mnricata in Ver- bindung mit der Tatsaclie, daß N. fjranulicolUs in den Bernsteiuwäldern selir häufig gewesen sein muß, berechtigt zu der Annahme, es liege hier eine im Aussterben be- griffene Art vor, deren völliges Verschwinden höchstens noch das allerdings höchst unwahrscheinliche Eintreten irgendwelcher günstiger Faktoren hintanzuhalten vermöchte. N. mnricata wurde nach Mulsants Angabe einmal in Frankreich unter der Rinde von Kiefern aufgefunden. Diese Lebensweise, die jedenfalls auch schon von ymmdicoUis geführt wurde, erklärt zur Genüge die verhältnismäßig be- deutende Häufigkeit von Inklusen der letzteren. 12. „CaUidium'' VI. Kein Cerambycide. Vermutlich zu den Canthariden oder den Lampyriden (Leuchtkäfern) gehörig. 13. „Super da'' L Ein relativ großes Tier vom Habitus eines Borcadion, aber wohl kaum diesem Genus angehörend. Eine exakte Untersuchung wird durch Trübung und schlechten Schliff des Bernsteins sehr erschwert. 14. „SajJcrda" IL Stark verdecktes und nur selir undeutlich erkennbares E.xenjplar. das vielleicht mit 4 und 5 artgleich sein dürfte, dessen generische Zugehörigkeit aber wie bei den genannten noch der exakten Feststellung bedarf, 15. ^Sajjcrda" HI. Li einem kleinen, hellen Bernsteinstück ist eine durcii den merkwürdigen Bau des Vorderkörpers wie auch die Länge der Antennen in gleicher Vv-'eise ausgezeichnete Art eingebettet: ^^JDorcaschcma'" succincnm sp. uov. Wahrscheinlich cT. — Ein eigenartiger insbesondere durch den zylindrischen Prothorax höchst ausgezeichneter Cerambycide. Seine systematische Stellung in nächster Nähe der nordamerikauischen Gattung Dorcaschcma wird Coleoptera Lomjkornia aus der Berendtschen Bernsteinsammlung. 241 neben den eben angeführten Kennzeichen durch eine Reibe weiterer dokumentiert, besonders durch den Bau des Kopfes lind der Beine. Obwohl die Form der Augen sowie die Behaarung der Antennen und die Dimensionen ihrer (ilieder gegen eine generische Vereinigung mit den bis jetzt bekannten Dorcaschema-Arten sprechen, so halte ich doch eine vorläufige Unterbringung in diesem Genus für ratsam, um einstweilen die vielleicht überflüssige Schaffung einer nenen Gattung zu vermeiden. Kopf \veit vorgestreckt, in der hinteren Hälfte zylin- drisch, annähernd so lang wie der Prothorax und hinten ebenso breit, vorn an den Augen breiter als dieser. Stirn vertikal abfallend, flach konvex. Mundteile der Beob- achtung nicht zugänglich. Augen ziemlich stark vorragend, groß, mit feiner Facettierung, oben am Vorderrande mäßig stark ausgerandet. Innerhalb der Au.srandung die Ein- lenkungsstelle der sehr langen (sicher mehr als doppelt körperlangen) dünnen, fadenförmigen Antennen, von denen nur etwa die Hälfte der einen und die Basalglieder der andern erhalten sind. Ihre Behaarung oben kurz, unten doppelt bis dreimal so lang, vertikal abstehend. Basalglied etwas kürzer als der Kopf, distal mäßig verdickt, Zweites Glied sehr kurz, kaum Vc der Länge des ersten (Uiedes erreichend. Das dritte bis sechste Glied (so weit vor- handen I) fast gleich unter sicii, jedes mehr als doppelt so Jang wie das basale, vom vierten an allmählich (aber sehr wenig) an Länge abnehmend, ebenso wahrscheinlich auch die folgenden vier. Gesamtgliederzahl wohl unzweifelhaft If. Kopf unterseits und auf der schwach konvexen Stirne lang behaart. Prothorax — abgesehen von den unten stark hervor- tretenden VrrdGrhüften — vollkommen zylindrisch, etwas länger als breit, vorn der Form des Hinterkopfes völlig gleichend unl in diesen fast unmerklich übergehend, ohne Spur von Vorder oder Ilinterecken und ohne Andeutung von Seitendornen, auf der Oberseite und außen fein quer- runzelig und anliegend behaart; auf der Unterseite zwischen Coxen und Vorderrand punktiert i:nd mit dichten, abstehenden 10 t 242 Richard Zang: Haaren von der halben Länge des Basalgliedes der Antennen besetzt. Scutellum verdeckt, wie es scheint, länglich eiförmig. Elytren viel breiter als der Prothorax, gegen denselben stark abgesetzt und erhöht, ziemlich konvex, oberseits etwas abgeplattet, mit starken rechtwinkligen, nur wenig ab- gerundeten Schulterecken, dreimal so laug als zusammen breit, bis zum Anfang des letzten Drittels ihrer Länge parallelseitig, hinten jede einzeln spitz zugerundet. Ober- seite nächst den Sutur jederseits mit zwei ganz schwachen, feineu, hinter der Mitte wieder verschwindenden Längs- leisten, die indessen nur bei besonders $?iinstiger Beleuchtung erkennbar wird. Am Ende des ersten und vor dem Ende des zweiten Drittels der Elytren liegt je eine mäßig breite in der Mitte nach vorn zackig vorspringende dunkle Quer- binde, die an der Naht nicht unterbrochen ist. Ob sich diese Binden — wie jetzt von dem bernsteinfarbenen Grund — so auch in Wirklichkeit dunkel abhoben, kann ich nicht sicher feststellen. Ein helles Colorit (etwa gelb oder rot) dieser Binden auf dunkler Grundfarbe wäre immer- hin — als bei Cerambyciden häufig vorkommend — auch hier wohl denkbar; die jetzige scheinbare Dunkelfärbuug müßte dann den Einflüssen der Einlagerung im Bernstein zugeschrieben werden. Die ganze Oberfläche der Elytren (einschließlich der Querbinden) ist gleichmäßig dicht und fein punktiert und kurz anliegend behaart, hie und da mit einzelnen längeren zerstreuten aufrecht stehenden Härchen. Unterseite zum größten Teil durch einen weißen Über- zug verdeckt. Metasteruum fein und dicht punktiert, mit kurzer Tomentierung. Sternite des Abdomens von an- nähernd gleicher Länge, mit dichtem Toment bekleidet, am Hinterrande lang bewimpert. Beine fein behaart, Schenkel lang, seitlich komprimiert, an der Basis dünn, distal ziem- lich stark keulig verdickt, die Hinterschenkel mit ihrer Spitze bis zum Anfange des drittletzten Sternites reichend. Tibien fast von der Länge der Schenkel, dünn, nur wenig flach zusammengedrückt, distal mäßig verbreitert. Gesamtlänge 8,9 mm; Länge des Kopfes 1,3. des Prothorax 1,4, der Elytren 6,2 mm. C(»!eir)tera Lonyicornia aus der Berendtschen Bernsteinsammhin;/. 243 Unikum der Sammlung Berhndt. Ein in hellem Bern- stein gelagertes und deslialb vorzüglich erkennbares Stück, das leider etwas schief liegt und durch ungeschickten (dabei nicht einmal planen) Scldiff einen Teil seiner Artennen Tibien und Tarsen eingebüßt hat. Die Maße konnten sehr ■exakt festgestellt werden, da das Tier der Länge nach hart an der Oberfläche des Bernsteins liegt. Zum Vergleiche lagen mir von den rezenten Vertretern ■der nearktischen Gattung Doyenschema zwei Arten vor: D. Wddii UriL (Penusylvanien) und altennatum Sav (ein cT i aus Kentuky). Meines Wissens gibt es außerdem nur noch eine dritte: nigrum Say. Der tertiären Art am nachten scheint mir aUeiiiaium zu stehen. Ein direkter phylogenetischer Zusammenhang besteht zwischen beiden — wie schon oben angedeutet — nicht. 16-17 „Saper da'' . Diese beiden Exemplare habe ich bis jetzt in der EERENDTschen Sammlung nicht auffinden können. 18. „Lcptura'' I. Eine mittelgroße Stranr/alia, deren nächste Verwandte in der artenreichen (lattung ich durch ein eingehendes .Studium der rezenten Arten noch zu ermitteln hoffe. Dazu gibt — glaube ich — die Bindenzeichnung der Elytreu kaum einen zuverlässigen Anhalt, da gerade die Färbung und Zeichnung sehr der Umgestaltung unterworfen gewesen sein mag und es noch jetzt ist, was wir au vielen Arten nachweisen können. liier eine kurze Charakteristik des Tieres : Strangalla Bcrendtiana sp. nov. Vonder Größe und Körperform der rezenten /Sz^r. rcvcstitaL. Kopf stark geneigt, breit, hinten stark verschmälert. Augen kaum merklich ausgerandet, stark vortretend, rundlich. Muudteile durch einen weißen Belag verdeckt. Antennen elfgliedrig, zwischen den Augen eingefügt, annähernd so lang wie der Körper. Ihr erstes Glied kaum viel dicker 10 t* 244 R- Zang: Cokoptera Longicornia a. d. BerendtscJien Bernsteinsmnnil. als (He folgenden, ihr zweites kurz, das dritte und vierte von der Länge des ersten, das fünfte viel länger, die folgenden allmählich an Länge abnehmend. Prothorax hinten so breit wie die Basis der Elytren, nach vorn stark verschmälert, kurz vor dem Hinterrande schwach eingeschnürt, mit spitzen, nach hinten und außen vortretenden Ilinterecken. Scutellum halbelliptisch, icaum erkennbar in seinen Conturen. Elytren mit etwas vortretenden Schulterecken, mehr als doppelt so lang als an den Schultern zusammen breit, nach hinten stark verschmälert und am Ende jede einxein scharf nach vorn und innen abgeschnitten, überall fein und dicht punktiert und kurz anliegend behaart, mit drei dunklen, unregelmäßigen Querbinden. Die vorderste derselben am Ende des ersten, die zweite am Ende des zweiten und die dritte am Ende des dritten Viertels der Länge der Elytren gelegen, alle, wie es scheint, au der Naht nicht unterbrochen. Unterseite größtenteils verdeckt. Metosternum und Sternite des Abdomens fein behaart. Ersteres besonders hinten mit schwacher, mittlerer Längsrinne. Beine ziemlich lang. Schenkel seitlich komprimiert, distal wenig verbreitert, die hinteren mit ihrer Spitze das Ende der Elytren er- reichend. Tibien dünn und schmal, fast so lang wie die Schenkel, am Ende mit einem Dorn von der halben Länge des ersten Tarsalgliedes. Tarsen nur wenig kürzer als die Tibien. Länge 10.6 mm; Länge des Kopfes 0.9, des Prothorax 8,1, der Elytren 6,6 mm. 19.— 20. „Leptura" II— 111. Beide überhaupt nicht zu den Lougicoruiern gehörig, wahrscheinlich Heteromeren. Unter sich nicht artgleichr vielleicht nicht einmal konirenerisch. Zu Seite 232. J. F. Starcke, Berlin \V. DöNiTz: Über eine neue afrikaniscJie Flierje. 245 Fig-ureiierklänuig'. Fig-. 1. Ndf/iorrhimt murivata Dalm. (Vergr. 4 : I). Fig'. 2. „ (jranulicollis m. (Vergr. 4:1). Fig'. 3. StrcuHjalia lierendtama m. (Vergr. 4:1). Fig. 4. l'oijonocIiacruH ovatus Goeze. (Vergr. 8:1). Fig". 5. „ Jael-eli m. (Vergr. 8: 1). Fig. 6. „Dorcascheiiia^' suecineiim m. (Vergr. 4 : 1). Anmerkung: Bei Fig. 1 sind die Antennen aus pben näher an- gegebenen Gründen nur zehngliedrig ohne Endglieder dargestellt. Herr DÖNiTZ: Über eine neue afrikanische Fliege mit parasitisch in der Haut vou Ratten lebenden Larven, Cor- ■dtßohia mur'mm Üö. In seinen vorläufigen Mitteilungen über die Ergebnisse einer Forschungsreise nach Ost-Afrika (Deutsche Med. Wochenschr. 1905 No. 47) berichtet R. Koch, daß ihm in Morogoro die Nachricht von pestverdächtigeu Erkrankungen der Ratten im Rubeho- Gebirge südlich vou Mpapua überbracht wurde. Nach achttägigem Marsche fand er an 'Ort und Stelle, daß das Rattensterben nicht durch Pest- bazillen, sondern durch parasitisch in der Haut lebende Fliegenmaden bedingt war. Aus diesen Maden hat R. Kocir -die Fliegen gezogen und mir diese sowohl wie 6 in Alkohol aufbewahrte Maden zur Untersuchung übergeben. Schon vielfach sind in Afrika parasitische Maden in Beulen des Menschen und vieler Säugetiere gefunden Avorden, und vor 2 Jahren hat K. Gkuenberg solche Larven in dieser Gesellschaft beschrieben, wobei ihm nicht nur das i\Iaterial des hiesigen zoologischen Museums, z. T. von FüLLEBOUN gesammelt, sondern, auch die von Braukk 1897 beschriebenen Larven vorlagen. Neuerdings hat L. Gedoelst denselben Gegenstand in den Archives de Parasitologie behandelt (1905 Bd. IX, S. 568 ff.), wozu die am Kongo aus dem Arm des Kommandanten Lund entfernte Larve die Veranlassung gab. Zum Vergleich konnte Gedoelst auch die von Blan'Chaud beschriebenen und ihm zur üntersuchuno- überlassenen Larven heranziehen. 246 DÖiNiTz: Während nun Guuexbehg glaubte, die aus Afrika be- kannten parasitischen Muscidenlarveu auf 2 Typen zurück- führen zu können, nimmt Blanchaud deren 4 an; u. zw.- 1. Die Larven vom Senegal. Ver du Cayor ge- nannt, zu Ocliromyia anthropophaga Blaxchard gehörig. 2. Die Larven von Natal, über ganz Süd-Afrika ver- breitet, von Blanchaiid beschrieben, wahrscheinlich zu Bengalia depressa Sciuner gehörig. 3. Die von Brauer und von Gruenberg beschriebenen. Larven aus Deutsch^O st- Afrika, zu Cordjjlohia anthro- pophaya Grünberg gehörig. 4. Die Larve des Kommandanten Lund vom Kongo. Alle 4 Typen sind Muscidenlarveu, die drei ersten aus der Familie der Calliphorineu, die vierte wahrscheinlich zu einer anderen Familie gehörig. Dal3 in dieser Aufstellung zweimal eine Spezies ,,an- thropophaga^' vorkommt, ist dadurch bedingt, daß Grüx- BERG seine Larven und die daraus gezogenen Fliegen für identisch mit Blanchards Ochromijia anthropopliaga hielt, aber glaubte, sie aus dem Genus Ochromi/ia entfernen und für sie ein neues Genus, Cord/jlohia aufstellen zu sollen,. während Blaxchard sie für verschieden hält. Bevor ich auf diese Meinungsverschiedenheit eingehe,. Avill ich erst das mir vorliegende Material besprechen. Ein Vergleich der von R. Kocii aus den Rattenlarven gezogenen Fliegen mit den im Museum aufbewahrten Fliegen Gruenbergs, die von FCeleborx herstammen, lehrt, daß sie zu demselben Genus, also Cord//lobia, aber zu einer anderen Art gehören, die ich Cordylohia mur'mm nenne. Imago. Die Imago ist ein wenig kleiner als Gruenbergs Art. Sechs aus dem Alkohol genommene und getrocknete Stücke, 3 cT iiod 3 ? , haben 9 mm Körperlänge, gegen 8,5 bis 11,5 mm der Gruenberg sehen Art, welche ebenso behandelt ist. Von den noch in Alkohol befindlichen 4 Stücken hat nur 1 cT 10 mm Körperläuge. Von den Augen seiner Art sagt Gruenberg: „Augen des cT vorn grob, an der ijücr eine neue afrikanische Fliege. 247 Peripherie (Scheitel, Wangen und Unterseite) fein fazet- tiert. Übergang zwischen der verschiedenen Fazettieruug allmählich. Beim ? ist dieser Unterschied ebenfalls vor hauden, doch in geringerer Ausdehnung und nicht so deutlich." Bei der neuen Art schien mir dieser Unterschied bei einigen $ sogar noch stärker ausgeprägt zu seiu als beim cT- Die $ haben jederseits 2 Orbitalborsten. Da aber (liiUKNBKKG nur 1 Orbitalborste beim $ in die Clattuugs- diaguose aufgenommen hat, so muß diese entsprechend ge- ändert werden, etwa in der Weise: „Orbitalborstea vor- banden." Die GuuENBEUUsche Art würde danu 1, C. murmm 2 Orbitalborsten haben. Die Farbe der Augen ist au den getrockneten Stücken hell graubraun beim cT, dunkelbraun bis schwarz beim 9; bei einigen ? geht diese Farbe vorn in rotbraun über, doch scheinen diese Stücke nicht ausgefärbt zu sein. Ob dieser Unterschied in der Farbe der Augen der beiden Geschlechter durchgreifend ist, müssen w^eitere Beobachtungen lehren. Die übrigen Gesichtsteile sind hell ockergelb, die Stirn des $ zwischen den Stirnborsten nicht dunkler, brauurötlich, wie bei Gruenbeugs Stücken. Über den schmutzig ockergelben Thorax ziehen von vorn nach hinten 2 breite dunkle, an den Rändern ver- waschene, in der Mitte manchmal zusanmienfließende Längs- streifeu. Das Schildchen hat die allgemeine Farbe des Thorax. Die Grundfarbe des Hinterleibes ist ebenfalls schmutzig ockergelb, aber von einer dunklen bläulich- schwarzen Zeichnung unterbrochen, die in beiden Ge- schlechtern etwas verschieden, aussieht. Beim cT zieht vom 2. Ring an ein paariger dunkler Mittelstreifen nach hinten. Er ist viel schmäler als am Thorax, in der Mittellinie verschmolzen und läßt die Ilinterränder der Segmente, wenn auch nur sehr schmal frei. Die seitliche Zeichnung des Rückens ist quergestellt; auf den beiden ersten Ringen erscheint sie nur als schmaler Strich längs des Hinterrandes, nimmt aber auf dem '6. und 4. Ringe 248 DÖNiTz: fast die ganze Seiteufläche ein, mit Freilassung des Vorder- randes, in individuell verschiedenei' Breite. Auf dem 3. Segment nähert sich hinten der Seitenfleck dem Mittel- streifen und auf dem 4. Segment fließt er öfter mit ihm zusammen. Einzelne Stellen dieser Zeichnung können stärker verdunkelt sein, besonders auf dem 8. Segment. Beim $ fliei3en auf dem 2. Segment die Mittelstreifen zusammen und bilden ein auffälliges, scharf abgesetztes duukles Quadrat, welches mit dem seitlichen Hinterrand- streifen verschmilzt. Der llinterrand selbst ist nur als ganz schmale Linie hell. Der 3. und 4. Ring erscheinen verwaschen blaugrau und lassen nur andeutungsweise die Zeichnung des cT erkennen. Die dunkle Seitenzeichnung des Rückens greift auf die Unterseite über, doch beim c/ in geringerem Grade. Das hintere Körperende ist ungezeichnet. Die Körperzeichnung ist einigem Wechsel unterworfen; so habe ich ein $ in Händen, dessen Hinterleib fast wie der eines cT gezeichnet ist; aber im allgemeinen ist der Dichroismus der Geschlechter recht auffällig. Im Alkohol verwischt sich dieser Unterschied und man erkennt, daß dieselbe Zeichnungsanlage beiden Geschlechtern zugrunde liegt. Die Larve. Die 6 mm lange Larve des 2. Stadiums hat große Ähnlichkeit mit der von Gkuenbeug abgebildeten. Sie ist walzenförmig, nach vorn etwas stärker als nach hinten verschmälert. Daß Gruenbekgs Larve am vorderen Drittel etwas stärker verbreitert ist, beruht auf einem zufälligen Kontraktionszustand, oder ist, wie Gruenbeug vermutet, eine Druckerscheinung. Die Dornen bilden auf rundlicher Basis kleine scharfe, fast schwarze Si>itzen, stehen einzeln und sind ziemlich gleichmäßig ausgestreut. Auf dem 4. bis ß. Segment sind sie am größten, doch sind sie auf dem 3 Segment nicht viel kleiner. Auf den beiden ersten Körperabschnitten lassen sie den Hinterrand frei; und bilden auf der Bauchseite am 2., auf der Rückenseite am 2. und 3. Ring je zwei dreieckige Gruppen, in denen man Vber eine neue afrikcDiixche Fliege. 249 die Figur eines W erblicUeu kann. Einigermaßen ist eine solche Anordnung auch noch an den folgenden Segmenten auf dem Rücken zu erkennen. Die liinteren Stigmenplatten fuhren 2 längsovale, kaum gekrümmte, untereinander parallele Stigmen. Die Richtung der beiden Stigmenpaare divergiert stark nach hinten. Die Fühleranlagen mit den beiden Ocellarpunkten, sowie ein paar Lappen mit bedorntem Rande unterhalb der schwarzen großen JMundhakeu sind schon vorhanden, aber scliwach entwickelt. Nebenwülste sind nicht deutlich zu erkennen, was daran liegen mag, daß die Larve nahe vor der Häutung zu stehen scheint. Die Larven des 3. Stadiums haben 8 —9 mm Länge nnd sind im allgemeinen walzenförmig. Rücken- und Bauchseite etwas flach; Körper vorn deutlich, hinten weniger merklich verjüngt, was aber bei etwas stärker zusammen- gezogenen Stücken nicht immer deutlich zum Ausdruck kommt, wie auch aus den beigegebenen Photographien (Bauch- und Rückenseite) zu ersehen ist Die Bauchseite entspricht gut der von Guuknberg in seiner Figur 2 ge- gebenen Abbildung; vor allen Dingen stimmen die Quer- furchen auf Segment 4—10, (auf 10 deren 2), und die Zwischenwülste am Vorderrand derselben Segmente fiber- ein. Auf der Rückeuseite sind Zwischenwülste nicht aus- gebildet, aber auf denselben Ringen sind je 2 Querfurchen vorhanden; doch scheint manchmal auf Segment 4 und 10 nur eine Furche vorhanden zu sein. Die Bedornung ist eine ganz andere als im 2. Stadium. Die Dornen liegen weniger vereinzelt als in kleinen Quer- reihen, meist zu 3 — 5 Stück dicht nebeneinander, sodaß es fast aussieht, als wären Bruchstücke einer schmalen Band- säge über die Fläche ausgestreut. Manchmal stoßen mehrere solcher Gruppen aneinander und l)ilden dann lange Querreihen dicht gedrängter Zähnchen. Am stärksten entwickelt sind die Dornen vom 4.-7. Segment. Auf- fallend ist die verschiedene Größe der Dornen auf dem- selben Körperabschnitt; zwischen den großen stehen kleinere bis zu sehr kleinen, sowohl einzeln wie in Reihen ge- 250 DÖNiTz: ordnet. Ähnlich ist es auch bei den GRUENBEUGschen Larven, doch ist bei den raeinigen die reilienweise Anord- nung überwiegend. Um über die Dornen Klarheit zu ge- winnen, muß man mikroskopische Vergrölkrungen benutzen, denn erst mit stärkereu Vergrößerungen erkennt man eine große Anzahl sonst nicht sichtbarer, ungefärbter Dornen, besonders auf den hinteren und den vordersten Körper- riugen. Die Stigmen platten sind am Iliuterrande dreilappig gekerbt. Die Stigmeuspalten ähneln denen der Larve von Natal, wie sie Gedoelst abbildet (Fig. G), und unterscheiden sich von denen der GRUENBERGScheu Larven, nur durch etwas stärkere Krümmung. Am Kopf treten die Füliler kräftig hervor; ilire so- genanuten Ocelleupunlvte sitzen auf besonderen kleinen Hervorrcigungen. Etwas tiefer, ein wenig versteckt, liegen unterhalb der iMundhaken zwei Lappen, deren Ilaud ge- kerbt u!]d juit einer Reihe schwarzer Ideiner Dornen be- setzt ist. Aus dieser Beschreibung und den dazu gehörigen Ab- bildungen geht hervor, daß diese Larve der GRUENBERGschen sehr nahe steht, daß aber docli in der Bedornung und in der BibJiiug des liinteren Stigmenapparates Unterschiede bestehen, wie sie bei so verwandten Arten zu erwarten sind. Es würde sich nun fragen, in welchem Verhältnis meine Larve zu der Larve von Natal steht, die Blanchard zuerst beschrieben und Gedoelst von neuem untersucht. hat. Ein Vergleich der Abbildungen zeigt, daß die hinteren Stigmen nahezu übereinstimmen. Die Beschreibung der Bedornung würde wörtlich auf meine Larve passen, w^enn nicht die Farbe verschieden wäre. Bei der Larve aus den Beulen der Ratte sind die meisten Dornen stets dunkel, fast schwarz, bei der Natallarve krystallhell. Diese Bedornung hat Blanx'Hard augenscheinlich als solche garnicht erkannt da er sie als ,.villosites-' bezeichnet. Und tatsächlich ist man auch manchmal geradezu verführt, an das Vorhandensein einer sehr zarten Behaarung zu glauben, besonders wenn das Licht von der Seite auffällt, indem über eine neue afrikanische Flic(je. 251 dann an den scharfen Rändern der Dornen so scharfe- glänzende Lichtreflexe auftreten, daß sie gradezu wie feine Härchen aussehen, wälirend der Dorn als solcher nicht mehr zu erkennen ist. Was nun die Farbe der Dornen betrifft, so finde ich, daß sie bei manchen Larven heller ausfällt als bei anderen, und das trifft nicht nur für die Rattenlarven, sondern auch' für die von Ghuenberg heschriebenen zu. Es wäre aber noch besonders zu untersuchen, ob nicht durch gewisse Konservierungsmittel die. Fache der Dornen gebleicht wird. In diesem Falle wäre auf die Farbe konservierter Larven kein Wert zu legen. Schließlich erwähnt Gedoelst noch, daß der Natal- larve die zwei Reihen Dornen unterhalb der Mundhaken' fehlen, welche von Gruenbek(I angegeben werden und aucli. bei den Rattenlarven vorhanden sind, wie aus der Ab- bildung der Kopfteile zu ersehen ist. Vergleicht man aber meine Figur 3 mit Figur 4 bei Gedoelst, so wird man finden, daß der die Kopf anhänge umgebende Wulst an. letzterer Figur diese Hakenreihen verdecken müßte, auch wenn sie vorhanden wären. Demnach erscheint es garnicht ausgeschlossen, daß auch bei der Natallarve diese Be- dornung vorhanden ist, und es wäre sehr erwünscht, die Larve daraufhin noch einmal sorgfältig zu untersuchen. Die große Übereinstimmung der Larven in den übrigen morphologisehen Merkmalen läßt auch in diesem Punkte eine Übereinstimmung vermuten. Dabei könnte immerhin- eine Artverschiedeuheit bestehen. Entscheidend würde allerdings nur die Imago sein. Wie groß die Unsicherheit in betreff der Spezies ist,, wenn man nur mit Larvenmaterial zu tun hat, zeigt sieb hier in der verschiedenen Auffassung bei Gruenbekg und Gedoelst. Ersterer glaubte die aus Afrika bekannt ge- wordenen parasitischen Muscidenlarven aus geschwürigea. Beulen auf 2 Typen zurückführen zu können, während Gedoelst in diesem selben Material 3 Typen sieht (wozu als vierter Typus noch die Larve von Luxd kommt). Gkuenherg hielt seine Larven für diejenigen der Ochromjia. "252 DöNiTz: anthropopliaga Blanchakd, fiii' welche er ein Deues Geuiis, Cordi/Iohia, schuf. Gkdoelst dagegeu hält die Larven von Blan'Ciiard (Natallarve) und vou Guuenbehg (Deutsch-Ost- Afrlka) für verschieden, und demgemäß auch die Imagines. Deshalb spricht er auch von einer CorchjJdbia anthroj^haga Gruenbekg. Sollte es sich nun iu der Folge herausstellen, daß entgegen Gedoelst doch beide Tiere identisch sind, so würde die Fliege Corclylobia antliroi^opliaga Blanchahd heißen müssen, vorausgesetzt, daß das Genus Cordi/lohia Gruenberg anerkannt wird. Sind aber, entgegen Grüen- berg's Annahme, beide Tiere verschieden, so hat die Art aus Deutsch-Ost-Afrika noch keinen Nainen, und ich schlage vor, sie CordgJohia Gruenhergi zu nennen, vorausgesetzt wieder, daß sie nicht identisch mit Aiichmcromifia (Beugaliu) dcprcssa Walker ist, die Fulleu nach Manxells' Be- stimmung aus Natallarven zog. Biologie. Das Verpuppungsstadium der von R. Koch gezogenen Fliegen dauerte ziemlich genau einen Älouat, bei dem Ver -du Cayor in Guinea währt es nach den Beobachtungen von Le Daxtec und Boye niemals weniger als 19, und niemals mehr als 21 Tage. Obgleich über das Freilebeu der Cordijlobia muriiim noch nichts bekannt ist, kann man sich doch schon eine Vorstellung davon machen, iu welcher Weise sie ihre Eier ablegt. Es finden sich nämlich die von ihr verursachten Beulen immer nur an solchen Körperstellen der Ratten, welche den Boden berühren, also an der Unterseite der Beine und am Bauche. Daraus läßt sich ohne weiteres schließen, daß die Fliege ihre Eier nicht etwa der Ratte in den Pelz legt, sondern sie am Erdboden absetzt, ver- mutlich sogar in den Rattenlöchern selber, wo die aus- kriechenden Larven sicher mit einer Ratte in Berührung kommen und ihr ankriechen können. An welcher Körperstelle das auch sein möge, sie bohren sich sofort ein, ohne sich erst eine etwa besonders passende Stelle zu suchen, denn man findet die Beulen Über eine neue ((frikaniiche Fliege. 253" regellos verteilt, olme Bevorzugung irgeud einer Gegend, Sollte in dieser Weise die Fliege wirklich speziell auf die Ratte augepaßt sein, so wird sie nicht oft Gelegenheit finden den Menschen zu befallen, wie das von Cordi/lolia anthyo2J02)haga Blaschard bekannt ist, die nach Le üantec et BoYE (Compt. Rend. Soc. Biol. 1904. T. 11 p. 602) jetzt in Ckiinea durch die Hunde der beim Eisenbahnbau An- gestelltenweit ins Innere verbreitet wird. Die französischen be- lehrten beobachteten, daß demselben Hunde wochenlang täg- lich 5—6 Stück des Ver du Cayor abgenommen wurden. Die Hunde streuen also sehr viel solcher parasitischer Fliegenlarveu aus und tragen so wesentlich zur Verbreitung- der Fliege bei. Wer sich in Guinea in einer solchen Gegend zwischen April und Oktober zum Ausruhen auf dem Erdboden ausstreckt, muß gewärtig sein, daß ihm ein- mal eine solche Larve ankriecht. Mit Eintritt der Trocken- zeit im Oktober verschwindet die Fliege und tritt erst wieder im März auf. In welcher Weise die Art während dieser 6monatlichen Zwischenzeit aufrecht erhalten wird, ist nicht bekannt. Fig-nreiierkläruns". Flg'. 1. Cordijlohia nnirium Larve im 3. Stadium, Bauchseite. mal. Am Kopfende treten die Füllleranlagen mit den 2 ocellen- artigen Punkten deutlich hervor. Die Mundhaken und bedornten Lappen liegen im Schatten. Man erkennt die eigentümliche Bedornung sowie die Verteilung der Neben- wülste und Querfurchen. An den Seiten sieht man. daß sie durch Längsfurchen noch weiter gegliedert sind. Fig. 2. Dieselbe Larve von der Rückseite. Auf dem letzten Segment, das schräg nach oben abgestutzt ist, erscheinen die beiden Stigmenplatten nur als dunkle Flecke. Meben- wülste sind nicht deutlich vorhanden, wohl aber Querfurchen. Fig'. 3. Kopfteile einer anderen, 8 mm langen Larve aus dem 3. Sta- dium von vorn gesehen. Die Ocellarpunktc der Fühler sitzen auf besonderen kleinen Wülsten. Die schwarzen Mundhaken lassen zwischen sich eine Rinne, die Mund- öffnung, erkennen. Ventral- und seitwärts von ihnen liegen die beiden Lappen mit Randdornen. Fig". 4. Letztes Segment derselben Larve, von hinten gesehen, mit den Stigmenplattcn in einer Vertiefung. Entsprechend den drei Stigmenöff'nungen ist der Hinterrand der Platten drei- lappig gestaltet. Selbst dieses Segment ist noch mit fein gezahnten Chitinplättchen besetzt. 254 Matschie: Vig. 5. Hintere Stigmenplatten einer mm langen Larve im 2. Sta- dium. Es sind nur zwei Spaltöffnungen vorlianden, und diese sind im Gegensatz zu den stark gekrümmten des 3. Stadiums fast geradlinig. Herr MATSCHIE: Eine Robbe von Laysan. Herr Professor Dr. Schaijinsl.\nd, Direktor des Museums für Natur-. Völker- und Handelskiinde in Bremen, hat von einer Reise nach Laysan u. a. eine Robbe nach Europa mitgebracht. Im Bremer Museum ist ein Tier ■dieser Art ausgestopft und aufgestellt worden, außerdem stehen ein Schädel, eine Kopfhaut und die Gesichtsteile zweier anderen Schädel für die Untersuchung zur Ver- fügung. Laysan ist eine kleine Koralleniusel, nordwestlich der Sandwich-Inseln und deutet eine Bergspitze im westlichen Teile desselben ehemaligen (iebirgszuges an. dem auch Oahu, Kauai und Hawaii zugehören. Das Fehlen des Caualis alisphenoideus, der tiefen hinteren Furche an den mittleren oberen Incisivi, des Processus postorbitalis und äußerer Ohren, die nach hinten gestreckten Pliuterbeine, deren Außenzehen viel stärker als die Innenzeheu sind, und die behaarten Fußsohlen der hier vorliegenden Robbe zeigen, daß wir es mit einer zu den Phocklac gehörigen Form zu tun haben. Es sind in jedem Intermaxillare nur zwei Incisivi vorhanden und die Nasen- kuppe ist behaart. Die Laysan -Robbe gehört also zu den Monachüute. Die Molaren von Lohodon und Ogmorhimis sind läppen - förmig ausgezackt und ihre mittlere Spitze ist nach hinten gekrümmt, die äußeren oberen Incisivi von Lej)tou//chofcs sind meiir als doppelt so laug wie die inneren und seine Nasalen sehr kurz; bei allen drei Gattimgen und bei Ommatojjhoca haben die äußeren oberen Incisivi eine viel größere Höhe als die INlolaren, bei allen, außer Lohodon ist das Palatum am inneren Alveolenrand des letzten Molars nicht doppelt so breit wie au demjenigen des ersten. Alle diese Merkmale treffen für die Lavsan-Robbe Zu Seite 245. /. y\i Fig. 1. m # Fiff. 4. "0 ^ iMQ-. b. / Fis. 2. J. F. Staivke, Keiliii W Eine liuhbe von Layscm. 255 nicht zu. Ihr Schädel UDterscheidet sich abei' von dem Schädel des Lohodon au Bei' durch die nicht ausge- zackten lländer der Molaren und die niedrigeren äußeren oberen Incisivi dadurch, daß die Interniaxillaria die Nasalia berühren und daß das obere vordere Ende des Jugale sich über dem letzten Molar und über dem Foramen infraorbitale mit dem Maxillare verbindet. Nun ist noch eine letzte Gattung der Monach/uac be- kannt, Mouachiis selbst. Der Schädel der Laysan - Robbe unterscheidet sich von solchen des Monachns aus dem Mittelmeer und von Madeira durch folgende Merkmale: 1. Das Jugale verbindet sich mit dem Älaxillare über dem letzten, aber nicht über dem vorletzten Molar. 2. Die den Unterrand des Foramen infraorbitale bil- dende Kuochenbrücke erscheint von vorn gesehen schmaler als der vom Ramus lacrymalis des Jugale und dem Processus zygomaticus des Maxiliare gebildete obere und äußere Rand dieses Foramens, während bei Monaclms das Gegen- teil der Fall ist. 3. Die mittlerer, oberen Incisivi berühren sich, sind aber von den äußeren durch einen kleinen Zwischenraum getrennt; bei Monaclms stehen sie weiter von einander als von den äußeren. -I. Die Nasalia von Monaclms sind am vorderen Ende der Sutura nasalis winkelig eingeschnitten und haben einen zweiten, aber kleinen Einschnitt an ihrem freien Ende in der Nähe der Intermaxillaria; die Nasalia der Laysan- Robbe bilden am vorderen Ende der Sutura nasalis mit einander einen spitzen Winkel und haben an ihrem freien Ende jederseits in der Nähe der Sutura einen rechtwink- ligen Einschnitt. 5. Die Sutura naso-maxillaris verläuft schwach S- förmig, die Sutura fronto- nasalis fast geradlinig und ist nur am vorderen Ende etwas eingebogen; die letztere ist so lang, wie die Sutura naso-maxillaris und naso-inter- maxiliaris zusammengenommen, bei Monaclms verlaufen beide Suturen von den Intermaxillaren an bis zur Incisura nasalis der Ossa frontalia fast ohne die Richtung zu ver- 256 Matscuie: änderü und die SuUira fronto-nasalis ist kürzer als die vei'eini<;te Länge der Sutura naso-maxillaris und naso-inter- inaxillaris. 6. Bei der Laysan-Robbe sind die Nasalia in ihrer größten Lcäuge länger als ihre Entfernung von dem Ah eolar- rande der Intermaxi Ilaria und ebenso laug wie die kürzeste Entfernung der Foramina infraorbitalia von einander, bei Moimchiis aber kürzer. 7. Das ÄJaxillare der Laysan-Robbe besitzt am voi-- deren Augenrande keinen deutlichen Höcker; bei Mouachns tritt ein solcher stark hervor. 8. Die Frontalia der fraglichen Form sind am vor- deren Teil auf der Oberseite flach, bei Monachiis aber ge- wölbt, sie haben an der Ala temporalis ossis spheuoidei einen hervoitretenden spitzen Höcker, der den Monachiis- Schädeln fehlt. 9. Die Linea nuchalis superior ossis occipitis bildet bei dem Laysan-Schädel ungefähr einen rechten Winkel, bei Mointchns ist sie nach vorn breit abgerundet. 10. Die Sutura fronto-maxillaris ist bei dem Laysan- Schädel kürzer, bei Monachiis länger als die Sutura naso- maxillaris. 11. Die größte Schädellänge verhält sich zur Breite des Schädels, an dem oberen Rande des Meatus auditotius gemessen, bei Monachiis wie l,7ß : 1, bei dem Laysan- Schädel wie 2:1. 12. Die äußeren Incisivi und die Molaren der Laysan- Robbe haben im allgemeinen dieselbe Gestalt wie die Zähne von Monachus, aber die Kronen sind viel niedriger, so daß alle Spitzen stumpfer erscheinen. Die Höhe der größten oberen Molaren übei" dem Cingulum, an der Außen- seite gemessen, beträgt weniger als 5 mm bei den Laysan- Schädeln, mehr als ß mm bei den 3Ionachns, die Plöhe der äußeren oberen Incisivi bei ersteren unter 8 mm, bei letzteren über 10 mm. 13. Bei der Laysan-Robbe ist die lucisura palatina nur duj'ch seichte Gruben leicht angedeutet, bei Monachus als tiefe durch einen Damm in der Mitte geteilte Grube ausgebildet. Eine Hohhe aus Laijsan. 257 14. Die Foramina palatiua sind bei beiden Formen verschieden. Bei der Laysan-Robbe liegt eines jederseits dicht an der Sutura palato-maxillaris ventralis, ein zweites hüclistens 10 mm davor und von diesem erstreckt sich ein langer tjulcus palatinus nach vorn; bei den Monachus- Schädein liegt das vordere Foramen mindestens 14 mm von der Sutura palato-maxillaris entfernt, der Sulcus ist Jvurz und zwischen dem vorderen Foramen und der eben genannten Sutura verläuft eine Naht. 15. Das Os palatinum ist an der Stelle der Spina nasalis posterior bei Monaclms aus dem Sechstel eines Kreises spitzwinkelig ausgeschnitten, bei der Laysan-Robbe bildet der freie Palatalrand einen parabolischen an der Spina zu einer kurzen, die Sutura palatina wenig ver- breiternden Spitze erweiterten Bogen. 16. Die Naht zwischen dem Sphenoidale anterius und posterius liegt l)ei dem Schädel der Laysan-Robbe neben dem oberen Rande der Sinus pterygoidei, bei Monaclms fast auf halber Höhe dieser Öffnungen. Eine Vergleichung mit Abbildungen ') des Schädels von M. tropicalis (iRAy, der einzigen sonst noch be- schriebenen Art dieser Gattung, die zwischen Westindien und Yucatan lebt, belehrt uns, daß der Laysan-Schädel in folgen- den der oben betrachteten Merkmale mit ihm überein- stimmt: No. 1, 3, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12. 13, 14. 16. Da- gegen ist der westindische Schädel in dem Merkmal No. 5 dem MonacJius ähnlich und er hat außerdem zwei ihm eigen- tümliche Kennzeichen. Der freie Vorderrand der Nasalia bildet einen flachen Bogen, einen Kreisausschnitt, dessen Mitte zwischen den Nasalia und dem Alveolarrande der Intermaxillaria liegt; der freie Rand des Os palatinum stellt einen spitzen Winkel dar. Das Merkmal No. 2 läßt sich an den Abbildungen nicht vergleichen. ') Pübl. Field Columbian Museum. Zoological Series IV, Part IL Tho Land and Sea Mammals of Middle America and the West Indies by I). G. Elliot. Chicago 1904, 542, Taf. LYI— LIX. lU-ft 258 Matschie: Außerdem erscheint bei dem Laysan - Schädel der Vorderrand des Processus zygomaticus ossis temporis viel breiter als der Processus temporalis ossis zygomatici (in der Richtung der zwischen dem Processus orbitalis des Jochbogens und dem Processus zygomaticus des Schläfen- beins verlaufenden Naht gemessen), bei M. tropicalis kaum so breit. Dieser Processus zygomaticus ist an dem hinteren Ende des Jochbogens bei dem fraglichen Schädel viel schmaler, bei M. tro/jicalis ebenso breit wie am Processus orbitalis des Jochbogens. Die Hamuli ossis pterygoidei sind bei M. tropicalis breit und verhältnismäßig weit nach außen gebogen, sodaß sie an dem von oben gesehenen Schädel deutlich hei'vor- treten; bei dem Laysan-Schädel sind sie allerdings auch nach außen gebogen, im Gegensatz zu dem Momichiis des Mittel meers, aber doch so niedrig, daß sie sich über den Rand der Schädelbasis kaum erheben. Die pars mastoidea ossis temporis ist bei letzterem und dem Laysan-Schädel mehr als halb so breit wie die Bulla ossea in der größten Breite gemessen, bei M. tropicalis aber weniger als halb so breit. Der Schädel der Laysan Robbe ist also demjenigen von Monaclms tropicalis ähnlicher als von M. monachus oder, wenn es sich um eine besondere Form der Madeira- See handeln sollte, M. atlauticiis; er unterscheidet sich aber von ersterem in einigen wesentlichen Merkmalen. Da die westindische Robbe bisher zu der Gattung Monachus ge stellt wird, so muß man auch die Laysan-Robbc als Monaclms bezeichnen. Ich schlage für diese Art, um ihren Entdecker zu ehren, den Namen Monachus schauinslandi vor. Monachus war bisher nur aus dem Atlantischen Welt- meer im Bereich der Nordpassat-Trift und aus dem Mittel - meer bekannt; nun ist die Gattung auch im Pacifischen Weltmeer und zwar ebenfalls im Bereich der Nordpassat- Trift festgestellt worden. Eine mir zur Vergleichung vorliegende Kopfhaut hat sehr kurzes, dichtes und starres Haar von Lehmfarbe mit Eine Holihe von Laysan. 259 seidigem Glanz. Die Lippen sind gelbgrau, auf der Vorder- seite des Halses etwas bräunlich. Die meisten Bartborsteu, .sind hellhornfarbig, einzelne dunkelbraun, alle sehr dünn- spitzig. Die Körperseiten des im Bremer Museum ausgestoi)ften Tieres sind heller als der Rücken, die Brust und der Bauch weißlich. Peinige der wichtigsten Schädelmaße, bei denen ich die Ton Thomas in der Proceedings of the Biological Society •of Washington XVII, 191 — 196, 1905 eingeführten Messungen verwende, sind fol^-ende: Basal länge: 3asilarläD2;e: 252 mm 241 mm -Condylobasallänge: 265 mm >Condylobasilarlänge: 255 mm katzeii. 2ß9^ Shnla patas Schukkek, ^veil auch Sciirkbeu sich auf' BuFFON und Pensant bezieht. 8. Simia rtifa SciiUEiiEU , Die Säugthiere , 1804, Taf. XV[, B. Diese als Supplement ausgegebene Tafel stellt einen orangeroten Husarenaffen mit weißgrauen Vordergliedmaüeo, Unterschenkeln und Füßen dar. Die Nase ist hell mit einem mittleren dunklen Längsstrich. Über den Augen befindet sich eine schmale schwarze, darüber eine sciimale weiße Stirnbiude. Die Lippen, die Wangen und das Kinn sind weiß. Der Schwanz ist ungefähr so lang wie der Rumpf und hat eine dunkelgraue Spitze. Der Rücken ist heller als bei j;«^««, mehr orangefarbig. Ein sehr ähnlicher Affe ist von F. Cuvier in der Ilistoire Naturelle des Mammiferes von Geoffroy, St. Hil.aire und F. Cuvier als Pcitas ä bandeau blanc. ^Lile adult abgebildet und beschrieben worden. 4. Ccrcojjithccus pijt'ronottis Hemprich und Ehrenbero. Verhandlungen der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin. L 1829, p. 407. „Cercopith. cute corporis ubiquo nigra exceptis pal- pebris fusco-carneis, scroto caeruleo-viridi et ani parte nu- da cinnabarina. Dorsum, latera, capitis caudaeque regio superior hirsutie aureo-rufa; macula triangularis frontis intensius rufa nigro-fusco marginata; auti- brachia, tibiae, latera capitis, gula et venter caudaeque latus inferius alba. Facies nigra nuda, naso pilis albis densius, labiis rarius obsitis. Ein aus Cordofan stammendes sehr scliönes männ- liches Exemplar dieses Affen, welches wir im Dezember kauften, habe ich lebendig mitgebracht." In den Symbolae physicae, I, p. hh bis 11 wird dieser Affe 1832 als Coxopithccus pijrrlwnotus beschrieben und auf Tafel X abgebildet. Das Originalexemplar wird unter der Nummer 91 im Berliner Zoologischen Museum aufbewahrt. Auch in der Ilistoire Naturelle des Mammiferes von Geoffroy St. HiFvAire und F. Ccvieu findet sich eine schöne Darstellung' des Tieres nach dem Leben unter denk ■210 Matsciiie: jSTameii „Nisnas". Die Vaterlaudsaugabe „üarschakie" bei Lksson uud Rkiciiknbacii ist auf flüclitige Beüiitziing der Original beschrei billig zurückzAi führen. Dort wird nur au- gegeben, daß Ccrc. salacits in Dar Schaliie gefunden sei. 5. Cercojjithccus poliophacus Heuglin, Petermauns geo- :graplüscbe Mitteilungen, 1861, Heft 1, p. 13 ist ein Nomen nudum. Die betreffende Stelle lautet: „C. ruber Linn., C. pi/rrhonotns Ehrexb. und eine .prachtvolle Meerkatzenart, die ich am Weii3eii Nil uud in -Fazogl entdeckte, C. poliophaeus Heugl., kommen im nord- östlichen Afrika vor, meines Wissens aber nicht im Küsten- land des Roten Äleeres. Erst Reicenach hat diesen Affen beschrieben: Cercopitlicms poliophaeus v. Hia'GLix bei Reiciikxhach. Die vollständige Naturgeschichte der Affen, Dresden und Leipzig, 1863, p. 122-123, Taf. XXI, Fig. 309. Der graumähnige Patas. Gesicht schwarz; vom Auge .zieht sich ein gleiciifarbiger Streif jederseits neben der Stirn in die Höhe; Oberkopf, Rücken und Seiten bis auf • die Außenseite des Hinterschenkels und der ganze Schwanz rötelfarbig; Backenbart, ganze Unterseite und Innenseite -der Beine, sowie auch die Außenseite der Vorderarme und Unterschenkel nebst allen vier Händen weiß, Schultern mit rauchgrauer ]\Iähne. Länge von der Nasenspitze bis zum Schwanz 26", Schwanz 24". — Über ihn ist bis jetzt .noch nichts veröffentlicht, v. Heuglix erhielt vor mehreren Jahren ein lebendes vierjähriges Männchen aus Fazogio, welches er während 5 Monaten beobachten konnte, dies list das abgebildete Tier. Später erhielt er noch ein Fell aus dem Ketsch-Negerlande von Bahr el Abiad, ohne weitere Notizen. Neuerlich kaufte v. IL noch ein einjähriges Männchen in Cairo, welches den früheren beiden Exemphiren bis auf die Jugendnierkmale vollkommen glich und dalier die Spezies als eine eigene außer allein Zweifel setzte. Das junge Tier war ebenso groß als die anderen und unter- schied sich von diesen nur durch etwas mattere Färbunsr. liin'uje annclteinend neue Meerlccifzcn. 271 Das Gesicht war vollkommeu schwarz uud der weiße Bart zeigte sich als zarter Flaum. Die Gesäßscliwielen sind bei dem alten Tiere schön rosarot, bei dem jungen nur gelblich fleischfarbig; das Skrotum bei den Alten ist prachtvoll blaugrün und himmelblau, bei dem Jungen nur mit einem Anflug dieser Farbe. Nach FrrziNGEii (Sitzb Akad. Wissensch. Wien Ll\'. 1. Abt. Dezember 1866, p. 4) wird das Original-Exemplar im Wiener Museum aufbewahrt. Er hebt die dunkel- braunrote Färbung der Oberseite des Schwanzes hervor im Gegensatz zu C. ruber, wo selbst bei alten Tieren diese immer matt rötlichgelb von der Farbe des Oberkörpers ist. Das in Cairo gekaufte Tier stammt vom Bahr el Abi ad. Heuglin erwähnt (Reise in Nordost-Afrika, 11. 1877, p. 5—6), daß er diese Meerkatze iu den Ebenen zwischen dem Kir und Kosanga-Fluss öfter zu beobachten Gelegenheit hatte. Er schlägt für die unpassende Benennung C. polio- pliaeus den Namen C. pollolophiis vor und betont als Unter- schiede dem C. pyrrJionotus gegenüber den wallenden, langen, grauen Mantel, das schwarze Gesicht, den deutlichen weissen Bart auf der Oberlippe, die dunkelpurpurbraunrote Behaarung der Oberseite des Schwanzes, die safrangelben Kranzhaare der lebhaft spaugrünen bis türkisblauen Geschlechtsteile und die rosenroten Gesäßschwieleu. 6. Ccrcopüliccus circumcinctus Reichexbach. Die voll- ständige Naturgeschichte der Affen, Dresden und Leipzig, 1863, p. 123, Taf. XXI, Fig. 310. Patas mit schwarzem, weiss eingerahmten Gesicht. Rötel- farbig," Stirnband und Umgebung um das schwarze Gesicht und Kinn, sowie die Unterseite und die Innenseite der Gliedmaßen weiß. — Befand sich im Jahre 1830 hier lebendig. Wahrscheinlich aus dem westlichen Afrika. Von diesen 6 Artbeschreibungen beziehen sich die ersten beiden auf dieselben Quellen; fiimia jjatns Schreher ist die ältere Bezeichnung und Shnia rubra Gmelix wird dazu synonym. 272 Matsciue: Schwarzuasig sind: 2wtas, poliophaeiis und circumcinctus; riifus hat eine weiße mit schwarzem mittleren Längstiich gezierte Nase und bei jJi/rrJionofns ist die Nase weiß. Der Jkoma Affe hat eine weiße Nase wie pi/rrhonotus und folgende Merkmale: Er ist ein fast ausgewachsenes Weibchen, dessen oberer letzter JMolar schon fast die volle Höhe erreicht hat. Die Nase ist weiß. Auf der Mitte des Nasenrückens stehen einige wenige schwarze Haare. Die Gegend über den Augen ist leider bei dem vorliegenden Fell faul; man erkennt aber deutlich, daß keine schwarze Stirnbinde vorhanden gewesen sein kann, vielmehr die Haare über den Augen eine helle Färbung haben. Eine weiße Binde zieht sich vom Auge zum Ohr. Die Stirn ist ockerfahl behaart. Der Rücken und die Außenseite der Oberschenkel sind wein- rötlich zimmetfarben, also sehr liell und fahl rot, nnd auf der Rückenmitte etwas dunkler, bräunlicher, weil dort die Haare kurze dunkle Spitzen haben, an den Körperseiteu mehr zimmetfarbig, weil dort die obere Hälfte der Haare einen gelbliclien Ton zeigt, und auf den Obersclienkeln sowie auf der Oberseite des Schwanzes noch eriieblich heller, fast ockerfahl. Die Unterschenkel, Schultern, Oberarme, Unterarme, Hände, Füsse und die Unterseite des Schwanzes sind weißgrau, die Halsseiten bis hinter die Ohren, die ganze Unterseite und Innenseite der Gliedmaßen, das Kinn, die Kehle und die Wangen sind weil.l mit ganz geringer grauer Tönung. Länge des Rumpfes vom Hiuterrande des Ohrs bis zur Schwanzwurzel: 42 cm; von der Nasenspitze zum Hiuter- rande des Ohres: 12 cm; Länge des Schwanzes bis zur Spitze der längsten Schwanzspitzenhaare: 47 cm. Herr Oberleutnant Baumstark hat folgende Angaben über diesen Affen gemacht: — ..Name in Kischaschi: ,,Ajame." Er lebt fast aus- schließlich in der Buga und klettert nur selten auf Bäume. Die Geschlechter sind schwer zu unterscheiden, da die männlichen Geschlechtsteile in der Bauchhöhle liegen. Alte Einige anscheinend neue Meerkatzen. 278 Weibchen haben ein weißes Gesicht, während bei den Männchen das Gesiclit schwarz ist. Tn lUoma gibt es nach Anssagen der Eingeborenen nur 2 Herden von je 15—20 Stück. In der Gefangenschaft werden diese Tiere schnell zahm und zutraulich." — Der Husarenaite von liionia Icann nur mit pyrrlionotiis und rufns verglichen werden, weil nur diese beiden Arten eine weiße Nase besitzen. Erythrocehns j^i/rrhonotKS ist aber viel dunkler, hat ein lebhaft rotes dreieckiges Feld auf der Stirn und keine weiße Binde zwischen dem Auge und Ohr. Von dieser Art unterscheidet sich der Hioma-Affe ebenso wie von rvfus dadurch, daß die Oberschenkel viel heller als der Rücken gefärbt ist und daß der vordere Teil der Stirn nicht dieselbe Färbung wie die Rückenmitte hat, sondern viel blasser gezeichnet ist Im Schädelbau zeichnet er sich durch autfallend schmales Gesicht aus. Ich nenne diesen Affen Erytlirucihus bamnstarki spec. nov. zu Ehren des Entdeckers. Die in Togo, Westafrika, lebenden Husanmafifen habe ich früher für Erijthrocclms patas gehalten. Nach sorg- fältiger Durchmusterung der im Berliner Museum auf- bewahrten Felle und Schädel hat es sich herausgestellt, daß innerhalb der Grenzen von Togo drei sehr verschiedene Husarenaffen leben. Eine Art, die ich vorläufig als Simia rttfa Sch[{EBek bezeichnen möchte, ist von Herrn Hauptmann Thieuuy weit im Innern in der Nähe der Wasserscheide gegen die Niger- zuflüsse bei Tapong unter 11** n. Br. in 2 Exemplaren, einem ganz jungen und einen nicht ganz ausgewachsenen $ erlegt worden. Sie ist weißnasig mit einem schmalen schwarzen Strich zwischen den Augen bis zur Stirn, hat keine deutliche Stirnbinde, weißgraue Oberarme, Unterarme, Hände und Füße, ebenso gefärbte Unterseite des Körpers und Schwanzes Innenseiten der Gliedmaßen, Wangen, Kinn und Kehle. Der Oberkopf, Rücken und die Oberseite des Schwanzes sind fast rein orangerot, die Stirn etwas dunkler als der Rücken. lOftt 274 Matschie: Eine zweite Art ist mir nach 3 jungen Tieren Yom westlichen Togo aus der Umgebung von Kete Kradji be- kannt geworden, woher sie in den Berliner Zoologischen Cxarten gelaugt sind. Bei ihnen sind folgende Teile schwarz: die Nase, ein schmaler Strich von der Nase zur Stirnbiude, diese selbst bis zum Ohr, der Schnurrbart und die Unter- lippe. Der Backenbart ist schwarz meliert und zeigt namentlich nach den nackten Teilen des (Jesichtes zu sehr starke schwarze Beimischung. Der Scheitel ist drachen- blutrot (RiDGWAY, IV, 8), der Rücken zimmetrot mit hellen ziemlich laugen Strichelchen besäet. Die Oberschenkel haben die Farbe des Rüclat((S und den anderen Arten. Diesen Affen nenne ich zu Ehren seines Elntdeckers, des jetzigen Gouverneurs von Togo, Graf vox Zkch, Ery- throcehiis zechi spec. nov. Eine dritte Art des Ilusarenaffen ist mir von Sokode durch Herrn Dr. Keusting uud von Fasaü im Mono-Quell- gebiet durch Herrn Graf von Zkch in 5 Tieren bekannt geworden. Er ist schwarznasig wie der Volta-Atfe, iiat aber einen weißen Schnurrbart, weiße Unterlippen, und orangeroten fein hell