^ A V /[^ HARVARD UNIVERSITY \ jlyi TJS t / LIBRARY OF THE MUSEUM OF COMPARATIVE ZOÖLOGY vi' ./c c) //.1:Ä ., ^-r \9 gi '■/'/-i K*S,_- . <>-< -v^F- 7 >:v \J- cCCtJyc^^u^y' «^^'.^ Übersicht der Thätigkeit der EISC«»RUCB «EfflBHSBIG S5C VON BÖHMEN Yom J. 1864 bis zum J. 1890. S: VON Prof. Dr. K. KORISTKA. ARCHIV DER NATURWISSENSCHAFTL. LANDESDURCHFORSCHUNG VON BÖHMEN. (VIII. Band, Nro. 1.) S»)f« IN ■r'-^ -^m -'^^m^- P R A G. In Commission bei FR. RIVNÄC. 1891. ■^m i!V ^ .-^ ^^ -CT -^;*.:.; ^x ^^2 -— ^^ DAS ARCHIV für die naturwissenschaftliche Landesdurchforschung von Böhmen I. bis V. Band : Redaktion von Prof. Dr. K. Kofistka und Prof. J. Krejci, VI. Band u. s. w. : Redaktion von Prof. Dr. K. Kofistka und Prof. Dr. A. Fric, eolliält fölgeode Ärbeiteo: EFtSTER, BANO. I. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung und zwar: ojDas Terrain und die H öh en v er h ältni s s e des Mi', telgebirges und des Sandsteingebirges im nördlichen Böhmen von Prof. Dr. Karl Kofistka. b) Erste Serie gemessener Höhenpunkte in Böhmen (Sect.-Blatt II.) von Prof. Dr. Kofistka. cj Höhenschichtenkarte, Section IL, von Prof. Dr. Kofistka. Preis fl. 4* — Preis der Karte app fl. 1"60 II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. Dieselbe enthält: a) Vorbemerkungen oder allgemeine geologische Verhältnisse des nörd- lichen Böhmen von Prof. Johann Krejci. 6j Studien im Gebiete der böhm. Kreideformation von Prof J. Krejci. c) Paläontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der böhm. Kreideformation u. s. w. von Dr. Anton Fric. d) Die Steinkohlenbecken von Rad nie, vom Hüttenmeister Karl Feistmantel. Preis fl. 4-50 HI. Die Arbeiten der botanischen Abtheilung. Dieselbe enthält: Prodromus der Flora von Böhmen von Dr. Ladislav Celakovsky. (I. Theil.) Preis fl. !•— IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthält: a) Verzeichniss der Käfer Böhmens vom Conservator Em. Lokaj. bj Monographie der Land- und Süsswassermollusken Böhmens vom Assi- stenten Alfred Slavik. c) Verzeichniss der Spinnen des nördlichen Böhmen vom Real-Lehrer Emanuel Barta. Preis fl. 2" — V. Chemische Abtheilung. Dieselbe enthält: Analytische Untersuchungen von Prof. Dr. Hoffmann. Preis 25 kr. Preis des ganzen I. Bandes (Abth. I. bis V.) geb fl. 9* — Z AV EITEFfc BAND. Erster Theil. I. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung und zwar: ajDas Terrain und die Höhenverhältnisse des I s e r- und des Riesen- gebirges und seiner südlichen und östlichen Vorlagen von Prof. Dr. Karl Kofistka. b) Zweite Serie gemessener Höhenpunkte in Böhmen (Sect.-Blatt III.) von Prof. Dr. Kofistka. c) Höhenschichtenkarte, Section III., von Prof. Dr. Kofistka. rf) Höhenschichtenkarte des Riesengebirges von Prof. Dr. Kofistka Preis dieser Abtheilung fl. 4-50 II. Die Arbeiten der geologischen Abtheiluug. I. Theil enthält: n) Prof. Dr. Ant. Fric: Fauna der Steinkohlenformation Böhmens. b) Karl Feistmantel: Die Steinkohlenbecken bei Klein-Pf ilep, Lisek, Stilec, Holoubkow, Mireschau und Letkow. c) Jos. Vala und R. Helmhacker: Das Eisensteinvorkommen in der Gegend von Prag und Beraun. fZj R. Helmhacker: Geogno stische Beschreibung eines Theiles der Gegend zwischen Beneschau und der Säzava. Preis fl. 4* — ÜBERSICHT DER THÄTIGKEIT der mmm Intb a m Bö n vom J. 1864 bis zum J. 1890. Von Prof. Dr. K. KORISTKA, ARCHIV DER NATURWISSENSCH. LANDESDURCHFORSCIIUNO VON LuIlMEN. Vm. Band No. 1. PRAG. In Commissiou bei Fr. Rivnäc. — Druck vou dr. Ed. Gregr. 1891. a) Organisation der beiden Comit^'s. Im ersten Jahresbericht, welcher das Comit6 für die naturwissenschaftliche Landesdurchforschung von Böhmen herausgab *) ist die Gründung dieser Institution erzählt, welche sich dadurch vollzog, dass nachdem die vorbereitenden Schritte hiezu von einigen Männern der Wissenschaft in den Jahren 1862 — 63 geschehen waren, die damals noch wirkende k. k. patriotisch-ökonomische Gesellschaft, so wie die Gesellschaft des böhmischen Museums jede eine gleiche Anzahl von Mitgliedern wählte, welche zwei Comitö's zu bilden hatten, deren Aufgabe die naturwissen- schaftliche Durchforschung von Böhmen sein sollte. Das eine dieser Comitö's (das Directions-Comit6) hatte die administrative und ökonomische Leitung, das zweite (das Durchforschungs-Comitö) die wissenschaftliche Leitung und die eigentliche Durchforschung zu besorgen. Am 29. Mai 1864 hatten sich die beiden Comitö's unter dem Vorsitze des Grafen Albert Nostitz constituirt und begannen ihre Wirk- samkeit, welche bis zum heutigen Tage fortdauert. Die Organisation dieser ganzen Institution hat sich als eine zweckmässige bewährt, indem insbesondere dadurch, dass die ökonomischen Angelegenheiten von den wissenschaftlichen getrennt und einem besonderen Comitö (dem Directionscomitö) zugewiesen wurden, Streitfragen ökonomischer Natur im wissenschaftlichen Comit6 nicht entschieden wurden, und daher auch keine Veranlassung zu dauernden Differenzen unter den Mitgliedern des letzteren geben konnten, wie dies sonst in derartigen Insti- tutionen so häufig vorkommt. Und in der That sind später auch in anderen Ländern ähnliche Einrichtungen in's Leben gerufen worden, welche sich unser Statut zum Muster genommen haben. Das Directions-Comite führt die Leitung des Unternehmens, repräsentirt dasselbe nach Aussen, hat die Geldmittel zu beschaffen und beschliesst über die Verwendung derselben nach den Anträgen des Durchforschungs-Comit6. Dieses Di- rections-Comite bestand ursprünglich aus den jeweiligen Präsidenten der obenge- nannten zwei Coi'porationen, im J. 1864: die Herren p. t. Albert Graf Nostitz und Heinrich Graf Clam - Martinitz, imd aus je drei bis auf Widerruf ge- *) Erster Jahresbericht über die Wirksamkeit der beiden Comite's für die naturwissen- schaftliche Durchforschung von Böhmen im J. 1864. Prag in Commission bei Franz ßivnäc 1865. Zweiter Jahrbericht, ebendas. 1867. wählten Mit.LiUedem derselben, und zwar delegirte die k. k. patriotisch-ökonomische Gesellschaft die Herren Prof. Dr. Josef Lumbe, Advokat Dr. Johann Kiemann und Wirtschaftsrath Anton Körners, die Geselschaft des böhmischen Museums aber die Herren Prof. Dr. Karl Koristka, Prof. Dr. Johann Purkyne und Prof Dr. Wenzel Tomek zu Mitgliedern dieses Directions-Comitö. Zum Geschäftsleiter desselben wurde Prof. Koristka gewählt. Das Dwchforsclmngs-Comitc hat die Details der Landesdurchforschung zu berathen und dieselbe unmittelbar durchzuführen, entweder durch seine eigenen Mitglieder oder durch Mitarbeiter, welche mit der Lösung bestimmter Aufgaben vom Durchforschungs-Comit6 betraut werden. Das Durchforschungs-Comitö besteht aus zwölf Mitgliedern. Die ersten zwölf Mitglieder wurden vom Directions-Comitö gemeinschaftlich mit dem vorbereitenden Comite gewählt. Es waren dies folgende Herren : Dr. Ladislav Celakovsky, Museums-Custos, Dr. Anton Fric, Museums-Custos, Prof. Dr. Robert Hofmann, Prof. Dr. Eberhard Jonak, Wirthschaftsrath Anton Komers, Prof. Dr. Karl Koristka, Prof. Dr. Vincenz Kosteletzky, Prof. Dr. Johann Krejcl, Dr. Johann Palacky, Prof. Dr. Johann Purkyne, Oberforstmeister Ludwig Schmiedl, Prof. Karl Zenger. Zum Vorsitzenden dieses Comitös wurde Purkyne, zum Secretär Fric gewählt. Zur Redaction der wissenschaftlichen Publicationen wurden Koristka und Krejcf gewählt. Für die Folge trat alljährlich ein Drittheil der Mitglieder des Durchfor- schungs-Comitö aus, und wurden die leer gewordenen Stellen über Vorschlag dieses Comitös vom Directions-Comit6 besetzt. Am Schlüsse des Jahres hielten die beiden Comitö's eine gemeinschaftliche Sitzung ab, in welcher über die im Laufe des Jahres ausgeführten Arbeiten von den Mitgliedern des Durchforschungs-Comitö's und den Mitarbeitern desselben aus- führlich Bericht erstattet wurde, welcher in einem offiziellen Auszug den öffentlichen Blättern mitgetheilt wurde. Diese gemeinschaftliche Sitzung wurde später aus Gründen der Zweckmässigkeit auf das nächstfolgende Frühjahr verlegt. Um diese Zeit hält nämlich auch das Durchforschungs-Comite eine Sitzung ab, in welcher über die im Laufe des Jahres auszuführenden Arbeiten, über die Publicationen und über die hiezu nothwendigen Geldmittel berathen und an das Directions-Comitö Anträge gestellt werden. In der darauf folgenden Sitzung des letzteren Comitö's wird über diese letzteren Anträge Beschluss gefasst. Die beiden Comite's arbeiteten nach ihrer Constituirung mehrere Jahre an ihrer statutenmässigen Aufgabe fort, und selbst die im J. 1872 erfolgte Auflösung der k. k. patriotisch ökonomischen Gesellschaft brachte hierin keine Störung hervor, weil die Mitglieder des Directions-Comitö von obiger Gesellschaft auf Lebenslang gewählt waren, jene des Durchforschungs-Comitö aber jährlich sich selbst ergänzten. Erst nachdem die von der patriotisch-ökonomischen Gesellschaft gewählten Mit- glieder des Directions-Comit6 entweder gestorben oder aus dem Comitö selbst aus- getreten waren, entstand das Bedürfniss, diese Mitglieder in zweckentsprechender Weise zu ersetzen. Diesem Bedürfnisse wurde in der am 3. April 1882 abgehal- tenen Sitzung des Directions-Comit6 Ausdruck gegeben, indem beschlossen wurde, die Gesellschaft des böhmischen Museums zu ersuchen, mit dem Landes-Cultur- rathe des Königreiches Böhmen, welcher an Stelle der ökonomischen Gesellschaft errichtet worden war, in Verhandlung zu treten, darüber, ob derselbe geneigt wäre, bei der Landes-Durchforschung von Böhmen in jener Weise mitzuwirken, wie dies seinerzeit bei der k. k. Ökonom. Gesellschaft der Fall war. Das Museum willfahrte diesem Ansuchen, und der Landes-Culturrath ertheilte unterm 10. Juni 1883 auf die Anfrage des Museums eine im allgemeinen zustimmende Antwort unter der Veraussetzung, dass das Statut der beiden Comitö's für die Landesdurchforschung revidirt, dass als Hauptaufgabe die topographische und geologische Mappirung von Böhmen betrachtet und dass bei den Durchforschungsarbeiten das landwirth- schaftliche Interesse mehr als bisher berücksichtigt werden solle. Bezüglich näherer Vereinbarung wurden von Seite des Landes-Culturrathes, sowie des böhmischen Museums je drei Vertrauensmänner gewählt, welche das Statut im Sinne der An- forderungen des Landes-Culturrathes revidirten. Dasselbe ist am Schlüsse dieses Aufsatzes „Bestimmung des Wirkungskreises" mitgetheilt. Nachdem dasselbe von beiden Corporationen angenommen war, lösten sich beide bisher bestandenen Co- mitö's der Landesdurchforschung auf, und beide Corporationen, Landes-Culturrath und Museum, vollzogen zu Beginn des JaJires 1885 eine Neuwahl der auf jede ent- fallenden Hälfte der Mitglieder der beiden Comitö's. Es wurden gewählt in das Directions-Comite von Seite des Landes-Culturrathes die p. t. Herren Franz Graf Thun-Hohensteiu, Prof. Dr. Karl Koristka und Oberforstrath Edmund Swoboda, und als Ersatzmänner Kudolf Graf Czernin und Dr. Ottakar Nickerl, von Seite der Gesellschaft des böhmischen Museums die Herren Prinz Karl Schwarzenberg, Prof. Dr. Johann Krejcl und Dr. Franz Lad. PJeger und als Ersatzmänner die Herren Bergrath Hrabak und Adalbert Näprstek. Das Präsidium führte der Präsident des Landes-Culturrathes (Fürst Karl Schwarzenberg), in dessen Verhinderung der Prä- sident der Gesellschaft des böhm. Museums (Heinrich Graf Clam-Martinitz). Zum Geschäftsleiter wurde abermals Prof. Koristka gewählt. In die Durchforschungs- Commission wurden gewählt von Seite des Landes-Culturrathes die Herren: Prof. Dr. A. Fric, Prof. Dr. K. Koristka, Prof. Dr. G. Laube, Med. Dr. 0. Nickerl, Prof. Dr. F. Studnicka und Oberforstrath E. Swoboda, von Seite des Museums die Herren Prof. Dr. Lad. Celakovsky, Bergdirector K. Feistmantel, Frof. Dr. J. Krejcf, Dr. J. Palacky, Prinz K. Schwarzenberg und Buchhändler F. Tempsky. Die Durch- forschungs-Commission wählte zu ihrem Vorsitzenden den Prinzen K. Schwarzen- berg, zum Stellvertreter desselben den Prof. Dr. K. Koiristka, und zum Secretär Prof. Dr. A. Fric. Nachdem Prof. Laube die Wahl in die Durchforschungs-Com- mission nicht annahm, wurde an dessen Stelle vom Landes-Culturrath Dr. Josef Hanamann in Lobositz gewählt. b) Durchforschungsarbeiten und Publicationen. Die Durchforschung des Landes sollte sich befassen: I. Mit der Erhebung der Höhen und Terrain- Verhältnisse. II. Mit der Erforschung der geologischen Boden-Beschaffenheit. III. Mit dem Studium der botanischen und IV. der zoologischen Verhältnisse. 6 V. Mit der Erhebung meteorologischer Daten. VI. Mit der Erforschung der chemischen Beschaffenheit des Bodens. VII. Mit der zusammenfassenden Darstellung jener von I bis VI genannten Momente, welche für die Landescultur von besonderer Wichtigkeit sind. Bezüglich der chronologischen Aufeinanderfolge der Arbeiten wurde Böhmen in 10 Sectionen getheilt. (Siehe das nebenstehende Kärtchen), und wurde beschlossen (Sitzung vom 10. April 1864), dass sämmtliche Arbeiten immer in je einer Section vollendet und hierauf kartographisch dargestellt werden sollten. Im J. 1864 be- gannen in der That sämmtliche Arbeiten in der Section II, und wurden in derselben , , , \c' — ^ r>ir-. ^^ -.-^>^ ^'"n^ \ 1 IV V •]\ \MI "W yj K 1 1 V X /^ im J. 1865 fortgesetzt. Allein es zeigte sich bald, dass der obige Beschluss nicht ausführbar war, denn die Geologen waren genöthiget, einzelne in die Section hin- einreicliende Formationen behufs näherer Aufklärung auch in den angrenzenden Sectionen zu verfolgen, ebenso ergieng es den Botanikern, Zoologen, u. s. w. Ja bei der gegenwärtig in den Naturwissenschaften herrschenden Theilung der Arbeit konnte überhaupt von einer nach künstlichen Vierecken oder Sectionen fortschrei- tenden naturwissenschaftlich erschöpfenden Bearbeitung des Landes keine Rede sein, wenn man gründliche Spezialarbeiten oder Monographien über einzelne Fragen haben wollte. Daher wurde schon vom J. 1860 an die oben erwähnte chronologische Keihenfolge der Arbeiten in den Abtlieilungen II bis VI nicht mehr eingehalten. Nur in der Abtheilung I für Höhenmessung und Terrainbeschreibung wurde der erste Beschluss aufrecht erhalten und durchgeführt. Übrigens wurde die Eintheilung Böhmens in obige 10 Sectionen für die anderen Abtheilungen insoferne festge- halten, als durch Einführung dieser Bezeichnung für jeden oberflächlichen Kenner des Landes die Gegend genauer angegeben wird, wo irgend eine Untersuchung statt- fand und stattfindet, und da auch die kartographischen Darstellungen in dieser Weise eine bessere Grundlage haben. Es mögen nun die Arbeiten, welche in den einzelnen Hauptabtheilungen seit dem J. 1864 ausgeführt wurden, kurz an- geführt werden. I. Die topographische Abtheilung. Die hier gestellte Aufgabe bestand darin, in dem gegebenen Terrain möglichst viele Höhenmessungen zu machen, und mit Hilfe derselben eine Höhenschichtenkarte des Terrains, eine gute Terrainbeschreibung, und eine Darstellung der hydrographischen Verhältnisse zu verfassen. Es sollte dies nach den in dem Werke „Studien über die Methoden und die Benützung hypsometrischer Arbeiten von Karl Koristka Gotha 1858" auseinander gesetzten Methoden geschehen, in welchem Werke der Verfasser den ersten Versuch gemacht hat, die Umgebungen von Prag in dieser Weise zu bearbeiten. Es muss bemerkt werden, dass bis zu dieser Zeit weder in -Böhmen noch in Oesterreich überhaupt Höhenmessungen systematisch und in hinreichender Zahl ausgeführt wurden, um als Grundlage zur Anfertigung von Höhenschichtenkarten dienen zu können. Vom J. 1864 an wurde diese Arbeit unter Leitung von Prof. Koristka in Angriff ge- nommen, und bis zum Jahre 1878 unter zeitweiliger Mitwirkung mehrerer Mit- arbeiter fortgeführt und zwar folgender Herren: Ingenieur Carl Freiherr von Callot (1864—66), Assistent Josef Kristen (1864 bis 1866), Assistent Gabriel Hendrich (1868 bis 1872), Professor Franz Müller (1868), Professor Dr. Gabriel Blazek (1871—76), Assistent Emanuel Czuber (1873) und Assistent Josef Kohut (1876—77). In dieser Zeit wurde vollständig und im Detail vermessen das Terrain der Sectionen I, II, HI, V und VI, zum grösseren Theil auch die Section IV. In Schichten gelegt und im Farbendruck publicirt wurden die Sectionen II, III und VI, in der Zeichnung vollendet ist auch Section V. Im J. 1872 beschloss das Reichs-Kriegsministerium eine complete Neuaufnahme der österr. ungar. Monarchie im Maassstabe von 1 : 25.000, und eine Publicirung derselben im Maassstabe von 1 : 75.000. Hiebet sollten auch möglichst viele Höhenbestimmungen gemacht und auf den Karten auch die Höhenschichtenlinien eingezeichnet werden, eine sehr zweckmässige Anordnung, auf welche die bis dahin publiciiten topographischen Arbeiten der Landesdurchforschung nicht ohne Einfluss gewesen sein dürften. Mit einem grossen Aufwand an Kräften wurde diese Aufnahme in den Alpenländern begonnen, und im J. 1877 gelangte dieselbe nach Böhmen, in welchem Lande von 1877 bis 1880 alljährlich 5—6 Abtheilungen, jede zu 8 Mappeurs, also im Durch- schnitt 40—48 Mappeurs jährlich beschäftiget waren, welche die Aufnahme von Böhmen auch im J. 1880 beendeten. Dadurch war ein Theil der Aufgabe der topo- graphischen Abtheilung der Landesdurchforschung, nämlich die Vornahme möglichst vieler Höhenmessungen behufs Anfertigung einer Höhenschichtenkarte gelöst und konnte nun entfallen, weshalb vom J. 1877 an keine weiteren Mitarbeiter an ihren 8 Arbeiten sich betheiligteD, welche letzteren sich nun darauf beschränken, dass Prof. Koristka alljährlich einen Theil des noch erübrigenden Terrains zu dem Zwecke begeht, um die hydrographischen Verhältnisse (die Gefällsverhältnisse) der Flüsse und Bäche genauer zu studiren, um einzelne Lücken in den Höhenmessungen an geologisch und orographisch wichtigen Punkten zu ergänzen, und endlich dass die Herausgabe der Karte von Böhmen in 10 Sectionen fortgesetzt wird, welche als Grundlage für die kartographische Darstellung der verschiedenen naturwissenschaft- lichen Verhältnisse von Böhmen benützt werden soll. Dass diese letztere Arbeit nur langsam von statten geht, darf bei den geringen verfügbaren Geldmitteln und bei den grossen Kosten guter kartographischer Piiblicationen nicht Wunder nehmen. Aus dem Bereiche dieser Abtheilung wurden bisher im „Archive für Landesdurch- forschung von Böhmen" folgende Arbeiten veröffentlicht (die am Schlüsse jedes Artikels stehende römische Zahl bedeutet den Band des Archives, in welchem der- selbe erscheint z. B. IV. B. bedeutet: IVter Band des Archives). K. Koristka: Das Terrain und die Höhenverhältnisse des Mittelgebirges und des Sandsteingebirges im nördlichen Böhmen. I. B. „ „ Erste Serie gemessener Höheupunkte in Böhmen. (Section II.) I. B. „ „ Das Terrain und die Höhenverhältnisse des Iser- und des Riesengebirges und seiner südlichen und östlichen Vorlagen. IL B. I. Th. „ „ Zweite Serie gemessener Höhenpunkte in Böhmen. (Section III.) II. B. I. Th. K. Koristka und R. von Sterneck: Verzeichniss der in den Jahren 1877 — 79 trigonometrisch be- stimmten Höhen von Böhmen. III. B. K. Koristka: Höhenschichtenkarte von Böhmen im Maasstabe 1:200000. (Section II.) I. B. „ „ Höhenschichtenkarte von Böhmen im Maassstabe 1 : 200000. (Section III.) IL B. L Theil. „ „ Höhenschichtenkarte des Riesengebirges im Maassstabe 1 : 100000. IL B. I. Th. „ „ Höhenschichtenkarte von Böhmen im Maassstabe 1:200000. (Section VI.) VIIL B. II. Die geologische Abtheilung. Wie oben bemerkt, sollte die geologische Abtheilung gleichmässig mit der topographischen in der Erforschung des Landes fortschreiten, so dass jedesmal nach Vollendung einer Section der topographischen Karte dieselbe Section geologisch colorirt werden sollte. Es war dies aber nur in den ersten zwei Jahren der Fall. Die Mitglieder dieser Abtheilung überzeugten sich, dass es nicht möglich sei, über die Beschaffenheit der in den Kartensectionen vorkommenden geologischen Formationen gründlichen Bericht zu erstatten, bevor nicht das Vorkommen und die Gliederung derselben in ganz Böhmen genau studirt war, und so wurden dann später die geologischen Arbeiten in der Weise vertheilt, dass die Mitglieder und die Mitarbeiter in dieser Abtheilung das Studium einzelner Formationen oder Formationsglieder übernahmen. So übernahmen die Herren Prof. Johann Krejcl und Helmhacker die krystallinischen Schiefer im östlichen Böhmen, Prof. Gustav Laube übernahm die Durchforschung des Erzgebirges und nach dessen Beendigung jene des Lausitzer-, Iser- und Riesengebirges, Prof. Krejcf und Director Karl Feistmantel gemeinschaftlich die böhm. Silurformation, Director Feistmantel allein die Bearbeitung der böhmischen Steinkohlenformation, Prof. Ant. Fric stu- dirte die Fauna der Permformation bei Pilsen, Rakonitz und Schlan, und durch- forschte gleichzeitig die zahlreichen Fundorte von Petrefakten der Kreideformation, auf Grundlage welcher er eine neue Gliederung dieser für Böhmen so wichtigen Formation aufstellte. — 9 Mit den eruptiven Gesteinen bescliäftigte sich eingehend und mit grossem Erfolge Prof. Emanuel Boricky. Leider wurde derselbe in mitten der fruchtbarsten Thätigkelt durch den Tod der Wissenschaft entrissen. Auch die beiden eifrigen Mitglieder Krejci und Feistmantel ereilte der Tod noch mitten in ihrer wissen- schaftlichen Thätigkeit für die Landesdurchforschung. Die Resultate aller dieser Arbeiten sind in einer stattlichen Reihe von Publicationeu niedergelegt, welche weiter unten nach den Formationen geordnet und angeführt sind. Aus den sedimen- tären Formationen wurden alljährlich von den bekannten Fundorten Petrefakten gesammelt, welche zum Studium der Formationen dienten, und hierauf in das Eigenthum des Landesmuseums übergiengen. Eine weitere Frage, mit welcher sich diese Abtheilung beschäftigte, war die Herausgabe einer handlichen geologischen Karte von Böhmen. Anfangs wurde die neue Specialkarte von Böhmen zu diesem Zwecke in's Auge gefasst. Allein die Geldmittel des Comitö's reichten nicht hin, weder um eine für einen so grossen Maassstab unbedingt nothwendige neue Detail- begehung des ganzen Landes durchzuführen, noch um eine solche Karte zu publi- ciren, und so eutschloss sich das Durchforschungs-Comitö die von Prof. Kofistka publicirte Karte zur Grundlage der geologischen Karte zu nehmen. Von dieser Karte ist Section VI bereits veröffentlicht, die Sectionen II und III sind im Ma- nuscript vollendet und werden demnächst veröffentlicht werden. Uibrigens enthalten die einzelnen Publicationeu dieser Abtheilung zahlreiche geologische Specialkarten. Die Mitglieder der geologischen Abtheilung haben folgende Arbeiten publicirt, welche entweder im Archiv für die Landesdurchforschung enthalten, oder mit Subvention der Landesdurchforschung anderswo oder selbstständig veröffentlicht wurden, da die Mittel der Landesdurchforschung zur Publication aller Arbeiten nicht ausreichten, welche aber sämmtlich Resultate der Bearbeitung des von der Landesdurchforschung gesammelten Materiales sind. a) Allgemeines : J. Krejci: Vorbemerkungen oder allgem. geologische Verhältnisse des nördlichen Böhmen. I. B. „ Geologische Karte von Böhmen (Section VI.) mit Erläuterungen von A. Fric. VII. B. J. Krejci und R. Helmhacker: Geologische Karte der Umgebungen von Prag. IV. B. „ „ „ Erläuterungen zur geolog. Karte d. Umg. v. Prag. IV. B. b) Urgebirge (Krystallinische Schiefer): G. Laube: Die Geologie des böhmischen Erzgebirges (I. Theil). III. B. (II.Theil). VI. B. R. Helmhacker: Geognostische Beschreibung eines Theiles der Gegend zwischen Beneschau und der Sazawa. II. B. I. Theil. J. Krejci und R. Helmhacker: Erläuterungen zur geologischen Karte des Eisengebirges und der angrenzenden Gegenden im östlichen Böhmen V. B. c) Silurformation: J. Krejci und K. Feistmantel: Orographisch-geotektonische Übersicht des silurischen Gebietes im mittleren Böhmen. V. B. J. Vala und R. Helmhacker: Das Eisensteinvorkommen in der Gegend von Prag und Beraun II. B. I. Th. d) Steiukohlenformation : A. Fric: Fauna der Steinkohlenformation Böhmens. II. B. I. Th. K. Feistmantel : Die Steinkohlenbecken bei Klein-Pfilep, Lisek, Stilov, Holoubkow, Miroschau und Letkow IT. B. I. Theil. -- Die Steinkohlenbecken von Radnic. I. B. 10 K. Feistmantel: Der Hangendflötzzug im Schlan-Eakonitzer Steinkohlenbecken. IV. Band. „ Die mittelböbmische Steiukoblenablagerung. Y. Band. e) Permformatioii : A. Fric: Fauna der Gaskohle und der Kalksteine der Permformation Böhmens. Gross-Quart bisher 10 Hefte. Erscheint mit Subvention der kais. Akademie d. "Wissensch. in Wien seit 1879 im Selbstverlage des Verfassers, und wurde von der geologischen Gesellschaft in London mit dem Lyell-Preise ausgezeichnet. f) Kreideformation : J. Krejci: Studien im Gebiete der böhm, Kreideformation. I. Band. A. Fric: Paläontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der böhmischen Kreidefor- mation und zwar: „ „ I. Die Perucer und die Korycaner Schichten. I. B. „ „ n. Die Weissenberger und Malnitzer Schichten. IV. B. „ „ III. Die Iserschichten. V. B. „ „ IV. Die Teplitzer Schichten. VII. B. A. Fric und Jos. Kafka : Die Grustaceen der böhmischen Kreideformation. Mit Subvention der • Landesdurchforschung selbständiges Werk. Prag. 1887. A. Fric: Über die Callianassen der böhm. Kreideformation. Abhandlungen der königl. böhm. Ges. d. Wissensch. VI. Folge. I. Band. A. Fric und U. Schlönbach: Die Gephalopoden der böhm. Kreideformation. Mit Subvention der Lande sdurchforschung selbständiges Werk, 1872. A. Fric: Reptilien und Fische der böhm. Kreideformation. Mit Subvention der Landesdurcbforschung selbständiges Werk. Prag. 1878. J. Velenovsk^: Die Gymnospermen der böhm. Kreideformation. (In Mojsisowics Palaeontolog. Beitr.) „ „ Neue Beiträge zur Kenntniss der Pflanzen des böhm. Cenomans (Sitzgs.-Ber. d. böhm. Ges. d. W. 1886). Ph. Pocta: Beiträge zur Kenntniss der Spongien der böhm. Kreideformation. In den Abhandl. d. königl. böhm. Gesellsch. d. Wissensch. VL F. 12. B. VIL F. 1. B. Ebendaselbst: Die Anthozoen d. böhm. Kreideformation. 2. B. dann die Rudisten der böhm, Kreideform. 3. B. J. Velenovsk;^: Die Flora der böhm. Kreideformation. 4 Theile. In Mojsisowiz und Neumayer Beiträge zur Paläontologie. 0. Noväk : Beiträge zur Kenntniss der Echinideu der bühm. Kreideformation. In den Abhandl. d. k. böhm. Gesellsch. d. Wissensch. VII. F. 2. B. g) Tertiärformation: J. Velenovsky: Die Flora aus den tertiären Letten von Vrsovic (Abh. d. k. böhm. Ges. d. W. VL F. 11. B.). Klika: Die tertiären Land- und Süsswasser-Conchylien des nordwestlichen Böhmen. Archiv VII. B. h) EruptiTgesteine : Em. Bofick;^ : Petrographische Studien an den Basaltgesteinen Böhmens. II. B. I. Th. „ „ Petrographische Studien an den Phonolithgesteinen Böhmens. III. B, „ „ Petrographische Studien an den Melaphyrgesteinen Böhmens. III. B. „ „ Petrologische Studien an den Porphyrgesteinen Böhmens. IV. B. III. Die botanische Abtheilung. Diese Abtheilung befasste sich unter der Leitung des Professors Dr. Ladislav Celakovsky mit der botanischen Durchforschung von Böhmen. Der Hauptzweck hiebei war, Materialien zu einer gründlichen und vollständigen Flora von Böhmen zu sammeln, da trotz vieler werthvoller Vorarbeiten noch grosse Lücken in der Durchforschung des Landes vorhanden waren. Prof. Celakovsky hat zu diesem Behufe das ganze Land systematisch bereist, besonders die bis dahin vernachlässigten südlichen Theile desselben. Anfangs that er dies allein, später wurden ihm Mitarbeiter beigegeben, denen er die Durchforschung 11 einzelner Landestheile übertrug, und unter welchen sich befanden die Herren: Prof, Emanuel Purkyne, Assistent Karl Knaf, Assistent J. Velenovsky, Prof. A. Hansgirg, Ladislav Celakovsky (Sohn), Assistent Franz Bubäk und Jaroslav Kostäl. Einzelne dieser Mitarbeiter stellten sich eine specielle Aufgabe wie Hansgirg mit dem Studium der böhmischen Algen. Ausserdem gewann Prof. Celakovsky eine grosse Anzahl von in den verschiedensten Theilen des Landes ansässigen Freunden der Botanik, welche demselben über alle interessanten Funde der Um- gebung ihres Wohnortes berichteten. Die Resultate dieser Forschungen sind in dem 4bändigen Werke des Prodromus der Flora von Böhmen niedergelegt, welches im J. 18G8 begonnen und 1881 beendet wurde. Ausserdem wurden im Archive auch noch andere specielle botanische Arbeiten publicirt, so von Sitensky über die Torf- moore u. s. w. Folgendes sind die Publicationen botanischen Inhaltes, welche von der Landesdurchforschung von Böhmen veranlasst wurden. Lad. Celakovsky (Vater) : Prodromus der Flora von Böhmen und zwar : „ „ „ I. Theil. Gefässkryptogamen, Gymnospermen und Monocotylen. I. B. „ „ „ II. Theil. Apetale und sympetale Dicotylen. II. B. „ „ „ III. Theil. Eleutheropetale Dicotylen. III. B. „ „ „IV. Theil. Nachträge IV. B. A. Hansgirg: Prodromus der Algenäora von Böhmen. I. Theil. a. Rhodophyceen, Phäophyceen. V. B. „ „ l. Theil. b. Chlorophyceen. VI. B. Jos. Dödecek : Die Lebermoose Böhmens. V. B. Jos. Novak : Die Flechten der Umgebung von Deutschbrod. VII. B. mit Subvention des Opitzfondes. L. Celakovsky (Sohn): Die böhmischen Myxomyceten. VII. B. J. Sitensky: Die böhmischen Torfe vom naturhistorischen und wirthschaftlichen Standpunkte. I. Theil. VI. B. Ed. Pospichal: Flora des Flussgebietes der Cidlina und Mrdlina. IV. B. mit Subvention des Opitz- fondes. Lad. Celakovsky (Vater): Die Kesultate der botanischen Durchforschung Böhmens. Ein Bericht, welcher seit 1881 aUjährlieh in den Sitzungsberichten der k. böhm. Ges. d. Wissensch. erscheint. IV. Die zoologische Abtheilung. In dieser Abtheilung handelte es sich darum, bisher in Böhmen wenig behandelte Thiergruppen genauer zu studiren und ihre Verbreitung im Lande zu beobachten. In dieser Absicht wurde unter Leitung des Prof. A. Fric von den Mitarbeitern dieser Abtheilung im Sommer Material gesammelt und dasselbe im Winter verarbeitet. Solche Mitarbeiter waren die Herren : E. Barta, Assistent B. Hellich, Assistent Jos. Kafka, Franz Klapälek, E. Lokaj, F. Rosicky, Assistent A. Slavik, Wenzel Vävra, Prof. Franz Vejdovsky u. A. Es wurde hiebei insbesondere den im Wasser lebenden Thieren eine grössere Aufmerksamkeit ge- schenkt und zu diesem Behufe die Flüsse, Bäche, Teiche und die Seen des Böhmer- waldes genauer untersucht. In den letzten Jahren wendeten sich diese Unter- suchungen mit Erfolg der Teichfauna zu, indem der Mühlenbesitzer Herr Ferner in Elbeteinitz ein zerlegbares und transportables Haus anfertigen und dasselbe so einrichten Hess, dass man es überall leicht aufstellen, und zur Anstellung von Be- obachtungen mit noch lebenden Thieren an Ort und Stelle benützen kann. Dieses Haus schenkte Herr Ferner der Landesdurchforschung. Dasselbe wurde zuerst am Unter-Pocernitzer Teich bei Bechovic, später am Gatterschlager Teich bei Neuhaus 12 aufgestellt. Folgende zoologische Arbeiten wurden im Archive der Landesdurch- forschung veröffentlicht : A. Fric: Die Krustenthiere Böhmens. II. B. II. Th. S. Hellich: Die Cladoceren Böhmens. III. B. «• E. Barta: Verzeichniss der Spinnen des nördlichen Böhmens. I. B. F. V. Rosick^: Die Myriopoden Böhmens. III. B. E. Lokay: Verzeichniss der Käfer Böhmens. I. B. A. Slavik: Monogi'aphie der Land- und Süsswasser-Mollusken Böhmens. I. B. Jos. Kafka: Die Süsswasserhryozoen Böhmens. VI. B. A. Fric: Die Wirbelthiere Böhmens. II. B. IL Th. „ „ Die Flussfischerei in Böhmen. II. B. II. Th. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Böhmens: I. Theil: Fr. Klapälek: Metamorphose der Trichopteren. VI. B. II. Theil: Jos, Kafka: Die Fauna der böhmischen Teiche. VIII. B. Ausserdem verfasste Prof. H. Vejdovsky auf Grundlage seiner mit Subvention der Lan- desdurchforschung ausgeführten Untersuchungen folgende zwei selbständige Werke: Monographie der Enchyträiden mit Subv. d. k. b. Ges. d. VViss. in Prag 1879. System und Morphologie der Oligochaeten mit Subv. d. kais. Akad. d. Wissensch in Wien. Prag. 1884. V. Die meteorologische Abtheilung. Diese Abtheilung sollte die verschie- denen Factoren der Klimatologie in den Bereich ihrer Forschung ziehen. Anfangs übernahm Prof. K. W. Zenger die Leitung der einschlägigen Arbeiten, jedoch war der Arbeitsplan desselben ein zu weitläufiger, die verfügbaren Mittel des Comitö's weit übersteigender, weshalb derselbe sich von dieser Arbeit zurückzog, und die- selbe im J. 1872 dem Prof. Franz Studnicka übertragen wurde. Dieser verwendete unter Zustimmung des Comite's vor Allem sämmtliche Mittel auf die Erforschung der mittleren Regenmenge des Landes, indem er allmälig die ombrometrischen Sta- tionen von 11 im J. 1872 auf 300 im J. 1879 vermehrte, welche Zahl übrigens in den Jahren 1885 und 1886 bis auf 700 stieg, und zwar einerseits in Folge der Errichtung zahlreicher Eegen Stationen auf den kaiserlichen Familienfonds- gütern, andererseits durch Übernahme der vom böhmischen Forstverein errich- teten Stationen. Es muss übrigens bemerkt werden, dass im J. 1875 vom Landesausschusse eine besondere hydrographische Commission errichtet wurde, welche das Netz der vom Comite für die Landesdurchforschung errichteten ombro- metrischen Stationen übernahm, und dem bisherigen Leiter der Beobachtungen Pro- fessor Studnicka auch fernerhin die Leitung überliess. Der letztere veröffentlichte die Beobachtungen allmonatlich zuerst in den Sitzungsberichten (Ombrometr. Bericht, 1872 bis 1874), später in den Abhandlungen der k. b. Gesellsch. der Wissensch. in Prag (Resultate der in Böhmen gemachten ombrom. Beob. 1875 bis 1888) und fasste das Resultat der bis 1886 in Böhmen gemachten Beobachtungen in der im Archive der Landesdurchforschung erschienenen Arbeit zusammen, welche den Titel führt: F. J. Studnicka: Grundzüge einer Hyetographie von Böhmen. VI. B. VI. Die chemische Beschaffenheit des Bodens. Dieser Theil der Arbeiten der Landesdurchforschung begegnete bei seiner Durchführung den grössten Schwierig- keiten. Es war beabsichtigt, alljährlich durch hiezu geeignete Mitglieder oder Theil- 13 nehmer der Landesdurcliforscliung einzelue Districte des Landes bereisen zu lassen, welche an Ort und Stelle Bodenproben nehmen, den Boden auf seinen agrono- mischen Werth prüfen und die Bodenproben zu Hause chemisch analysiren sollten. Diese Arbeiten sollten zugleich eine Brücke zur Vllten Abtheilung bilden, welche in der ursprünglichen Organisirung als land- und forstwirthschaftliche Abtheilung enthalten war. In den ersten Jahren wurden mit den diesbezüglichen Arbeiten die Herren Prof. Janovsky von der landwirthsch. Lehranstalt in Tabor und Prof. Emanuel Purkyne von der forstwirthsch. Lehranstalt in Weisswasser betraut. Prof. Robert Hoffmann in Prag sollte die chemischen Analysen machen. Es zeigte sich aber, dass solche Arbeiten nur dann von Nutzen sein können, wenn dieselben in grösstem Detail, so zu sagen für einzelne Feldparzellen ausgeführt werden, wozu jedoch die Mittel der Landesdurchforschung auch nicht im entferntesten ausreichten. Es musste daher von einer systematischen Bearbeitung dieser Aufgabe Abstand genommen und einzelnen Forschern überlassen werden, welche sich mit besonderen Theilen dei'selben näher beschäftigen wollten. Und in der That haben sich zwei Mitglieder der Landesdurchforschung gefunden, welche solche einzelne Theile dieser Aufgabe erfolgreich gelösst haben, und zwar sind dies der bereits in Abtheilung H genannte Prof. Boi'icky und Dr. Josef Hanamann, Vorstand der agriculturchemischen Station Lobositz. Ihre Arbeiten so wie jene Hoffmann's, sind im Archiv der Landesdurch- forschung enthalten und zwar: R, Hoffmann: Chemische Untersuchungen von Gesteinen Böhmens. I. B. Em. Boficky: Elemente einer neuen chemisch-mikroskopischen Mineral- und Gesteinsanalyse. III. B. „ „ Über die Verbreitung des Kali und der Phosphorsäure in den Gesteinen Böhmens. IL B. II. Th. Jos. Hanamann: Über die chemische Zusammensetzung verschiedener Ackererden und Gesteine Böhmens. VIII. B. VIL Die Publicationen. Die sämmtlichen bisher genannten Publicationen sind, wo nicht ausdrücklich etwas anderes bemerkt wurde, im Archiv der naturwissen- schaftlichen Landesdurchforschung von Böhmen erschienen. Als Hauptredacteure desselben fungiren Prof. K. Kofistka und Prof. J. Krejcl. Seit dem Tode des lezteren Prof. A. Fric. Bisher sind sieben Bände erschienen, in welche die einzelnen Arbeiten, gewöhnlich zu 6 — 8 Heften, je nach der Zeitfolge ihres Erscheinens ein- gereiht sind. Da nach dem Statut jede Arbeit in beiden Landessprachen erscheinen soll, und da die Mehrzahl der Autoren ihre Manuscripte nur in einer Sprache ver- fasst, der Redaction übergibt, so dauert es mitunter längere Zeit, bis eine zur Übersetzung der betreffenden Arbeit in die andere Sprache vollkommen geeignete Persönlichkeit gefunden wird. Die Folge davon ist, dass die Arbeiten nicht gleich- zeitig in beiden Sprachen erscheinen können, so dass der vollständige Abschluss jedes Bandes in beiden Sprachen, somit die Beigabe des Hauptitels, erst erfolgt, nachdem der Druck anderer Arbeiten in späteren Bänden schon weit vorge- schritten ist. Im Umschlag jedes Heftes ist die Reihenfolge der Publicationen enthalten. In den oben angeführten sieben Bänden sind 53 Abhandlungen von 24 Autoren enthalten. Dieselben füllen in jeder der beiden Sprachen einen Raum von nahezu 450 Druckbogen (in Lexikonformat) aus. Beigegeben sind 66 lithogr. 14 Tafeln, über 1000 Originalabbildungen im Text und 10 topographische oder geo- logische Karten im Farbendruck. In den ersten Jahren 1865 und 1867 wurden ausserdem zwei Jahresberichte über die Wirksamkeit der beiden Comitö's für die Landesdurchforschung veröffentlicht, welche eingehende Nachrichten über die Organisirung und über die Thätigkeit der- selben in der ersten Zeit enthalten. c) Budget der Landesdurchforschung von Böhmen, Was die Einnahmen und Ausgaben der Landesdurchforschung betrifft, so sind dieselben vom J. 1865 an von 5 zu 5 Jahren in beiliegender Tabelle zusammen- A. Einnahmen: 1. Subvention des Landes 2. „ des Museums 3. „ der patr. ökon. Ges. , . 4. „ des k. k. Ackerbauminist. 5. „ des böhm. Forstvereines 6. „ des Erzgebirg-Comite . . 7. Privat-Subventionen 8. Erlös für die Publicationen . . . . Summa der Einnahmen . . B. Ausgaben: 1. Für topogr.-hypsom. Arbeiten . 2. „ geologische Excursionen . 3. „ botanische „ 4. „ zoologische „ 5. „ chemische Untersuchungen 6. „ meteorol. Untersuchungen 7. „ land- und forstw. Arbeiten 8. Regie, Karten und Bücher . . 9. Druck, Lithographie u. Honorar Summa der Ausgaben . 1S65 1870 1875 1880 1885 1890 3000 3000 3000 3000 3000 3000 1000 1000 1000 1000 1000 1000 2000 600 — — — — — — 2000 800 800 500 700 — — — — — 250 250 — — — — — — 300 150 150 150 — 400 600 600 500 400 6950 5250 6900 5550 5450 5050 900 1100 750 650 600 550 1200 1400 1250 1750 1950 1050 400 200 150 200 200 200 400 200 150 200 200 400 500 300 300 400 — — 600 — 300 — — — 500 — — — — — 350 230 200 350 340 270 2100 1820 3800 2000 2160 2580 6950 5250 6900 5550 5450 5050 gestellt. Es erschien nicht nothwendig, dieselben für jedes einzelne Jahr anzuführen, da die einzelnen Posten sich im allgemeinen doch nur wenig änderten. Was die Einnahmen betrifft, so bestanden dieselben in erster Linie aus den Subventionen des Landes, zu 3000 fl. jährlich, und der Gesellschaft des böh- mischen Museums, zu 1000 fl. jährlich, welche beiden Subventionen der Landes- durchforschung vom J. 1865 bis heute verliehen wurden. Dagegen ist die Landes- durchforschung verpflichtet, alle von derselben gesammelten Naturalien dem Museum behufs Einverleibung in seine Sammlungen zur Verfügung zu stellen, ebenso wie alle Bücher, welche die Landesdurchforschung im Tauschverkehre für ihre eigenen Publicationen erhält. Die patriotisch ökonomische Gesellschaft widmete der Landes- 15 durchforschung anfangs 2000 fl., später 600 fl. bis zu ihrer im J. 1872 erfolgten Auf- lösung. Das hohe Ackerbauministerium widmete der Landesdurchforschung vom J. 1871 bis 1876 jährlich 2000 fl., in den späteren Jahren 800 fl., gegenwärtig blos 500 fl. Der böhm. Forstverein verlieh der Landesdurchferschung in den ersten Jahren 700 fl., das Comitö für das Erzgebirge 250 fl. Herr Buchhändler u. k. Rath F. Tempsky gewährt der Landesdurchforschung seit dem Jahre 1871, also bereits 20 Jahre hindurch eine jährliche Subvention von 150 fl. Im J. 1875 gewährte den- selben Betrag auch Herr Domänenrath Anton Ritter von Komers. Der Erlös für die Publicationen ist im Jahres-Präliminar in runder Zahl angesetzt, da die wirkliche Abrechnung mit dem Commissionär erst im nächsten Jahre erfolgt. Was die Ausgaben betriff't, so findet die Verschiedenheit derselben in den verschiedenen Jahren theils in den bereits oben bei den einzelnen Abtheilungen der Landeisdurchforschung angeführten grösseren oder geringeren Arbeiten derselben, theils in einer grösseren Zahl für den Druck vorgelegter Manuscripte ihre Er- klärung. d) Statut der beiden Comitö's der Landesdurchforschung. Bestimmung des Wirkungskreises für die beiden Comites zur naturwissenschaft- lichen Durchforschung von Böhmen. L Zweck und Mittel. §. 1. Der Landeskulturrath und die Gesellschaft des Museums des Königreiches Böhmen übernehmen zu dem Zwecke, um die im Jahre 1864 begonnene natur- wissenschaftliche Durchforschung von Böhmen durchzuführen und dieselbe auch für die Landeskultur nutzbar zu machen, gemeinschaftlich die Weiterführung und oberste Leitung der naturwissenschaftlichen Landesdurchforschung von Böhmen. Diese Durchforschung soll sich befassen: L Mit der Erhebung der Höhenverhältnisse und aller auf die äussere Boden- gestalt sich beziehenden Momente des Landes. n. Mit der Erforschung seiner geologischen Bodenbeschaffenheit. EL Mit dem Studium seiner botanischen und IV. seiner zoologischen Verhältnisse. V. Mit der Erhebung meteorologischer Daten zum Behufe der Aufstellung einer Klimatologie des Landes. VL Mit der Erforschung der chemischen Beschaffenheit des Bodens. Bei diesen Untersuchungen soll auf national - ökonomisch dann auf land- und forstwirthschaftlich wichtige Momente besonders Rücksicht genommen werden. Die Resultate dieser Durchforschung sollen in Berichten, welche über ein- zelne Theile des Landes in beiden Landessprachen zu veröffentlichen sind, sowie in entsprechenden Karten niedergelegt und allgemein zugänglich gemacht werden. §.2. Der Fond zur Bestreitung der nothwendigen Auslagen besteht: 16 a) Aus jährlichen Subventionen, welche demselben von der Regierung, vom Landtage, von den genannten beiden Corporationen, sowie von anderen Vereinen und von Einzelnen zugewiesen werden; h) aus den eigenen Einnahmen (von Publicationen u. s. w.) II. Leitung. §. 3. Zur Durchführung des Unternehmens besteht ein Directions-Comit6, welches aus den Präsidenten der beiden oben genannten Corporationen, sowie aus je drei Mitgliedern, die vom Ausschusse des Landeskulturrathes und vom Verwaltungsaus- schusse des Museums gewählt werden, gebildet wird. Ausserdem wählt jede der beiden Corporationen zwei Ersatzmänner, welche jederzeit an den Sitzungen mit berathender Stimme, mit entscheidender Stimme aber dann theilzuuehmen das Recht haben, wenn eines oder mehrere der gewählten Mitglieder abwesend sein sollten. Die in dieser Beziehung zu treffende Verfügung steht in jeder Sitzung dem Vorsitzenden zu. §. 4. Diesem Directions-Comit6 steht behufs der Berathung über die Details der Aufgabe und zur unmittelbaren Durchführung der Arbeiten eine eigene Durch- forschungs-Commission zur Seite, welche aus 12 Mitgliedern zu bestehen hat. III. Directions-Comitö. §. 5. Das Directions-Comit6 führt die Leitung des ganzen Unternehmens und repräsentirt dasselbe nach Aussen. Es vermittelt die Verbindung mit den beiden Muttergesellschaften, sowie mit allen jenen Corporationen und Vereinen, welche der Landes-Durchforschung eine Subvention gewähren. Dasselbe beschliesst über alle Anträge der Durchforschungs-Commission bezüglich der Landesdurchforschung und der Publication der Berichte und Karten, dann der Verwendung der gewonnenen Sammlungen. Es ernennt über Vorschlag der Durchforschungs-Commission die jährlich an Stelle der Ausscheidenden tretenden Mitglieder derselben. Es verwaltet die Cassa der Landes-Durchforschung und führt die damit verbundenen Rechnungen. Endlich entscheidet dasselbe über Differenzen in der Durchforschungs- Commission, sowie über die Frage der Auflösung des Unternehmens. §. 6. Der Präsident des Landesculturrathes für das Königreich Böhmen führt bei den Sitzungen den Vorsitz, bei seiner Verhinderung der Präsident des Museums. Bei Verhinderung beider Präsidenten treten die Vice-Präsidenten beider Corporationen, und zwar in derselben Reihenfolge, in ihre Functionen ein. Das Directions-Comite wählt aus seiner Mitte einen Geschäftsleiter. 17 Dasselbe beschliesst über alle Anträge mit absoluter Majorität der Anwe- senden. Jedoch müssen nebst dem Vorsitzenden wenigstens noch vier Mitglieder anwesend sein. IV. Durchforschungs- Commission. §. 7. In den bereits in §. 4 im Allgemeinen bezeichneten Wirkungskreis der Durchforschungs-Commission gehört insbesondere: a) Die Entwerfung des allgemeinen Operationsplanes und die Wahl der zur Ausführung geeigneten Persönlichkeiten. b) Die Verfassung von Instructionen für die einzelnen Forscher, und die Wahl von Vorständen für jeden Hauptzweig der Durchforschung, welche für die Lösung der Aufgabe innerhalb der durch den Operationsplan bestimmten Grenzen, sowie für die richtige Verwendung der Geldmittel verantwortlich sind, und welche für die rechtzeitige Vollendung des Berichtes zu sorgen haben. c) Anträge über die zur Durchführung der beantragten Arbeiten nothwen- digen Geldmittel, welche behufs Verfassung eines Voranschlages in den ersten Mo- naten jedes Jahres zu stellen sind. d) Die Berathung aller Fragen, die auf den wissenschaftlichen Theil der Aufgabe und auf die Modalitäten der Durchführung derselben Bezug haben. e) Die Erstattung von Vorschlägen über Aufbewahrung, Beaufsichtigung und Verwendung der durch die Arbeiten gewonnenen wissenschaftlichen Sammlungen. Die Durchforschungs-Commission hat das Recht, in rein wissenschaftlichen Fragen eine Correspondenz einzuleiten. §. 8. Die Durchforschungs-Commission wählt aus ihrer Mitte eine Redaction für die Berichte, sowie für die kartografischen Arbeiten. Diese Redaction hat nicht blos auf Grundlage der eingelangten Detailberichte den Hauptbericht zu verfassen, sondern dieselbe hat auch die Aufgabe, durch peri- odische Berichte in den Journalen und namentlich in den wissenschaftlichen Zeit- schriften das Publicum von den Arbeiten der Durchforschung in authentischer Weise in fortlaufender Kenntniss zu erhalten. §. 9. Die Durchforschungs-Commission besteht aus zwölf Mitgliedern. Beim Ein- tritte des Landesculturrathes in die Oberleitung des Unternehmens löst sich das bisherige Durchforschungs-Comitö auf und es wird in die Durchforschungs-Commis- sion die Hälfte der Mitglieder vom Ausschusse des Landesculturrathes, die andere Hälfte vom Verwaltungsausschusse des Museums gewählt. Für die Folge tritt alljährlich im Jahresbeginn ein Dritttheil seiner Mit- glieder aus, und werden die leer gewordenen Stellen über Vorschlag des Durch- forschungs-Comitö von dem Directions-Comitö besetzt. Die ausgetretenen Mitglieder sind wieder wählbar. In den ersten zwei Jahren geschieht der Austritt mittelst Los, in der Folge nach dreijähriger Functionsdauer. 18 Das DurchforschuDgs-Comit6 wählt aus seiner Mitte einen Vorsitzenden, dessen Stellvertreter und einen Schriftführer. V. Verstärkte Sitzungen. §. 10. Das Directions-Comite hat das Recht, einzelne oder sämmtliche Mitglieder der Durchforschungs-Commission zu einzelnen Sitzungen mit berathender Stimme beizuzieheu. Im Laufe jedes Jahres hat jedoch eine gemeinschaftliche Sitzung beider Comitö's zu dem Behufe statt zu finden, um die Berichte über die Arbeiten der einzelnen Sectionen unmittelbar entgegen zu nehmen. Anm. NacMem dieses revidirte Statut vom Laudesculturratli und vom Museum ange- nommen war, erfolgte die Constituirung der DurcMorscliungs-Commission am 27. Mai und des Dii-ections-Comitö am 31. Mai 1885. e) Stand der Mitglieder der beiden Comitö's zu Ende des Jahres 1890. Das Directions-Comite. Von Seite des Landes-Culturrathes: Präsident: Karl Fürst Schwarzenberg (event. Vice.-Präs. Karl M. Graf Zedtwitz). Mitglieder : Ferdinand Graf Chotek, Prof. Dr. Karl R. v. Kofistka, d. z. Geschcäftsleiter, Oberforstrath Edm. Svoboda. Ersatzmänner : M. U. Dr. Ottakar Nickerl. Eine Stelle unbesetzt. Von Seite des böhm. I\1useums: Johann Graf Harrach (event. Vice.-Präs. Prof. Dr. W. W. Tomek). Prof. Dr. Ant. Fric, J. U. Dr. Franz Ladislav Rieger, Prinz Karl Schwarzenberg. Bergrath Johann Hrabäk, Adalbert Naprstek. Die Diirchforschimgs-Commission. Mitglieder: Prinz Karl Schwarzenberg, Vorsitzender, Prof. Dr. Karl. R. v. Kofistka, Stellvertreter desselben, Prof. Dr. Ladislav Celakovsky, Prof. Dr. Ottokar Feistmantel, Prof. Dr. Anton Fric, Schriftführer, Dr. Josef Hanamann, Vorstand d. Chem. Vers. Stat. in Lobositz, Prof. M. U. Dr. Bohuslav v. Jims, M. U. Dr. Ottakar Nickerl, Vorstand d. Saam. Pr. Stat. Prof. Dr. Johann Palacky, Bergrath Franz Posepny, Prof. Dr. Franz Studnicka, Buchhändler Friedrich Tempsky, kais. Rath. INHALT. a) Organisation der beiden Comite's. b) Durchforschungsarbeiten und Publicationen. c) Budget der Landesdurchforschung. d) Statut der Landesdurchforschung. e) Stand der Mitglieder zu Ende 1890. >c:><>o<~ II. Theil enthält: Dr. Em. Boficky: Pe trogr aphische Studien an den Basaltgesteinen Böhmens Preis fl. 3-50 Preis der ganzen ersten Hälfte des zweiten Bandes (I. und II. Abtheilung zusammen) geb. fl. 10* — Z ^W EITER, BAND. Zweiter Theil. III. Botanische Abtheilung. Dieselbe enthält: Prodromus der Flora von Böhmen von Prof, Dr. Ladislav Celakovsky (II. Theil) Preis fl. 2-60 IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthält: a) Prof. Dr. Ant. Fric: Die Wirbelthiere Böhmens. b) „ „ „ „ DieFlussfischereiinBöhmen. cj „ „ „ „ Die Krustenthiere Böhmens. Preis fl. 3* — V. Chemische Abtheilung. Prof. Dr. Em. Boficky: Über die Verbreitung des Kali und der Phosphorsäure in den Gesteinen Böhmens. Preis 60 kr. Preis der ganzen zweiten Hälfte des zweiten Bandes (IH., IV. u. V. Abth. zusammen) geb. fl. 5* — DRITTER. BAND. I. Topographische Abtheilung. Verzeichniss der in den J. 1877 — 1879 vom k. k. mil.-geogr. Institut trigonometrisch bestimmten Höhen von Böhmen herausgegeben von Prof Dr. Karl Kofistka und Major R. DaublebskyvonSterneck fl. 1'80 II. Geologische Abtheilung. I.Heft. Petrographische Studien an den Phonolithgesteinen Böhmens von Prof. Dr. Em. Boficky. Preis fl. l*— II. Heft. Petrographische Studien an den Melaphyrgesteinen Böhmens von Prof. Dr. Em. Boficky. Preis fl. l — III. Heft. Die Geologie des böhmischen Erzgebirges (I. Theil) von Prof. Dr. Gustav Laube. Preis fl. 2"— III. Botanische Abtheilung. Prodromus der Flora von Böhmen von Prof. Dr. Ladislav Celakovsky. (III. Theil Schluss.) Preis fl. 2-40 IV. Zoologische Abtheilung. I. Heft. Die Myriopoden Böhmens von F. V. Rosicky. Preis 60 kr. II. Heft. Die Cladoceren Böhmens von Bohuslav Hellich. Preis fl. 1'60 V. Chemisch-petrologische Abtheilung. Elemente einerneuen chemisch-mikroskopischen Mineral- und Gesteinsanalyse von Prof. Dr. Boficky. Preis . • fl. 1*40 VIER,TER- BAND. No. 1. Studien im Gebiete der böhmischen Kre ideformation. Die Weissen- berger und Malnitzer Schichten von Dr. Anton Fric. Preis fl. 3' — No. 2. Erläuterungen zur geologischen Karte der Umgebungen von Prag von J. Krejci und R. Helmhacker ^. ..fl. 4*50 No. 3. Prodromus der Flora von Böhmen von Prof. Dr. Ladislav Celakovsky. (IV. Theil.) Nachträge bis 1880. Verzeichniss und Register^ fl. 2-40 No. 4. Petro logische Studien an den Porphyrgesteinen Böhmens von Prof. Dr. Em. Boficky fl. 1-80 No. 5. Flora des Flussgebietes der Cidlina und Mrdlina von Prof. Ed. Pospichal. fl. 1- No. 6. Der Hangend flötzzug im Schlan-Rakonitzer Steinkohlenbecken von Carl Feistmantel fl. 2 — FtJNFTEFtBAlVD. No. 1. Erläuterungen zur geologischen Karte des Ei sengebirges (Zelezne hory) und der angrenzenden Gegenden im östlichen Böhmen von J. Krejci und R. Ilelmhacker •- ...... fl. 2- — No. 2. Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. III. Die Iser- schichtcn. Von Dr. Anton Fric ü. 3 — No. 3. Die mittelböhm. Steinkohlonablagerung von Carl Feistmantel . ü. 1'20 No. 4. Die Lebermoose (Musci Hepaticj) Böhmens von Prof. Jos. Dedecek. fl. 1- — No. 5. Orographisch-geotektonis che Übersicht des silurischen Gebietes im mittleren Böhmen. Von Johann Krej ci und Karl Feistmantel. . . . fl. 2 — No. 6. Prodromus der Algenflora von Böhmen. I. Th. Von Dr. A. Hansgirg. fl. 1'4() SEOMSTEFtBAIVD. No. 1. Über die Torfmoore Böhmens in naturwissenschaftlicher und national- ökonomischer Beziehung mit Berücksichtigung der Moore der Nachbar- länder. Von Dr. Fr, Sitensky. I. Abth. Naturwissenschaftlicher Theil. . . . fl. 2*80 No. 2. Die Süsswasserbryozoen Böhmens. Von Jo sef Kafka fl. 1-20 No. 3. Grundzüge einer Hyetographie des Königreiche s Böhmen. A'on Dr. F. J. Studnicka .... fl 1*50 No. 4. Geologie des böhmischen Erzgebirges. II. Theil. Von Dr. Gustav C. Laube. fl. 2-50 No. 5. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Böhmens von Fr. Klapälek fl. 120 No. 6. Prodromus der Algenflora von Böhmen. I. Th. Forts. Von Prof. Dr. Anton Hansgirg fl- 3' — SIEBENTEM BAiVD. No. 1. Die Flechten der Umgebung von Deutschbrod von Josef Noväk . . fl. 1-— No. 2. Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. IV. Die Teplitzer Schichten. Von Prof. Dr. An t. Fric fl. 3-— No. 3. Über die chemische Zusammensetzung verschiedener Ackererden und Gesteine Böhmen's und über ihren agronomischen Werth. Von Dr. Jos. H anamann. No. 4. Die tertiären Land- und Süsswasser-Gonchylien des nordw. Böhmen von Klika ^ fl. — ■ — No. 5. Die höh mischen Myxomyceten von Dr. Lad. Celakovsky (Sohn) . . fl. — — No. 6. Geologische Karte von Böhmen. Section VI. Entworfen von Prof. Job. Krejci. Mit Erläuterung von Prof. Dr. A. Fric. Preis fl. 220 AOHTEB. BAND. No. 1. Übersicht der Thätigkeit der naturw. Landesdurchforschung v. J. 1864 bis 1890 von Prof. Dr. K. Koi'istka fl. —-30 No. 2. Untersuchung der Fauna d. böhm. Gewässer. II. Fauna d. böhm. Teiche von Jos. Kafka fl. — ■ — Druck von Dr. Ed. GrÖOT in l'mir 1S91. — Selbstvorlag ^v/iwr- ij^ "^-^ DAS ARCHIV für die naturwissenschaftliche Landesdiirchforschung von Böhmen I. bis V. Band : Redaktion von Prof. Dr. K. Kofistka und Prof. J. Krejci, yi. Band u. s. w. : Redaktion von Prof. Dr. K. Kofistka und Prof. Dr. A. Fric, eDlhäit föigeode Arbeiten : EFISTER, BAND. I. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung und zwar: a) Das Terrain und die H öh en ve r h ältni s s e des Mittelgebirges und des Sandsteingebirges im nördlichen Böhmen von Prof. Dr. Karl Kofistka. h) Erste Serie gemessener Höhenpunkte in Böhmen (Sect.-Blatt II.) von Prof. Dr. Kofistka. «J Höhenschichtenkarte, Section IL, von Prof. Dr. Kofistka. Preis fl. 4* — Preis der Karte app fl. 1*60 II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. Dieselbe enthält: ■a) Vorbemerkungen oder allgemeine geologische Verhältnisse des nörd" liehen Böhmen von Prof. Johann Krejci. 6j Studien im Gebiete der böhm. Kreideformation von Prof. J. Krejci. c) Paläontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der böhm. Kreideformation u. s. w. von Dr. Anton Fric. ■d) Die Steinkohlenbecken von Radnic, vom Hüttenmeister Karl Feistmantel. Preis fl. 4-50 in. Die Arbeiten der botanischen Abtheilung. Dieselbe enthält: Prodromus der Flora von Böhmen von Dr. Ladislav Celakovsky. (I. Theil.) Preis fl. 1 — rV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthält: a) Verzeichniss der Käfer Böhmens vom Conservator Em. Lokaj. h) Monographie der Land- und Süsswassermollusken Böhmens vom Assi- stenten Alfred Slavik. oj Verzeichniss der Spinnen des nördlichen Böhmen vom Real-Lehrer Emanuel Barta. Preis fl. 2" — V. Chemische Abtheilung. Dieselbe enthält: Analytische Untersuchungen von Prof. Dr. Hoffmann. Preis 25 kr. Preis des ganzen I. Bandes (Abth. I. bis V.) geb fl. 9' — Z ^W EITEFt BAND. Erster Theil. I. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung und zwar: oj D a s Terrain und die Höhenverhältnisse des I s e r- und des Riesen- gebirges und seiner südlichen und östlichen Vorlagen von Prof. Dr. Karl Kofistka. h) Zweite Serie gemessener Höhenpunkte in Böhmen (Sect.-Blatt IH.) von Prof Dr. Kofistka. c) Höhenschichtenkarte, Section III., von Prof. Dr. Kofistka. d) Höhenschichtenkarte des Riesengebirges von Prof. Dr. Kofistka Preis dieser Abtheilung fl. 4-50 IL Die Arbeiten der geologischen Abtheiluug. I. Theil enthält: a) Prof. Dr. Ant. Fric: Fauna der Steinkohlenformation Böhmens. h) Karl Feistmantel: Die Steinkohlenbecken beiKlein-Pfilep, Lisek, Stile c, Holoubkow, Mireschau und Letkow. e) Jos. Väla und R. Helmhacker: Das Eisensteinvorkommen in der Gegend von Prag und Beraun. d) R. Helmhacker: Geognostische Beschreibung eines Theiles der Gegend zwischen Beneschau und der Säzava. Preis . . . fl. 4* — UNTERSUCHUNGEN ÜBER DIE II II FAUNA DER GEWASSER BÖHMENS II. DIE FAUNA DER BÖHMISCHEN TEICHE. VON JOSEF KAFKA, ASSISTENT AM KüNGL. BÖHMISCHEN MUSEUM. MIT 2 ABBILDUNGEN. ARCHIV DER NATURWISSENSCHAFTLICHEN LANDESDURCHFORSCHUNG VON BÖHMEN (VIIL Band, Nro. 2.) PRAG. DRUCK VON Dr. ED. GREGR. — IN COMMISSION BEI FR. RIVNÄC, 1892. EINLEITUNG. indem die zoologische Wissenschaft nun auch das Gebiet der biologischen Forschung umfasst, schaffte sie sich eine neue Basis für ihre vielverheissende Zukunft und kam dadurch ihrem eigentlichen Ziele bedeutend näher. Durch das Studium der Biologie wurde erwiesen, welch einen geringen Theil des Thierreichs wir von diesem Standpunkte aus kennen und wie es doch immer und immer neuer Untersuchungen bedarf, um zu einer richtigen Erkenntniss des Thierreichs und seiner Entwickelung zu gelangen. Dieser Umstand gab nicht nur zu den modernen Erforschungen der Meeres- tiefen durch die mit den neuesten wissenschaftlichen Hilfsmitteln ausgerüsteten Expeditionen Anlass, sondern führte auch zu einer genauen Durchforschung des festen Landes und der süssen Gewässer sowohl in faunistischer als auch in flori- stischer Beziehung, Diesen Bestrebungen haben wir auch das Entstehen der modernen zoolo- gischen Stationen am Meere und an Binnengewässern zu verdanken. Unserem Vaterlande gebührt das Verdienst, dass da zuerst eine systema- tische Durchforschung des Landes ins Leben gerufen wurde. Obzwar eine trans- portable zool. Station in Böhmen erst im J. 1889 errichtet wurde — die zweite dieser Art auf dem europaeischen Festlande — so wurde doch schon vorher durch ein Vierteljahrhundert das Land nach jeder Richtung hin wissenschaftlich durch- forscht, so dass nun vor uns eine Reihe von Arbeiten liegt, in denen die Resultate der Landesdurchforschung niedergelegt sind und deren Werth allgemein aner- kannt wird. Neben dem eigentlichen Zwecke, den diese Arbeiten verfolgten, trat auch der Umstand hervor, dass hiedurch die wissenschaftliche Thätigkeit bei uns über- haupt angeregt wurde, so dass aus derselben auch andere werthvolle, anderwärts publicirte Schriften, unsere heimische Fauna betreffend, hervorgingen. Die gegenwärtige Schrift bezieht sich hauptsächlich auf die Erforschung der in unseren heimischen Gewässern lebenden Fauna und es mag auch augeführt werden, dass die systematische Durchführung derartiger Arbeiten auch bei uns ihren Anfang nahm, während die Schweiz und Deutschland erst später diesem Bei- spiele gefolgt sind. 1* Schon im J. 1871 unternahm Prof. Dr. A. Fric die Durchforschung der Böhmerwaldseen und im J. 1872 einiger Teiche in Südböhmen, worauf er im Jahre 1873 in einem in Wittingau gehaltenen Vortrag auf den Nutzen, der aus solchen Untersuchungen für die Teichwirthschaft entsteht, aufmerksam machte. Es war somit durch das Eesultat dieser Arbeiten der erste Schritt zur Kenntniss unserer heimischen Süsswassercrustaceen gethan (Fric, die Krustenthiere Böhmens) und es entstanden nun auch andere Arbeiten, die von den Schülern Fric's in gleichem Sinne ausgeführt wurden. So haben wir sehr genau einen grossen Theil unserer Fauna kennen gelernt, u. z. die Ehizopoden (durch Dr. Taränek), einen Theil der Würmer (durch Dr. Vej- dovsky), die Krustenthiere (Dr. Hellich), Moosthiere (J. Kafka), Weichthiere (Dr. Slavlk, Prof. Duda, Prof. Ulicny) und Wirbelthiere (Dr. A. Fric, Dr. Fr. Bayer etc.). Die Bearbeitung einiger dieser Gruppen muss wohl nur als ein vorläufiges Studium derselben angesehen werden und sie müssen daher in Zukunft noch ein- gehender studirt werden ; andere Partien liegen jedoch noch brach und harren ihrer opferwilligen Bearbeiter. Mit der systematischen Erforschung der böhm. Gewässer, namentlich der Teiche, begann ich im J. 1884. Anfangs war wohl mit vielen Hindernissen zu kämpfen, doch nahmen diese von Jahr zu Jahr ab und durch die Errichtung einer übertragbaren zoologischen Station dürfen dieselben zum grössten Theile be- seitigt sein. Früher noch, bevor eine neue, günstigere und erfolgreichere Arbeitsperiode auf diesem Gebiete eintreten wird und deren Ptesultate wohl bald zur Veröffent- lichung gelangen werden, will ich hiemit über meine im Interesse der Landes- durchforschung unternommenen Arbeiten, die aber mehr nur als Vorarbeiten für die weitere Durchforschung zu betrachten sind, Rechenschaft ablegen und durch die gesammelten Erfahrungen die Basis zu den künftigen Arbeiten, die uns erst zum Ziele unserer Forschung führen werden, geschafft haben. Das Ziel, zu dem wir streben, besteht: 1. In der Sicherstellung aller in den heimischen Gewässern vorkommenden Thierarten, sowohl was ihre Lebensweise als auch was ihre Entwickelung und die geographische Verbreitung der einzelnen Arten anbelangt, 2. in der richtigen Abschätzung des wirthschaftlichen Werthes der böh- mischen Teiche. Schliesslich gebührt noch angeführt zu werden, dass Herr Prof. Dr. Ant. Fric auch dieser meiner Arbeit der intelectuelle Urheber ist und dass er durch Kath und That mir allseitig behilflich war ; die nicht ohne Hindernisse verbundene Ausführung der Arbeit wurde durch die mir zutheil gewordene Unterstützung des löblichen Comitös für die naturwissenschaftliche Durchforschung von Böhmen und Mithilfe einiger Freunde der Sache, deren mit Dank bei den betreffenden Kapiteln erwähnt wird, ermöglicht. Bei der Bestimmung der Wasserfauna, die durch ihre Menge und Mannig- faltigkeit in dieser Beziehung dem Einzelneu Schwierigkeiten macht, haben mir hilfreich die Herren F. Klapälek, V. Vävra und B. Klika die Hand geboten, denen für ihre freundliche Dienste hiemit den besten Dank sage. Wenn nun bei aller Mühe, die dem Gegenstande gewidmet wurde, sich doch in der Bestimmung der einzelnen Thiere und der Constatirung der localen Fauna einige Mängel und Lücken erweisen würden, so möge dies hauptsächlich dem- Umstände zugeschrieben werden, dass es nicht immer möglich war, das gewonnene Material unter den obwaltenden, der Durchforschung nicht günstigen Verhältnissen an Ort und Stelle eingehend zu untersuchen. Durch die Errichtung der zool. Station, deren Aufgabe es ist die hier gelieferte Übersicht der Teichfauna in dieser Beziehung zu ergänzen, wird diesen, der localen Untersuchung ungünstigen Ver- hältnissen ganz abgeholfen werden. Auf die in teichwirthschaftlicher Beziehung erzielten Kesultate der For- schung, waren die angegebenen Hindernisse von keinem Einfluss, so dass die hier ausgesprochenen Ansichten und Befunde in Bezug auf den Charakter und die Kahrhaftigkeit des Teiches kaum mehr eine Änderung erleiden dürften. Von diesem Standpunkte möge diese Arbeit und ihre Resultate beurtheilt werden. PRAG, im October 1890. Josef Kafka. I. Die Arbeiten der Teichdurchforschung in ihrer Reihenfolge. In dem Zeiträume von fünf Jahren, wo ich in verschiedenen Gegenden Böhmens mich mit der Erforschung der heimischen Teiche befasst habe, sammelte ich nach und nach die Erfahrungen, welche Umstände, die das Wesen und die Entwickelung der verschiedenen Wassergeschöpfe beeinflussen, ins Auge zu fassen sind, um zu einem befriedigenden Resultate der Forschung zn gelangen. Von Wichtigkeit erschien mir, dass bei der Durchforschung der einzelnen Teiche namentlich diese Factoren festgestellt werden: 1. Die geographische und geologische Lage des Teiches. 2. Die natürlichen, die Entwickelung der Wasserfauna beeinflussenden Verhältnisse. 3. Die fremden, die Entwickelung der Wasserfauna begünstigenden oder hemmenden Einflüsse. 4. Die ursprüngliche Fauna, mit Rücksicht auf ihren Hauptaufenthalt, ihre Lebensweise und ihre, den Nahrungsreichthum des Teiches bestimmende Menge, was an Ort und Stelle zu constatiren ist. Vor Allem ist aber nöthig das Wesen dieser Umstände näher kennen zu lernen, und die Art und Weise, wie die Factoren, von denen sie abhängen, fest- zustellen sind. Die geographische Lage und das geologische Substrat haben einen wesentlichen Einfluss auf die Beschaffenheit des Teichwassers, sowohl was seine physikalischen als auch chemischen Eigenschaften anbelangt. Von der geogra- phischen Lage, mit Rücksicht auf die Erhebung über den Meeresspiegel, von den Terrainverhältnissen und der Entfernung von menschlichen Wohnungen ist z. Th. die Temperatur des Wassers, z. Th. auch die Menge der den Teich befruchtenden Anschwemmung abhängig. Die geologische Lage bestimmt die Beschaffenheit der Ufer und des Teichgrundes und hat einen namhaften Einfluss auf das Entstehen, die Nahrung und Vermehrung der Teichfauna, denn von der geologischen Be- schaffenheit hängt eben die Güte des Teichbodens, der so gut wie der Acker- boden beurtheilt werden muss, ab. An dieser Stelle haben wir uns nur mit der Frage zu beschäftigen, wie diese beiden Factoren zum Zwecke der Teicherforschung festzustellen sind. Die geograi)liische Lage ist wohl aus der Generalstabskarte ersichtlich, immerhin ist aber nöthig, nach dieser Karte ein grösseres Bild anzu- fertigen und den aufgezeichneten Teich mit der Wirklichkeit zu vergleichen, denn nicht selten weichen die factischen Verhältnisse von den Kartenangaben ziemlich ab. Entscheidend ist namentlich, wie weit sich der Teich mit Wasser zu füllen pflegt, ob nicht einige Theile desselben bleibend in Wiesen oder Felder umge- wandelt oder ob sie etwa in neuerer Zeit (durch Schaffung neuer Wege u. dgl.) nicht ganz vom Teich abgeschnitten wurden. Weiter ist nöthig, ausser den umliegenden Abhängen und der Kichtung, von wo dem Teiche die Anschwemmung zugeführt wird, alles auf der Karte zu verzeichnen, was sich in der Umgebung des Teiches befindet, so z. B. einzelne Gebäude nebst ihrem Zw^eck, Dörfer, Bäume, Alleen und Gebüsche, bebaute Grund- stücke, ob Wiesen oder Aecker, Torfe, Weiden, Laub- oder Nadelwälder. Diese Teichkarte muss also noch detaillirter sein als es die Generalstabskarte ist. Als ein Beispiel dieser Art möge die auf dem nebenstehenden Bilde (Nro. 1) darge- stellte Karte dienen. Auf derselben finden wir, dass auch auf der Wasserfläche einige Objecte bezeichnet sind. Es sind dies Wasserbauten und die mit Pflanzen bewachsenen Stellen, d. i. die Flora der Teichränder als auch die der Wasserfläche, die schwim- mende oder pelagische Flora. Hier beginnt der zweite Theil unserer Aufgabe, nämlich die Feststellung der natürlichen Verhältnisse. In erster Keihe ist die Vegetation ins Auge zu fassen, da dieselbe einen wesentlichen Einfluss auf die Durchwärmung des Teiches hat und gewissermassen auch das Substrat für die ansässige Fauna und die wechselnde Strandfauna bildet. Aus diesen Gründen ist also die Aus- dehnung der zusammenhängenden Ufervegetation hervorzuheben und ihre Dichtigkeit, sowie ihre Bestand- theile, d. i. aus welchen Pflanzen sie hauptsächlich gebildet ist, zu be- zeichnen. In gleicher Weise ist auch die pelagische Flora ins Auge zu fassen und anzuführen, sowie auf ihre Arten näher zu untersuchen ; es ist nämlich nicht gleich- giltig ob dieselbe aus schwimmenden, kleinblätterigen Pflanzen, wie es die Pota- mogetonpflanzen sind, besteht, oder ob sie aus untergetauchten Pflanzen wie Myrio- phyllum, oder aus grossblätterigen Seelilien gebildet ist. Auch die Tiefe des Teiches ist als ein wichtiger Umstand, dessen Be- sprechung zu diesem Kapitel gehört, zu berücksichtigen. Bild 1. 9 Mehr noch als die Wasservegetatiou ist auf die Wärme des Teiches seine Tiefe von Einfluss, d. i. auf jene physikalischen Verhältnisse, die für die Ent- wickelung der Fauna die wichtigsten sind. Aus diesem Grunde mus ein hatime- trisches Kärtchen des Teiches (Bild 2) angefertigt werden. Dieses wäre am besten und genauesten mit Hilfe der nöthigen Ni- vellirinstrumeute zu entwerfen, wenn der Teich abgeschlagen und trocken gelegt ist ; doch ist dies in der Kegel nur selten möglich und für den for- schenden Zoologen geradezu unmög- lich, sich so zu behelfen. Es muss daher zur Anfertigung dieser Karte geschritten werden, wenn der Teich voll bespannt ist. Zu diesem Zwecke richten wir uns ein ziemlich schweres Gewicht vor, das auf eine feste, ge- ölte Schnur befestigt wird. Auf starkem Carton zeichnen wir eine vergrösserte Copie der Teichgrenze v,«»««— nS mit Hervorhebung aller in die Augen ^ fallenden Punkte der Umgebung, so ^^^^ ^• z. B. Gebäude, Thürme, grosser Bäume, Schützen, Wehren etc., auf. Diese Orien- tirungspunkte verbinden wir mit geraden Linien derart, dass dieselben, so weit als möglich, ein dichtes Netz darstellen. Hierauf verfolgen wir die einzelnen Rich- tungen mit Hilfe eines sicher geführten Kahnes und messen die Tiefe stets in einer Entfernung von 10 Metern. Auf diese Art und Weise erlangen wir zahlreiche Punkte genauer Tiefenmessung und es ist dann nur nöthig die Punkte gleicher Tiefe mit einander zu verbinden und die einzelnen Tiefenpartien durch Farben- schattierungen zu markiren. Die so erlangte Karte ist für uns von zweifachem Nutzen : erstens werden wir durch dieselbe von der Güte des Teiches belehrt, wie wir später genau kennen lernen werden, und zweitens wird sie zu einem vorzüglichen Hilfsmittel beim Fange der Fauna in den einzelnen Zonen und Horizonten. Damit ist die Feststellung der natürlichen Verhältnisse eines Teiches noch nicht zu Ende geführt; nöthig ist auch zu erfahren, welchen Winden die Wasser- fläche des Teiches ausgesetzt und in welcher Richtung dieselbe vor Winden ge- schützt ist; weiter, ob dieselbe nicht durch Wald, Alleen oder andere Gegenstände zu sehr beschattet wird. Sodann übergehen wir zur Feststellung der fremden Einflüsse, die die Ent- wickelung der Teichfauna begünstigen oder auch hemmen können. Vor Allem ist hier nöthig zu untersuchen, mit was für einem Wasser der Teich gespeist wird, wobei darauf Bedacht zu nehmen ist, ob sich hier die technische Möglichkeit darbietet, den Teich nach Belieben abzulassen oder zu spannen, was namentlich vom wirthschaftlichem Standpunkte wichtig ist. Für die eigene For- 10 schung ist von Nutzen, wenn wir von der Teicbverwaltung die Daten über die Grösse des Teiches und über dessen Besatz erbalten, über das Resultat des Ab- fischens unterrichtet werden und erfahren, ob es ein Laich-, Streck- oder Hauptteich ist und wie derselbe bewirthschaftet wird (auf eine, zwei oder drei Hitzen) na- mentlich ob derselbe trocken gelegt und angebaut wird und wann dies zuletzt geschah. Spcäter werden wir aus den Ergebnissen der gemachten Beobachtungen ersehen, wie diese Umstände auf die biologischen und wirthschaftlichen Verhält- nisse des Teiches einwirken. Ausser den bereits hervorgehobenen Umständen muss noch auf Vieles Rück- sicht genommen und namentlich beachtet werden, woher und was für eine An- schwemmung dem Teiche zugeführt wird, ob dieselbe nicht verunreinigt oder durch Wasser aus Fabriken, das oft von Weitem kommt, nicht vergiftet ist. Wenn wir nun all' diese Vorbereitungen getroffen und die nöthigen Daten aufgezeichnet haben, so kann zur eigentlichen Durchforschung des Teiches ge- schritten werden. Durch eine kleine Ablenkung von dem eigentlichen Gegenstande sei mir an dieser Stelle gestattet, auch darauf hinzuweisen, in welcher Richtung und mit was für Mitteln diese Durchforschung früher gepflogen wurde. Schon vor Jahren, als anderwärts von derartigen Untersuchungen fast keine Spur war, wurden bei uns, namentlich durch die Bemühungen von Prof. Dr. Ant. Fric, die ersten zur Durchforschung unserer Teiche und Seen abzielenden Schritte gethan. — Theils Dr. Fric selbst, theils Dr. Hellich, begannen mit der Erforschung der in diesen Gewässern dominirenden Crustaceenfauna. — Die diesem Beginnen in den Weg sich stellenden Hindernisse, waren damals nicht gering. Der oft schlechte Zutritt, der Mangel eines Kahnes und auch der nöthigen praktischen Utensilien erschwerten ungemein die Ausführung der Aufgabe. Trotzdem hatten aber diese Durchforschungen die Leistung einer sehr guten Arbeit über die böhmischen Clado- ceren zur Folge, wobei überdies durch dieselben die faunistische Basis für die weiteren Arbeiten über Copepoden und Cypriden geschaffen wurde. Ln Ganzen wurden damals etwa 30 Teiche und Seen in dieser Richtung durchforscht. Später wurde auch anderen Gruppen der Teichfauna die nöthige Aufmerk- samkeit gewidmet, so namentlich den Rhizopoden, Bryozöen, Mollusken, Insecten- larven u. ä., doch konnte zu einer systematischen Durchforschung bisher nicht ge- schritten werden, wenigstens so lange nicht, bevor nicht die nöthigsten Hilfsmittel für diesen Zweck gesichert waren. In erster Reihe musste man sich auf die Be- reitwilligkeit und Beihilfe der Besitzer der zu durchforschenden Gewässer verlassen, obzwar diese Forschungen in nicht einer Hinsicht dem wirthschaftlichen Interesse des Besitzers zu Statten kommen. In Anstrebung dieses Zieles wurde ein guter Schritt damit vorwärts gethan, als sich die Verwaltungen der Domainen Zbirow, Chlum bei Wittingau, Dymokur, Frauenberg und Neuhaus bereitwilligst der Mühe unterzogen, durch Beschaffung von Kähnen, Arbeitsräumen und auf andere Art die Durchforschung der Teiche zu fördern. Unter diesen Umständen konnte die Durchforschung zwar schon systema- tischer betrieben werden, doch blieb noch Vieles zu wünschen übrig. Zum Theil 11 beschränkte sich die Durchforschung nur auf eine kurze Zeit im Jahre, zum Theile konnten zu einem der durchzuforscheuden Teiche im Jahre nur eine oder zwei Ex- cursionen gemacht werden; nur in den wenigsten Fällen konnte man in der Nähe eines Teiches für eine längere Zeit Aufenthalt nehmen, doch öfters mussten ziemlich weite Excursionen gemacht werden, bevor man den Teich erreichte, wodurch ausser dem grossen Verlust an Zeit oft auch das Resultat der Forschung gefährdet wurde. Eine vortheilhafte Ausnahme von diesen, sei auch den strengeren Anfor- derungen noch immer nicht entsprechenden Verhältnissen, machte die Durchfor- schung des Municer Teiches bei Frauenberg, wo durch die fürstlich Schwarzen- bergsche Herrschaftsverwaltung ein Arbeitsraum zur Verfügung gestellt wurde und wo nebst dem durch einen zweimonatlichen Sommeraufenthalt erhaltenen Material auch durch Beihilfe des Herrn Honig das nöthige Wintermaterial zu erlangen war. In der Reihe der einer Durchforschung unterzogenen Teiche ist daher der Municer Teich wohl als der am gründlichsten erforschte Wasserkörper zu betrachten. — Freilich ist auch dieses Resultat noch weit entfernt von dem uns vorschwebenden Ideale, dass durch eine derartige Forschung ein Bild der Teichfauna in allen Phasen ihrer Entwickelung wähi'end eines Jahi^es erlangt werden möchte. Von den übrigen Teichen, die in der zweiten Durchforschungsperiode unter- sucht wurden, konnte noch dem Bezdrev- und dem Judenteiche bei Frauenberg, ferner dem Jacob- und Komaroverteich bei Dymokur und dem Gatterschlagerteich bei Neuhaus eine grössere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Einige dieser Teiche wurden schon früher z. Th. von Prof. Dr. Fric, z. Th. von Dr. Hellich untersucht, so dass die neueren wiederholten Untersuchungen in mehrfacher Hinsicht ein interessantes Resultat ergaben. Der Gatterschlager Teich, obzwar von mir nur vorläufig untersucht, und wenn auch im J. 1890 die zoologische Station an denselben verlegt wurde, war doch durch einige Tage der Gegenstand meiner Beobachtungen und gebührt daher mit Recht auch zu den von mir untersuchten Teichen gezählt zu werden. Aus der Reihe der übrigen, mehr oder weniger nur per Excursion unter- suchten Teiche, erhielt ich zahlreiche faunistische und biologische Daten, die später speciell angeführt werden; die Resultate mancher dieser Beobachtungen dürften auch für die Praxis der Teichwirthschaft von Bedeutung sein. Die weiteren Er- forschungen werden nun durch die transportable zool. Station erfolgen, doch wird da hauptsächlich nur das rein wissenschaftliche Interesse berücksichtigt werden können, und wie eben aus der Natur der Sache hervorgeht, werden sich die Ar- beiten nur auf den engeren Horizont eines Teiches oder Sees und seiner nächsten Umgebung beschränken. Die Untersuchung eines ganzen Teichcomplexes behufs wirthschaftlicher Zwecke, könnte fernerhin nur auf besonderen Wunsch und eigene Kosten des Besitzers vorgenommen werden. Doch kehren wir wieder zu der eigentlichen Erforschung der Teichfauna zurück. Es ist nöthig, sich zu diesem Zwecke mit den passenden Instrumenten zu versehen. Als solche sind vornehmlich feine Netze zum Fischen der Fauna an der Oberfläche des Wassers zu nennen. Diese Fauna pflegt gewöhnlich zart und durch- sichtig und oft sehr klein zu sein, daher es nöthig ist, dass diese Netze dicht. 12 und, damit sie den Widerstand des Wassers ertragen, hiebei auch entsprechend fest sind. Zu diesem Zwecke fertigte ich mir zweitheilige Netze aus Müllerleinwand an ; die obere walzförmige Abtheilung ist an einem eisernen Ring befestigt und unten mittelst eines in die Leinwand eingenähten Ringes aus Messing beschwert; die Mündung ist mit einer trichterförmigen, nach innen sich verengenden Dupplicatur versehen, wodurch verhindert wird, dass der bei grösserem Druck oder unge- nügendem Wasserdurchfall im Netz entstandene Strudel den erbeuteten Inhalt an Thieren nicht aus dem Netze treibt. Die zweite Abtheilung des Netzes verengt sich nach hinten konisch, und endet mit einer umsäumten Öffnung, in die sich ein am Rande umgebogenes Glas einsetzen und festbinden lässt. Für die Uferregion, na- mentlich für das Fischen zwischen harten Pflanzenstrüuken, ist wohl noch ein festeres, doch das Wasser mehr durchlassendes Leinwandnetz nöthig, doch ohne Glasflasche (da diese hier zerschlagen werden kann), obzwar auch bei einem solchen Schöpfer eine Dupplicatur an der Mündung gute Dienste leistet. Versehen mit Netzen, einem Thermometer und mit einigen Gläsern, be- steigen wir nun ein, wie am besten ist, gut geführtes Ruderboot. Vor Allem haben wir die Temperatur des Wassers sowohl au der Oberfläche als auch in einer Tiefe von 2 — 3 Metern und dann am Grunde des Teiches festzustellen. Gut ist es auch, die Temperatur des Wassers am Rande, d. i. an seichten Stellen von der Tempe- ratur des offenen Wassers über den tiefen Stellen und von der Temperatur des Wassers zwischen der pelagischen Vegetation zu unterscheiden. Die erhaltenen Daten sind genau zu verzeichnen. Aus Zeitersparniss kann die Temperatur des Wassers an diesen verschiedenen Stellen gleichzeitig mit dem Schöpfen vorgenommen werden. Zu allererst wenden wir unsere Aufmerksamkeit der Erforschung der Ufer- oder litoralen Fauna zu, und zwar soll dies an verschiedenen Stellen, je nach der Beschaffenheit der Teichufer und ihrer Vegetation geschehen. In erster Reihe unter- ziehen wir einer maJcrosJcojpischen Untersuchung die Ufersteine, das Holzwerk der Wasserbauten, die Oberfläche der Wasserpflanzen und ihrer Wurzeln, sowie auch den Boden des Teiches, soweit derselbe dem freien Auge zugänglich ist. Auf diese Art und Weise erlangen wir bereits in vielfacher Hinsicht die nöthigen Anschau- ungen von dem Leben im Wasser und gelangen in den Besitz solcher Objecte, die uns beim Schöpfen mit dem Netz vielleicht entgehen würden. Alles was unsere Aufmerksamkeit auch nur im geringen Grade erregt, verzeichnen wir auf einen Karton, auf dem das batimetrische Kärtchen bereits dargestellt ist. Wichtig ist, dass wir bei diesen makroskopischen Beobachtungen auch von dem Leben über dem Wasser Notiz nehmen und das hier Beobachtete aufzeichnen. Mitunter ist es von Vortheil, auch die über dem Wasser fliegenden lusecten hie und da zu er- beuten und aufzubewahren, da uns später dieselben bei der Bestimmung der im Wasser gefundenen Insectenlarven, beziehungsweise der ganzen Metamorphose, von Nutzen sein können. Nach Beendigung dieser Arbeit kann das Schöpfen mit dem Netze begonnen werden. Das an einem Stock befestigte und mit einem Glas versehene, früher erwähnte Netz, gebrauchen wir, wenn wir mit demselben unter weichen Pflanzen und nicht am steinigen Boden nach Beute suchen wollen. Im letzteren Falle nehmen wir das 13 festere Netz, ohne Glas, das gleichfalls an einem Stocke befestigt und auch zum Schaben oder Kratzen eingerichtet ist. Handelt es sich nur um die Erforschung der einzelnen Arten, so genügt, blos an wenigen Stellen mit dem Netz so zu streifen, dass durch die entstandene Bewegung des Wassers unwillkürlich eine Menge der kleinen Wasserbewohner ins Netz getrieben wird. Wollen wir aber ein Vergleichsmaterial, behufs Beurtheilung der Menge der einzelnen Individuen erlangen, so ist nöthig, bei dem Streifen mit dem Netze gleichförmig umzugehen d. i. bei dem Schöpfen eine festgestellte Norm zu beobachten. Ich wählte daher immer eine Entfernung von 20 Metern, zu welchem Zwecke ich diese Abstände schon am Ufer markierte, und schöpfe so die Litoral- fauna mit dem Handnetze nur durch einfache Streifuug, auf Art des Schleppnetzes. Handelt es sich aber nur um einfache Erforschung der Fauna und haben wir unser Arbeitslokal in der Nähe, so langt das gewonnene Material behufs specieller Bearbeitung im frischen Zustande für längere Zeit. Will man jedoch die Teichfauna in biologischer Hinsicht studiren, oder wenn unser Arbeitslocal entfernt liegt, so ist nöthig, alsbald auch die Erforschung der übrigen Fauna vorzunehmen, damit die unter gleichen Temperatur- und Wit- terungsverhältnissen gewonnenen Kesultate verglichen werden können; es muss daher die erbeutete Litoralfauna an Ort und Stelle conservirt werden.*) Hat der Teich eine mannigfache Ufervegetation, so z. B. da Schilfrohr, dort Segge oder Binse, so ist es angezeigt, an allen diesen Stellen mit dem Netz thätig zu sein und die Ausbeute immer separat zu conserviren. In gleicher Weise ist mit der Uferfauna zu verfahren, so wir diese an den Dammsteinen, an dem Holz der Wasserbauten, am Ufer, oder an dem seichten, vegetationslosen Teichstrand erbeuten. Die nächste Aufgabe nach erfolgter Untersuchung der eigentlichen Litoral- fauna besteht in der. Untersuchung der pelagischen Vegetation, d. i. jener Pflanzen, die mehr oder weniger in der Mitte des Teiches an der Oberfläche des Wassers frei herum schwimmen oder vom Grunde des Teiches, meist als dichte Masse, durch das Wasser an die Oberfläche gelangen. Auch hier empfiehlt sich zuerst eine makroskopische Besichtigung. Anfangs lassen wir unseren Blick im Wasser unter dieser Vegetation schweifen, und nicht selten erblicken wir da Kolonien von Infusorien, Räderthierchen u. a., die beim Schöpfen mit dem Netz vernichtet werden und uns entgehen könnten ; ferner unter- suchen wir die Unterseite der Blätter, suchen sorgfältig den Stengel und die Aus- läufer der Pflanzen ab, um so ein Bild von der hier angesiedelten Fauna zu er- halten. Erst dann schreiten wir zum Netzfang, der auf die Art und Weise be- trieben wird, wie wir es am Ufer gethan haben. *) Nach vielen Erfahrungen über die Conservirung der kleineu Fauna, fand ich am vortheilhaftesten dieselbe in einer Mischung zu tödten, die aus 27o Lösung von Chromsäure, l7o Lösung Sublimat und einigen Tropfen Osmiumsäure besteht. Diese Flüssigkeit muss bald ab- gegossen (da sie dann durch Ersatz von frischer verwendet werden kann) und die Thierchen mit Wasser und schwachem Alcohol auf einem Sieb gut abgespült werden, worauf sie dann in starken Alcohol, der den zweiten Tag gewechselt und mit der Zeit nachgegossen werden muss, gelegt werden. 14 Der Erforschung der pelagischen Fauna, das ist jenes Gemenges der kleinen und winzigen, meist mikroskopischen Geschöpfe, welche das freie Wasser mit ihrer Menge füllen, ist eine grosse Aufmerksamkeit zu schenken. Falls die Uferfauna irgendwie für den Teich charakteristisch ist, so beruht dies hauptsächlich in ihrer Ausgiebigkeit und Menge ; seltener hängt dies von den betreffenden Arten ab. Die Fauna der Ufer ist so ziemlich stereotyp und es lässt sich dieselbe auch im Allgemeinen gut charakterisiren ; die Unterschiede treten, je nach der Beschaffenheit der Uferzone, nur so hervor, als da oder dort manche Arten fehlen, oder einzelne in geringer Menge auftreten. Dagegen ist die pela- gische Fauna sowohl durch ihre Arten und die INIenge derselben sehr charakteristisch und zeigt auch eine sehr bemerkenswerthe Schiebung sowohl in verticaler als auch in horizontaler Richtung. Aus diesem Grunde muss auch bei dem Netzfange auf verschiedene Tiefen- horizonte Eücksicht genommen werden. Auch da trachten wir vorerst durch einen Blick ins Wasser ein vorläufiges Bild von der Natur der pelagischen Organismen, die dem Wasser oft einen eigenthümlichen Charakter geben, zu erlangen. Na- mentlich thuen dies pelag. Infusorien und Algen. Ein anderesmal trifft es sich, dass wir massenhafte Züge gewisser Arten und sonst andere bemerkenswerthe Er- scheinungen beobachten können. Dann kann zum Netzfang in verschiedenen Hori- zonten geschritten werden. Vorerst schöpfen wir mit dem Streifnetz auf der Oberfläche des Wassers. — Wenn wir Vergleichsmaterial erlangen wollen, so muss dies, wie schon früher an- geführt w^urde, stets in einer gewissen Entfernung geschehen (z. B. von 20 Metern, die man durch Bezeichnungen am Ufer abschätzen kann), sonst können wir auch einen grösserer Theil der Wasserfläche durchstreifen, doch vorsichtig muss der pelagischen Vegetation ausgewichen werden. Sehr sorgfältig muss mit dem erbeu- teten Material manipulirt werden, denn dasselbe enthält regelmässig die kleinsten Crustaceen und Räderthiere. Für den weiteren Fang ist das Handnetz, das rein ausgewaschen werden muss, anzuwenden. Mit diesem fischen wir in einer massigen, in der Regel 72 ^i^ 1 M. betragenden Tiefe, indem wir es an die Seite des Bootes fest ansetzen und das Boot regelmässig führen lassen, und ziehen zum Schlüsse das Netz rasch, in senkrechter Richtung in die Höhe. Für grössere Tiefen muss wieder das Schlepp- netz genommen werden, doch ist hier noch eine doppelte Vorrichtung zu treffen: Erstens ist das vordere Ende des Netzes so zu belasten, dass das Netz nur so tief als nöthig und nicht tiefer sinkt; zweitens ist nöthig an dem Netze einen Schliesser anzubringen, der dasselbe nach jedem Zuge schliesst, damit beim Auf- ziehen nicht noch etwas miterbeutet wird. Hiebei bietet sich uns oft auch Anlass, andere Beobachtungen, die sorg- fältig verzeichnet werden sollen, machen zu können. Nicht selten kommt irgend ein beachtenswerthes Thier zum Vorschein, das noch im frischen Zustande genauer unter- sucht und separirt werden muss, oder, wir müssen sofort trachten durch einen neuen Zug mit dem Netze mehr davon zu erhalten. Es ist selbstverständlich, dass nach jedem Zuge mit dem Netze die Ausbeute separirt und sorgfältig etiquettirt werden muss. 15 Dann erübrigt nur noch die Untersuchung des Teichgrundes vorzunehmen u. z, muss dieselbe in zweifacher Hinsicht geschehen: erstens auf seine Beschaffen- heit hin und zweitens um zu erfahren, was für eine Fauna in und auf demselben lebt. Zu diesem Zwecke muss ein Netz, verfertigt aus starker Hausleinwand, das also stark belastet werden kann, genommen und so belastet werden, dass es bis auf den Grund sinkt, und das ausserdem mit einer so starken Schnur versehen werden muss, dass es am Grunde geschleppt werden kann. Auf diese Art erhält man von verschiedenen Orten Schlamm, der genau untersucht werden muss. — Von der am Grunde des Wassers lebenden Fauna kann man auf diese Weise kein vollständiges Bild erhalten, doch um dies zu vervollständigen, muss noch zum Schleppnetze, versehen mit dem Schliesser und der nöthigen Belastung, die etwa ^/g M. vor die Netzmündung mittelst einer Schnur anzubringen ist, gegriffen werden. Diese Belastung muss so schwer sein, dass sie zum Grunde fällt und das leichtere Netz über derselben nachschwebt. Das Gewicht wirbelt den Schlamm vor dem Netze auf und durch die entstandene Bewegung des Wassers wird die Fauna des Teichbodens in das Netz getrieben. — Wenn die Schlammfauna genau festgestellt werden soll, so muss der Schlamm einer längerer Beobachtung unterzogen werden, indem wir nämlich den Schlamm in nicht zu tiefe und zu breite Glasgefässe bringen und wenn dieser sich gesetzt und das Wasser über demselben sich geklärt hat, denselben noch weiter beobachten. Geboten ist auch, den Schlamm noch mikro- skopisch zu untersuchen, und je nach Bedarf auch chemisch zu analysiren, was sowohl bei feuchtem als auch trockenem Zustande desselben geschehen kann. II. Die Durchforschung der einzelnen Teiche. A. Die Teiche der Herrschaft Zbirow. Die erste systematische Durchforschung der zur Herrschaft Zbirow gehö- rigen Teiche wurde vorgenommen, als der Herrschaftsdirektor Herr J. Binder die bereitwillige Zusage machte, das Unternehmen nach Kräften zu unterstützen. Indem ich dem genannten Herrn an dieser Stelle hiefür den wärmsten Dank sage, sei auch erwähnt, dass auch Herr Oberförster F. Zvonaf meine Be- mühungen, als ich bei den Padrtteichen weilte, in ebenso bereitwilliger Weise unter- stützte, denn seiner Intervention verdanke ich in mehrfacher Hinsicht den Erfolg meiner Arbeit, die ich in jener so abseits gelegenen Gegend auszuführen hatte. Auf der Zbirower Domaine wurden im Ganzen 15 Teiche durchforscht und von diesen sind es 10, über die ich genaueren Bericht erstatten werde. Wie die Durchforschung dieser Teiche, trotz der mir bereitwilligst zu Theil gewordenen Unterstützung schwierig war, erhellt schon aus dem Umstände, als die Padrtteiche von den Teichen der nächsten Umgebung Zbirows, die ich auch derzeit zu untersuchen hatte, 3—4 Stunden entfernt sind. Ich schlug daher mein Quaitier im Centrum dieser Gegend, 16 in Strasic auf, und wechselte dann je nach Bedarf meinen Aufenthalt so, dass ich mich immer einige Tage bei diesem oder jenem Wasser, das zu durchforschen war, aufhalten konnte. Der obere Padrt'teicli. Der in einem malerischen waldigen Kessel des Brdygebirges in einer See- höhe von 638 M. gelegene Teich hat ein Ausmass von 115'025 Im (199 Joch, 1412D°) und pflegt regelmässig vollständig gespannt zu sein. Im Norden ist der- selbe durch einen hohen gemauerten Damm begrenzt und auf der übrigen Seite laufen seine seichten Ufer in Wald aus; nur auf der Südseite ist z, Th. freies Weideland. Die Tiefe der Fischgrube misst beim Mittelstande des Wassers 4 — 5 M., die Umgebung derselben zumeist 3 M. In der Uferzone herrscht durchschnittlich eine Tiefe von 1 — P/g M. — Daselbst ist, namentlich im Westen, der Boden torfig. Gespeist wird der Teich theilw^eise durch eigene Quellen, theilweise fliesst ihm das Wasser aus den umliegenden tiefen Nadelholzwaldungen zu und so bildet derselbe ein natürliches, für die tiefer gelegenen Gegenden sehr wichtiges Wasserreservoir, das auch während der trockensten Jahreszeit den Padrfbach nicht versiegen lässt und den Hüttenwerken von Strasic und Dobflv als Reservewasser zu Statten kommt. Bei Andrang von grossen Wassermassen genügt der Teich, um dieselben anzuhalten und die tiefer gelegenen Gegenden vor jäher Uiberschwemmung zu schützen. Die Basis seines Bodens bildet azoischer Schiefer mit sandig-torfiger Anschwemmung ; zum grossen Theil sind die mittleren Partien des Grundes schlammig und un- fruchtbar; in der Richtung zum südöstlichen Ende, wo sich die Waldbäche in den Teich ergiessen, ist der Grund rein. Das Wasser ist klar, durchsichtig, wenn auch — weil den Winden sehr exponirt — immer hin- und herbewegt. Die Temperatur des Wassers pflegt verhältnissmässig niedrig zu sein, nur in den günstigsten Sommer- tagen zeigt das Thermometr an seichten Stellen IS'' C, wogegen über tieferen Stellen und in Tiefen von 2 — 3 Metern nur 14 — 15*^ C. Wärme sind. Doch weist das Wasser durch die längste Zeit des Sommers auch nicht au der Oberfläche diesen Wärmegrad häufig auf. Dadurch wird zum Theil auch erklärlich, dass hier ein so geringer Zuwachs an Karpfenbesatz stattfindet, wie in dem ärmsten Teiche des Flachlandes, nämlich pro Hektar nicht ganze 15 kg oder durchschnittlich nicht mehr als 16 hg pro Schock in einer Hitze; der Karpfen findet hier nicht genug Nahrung und die zumeist niedrige Temperatur des Wassers sowie die in sehr ge- ringer Weise erfolgende natürliche Befruchtung des durch eine sehr lange Zeit bereits ganz ausgenützten Bodens sind die hauptsächlichsten Ursachen dieser Er- scheinung. Die Hindernisse, welche die geringe Durchwärmung des Wassers ver- ursachen, zu entfernen, ist hier nicht möglich, da dieselben in klimatischen Ver- hältnissen, wie sie eben die hohe Lage über dem Meere und die den Nordwinden ausgesetzte Teichfläche bedingen, zu suchen sind. (In dieser Beziehung könnte nur insoferne eine kleine Verbesserung geschehen, als nämlich auf den Damm, der bisher kahl ist, eine Doppelallee gepflanzt würde, so dass der Teich von dieser Seite mehr geschützt wäre). — Die Teichvegetation spendet hier auch keinen Schatten, denn die Ufertiora, bestehend hauptsächlich aus Schilf und Wasser- 17 Schwaden (Glyceria aquatica) nimmt nur ganz schmale Streifen entlang des West- und Ostufers ein, und wo dieser Streifen, wie hauptsächlich am Südosteude, sich erweitert, so ist derselbe doch so schütter, dass auch da die Durchwärmung des Wassers nicht veimindert wird. Auch die pelagische Flora, repraesentirt in der Haupt- sache durch die Wasserranunkel (Batrachium aquatile) und das Laichkraut, ist hier sehr spärlich angesiedelt und beschränkt sich nur auf einige Punkte und Inselchen, so dass sie zur Durchwärmuug des Wassers in grösseren Tiefen nicht viel beiträgt. Diese Flora kann sich auch kaum mehr ausbreiten, denn einestheils bilden die grossen Tiefen ein Hinderniss für ihre Verbreitung, und anderentheils wird auch die Wasserfläche von häufigen Winden sehr bewegt. Wenn in dieser Be- ziehung nicht bessere Verhältnisse geschaffen werden können, so ist auch durch Sämerung keine grössere Fruchtbarkeit des Bodens zu erzielen, denn eine regel- mässige Trockenlegung kann hier nicht stattfinden, höchstens eine zeitweilige, je nach der Menge des Regens sich richtende Inundation einer grösseren oder klei- neren Uferfläche könnte hier von Vortheil sein. Das einzige, was hier zu empfehlen wäre, wäre die künstliche Düngung der Uferpartien und Fütterung des Besatzes. Über das Resultat der einen oder der anderen Vorkehrung kann man sich, ohne einen Vorversuch gemacht zu haben, keinen richtigen Begriff machen, denn es ist nicht unwahrscheinlich, dass die un- genügende Wärme des Teiches im gewissen Masse auch das Resultat dieser Arbeiten beeinträchtigen würde. Die Schuld an dem geringen Ertrag wird auch dem bedeu- tenden Verluste an Fischbrut zugeschrieben. Dieselbe wird hier zwar ziemlich gross, (das Stück durchschnittlich von 0.25 kg.) doch der Verlust an derselben beträgt mehr als 157o und zwar sollen diesen Schaden die im Teiche vorhandenen Hechte verursachen. Nach dem Abfischen des Teiches bleiben immer einige grössere Stücke im Teiche zurück. Im Falle sich auch die zur Hebung des Fischertrages abzielenden, oben erwähnten Versuche nicht bewähren sollten, so w^äre dieser Teich für Karpfenzucht als nicht geeignet zu betrachten. Ich glaube daher annehmen zu dürfen, dass in demselben die Zucht eines anderen Teich- oder forellenartigen Fisches, z. B. des Saiblings, der Regenbogenforelle, der schottischen Forelle oder der Maduimaraene u. ä. besser gedeihen würde. Freilich müsste in diesem Falle um Ausrottung der vorhandenen Hechte gesorgt w^erden, w^as bei gehöriger Durchkalkung der Gräben nach erfolgter Ablassung des Teiches erzielt werden könnte. Das Vorkommen der Hechte in diesem Teiche ist auch vom anderen Ge- sichtspunkte interessant, denn dieser Teich liegt schon über der Forellenzone. Der aus demselben kommende Padrfbach nebst seinem Zuflüsse „Reserve" steht seit jeher im Rufe ein guter Forellenbach zu sein, doch nur bis zum Dorfe Kocanda nächst Korycan. Die faunistische und biologische Durchforschung dieses Teiches ergab fol- gendes Resultat: Ä. Litoralfauna. a) Auf der nach Süden gerichteten Neigung des Steindammes leben auf den mit Algen, bestehend aus Bolbochaeta und zahlreichen Diatomeen (Synendra, Gomphonema, Diatoma etc.) überzogenen Steinen haupt- sächlich : 2 18 Planorbis albus Müll, (spärlich). Eurycercus lamellatiis Müller (häufig). SidacrystallinaO.F.Müll. (häufig). Acroperus leueocephalus Koch. Canthocamptus staphylinus, Jur. Cyclops diaphanus, Fischer. Von Würmern die Repraesentanten der Gattungen Nais und Chaeto- gaster (nicht häufig). Limnesia calcarea. Melicerta ringen s, Ehrub. Centropyxis aculeata, Stein. Diflugia Corona, Wall. Arcella vulgaris, Ehrnb. bj An den mit Schilfrohr bewachsenen Stelleu wird Bolbochaete durch häufige Oscillarien vertreten; ausser den oben angeführten Thieren kommen hier noch folgende vor: Limnaeuspereger Müll, (spärlich). Simocephalus vetulus Müller. Ceriodaphnia rotunda Strauss. Alona lineata Fischer. Chydorus globosus Baird. Ilyocryptus acutifrons Sars. Pleuroxus truncatus Müller. Cypris ovum 0. F. Müller. Cypris fasciata 0. F. Müller. Chironomus sp. Mesostomum sp. Anurea aculeata Ehrub. Volvox globator Ehrub. Es ist daher die wenigstens durch 26 Arten vertretene Litoralfauna ziemlich reich zu nennen, obzwar keine Art in grosser Menge auftritt. Ausserdem kommen in dieser Zone reichliche, im Juli aber noch nicht geöffnete Statoblasten der Bryozoen Cristatella und Plumatella vor, die offenbar nur in Folge von un- günstigen Verhältnissen sich nicht entwickeln konnten. -B. Pelagische Fauna. Im offenen Wasser pflegen regelmässig Bruch- theile von Oscillarien umherzuschwimmen. Die eigentliche Oberfläche enthält in Menge Rotatorien, vornehmlich: Anurea longispina Kell. Weniger häufig kommt C er ati um hirundella Müll, (macroceros Schrank.) vor. Anurea longispina erscheint am häufigsten namentlich an der Grenze der beiden Zonen, der litoralen und der pelagischen, in Gesellschaft mit Polyarthra. Bei Tage finden wir in der geringen Tiefe von ^/^^ — V2 ^- ^^^ pelagischer Crusta- ceenfauna nur wenige Arten u. zw.: Hyalodaphnia cucullata var. Kahlbergensis Schödler. „ „ „ Cederströmii Schödler. Daphnella brachyura Li^vin. Diaptomus gracilis Sars. Leptodora Kindtii Focke (sehr spärlich). Die pelagische Fauna, die hier nur aus Teichformen besteht, charakteri- siren hauptsächlich Anurea longispina, Hyalodaphnia und Diaptomus. Auch diese füllen das Wasser in Menge an. 19 C. Die tychopelagische Fauna (nämlich die Uferformen in der pelagischen Zone) besteht ausschliesslich aus Polyarthra platyptera Ehrnb., welche aus der mit Glyceria aquatica schütter bewachsenen Uferzone, ihrem Haupt- sitz sich ziemlich weit erstreckt. In ihrer Gesellschaft kommen auch die ufer- liebenden Anureaen, und bei windigem Wetter, Sida crystallina vor. jD. Die eupelagis che Fauna (d. i. die pelag. Fauna am Ufer) na- mentlich an Rändern ohne Pflanzenwuchs, ist durch Daph. brachyura und Dia- ptomus, seltener durch Leptodora vertreten. Obzwar Daphnella brachyura haupt- sächlich das offene Wasser bewohnt, so dringt sie doch in Menge bis in die Ufer- zone vor. Pelagisch pflegen auch junge Thiere von Cypris ephipiata zu sein. Nebst Karpfen und Hecht ist hier nur noch der Flussbarsch und der Flusskrebs sicher- gestellt. Von Wasservögeln erscheint hier nur selten die Tafelente (Anas boschas). Im Ganzen wurden in diesem Teiche nur 38 Thierformen vorgefunden, eine Ziffer, die in Anbetracht des Ausmasses ziemlich klein erscheint. Interessant ist daselbst das Vorkommen von Anurea longispina Kell., welches Räderthierchen ausser einigen Seen in Deutschland und Oesterreich auch in dem Hafen von Stockholm sich findet. — Polyartlu'a, die Imhof für eine rein pelagische Form hält, kommt meinen Beobachtungen nach hauptsächlich in der litoralen Zone vor; wenn sie sich auch mitunter weit in die pelagische Zone erstreckt, so ist dies doch nur aus- nahmsweise. Der Untere Padrt'-Teicli. Dieser liegt 3 m. tiefer als der Obere und ist von diesem durch einen hohen Damm abgetheilt. Das Wasser erhält er nur vom oberen Teiche durch die Abflussröhren und theils durch die Überfallwehre. Für die grossen Frühjahrswässer ist an dem oberen Teiche noch eine Reservewehr angebracht. Die Wälder an der Ost- und Westseite ziehen sich hier nicht so tief zum Ufer wie an dem oberen Teich, obzwar sie den Teich gegen Winde auf beiden Seiten ziemlich schützen. An der Nordseite ist der Teich durch einen Damm begrenzt, hinter dem das Dorf Padrt und ein kurzes, nordwärts bis etwa ^4 Stunde Weges zum Wald sich er- streckendes Thal liegt; dieser Wald zieht sich dann ununterbrochen weiter nach Norden in der Länge einer halben Meile durch ein steigendes und wellenförmiges Terrain. Aus diesem Grunde ist der untere Teich, da derselbe niedriger liegt und diesen Wäldern näher ist, gegen Nordwinde verhältnissmässig besser geschützt als der obere. Das nimmt man schon beim ersten Uiberblick desselben wahr. Indem auf dem oberen Teiche die häufigen Winde es verhindern, dass sich die Ufer- vegetation gehörig kräftigt und verbreitet, nimmt diese am unteren Teiche eine fast zu grosse Fläche ein. Im Süden sehen wir hinter der Insel, die den Teich in zwei Hälften theilt, nur kleine Partien freien Wassers, da der grösste Theil mit Schilf und Binsen, z. Th. auch Wasserrosen, Laichkraut, Schwaden und Sumpfschachtel- halm verwachsen ist. In dem nördlichen Theile, wo das freie Wasser einen bedeu- tend grösseren Raum einnimmt, sind auch noch die Ufer mit einem dichten Pflauzen- 2* 20 wuchs umsäumt. Wenn die Lage des Teiches schon auf sein Aussehen, nämlich auf seine Vegetation so grossen Einfluss hat, um so mehr ist dieser Einfluss in seinen Einzelheiten an der Fauna, die hier wohnt, wahrzunehmen, da viele Vertreter der- selben hier auch in weniger günstigen Jahren zur Entwickelung gelangen, die unter gleichen Verhältnissen im oberen Teiche die Bedingungen für ihre Existenz gar nicht finden können. So z. B. die Bryozoa, Die Spuren derselben (die Stato- blasten) wurden auch im oberen Teiche gefunden, doch die Kolonien gelangen da nur selten zur Entwickelung, wogegen sie im unteren Teiche eine regelmässige, wenn auch nicht immer gleich häufige Erscheinung sind. Mit der Vermehrung der Vegetation hängt auch die Vermehrung der Litoralfauna zusammen, wenn auch nicht was die Anzahl der Arten anbelangt, so doch was die Menge der einzelnen Individuen betrifft und ganz natürlich steigert sich dadurch auch der Reichthum an Nahrungsmenge dieses Teiches gegenüber dem oberen Teiche. Das Ausmass desselben beträgt 114 Joch SIS^' K. = 65-9126 ha Im Frühjahre 1883 wurden daselbst 4560 Stück Karpfen eingelassen u. z. im Gewichte von 1289 hg. Die Nord- und Südseife zeigt an den Steindämmen bedeutende Tiefen, wogegen die Seitenufer nur seicht verlaufen und zwar im Westen in einem sandig- lehmigen und im Osten in einem sandig-torfigen Boden. An jener Seite befindet sich neben dem Teiche noch eine Gruppe von Tümpeln, mit denen der Teich durch einen Kanal verbunden ist. • — Diese unter einander communicirenden Tümpel dienen sehr vielen Fischen zum Aufenthalt. — Der sandige, auf azoischen Schiefern ruhende Boden, ist zum grossen Theile sehr verschlammt. Das Wasser ist trüber und durchschnittlich wärmer als im oberen Teich. ■ — Bei höherem Wasserstande pflegen die Uferwiesen weit unter Wasser zu sein. Dieser Teich wird, wie der obere, von den Hütten von Strasic und Dobflv als Wasserreservoir benützt und kann wegen dieser Verbindlichkeit nicht abgeschlagen werden, umsomehr als nun die Hüttenwerke und die Teiche gegenwärtig zwei verschiedenen Besitzern gehören. Bei eingetretener Trockenheit wird aus demselben viel Wasser abgelassen. Ausser dem hier angesetzten Karpfen sind von anderen Fischen der Hecht und Flussbarsch in Menge da. Von den verschiedenen Weissfischen konnte ich die einzelnen Arten nicht feststellen. Sehr zahlreich erscheint hier im Frühjahr der grüne Wasserfrosch (Rana esculenta), doch bis zum Sommer verringert sich seine Anzahl, da ihm die Hechte sehr nachstellen. Von Wasservögeln bekommt man hier nur wenig zu Gesicht, nur das Blasshuhu und die Stockente pflegen zeitweise zahl- reicher zu sein. Von Mollusken finden sich da, doch ziemlich spärlich: Limnaeus pereger L. und Planorbis albus Müll. vonBryozoen Cristatella ophidioidea Hyatt. und Plumatella repens L. häufiger beide nur in Sommern von anhaltenderer Wärme. Von Insectenlarven ist an den Ufern verhältnissmässig nur wenig zu bemerken ; vorwiegend sind da Chiro- nomus und Triaenodes bicolor-Larven, dann die Larven einiger Ephemeriden. 21 Die Untersuchung der übrigen Fauna ergab dieses Resultat: A. Litoral -Fauna. Die Crustaceen sind nur durch gewöhnliche Formen repraesentirt u. z. Sida crystallina Müll. Cypris ovum Müll. Eurycercus laniellatus Müll. Acroperus leucocephalus Koch. Simocephalus vetulus Müll. Von Crustaceen finden sich hier noch Argulus foliaceus und ziemlich häufig Astacusfluviatilis. Die Wasser milben sind im Ganzen reichlich, namentlich: Limnesia maculata (var.) C. L. Koch. Limnesia calcarea. Die Räderthierchen vertritt: Polyarthra platyptera Ehrnb. Von Protozoen sind zahlreich : Centropyxis aculeata Stein. Difflugia Corona Wall. Arcella vulgaris Ehrnb. Peridinium sp. Nebela collaris Leidy. Erwähnenswerth ist auch das sporadische Vorkommen der Alge Limno- chlide flos aquae bei dem nahen Dorfe Padrt, die dem freien Auge nur, wenn sie durch Wind zusammengetrieben wurde, wahrzunehmen war. B. Pelagische Fauna. Die charakteristischen Vertreter derselben sind: Diaptomus gracilis Sars. Anurea longispina Kell. Leptodora Kindtii Focke. Daphnella brachyura Lievin. Cypris fasciata juv. 0. F. Müller. Hyalodaphnia cucullata var. Cederströmii und var. Kahl- bergensis Schödler, Der Untere Karezer Teich. Wenn wir, mit der Böhm. Westbahn reisend, die Haltestelle Zbirow ver- lassen und in der Richtung zu der Station Zbirow-Mauth fahren, so schneidet der Bahndamm daselbst einen ziemlich umfangreichen Teich in zwei Hälften, die durch den unter dem Bahndamm befindlichen Kanal miteinander communi- cieren. ■ — In der Richtung entlang der Bahnstrecke erblicken wir noch den klei- neren Oberen Karezer Teich, abgetheilt von dem Unteren durch einen festen Damm. Der Untere Karezer Teich, einen Flächenraum von 72 Joch 119D K. z=. 41-486 ha einnehmend und mit Ufern, die flach in Wiesen und Felder sich verlieren, und nur auf zwei Stellen verhältnissmässig kurz eingedämmt, ist ein Wasserkörper, der sich durch auffallende Unterschiede in den Tiefen kennzeichnet, denn die in der Mitte schon bedeutend tiefen Stelleu, zeigen an gewissen Punkten eine noch grössere Tiefe, wo nämlich am Boden die s. g. Figuren (grössere oder geringere Gruben) vorkommen, — In sehr seichte Stellen verlaufen dagegen die Uferpartieu. Die zu- 22 lässige Wassei'höhe ist durch eiu Zeichen auf dem Bahndamm normiit. Dieser Teich liegt im Gebiete der silurischen Schiefer, gehörend zur Etage Dd^, durch die ein Lehmboden gebildet wurde, der bei heftigerer Bewegung d es Wassers dem- selben eine graue Trübung gibt. Nur aus wenigen Pflanzen ist hier die Vegetation zusammengesetzt, aus Schilf, der die Ufer nur in schütteren Gruppen säumt, aus Laichkraut (Potamogeton natans) und Knöterich, die ' nur einige kleine Inseln mehr in der Nähe der Ufer als im freien Wasser bilden. Nur zwischen diesen, durch ihre geringe Dichtigkeit der Entwickelung der Fauna ziemlich günstigen Pflanzen- beständen, kommen verhältnissmässig viele und mannigfaltige Kepraesentanten der hier angesiedelten Fauna vor, wogegen an anderen Uferstellen und in der pelagi- gischen Zone, in dieser Beziehung eine grosse Armuth herrscht. Dies ist auch an dem geringen Zuwachse des Besatzes wahrzunehmen, der den mir mitgetheilten Ziffern gemäss für eine Hitze 10"47 hg am Schock und auf einem Hectar 15*48 Tcg beträgt, also (im Durchschnitt) kaum 174 hg per Stück. Dieses Resultat ergab auch die Lintersuchung eines scharfrückigen schmalen Fisches mit stark vorwaltendem Kopftheile, dessen Mageninhalt ausser einigen un- verdauten Pflanzenresten nur aus einigen Sumpfcrustaceen (Alona) etwas Insecten- resten, Corisa und Fischtheilen, (wahrscheinlich vom Flussbarsch) bestand. Daraus ist zu ersehen, dass der Karpfen die ihm zusagende Nahrung daselbst nicht in hinreichender Menge findet und daher nach einem Futter sucht, das er sonst weniger zu beachten pflegt. Auffallend ist hier und in der ganzen Umgebung die geringe Anzahl von Wassermollusken, von welchen daselbst nur Planorbis albus und Limneus pereger constatirt werden konnte. Dieser Umstand dürfte vielleicht dadurch zu erklären sein, dass die geologische Formation daselbst sehr kalkarm ist, somit für die Exi- stenz kalkbedürftiger Thiere als nicht geeignet erscheint. Weit mehr sind in der Litoralfauna mehrere Insectenlarven vertreten, vornehmlich die Kepraesentanten der Gattungen Chironomus, Ephemera und Culex, im Ganzen jedoch nur wenige Species. Auf Potamogeton fand sich eine Menge von Blattläusen, die ins Wasser fallen und so auch im Mageninhalt des Karpfens nachzuweisen waren. Bemerkenswerth ist in der litoralen Fauna die grosse Menge von Wassermilben (Hydrachna). Den Localitäten nach, an denen ich sie auch anderwärts beobachtete, wählen sie zu ihrem Aufenthalte mit Vorliebe solche Uferstellen, welche nur schütter mit höherer Vegetation verwachsen sind oder nur eine submisse Vegetation haben. Im Ein- klänge damit finden wir sie dann auch an den Inseln der pelagischen Flora. In ihrer Gesellschaft finden wir auch eine grössere Anzahl von Ilotatorien und in ge- wisser Jahreszeit (Juni) auch reichliche Turbellarien. Aus der Litoralfauna wären nachfolgende Alten hervorzuheben: Hydrachnae: Arhenurus globator C. L. Koch. Limnesia maculata var. C. L. Koch. Crustacea : Sida crystallina Müll., Acroperus leucocephalus Koch. , Simocephalus vetulus Müll., Simoceph. serrulatus Koch., Scapholeberis mucronata Müll., Ceriodaphnia megops Sars., 23 zu diesen gesellen sicli die hauptsäclilich am Grunde sich aufhaltenden Arten: Alona Leydigii Schödler, Pleuroxus truncatus Müll, und Alona lineata Fischer; ferner von Cyclops Cyclo ps diaphanus Fischer, und Cypriden Cypris vidua Müll, und Notodromas monachus Müll., Würmer : Asplanchnapriodonta, (deren Vorkommen in der Litoralfauna nur durch den sporadischen Pflanzen wuchs zu erklären ist) Polyarthra platyptera Ehrnb., Nais sp. a Mesostomum. sp. Protozoa: Difflugia Corona Wahl. Centropyxis aculeata Stein. Die pelagische Fauna bilden: Leptodora Kindtii Focke, Daphnella brachyura Lievin, Hyalodaphnia cucullata, Diaptomus gracilis Sars. Hier wurde auch Nachtfang gemacht, und zwar mit demselben Resultate wie am Municer Teiche, dessen Schilderung später folgen wird. Der Obere Karezer Teich. Von dem unteren Teich gleichen Namens ist dieser kleinere Teich zwar nur durch einen Damm getrennt, doch ist er von dem ersteren in mehrfacher Be. Ziehung verschieden. Das 'Ausmass desselben beträgt 33 Joch 110 Kl. = 190340 ha Seine Ufer sind z. Th. ganz mit Gras, und weiter auf der Südseite auch mit Wald bewachsen, z. Th. ist auch seine Ufervegetation viel mächtiger und die pela- gische Flora viel reichlicher. Der gemauerte Damm ist hier der Südsonne exponirt, im Gegensatze zu dem oberen Teiche, wo die entlang desselben sieh befindende Fauna den Nordwinden ausgesetzt ist und überhaupt eine geringere Wärmeaus- strahlung geniesst. Daher ist auch die Litoralfauna in dem schütteren Pflanzen- wuchse entlang des Dammes reichlich und mannigfaltig. Der lettige Grund ist freilich auch hier kalt, zur Verschlammung geneigt und wenig fruchtbar, da^er die pelagische Fauna sowohl an Arten als auch an Individuen recht arm ist. Immerhin sind die an diesem Teiche obwaltenden Verhältnisse viel besser als die des Nachbarteiches, wofür auch die Grösse des Zuwachses Zeugniss gibt, da der- selbe im Durchschnitt mehr als doppelt so viel beträgt als auf dem unteren Teiche (0'385 leg pro Stück in einer Hitze im Gegensatz zu 0*174 hg des unteren Teiches). Die Durchschnittszifferu datiren sich zwar nicht aus gleichen Jahren, doch ist der Unterschied so gross, dass der bedeutendere Zuwachs im oberen Teiche nur durch dessen bessere Verhältnisse erklärt werden kann. Die phanerogame Flora weist dieselben Arten auf wie an dem Nachbar- teiche; erwähnt zu werden verdient, dass die Steine und das Schilf reichlich mit 24 Algen und Diatomaceen belegt sind u. z. mit Bolbocliaete, Nostoc, Diatoma vul- gare, Pleurosigma, Gomplionema u. a. Die Fauna wird durch dieselben Formen repraesentirt, wie sie im unteren Teiche vorkommen, doch viel reichlicher sind da namentlich L e p t o d o r a Kindtii Fischl, Daphnella brachyura Lievin, Hyalodaphnia cucullata Schödler und Diaptomus gracilis. In der Litoralfauna kommt da nebst den Formen des Nachbarteiches auch Simocephalus exspiuosus Koch vor. Der Bechyiler Teich. Dieser kleine, nur 7 Joch 990 Kl. = 4'o853 ha Ausmass habende Teich wird als Laichteich oder bei Bedarf als Streckteich benützt. Derselbe liegt in einer Höhe von 448 m am Walde unweit der Station Zbirow und nimmt zumeist Grund- wasser auf. Der im Gebiete der silurischen Formation, Etage Dd^, liegende Grund des Teiches ist lettig, die Tiefe am Ufer ist gering (^/o m) und steigt in der Mitte höchstens bis zu 1 Meter. Eine Ufervegetation ist zwar vorhanden, doch ist sie verschiedenen Ursprungs. Zwischen dem zahlreichen Rohr wächst reichlich Schachtelhalm und Sparganium, auch Utricularia und Polygonum sind häufig; auf den höheren Pflanzen finden sich Algen aus der Gattung Nostoc in Menge und Pticcia natans bedeckt stellweise die ganze Oberfläche des Wassers. Wenn das Wasser klar, nämlich durch die lettige Unterlage nicht getrübt ist, so ist seine Farbe ein lichtes Grün; dieser Farbenton rührt von der riesigen Menge der hier vorhandenen pelagischen Infusorienart Ceratium hirundella Ehrnb. (macro- ceros Sehr.) her. Die übrige pelagische Fauna weist ausser einigen Peridinien nur noch das Räderthierchen Asplanchna helvetica und spärlich den Wasserfloh Hyalo- daphnia cuculata Schödler auf. Die Litoialfauna ist auch nicht zahlreich; neben sehr zahlreichen Wasser- wanzen aus der Gattung Corisa und ihren Larven, finden sich da Hüpferlinge (Cyclops diaphanus) und Räderthierchen (Polyarthra platyptera Ehrnb. und Anurea aculeata Ehrnb.), ferner von Wasserschnecken L i m n a e u s stagnalisL. Aus diesem ist zu ersehen, wie wenig Nahrungsmenge in diesem Teich enthalten ist, was eben auch die Ziffern beweisen, da der Zuwachs, den mir mit- getheilten Daten gemäss, per Schock durchschnittlich nur 10"84 leg oder 0"18 hg per Stück betrug. Die Ursache liegt wohl darin, dass dem Teiche keine befruchtenden An- schwemmungen zu Gute kommen und ferner, dass derselbe nicht trockengelegt und gesämmert wird; wahrscheinlich hängt dieser Zustand auch mit den Grund wässern zusammen, die stets kühler sind und eine geringere Menge Luft enthilten. Auffallend ist dabei, dass ein in dem Masse durch thierische Organismen im- praegnirtes Wasser, eine so geringe Nahrungsmenge besitzt, doch ist dies nur ein Beweis,dass nach der pelagischen Fauna die Nahrhaftigkeit des Teiches nicht beurtheilt 25 werden kann. Einen Beweis hiefür lieferte das Ergebnis» der Untersuchung des Mageninhaltes einiger jungen Karpfen, in dem ausser einigen Corisen und ihren Larven, Cyclops und Weichtüieren, gar nichts aus der pelagischen Fauna gefunden wurde, ja auch nicht ein Exemplar des mit einem harten Panzer versehenen Cera- tium, das hier das offene Wasser in solcher Menge bewohnt. Der Holoubkauer Teich. Zu den als vernichtet betrachteten Teichen Böhmens, wurde in den letzten Jahren auch der Teich von Holoubkau zugezählt. Derselbe liegt 440 m über d. M., in einem anmuthigen Waldkessel, und ist zum Theil von den Häusern des Dorfes Holoubkau umgeben. Sein Ausmass beträgt 30 Joch 1130 Kl. = 17-674 ha. Bis zum Jahre 1887 hatte dieser Teich reines Wasser, doch im Jahre 1887 wurde in denselben aus der eben errichteten Fabrik auf Cellulose giftiges Spülwasser ge- leitet und so der Teich verdorben. In sanitärer Hinsicht machten sich die Folgen dieser Industrie nicht nur local, sondern auch entlang des ganzen Teichabflusses bis Rokycan sehr bald fühlbar, da das Wasser in dem Grade verdorben war, dass die nahe wohnenden Landwirthe dasselbe nicht einmal zur Viehtränke benutzen konnten. Solange der Teich bewirtschaftet wurde (bis z. J. 1886) pflegte derselbe nicht abgeschlagen zu werden und obzwar hier immer eine Abnahme gezählt wurde, ergab sich dennoch ein Zuwachs von 19*52 Jcg per Schock für eine Hitze oder 0-326 kg per Stück. Dieser Umstand, sowie die ganze Lage des Teiches und die Beschaflenheit seines Grundes, der lettig-sandig ist, sprechen dafür, dass derselbe bei guter Bewirthschaftung einen schönen Ertrag liefern würde, so dass auch in dieser Beziehung zu bedauern ist, dass er der Fabriksanlage, sei auch gegen Pacht- geld, preisgegeben wurde. Es wurde zwar auf die Klagen der Ortsbevölkerung so weit Rücksicht genommen, dass das Wasser aus der Fabrik nun nicht direct in den Teich sondern in dessen Abfluss geleitet wird, doch wurde damit nicht viel gewonnen, z. Th. blieb das untere Wasser immerfort der Schädigung ausgesetzt z. Th. wurden damit die Verhältnisse im Teiche selbst nicht gebessert, da dies nur durch ein radikales Mittel, nämlich durch Sämerung des Teiches und durch Vernichtung und Reducirung der am Grunde liegenden giftigen Stoffe erzielt werden kann. Der Charakter der Fauna des Holoubkauer Teiches war nur der die Teich- fauna kennzeichnende: Leptodora Kindtii Focke in Gesellschaft mit Daphnella brachyura Lievin, Hyalodaphnia cuculata (var. Kahlbergensis Schödler H. c. u. var. vitrea Kurz. Die Vegetation fand ich hier nicht gar reichlich; ausser einigen schmalen Rohrbeständen im nordöstlichen Zipfel, untermischt mit Kalmus und Schachtelhalm, waren am Teiche nur noch einige Kolonien Knöterich, der stets sehr arm an Thieren ist. 26 Die in dem Röhricht sich aufhaltende Litoralfauua war verhcältnissmässig zahlreich, doch an Arten nicht mannigfaltig. Den grüssten Theil derselben bildete die stellenweise in Massen vorkommende Bosmina cornuta Jurin ; ferner sind noch zu nennen: Cyclops diaphanus Fischer, Cypris vidua Müller, Acroperus leucocephalus Koch, Sida crystallina Müll., von Räderthierchen Anurea aculeata Ehrnb., Polyarthra platyptera Ehrnb., zahlreiche Naiden von Insectenlarven Chirouomus u. Larven der Tabaniden von Spinnenthieren Hydrachna globosa, von Bryozoen Plumatella repensL. (emarginata All.), Paludicella Ehrenbergii Van. Ben. Auffallend ist hier der Maugel an Weichthieren. Zu ergänzen wäre noch diese Fauna durch Infusorien und Rhizopoden, die in dem Algenüberzug der Steine (Spirogyra, Pediastrum pertusum, Arthrodesmus) reichlich vorkommen. Namentlich verdient Diflugia Corona Wall, erwähnt zu werden. Der Lamanicer oder Hammerteich. Es ist ein kleinerer, in einer freundlichen waldigen Niederung unweit Holoubkau ergossener Teich, der diesen Namen trägt. Sein Ausmass beträgt 6 Joch 1105 Kl. =: 2"851 7ia. Früher war derselbe für die Karpfenzucht viel geeigneter; in den Jahren 1883/84 betrug der Zuwachs für eine Hitze per Schock 45*52 hg oder 0"758 % per Stück, also mehr als zweimal soviel als in dem nahen Holoubkauer Teiche. Der Grund hiefür dürfte wohl ein zweifacher sein: In dem hier viel reichlicheren Pflanzenwuchs wohnt eine, sowohl was Zahl der Individuen als auch Mannigfaltigkeit der Arten anbelangt, reichlichere Fauna, zu der sich noch einige kleine Weichthiere (Physa, Lymnaeus und Planorbis) beigesellt haben. Auch fallen von den am Wasser stehenden Bäumen und Gesträuchen sehr viele Insecten ins Wasser, die von den Fischen begierig genommen werden. Als weiterer Grund dürfte der Umstand anzuführen sein, dass der Teich, wenn abgeschlagen, zum grossen Theil sehr lange trocken liegend gelassen wurde und nur in der tiefsten Partie unter Wasser zu stehen pflegte, ausserdem hat er in der waldigen Niederung auch eine geschütztere Lage. Im Gegensatz zu seiner ziemlich reichen Litoralfauna ist die pelagische Fauna desselben arm an Zahl und Art. Auch hier findet sich eine ausgeprägte Teichfauna, bestehend aus nach- folgenden Arten: Leptodora Kindtii Focke, Daphnella brachyura Lievin, Hyalodaphnia cucullata (var. Kahlbergensis u. var. Cederströmii, Schödler), Daphnia penn ata Müll. 27 Von Criistaceeu sind in der Litoralfauna vertreten : S c a p li 1 e b e r i s m u c r o n a t a Müll., Sida crystallina Müll., Bosmina cornuta Jiirin, Alona affin is Leydig., Cerio daphnia reticulata Jurin. Von Würmern sind häufig: Polyartlira platyptera Ehrnb. und Naiden, von Rhizopoden Difflugia Corona, von Insectenlarven Chironomus und Tab an i den, von Bryozoen Plumatella repens L., von Weiclitliieren Limnaeus pereger Müll., Planorbis albus Müll., Physa hypnoium L. Im Schlamme findet sich häufig Anodonta mutabilis Cless var. c y g u e a, die hier eine bedeutende Grösse zu erreichen pflegt. Dieser Teich ist nun auch den Einflüssen von Fabrikwässern preisgegeben und ist daher für Fischzucht nicht mehr geeignet. Interessant wäre auch zu er- fahren, welch eine Wirkung die Wässer auf die Verhältnisse der kleinen Teich- fauna ausüben. „Podmytsky" (der Mauther Teich). Dieser Teich liegt in der flachen Niederung hart unter der Stadt Mauth und nimmt einen Raum von 35 Joch oder 20' 146 ha ein. Wie bei den übrigen Teichen dieser Gegend, bildet auch hier eine thonige Unterlage der silurischen Schieferschichten seinen Grund. Dieser Teich zeigt durchwegs nur eine sehr ge- ringe Tiefe, die tiefsten Stellen betfagen nur 1 Meter und in den Uferpartien ist das Wasser nur ^2 ^"^^ ^L ^ ^i^f- Derselbe ist ganz von Feldern umschlossen und nur mit einem schmalen Rasenstreifen gesäumt. — Von da empfängt er die erdigen befruchtenden Anschwemmungen, wogegen ihm von der Stadtseite in gleicher Weise organische Substanzen zugeführt werden. In Folge dieser Verhältnisse findet man hier eine, wenn auch artenarme, so doch, was Zahl der Individuen anbelangt, sehr reiche Fauna, die in dieser Beziehung wenigstens alle übrigen Teiche dieser Gegend übertrifft. Und doch ist der Zuwachs an Fischen oft ein sehr geringer. Dies erklärt sich durch den grossen Verlust an Fischen, von denen fast V4 des Besatzes verloren geht, und ausserdem durch die grosse Beunruhigung der Fische in den Nächten während der Weidezeit von Seite der Fischdiebe. In den Jahren 188^^86 betrug der Zuwachs per Schock für eine Hitze nicht mehr als 9-67 Ä = 0-161 lg per Stück. Die pelagische typische Teichfauna weist nachfolgende Arten auf: Leptodora Kindtii Focke, Daphnella brachyura Lievin, 28 Hyalodaphnia ciiciillata (var. Kalilbergeüsis Scliödler.) Daphnia microcephala Sais. Vorwaltend unter diesen ist Leptodora. Die Uferfauna hat hauptsächlich ihren Sitz in den dichten Laichkraut- rasen, wogegen sie in den Schilfrohrbeständen und Binsen nur zerstreut vorkommt ; von Weichthieren sind da Limnaeus stagnalis L. Physa hypnorum L. Ancyllus lacustris Müll. (unter den Teichen der Umgebung kommen hier überhaupt die meisten Weich- thiere vor). Von Bryozoen Cristatella ophiodoidea Hyatt. und Plumatella repens L. Häufig sind die Larven von Triaenodes bicolor Curt., Anax sp. Culex sp. Ephemera vulgata, Von Spinnenthieren : Argyroneta aquatica, Nesaea elliptica (var.) Von Crustaceen: Chiron omus sp. Cl oe d iptera, Naucoris cimicoides L, Nesaea mollis var. Hydrachna globosa. Bosmina brevicornis Hell., Acroperusleucocephalus Koch., Eurycercus lamellatus Müll., Cyclops diaphanus Fischer. Pleuroxus truncatus Müll,, Alona quadrangularis Müll. Notodromas monachus Müll., Cypris vidua Müll., Cypris ovum Müll., Scapholeberis mucronataMüll., Ceridophnia reticulata Jurin., Sida crystallina Müll. Von Würmern häufig Naiden, von Protozoen Volvox, Centropyxis aculeata Stein, Difflugia Corona Wall., Ceratium hirundinella Ehrnb. Dieser Teich wäre unter den gegebenen Verhältnissen am besten als Brut- streckteich zweiter Ordnung nach dem System Dubisch zu benützen, denn als hierher nur der kleine Fisch käme und der grössere in einen anderen Teich versetzt sein würde, so wäre dadurch dem grossen Verluste an Fischen vorgebeugt und ausserdem würde die Menge der hier vorkommenden Fauna gut ausgenützt werden. 29 Der St. Stefaiisteich. Nachdem die böliin. Westbaliu vor der Station Zbirow, so man von Prag fährt, die beiden Karezer Teiche passirt hat, so erreicht sie gleich hinter dieser Station wieder einen grossen Teich, den St. Stefansteich (90 Joch 1440 Kl. = 52-322 ha im Ausmass). Trotz seiner grossen Tiefe im westlichen Tlieile und trotzdem der- selbe nicht abgeschlagen wird, gehört dieser Teich nicht zu den schlechtesten, denn im Osten hat derselbe zahlreiche, leicht durchwärmbare seichte Plätze und lauft, namentlich im Süden, in seichte, grasreiche Buchten aus. Sonst ist seine Vegetation, die nur aus schütteren, schmalen Röhricht am Ufer besteht, arm zu nennen. Mit dem Wasser, das der, aus der Richtung von Cheznovic kommende Bach dem Teiche zuführt, gelangt in denselben auch etwas befruchtende An- schwemmung, deren Wirkung an dem geringen Vorhandensein einiger pelagischen Algen, Limnochlide und Anabaena flos aquae, die auch das unbewaffnete Auge im Wasser wahrnimmt, so der Wind eine grössere Menge derselben zum Ufer treibt, sich kundgibt. Die Fauna dieses Teiches ist minder an Arten desto mehr aber an Indi- viduen reich. Von Weichthieren kommen da hauptsächlich grosse Teichmuscheln (Anodonta mutabilis var. cygnea) und Limnaeus stagnalis var. Nicht zahlreich sind hier die Bryozoen Cristatella ophiodoidea Hyatt. auf Steinen, ähnlich auch Plumatellarepens L. (die verkümmerte Form emarginata Allm.) und Paludicella Ehrenbergii Van Ben. Von Insecten bemerkte ich da nur Chiro- nomus-Larven in grösserer Menge, und wenn wir noch Cyclops diaphanus und Sida crystallina anführen, so ist damit das Bild der hier hausenden Litoralfauna vervollständigt. Die pelagische Fauna des St. Stefansteiches ist eine ausgeprägte Teich- fauna; vorwiegend sind da: Leptodora Kindtii Focke und Hyalodaphnia cucullata var. Kahlber gensis Schödler; zu diesen gesellen sich die weniger zahlreichen Daphnia galeata Sars, Daphnia penn ata Müll. Im Ganzen ist diese Fauna, obzwar nur aus wenigen Arten bestehend, recht zahlreich, entschieden zahlreicher als die Uferfauna, die sich nur an seich- teren Stellen und in den flachen Buchten in grösserer Menge aufhält. Da der St. Stefansteich den Hüttenwerken von Holoubkau als Wasser- reservoir dient, so kann derselbe auf längere Zeit nicht abgelassen werden; immerhin könnten aber seine obere Partie und die Seitenbucht trocken gelegt werden, wodurch der gegenwärtig geringe Ertrag an Fischen, der durchschnittlich pro Schock für eine Hitze nur 23*67 oder 0'394 hg an Stück beträgt, gewiss ein grösserer sein würde. 30 Der Cekover Teich. Dieser Teich hat ein Ausmass von 77 Joch 360 Kl. = 44-4506 ha und liegt auf einer Anhöhe von 475 m ü. d. M. Da von keiner Seite geschützt, so ist der- selbe allen Winden ausgesetzt; dafür spricht schon sein durch eine erdige Bei- mengung, in der man mikroskopisch eine Menge kleiner Gypskrystalle wahrnimmt, oft getrübtes Wasser; auch seine Ufer, namentlich die östlichen, sind durch den durch westliche Winde verursachten Wellenschlag stark ausgewaschen. Das südöstliche Ufer, und z. Th. auch das nordöstliche, sind durch einen Steindamm geschützt; die übrigen schützt ein ziemlich breiter Streifen von Ufer- pflanzen; namentlich sind da Schilfrohr, Schachtelhalm und Kalmus, in Menge auch Igelkolben (Sparganium), Wasserschwaden und weiter im Teich Wasser- knöterich. Auf diesen Pflanzen finden sich zahlreiche Algen, von welchen viele z. B. Closterium, Cosmarium botrytis, Desmidium, Bolbochaete u. a durch die Be- wegungen des Wassers weiter getrieben werden. Die Ufer sind mit Weiden bepflanzt, auf welchen sich hauptsächlich Bryozoen angesiedelt haben u. z. : Plumatella repens L. (emarginata All.), PL lucifuga Vaucher (Fredericella sultana Gerv,), Paludicella Ehrenbergi Van Ben. spärlich auch Cristatella ophidioidea Hyatt. Die Litoralfauna reichlicher an Arten als an Zahl, besteht haupt- sächlich aus Chironomuslarven, Crustaceen und Protozoen. Von Crustaceen sind hauptsächlich vorhanden : Si da crystallina Müll., C y cl o p s si gn atu s Koch, Cypris ovum Müll., A s e 1 1 u s a q u a t i c u s. Acroperus leucocephalus Koch, Bosmina longirostris Müll., Cyclops brevicaudatus Koch, Von Rotatorien fand ich in Menge: An Urea stricta Ehrnb., Polyarthra platyptera Ehrnb., und Protozoen Difflugia Corona Hall., Centropyxis aculeata Stein, A r c e 1 1 a vulgaris Ehrnb. Die pelagische Fauna besteht aus Ai'ten, die für Teiche überhaupt chara- kteristisch sind, doch ist sie hier ottenbar, weil das Wasser zu sehr bewegt wird, nur sehr spärlich vorhanden. Ich fand dieselbe repraesentirt durch Leptodora Kindtii Focke (nicht häufig), H y a 1 d a p h n i a c u c u 1 1 a t a (var. Kahlbergensis und Cederströmii Schödler gleichfalls nicht zahlreich), Diaptomus gracilis und D a p h n e 1 1 a b r a c h y u r a Liövin. 31 Von Rotatorieu ist da, doch auch nicht häufig, A n u r e a 1 o n g i s p i n a Kell. Dieser, einer Mühle und einem Wasserwerk als Reservoir dienende Teich, hat ausser seiner ungünstigen Lage auch noch den Nachtheil, dass derselbe grösstentheils sehr tief (3 — 5 m) ist, und dass sein Grund z. Th. lehmig-sandig und z. Th. sehr steinig ist. Es sind hier fast alle jene Verhältnisse vorhanden, welche der Entwickehmg der pelagischen Fauna hinderlich sind, wie dies eben auch das geringe Vorkommen derselben beweist. Dagegen findet hier die Litoral- fauna verhältnissmässig viel bessere Bedingungen zu ihrer Entwickelung, namentlich am westlichen Ufer, wo sie den ungünstigen Einflüssen am wenigsten ausgesetzt ist. Dem entsprechend ist hier die Litoralfauna viel zahlreicher als die pelagische Fauna und ihr Einfluss ist auch an dem Zuwachse nicht zu verkennen, iusoferne, als derselbe im J. 1881 für eine Hitze per Schock durchschnittlich 40-47 Jcg oder 0-674 hg am Stück betrug. lu Wirklichkeit ist jedoch dieser Zuwachs ein viel grösserer, als man nämlich berücksichtigt, wie viel durch Diebstahl an Fischen verloren geht, denn durchschnittlich nimmt ein Fisch in einer Hitze 1-018 Jcg bis mehr an Gewicht zu. Theilweise erklärt sich der bessere Zuwachs auch dadurch, dass der Teich schon im Herbste besetzt wurde, ein Umstand, der allgemein gün- stiger zu wirken scheint, als wenn die Brut im Frühjahr in einen Teich gelangt, der im Herbst trocken lag und gleich darauf im Frühjahr wieder gespannt wurde- Übersicht der Teiche der Herrschaft Zbirow. Die Zbirower Teiche sind zumeist grössere Wasserkörper, deren lettiger Grund für die befruchtenden Einflüsse, die unter normalen Verhältnissen zur Geltung kommen, nur wenig empfänglich ist. In Folge dessen werden jene Teiche, denen keine fruchtbare Anschwem- mung zu Theil wird, immer ärmer und ärmer. Diesen Umständen angemessen, ist auch der Ertrag dieser Teiche ver- hältnissmässig ein sehr geringer. Im Durchschnitt beträgt derselbe, den mir be- kannten Daten nach, für eine Hitze am Schock 15 Jcg^ was einem Zuwachs von V4 ^9 P6^ Stück gleich ist. ■ — Durch Trockenlegung, Auskalkung, Auflockerung und Sämerung des Teichbodens, könnten jedoch diese Gewässer sehr nutzbringend gemacht werden, denn es giebt in Böhmen nur wenig Teichboden, der so ver- besserungsfähig wäre wie es dieser ist. Mehrmals wurde dies in der Zbirower Gegend nachgewiesen. So z. B. am Lamanicer Teich, der zum Theile regelmässig trocken lag und ähnlich auch am Cekover Teich; beide erwiesen sich nach ihrer Trockenlegung verhältnissmässig viel productiver, da dann der Zuwachs für eine Hitze per Schock bis auf 45 Jcg (durchschnittlich 43 49 Jcg) stieg oder per Stück durchschnittlich 0-716 Jcg ausmachte. Aus diesem erhellt, dass hier die rationelle Teichwirthschaft ein Gebiet der nützlichsten Thätigkeit erschliessen würde. Na- mentlich würde sich hier eine grüne Düngung bei gleichzeitiger Einführung des Systems nach Dubisch empfehlen, wenn z. B. der ausgetrocknete Teichboden aus- gekalkt und mit Superphosphat gedüngt, dann mit einer Hülsenfrucht oder Klee bestellt und diese vor der Spannung des Teiches eingeackert werden möchte. 32 Die Fauna dieser Teiche geliört zum Typus der ausgeprägten Teichfauna; bis auf wenige Ausnahmen bewahrt sie diesen Charakter, entsprechend der gleich- förmigen geologischen Lage der Teiche, fast überall. Als eine bemerkenswerthe Ausnahme sind in dieser Beziehung nur die Padrtteiche zu betrachten, da die- selben schon ausserhalb der Schieferzone liegen und eine Unterlage aus Grauwacke, somit einen mehr sandigen Boden haben, doch im Ganzen ist auch hier der Typus der Fauna ganz derselbe. Die pelagische Fauna charakterisiren haui)tsächlich : Leptodora und Hyalodaphnia cucullata. Seltenere Ausnahmen sind Anurea longispina (im Oberen Padrtteich und dem Teiche Hluboky) und Ceratium macroceros (im Bechyher Teich). Die Spuren einer Seefauna sind in diesen Teichen nirgends zu verzeichnen. Von den anderen, hier nicht angefülirten Teichen, wären noch einige kleinere zu erwähnen, so der Teich Hluboky (bei Cheznovic), Dvorsky (in Strasic), Tisy (in der Nähe von Strasic), Cäpsky mit dem Kleinoujezder bei Zbirow. Der grösste der hier ge- nannten Teiche ist der Teich Tisy; derselbe liegt in der Thalniederung, die sich entlang des nördlichen Abhangs des Brdygebirgszweiges in der Richtung von Strasic nach St. Benigna zieht. — Daselbst finden sich mehrere Teiche; aus allen, mit Ausnahme des Teiches Tisy (6 Joch 1479 Kl. = 3 96 ha) fällt das Wasser in der Richtung gegen St. Benigna ab; der genannte Teich sammelt sein Wasser durch den in den Wiesen fliessenden Bach und sendet es in der Richtung gegen Strasic zu, in den Schwarzbach. Eigenthümlich ist, dass in diesem Quellteiche sehr viele Hechte leben ; um die Ausrottung derselben hat man sich bisher jedoch vergebens bemüht. Die Menge der vorhandenen Hechte gefährdet hier die Karpfenzucht; allen Verhältnissen nach würde hier der Karpfen sonst gut gedeihen, freilich nur in dem Falle, wenn die Bewirthschaftung des Teiches auch durch Sämerung ])e- trieben werden möchte. Die pelagische Fauna charakterisiren: Leptodora Kindtii Focke, Daphnia galeata Sars. Diaptomus gracilis Sars., Cyclops signatus Koch. In der Uferfauna sind Chironomus-, Culex-, Corisa- und andere Larven sehr zahlreich. Von Wassermilben namentlich: Arrhenurus globator C. L. Koch, Acroperus leucocephalus Koch, von Crustaceen: von Wasserpolypen: zahlreiche Rotatorien und Rhizopoden: Bosmina longispina, Cyclops diaphanus Fischer; Hydra fusca, Polyarthra piatyp tera Ehrnb,, Centropyxis aculeata Stein., Difflugia Corona Wall., Nebela colaris Leidy. 33 Der Dvorsky Teich ist ein klciuer Dorfteich in Strasic und ein Über- bleibsel aus der Reihe ähnlicher Teiche, die einst in dem Thale unterhalb des Strasicer Kirchleins bestanden haben, von denen aber ausser dem genannten Dorf- teiche nur noch einer sich erhielt. — Wenn diese Teiche heute wieder gespannt würden, so könnten sie mit Benützung des Dubisch'schen Systems zur Vervoll- ständigung der hiesigen Teichwirthschaft gut benützt werden. Der Dvorsky Teich hat alle einen richtigen Dorfteich bezeichnenden Eigenschaften; zwischen der hier in Menge vorhandenen Alge Limnochlide flos aquae vorkommend, leben da in Menge von Rotatorien: Polyarthra platyptera Ehrnb. Triarthra longiseta Ehrnb. Crustaceen Brachionus pala Ehrnb. Anurea aculeata Ehrb. Daphnia pulex, Diaptomus gracilis Sars., Bosmina longirostris Müll., und häufig Cyclops serrulatus, Cl. Wie nahrhaft das Wasser solcher Teiche ist, beweist der Umstand, dass die gleiche und zu gleicher Zeit erfolgte Besetzung des Bechyher- und des Dvorsky Teiches in letzterem für dieselbe Zeit um l^a bis 2mal grösser wurde als in den ersteren. Eigenthümlich ist, dass in dem unweit entfernten, etwas niedriger ge- legenen kleinen Nachbarteiche, zur Zeit seiner Durchforschung keine Limnochlide vorhanden war; sein Wasser war sehr rein und in Menge fast durch dieselben Arten von Crustaceen und Rotatorien wie der Dvorsky Teich bewohnt. Dieser Teich wird als Streichteich benützt. DerTeichHluboky(2 Joch 500 Kl. = 1-331 Ha.) liegt oberhalb des Set. Stefanteiches im Thale nächst Cheznovic; zum Theile wird derselbe durch Wald beschattet und empfängt sein Wasser durch den in dem torfigen Boden der niedriger gelegenen Wälder, auf der s. g. Krälovka, einer botanisch interessanten Localität, entspringenden Wiesenbach. Ein grosser Theil dieses zwar nicht grossen, doch in den vorderen Partien sehr tiefen Teiches, ist verwachsen, sei auch nur schütter mit Rohr und Schachtelhalm und hie und da mit Knöterich. Die pela- gische Fauna bietet den Fischen reichliche Nahrung; dieselbe weist neben den typischen Teichformen Leptodora Kindtii Focke und Hyalo daphnia cuculata auch das seltene Räderthierchen Anurea longispina Kellicot in Menge auf. Der Teich Cäpsky und der Kleinoujezder befinden sich unweit der Haltestelle Zbirow in der Richtung gegen die Stadt zu; von einander sind sie nur durch einen einfachen Damm getrennt. Obzwar sie unmittelbar aneinander grenzen, so herrschen doch nicht die gleichen Verhältnisse in denselben. Der Cäpsky Teich ist viel schlammiger und seine Fauna ist viel ärmer. Die Vegetation an beiden Teichen ist von einander nicht verschieden; domiuirend 3 34 ist Kalmus, den das Volk hier zu sammelu pflegt; häufig sind ferner Rohrkolben, Schachtelhalm und Schilfrohr, seltener Wasserknöterich. Auch bewahrt die Fauna in beiden Teichen den gleichen Charakter, doch herrscht in Vergleich zu dem an- deren Teiche in dem Cäper Teich eine auffallende Armuth sowohl an Arten als auch Individuen. Die pelagische Fauna charakterisiren : Leptodora Kindtii Focke, Hyalodaphnia cucullata var. Cederströmii und Ceratium macroceros Sehr, (hirundinella Ehmb.). Ausserdem findet sich spärlich Daphnella brachyura Lievin und aus der Uferzone dringen in das freie Wasser, so die tychopelagische Fauna bildend, häufig vor: Ceriododaphnia reticulata, Bosmina longirostris Müll., Triarthra longiseta Ehrb., Polyarthra platyptera Ehrb. und stellenweise auch Volvox. In der Uferzone sind zahlreich zu finden: Sida crystallina Müll, Acroperus leucocephalus Koch, Ghydorus globosus Baird und ausserdem die erwähnten Rotatorien; von Bryozoen sind da, doch nur selten: Plumatella repens L., Cristatella ophidioidea Hyatt. Im Ganzen herrscht hier eine grosse Armuth an Formen und Zahl der Individuen, so dass diese Teiche nicht als Streckteiche befriedigen können. Der Boden derselben erheischt ausgetrocknet und neu befruchtet zu werden, falls sie zur Fischzucht mit Erfolg benützt werden sollen. B. Die Teiche der Herrschaft Frauenberg. Die Teiche dieser Herrschaft wurden schon einigemale excursiv besucht und in verschiedener Hinsicht untersucht. Die ersten Untersuchungen führte da- selbst im J. 1873 Prof. Dr. Ant. Fric aus. Später duchforschte auf Cladoceren Dr. B. Hellich den Teich Bezdrev. Im J. 1887 weilte in dieser Gegend Prof. Fr. Klapälek, um die hier vorkommenden Trichopteren zu konstatiren. An diese Erforschungen reihen sich meine daselbst im J. 1887 und 1888 vorgenommenen Arbeiten. Der löblichen fürstlichen Domainenverwaltung gebührt an dieser Stelle ein besonderer Dank ausgedrückt zu werden, indem sie, den Intentionen Sr. Durch- 35 laucht, weiland des Fürsten Joli. Adolf Schwarzenbeig gemäss, der alle wissen- schaftlichen Bestrebungen eifrigst unterstützte, mit grösster Bereitwilligkeit die Durchforschungen der Teiche zu unterstützen die Güte hatte. Der Municer Teich. Der Municer Teich bei Frauenberg wurde im Jahre 1887 und 1888, immer im Sommer, in den Monaten Juli und August, und ausserdem durch Beihilfe des Museum Verwalters in Ohr ad a, Herrn K. Honig, auch im Winter untersucht. Die Untersuchungen im Sommer 1887 waren nur mehr per Excursion gemacht, ähnlich auch die in den zwei darauf folgenden Wintern; im J. 1888 wurde jedoch der Teich durch acht Wochen einer genauen Untersuchung unter- zogen. Das Resultat der hier gemachten Beobachtungen ist ein ziemlich befriedi- gendes, insoferne, als man in die biologischen Verhältnisse der untersuchten Fauna mehrfach Einblick erhielt und man die Bedeutung einiger für die Teichwirthschaft wichtigen Erscheinungen richtig beurtheilen kann. Leider fehlen bei diesem Teiche die nöthigen Daten über das Resultat des Fischfanges, da die Angabe derselben, aus unbegründeter Befürchtung, dass dies irgendwelche Unannehmlichkeiten zu Folge haben könnte, von Seite der D omainen Verwaltung verweigert wurde. Der Municer Teich hat ein Ausmass von 206 Joch 1356 Kl. = 118*88 Ha., derselbe liegt an der Nordgrenze der Budweiser Ebene in einer Höhe von 390 M. ü. d. M. und in einer sandigen, z. Th. lehmigen Anschwemmung mit lettigem Grunde. Das südliche und das östliche Ufer begränzen gemauerte Dämme, die nur an der Südseite durch einen schmalen Streifen Schilfrohr gedeckt sind. Die anderen, durch Strauchwerk und eine Allee gedeckten Ufer, verlieren sich seicht in die Ebene des umliegenden Parkes. Den Nord-, Nordost- und Westwinden ist die Wasser- fläche ziemlich biossgestellt. In Anbetracht dieser Lage verursachen die aus Westen und Nordwest kommenden Winde den grössten Schaden an der Teichfauna, da von diesen eine Menge der kleinen Teichbewohner an die Dämme getrieben und da- selbst, durch die Wellen zerschlagen, vernichtet wird. Dem Teiche wird das Wasser durch einen Zuflussgraben aus dem Bezdrew-Teiche zugeführt, und ausser den Ab- fällen aus dem Schlosse erhält er sonst wenig an fruchtbarer Anschwemmung. Der sandige Boden ist auf einer Fläche von ca. 59 Ha., wo grössere Tiefen sind, ver- schlammt; soweit in den sandigen Partien die Wassersäule nicht mehr als V2 — 1 Meter beträgt, ist der Boden gut durchwärmbar und es fehlt ihm nur an zeit- weiliger Befruchtung. Doch wird der Teich selten trockengelegt und nie gedüngt, gespannt wird er gewöhnlich gleich nach der im Herbste erfolgten Abfischung. Besetzt wird derselbe auf zwei Hitzen mit einer durchschnittlich mit 8000 Stück im Gewichte von 3200 Kg., ausserdem mit 800—1000 Stück Hechten und 1000 bis 1500 Schleihen. Die .Ufervegetation besteht aus Teichrohr, hie und da untermischt mit Rohrkolben (Typha angustifolia) und dringt selbe, namentlich an den westlichen und südwestlichen Ufern weit ins freie Wasser vor, daselbst stellenweise ausge- 3* 36 dehnte Dickichte bildend. Diese dienen zum Aufenthalte ziemlich vieler Wasser- vögel, namentlich Anas bosschas, Querquedulla crecca, Fulica atra, Podiceps er i Status und Podiceps nigricollis. Sonst ist aber dieses Röhricht ein Hinderniss für die Durchwäimung des Teiches und es sollte, in An- betracht der Fischzucht, in seiner Ausbreitung beschränkt werden. Auf der freien Wasserfläche schwimmen zahlreiche Inseln von Limnan- themum nymphaeoides, die namentlich für die tieferen Stellen von Nutzen sind, da sich auf dieser Pflanze eine zahlreiche Litoralfauna angesiedelt hat. Spärlich kommen hier nur noch das Tausendblatt (Myriophyllum spi- catum L.) und der Wasserknöterich (Polygonum amphibium) vor. Das Tau- sendblatt pflegt der Wohnsitz der Rotatorienkolonien, Lacinularia socialis, zu sein, der Knöterich, so er nur ganz lockere Rasen bildet, wird hier wie anderwärts von Wasserthieren nur wenig bewohnt, und ist daher für die Entwickelung der Wasser- fauna fast ohne Bedeutung. Von Wasservögeln fallen auf die freie Wasserfläche hauptsächlich nur die Lachmöve (Xema ridibundum) und die Seeschwalbe ein. Von Fischen kommen in dem Munitzer Teiche ausser den angesetzten Arten noch der Flussbarsch (Perca fluviatilis L.), der grosse Blei (Abramis brama Cur.), das Rothauge (Scardinius erythrophthalmus Bon.) und die Plötze vor. Sonst ergab die Erforschung der übrigen Fauna folgendes Resultat: A. Litoralfauna. Weichthiere Limnaeus stagnalis P. Limnaeus pereger Müll. Physa f ontinalis L. Anodonta mutabilis Cless. var. cellensis Schrott. Bryozoa: Plumatella fungosa Pall. Hyalinella vitrea Hyatt. (forma PI. punctata Hanck). Cristatella ophidioidea Hyatt. Insecten: Naucoris cimicoides. Notonecta glauca. Insectenlarven: Agrypuia Pagetana Curt. Leptocerus senilis Burm. Mystacides longicornis L. Triaenodes bicolor Curt. Cloe diptera. Oecetis ochracea.Curt. Oecetis furva Ramb. Lestes sponsa Hansem. Alotrichia pallicornis Eaton. Cyrnus trimaculatus Curt. Polycentropus flavomaculatus Pict. Molanna angustata Curt. Limnophilus stigma Curt. Culex sp. Chironomus sp. Caenis sp. Tricorythus sp. Libellula sanguinea. Holocentropus dubius Ramb. Phryganea varia F. 37 S p i n n e 11 1 h i e r e : Hydrachna globosa. Nesaea mollis var. Limnesia maculata var. Crustaceen: Cyclops signatus Koch. Cyclops lucidulus Koch. Canthocamptus minutus Müll. Sida crystallina Müll. Bosmina cornuta Jurin. Eurycercus lamellatus Müll. Ceriodaphiiia megops Sars. Chydorus globosus Baird. Würmer: Polyarthra platyptera Ehrnb. Lacinularia socialis Ehrnb. An Urea aculeata Ehrnb. An Urea foliacea Ehrnb. Vortex sp. Axona viridis. Argyroneta aquatica. Macrobiotus sp. S t r e b 1 c e r u s s e r r i c a u d a t u s Fischer. Alona Leydigii Schödler. Argulus foliaceus. Cypris vidua Müller. Cypris Jurin ei Zaddach. Asellus aquaticus. Mesostomum sp. Nephelis vulgaris L. Piscicola geoinetra L. Chaetogaster. Nais. Wasserpolypen: Hydra fusca. Urthiere: Epistylis, au Cyclops schmarotzend. Arcella vulgaris Ehrnb. Über die Vertheilung, die Verbreitung und die Lebensweise dieser Litoral- fauna möge Folgendes angeführt werden: Die meisten Insectenlarven und Würmer suchen zu ihrem Wohnsitze das Schilfrohr auf, sei es dass sie auf diesem haften oder zwischen demselben leben, in grossem Masse auch das Limnanthemum, wo sie dann, also in der rein pela- gischen Zone, Colonien der Litoralfauna darstellen. Ausserdem kommen an diesen Stellen auch Bryozoen, von Crustaceen namentlich Bosmina, Sida, Eurycerus und z. Th. auch Muschelkrebse vor. Die Chironomus-Larven Egeln, Alona, Leydigii, Asellus aquaticus u. ä. suchen die Wurzeln der Uferpflanzen und überhaupt die schlammigen Stellen auf. Die Bryozoen (ausser Cristatella) und Insectenlarven Leptocerus senilis, Mystacides longicornis und Chironomus sp. kommen auch an Steinen und am Holze des Fangplatzes vor. In den pflanzenfreieri Uferpartien treten regelmässig pelagische Formen auf, so Diaptomus gracilis, Leptodora Kindtii Fock, Daphnia pen- nata Müll, und Cypridopsis vidua juv. Was nun die Verbreitung der Litoralfauna in horizontaler Richtung, d. i. vom Ufer zur Mitte des Teiches anbelangt, so wären hierüber diese Beobachtungen zu verzeichnen : Am Ufer selbst, namentlich wenn das Wasser durch die Ufervege- tation oder sonst durch Wasserpflanzen beschattet wird, kommen hauptsächlich 38 grössere, der Verpuppung nahe oder sich schon verwandelnde Larven, ferner Cy- priden und andere Crustaceen vor, die Cladoceren und Copepoden jedoch nur in dem Falle, wenn die Vegetation nicht zu dicht steht. Der hauptsächliche Wohnsitz, namentlich der jüngeren Larven, der Copepoden und Cladoceren, sind die vom Ufer etwas entlegeneren Stellen, wo die Wasservegetation schütter zu werden an- fängt. Einige Formen, z. B. Bosmina, Ceriodaphnia, dann frei schwimmende Ro- tatorien (Anurea, Polyarthra u. ä.) wählen mit Vorliebe zu ihrem Aufenthalte die- jenigen Partien, wo diese Vegetation überhaupt aufhört. Nicht selten beobachtete ich, dass z. B. Bosmina hier in solchen Haufen herumschwamm, als wenn an solchen Stellen regelmässige Züge dieser Thierchen stattfinden würden. In diese Partien dringen bei ruhigem Wasser oft rein pela- gische Formen vor, von Crustaceen namentlich Daphnia brachyura Lievin und von Rotatorien Asplachna. Über die verticale Verbreitung der Litoralfauna wurde die Beobachtung gemacht, dass die grosse Mehrzahl derselben meist nicht tief unter der Oberfläche des Wassers, bei schwimmenden Pflanzen meist hart unter der Blattdecke lebt, nur einige Formen, so die früher erwähnten Egel, Alona, Cyprisarten, Chironomus- Larven, Asellus u, a. suchen meist tiefere Uferstellen und den Schlamm selbst zu ihrem Aufenthalte auf. Eine besondere, den Wasserschichten entsprechende Ver- breitung, die mit der Wärme des Wassers und der Luft in Zusammenhang stehen würde, wurde hier nicht wahrgenommen. Über das Vorkommen der Litoralfauna der Jahreszeit nach, soweit dies an diesem Teiche verfolgt werden konnte, wären diese Momente zu verzeichnen : In den Sommermonaten Juni, Juli und August steht die Litoralfauna auf der Höhe ihrer Entwickelung und es kommen da dann fast alle hier angeführten Formen vor. Gegen den Winter beginnen zuerst die grösseren Formen der Crusta- ceen, Eurycercus, Sida u. ä. zu verschwinden, sie werden schon von September ab immer seltener, um nach und nach sich gänzlich zu verlieren. Im Gegentheil zu diesen erhalten und vermehren sich noch mehr um diese Zeit gewisse kleinere Arten, so Bosmina und Cyclops, z. Th. auch die freischwimmenden Rotatorien. Die Insectenlarven pflegen sich, bis auf einige Ausnahmen, in den Schlamm einzuwühlen oder zwischen die am Grunde liegenden abgefallenen Blätter zu verbergen. Doch sehr zeitlich, oft schon im Januar und Februar, kommen bei günstigem Witterungs- wechsel die Insectenlarven und die jungen Crustaceen, hauptsächlich die Nauplius- form von Cyclops, und junge Rotatorien zum Vorschein ; die Larven verlassen ihre Schlupfwinkel und häufig treten auch Alona und die ihr verwandten Formen der Sumpfcladoceren auf. Bemerkenswerth ist das Vorkommen von Cypris Jurinei in der Litoralfauna dieses Teiches im Monate Februar und als isolirte Erscheinung das Vorkommen von Streblocerus serricaudatus Tisch. Die letztere Crustaceenart dürfte wahrscheinlich durch Herüberschwemmung aus irgend einem Wasser der Umgebung hierher gelangt sein, denn die Entdeckung derselben datirt sich nach dem grossen Herbstwasser 1888; nicht so leicht ist aber zu erklären, wie die Cy- pride hierher gelangte ■ — möglich dass auch durch anderes Wasser, oder sie wäre nur eine winterliche Erscheinung des Teiches. 39 B. Pelagische Fauna. Diese wird hauptsächlich durch Crustaceen und Würmer repraesentirt, weniger durch Infusorien und Wassermilben. Würmer: Asplachna priodonta. Limnesia maculata var. Epistilis auf Cyclops und Daphnia schmarotzend. Protozoa: Crustaceen: Cyclops Signa tu s Koch. Diaptomus gracilis Sars. Leptodora Kindtii Focke. Daphnella brachyura Lievin. Daphnia pennata Müll. Cerio daphnia megops Sars. Die Lebensweise, die Vertheihmg und Verbreitung der pelagischen Fauna bieten weit mehr interessantere Momente als sie in dieser Beziehung die Litoral- fauna aufweist. Manches ist hier auffallender, der Beobachtung zugänglicher, und auch ist die pelagische Fauna dem Temperatur- und Witterungswechsel mehr ausgesetzt als die in ihren Verstecken besser geschützte Uferfauna. Es ist daher bei deren Erforschung die Temperatur des Wassers und der Luft, sowie auch das Wetter sehr zu berücksichtigen. Von Belang sind nicht nur die herrschenden Wärmeverhältnisse der oberen, sondern auch der tieferen Wasserschichten, die in Vergleich zu der Temperatur der Luft bedeutenden Veränderungen unterliegen. Aus der kurzen tabellarischen Uibersicht der verschiedeneu Wärmegrade, beobachtet an verschiedenen Tagen und zu verschiedenen Jahreszeiten, ist dies deutlich zu entnehmen. Die Temperatur-Verhältnisse der Luft und des Wassers. Datum Tageszeit Luft Temperatur d. Wassers a. d. Ober fläche 1 M. tief am Grunde I2V2M, tief Bemerkungen 12./7. 17./7. 20./8. 22./8. 27./8. 18./12. 28./1. 28./2. 1888 1888 n 1889 9V2Ü-Yorm. 91/2 ü. Vorm. 9V2 ü. Vorm. 9V2 ü. Vorm. 9V2 Abends 12 ü. Vorm. 12 Ü. Vorm. 12 U. Yorm. 21-250 C 20-—« C 17-5'> C 25-— 20-—» +2-5» -I-1-25'' +7-5« 20-— »C 17-5« C 18-75"C 22'5" C 22-— »C — 1-250 C +1-25" C 4-1-25« C 18-75« C 16-25« C 18-75'' C 21-25« C 20-— «0 -1-2-50 C -i-2-5« C +2-5» C 18--» C 15-5» C 17-5» C 20-—« C 18-75« C +5-—« C +6-25« C -f 2-5« C +2-5« C Wetter klar, warm n n n „ trüb, lau „ schön, heiss Trüber Abend nach Mmm Tag Wasserspiegel zngefroren n » Das Eis thaut Aus dieser Uibersicht, wenn sie auch nur die Temperaturverhältnisse einiger sehr verschiedener Tage im Jahre aufweist, geht hervor, dass mit Kücksicht auf die Temperatur des Teichwassers folgende Norm aufzustellen wäre. 1. Die Temperatur der Wasseroberfläche ist an heiteren, stillen Sommer- tagen regelmässig etwas niedriger als der Wärmegrad der Luft ; Abends und Nachts, wenn die Luft rascher und das Wasser sich langsamer abkühlt, ist die Temperatur 40 des Wassers höher als die der Luft. Dies findet auch bei Tage, nach einer plötz- lichen Abkühlung der Luft (durch Gewitter, Platzregen etc.) statt. 2. Im Winter ist das Teichwasser an seiner Oberfläche (oder wenn zuge- froren, unter der Eisdecke) regelmässig kälter als die Luft. 3. Die Wärme des Wassers nimmt im Sommer in die Tiefe ab, im Winter steigt sie, u. z. zeigt sich im Winter beim Sinken auf 1 — 2 M. Tiefe ein Unter- schied von höchstens O'ß" C, wogegen beim Steigen die Differenz in derselben Tiefe 1*25 — 2'6° C. beträgt. — Es möge hervorgehoben werden, dass diese Unter- schiede um so grösser sind, je tiefer der Teich ist, unbedeutend werden sie bei gleicher Tiefe des Teiches und verschwinden gänzlich bei ganz seichten Gewässern (von V2 — ^U ^ Tiefe). 4. Der Unterschied zwischen der Temperatur der Luft und des Wassers richtet sich je nach der grösseren oder geringeren Beständigkeit der Luftwärme; herrscht für eine längere Zeit eine im Durchschnitt gleichmässige Wärme der Atmosphäre, so beträgt der Unterschied höchstens 1"25 — 2*5^ C, bei jeliem Tempe- raturwechsel der Luft jedoch steigt dieser Unterschied bis auf G-25 event. 7-5° C. Dies ist auch beim Eishauen wahrzunehmen, da am tieferen Wasser das Eis nur durch den Einfluss der Sommerstrahlen zerfliesst, wobei die Oberfläche des Wassers sich nur auf 1"R. erwärmt, wogegen die unteren Schichten viel wärmer bleiben. Mit diesen Temperaturverhältnissen hängt auch die Entwickelung und die Mobilität der pelagischen Fauna zusammen. Im Sommer, wenn während des Tages eine normale Temperatur herrscht, nämlich, wenn die oberste Wasserschichte nur wenig kühler als die Luft ist, erscheint von der pelagischen Fauna nur wenig an der Oberfläche des Wassers und zudem sind es noch die kleinsten Formen; von Cladoceren bemerkt man da Ceriodaphnia, von anderen Crustaceen Cyclops und Diapotamus, von Rotatorien Asplanchna. Grössere Daphnien, Leptodoren u. ä. erscheinen in diesem Falle nur sehr selten an der Oberfläche und halten sich um so tiefer auf, je grösser die Hitze ist. Doch kommen diese Thiere alsbald haufenweise hinauf, wenn die Ober- fläche des Wassers wärmer als die Luft ist, einfach gesagt, wenn die Luft sich abkühlt. Beweis hiefür boten mir einige Nachtfänge, wie eben diese Beispiele lehren : 1. Am 27. August 1888. Luft 20*' C, Wasserwärme oben 22° C, in einer Tiefe von 2 m 18-75° C. Erbeutet wurde an der Oberfläche eine grosse Menge von Leptodoren und Daphnien. In einer Tiefe von ^j^ m wird dieselbe Fauna constatirt, in grösserer Tiefe nimmt die Zahl dieser Thiere auffallend ab. 2. Am 22. August 1888. Luft 26" C, Wasserwärme a. d. Oberfläche 22-5« C, bei 2 m Tiefe, 20" C. — Erbeutet wurden an der Oberfläche: Leptodora nur in geringer Anzahl, desgleichen auch Asplanchna und Ceriodaphnia. Bei V2 *^* Tiefe finden sich die Leptodoren häufiger, die grösste Menge derselben wurde in einer Tiefe von ^4 — 1 ^ erbeutet. — Dieses Resultat stimmt mit dem Resultat des Fanges an hellen, heissen Tagen, wo ähnliche Verhältnisse obwalten, ganz überein. Aus den mitgetheilten Daten, durch welche die Ergebnisse zahlreicher Versuche dieser Art nur gekennzeichnet werden sollen, geht hervor, dass die Be- 41 wegungeii der pelagischen Fauna, nicht von Liehteffecten, wie bisher angenommen wurde, abhängen, sondern von den Wärmeverhältnissen beeinÜusst werden. Nicht nur an diesem, sondern aucli an anderen Teichen konnte ich diese Verhältnisse feststellen. Dies gilt freilich nur von den Bewegungen der pelagischen Fauna in verticaler Richtung. Was nun die Vertheilung der pelagischen Fauna in horizontaler Richtung anbelangt, so sind dabei hauptsächlich drei Factoren ins Auge zu fassen: die Tiefe des Wassers, die Beschaffenheit der Oberfläche desselben, und die herrschende Witterung. Wenn die Tiefe wenigstens 1 m beträgt, so ist eine Abnahme der pelag. Fauna oder sonst ein Unterschied in derselben, je nach den verschiedenen Orten nicht wahrzunehmen, erst an seichteren Stellen nehmen die Leptodoren und Dia- ptomus an Zahl ab, nur die Daphnien, Cyclopen und Bosmina treten häufiger auf. Freilich muss bemerkt werden, dass wir hier als pelagische Zone auch das Ufer- gebiet betrachten, falls es vegetationslos ist, und das offene Wasser, wie es die Teich- wirthe nennen, bis zum Rand reicht. In solchen Partien finden wir gewöhnlich in der That keine Vertreter der typischen Litoralfauna. Die Verschiedenheit der Wasserfläche besteht darin, ob dieselbe von schwimmenden Pflanzen bedeckt oder frei ist. Die schwimmenden Wasserpflanzen unterbrechen die pelagische Zone nur insoferne, falls dieselben dichte, zusammen- hängende Inseln bilden; in diesem Falle verbergen sich in diesem Pflanz eudickicht, nebst der typischen Litoralfauna, nur die kleineren, oder die in den obersten Wasserschichten sich aufhaltenden Formen der pelagischen Fauna, so einige Daphnien, Ceriodaphnien, Bosmina, Asplanchna u. a., freilich nur mehr am Rande und an den weniger dichten Stellen. Doch die grössten Veränderungen in der pelagischen Fauna verursachen die Witterungsverhältnisse. Die regelmässige Be- wegung hängt, wie oben bemerkt, von der Temperatur ab; oft aber wälzen Regen und Wind die Wasserschichten um, was auch dann grosse Veränderungen in den Verhältnissen der pelagischen Fauna zur Folge hat. Schon bei etwas heftigeren Luftströmungen pflegen die Leptodoren an den Vegetationssaum der Uferzone ver- schlagen zu werden, und bei stärkeren Winden strandet ein grosser Theil der pel. Fauna am Ufer oder sie wird in die Buchten gejagt, wo sie dann durch Anprall an harte Pflanzen oder ans Ufer vernichtet wird. Dem entgegen werden auch von dem gegenüber liegenden Ufer manche Litoralformen in die Schichten der pela- gischen Zone verschlagen, so geschieht dies namentlich mit Sida, der aber in diesem Falle keine grosse Gefahr droht, zu Grunde zu gehen. Ärger ergeht es den grösseren Formen, den Bryozoen und den Molluscen; diese pflegen von einem Ufer an das andere geworfen zu werden, wobei ein grosser Theil, namentlich der Bryozoen, zu Grunde geht. Wenn ähnliche Wetterunbilden in der zweiten Hälfte August oder im September eintreten, so geschieht es oft, dass eine Unmasse Ephippien aus den todten Daphnien an ein Ende des Teiches angeschwemmt wird; bei heftigerer Wasserbewegung pflegen auch leere Ephippien vom Grunde aufgetrieben und mit den neuen zugleich auf einen Haufen geworfen zu werden. Freilich finden sich 42 unter denselben aiicli leere und frische Statoblasteu der eben zu Grunde gegangenen Bryozoen und andere Organismen. An solchen Stellen bietet sich Gelegenheit so manches zu beobachten, das sonst dem Auge nur schwer zugänglich zu sein pflegt, hier aber in Menge angeschwemmt ist. Hauptsächlich gilt dies von den winzigen, oft nur sporadisch im Teiche vorkommenden pelagischen Algen, wie z. B. Limno- chlide oder Anabaena. Das Vorkommen der pel. Fauna der Jahreszeit nach wäre, soweit meine Beobachtungen reichen, etwa folgendermassen zu skizziren: In der kälteren Jahreszeit, schon im September, ist eine Abnahme der pelagischen Fauna wahrzunehmen, und es beginnen nur Individuen mit Wintereiern zahlreicher zu erscheinen. Diese Abnahme bedingen hauptsächlich zwei Factoren, erstens der immer grösser werdende Abgang an entwickelten Individuen, die theils natürlich absterben, theils von der Teichfauna als Nahrung aufgenommen werden, zweitens in dem Mangel an Nachwuchs, indem die sinkende Temperatur des Wassers die Entwickelung einer Reihe von Formen vom Ei, wie auch das Wachsthum des Thieres beeinträchtigt. Im Monate üctober findet man wohl noch Leptodora, doch nicht in solcher Menge und nur kleine, verkümmerte Individuen. Die Leptodoren und Daphnien sind es namentlich, die zusehend sich verlieren, so dass im No- vember keine Spur derselben zu finden ist. Die pelagische Fauna besteht um die Zeit hauptsächlich aus Rotatorien (Asplanchna), wenig Daphnien (Ceriodaphnia),Bosmina-und Cyclopsarten, Im Monate December bemerken wir, dass namentlich Cyclops zu dominiren beginnt und be- sonders ist um diese Zeit die Naupliusform desselben in Menge vorhanden. Doch die überwiegende Mehrzahl dieser Fauna hält sich nicht in dem freien Wasser, sondern mehr an der Grenze der litoralen Zone auf, wo sich ihr noch zahlreiche Uferrotatorien, Polyarthra, Anurea u. a. beimengen. Im Januar beginnen die aus der vorjährigen pelag. Fauna erübrigten Daphnien sich zahlreicher zu vermehren, des- gleichen auch fangen die Cypriden an, in grösserer Anzahl zu erscheinen und so dauert dies bis in die Monate März und April. Je nach der Zeit, wenn sich eine günstigere Witterung einstellt und das Wasser wärmer wird, richtet sich die Ent- wickelung der nicht überwinterten Formen, in diesem Falle also hauptsächlich der Leptodora. (In der Litoralfauna der Bryozoen u. a.) Die eigentliche Zeit der Entwickelung dieser Formen beginnt anfangs und in kalten Lagen erst Ende Mai, oft auch erst anfangs Juni. Was jedoch versäumt wurde, ersetzt die Natur regelmässig durch ihre reiche Schaffungskraft, so dass im Laufe Juni von einer verspäteten Entwickelung der Fauna nichts wahrzu- nehmen ist. In wirthschaftlicher Hinsicht ist der Municer Teich, was sein Wasser an- belangt, als ziemlich gut situirt zu betrachten und könnte daher bei rationeller Bewirthschaftung einen guten Ertrag liefern. Durch theilweise und regelmässig sich wiederholende Trockenlegung des- selben, geschieht in dieser Richtung doch etwas, doch wird in der Regel die trockengelegte Fläche weder weiter bearbeitet noch sonst befruchtet. Es wird so 43 "Wieder der nur wenig aufgelockerte und mit spärlicher Vegetation bedeckte Boden unter Wasser gesetzt, wodurch dem Teiche nur eine sehr geringe Befruchtung zu Theil wird. Der Teich Bezdrev. Dieser Teich gehört zu den schon einigemal durchforschten Gewässern. Vor Jahren bereits untersuchte Dr. B. Hellich seine Cladocerenfauna. Im J. 1887 machte ich selbst eine Excursion an diesen Teich, in einer Zeit, wo die obere Partie trocken lag, und einigemal besuchte ich dieses Wasser als ich am Munitzer Teich stationirt war. Seit der Zeit, als Hellich da war, geschahen an diesem Teiche mehrfache Veränderungen, namentlich duich Abtrennung einiger Partien. Durch die Bahn wurden, in der Nähe von Zliv, die seichteren Uferpartien abgeschnitten, so dass sie nur durch einen Kanal mit dem Teiche communiciren, und ausserdem sind sie noch durch die neue Strasse abgetrennt, somit eigentlich in drei Theile getheilt. Da diese Stellen nicht so heftigen Wellenschlägen wie die übrige ausgedehnte Wasserfläche des Teiches ausgesetzt sind, so wären dieselben eine gute Brutstätte der litoralen Fauna, wenigstens für die nächste Umgebung, wenn die Entwickelung derselben irgendwie gefördert würde. Neben dem schon früher abgetrennten Theile, welcher Zliver Teich genannt wird, und der einst offenbar mit dem Bezdrev Teiche ein Ganzes bildete, ist neuester Zeit bei Cesnowic noch ein ähnlicher Theil vom Hauptteiche abgetrennt worden, der aber noch keinen besonderen Namen führt. Das Ausmass des Teiches Bezdrev sammt den oben angeführten zu ihm gehörenden Theilen beträgt 856 Joch 1238 Kl. — 493-25 Ha. An seinen Ufern liegen zwei Dörfer, Zaluzice und Zliv, und unweit noch das Dorf Cesnowic; in seiner nordwestlichen Partie liegt eine grosse bewaldete Insel, die Kanincheninsel (so genannt wegen der hier einst betriebenen Ka- ninchenzucht, von der nur noch Überbleibsel da sind). Der Teichgrund ist zumeist sandig, nur in grösseren Tiefen lettig und schlammig, der Teich selbst liegt im Bereiche der tertiären Lettenzone. Bis zu der Insel hat der Teich eine Tiefe von 5—6 M., nur in der Richtung der Ufer sich verringend; an dem Haupt- damme reicht die Tiefe bei vollem Wasser bis auf 8 M. Seine offene Lage ist nur in dem Theile am Hauptdamme etwas geschützt, obzwar auch hierher die West- und Nordwestwinde freien Zutritt haben. — Dieser Umstand bewirkt, dass an den Ufern des Haupttheiles des Teiches sich keine Litoralvegetation ansiedeln kann (sogar künstlich angepflanztes Rohr nicht) und so werden die Ufer durch Wellen- schlag sehr ausgewaschen. In diesen Partien wird auch die Litoralfauna zu sehr beunruhigt, so dass sie daselbst nur spärlich ist. Wie sonst in Teichen, in die Spülwasser aus Dörfern gelangt, kommt auch in Bezdrev die pelagische Alge Limno- chlide flos aquae vor, die auch durch Trockenlegung des Teiches nicht zu Grunde geht, wohl deshalb, da der Teich nur zum Theil abgeschlagen wird. (Jede zwei Jahre die obere Hälfte). Diese Alge fand hier schon Prof. Dr. A. Fric im Jahre 1872, später auch Dr. Hellich und durch zwei Jahre konnte auch ich sie hier con- statiren. Im J. 1889 erhielt ich von dem Herrn Verwalter Stich die Nachricht, dass diese Alge sich auch im Munitzer Teiche in grosser Menge gezeigt hat. Ich 44 kann iiiclit anders annehmen, als dass sie nur durch das Hochwasser vom August 1888 hierher verschleppt wurde, bei welchem Elemeutarereignisse sehr viel Wasser aus dem Bezdrev in den Munitzer Teich gelangte. Unter normalen Verhältnissen lliesst das Wasser aus dem Bezdrev in die Moldau ab; die niedriger gelegenen Teiche, der Teich von Zwolehoves, der Mu- nitzer- und der Judenteich erhalten ihr Wasser durch Kanäle aus demselben, doch in diese gelangt diese Alge entweder gar nicht, oder nur im geringen Masse, da sie sich an der Oberfläche des Wassers vor der Schleusse in Menge ansammelt und daselbst zurückgehalten wird. Nur die ruhigeren Buchten in der Richtung gegen Zliv (hinter der Insel) und Cesnowic zu, haben eine Litoralflora — die erstere hat auch eine pelagische, aus Knöterich (Polygonum amphibium) bestehende Flora — doch auch die erwähnte Uferflora ist sehr karg an Zahl, indem dieselbe nur schütteres schwaches Röhricht, und hie und da schmächtige Teichsimse und etwas Seggen aufweist. In dieser, so im Juli und August gefundenen Vegetation, kommen einige kleine Mollusken häufig vor u. z. : Limnaeus pereger Müll., Planorbis complanatus Müll., Physa hypnorum L., ausserdem noch zahlreich: Hydrachna globosa. Von Larven, der Bestimmung des H. Fr. Klapälek nach: Leptocerus senilis Burm., Mystacides longicornis L., Triaenodes bicolor Curt, Cloe diptera, Lestes sponsa Hans. Scapholeberis mucrouata Müll., Ceriodaphnia pu Ichella Sars., Alona quadrangularis Müll., Alona costata Sars., Alona guttata Sars., Pleuroxus nanus Baird. Alona Leydigii Schödler und Chydorus globosus Baird. Von Würmern sind nur spärlich die Naiden. 5, Coelenteraten ziemlich selten Hydra fusca. Dr. B. Hell ich fand hier eine etwas zahlreichere Fauna, namentlich mehr von Alona (A. falcata und A. rostrata) dann Macrothrix laticornis Jurin. Die pelagische Fauna charakterisiren Leptodora Kindtii Pocke, Hyalodaphnia cucullata (var. Kahlenbergensis) Schödl. und Daphnella brachyura Lievin. Von Crustaceen: und am Grunde selbst 45 Diese Fauna gehört somit zum Typus der reiueu Teichfauna, in der keine Spur der Seefauna zu finden ist. Neben den hier gezüchteten Fischen u. z.: Karpfen, Schleihe, Zander und Hecht kommen da, nach Angabe des H. Verwalters Stich, noch vor: Carassius vulgaris, Perca fluviatilis, Scardinius erythrophthalmus, Leuciscus rutilus, Squalius dobula, Acerina vulgaris, Anguill a fluviatilis, Abramis sp. und Rhodeus amarus.*) Einige dieser Arten habe ich geangelt und konnte sie daher als hier vorkommend feststellen. Am Sommer pflegt der ßezdrev nicht viel von Vögeln bevölkert zu sein ; einige Enten und Krieckenten, dann Blässhühner kommen noch ziemlich häufig, seltener aber Möven vor, hie und da bemerkt man auch Taucher (Podiceps), während der Herbstzüge jedoch pflegt hier eine Menge Wasservögel anzuhalten. Dem faunistischen Bilde nach, sowohl mit Rücksicht auf die einzelnen Arten als auch was die Nahrhaftigkeit des Teiches überhaupt anbelangt, ist zu entnehmen, dass es dem Teiche an nöthigen Brutstätten der Litoralfauna mangelt und dass der häufige starke Wellenschlag ihr Vorkommen und ihre Entwickelung beeinträchtigt. Durch Trockenlegung des Teiches wird namentlich das Entstehen der pe- lagischen Fauna gefördert und es läge im Interesse der Sache, wenn durch Be- obachtung auch festgestellt werden könnte, welch' einen Einfluss die Trockenlegung auf das Wachsthum des Fisches hat. Dies zu erfahren ist mir nicht gelungen, da mir die Angabe der zu diesem Zwecke nöthigen Daten verweigert wurde. Dass die Folgen der Trockenlegung günstig sind, ist sehr wahrscheinlich, wohl aber nicht so günstig, als sie sein könnten und sollten. Eine nur massige Ufervege- tation würde gewiss eine Besserung dieser Verhältnisse hervorrufen; damit die Ufer nicht gar zu sehr durch Auswaschung leiden, empfiehlt es sich, dieselben mit einem Streifen Schilfrohr zu bepflanzen, doch freilich, wie schon oben bemerkt, will dies hier nicht gelingen, und es wäre demnach angezeigt, die Schilfcultur nur an besonders gefährdeten Stellen und unter besonderen Schutzvorrichtungen gegen Wind zu versuchen. Das Schilfrohr hätte hier wohl nur den Zweck das Ufer zu schützen, doch wenn es sich um eine Vegetation handeln sollte, welche für die Entwickelung der Uferfauna vortheilhaft wäre, so müsste für niedrigen Graswuchs oder sonst für einige kleine Wasserpflanzen mit schwimmenden Blättern (Laich- kräuter, Süssgras etc.) gesorgt werden. — Ein grasiger Unterwuchs wäre mehr zu empfehlen und es müsste, um denselben zu erzielen, Sorge getragen werden, wenn der Teich trocken liegt oder auch ausser dieser Zeit, die Uferpartien zu düngen und zu besäen und einen Theil der Vegetation bei der Spannung des Teiches dann unter Wasser zu setzen. Die Trockenlegung, in der Weise durchgeführt, wie ich im J. 1887 Gelegenheit hatte zu sehen, als nämlich sich diese nur auf die aus- gewaschenen, sandigen und pflanzenlosen Uferpartien beschränkte, dürfte wohl nur vom geringen Nutzen sein. *) Diese Angabe dürfte vielleicht auf Irrthniii beruhen, insoferne, als darunter Leu- caspius delineatus gemeint sein könnte. 46 Der Judenteich (auch Podhrader genannt). Dieser nicht grosse, nur eine Fläche von 12 Joch 760nKl. = 6*933 Ha, einnehmende Teich liegt in einer Höhe v. 374 M. ü. d. M. hart am Schlosse Frauenberg und dient als Streckteich einer Brut von 900 — 1200 Stück, die hier in bester Weise gedeiht. Derselbe ruht auf einer sandig-lettigen Bodenunterlage der Thalsenkung und empfängt sein Wasser ausschliesslich aus dem höher gele- genen Munitzer Teiche und gibt es z. Th. in die Heller z. Th. in den kleinen Teich „Dlouhy" ab, der durch Weiden und anderes Strauchwerk von allen Seiten ver- deckt, ganz verborgen liegt und zum grössten Theil auch mit Schilfrohr verwachsen ist. Die Tiefe des Judenteiches beträgt grösstentheils nur ^l^—^ji M. nur in der Richtung zum Hauptdamme und zum Podhrad senkt sich der Boden rasch auf 1 — 1^4 M. Tiefe. Der sandig-lettige Boden, an und für sich nicht sehr fruchtbar, empfängt reichliche Anschwemmungen aus der Umgebung und ausserdem entwickelt sich eine zahlreiche Fauna in der reichen pelagischen Pflanzendecke, die hier haupt- sächlich aus der, von den Thiereu sehr aufgesuchten Wassernuss (Trapa natans) besteht. Ausserdem kommt hier noch Limnanthemum und Seerose (Nymphaea) vor, und auch die schütteren Grasflächen am Ufer befördern das Entstehen und die Entwickelung verschiedener Thierarten ; es sind nur schmale Uferstreifen, na- mentlich in Südwest, die durch dichten Rohrbestand weniger günstig gedeckt sind. Stellenweise ist die Wasseirfläche in der Nähe des Ufers auch mit Wasserlinsen (Lemna gibba) bedeckt. Diese reiche, günstig vertheilte, die Entwickelung der Teichfauna in hohem Masse fördernde Teichvegetation bedingt zugleich, dass sich hier die eigentliche pelagische Fauna viel weniger als die Uferfauna ausbildete, so dass der grösste Theil der Fauna, auch noch in der Mitte des Teiches, aus Uferformen besteht.*) Was nun die einzelnen, an diesem Teiche vorkommenden Thiergruppen anbelangt, so mögen in dieser Beziehung nur folgende Thatsachen angeführt werden : Die geringe Ausdehnung des Wassers und die Nähe der menschlichen Wohnungen bringen es mit sich, dass an diesem Teiche nur wenig Vögel sein können; nur hie und da erscheint das Wasserhuhn. Von Fischen verdient die Grundel erwähnt zu werden, die auch in anderen kleineren Teichen der Umgebung vorkommt. Von Weichthieren sind daselbst drei Arten, doch sehr zahlreich zu finden: Physa fontinalis L., „ hypnorum L., Lymnaeus pereger Müll. Von Bryozoen nur : Cristatella ophidioidea Hytt. doch sehr häutig an den Trapasprossen. Die Uferfauna weist eine Menge Larven, zahlreich an Arten und an Indi- viduen auf, hauptsächlich findet man diese von Prof. F. Klapälek bestimmte Arten : *) Die pelagisclie Fauna dürfte früher mannigfaltiger gewesen sein, denn vor Jahren fand Prof. Dr. Frie hier auch sehr reichlich Ceratium tripos auf. 47 Polycentropusflavo-macii latus Pict, Cloe diptera, Ephemera, Corethra. Leptocerus cinereus Gurt., Oecetis lacustris Pict., Mystacides longicornis L., Triaenodes bicolor Curt., ausserdem die Vertreter der Gattungen: Chironomus, Culex, In der pelag. Flora und ihrer Umgebung treten reichlich auf: Notonecta glauca Naucoris cimicoides. Die übrige kleine Fauna ist in den Zonen so vertheilt: Ä. Pelagische Fauna: Hyalodaphnia cucullata var. Kahlbergensis Schödler, Leptodora Kindtii Pocke, Daphnella brachyura Lievin, Ceriodaphnia reticulata Jurin, Ceriodaphnia megops Sars., Ceriodaphnia pulchella Sars., Bosmina cornuta Jurin, Bosmina brevicornis Hell., Asplanchna priodonta Gosse, Volvox sp. Die reinsten pelagischen Formen dieser Fauna sind nur Hyalodaphnia und Leptodora, dann Asplanchna und Volvox. Die übrigen, wenn sie auch nicht in der pelagischen Flora am häufigsten vorkommen, halten sich doch zumeist in ihrer Nähe und ergänzen z. Th. so die Litoralfauna. B. Litoralfauna. Neben den regelmässig vorkommenden Arten u. z.: Sida crystalina Müll., Acroperus leucocephalus Koch, Eurycercus lamellatus Müll, und Cyclops serrulatus Claus. kommen noch vor: Simocephalus vetulus Müll., Simocephalus serrulatus Koch, Alona affinis Leydig, Alona CO stata Sars., Pleuroxus trigonellus Müll., Von Würmern auf Trapasprossen Lacinularia socialis Ehrnb., Vortex truncatus, Mesostomum sp., Nephelis vulgaris, Von Coelenteraten : und Infusorien Pleur. truncatus Müll., Scapholeberis mucronata Müll., Chydorus sphaericus Müll, und Cypris vidua Müll. Clepsine sexoculata, Nais sp. C h a e 1 g a s t e r sp. Hydra fusca E p i s t y 1 i s auf Cyclops und Daphnia schmarotzend. 48 Was nun den allgemeiuen Charakter der Fauua betrifft, so herrscht in dieser noch immer der Teichtypus vor, ihre pelagischen Formen treten jedoch was die Zahl der Individuen anbelangt, immer mehr zurück und nur Ceriodaphnia, Bosmina und Asplanchna, also jene kleine Formen, die namentlich für kleine Gewässer cha- rakteristisch sind, repraesentiren hauptsächlich die pelag. Fauna dieses Teiches. Wenn dieser Teich nicht dann und wann trocken liegen würde, so würde sich die schwimmende Flora desselben noch mehr vermehren, was zur Folge hätte, dass die typische pelagische Fauna ganz verschwinden möchte. Sonst ist diese Flora, namentlich an tieferen Stellen, dadurch von Nutzen, indem sie daselbst den häu- tigeren Formen der Uferfauna noch günstige Wohnstätten bietet. Der Zwolenover Teich. Auf seinem Hauptdamme durch hundertjährige Eichen bekränzt und auf beiden Seiten mit Abflussgiäben, die durch dichtes Baum- und Strauchwerk führen, versehen, liegt dieser Teich, durch Bäume verdeckt, in dem Parke unterhalb des Schlosses Frauenberg. Sein westliches Ende verliert sich zwar seicht in einem dichten Kohrbestand, doch auch von dieser Seite verdeckt ein mächtiges Weiden- gebüsch die Teichansicht. Wenn man den in den Schatten des Weidengebüsches führenden Pfad verfolgt, so macht das hier zu einer mächtigen Höhe aufschiessende Kohr förmlich den Eindruck eines Dschungels. Doch lauert hier nicht der blut- dürstige Tiger — sondern es befindet sich an dieser einsamen Stelle der — Fa- sanenfutter platz. Auch der grösste Theil der Wasserfläche ist durch Schilf- rohr verwachsen oder doch mit schwimmenden Limnanthemum und Laichkräutern, oder zum Theil mit den Blättern der Seerose und des Wasserknöterichs bedeckt, so dass verhältnissmässig nur wenig Wasserfläche, am meisten noch über der Fisch- grube frei bleibt. Der Charakter der hier angesiedelten Fauna ist von jener der des beschriebenen Muuitzer Teiches nicht verschieden, doch ist dieser Teich weit mehr verschlammt und sein Wasser daher oft trüb. Dieser Teich wird regelmässig nur auf eine Hitze mit 700—800 Stück grösseren Fischen besetzt und nur selten abgeschlagen. In dem offenen Wasser der Fischgrube und in deren Nähe, ist er bedeutend tief (2, 3 — 4 M.), doch an den verwachsenen Stellen meist seicht. Der- selbe weist einen ziemlichen Reichthum mannigfaltiger Thierformen auf. Die pelagische Fauna kennzeichnen: Leptodora Kindtii Focke, Hyalodaphnia cucullata Schödler, Daphnella brachyura Lievin, ausserdem kommen noch vor : Asplanchna p r i o d o n t a Gosse, Diaptomus gracilis Sars, Cyclops signatus Koch und eupelagisch sind häufig Ceriodaphnia pulchella Sars, „ m e g p s Sars, sehr spärlich dagegen Ceratium hirundinella Ehrnb. (macroceros Sehr.). 49 Die Litoralfauna weist von Mollusken diese Arten auf: Limnaeus stagnalis L. Physa fontinalis L. Von Bryozoen: Plumatella repens L. F. fruticosa. 11 •)■> Ph. hypnorum L. P 1 a n r b i s s p. j u v. Hyalinella vitrea Hyatt. Cristatella ophidioidea Hyatt. Sehr zahlreich kommen da verschiedene Insecten, namentlich ihre Larven vor, Chironomus- und Culex-Larven besonders häufig ; den Bestimmungen des Herrn Fr. Klapalek nach sind hier, ausser diesen, hauptsächlich noch diese Arten: Cloe diptera, L., Limnophilus rhombicus L., Leptocerus cinereus Curt, Leptocerus aterrimus Steph., Oecetis lacustris Pict., Oecetis furva Ramb., Mystacides longicornis L., Triaenodes bicolor Curt., Polycentropusflavo-maculatus Pict. Cyrnus trimaculatus Curt., Hydrophilus sp. (Larve). Von Crustaceen sind in der Litoralfauna namentlich diese Arten vertreten : Cypris vidua Müll., Cypris compressa Baird., Chydorus sphaericus Müll., Bcfsmina cornuta Jurin, Sida crystallina Müll., Simocephalus vetulus Müll., Eurycercus lamellatus Müll., Acroperusleucocephalus Koch, Scapholeberismucronata Müll, am Grunde finden sich noch Alona Leydigii Schödler, Pleuroxus truncatus Müll. Zahlreich am Ufer sind die Rotatorien: Polyarthra platyptera Ehrnb., Anurea aculeata Ehrnb., Anurea foliacea Ehrnb.; auf den Stengeln von Limnanthemum sind zahlreiche Colonien von Lacinularia socialis Ehrnb. und Würmer aus den Gattungen: Nais und Chaeto gaster; von Coelenteraten : Hydra fusca. Auf den Cyclopsarten lebt parasitisch: Epistylis. In dem Inhalte des Verdauungskaiials der Daphnien fand ich Ceratium macroceros. Übersicht der Teiche der Herrschaft Frauenberg. Das den Teichen dieser Herrschaft gemeinschaftliche Substrat ist ein lehmig-sandiger Boden, der bei grösseren Tiefen leicht verschlammt und dann gänzlich unfruchtbar wird; dem gegenüber werden die Uferpartien leicht ausge- 4 50 waschen, wodurch sie versanden und demnacli, wenn sie auch seichter sind, nicht an Fruchtbarkeit gewinnen. Wenn der nun steril gewordene Boden wieder fruchtbar gemacht werden soll, so genügt nicht, um diesen Zweck zu erreichen, die blose Trockenlegung des Teiches, sondern es muss eine gehörige Melioration des Bodens vorgenommen werden, Wo es an dieser fehlt und sogar der Teich nicht regelmässig trocken gelegt wird, da sinkt die Ertragsfähigkeit des Teiches, wie zahlreiche Beispiele lehren, sehr rasch. Der freien Manipulation mit den Teichen sollen die localen Wasserver- hältnisse hinderlich sein. Es ist wohl wahr, dass hier die für die Teichwirthschaft so wichtigen Einrichtungen, wie es z. B. auf der Herrschaft Wittingau der Gold- bach ist, nicht bestehen, doch mit Hilfe der modernen Technik könnte das System von, wenn auch zerstreuten, immerhin aber in einigen Zonen zusammen- hängenden Teichen wohl so reguliert werden, dass das Abschlagen und die Span- nung derselben nicht von dem zeitweiligen Überfluss oder Mangel an Wasser ab- hängen würde. In diesem Falle würde auch das Einführen des Systems Dubisch keine Schwierigkeiten verursachen, wohl aber die successive Spannung der Teiche in ihrer Reihenfolge im Frühjahr ermöglichen. Im Ganzen sind die zu dieser Herrschaft gehörenden Teiche, was die Beschaffenheit ihres Grundes und die ihnen zu Theil werdenden Anschwemmungen anbelangt, besser situirt als die Mehr- zahl der Teiche der Herrschaft Wittingau, und es könnte hier die rationelle Fisch- zucht wohl mit Erfolg betrieben werden. C. Die Teiche der Herrschaft Dymokur. Zum erstenmale, obzwar nicht ohne viele Hindernisse, gelang es mir im J. 1885 den Komarover- und Jakobteich sowie die Teiche Pusty und z. Th. Vrazda zu untersuchen. Zwei Jahre später wurde es mir durch die Güte und schätzbarste Opferwilligkeit des Herrn Oberförsters J. Silhavlcek ermöglicht, diese Untersu- suchungen specieller vornehmen zu können, wofür ich dem genannten Herrn den herzlichsten Dank zu sagen mich verpflichtet fühle. Einer dieser Teiche, der St. Jacobsteich, wurde schon früher durch Dr. B. Hellich auf Cladoceren untersucht. Es gehören demnach diese Teiche zu jenen, über die man ein genaueres Urtheil fällen kann. Der Komarover Teich. In der Thalsenkung zwischen zwei massigen Höhenrücken des Hochplateaus der Kreideformation, nördlich von Dymokur, zieht sich auf etwa V2 Stunde Weges in die Länge ein verhältnissmässig wenig breiter Wasserkörper, der Komarover Teich. Beiderseits ist derselbe von anmuthigeu Laubwäldern umgeben, die gegen Süden zu sammt dem Teiche, zu der Dymokurer Herrschaft des Grafen Depold Cernin, nach Norden hin, als fremder Besitz, zur Domaine Krinec gehören. 51 Das Wasser fliesst dem Teiche von Osten, aus dem höher gelegenen Vrazda-Teiche zu, der betreffende Bacli besteht aus zwei Armen, die sich theil- weise auch zwischen den Gebäuden des Dorfes Nouzow durchwinden. Die an den Ufern des Teiches sich ausbreitenden herrlichen Wälder beherbergen eine reiche und z. T. seltene Flora, Lathyrus pisiformis, Dianthus superbus u. a, und auch die Ufervegetation bietet nicht das monotone Pflanzenbild ähnlicher Localitäten, sondern zeichnet sich durch eine das Auge fesselnde Mannigfaltigkeit und einen grossen Blüthenreichthum aus. Die hohen Rohrbestände sind im Frühjahr mit den gelben Blüthen der gelben Schwertlilie untermischt, um später durch die ro- sigen Blüthen des Epilobium ersetzt zu werden; dazu gesellen sich in Menge Typhakolben ; das Wasser zwischen dem Schilf und auf den benachbarten Stellen bedecken zahlreiche Blätter und Blüthen des Froschbisses (Hydrocharis) und an- derwärts nimmt wieder die grosse Wasserlinse (Telmatophace gibba) grosse Flächen des Wasserspiegels in Anspruch. In der westlichen Partie pflegt die Wasserfläche von Pflanzen frei zu sein, nur hie und da breitet sich eine Gruppe Seerosen aus, die aber compacter mehr in der Mitte des Teiches sich angesiedelt haben; im östlichen Theile des Teiches musste jedoch die Nymphaea einer mächtigen submersen Vegetation, be- stehend vornehmlich aus Ceratophyllum und Potamogeton crispus, weichen, die in dichten Rasen das Wasser durchsetzt. Schon aus der Schilderung dieser pelagischen Flora ist zu entnehmen, dass der Teich quer in drei Zonen getheilt ist, die jedoch auch in anderer Hinsicht charakteristisch sind. Ich hatte Gelegenheit diesen, sowie andere zu Dymokur gehörende Teiche (Vrazda, St. Jacob und Pusty) dreimal und zu verschiedenen Jahreszeiten zu besuchen, und dabei die verschiedenen Ent- wickelungsphasen und Veränderungen ihrer Fauna und Flora verfolgen zu können. Ich fand, dass im Sommer, bei einem beständigeren niederen Wasserstande, sich am westlichen Ende des Komarover Teiches pelagische Algen, die sich als Ana- baena flos aquae erwiesen, anzusammeln pflegen; in der mittleren Partie nimmt die Zahl der Alge gegen Osten auffallend ab, so dass das Wasser am Ostende des Teiches klar und von dieser Alge ganz frei ist. Eine ganz andere Erscheinung waltet in diesen Verhältnissen im Frühjahr ob; in dem höher situirten Vrazda Teiche fand ich um diese Zeit in grosser Menge die pelagische Alge Aphanizomenon flos aquae und in der That war auch das Wasser des Komarover Teiches in seiner ganzen Ausdehnung mit dieser Alge an- gefüllt. Dies war Anfangs Juni. In den ersten Tagen des August war von dieser Alge keine Spur zu sehen, doch concentrirte sich in der westlichen Teichpartie in grosser Anzahl Anabaeua flos aquae. Unwillkürlich tritt uns die Frage entgegen, ob nicht zwischen diesen zwei Algen ein genetischer Zusammenhang be- steht. In Betreff der Alge Anabaena möge noch folgende Beobachtung angeführt werden: Die vertrocknete Alge hinterlässt auf der Oberseite der Blätter der Seerose prachtvoll blaue Flecke, eine Erscheinung, die auch auf dem am Rande wachsenden Schilfrohr, auf Steinen etc., zu Tage tritt. Mehrmals bemerkte ich, dass die ganze, von dieser Alge eingenommene Teichpartie, von den Wasservö- geln gemieden wurde; auch auf den mit dieser Alge behafteten Blüthen der See- rose waren nur geringe Spuren von Bryozoenkolonien und anderer, diese Blätter 4* 52 bewohnenden Fauna zu finden, wogegen dieselbe in dem anderen Theile des Tei- ches, wo die Alge nur in geringer Menge vorkam, sehr reichlich zu finden war. Ob nun diese Erscheinung mit irgendwelchen nachtheiligen oder etwa giftigen Ei- genschaften dieser Alge in Zusammenhang steht, konnte ich nicht ermitteln; dass dem aber in der That so sein könnte, dafür sprechen die Angaben auch von anderwärts, als nämlich Fische und Wassergeflügel durch diese Alge gelitten haben sollten. Mit der Vertheilung dieser Alge in den verschiedenen Partien des Teiches, stimmt auch die Verbreitung der Fauna, namentlich der pelagischen Fauna: Hyalo- daphnia cucullata und Daphnella brachyura, mit geringer Anzahl von Leptodora. Ein Theil dieser Fauna erstreckte sich in geringerer Menge auch in die zweite Abtheiluug des Teiches, doch in dem dritten, östlichen Theil, war alle Spur der- selben verschwunden. Hier nimmt das Wasser mehr den Charakter des fliessenden Wassers an, sei auch, dass es still steht, doch bleibt es aber klar dabei. Die pe- lagische Fauna vertraten hier nur spärlich Bosmina cornuta Jurin und Ce- riodaphnia pu Ichella Sars., deren Hauptsitz der mittlere Theil des Teiches war. Zahlreicher trat in dem klaren Wasser des östlichen Theiles Asplachna prio- douta auf. Die grosse Masse der in diesem Theile angesiedelten submersen pela- gischen Flora mag besonders erwähnt werden; neben den typisch litoralen Formen, Eurycercus lamellatus Müll., Sida crystallina Müll. u. ä. sowie von Würmern Nais und Chaeto gaster, haben sich an ihr auch eupelagische Formen, so die festsitzenden Infusorien aus der Gattung Vorticella, Epistilis und Zoothamnium dann von Räderthierchen Polyarthra platyptera und An Urea aculeata angesiedelt. Am Grunde des Teiches pflegt eine Menge dieser Florenreste, nebst verschiedenen Holzstücken und Gezweig zu liegen ; diese pflegen dann mit Spongien (Eusp. lacustris), Bryozoen (Plumatella fungosa) und den oberwähnten Würmern besetzt zu sein; von Crustaceen kommt hier nur Chydorus sphaericus und von Spinnen Argyroneta aquatica vor. Die Uferfauna selbst weist nebst den genannten Formen nur noch die Schlammschnecke, Limnaea stagnalis auf, doch hervorzuheben wäre, dass hier sehr häufig, namentlich an frischen Weidenzweigen, Plumatella fungosa vorkommt; (auf den Blättern der Seerose findet man zahlreiche Colonien dieser Bryozoenart in verschiedenen Entwickelungsstadien, wodurch mir Gelegenheit geboten wurde, die schon früher publicirte Beobachtung machen zu können, dass die als drei ver- schiedene Alcyonellaarten betrachteten Formen zu einer Art gehören). Im Ganzen herrscht in der hier hausenden Fauna, mit Ausschluss der Bryozoen, eine grosse Armut vor und dies sowohl was Zahl der Arten als auch was die M,enge der In- dividuen anbelangt. Vielleicht hängt dies mit der hier in Menge vorkommenden Anabaena zusammen. Nebst den hier gezogenen Karpfen und Hechten kommen hier noch die Karausche, die Schleihe, der Aal und der Flussbarsch vor; von Amphibien auch der grüne Wasserfrosch (Rana esculenta). Verlässliche Daten über den Ertrag an Fischen aus diesem Teiche konnte ich nicht erlangen und auch eine Untersuchung des Fisches, um dessen Ent- wickelung und seine Nahrung kennen zu lernen, nicht ausführen. 53 Immerhin kann aus den angegebenen Verhältnissen der Schluss gefolgert werden, dass die Ertragshöhe dieses Teiches, seiner Grösse und seiner geschützten Lage kaum entspricht. Der Hauptfehler dürfte darin zu suchen sein, dass der Teichgrund schon zu sehr ausgenützt ist, und es wäre ausser einer zeitweiligen Trockenlegung des Teiches auch eine entsprechende Bearbeitung seines Bodens, namentlich durch organische Düngung angezeigt, um den Ertrag zu heben. Kalk ist hier in Überfluss vorhanden, denn alle Streifen des Schlammes und der Abla- gerungen auch am Holz u. a. Gegenständen brausen in Säuren stark auf. Dieser Um- stand ist an und für sich der Entwickelung vieler Thiere, namentlich für Crustaceen nicht günstig, und es wäre wichtig die kalkigen Beimengungen des Bodens durch Humus zu binden und zu überbieten. Dass der Kalk, wenn auch die Teichfauna und Flora seiner bedarf, falls im Übermasse vorhanden, schädlich wird, davon habe ich mich vielfach an unseren, im Bereiche der Kreideformation gelegenen Teichen überzeugt ; so z. B. ist das Wasser im Teiche „Dlouhopolsky" so kalk- reich, dass an dessen Vegetation sich eine Kalkkruste ansetzt, in demselben kommen aber keine Crustaceen vor. Auch der Flusskrebs, obzwar derselbe eine gewisse Menge Kalk braucht, kann in einem mit Kalk übersättigten Wasser nicht fortkommen. Durch Austrocknung und Melioration des Teichgrundes, namentlich wenn dies auch auf dem höher gelegenen Vrazda-Teiche geschehen möchte, würde sich auch die Entwickelung der oben angeführten Algen, die auf die Vermehrung der Fauna sehr ungünstig einzuwirken scheinen, verringern. Da es an diesem Teiche keine Buchten mit stagnierendem Wasser gibt, in dem sich diese Algen an- häufen und da verwesen könnten, so konnte ich eine, bei ihrer Zersetzung etwa ent- stehende giftige Wirkung nicht beobachten. Auch die grosse Menge der pela- gischen Flora, hauptsächlich aus dem harten Ceratophyllum bestehend, ist als ein Übelstand in diesem Teiche zu betrachten. Diese Pflanze fördert zwar die Ent- wickelung einer gewissen Anzahl von Thieren in den oberen Wasserschichten, hin- derlich aber ist, dass sie wenn abgestorben, den Teichgrund für lange Zeit tief bedeckt und alle befruchtenden Einflüsse, die demselben zu Gute kommen würden, abhält. Der St. Jacobsteicli. Dieser Teich gehört zu den mehrmals untersuchten und am meisten durch- forschten Gewässern. Vor mir suchte da Dr. B. Hellich nach Cladoceren, doch geschah dies zu jener Zeit, als das Wasser des Teiches noch rein, d. i. nicht ver- giftet war. Selbst besuchte ich diesen Teich zum erstenmale im Jahre 1885, als die giftigen Einflüsse des aus den Zuckerfabriken in Königstadtl und Libnoves daher geführten Wassers, im Teiche noch im hohen Grade wahrzunehmen waren. Im Frühjahre 1887, wo die genannten schädlichen Einwirkungen in Folge der dauernden Arbeitseinstellung der Zuckerfabrik sich mehr und mehr vermin- derten, besuchte ich den Teich nochmals. Die Durchforschung dieses Teiches bietet daher einige neue und für ähn- liche Verhältnisse an anderen unseren Gewässern beachten swerthe Momente dar. 54 Der St. Jacobsteich, dessen Ausmass 74 Joch = 128-09 Ha. beträgt, liegt im Bereiche der Priesener Schichten an der südlichen Sohle eines niedrigen Kreideabhangs, an dessen Nordseite sich die Teiche „Komärovsky" und „Vrazda" befinden, Obzwar der St. Jacobsteich fast in derselben Meereshöhe (202 M.) wie die letztgenannten Teiche liegt, so wäscht sein Wasser die Schichten der Kreideformation nicht in dem Masse aus, wie dies am Komärover Teich geschieht, da dieser Teich unmit- telbar in der Rinne dieser Schichten liegt. Der St. Jacobsteich läuft in seiner südlichen Richtung in einen mehr humosen, wenn auch lettigen Boden aus, und es sind daher seine Verhältnisse, mit Rücksicht auf die Kalkhältigkeit des Wassers, viel günstiger als die des Komärover Teiches. Der St. Jacobsteich zieht sich in einer Entfernung von etwa einer halben Stunde in der Richtung nach Südost, entlang des obgenannten Abhanges, nirgends in der Breite eine grössere Dimension erlangend, so dass er den Eindruck eines breiten, malerisch gelegenen Flusses macht. Die Ufer der nordöstlichen Partie sind nur mit einem schmalen Schilfrohrbestand gesäumt, in dem südlichen Theil jedoch, hinter der „Insel", von welcher es heisst, dass sie vor vielen Jahren künstlich errichtet wurde, ist der grösste Theil der Wasserfläche entweder durch Schilf verwachsen oder mit Laichkraut (Potamogeton nataus und gramineus) und Seerosenblättern bedeckt. In den sich verjüngenden Zipfel dieses Theiles mündet ein Bach, der dem Teiche sein Wasser zuführt und mit dem auch die giftigen Stoffe aus den Zucker- fabriken in Königsstadtl und Libnowes hierher gelangten. In dieser östlichen Partie kommt neben den schon genannten Wasserpflanzen noch das Hornkraut (Ce- ratophyllum demersum) und an den Ufern Tannenwedel (Hippuris vulgaris) und Ampfer (Rumex maritimus) vor, ferner ist beim Dorfe Poust sehr zahlreich die pelagische Alge Limnochlide flos aquae. Durch die Untersuchungen Hellichs wurden hier nachfolgende Cladocereu constatirt : a) Pelagische Formen: Hyalodaphnia cucullata (var. Kahlberg ensis) Schödler, Daphnella brach yura Lievin, Leptodora Kindtii Focke; h) Uferformen: Sida crystallina Müll., Simocephalus vetulus Müll., Simoc. exspinosus Koch, Scapholeberis mucronata Müll, Ceriodaphnia megops Sars., c) Schlammformen: Alona affinis Leydig, AI. c s tata Sars., AI. guttat a Sars., Ceriodaphnia pulchella Sars., Bosmina cornuta Jurin, Eurycercus lamellatus Müll., Acroperus angustatus Sars., Polyphemus pediculus De Geer; Pleuroxus aduncus Jurin, PI. truncatus Müll., C h y d r u s s p h a e r i c u s Müll. 55 Von dieser Cladocerenfauua konnteu bei den zwei späteren Untersu- chungen (nach der Vergiftung des Wassers) nur noch diese Arten nachgewiesen werden, u. zw. bei der ersten Durchforschung (nicht lauge nach den Einwirkungen des Fabrikswassers): a)pelagische: Hyalodaphnia cucullata Schödlei , D a p h n e 1 1 a b r a c h y u r a Lievin ; b) 1 i t r a 1 e : Sida crystallina Müll, Ceriodaphnia megops Sars., Ceriodaphnia pulchella Sars., Bosmina cornuta Jurin ; c) limose: Alona affinis Leyd. (sehr spärlich). Bei der zweiten Durchforschung, wo der Einfluss des Fabrikswassers viel schwächer war, fand ich noch diese Arten: a) pelagische: Leptodora Kindtii Focke (nicht häufig) ; b) litorale: Scapholeberis mucronata Müll. ; c) limose: Chydorus sphaericus Müll. Aus dieser Übersicht geht hervor, dass durch die giftigen Einwirkungen des Wassers aus den Zuckerfabriken, zumeist die am Ufer und im Schlamm sich aufhaltende Cladocerenfauna sowohl an Zahl der Individuen als auch an Arten ge- litten hat; die grösste Widerstandsfähigkeit erwiesen die kleinen Bosminen und Ceriodaphnien. Zugleich erhellt, dass beide diese Faunen, trotzdem dass ihre Keime sich in dem Boden des Teichgrundes vorfinden, sich nur schwer zu er- gänzen vermögen, und daher anzunehmen ist, dass die giftigen Stoffe sich noch immer im Schlamme des Teiches abgelagert befinden, wenn auch das Wasser von denselben schon ziemlich frei ist. Dafür spricht auch der Umstand, dass jene Thierformen, deren Existenz an den schlammigen Grund und an seichtere Stellen nicht so gebunden ist, also die pelagische Fauna, sich mit der Zeit wenn auch nicht an Zahl der Individuen, so doch an Arten dem früheren Zustande gemäss er- gänzt hat. Auch andere, mehr oder weniger auf eine pelagische Lebensweise ange- wiesenen Thierformen, haben an Zahl wieder zugenommen. Dies gilt namentlich von den an den Blättern der Seerose angesiedelten Arten u. zw.: Plumatella fungosa Fall., PI. r e pens L., Cristatella ophidioidea Hyatt., Paludicella Ehrenberg i V. Ben. Doch auch anderwärts hatte ich Gelegenheit bei einigen Bryozoen, na- mentlich den Plumatellaarten , eine grosse Resistenz gegen störende Einflüsse wahrnehmen zu können. Zu diesen Formen gesellen sich noch einige Rotatorien (A n u r e a a c u- 1 e a t a Ehrnb., Polyarthra pla typte ra Ehrnb., Asplanchna prio- donta) und einige widerstandsfähigere Würmer aus den Gattungen Nai's, Chae- togaster, Clepsine u. ä. Auch den Insectenlarven scheint es in diesen Yer- 56 hältnissen nicht schleclit zu ergehen, obzwar dieselben, wenn auch die Umgebung reich au lusecten ist, hier nicht gar zahlreich sind; hauptsächlich kommen hier Chironomus, Ephemera, Caenis u. ä. vor. Auch einige vorübergehende Erscheinungen aus der Giuppe der Protozoen und Coelenteraten, so Hydra f u s c a, V o 1 v o x, E p i s t y 1 i s g r a n d i s u. a. finden hier wenigstens zeitweise günstige Bedingungen zu ihrer Entwickelung. Die durch die unmittelbare Einwirkung des Fabrikswassers massenhaft absterbenden Fische, fanden hier auch später nicht die ihre Existenz bedingenden günstigen Verhältnisse. Dies gilt namentlich vom Karpfen, Hecht und dem Aal. Nur einige, durch ihre Resistenz bekannten Arten, überstanden die Cala- mität und erhalten sich da durch natürlichen Nachwuchs; so namentlich die Ka- rausche, die S c h 1 e i h e und der F 1 u s s b a r s c h. Die südöstlichen Partien, besonders die seichteren Buchten und die Ufertümpel, dienen auch der Unke (Bombinator igneus) und dem Wassermolche (Triton taeniatus) zum Aufenthalte. In Folge dieser Verhältnisse wird der Teich mit keiner Fischart besetzt, es müsste sein, dass die beiden Zuckerfabriken (Königstadtl und Libhoves) ihre Arbeit ganz einstellen oder gesetzlich gezwungen sein würden, ihr Abspülwasser zu reinigen, in welchen Falle man den Versuch machen würde den Teich vorder- hand mit einer dauerhafteren Fischait, z. B. der Schleihe zu besetzen. Einer radikalen Besserung der Verhältnisse, die wieder die Karpfenzucht hier ermöglichen würde, steht das Wasserrecht der am unteren Damm sich be- findenden Mühle als Hinderniss im Wege, infolge dessen der Teich nicht auf längere Zeit abgeschlagen werden kann; immerhin aber könnte vielleicht der grössere Theil des Teiches für längere Zeit trocken gelegt und so die Verbesserung des Grundes durchgeführt werden, für die erste Zeit würde die Trockenlegung und Sämerung desselben genügen, obzwar eine humose Düngung nebst der nöthigen Ackeruug auch hier sich bewähren dürfte. Der Teich „Pusty". Der etwas niedriger als der St. Jacobsteich gelegene Teich Pusty bei Dy- mokur, zieht sich, in Fortsetzung derselben Richtung, weiter nach Nordwest entlang des schon erwähnten Kreideabhangs und ähnlich wie der erstere verläuft er an seinem Südende in den lettigen Boden der Ebene. Sein Ausmass beträgt 48 Joch = 82-63 Ha. ; zur Zeit liegt er ganz brach, theils in Folge der Ein- wirkungen des aus dem St. Jacobsteiche auch hieher gelangten Fabrikswassers, theils deshalb, weil er auch in gewissem Grade den Einflüssen des Abfallwassers aus der Zuckerfabrik in Dymokur ausgesetzt ist. Obzwar diese Fabrik an dem unteren Ende des Teiches situirt ist, und das erwähnte Wasser durch einen nur am unteren Rande des Teiches geführten Abfluss abgeführt wird, reicht dieser Um- stand doch hin, dass namentlich bei West-, Südwest- und Nordwestwinden die giftigen Substanzen durch das Wellenspiel auch in der entgegengesetzten Richtung des Wasserabflusses, an entferntere Stellen des Teiches gelangen. In Folge dieses 57 Umstandes sind in der südöstlichen Partie des Teiches die Verhältnisse für die hier angesiedelte Fauna viel günstiger, wogegen am Hauptdamme das Wasser durch die wiederholten Einwirkungen der giftigen Stoffe fast ohne Leben ist, da nur einige sehr resistente Arten, z. B. Asellus aquaticus, Chiromuslarveu etc. hier ihre Existenz fristen können. Die pelagische und die litorale Fauna ist jedoch an diesen Stellen total vernichtet. In dem südöstlichen Theile, von dem auch die durch die Mühle verursachte Strömung die giftigen Stoffe abhält, ist das Leben viel reger und es kommen hier auch einige in Teichen überhaupt seltenere Formen vor. Von Protozoen kommt hier Volvox vor, von Würmern eine ganze Reihe Rotatorien; wie im St. Jacobsteiche finden wir auch hier: Asplanchna priodonta Gosse, Anurea aculeata Ehrnb., Polyarthra platyptera Ehrnb., und ausser diesen noch: Noteus quadricornis Duj., Synchaeta mordax Huds. Die beiden letzteren Arten gehören zu den regelmässigen Erscheinungen in dem von der Mühle fluthenden Wasser. Auch die Crustaceenfauna hat im Bereiche des Einflusses dieser Fluthung die meisten Vertreter aufzuweisen u. zw.: a) pelagische: Hyalodaphnia cucullata Schödler, Diaptomus gracilis Sars. b) litorale: Scapholeberis mucronata Müll., Bosmina longirostris Müll., B OS. cornuta Jurin, Ceriodaphnia pulchella Sars., Simocephalus vetulus Müll, und Acroperus leucocephalus Koch; c) limose: Chydorus sphaericus Moll., Asellus aquaticus. Obzwar die aus Nixblumen (Nuphar), Seerosen, Hornblatt und allen Arten von Wasserlinsen zusammengesetzte pelagische Flora hier sehr zahlreich ist, so finden sich doch an derselben nicht nur keine neue Thierformen, sondern sie ist im Gegentheile fast zur Gänze ohne alles Leben. Dies gilt auch von der Litoralflora, die hauptsächlich aus Schilfrohr be- steht, zwischen dem auch Schwertlilie, Ampfer und andere Uferpflanzen vorkommen. Nur in der s. g. Fischgrube, d. i. einer viereckigen Vertiefung hart unter dem Damme des Jacobsteiches (die Fangstelle, in die beim Al)fischen des St. Jacobs- teiches die Fische mit dem Ablassen des Wassers gelangten), die auch im Bereiche des Teiches „Pusty" liegt, gesellen sich zu dieser Vegetation noch zahlreiche Algen, unter welchen eine Menge Cyclops und Mollusken vorkommen, so Planorbis v ort ex Drap., j) corneus L. Limnaeus stagnalis L., Limnaeus auricularis Drap., Bythinia tentaculata L. 58 Die Grube mochte den Einwirkungen des Fabrikswassers am wenigsten ausgesetzt sein, da sie gewissermassen mehr abseits von der Fluthung liegt. Von Fischen kommen im Teiche Pusty auch nur die Karausche und die Schleihe vor, der Karpfen wird hier nicht eingesetzt. Wenn unter den Bedingungen, die schon bei der Besprechung des Jacob- teiches hervorgehoben wurden, es angezeigt wäre, die Verbessserung dieses Teiches vorzunehmen, so würde diese hier viel leichter auszuführen sein, theils dass die Gefahr der Wasservergiftung durch den Zufluss keine so grosse ist, theils Hesse sich dieselbe am unteren Theile ganz beseitigen, da hier keine Dienstbarkeiten bestehen, welche die Trockenlegung des Teiches auch für eine längere Zeit nicht zulassen würden. Anwendung würde hier dieselbe Meliorationsmethode finden wie am Jacobsteiche. In seinem heutigen Zustande verdient dieser sonst sehr malerisch gelegene Teich den ihm schon früher unbewusst gegebenen Namen „Pusty" (der Öde) mit vollem Rechte. Der Teich „Vra^da" bei Dymokur. Dieser Teich, dessen Ausmass 57 Joch =: 98' 131 Ha. beträgt, liegt über dem Komarover Teiche in einer gelinden Thalsenkung unter dem Dorfe Nouzow nordöstlich von Dymokur. Seine Ufer laufen meist in Hutweiden aus, auf denen namentlich Gänse gehalten werden, und von deren Excrementen sehr viel in den Teich gelangt. Ähnlichen Einfluss auf seine Befruchtung übt auch die Nähe des obgenannten Dorfes. Im Ganzen giebt es aber auch hier genug Übelstände; so ist die südöstliche Partie des Teiches gegen die nordwestliche zu sehr erhöht und bis auf einige unbedeutende Stellen mit Simse und Rohr ganz verwachsen, freiere Stellen sind wieder mit Laichkraut, Wasserknöterich, Wasserlinsen und mit dichten Klumpen von Fadenalgen bedeckt. Auch auf dem freieren Theile des Teiches nehmen die Rohrbestände viel vom Ufer ein; das Wasser zwischen der Rohrvege- tation pflegt von allen Arten der Wasserlinse bedeckt zu sein und an den von Schilfrohr freien Ufern in der Richtung gegen Nouzow und den Hutweiden zu nehmen die Stelle der Wasserlinse dichte Algenklumpen ein. Wie es an Teichen, die ähnlich situirt sind, zu sein pflegt, ist auch hier das Wasser von der pela- gischen Alge Aphanizomenon flos aquae erfüllt. Ausserdem beträgt in den Partien mit z. Th. freien Wasserflächen in der Richtung zum Damme die Tiefe 3 — 4 M- wogegen etwas weiter vom Ufer dieselbe nur 1 — 2 M. beträgt und an den Ufern die Wassersäule selbst auf V2 M. herabsinkt. Diese Verhältnisse verursachen, dass dieser Teich unter den übrigen Teichen mit Rücksicht auf seine Fauna eine Sonderstellung einnimmt, so hier die eigentliche Teichfauna durch die Tümpel und Pfützen kennzeichnenden Thierformen überboten wird. Charakteristisch in dieser Beziehung ist namentlich die hier ange- siedelte Crustaceenfauna. 59 Pelagisch treten namentlich diese drei Formen auf: Hyalodaplinia cucullata Schödler, Daphnella brachyura Lievin und Daphnia magna Strauss, von denen namentlich die lezte, in Teichen sonst seltene, vorwiegt. Die pelagische Fauna ergänzt noch in geringer Menge das Räderthierchen Asplanchna priodonta Gosse und Volvox. Die iitorale Fauna weist neben den gewöhnlichen Formen, als dasind, Eurycercus lamellatus Müll., Ceriodaphnia pulchella Sars. und Scapholeberis mucronata eine reiche Anzahl von Cypriden auf, die nur selten in Teichen vorkommen. Cypris puber a Müll., Cypris fasciata Müll., Notodromas monachus Müll. Junge Individuen von Cypris fasciata kommen auch pelagisch vor. Ergänzt wird noch die Iitorale Fauna durch zahl- reiche Cyclops serrulatus und interessant ist die Entdeckung des hier vorkommenden Moosthierchens Lophopus Trembleyi Jur. Ausser diesen Arten leben hier noch Plumatella repens L., ferner die Insectenlarven : Corethra und Mystacides longicornis, die Spinnenthiere Argyroneta aquatica, und eine Wassermilbe Diplodontus filipes. Von Würmern kommen hier noch zahlreiche N a i d e n vor. Nebst dem Karpfen, der hier gezüchtet wird, bewohnen den Teich noch der Flussbarsch und die Karausche; von Amphibien sehr zahlreich Raua es- culenta. Es wurde mir keine Gelegenheit geboten, um ziffermässigen Daten nach, die Nahrhaftigkeit des Teiches beurtheilen zu können. Doch ist aus den gemachten Beobachtungen mit Sicherheit zu schliessen, dass dieser Teich nahrhafter ist als die Teiche der Umgebung ; seine Nahrhaftigkeit, hauptsächlich durch die günstigere Lage und eine grössere Durchwärmungsfähigkeit unterstützt, wird jedoch nicht ge- hörig ausgenützt, da ein grosser, durch Schilf verwachsener Theil des Teiches, ganz brach liegt; diese Vegetation sollte so begrenzt werden, dass die Rohrbe- stände und die pelagische Flora nur an die Uferpartien beschränkt bleiben. Freilich würde auch hier eine Neubestellung des Teichgrundes sehr von Nutzen sein. 00 Übersicht der Teiche der Herrschaft Dymokur. Im Allgemeinen möge über die wenigen zu dieser Herrschaft gehörigen Teiche gesagt werden, dass sie einen bedeutend besseren Boden haben als die Teiche welcher Gegend Böhmens immer. Dem Boden fehlt nichts als dass er durch Anschüttung von Sand gelockert und durch organische Düngung befruchtet werden möchte, in welchem Falle diese Teiche einen vervielfältigten Nutzen abwerfen würden. Mit Rücksicht auf die Teichwirtschaft besteht jedoch hier der Übelstand, dass in der Nähe der meist grossen Wasserkörper keine kleinen Teiche sind; die- selben wurden schon vor langer Zeit sistirt, doch wäre dem Übelstande durch An- legung neuer Teiche leicht abzuhelfen, für die sowohl über dem Vrazda-Teiche, als auch zwischen diesem und dem Komarover-Teiche sich genug passender Stelleu finden würden. Hier könnte man durch Anwendung des Dubisch'schen Teichsystems glänzende Resultate erzielen; Beweis dessen ist ein kleiner, im Walde gelegener Himmelsteich, der sehr oft trocken liegt; wenn dieser Teich gespannt wird, so wächst in demselben der eingesetzte Fisch unverhältnissmässig rasch. Auch bei den gegenwärtigen Verhältnissen ist es von grossem Nachtheil, dass zum wenigsten eine regelmässige Trockenlegung der Teiche nicht durchgeführt wird, obzwar eine partielle, ja auch totale Trockenlegung (so am Vrazda-Teiche und am „Pusty") zulässig ist. In welchem Masse die im Gebiete der giftigen Einwirkung des Fabrik- wassers gelegenen Teiche verbessert und gegen die schädlichen Einflüsse geschützt werden könnten, wurde bei jedem der einzelnen Teiche bereits angeführt. D. Die Teiche der Herrschaft Chlum bei Wittingau. Südlich und theils südöstlich von Wittingau, erstreckt sich das durch die Lausnitz theilweise begränzte und durch die Luznicka zumeist erhaltene grosse Teichsystem, welches sich in seiner ziemlich natürlichen Begränzung als ein be- sonderer, selbstständiger Wasserkörpercomplex darstellt. Im Jahre 1887 wurde mir namentlich durch die Bereitwilligkeit des dortigen Herrschaftsdirektor Herrn J. Stehllk ermöglicht, eine Reihe dieser Teiche unter- suchen zu können. Für die vielfache Unterstützung, die so meinen Arbeiten zu Theil wurde, an dieser Stelle den besten Dank zu sagen, gereicht mir zur ange- nehmen Pflicht. Doch auch bei der genossenen Unterstützung konnte die Erforschung dieser Teiche im Ganzen nur durch Excursionen erfolgen, denn die meisten Teiche, die von mir untersucht wurden, sind von Chlum ziemlich weit entfernt. Der Teich Stailkov. Dieser Teich gehört zu den grössten Teichen Böhmens; es heisst, dass er mehr Wasser fassen kann als der berühmte Rosenberger Teich. In der That, was 61 ihm an Ausmass, das 339*21 Ha. beträgt, abgeht, das kommt ihm an Tiefe zu, die bei voller Spannung bis 16 M. misst. Seiner grossen Ausdehnung und seiner Tiefe wegen, kann derselbe nicht auf einmal abgeschlagen und abgefischt werden und ist deshalb durch vier Querdämme in 5 Theile getheilt. Sein südwestlicher Theil, der mit dem nordwestlichen durch eine schmale Wasserstrasse verbunden ist, ist breiter und in seiner nördlichen Partie durch eine mächtige Sandbank ab- geschlossen, wogegen an seinem südwestlichen Ende, an dem Stankover Damme, sein Wasser eine grosse Tiefe zeigt. Hinter der erwähnten Landenge zieht sich der Teich fast noch ^^ Stunden Weges entlang der Landesgrenze ; seine Breite beträgt da kaum Ys der Breite des Wassers im südlichen Theile; in seinem nördlichsten Zipfel mündet in denselben der Bach von Neumühlen, der auch das Wasser des Gatterschlager Baches (entspringend in dem Teiche gleichen Namens bei Neuhaus) aufnimmt. Ausserdem fliessen noch mehrere Waldbäche und Bächlein dem Teiche in dieser seiner Partie zu. Das westliche Ufer ist hier zumeist schroff, felsig und waldig und auch ist das Wasser hier tiefer als am östlichen Ufer, das von einer sandigen, bewaldeten Ebene gebildet wird und eine Menge Buchten und Einschnitte aufweist, in die zumeist die erwähnten Waldbäche einmünden. Die südöstliche Ab- theilung des Teiches hat, ausser dem Stankover-Damme, dieselben Ufer, nämlich flach und sandig. In Übereinstimmung mit dem Charakter der Ufer ist auch der Teichgrund rein sandig, den befruchtenden Einflüssen nur wenig ausgesetzt. Höchstens bringt der Bach von den Einschichten und den höher gelegenen Ort- schaften etwas Dungstoff, dessen Einfluss namentlich an der Entwickelung der pe- lagischen Algen, die aber im Ganzen nur sporadisch vorkommen, wahrnehmbar ist. In den oberwähnten sandigen Buchten pflegen sich diese Algen anzuhäufen und entwickeln dann, durch ihre Zersetzung, einen starken, widrigen Geruch. Hier ist kein anderes Leben zu finden als Infusorien, die aber auch anderwärts in faulenden Stoffen vorkommen. Bis auf einige Ausnahmen findet sich an dem nördlichen Ende dieses Teiches kein Pflanzenwuchs, wodurch sich erklärt, dass auch seine Litoralfauna sehr arm an Formen ist. Ausser Wassermilben, die namentlich im nördlichen Zipfel sehr häufig sind, und ihre Eier daselbst an Steine ablegen, kommen hier nur noch einige Cypriden vor u. zw.: Cypris vidua Müll., Cyclops serrulatus, an Steinen die Bryozoen : CristateUa ophidioidea Hyatt, Plumatella repens L. von Spongien : E p h i d a t i a M i 1 1 e r i, selten auch Insectenlarven : L i m n o p h i 1 u s sp., und Würmer : N a i s und Chaetogaster. Die pelagische Fauna wird charakterisirt durch: Holopedium gibberum Zaddach, ' Hyalodaphnia cucullata Schödler, Leptodora Kindtii Focke, Diaptomus gracilis Sars. Daphnella Brandtiana Fischer, 62 Die Vertheilung- dieser Fauna in der pelagischen Zone ist nicht tiberall gleichförmig ; das grösste Leben herrscht am nördlichen Ende, je mehr gegen Süden, destomehr nimmt die Zahl der Arten ab; am südlichen Ende linden wir nur noch Diaptomus, Leptodora und Daphnella. Offenbar ist dieser Teich aus einem See entstanden, heute jedoch ist seine Fauna venuengt, so die Teichtypen und die See- typen mit einander vorkommen. Die hier obwaltenden Verhältnisse, namentlich der Mangel an Uferthieren und die ungleiche Vertheilung der pelagischen Fauna, stellen den Teich zu den am wenigsten nahrhaften Gewässern. Aus diesem Grunde wird er in letzter Zeit mit einer nur verhältnissmässig geringen Anzahl Karpfen besetzt (nur 5 Kilo pro Hectar) und auch bei dieser kleinen Besetzung beträgt der Zuwachs kaum 21*71 Kg. am Schock für eine Hitze oder 0-36 Kg. pro Stück. Dieser Zuwachs würde wohl auch bei einer grösseren, dem Räume entsprechenderen Besetzung nicht geringer ausfallen, als nämlich die Besetzung eine solche wäre, dass der Zuwachs per Schock sich nicht verringern und pro Hectar dem Baume entsprechend wachsen würde. Meines Dafürhaltens könnte in diesem Sinne die Besetzung auf's vierfache erhöht werden, ohne dass der Zuwachs per Stück geringer wäre. Damit wäre ungefähr das Verhältniss erzielt, wie es an anderen Teichen zwischen Zuwachs per Schock und pro Hektar besteht, und zwar in Teichen, die auch nicht zu den nahr- haften gehören. Dieser Teich würde sich besser für die Zucht von Schielen als von Karpfen eignen, da denselben das tiefe klare Wasser sehr zusagen würde; nur ein Übel- stand würde hier obwalten, nämlich, der Mangel an kleinen Fischen, die dem Schiel zur Nahrung dienen. Die pflanzenfressenden Fische finden in diesen Teiche weniger Nahrung als Raubfische, doch die Vermehrung der letzteren würde wieder die Karpfenzucht schädigen, obzwar, wie gesagt, es schwer gehen dürfte, dieselbe hier überhaupt zu heben. Schon wegen seiner Ausdehnung und seiner Tiefe lässt sich der Teich schwer beherrschen; der sandige Boden würde zu seiner Befruchtung viel Humus erheischen, und auch die damit verbundene Arbeit wäre nicht ohne viel Schwierig- keiten auszuführen; nicht weniger Schwierigkeiten würde auch die Fütterung der Karpfen verursachen und wegen der grossen Tiefe fast illusorisch werden. Kurz, es ist dieser Teich für die Karpfenzucht so wenig geeignet, dass es besser wäre von derselben ganz abzulassen und um die Vermehrung verschiedener Weissfische zu sorgen um so den Teich mit Schielen und anderen edlen Raubfischen erfolgreich besetzen zu können. Die Vermehrung und der Wuchs der Weissfische müsste freilich wenigstens durch eine theilweise Befruchtung des Teichgrundes gefördert werden. Starö jezero. Dieser, in dem malerischen Schlossrevier der erzherzoglichen Herrschaft Chlum gelegene Teich, nimmt einen Flächenraum von 97-84 Ha. ein; im Ganzen nur wenig tief, ist derselbe zum grössten Theil mit Teichrohr verwachsen, in dem sich eine Menge Wassergeflügel aufzuhalten pflegt; auch grosse Heerden wilder 63 Gänse pflegen hier ihren Aufenthalt zu nehmen. Bis auf etwas Laichkraut findet sich hier keine pelagische Flora, doch treten einige aus den Rohrbeständen bei windigem Wetter durch Fluthung angetriebene Algen, Pediastrum, Desmidium u. ä. im freien Wasser in reichlicher Menge auf. Der Teich liegt in einer sandig-torfigen Anschwemmung, und die Höhe seines Wasserspiegels ist durch ein Wasserzeichen festgesetzt. — Früher war der- selbe noch dichter verwachsen, im Jahre 1879 wurden die Teichpflanzen theilweise doch entfernt und nebstdem wurde der Teich auch trockengelegt. Diesen Um- ständen ist zu verdanken, dass dieser Teich zu den besten der Umgebung gehört; der Zuwachs beträgt da am Schock für eine Hitze durchschnittlich 36-35 Kg. oder 0-605 Kg. per Stück (36-34 Kg. pro Hektar) u. z. bei einer Besetzung von 50 Stück im Gewichte von 17-3 Kg., was wohl mit Rücksicht auf die hiesigen Verhältnisse als sehr befriedigend betrachtet werden kann, doch wird dies wohl nicht lange so bleiben können, wenn nicht in Bälde eine Trockenlegung und Melioration des Teichbodens vorgenommen wird. Schon jetzt ist, der Fischnahrung nach, die ich bei zwei Karpfen untersuchte, zu erkennen, dass die Fische wegen Mangel an anima- lischer Nahrung gezwungen sind, oft auch eine unverdauliche oder nur wenig ver- dauliche, pflanzliche Nahrung aufzusuchen. Dafür spricht auch die körperliche Entwickelung des Fisches, da Stücke von 2 Kg. Schwere von wenig abgerundeter Form und sehr knochig waren. Dem sandigen Teichboden mangelt es offenbar an Humus, der hier auf natürlichem Wege von nirgends ersetzt werden kann. Neben der angesiedelten Crustaceenfauna kommt hier nur wenig anderer Fauna vor. Zwischen den Rohrbeständen finden sich Algen und darunter einige Rhizopoden, z.B. Difflugia pyriformis, und Chironomuslarven ; sonst ist hier, ausser einigen litoralen Crustaceen, nur wenig Leben zu finden. Es kommen hier vor: Ceriodaphnia megops Sars., I Eurycerus lamellatus Müll, Sida crystallina Müll, j Acroperus angustatus Sars., Acroperus leucocephalus Koch., Bosmina cornuta Jurin, Scapholeberis mucronata Müll, | Cyclops serrulatus Gl Auch die Schlammfauna ist hier sehr spärlich ; Alonaarten fehlen hier über- haupt, nur Chydorus globosus und die Egelgattung Nephelis fand ich hier. Die pelagische Fauna charakterisiren : Holopedium gibberum Zaddach (häufig), Leptodora Kindtii Focke (weniger häufig) Daphnella Brandtiana Fischer und Asplanchna priodonta Ehrnb. Nach diesen Arten zu schliessen würde die Fauna dieses Teiches einen Übergang von See- zur Teichfauna bilden. 64 Alter uud Neuer Kanzler. Beide diese Teiche sind nur durch einen schmalen Kanal verbunden, so dass der Wasserspiegel des einen Teiches in den des anderen fast übergeht. — Der Teich Alter Kanzler hat ein Ausmass von 46"42 Ha., der Neue 3r54 Ha. und beide sind Hauptteiche. Trotzdem dass diese Teiche fast zusammenhängen, sind sie doch nicht gleich, und speciell die hier obwaltenden Unterschiede liefern Beleg, welch' hohen Einfluss die Vegetation auf den Charakter der Fauna und die Nahrhaftigkeit des Teiches ausübt. Der Alte Kanzler ist zum grosser Theile mit Schilfrohr, Kalmus, Schachtelhalm, Segge, Binse, Laichkraut und Knöterich verwachsen, hie und da auch mit Seerosen bedeckt, so dass im Ganzen nur wenig freies Wasser bleibt. Obzwar auf dem Neuen Kanzler alle diese Pflanzen auch vorkommen, so sind sie hier doch anders vertheilt; die Rohr- und andere Pflanzenbestände be- schränken sich mehr auf die Nähe des Ufers oder fehlen da ganz, so dass die pflanzenfreien Stellen des Wassers bedeutend grösser sind ; nur im südlichen Theile ist eine aus Seerosen, Laichkraut und Knöterich bestehende pelagische Flora mächtig entwickelt. In Folge dieser Vegetationsverhältnisse ist die Fauna im Alten Kanzler viel ärmer als im Neuen. In dem ersteren ist die pelagische Fauna namentlich durch drei Arten chaiakterisirt; das grösste Percent fällt auf das Räderthierchen Asplanchna helvetica Imhof, ein geringeres auf Diaptomusgracilis Sars und das geringste auf Daphnella Brandtiana Fischer und Volvox. Die grosse Nähe der Pflanzen ist Ursache, dass in dieser Fauna auch Ceriodaphnia megops Sars häufig vorkommt. Die grössere Ausbreitung der freien Wasserfläche im Neuen bedingt da- gegen, dass sich zu dieser Fauna in dem genannten Teiche auch Holopedium gib- berum Zaddach beigesellt hat. Oftenbar dass diese Art früher dem Alten Kanzler angehört hat, doch durch den Einfluss der sich ändernden Verhältnisse hat sich diese im Neuen concentrirt, der am Abflüsse später künstlich errichtet wurde. Der Charakter der hier wohnenden pelagischen Fauna entspricht bisher dem reinen Seetypus, obzwar der Einfluss ungünstiger Verhältnisse sich in dem geringeren Vorhandensein oder im Abgang gewisser Arten, wie des Holopedium im Alten Kanzler bemerkbar macht, in Folge dessen sich nun mehr kosmopolitische Formen zu vermehren beginnen. Durch die all zu massige Vegetation im Alten Kanzler leidet auch die Litoralfauna ; in den dichten Rohrbeständen und den vielen Fadenalgen nnd ein- zelligen Algen kommen nur Chironomus-Larven, Hydrachna und hie und da ein kleiner Planorbis oder einige Colonien von Plumatella repensvor. Litorale Crusta- ceen sind an dieser Localität eine Seltenheit. — Dem gegenüber finden sich die genannten Arten im Neuen viel häufiger und ausser diesen noch die Crustaceen Polyphemus pediculus de Geer (es verdient erwähnt zu werden, dass diese 65 Art hier im Schilfrohr vorkommt) und Bosmina brevicornis Hellich. Die besseren faunistischen Verhältnisse basiren hauptsächlich, wie schon erwähnt, auf einer, für die Entwickelung der Thierwelt günstigeren Vertheilung der Vegetation ; geschaffen wurden jedoch diese Verhältnisse dadurch, als dieser Teich im J, 1884 trockengelegt wurde, was wohl für die Vermehrung gewisser Arten sehr förderlich sein konnte. Füglich muss noch ein Umstand, nämlich die Lage des Teiches, als günstig in Betracht gezogen werden. Während nämlich der Teich Alter Kanzler nach Norden eine zu offene Gegend hat und somit den Nordwinden ausgesetzt ist, biegt der Neue Kanzler mehr nach Südost ab und ist hier, da von Wäldern umgeben, den Winden nicht so preisgegeben. Der Gesammteinfluss aller dieser Umstände ist auch an dem Zuwachs der Fische wahrzunehmen; wenn auch der Unterschied nicht so gross erscheint, so ist seine Existenz schon deshalb von Be- deutung, weil die Teiche so zu sagen einen einzigen Wasserkörper bilden. Im Alten Kanzler beträgt der Zuwachs pro Hektar 28'85 Kg. und am Schock für eine Hitze 29*86 Kg., also am Stück durchschnittlich 0*474 Kg. — d. i. um V2 Kg- weniger als im Neuen. In diesem, der eine dreifach grössere Be- setzung verträgt, zeigt sich pro Hektar ein Zuwachs von 45*65 und per Schock in einer Hitze 31*64 Kg. oder am Stück im Durchschnitt 0*52 Kg. — d. i. Va Kg. mehr als im Alten, Nicht nur dass hier am Stück ein grösserer Zuwachs statt- findet, sondern es wirft dieser Teich schon durch seine grössere Besetzung einen Ertrag ab, der dem Alten Kanzler gegenüber um 38% besser ist. Es ist klar, dass trotz des sandigen Bodens und der ungünstigen Lage der Teiche, als nämlich dieselben nur wenig an befruchtenden Anschwemmungen empfangen, daselbst genug günstigen Bodens vorhanden ist, um die Karpfenzucht in denselben mit Erfolg zu betreiben ; es würde genügen nur durch Trockenlegung des Teiches die Teichflora auf geringere Flächen, namentlich auf die Uferpartien zu beschränken, und durch Sämerung und Humuszuführung die Befruchtung des Grundes anzustreben. — Meines Dafürhaltens wäre aber nicht angezeigt, die Teich- flora ganz zu entfernen, denn wie Beispiele an anderen sandigen Teichen lehren, werden dadurch auch dem grössten Theil der Litoralfauna die Existenzbedingungen entzogen und doch bildet dieselbe, wie im nächsten Kapitel gezeigt wird, das Hauptcontingent der Karpfennahrung. Im Neuen Kanzler wäre von Vortheil, am südlichen Ende die pelagische Flora (Seerose und Laichkraut) so zu lichten, dass dieselbe nicht in derart dichten Massen das Wasser ausfüllt, dass nämlich zwischen einzelnen Rasen doch auch grössere freie Wasserflächen entstehen möchten; so würde die pelagische Flora auf die Vermehrung der kleinsten Thierformen wohl den besten Einfluss ausüben, wogegen wenn sie sich bis zu einem fast undurch- dringlichen Dickicht vermehrt hat, sie zu viel Schatten wirft, und bilden sich dann, wie es bei dichten Rohrbeständen am Ufer zu sein pflegt, jene schattigen Stellen, an welchen alles Leben sich nur langsam entwickelt, wenn es nicht ganz zu Grunde geht. 66 Alter und Neuer Hospodäf. Zwischen diesen Teichen besteht dasselbe Verhältniss wie zwischen den im früheren Kapitel besprochenen zwei Wasserkörpern. Der „Alte Hospodär" ist der ursprüngliche Teich, der „Neue Hospodäf" wurde später u. z. auch an seinem Ausflusse errichtet. Der ältere, ursprüngliche Teich, hat ein Ausmass von 11 6" 94, der neue, viel kleinere, nur 20*98 Ha. Beide sind Hauptteiche und nicht lange vor meiner Durchforschung (im J. 1887) lagen sie trocken — der grössere im J. 1884, der kleinere 1883. Der „Stary Hospodäf" hat eine weniger zahlreiche Vegetation, u. z. besteht dieselbe neben Schilfrohr, aus Seerosen, verhältnissmässig vielem Laichkraut und Fieberklee (Menyanthes trifoliata), der namentlich zwischen dem Schilf am Ufer häufig ist. Zahlreich finden sich hier auch freischwimmende Algen, besonders Pedi- astrum, Micrasterias papillifera, Desmidium u. ä. Doch auch hier zeigt es sich, wie eine dichte Uferflora nachtheilig auf die Entwickelung der Uferfauna wirken kann, denn die Thierwelt ist hier nicht so zahlreich als sie sein könnte und an freien Stellen hat sich eher die Schlamm- fauna reichlicher entwickelt. Die Litoralfauna der beiden Teiche weist diese Arten auf: Ceriodaphnia megops Sars, Bosmina cornuta Jurin, Cyclops serrulatus Cl., Chydorus globosus Baird. Ausserdem finden sich da Chironomus-Larven und Wassermilben (Mideopsis depressa). Die pelagische Fauna behielt im Teiche „Alter Hospodäf" noch ihren See- typus; charakterisirt wird sie durch: Holopedium gibberum Zaddach, Daphnella Brandtiana Fisch, und Cyclops sign at US Koch. Dem „Neuen Hospodäf", der seine Fauna aus dem älteren Nachbarteiche erhielt, fehlt das Holopedium; seine pelagische Fauna stellen dar nur Daphnella Brandtiana Fisch. Daphnella brachyura Lievin und Cyclops signatus Koch. Diese Teiche, obzwar ihre Fauna nun nicht mehr so zahlreich ist wie kurz nach der Trockenlegung, liefern ein lehrreiches Beispiel über den Einfluss dieser Massregel, als der Zuwachs an Fischen hierauf in dem Masse stieg, wie dies in keinem anderen Teiche der Herrschaft der Fall war. In der kurz nach der Trocken- legung folgenden Periode, stellt sich derselbe im Alten Hospodäf pro Schock auf 30-36, und im Neuen Hospodäf auf 39 02 Kg. d. i. 0-62— 0*65 Kg. per Stück — eine Ziffer, die in keinem der Teiche der Umgebung noch erzielt wurde. Soll aber 67 der Zuwachs nicht wieder sinken, so ist eine, in regelmässigen Perioden wieder- holte Abschlagung dieser Teiche ein dringendes Bedürfniss. Auch die Fruchtbarkeit der meisten Teiche der Umgebung könnte durch blose Trockenlegung sehr gehoben werden, bei einigen würde die erhöhte Frucht- barkeit gewiss 60, bei anderen wenigstens 20—30% betragen, immerhin aber so viel, dass es der Mühe werth wäre diese Massnahme durchzuführen. An und für sich bedingen freilich die Verhältnisse dieser Wasserkörper, dass an denselben die Fütterung der Karpfen und ihre Übersetzung nach dem System Dubisch, dessen Praxis bei der hier vorhandenen reichlichen Wassermenge auf keine Schwierigkeiten stosseu würde, eingeführt werden möchte. Der Teich „Humlensky". Dieser Teich, der eine Fläche von 96-77 Ha. einnimmt, liegt bereits in dem Wassergebiete der Lausnitz, aus der mitunter das Stauwasser in denselben dringt, und so gelangen mit diesem einige Flussfische, z. B. Brassen, Döbel u. a. in den Teich. Obzwar dieser Teich dann und wann trocken liegt, (vor meiner Durchforschung geschah dies zuletzt im J. 1883), bewahrte er z. Th. noch seinen Seecharakter, wenn sich auch der Teichtypus seiner pelagischen Fauna hier stärker als an den anderen Teichen bemerkbar macht. Seine pelagische Fauna charakterisiren Holopedium gibberum Zaddach, zahlreich mit Leptodora Kindtii Focke, spärlicher, dann Daphnella Brandtiana Fischer, Cyclops signatus Koch., Asplanchna helvetica Imhof, und oft auch Ceriodaphnia megops Sars., in den Partien des offenen Wassers nahe an Pflanzen häufig auftretend. Nicht uninteressant ist, dass Acroperus leucocephalus Koch. und eine Naide unter diesen Verhältnissen auch pelagisch vorkonamen. In Vergleich zu anderen, südlicher in Wäldern sich befindenden Teichen, sind die mit Pflanzenwuchs bedeckten Uferpartien dieses mehr frei gelegenen Teiches von grösserer Durchwärmungsfähigkeit, was zur Folge hat, dass sich hier eine reichere Ufer- und Schlammfauna, bestehend aus Würmern (Naiden) und Larven (Chironomus), dann Rhizopoden (Difflugia corona Wall. Arcella vulgaris Ehrnb.) angesiedelt hat. Von Crustaceen trifft man hier: Cyclops serrulatus Cl., Acroperus leucocephalus Koch, Scapholeberis mucronata Müll., Pleuroxus striatus Schödler, Bosmina cornuta Jurin, Chydorus globosus Baird. .5* 68 Unmittelbar nach der im J. 1883 zuletzt erfolgten Trockenlegung betrug der Zuwachs am Schock durchschnittlich 30'35 Kg. oder am Stück 0*505 Kg. Den im J. 1887 vorgefundenen Verhältnissen nach, beträgt der Zuwachs wohl nun nicht mehr so viel wie damals, und gilt hier in Betreff dieses Umstandes das schon früher über die hiesigen Teiche Gesagte. Der Teich Burgraf. Das Ausmass dieses Teiches beziffert sich auf 49'95 Ha; derselbe ist ein Streckteich. Südlich von Chlum gelegen, ist dieser Teich theils von Wald um- geben, theils mit einem von Eichen beschatteten Damm begrenzt; die dem Walde zu gelegenen breiten Ufer sind durchwegs grasig, und wenn auch das Wasser in diesen Partien nur seicht und daher gut durchwärmbar ist, so hat dies nur wenig befruchtenden Einfluss, u. z. schon deshalb, als hier die Vegetation zumeist aus Seggen und fluthenden Schwaden (Glyceria fluitans) besteht, an welchen Pflanzen sich nur wenig Litoralfauna anzusiedeln pflegt; ausserdem mangelt es dem sandigen, erschöpften Boden an jedweder Befruchtung. In dem anderen, auch nicht tiefen Theile des Teiches, ist nebstdem auch der Umstand für die Entwickelung der Fauna von Nachtheil, dass sich der Boden mit abgefallenen Eichenzweigen dicht bedeckt, die durch ihre langwierige Verwesung zu der Fruchtbarkeit des Bodens nur wenig beitragen. Die geringe Tiefe des Teiches hat aber doch zur Folge, dass manche pelagische Formen sich hier in Überzahl entwickelt haben. Dieser Um- stand ist aber für die Ernährung des Karpfens nur von untergeordneter Bedeutung (wie in einem besonderen Kapitel darauf hingewiesen wird), und es darf nicht Wunder nehmen, dass trotz der verhältnissmässig grossen Individuenanzahl der pelagischen Fauna, der Zuwachs in diesem Teiche sehr klein ist, nämlich nur 11-355 Kg. per Schock oder 0"183 Kg. per Stück. Es handelt sich nur um die richtige Ausnützung der guten Eigenschaften dieses Teiches, nämlich seiner geschützten Lage und seiner geringen Tiefe, um durch zeitweilige Trockenlegung und Melioration seines Bodens einen weit höheren Ertrag zu erzielen. Die pelagische Fauna weist nur zwei Formen auf, u. z. Leptodora Kindtii Focke und Daphnella brachyura Lievin. Die erstere dominirt jedoch. Beide diese Arten stellen die reine Teich- fauna dar. Die Uferfauna weist ausser Ephemera- und Culex-Larven, die aber auch nicht sehr zahlreich sind, nur noch die Crustaceen Eurycercus lamellatus Müll, und Cyclops serrulatus Gl. auf. Erstere Art ist ziemlich selten, viel häufiger die zweite. — Die Litoral- auna ist fast nur auf die seichteren Partien in der Nähe der grasigen Ufer be- schränkt, da das Wasser an dem langen Damme den grössten Theil des Tages im Schatten steht und daher fast ohne Leben ist. G9 Der Teich Toöiiik. Derselbe ist ein Nachbarteicli des Teiches Burgraf und unterscheidet sich, was seine Lage anbelangt, von diesem nur dadurch, dass er offener liegt und an einigen Stellen am Damme wohl tiefer als der erstere ist. Bei seinem Ausmass von 18'45 Ha. wird er nur als Streichteich benützt, zu welchem Zwecke sich na- mentlich seine südlichen und östlichen Partien eignen, da sie reich mit Seggen und Binsen verwachsen und nur V4 — V2 ^^- tief sind. Dass dieser Teich dann und wann trocken liegt (dies geschah, vor meiner Untersuchung desselben, zuletzt im J. 1883), ist schon der zahlreicheren und mannigfaltigeren Fauna nach zu schliessen ; seine offenere Lage verursacht auch, dass mehrere Insectenlarven in seiner Litoral- fauna vorkommen, so Dytiscus sp., Ephemera vulgata, Culex sp., Corethra sp.. Triaenodes bicolor Curt., Chironomus sp., Corisa sp. u. a. Auch die übrige Litoralfauna ist hier zahlreicher und mannigfaltiger als in dem früher besprochenen Teiche; ausser vielen Wassermilben, gehörend zu Hydrachna globosa, kommen hier noch vor Sida crystallina Müll., Acroperus leucocephalus Koch, Eurycerus lamellatus Müll, und Ceriodaphnia pulchella Sars. Dem gegenüber ist die pelagische Fauna nur auf kleinere, tiefere Partien, auf welchen hie und da Seerosen sich angesiedelt haben, beschränkt, und nur spärlich traf ich hier Leptodora Kindtii Focke und Diaptomus gracilis Sars, Aus 16 Mutterfischen wurde hier im J. 1886 133 Schock Brut im Gewichte von 100 Kg. für eine Hitze erzielt. Dieses eine Beispiel möge als Massstab dienen, welch' ein Eesultat man aus den Teichen Tocnik und Burgraf erzielen würde, wenn man die Brut nach der Dubischen Methode aufziehen würde. Es würde genügen, die Mutterfische in irgend einem Teiche, eventuell in den Hältern auslaichen zu lassen und den Teich Tocnik, sowie den Burgraf ein Jahr zuvor abzuschlagen, anzubauen und w^enn nöthig, noch eine Melioration desselben durchzuführen. In der Streichzeit der Karpfen wäre der Tocnik zu spannen und mit der ausgeschlüpften Brut zu besetzen. Von der Brut, die uns 10 Rogner geben, würden wir auf die 18-45 Ha. der Teichfläche etwa 500.000 Stück einsetzen, wovon uns für andere Teiche oder Verkauf noch übrig bleiben würde. — Das Einfangen der Brut geschieht am Besten mittelst eines Gaz6netzes und zur Übertragung derselben bedient man sich der Kannen, in die man mittelst einer Blase Luft eintreiben kann und deren Wasser durch Eis, das im Halse des Gefässes in einem besonderen, mit Löchern ver- sehenen Halter angebracht ist, kalt gehalten wird. Etwa nach drei Wochen wäre 70 der Buigraf zu spannen und eine Woche darauf, also im Ganzen nach einem Zeitraum von vier Wochen, würden wir die Brut aus dem Tocnik in denselben übertragen und zwar auf die Fläche von 4995 Ha., d. i. auf sein Ausmass, im Ganzen 52.500 Stücke. Diese Zahl würde sich mit wenig Verlust bis in den Herbst erhalten und deren Gesammtgewicht würde dann wenigstens 120 M. Centner betragen. "ö^ Die kleinen Chlumetzer Teiche. Nördlich von den hier angeführten grossen Teichen liegen noch zahlreiche, wenig von einander entfernte kleinere Teiche im Ausmasse von 8 — 20 Ha., deren man sich als Streich-, Streck- und Hauptteiche bedient. Manche derselben sind Besitz der Landwirthe aus den nahegelegenen Ortschaften ; dieselben werden zumeist nur durch schon etwas grössere Fische besetzt, gewöhnlich nur auf eine Hitze, und werden nie oder nur selten trockengelegt. — Obzwar diese Teiche oft un- mittelbar an einander stossen, so ist doch ihr Charakter verschieden. Zwei dieser Teiche mögen als Beispiel angeführt werden: Der Teich Trävnicny hat ein Ausmass von 17-23 Ha. Vor dem J. 1887, wo ich denselben besuchte, lag er zuletzt im J. 1883 trocken. Aus der Zeit, die unmittelbar auf die Trockenlegung folgte, erhielt ich Daten über den Zuwachs, der sich in einer Hitze und pro Schock auf 26*55 Kg., oder auf 0*442 Kg. per Stück bezifferte. Im J. 1887, also vier Jahre darauf, hatte dieser Teich noch eine zahl- reiche Litoralfauna ; ich fand hier Bosmina cornuta Jurin, Ceriodaphnia megops Sars., Acroperus leucocephalus Koch, S capholeber i s mucronata Müll., Alona affinis, Cypris vidua Müll.; Difflugia vulgaris Ehrnb., Chironomus sp. Cyclops serrulatus Cl., am Grunde namentlich Pleuroxus striatus Schödler, Chydorus globosus Baird. und auf Schilf und Gestein fanden sich Arcella vulgaris Ehrnb., Arcella dentata Ehrnb., Centropyxis aculeata Ehrnb., Die pelagische Fauna war dagegen, was die Menge der Individuen an- belangt, spärlich und nur durch diese Arten vertreten: Leptodora Kindtii Focke, Daphnella brachyura Lievin, in Überzahl Asplanchna helvetica Imhof. Diese Fauna stellt den reinen Teichtypus dar. Der Teich Zebrakov, in grösster Nähe des Teiches Humlensky gelegen, hat ein Ausmass von nur 12*49 Ha. — Seine pelag. Fauna hat, wie die des grossen Nachbarteiches, einen gemischten Charakter, u. z. kommen da vor: 71 Daphnella Brandtiana Fischer, spärlicher mit dieser Diaptomus gracilis Sars., nicht zahlreich Leptodora Kiudtii Focke, mit häufigerem Cyclops signatus Koch, iu Menge Asplanchna helvetica Imh., und als Besonderheit auch Anurea longispina Kell., da sich diese Art, soweit ich konstatiren konnte, nirgends in der ganzen Umgebung mehr vorfindet. Die Litoralfauna war im J. 1887 sehr arm, neben Ceriodaphnia megops Sars., häufig auch pelagisch aufretend, waren hier keine litoralen Crustaceen, und die Fauna dieser Zone bestand nur aus Chironomus-, Culex- und Ephemera-Larveu. Dieser Teich wurde seit lange oder überhaupt nie trockengelegt und so sank der Zuwachs in demselben auf 0-397 per Stück. Dass derselbe nicht noch niedriger ist, erklärt sich nur dadurch, dass der grösste Theil des Teiches seicht ist, so dass sich zu günstigeren Zeiten immerhin etwas animalischer Nahrung daselbst ent- wickeln kann. Übersicht der Teiche der Chlumetzer Herrschaft. Die Teiche der Herrschaft Chlumetz stellen in ihrer Fauna zumeist einen Übergang von der Seefauna zur Teichfauna dar; zum geringen Theile ist die Fauna vom ausgeprägten Teichcharakter und hie und da übergeht sie bereits auch in den die Tümpel bezeichnenden Typus. Diese Mannigfaltigkeit und Verschiedenheit des Teichcharakters bestimmen namentlich drei Factoren ; erstens die zeitweilige, wenn auch seltene und unregelmässige totale Trockenlegung, dagegen aber die öftere Trockenlegung der Uferpartien, zweitens der Umstand, dass mehrere dieser Teiche erst in neuerer Zeit entstanden sind, dass diese neuen Teiche mit den alten zumeist fast zu einem Wasserkörper verschmelzen und drittens die Unbeschränkt- heit, welche den hier angesiedelten Gewächsen in ihrer Ausbreitung gewährt wird. Den reinen Seecharakter behielt die Fauna an keinem Teiche mehr; es fehlt hier absolut der denselben bezeichnende Rotator Conochilus volvox und wo der See- charakter nur noch theilweise erhalten blieb, erscheinen nur Holopedium gib- berum Zaddach und Daphnella Brandtiana Fischer. Weit häufiger sind Localitäten mit gemischter Fauna, dagegen findet sich die reine Teichfauna nur an den kleineren Streich- und Streckteichen. Es ist hier überhaupt wahrzunehmen, dass die ursprünglichen, natürlichen Verhältnisse sich hier fast unverändert erhalten haben, sei auch dass einer der grossen Naturreize dieser schönen Gegend, das ist die grosse Menge des hier hausenden Sumpf- und Wassergeflügels sehr abge- nommen hat. Immerhin gehört diese Gegend zu den an Wasserwild reichsten Ge- genden Böhmens. Der Grund dieser Teiche ist grösstentheils torfig-sandig ; da wo es an Pflanzenvegetation mangelt, sinkt der Zuwachs per Schock bis auf 21 Kg. d. i. auf 0*3 — 0'35 per Stück herab. Dieser verhältnissmässig noch immer nicht zu geringe Zuwachs wird hauptsächlich durch die kleine Besetzung erzielt. So 72 z. B. ist von den Hauptteichen einer der ärmsten der Teich Stahkov, in dem der angeführte Zuwachs kaum 5*77 Kg. pro Hektar in einer Hitze beträgt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Besetzung, damit der Zuwachs am Schock sich nicht gar verringert, doch grösser sein, kaum aber jemals die normale Höhe er- reichen könnte. Dem gegenüber liefern doch die hiesigen, im Allgemeinen durch eine geschützte Lage sich auszeichnenden und mit einer massigen pelagischen Ve- getation bedeckten Teiche, wenn sie eine Zeit lang trocken lagen, einen bedeutend grösseren Zuwachs, der sich bis auf 39 Kg. pro Schock (bei einer Zunahme von 25 bis 50 Kg. pro Ha.) oder 0"65 Kg. per Stück beziffert. Im Durchschnitt wird der Zuwachs an diesen Teichen pro Hektar auf 25 Kg., per Schock auch auf ca, 25 Kg., somit auf 0*4 Kg. per Stück für eine Hitze veranschlagt. Stellenweise scheint der Zuwachs grösser zu sein (0*5), doch ist dies nur dann, wenn ein grosser Theil der Besetzung aus dem Teich verschwunden ist (7 — 18 Schock beträgt oft der Verlust!). Dann steigt freilich der Zuwachs per Schock und Stück, ohne dass aber dadurch der Ertrag des Teiches erhöht wird. Höchstwahrscheinlich wäre der Zuwachs im Ganzen beim Bestehen der vollen Be- setzung auch nicht grösser, doch würde er gewiss am Schock, resp. am Stück niedriger ausfallen. Die Ursachen dieses Verlustes sind nicht immer festzustellen; am häufigsten ist es Diebstahl, dem die Teiche durch die grosse Nähe von mensch- lichen Wohnungen sehr ausgesetzt sind; hie und da kann auch die Anwesenheit ausgewachsener Hechte, namentlich bei kleiner Besetzung, die Ursache des Ver- lustes sein. Im Ganzen ist in solchen Fällen ein grösserer Verlust kaum in Betracht zu ziehen, denn das Fehlende wird dann natürlicherweise durch das grössere Gewicht, das ist durch Zuwachs am einzelnen Fische ersetzt. In den hiesigen zahlreichen kleineren Teichen im Ausmasse von 1 — 50 Ha., von denen 24 als Sti'eck- teiche benützt werden, beziffert sich der Zuwachs in einer Hitze selten auf 50 Kg. pro Hektar, doch sind einzelne Teiche, in denen der Zuwachs auf 65 — 75 Kg. und im Ausnahmsfalle sogar auf 150 Kg. stieg — ein Beweis, dass auch Teiche mit geringerer Bodenqualität durch rationelle Bewirthschaftung mit Rücksicht auf ihre Ertragsfähigkeit sehr verbessert werden können. Freilich wird hier der Zuwachs bei einer sehr grossen Besetzung so erzielt, dass sich derselbe am Schock resp. am Stück sehr verringert, nämlich bis auf 0*19 Kg. für eine Hitze. Wenn in den zu stark besetzten Teichen der Besatz nur auf die Hälfte oder ein Drittel reducirt wäre, so würde der Zuwachs gewiss um ^g — ^4 ^S-i wenn nicht noch um mehr steigen. Obzwar also die Bodenverhältnisse dieser Gewässer für die Teichwirth- schaft nicht sehr günstig sind, so erhellt doch aus den angeführten grossen Unter- schieden, dass unter gewissen Umständen hier ein grosser Erfolg zu erzielen wäre. Die Möglichkeit desselben ist um so grösser, als sonst die hygrographischen Ver- hältnisse dieser Gegend recht günstig sind, so dass mit Benützung der, diesen Teichcomplex zumeist umfassenden Luznicka u. Lausnitz es nicht schwer wäre, die hiesige Teichwirthschaft durch ein passendes System so zu reguliren, dass die Spannung, Abschlagung, Trockenlegung und Melioration der einzelnen Teiche durch- führbar wäre. So würde dann in diesen Gegenden, die für den Landbau nicht besonders geeignet sind, die rationelle Teichwirthschaft einen schätzenswerthen 73 Ersatz für den sonst nur geringen Ertrag eines dürren Bodens in ausgiebiger Weise liefern können. Wie aber die bei der Durchforschung dieser Teiche ge- sammelten Erfahrungen lehren, ist für die Entwickelung und reichliche Vermehrung der kleinen Teichfauna, somit auch für das Wohlergehen des Karpfens von Wich- tigkeit, dass diese Teiche nicht ohne Pflanzenwuchs bleiben, ohne dass sich jedoch die Vegetation in solchen Massen verbreitet und so dicht wird, wie wir sie an anderen Teichen nur zu oft antreffen. Die für die Teiche dieser Umgebung ge- eignetste Vegetation wäre Glyceria fluitans, ein Streifen weichen Grases, z. B. entlang der Ufer, das nur da, wo der Wasserspiegel zu sehr vom Winde bewegt wird, durch Schilfrohr ersetzt werden sollte. Auf der Wasserfläche sollten in zer- streuten, eher zahlreichen als grösseren Gruppen auch Laichkräuter angesiedelt werden, so dass zwischen solchen Gruppen immer eine grössere Fläche freien Wassers bleiben würde; an seichteren Stellen, wo sich solche Laichkrau tgruppen, mitunter mit Seerosen, Knöterich und anderen pelagischen Pflanzen angesiedelt haben, pflegen sie gerne ein undurchdringliches Dickicht zu bilden, das dem Fische nur wenig oder gar keinen Nutzen bringt. £. Die Teiche in der Umgebung von Neuhaus und Neu-Bystric. Die Umgebung von Neuhaus und Neu-Bystric ist reich an grossen und kleinen Teichen, die schon seit lange für die Durchforschung sehr verlockend er- schienen, doch konnte dieselbe wegen der zeitraubenden Unbequemlichkeit, mit der ein Besuch dieser Gegend früher verbunden war, nicht leicht vorgenommen werden. Nicht lange ist es erst her, seit in diese Gegenden eine Bahn führt und noch jetzt sind diese Gewässer, theils wegen ihrer grossen Entfernung von solchen Orten, wo man den betreffenden Arbeiten obliegen könnte, theils deswegen, dass man nur in seltenen Fällen daselbst ein Boot verschaffen kann, schwer zugänglich. Trotz dieser Schwierigkeiten trachteten wir einigemal in diese Gegend zu gelangen. Im J. 1883 besuchte ich zum erstenmale mit (f) Dr. K. Taränek den Teich Vajgar bei Neuhof und die Teiche im Thiergarten; durch die Güte des Herrn Centraldirectors Dr. K. Jicinsky wurde uns damals ein Boot zur Verfügung gestellt, das wir uns an die betreffenden Teiche schaffen Hessen. Damals vei-folgten wir einen anderen Zweck als die gegenwärtige Teichdurchforschung vor Augen hat: Dr. Taränek sammelte Rhizopoden und ich Bryozoen, lediglich Material für unsere Arbeiten. Doch schon in Verfolg dieses Zweckes wurde auch die nebenbei ge- fundene Fauna berücksichtigt und dass die allgemeine Durchforschung dieser Teiche interessante Resultate liefern dürfte, dabei erkannt. Zum zweitenmale unternahm in dieser Gegend eine Reise H. Prof. J. Gregor in Gesellschaft des Herren Assistenten V. Vävra, die nebst den schon erwähnten Teichen auch noch etwa zehn andere in ihre Untersuchungen einbezogen. Freilich gelang es auch diesen Herren nicht immer, sich die nöthigen Hilfsmittel zu verschaffen, und so konnte auch die Untersuchung nicht allseitig durchgeführt werden, namentlich konnten dieselben nicht diejenigen Daten erlangen, die bei ge- nauer Durchforschung irgend welchen Teiches berücksichtigt werden müssen. 74 Erst boi einer dritten Reise gelang es mir durch gütige Unterstützung des Herrn Centraldirectors Dr. K. Jicinsky den Gatterschlager Teich genauer zu unter- suchen, wobei mir die schcätzenswerthen Dienste, die mir der Herr Teichverwalter Herr J. Vojta erwies, sehr zu Statten kamen. Beiden diesen Herren sei an dieser Stelle mein wärmster Dank ausgesprochen. Die an dem Gatterschlager Teiche vorgenommenen Untersuchungen hatten zumeist zum Zweck, sicherzustellen, ob es möglich und angezeigt wäre die über- tragbare zoologische Station an diesen Teich zu bringen und dass auch Daten, die aus der Zeit nach neuer Spannung des Teiches und überhaupt aus einem anderen Jahre herrühren würden, erlangt werden. Das Resultat dieser Durchforschung theile ich am Ende dieses Kapitels mit. Hier will ich gewissermassen nur eine Übersicht meiner Anschauungen in Betreff der durchforschten Teiche geben, die, da sie nur auf theilweisen Unter- suchungen basiren, freilich keinen Anspruch auf unbedingte Richtigkeit und Gil- tigkeit machen können. Dafür spricht schon der Umstand, dass z. B. im J. 1890, um welche Zeit die zoolog. Station an diesen Teich versetzt wurde, man hier auch Leptodora vorfand, von der im J. 1889 noch keine Spur war. Die Teiche der Umgebung von Neuhaus und Neu-Bystric liegen entweder auf einer aus Urgebirgsgestein herrührenden sandigen Anschwemmung oder in tor- figen Kesseln, die entweder mit Torf oder Sand angefüllt sind. Einige der unter- suchten Teiche haben ihrem Ursprung und ihrer Fauna nach vorwiegend einen Seecharakter, der sowohl durch die Beschaffenheit der Lage, als auch durch die Art der Bewirthschaftung — als nämlich fremde Einflüsse hier nicht zur Geltung kommen — denselben wohl in Zukunft erhalten bleibt. Zu solchen Teichen gehört eben der Gatterschlager Teich und desgleichen auch die Teiche Hellinger und Purkerteich. Die pelagische Fauna dieser Teiche ist vom gleichen Charakter; sie besteht namentlich aus Holopedium gibberum Zaddach, stellenweise Heterocope robusta, zeitweise auch Daphnella Brandtiana Fisch, und Daphnia longispina Leydig, zu denen sich auch pelagische Rotatorien beigesellen, u. z. Conochilus volvox und Asplanchna priodonta Ehrb. Die Litoralfauna enthält nebst den auch anderwärts gemeinen Formen Acroperus leucocephalus Koch, Eurycercus lamellatus Müll. u. ä., namentlich auch Sida elongata Sars. und in einigen Limnosida n. sp. ; im Gatterschlager Teich auch Polyphemus pediculus D. Geer. Eine andere Kategorie von Teichen stellt den Uibergangs-Charakter dar. Es sind dies zumeist grössere Wasserkörper, die zwar auch aus einem natürlichen See entstanden sind, doch aus der den See kennzeichnenden Fauna nur wenig Formen behielten, da durch Einfluss der Kultur und anderer Verhältnisse den ty- pischen Teichformen die nöthigen Existenzbedingungen geboten wurden. 75 Der Teich Gebharz, der Bystricer Teich und die Teiche im Thiergarten gehören zu dieser Kategorie. Dieselben besitzen eine gemischte p e 1 a g i s c h e F a u n a, zu der, neben H o 1 o p e d i u m auch schon LeptodoraKindtii Focke und nebst Daphnella Brandtiaua Fisch, auch einige Teichdaphnien, so D. galeata Sars., D. gracilis Hellich u. a. gehören. Conochilus kommt unter demselben gar nicht vor, nur Asplanchna findet sich in Gesellschaft mit Volvox. Den oberwähnten Durchforschungsresultaten seitens der zool. Station im J. 1890 nach, reiht sich neulich zu diesen Teichen auch der Gatterschlager Teich an, der meinen Funden nach noch zur Kategorie der seeartigen Gewässer gezählt wurde. Bei der Schilderung der an unseren Teichen im Allgemeinen herrschenden Verhält- nisse werde ich auf die nahe liegende Erklärung dieses Umstandes zurückkommen. Die dritte Kategorie von Teichen stellen jene Wasserkörper dar, deren pelagische Fauna sich bereits als die reine Teichfauna praesentirt. Das Holopedium wird hier durch Leptodora vertreten, zu der sich neben einigen Daphnien oder Hyalodaphnien (H. cuculata Schödler) höchstens die zur Seefauna ge- hörige Daphnella Brandtiana Fisch, untermischt mit D. brachyura Lievin beimengt. Von dieser Beschaffenheit sind der Neuhauser Teich Vaj gar und die zu Bystric gehörigen Teiche A s p a und Münichschlager. Diese Teiche haben in fau- stischer Beziehung ganz den Charakter der Mehrzahl der böhm. Teiche Füglich ist noch einer vierten Kategorie von Gewässern dieser Gegend zu erwähnen, zu der einige der kleineren Teiche so z. B. der Waldteich bei Neu-Bystric oder die Teiche Pollvky bei Neuhaus gehören. Ihre pelagische Fauna enthält weder die typischen Seeformen (Holopedium) noch die charakteristischen Teichformen (Lepto- dora), sondern nur einige teichstete Daphnien, zu denen sich häufig noch Asplanchna und Volvox beizumengen pflegte. An anderen Orten Böhmens fand ich in solchen Teichen mitunter auch Diaptomus (D. gracilis Sars). Die faunistischen Verhältnisse nach den Untersuchungen bis 1889 sind aus der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen: Teich 1. 2. 3. Gatterschlager Hellinger . . Puiker T. . Gebharz . . Bystritzer Im Thiergatten Vajgar . . . Aspa .... Münichschlager Waldteich Pollvky TS O + + o > + + + o o ■*^ 1^ .2 03 03 03 .2 «1 a "-S 'S " ^ o3 03 u 03 1=1 £? $3 g ■ & 03 Ö 03 W 'S + + + + + + + + + 76 Durch ihre pelagische Fauna sind diese Wässer hinlänglich charakterisirt. Di e litorale Fauna weist keine so auffallenden Unterschiede auf, obzwar in einigen dieser Teiche auch seltenere Formen constatirt werden konnten, so Polyphemus pediculus im Gatterschlager, Sida elongata Sars im Vajgar, Gatterschlager-, Gebharz-, Wald- und Purkerteich ; Monospilustenuirostris Fisch, im Münich- schlager und Purkerteich. Als eigenthümlich ist das Vorkommen einer neuen Limnosid a-Art im Vajgar- und Münichschlager Teich hervorzuheben. Ausser diesen selteneren Form en wird die Uferfauna bis auf einige unbedeutende Ausnahmen fast durchwegs durch gemeinere Arten repraesentirt, u. z. : Scapholeberis mucronata Müll., Sida crystallina Müll, Ceriodaphnia laticaudata Müll., Cer. reticulata Jurin, Cer. pulchella Sars., Acroperus leucocephalus Koch, Eurycerus lamellatus Müll., Simocephalus vetulus Müll., Bosmina longirostris Müll., Bos. brevicornis Hell., Cyclops serrulatus GL, Canthocamptus staphylinus, Cypris vidua Müll., Notodromas monachus Müll., Pleuroxus truncatus Müll., Alona testudinaria Fischer, AI. guttata Sars., AI. rostrata Koch, AI. affin is Leyd. Was die übrige Litoralfauna und die sonst hier angesiedelte Thierwelt an- belangt, so kommen hier von Weichthieren, doch nur selten, vor: Planorbis rotundatus Pair., PI. glaber Müll., PL complanatus Drap., oder auch Limnaeus ovatus Drap., Limnaeus pereger Müll., Physa fontinalis L. Von Bryozoen ist in kleineren Teichen stellenweise häufig Cristatella ophidioidea Hyatt., in grösseren ziemlich häufig PlumatellarepensL. und stellenweise findet sich PI. fungosa Fall. Von Insecten wurde auf dem Vajgarteiche der Käfer Galeruca oleracea in grosser Menge gefunden und zwai auf den Nymphaeablättern, die er abnagte, ander- wärts (auf dem Aspa) Gyrinus opacus; von entwickelten Insecten wurden noch beobachtet : Nepa cinerea Lin., Notonecta glauca Lin., C r i s a sp., Chironomus. häufig die Larven von Fast überall die Larven von Cloe diptera, Corethra sp., Hyphydrus ferrugineus, Culex sp., Oecetis sp., Mystacides lougicornis Lin., 77 Triaeiiodes bicolor Curt., Limnophilus sp., Lestes sponsa Hans. lu manchen dieser Teiche finden sich Wassermilben (Hydrachnae) sehr häufig ; die näher bezeichnete Arten derselben sind namentlich beim Gatterschlager Teiche angeführt. Von Würmern treten namentlich diese Rotatorien auf: Brachyonus pala Ehrnb., Floscularia campanulata Dob., Lacinularia socialis Ehrnb., ferner die Vertreter der Gattungen: Nais, Chaetogaster, Chaetonotus, Von Protozoen wurden hier diese Rhizopoden constatirt: Difflugia Corona Wall., 1 Arcella vulgaris Ehrnb., Diffliigia acuminata Ehrnb., Centropyxis aculeata Stein, Anurea stipitata Ehrnb., Noten s quadricornis Duj. Salpina brevispina Ehrnb., Nephelis vulgaris, Clepsine sexoculata. Difflugia pyriformis Pertz., Arcella dentata Ehrnb.. Nebella colaris Leidy; ausserdem die Schwämme Euspongilla lacustris, Eusp. Jordanensis?, Ephydatia Milleri; und von Infusorien Ceratium macroceros Sehr. Diese Übersicht, obzwar nur auf partielle Beobachtungen sich stützend, veranschaulicht immerhin die faunistischen Verhältnisse der Teichwässer in dem südöstlichen Theile Böhmens und zeigt auch, zu welch interessanten Resultaten man daselbst durch genauere Untersuchungen gelangen würde. Als Beleg hiefür möge hier ein specieller Bericht über den Gatterschlager Teich folgen. Der Gattersclilager Teich. Dieser Teich liegt südlich von der Stadt Neuhaus in einer Höhe von 530 M. ü. d. M. in einem wenig breiten, durch niedrige, waldige Anhöhen gebildeten Thale. Wenn wir auf der Höhe des westlich vom Südende des Teiches sich erhebenden Schwarzen Berges stehen, so bietet der Anblick des Gatterschlager Teiches ein überaus malerisches Bild : dasselbe umfasst auch noch die Reihe jener Teiche, die von dem genannten Teiche nördlich liegen und mit diesem einen unübersehbaren, nur durch waldige Inseln unterbrochenen, einzigen See zu bilden scheinen, einen See, der in viele Buchten ausgezogen und durch malerische Halbinseln geziert ist. Dieser Teich lieg! zum Theil in reinem Torfboden, namentlich sein Nord- ende, zum Theile auf einer sandigen Anschwemmung, die in einem kleinen Theile des Teiches, dem tiefsten, südlichen verschlammt ist. Dieser Theil war stets unter 78 Wasser, wogegen der grössere, d. i. die ganze nördliche Partie, vor dem Beginne der zool. Untersuchu ngen 10 Jahre hindurch als Torfstich trocken lag. Im J. 1889 wurde der Teich zum erstenmal in seinem ganzen Umfang gespannt und mit Fischen besetzt. Die erste Durchforschung desselben, auf die sich mein Bericht bezieht, fällt in die Zeit vom 1. bis 12. Juni 1889; u. z. wurde dieses Unternehmen durch die grosse Bereitwilligkeit, mit der die löbliche Direction der Herrschaften des Grafen Cernin in Neuhaus dasselbe zu unterstützen die Güte hatte, sehr gefördert. Im Süden wird der Gatterschlager Teich durch einen festen, quer das Thal durchschneidenden Damm begrenzt; seine Wasserfläche ist auch in einige Partien eingetheilt ; die erste Partie theilt als solche, eine grosse waldige Halbinsel am Westufer, hinter der sich eine ziemlich grosse, doch seichte Bucht ausbreitet; die zweite Partie wird durch eine ziemlich grosse waldige Insel begrenzt; das zwischen dieser und dem östlichen Ufer sich befindende Wasser ist seicht und dicht mit Pflanzen, namentlich mit Seggen, Läusekraut, Wasserschwingel u. ä. ver- wachsen. Südlich von diesem Theile liegt die östliche Bucht des Teiches, in die der Forellenbach mündet. Ausser diesem Zufluss mündet in den Teich noch der aus den Torfmooren des höher gelegenen Rothwehrteiches herkommende Gatter- schlager Bach; derselbe verlässt den Teich durch das Thal gegen Cimer zu, wo er dann durch einige Seitenbäche verstärkt als Neumühlteich dem Stahkow-Teiche bei Chlumetz zueilt. Es ist höchst beachtenswerth, wie sehr die Verhältnisse in diesem Teiche, d. i. in seinen verschiedenen Theileu je nach Tiefe und Bodenbeschaftenheit und Zufluss verschieden sind. In dem südlichsten und tiefsten Theile des Teiches finden wir das Wasser klar, wenn auch etwas gelblich; Holopedium, Heterocope und Conochilus bezeichnen die pelagische Zone desselben. Diese Repraesentanten der Seefauna nahmen gegen Norden zu ziemlich rasch ab, was wohl auch schon in der Enge zwischen der Halbinsel und dem östlichen Ufer sich kundgab. Einen ganz anderen Charakter hatte die pelagische und auch die litorale Fauna im nördlichen, torfigen Teichtheile; obzwar ähnlich, so doch verschieden ist die torfige Enge zwischen der Insel und dem östlichen Ufer, und ganz verschieden von diesen ist die östliche Bucht mit ihrem klaren, durchsichtigen und verhältnissmässig kälteren Wasser des Forellenbaches. Nebst dem, was ich über die Beschaffenheit der Ve- getation im nördlichen Ende und in dem Theile hinter der Insel sagte, sei noch angeführt, dass die östliche Bucht grösstentheils mit Schilfrohr erfüllt ist. Die übrigen Ufer, sowie die Ufer der Insel und der Halbinsel sind meist nur schmal mit Schilfrohr gesäumt. Zur Zeit der Teichdurchforschung war an den Ufern noch Wiesengras z. Th. unter Wasser erhalten geblieben. In diesen Partien war die Litoralfauna nur im geringen Masse zu finden; ihre Hauptrepraesentanten waren Wassermilben, eine, wahrscheinlich neue Daphniaart und einige Cyclopen. Der Hauptsitz der pelagischen Fauna waren die tiefsten Stellen am Süd- ende des Teiches; je mehr gegen Norden, desto zerstreuter treten ihre Reprae- sentanten auf; am raschesten nahmen Heterocope und Holopedium ab, obzwar auch Conochilus sehr sporadisch zu werden begann. Auch dieser Umstand lässt sich dadurch erklären, als der Teich zuvor zu lange trocken lag, so dass die 79 Fruchtbarkeit seines Bodens um die Zeit noch nicht zur vollen Geltung kommen konnte. Wahrzunehmen war dies auch da, wo an seichteren Stellen die über- fluthete Landvegetation des Bodens den Wirkungen der Inundation noch nicht erlag. Im nächsten Jahre, wo die Durchforschung des Teiches fortgesetzt wird, wird es sich zeigen, inwiefern sich die Einflüsse der Befruchtung steigern werden. Namentlich wird dies dem Resultate nach, den die Abfischung des Teiches ergeben wird, zu beurtheilen sein.*) Die Untersuchungen der Fauna im Juni 1889 ergaben folgendes Resultat: A. L itor alf au na. Weichthiere : Planorbis g laber Müll., Planorbis complanatus Drap., Insectenlarven : Cloe diptera, Triaenodes bicolor Gurt., Chironomus sp., Gorethra sp., Anabolia laevis Zett., Limnophilus flavescens F., Spinnenthiere : Hydrachna globosa, Eylais extendens, Limnesia sp., Limnesia calcarea, Argyroneta aquatica Crustaceen : Sida elongata Sars., D a p h n i a sp. (vielleicht neu). Acroperus leucocephalus Koch., Simocephalus vetulus Müll., Eurycercus lamellatus Schödler, Alona affinis, Pleuroxus striatus Schödler, Würmer : M e s o s t o m u m sp., Asplanchna priodonta Ehrnb., Brachionus. Urthiere : V ol v o x. Physa fontinalisL., Lymnaeus pereger Müll. Oecetis lacustris Pict., Oecetis furva Ramb., Leptocerus cinereus Gurt., Limnophilus sp., P h r y g a n e a sp. Geriodaphnia megops Sars., Cypris fasciata Müll., Bosmina cornuta, Scapholeberis mucronata Müll, G y c 1 p s p u 1 c h e 11 u s, Polyphemus pediculus De Geer. *) Durch die in dem folgenden Jalire gepflogenen üntersucliungen wurde in der That auch die den Typus der Teichfauna darstellende Leptodora Kindtii in der pelagischen Zone fest- gestellt, eine Erscheinung, die entweder damit in Zusammenhang steht, als die Fruchtbarkeit des durch lange Zeit trocken gelegten Teichgrundes erst nun zur Geltung zu kommen beginnt, oder dass im ersten Jahre der neuen Spannung die Keime dieses Krebses aus den höher gelegenen und stets gefüllten Teichen herüberkamen. Das Vorkommen der Leptodora im Gatterschlager Teiche scheint den Beginn einer Umwandlung seines Seecharakters anzudeuten, wenn weitere Beobachtungen uns nicht eines anderen belehren werden. 80 Vielfach sind die Eigenthümlicbkeiteu dieser Uferfauna. Auifallend ist vor Allem die grosse Menge von Trichopterenlarven, die fast ausschliesslich auf dem steinigen Damme im Süden des Teiches vorkommen, ferner die ziemlich grosse Anzahl Wassermilben, denen die weichen, mit unter Wasser gesetztem Wiesengras und theilweise auch mit eigentlicher Wasserflora bedeckten Uferpartien der Nord- und Nordostseite zum Aufenthalte dienen. Die Crustaceenfauna hat, bis auf einige Ausnahmen, den Charakter einer an Alien reichen Teich-Uferfauna. Eigenthümlich ist hier das Vorkommen von Polyphemus pediculus. Nachdem ich mich von dem Seecharakter der in diesem Teiche hausenden Fauna überzeugi; habe, fahndete ich, mich an die bisherigen An- gaben haltend, nach diesem Krustenthiete, in der Nähe der vegetationsfreien Ufer- stellen. Meine Bemühungen waren lange fruchtlos, doch endlich fand ich die Art zwischen dem Pflanzendickicht, das die Enge zwischen der Insel und dem östlichen Ufer ausfüllt. Weitere Eigenthümlichkeiten dieser Fauna bestehen noch mit Rück- sicht auf einige, seltener vorkommenden Arten. Auffallend ist z. B. bei Würmern, dass Asplanchna, die sonst nur pelagisch aufzutreten pflegt, hier als solche durch Conochilus vertreten wird und nur auf die Uferzone, wo sie namentlich an Pflanzen- reichen Stellen sich hält, beschränkt bleibt. Sonst ist noch hervorzuheben, dass da neben den nicht zahlreichen Mollusken keine Bryozoen vorkommen und auch nur wenig Unkrautfische daselbst vorhanden sind, was wohl darin seine Erklärung findet, als der Teich, wie gesagt, zum grössten Theile abgelassen war und an den tieferen pflanzenfreien Stellen, wo das Wasser blieb, die Thiere nicht die für ihr Leben und ihre Entwickelung benöthigten Existenzbedingungen gefunden haben. B. Pelagische Fauna. Holopedium gibberum Zaddach, Heterocope robust a, Conochilus volvox Ehrnbg., Diaptomus gracilis Sars. Das Charakteristische dieser Fauna ist sehr hervortretend; sie besteht nur aus vier Arten, die gleich zahlreich und häufig sind. Heterocope wählt regelmässig die obersten Schichten zu ihrem Aufenthalte und ist schon dem blossen Auge wahr- nehmbar, denn Anfangs Juni, als ich am Gatterschlager Teiche weilte, waren es namentlich die grossen, bunt gefärbten Weibchen, die weit weniger durchsichtig sind als die schlankeren und kleineren Männchen. Holopedium gleicht in seinem Be- tragen ganz der Leptodora. An warmen sonnigen Tagen, wo die Temperatur der obersten Wasserschichten nur um wenig niedriger ist als die der Luft, hält sich das Holopedium in grösserer Tiefe auf und tritt nur in der Nacht, oder wenn sonst sich die Luft rasch abkühlt, so dass die Wanne des Wassers dann im Ver- hältniss zu der Temperatur der Luft grösser wird, in Massen an die Oberfläche des Wassers hervor. Conochilus volvox erscheint in allen Schichten klaren Wassers sehr zahlreich, in die Tiefe zu nimmt seine Menge ab. Wie oben bemerkt, hat sich zu diesen pelagischen Typen im J. 1890 auch Leptodora beigesellt, von der vor dieser Zeit keine Spur wahrzunehmen war. 81 F. Die südböhmischen Teiche der Umgebung von Tabor, Lomnitz und Wittingau. Genauer habe ich von diesen Teichen nur den Jordan durchforscht; von den Teichen Svet, Eosenberger und Opatowitzer, sowie von einigen Himmelsteichen konnte ich nur die Ufer untersuchen. Die eigentliche Durchforschung dieser Teiche, doch nur mit Rücksicht auf ihre Crustaceenfauna, wurde schon in früheren Jahren von Prof. Dr. A. Fric und Dr. Bohuslav Hellich ausgeführt. Die betreffenden Piesultate, weil schon bekannt, brauchen an dieser Stelle wohl nicht speciell an- geführt zu werden, doch möge die folgende, z. Th. auf den Untersuchungen von Hellich fusseude Tabelle den Charakter der in diesen Teichen hausenden pelagischen Fauna annähernd veranschaulichen Teich Seefauna Teichfauna a B • i-H Conochilus es o o Hyalo- daphnia Daphnella brachyura es a CS Novy Vdovec + Kaiiov Tisl Kaprüv Nekfteny Syn Pesäk + Bastyf Lipic 1 Jordan Rosenberger Svet Opatowitzer 82 Die Diirchforscliung dieser an Teichen so reichen Gegend, bezieht sich also nnr auf 14 Wasserkörper und, wie aus der vorstehenden Tabelle ersichtlich ist, sind in diesen nicht alle jene Typen vertreten, die wir in den Teichen der benachbarten Herrschaft Neuhaus gefunden haben. Es fehlt hier die typische Seefauna; wahrscheinlich ist sie an keinem der Wittiugauer Teiche zu finden, da an diesen die moderne Teichwirthschaft eingeführt ist. Der Teich Novy Vdovec repraesentirt hier die Gewässer mit gemischter Fauna; zur Zeit seiner Durchforschung waren in demselben noch alle zum Typus einer pelagischen Seefauna gehörenden Formen vorhanden, und neben denselben fanden sich auch die Vertreter einer typischen pelagischen Teichfauna. In welchem Verhältnisse diese beiden Faunen, was ihre Menge anbelangt, zu einander standen, ist mir nicht bekannt; es wäre sehr interessant diesen Teich wieder zu unter- suchen, denn seit seiner ersten Durchforschung vergiengen wohl schon 13, wenn nicht mehr Jahre, und es würde sich zeigen, welche Veränderungen seine Fauna seit dieser Zeit erlitten hat. Theilweise sind solche Veränderungen an anderen Teichen wahrzunehmen, so am Kahov, Tisl, Kaprüv, Nekfteny, Syn, Pesäk, Bastyr, und Lipic, in denen keine Seefauna mehr existirt; von dieser blieb nur als Rest, die Daphnella Brandtiana Fisch., erhalten. — Eine typische pelagische Teichfauna besitzen auch nicht alle Teiche; dieselbe hat nur der Lipic, Kahov und Syn, z, Th. auch Kaprüv und Nekfteny, wogegen sie in den übrigen Teichen sich nur auf das Vorhandensein von einigen Daphniaformen beschränkt. Der Jordau bei Täbor ist ein Teich, dessen Bestehen verhältnissmässig noch nicht alt ist. Die ihn umgebenden Verhältnisse sind für die Entwickelung der Teichfauna sehr günstig und thatsächlich dominirt dieselbe hier. Der Rosenberger, der Svet und der Opatowitzer Teich haben eine reine Teichfauna. Im Allgemeinen scheint es, dass sich die Mehrzalil der Teiche dieser Gegend in faunistischer Hinsicht am Ende eines Uibergangstadiums von der See- fauna zur Teichfauna befindet, obzwar dies nur durch Untersuchungen von noch einigen verschieden situirten Gewässern und z. Th. noch durch weitere Unter- suchungen der bereits früher durchforschten Teiche festgestellt werden könnte. Die letzteren würden wohl in die Frage, wie die äusseren Einflüsse eine Verän- derung der Teichfauna hervorrufen können und die ich in dieser Schrift mehrfach berührte und zu lösen versuchte, viel Licht bringen. Eine Reihe von Daten über andere Teiche dieser Gegend findet sich in Sustas „Ernährung des Karpfens". Es sind dies die Teiche Jansky, Tobolka, De- kanec, „Panensky za vrchy", Dvofiste, Vobojsky, Ober- und Unterpfesecky, Bosi- lecky, Schwarzenberg, Horusitzer, Spolsky, Nadeje, Gross-Tisy, Ruda, Svet, Cirk- vitzer, Domaniner und Kaiiov; bis auf den letzten, sind es also andere Teiche als die ich durchforscht habe. Aus den Berichten des Herrn Schusta ist möglich sich einen summarischen Begriff von der Beschaffenheit und der wirthschaft- lichen Qualification dieser Gewässer zu bilden, und obzwar die Daten in Bezug auf die Ernährung des Karpfens nur eine theilweise Darstellung von dem Haupt- charakter, insbesondere der Uferfauna, zulassen, bilden sie doch eine gute Basels 83 für die resultirenden Anschauungen über die Nahrung des Karpfens überhaupt. Der Boden der Wittingauer Teiche ist zumeist steril, unfruchtbar, so dass auch die Bestellung desselben mit Saat bei eventueller Trockenlegung nur einen schwachen Ertrag liefert. Hier ist nur durch Kalk- und Phosphorsäure ein günstiges Re- sultat zu erzielen. Bei einer Besetzung von 1^ — 2^3 Schock pro Hektar beträgt der durchschnittliche Zuwachs in diesen Teichen 34 Kg. pro Hektar (11 — 48) oder 20 Kg. per Schock (12 — 30) oder Vs Kg- an Stück für eine Hitze. Doch nur durch blosse Trockenlegung, ohne besondere Melioration des Bodens, wird der Zuwachs entsprechend bis auf 76 Kg. pro Hektar, oder 30 Kg. per Schock, oder ^/g Kg. per Stück erhöht. In Teichen, die meliorirt wurden, und bei künstlichem Fischfutter, kann dieser Zuwachs, nach Susta, verdoppelt werden. Obzwar diese Ziffern, denen nur ein unvollständiges Material, d. i. soweit es durch Druck veröffentlicht und zugänglich war, zu Grunde liegt, nicht als genau betrachtet werden können, so ist doch aus der Analogie der in der Nachbarschaft von Wittingau untersuchten Teiche zu entnehmen, dass die angegebenen Zahlen der Wahrheit nahe stehen und einen guten Beleg für die Beschaffenheit der Wittingauer Teiche liefern, zugleich aber auch als Beispiel dienen, in welch' hohem Grade ein rationell vorgehender Teichwirth die Ertragsfähigkeit des Wassers heben kann. III. Übersicht der an den durchforschten Teichen bestehenden natürlichen Verhältnisse. Die gegenwärtige Arbeit umfasst die Durchforschungsresultate von etwa fünfzig Teichen. Obzwar diese Zahl nur einen kleinen Theil unserer Teiche aus- macht, so repraesentirt sie doch alle Teichtypen, wie sie der Beschaffenheit des Bodens, des Wassers, der Flora und Fauna nach unterschieden werden. Die an unseren Teichen herrschenden Verhältnisse sollen in den folgenden Kapiteln kurz geschildert werden. 1. Der Boden. Der grösste Theil der böhmischen Teiche leitet seinen Ursprung von mo- rastigen Stelleu der Torfgründe und des lettigen Bodens ab. Das an solchen Stellen in natürlicher Weise sich ansammelnde und die Fruchtbarkeit des Bodens beein- trächtigende Wasser, erheischte künstlich eingedämmt zu werden, und so entstand der Teich. Der Boden in unseren Teichen ist also entweder lettig, so namentlich im Gebiete der silurischen Schiefer und der Kreideletten — oder in der Nähe von Torfen und Mooren sandig, wie es eben der grösste Theil der süd-, ost- und 6* 84 nordböhmischen Teiche ist, oder auch torf ig- sandig, beziehungsweise auch sandig -lettig. Als Ausnahme sind die rein torfigen Teiche zu betrachten, wo- gegen die torfig-sandigen und sandig-lettigeu Böden durch Auswaschung oft ganz sandig werden. Eine ähnliche Ausnahme bildet auch der Lehmboden, der beste Teichboden überhaupt, den wir nur in einigen Teichen im Gebiete des Granit- plateaus im mittleren Böhmen finden. Alle diese Teichgründe lassen sich durch Trockenlegung und Melioration sehr verbessern; doch das für die Teichwirthschaft günstigste Kesultat ist na- mentlich durch Melioration des Lehmbodens und dann des sandig lehmigen und lettigen Bodens zu erzielen; die so aufgebesserten Gründe liefern dann einen un- gewöhnlich grossen Ertrag. Dem gegenüber erheischt die Trockenlegung solcher Teiche einen weit grösseren Aufwand und bedeutendere Mühe, wenn nämlich der Teichboden in einen guten Acker- oder Wiesengrund verwandelt werden soll. Sehr oft ist es gar nicht möglich einen derartigen Boden vollständig zu entwässern und auch in günstigsten Fällen pflegen momentane Uiberschwemmungen, Fröste und die an solchen Stellen oft in Menge sich entwickelnden schädlichen Insecten viel Schaden zu verursachen. 2. Das Wasser. Das Wasser in unseren Teichen pflegt je seinem Ursprung, je der geo- logischen Lage des Teiches und den organischen Beimischungen nach verschieden zu sein. Dem Ursprung nach ist das Wasser bald Kegenwasser, Quell-, Grund-, Bach- oder Flusswasser. Durch Regen — eventuell auch Schneewasser — werden die s. g. Himmels- teiche, die bald gross bald klein sein können, gespeist; stets stellen aber solche Teiche nur massige Vertiefungen dar, in denen sich das Wasser je nach Jahres- zeit und Witterungsverhältnissen hält, sei es nur im Frühjahre bis zum Sommer oder auch während des ganzen Jahres. Solche Teiche werden hauptsächlich als Streichteiche benutzt. Das Wasser in denselben wird successive stark erwärmt, und der Teichgrund fängt an sich nach und nach mit mannigfaltiger Sumpfflora zu bedecken; am häufigsten pflegt da Alisma und Schilfrohr, oft auch Sium und Wasserschierling (Cicuta) zu sein. Später trübt sich dann das Wasser, dabei eine gelbliche bis braune Farbe an- nehmend, auf welche Eigenschaft auch der bei solchen Teichen sich öfters wieder- holende Name „Zärmutek" (Trübsal) zurückzuführen sein dürfte. Li der Fauna domi- niren Insectenlarven, Muschelkrebse und grosse litorale Cladoceren (Sida crystallina, Daphnia magna, Eurycerus lamellatus, Alona u. a.), doch nimmt diese Fauna gegen den Sommer zu, wenn die Kaulquappen, denen solche Wässer am meisten behagen, grösser zu werden beginnen, rasch ab. Quellwasser besitzen, in gewissem Grade, ziemlich viele unserer Teiche, reines Quellwasser jedoch nur wenige und zwar nur jene in höheren Lagen. Ein solches Wasser ist an seiner Klarheit und Durchsichtigkeit und an der geringen Temperatur leicht erkennbar, und es kommen die Fische der wärmeren Lagen, na- mentlich Karpfen, in demselben schlecht fort. 85 Grunätvasser besitzen einige Teiche mit undurchdringlichem Boden, vor- nehmlich in Schief ergegendeu, wo zur Ansammlung der Grundwässer an gewissen Stellen besonders die Lage viel beiträgt. Wo immer ich diese Erscheinung antraf, überall nahm ich wahr, dass in solchen Gewässern sich die winzigen und faden- förmigen Algen, Infusorien und Rhizopoden sehr vermehrt haben. Als Beispiel eines solchen Teiches möge der Bechyner Teich bei Zbirow angeführt werden, dessen Wasser durch Infusorien, besonders aber durch Ceratium macroceras förmlich impraegnirt ist; die Stengel des Schilfrohrs und die Schachtelhalme — überhaupt alle Wasserpflanzen ■ — sind von Algen umhüllt, und den Wasserspiegel zwischen den Pflanzen bedeckt das schwimmende Lebermoos Riccia nataus. Bach- oder Nusstvasser, mit welchem unsere meisten Teiche versehen werden, ist für die Fischzucht, namentlich aber für Karpfenzucht das geeignetste. Der Grund hiefür liegt in seiner Lebendigkeit, die theilweise verursacht, dass einem solchen Wasser mehr Luft zugeführt wird und dass sich dasselbe besser und regel- mässiger durchwärmt. Dass sich in einem derartigen Wasser namentlich die Fauna, deren Keime im Teichgrunde ruhen, besonders die Crustaceen, also der wichtigste Bestandtheil der Karpfennahrung, viel mächtiger entwickelt, ist selbstverständlich. Freilich gibt es solcher Teiche, die sich nur mit einer Art von Wasser speisen würden, sehr wenig ; gewöhnlich sind es Wässer verschiedenen Ursprungs, die sich da ansammeln und mengen, und von diesem Verhältnisse hängt z. Th. die grössere oder geringere Productivität des Teiches an Wasserthieren und die Möglichkeit diesen oder jenen Fisch da mit Vortheil züchten zu können, ab. Die Natur des Wassers je der geologischen Lage nach ändert sich wohl in ihrer chemischen als auch physikalischen Beschaffenheit. In ersterer Beziehung insoferne, als dem Wasser verschiedene mineralische Beimengungen zutheil werden, und in physikalischer Beziehung, als sich das Aussehen des Teiches mehrfach ändern kann. Von mineralischen Beimengungen sind Kalk und Eisen die wichtigsten; dieselben können im Wasser als aufgelöste Bestandtheile enthalten soin, oder sie verunreinigen es in mechanischer Weise. Gewässer, in denen sich viel Kalk oder Eisen anhäuft, sind in der Regel der Entwickelung der kleinen Teichfauna weniger günstig; namentlich gilt dies von Krustenthieren, die in sehr kalkigem Wasser ihr Leben kaum fristen können; in solchem Wasser aber, wo der Kalk in solcher Menge vorhanden ist, dass er die Pflanzen incrustirt, wie z. B. in dem Teiche Dlouhopolsky bei Königstadtl, fand ich überhaupt keine Krustenthiere. Andere organische Beimengungen, wie Sand, Thon, Gypskrystalle u. ä. gelangen nur in mechanischer Weise ins Wasser, sei es durch Wasserzulauf oder durch Wellen- schlag an die Ufer. Das Wasser trüben sie freilich; im ersteren Falle gereichen sie dem Teiche zum Vortheil, da sie am Grunde desselben eine günstige An- schwemmung bilden, im zweiten Falle zum Nachtheil, so sie von dem Teichufer weggeführt werden und dasselbe durch solche Auswaschungen immer mehr verarmt und unfruchtbarer wird. Das Wasser mit organischen Beimengungen^ wie es namentlich die mikros- kopischen Algen, Infusorien u. ä. Organismen sind, erhält in besonders physikalisch, SP) da grün gefärbt, einen anderen Charakter. Welch einen Einfluss dies in anderer Richtung ausübt, soll in dem folgenden Kapitel näher dargestellt werden. 3. Vegetation. Die Vegetation, die unseren Teichen einen verschiedenen Charakter verleiht ist fünffacher Art: a) rohrartig, b) seggenartig, c) grasig, d) schwimmend und e) aus Algen bestehend. a) Die rohrartige Vegetation beschränkt sich fast ausschliesslich auf die Nähe der Ufer, indem sie daselbst schmälere oder breitere Streifen bildet; nur stellenweise erstreckt sie sich bis in die Mitte des Teiches, und kleinere Teiche füllt sie fast, oder auch ganz aus. — Je grösser die Fläche ist, die sie einnimmt, desto nachtheiliger ist ihr Einfluss auf die Nahrhaftigkeit des Teiches, da das Wasser durch diese hohen Pflanzen zu sehr beschattet und in Folge dessen seine Productivität vermindert wird. Eine derartige Vegetation besteht hauptsächlich aus Schilfrohr, zu dem sich noch andere Pflanzen von gleichem Habitus, wie der Rohrkolben (Typha), Kalmus (Acorus calamus) und selten auch die Seesimse (Scirpus maritimus) beizugesellen und oft eigene Gruppen zu bilden pflegen. Zer- streut in solchen Pflanzenbeständen findet man noch andere Vertreter der Wasser- und Uferflora: so die gelbe Schwertlilie (Iris pseudacorus), Weiderich (Epilobium), hie und da einige hohe Seggen (Carex vulpina u. ä.) oder Schwaden (Glyceria aquatica) u. a., die jedoch an dem Hauptcharakter dieser Pflanzendecke nichts zu ändern vermögen. Die, sowohl durch die Untersuchungen der Fauna als auch durch die Praxis gemachten Erfahrungen sprechen dafür, dass es von Vortheil ist, diese Vegetation auf das geringste Mass zu beschränken und sie nur da zu belassen, wo es der Schutz der Ufer erheischt — also nur als Uferstreifen. b) Die Seggenvegetation schliesst sich oft an die Rohrvegetation an ; häufig jedoch, namentlich auf Torfboden, dann in seichten Teichen, sowie an seichteren Uferstellen tritt sie als ein eigener, ununterbrochener, oft hügeliger Pflanzenbestand auf. Gewöhnlich wird derselbe aus verschiedenen Carexarten (C. vulpina, acuta, riparia, vesicaria etc.) gebildet, untermischt mit Sumpfsimse (Scirpus lacustris) kleinen Binsenarten (Juncus) und stellenweise auch mit Comarum, Pedicularis pa- lustris, Eriophorum u. a. Sie pflegt der Lieblingsaufenthalt und oft auch der Nistplatz vieler Wasservögel zu sein; hauptsächlich da, wo es viele Wildenten gibt und grosse Jagden auf dieselben veranstaltet werden, sind solche Pflanzen- stellen gerne an Teichen gesehen. Sowie aber dieselben zu dichte Rasen zu bilden anfangen, so wirken si nachtheilig, weil sie die nöthige Durchwärmung des Wassers verhindern. Solange eine solche Vegetation schütter ist und zum grössten Theile unter Wasser steht, ist sie, namentlich an den Uferpartien, als nützlich zu be- trachten, da zwischen derselben sehr viele Insectenlarven günstige Lebensbedin- gungen finden. In Streichteichen ist sie mit Rücksicht auf die Eieral)lage auch nicht zu unterschätzen und namentlich da zu erhalten, wo in Ermangelung der- selben sterile Sandstellen, die nur dem geringsten Theil der Kleinthiere zum Auf- enthalt dienen, entstehen würden. Es ist daher Sorge zu tragen, dass derartige 87 Cariceta nicht zu dicht werden und die Rasen der glatten Pflanzen, Simse und Bimse womöglich entfernt werden, besonders wenn sie die rauhen Gräser über- wiegen sollten. Die glatten Pflanzen sind für die Ansiedelung der kleinen Teich- fauna weniger geeignet als die rauhen und pflegt die Umgebung der ersteren stets arm an Thieren zu sein. Dass die niedrigen, nicht gar zu dichten Seggenbestände für die Ernährung des Karpfens von Vortheil sind, ist schon bei oberflächlicher Betrachtung wahrzunehmen, indem man sehen kann, dass eine Menge von Fischen an solchen Stellen nach Nahrung sucht. c) Die Grasvegetation tritt in ähnlichen Formen auf wie die Seggenvege- tatiou, zumeist jedoch nur auf reinem Sandboden, selten auf Torfboden. Soweit die Bestände derselben niedrig und schütter sind, ist sie für die Entwickelung der Uferfauna ebenso günstig wie die Seggen Vegetation, namentlich gedeihen unter ihrem Schutze, weit mehr noch als unter der Seggenvegetation, viele Insecten und Crustaceen. Ihr Hauptrepraesentant ist das Mannagras oder fluthende Schwaden (Glyceria fluitans). Aus dem Gesagten geht hervor, dass die Grasvegetation, soweit sie nicht zu dichte Rasen bildet, dem Teichwirthe sehr willkommen und an Teichen mit öden Sandufern sogar zur Anpflanzung empfohlen werden kann. Durch dieselbe werden die Ufer theilweise geschützt und, indem sich zwi- schen dem Grase verschiedene Thiere ansiedeln können und die verwesenden Gras- reste den Boden befruchten, wird die Productivität des Teichbodens erhöht; ausser- dem vermindert sie die Durchwärmung der Wasserfläche nicht und den kleinen pflanzenfressenden Fischen, namentlich solchen, die wir zur Ernährung der Teich- fische brauchen, wird reiche Weide geboten. d) Die schwimmende Vegetation besteht aus Pflanzen, die ihre Wurzeln oft sehr tief in den Teichgrund einlassen, und deren submerse Stengel- und Blatt- organe, besonders aber die auf der Wasserfläche schwimmenden Blätter und Blüthen, dem Teiche einen verschiedenen Charakter geben können. Als der häufigste und zumeist typische Repraeseutant dieser Flora, ist an unseren Teichen die Seerose an- zusehen, die auf ihren grossen Blättern und dicken Stengeln für die wasserstete Fauna viel Raum zur Ansiedelung bietet . Dies gilt auch für die Nixblume (Nuphar), der wir jedoch in unseren Teichen verhältnissmässig nicht so häufig wie der See- rose (Nymphaea) begegnen. Im Allgemeinen lässt sich nicht sagen, dass diese Pflanzen überall gleich von kleinen Wasserthieren bewohnt wären ; so finden wir an manchen Orten riesige Mengen der winzigen Wasserfauna an ihnen angesiedelt und ihrer Keime da haftend (besonders Schneckeneier und Eier verschiedener Insecten), an anderen Stellen da- gegen verhältnissmässig nur wenig. Obzwar die unmittelbar unter diesen Pflanzen liegenden Wasserschichteu mehr durchwärmt als das sie umgebende Wasser zu sein pflegen, so beschatten die grossen Blätter, namentlich wenn sie dicht beisammen stehen, doch zu viel den Teichgrund und vermindern dessen Productivität. Neben der Seerose ist das Laich- kraut eines der häufigsten schwimmenden Teichgewächse. Einen ungünstigen Ein- fluss auf die faunistischen Verhältnisse üben diejenigen Laichkräuter, die unter- 8'8 getaucht und dicht beblättert sind ; zu solchen gehören die meisten unserer Arten, und nur die Laichkräuter mit schwimmenden Blättern, wie sie der gewöhnlichen Art, Potamogeton natans, eigen sind, haben auf die Wasserfauna, die sich auf den Blättern wie auf jenen der Seerose in Menge zu halten pflegt, einen günstigen Einfluss. Dabei trägt auch die schwimmende Laichkrautvegetation viel zur Durch- wärmung des Wassers bei, da sie den Grund nicht so beschattet, wie es bei den Blättern der Seerose der Fall ist. Wir finden daher, dass das schwimmende Laichkraut auch in Teichen, die den magersten Boden haben, auf die Entwickelung der Wasserfauna wohlthätig einwirkt, und es soll aus diesem Grunde diese Pflanze nicht nur geschützt, sondern dort, wo sie fehlt, auch angepflanzt werden. Solch weicher, und nicht zu grosse Flächen einnehmender schwimmender Wasserpflanzen gibt es noch mehrere ; so der fluthende Schwaden oder Manna- gras (Glyceria fluitans), mehr in der Nähe der Ufer wachsend, ferner der Wasser- oder ortswechselnde Knöterich (Polygonum amphibium), der mehr in der Uferregion sich haltende Froschbiss (Hydrocharis morsus ranae), die Seekanne oder Sumpf rose (Limnanthemum nymphaeoides), eine nur in wenigen, meist süd- böhmischen Teichen vorkommende Pflanze, und die bei uns seltene Wassernuss (Trapa natans). Von diesen Pflanzen kommen dem schwimmenden Laichkraute in seiner Eigenschaft den Kleinthieren des Wassers Schutz zu bieten, höchstens die zwei letzten gleich, die übrigen, auch das Mannagras nicht ausgenommen, pflegen weder eine zahlreiche noch mannigfaltige Fauna zu beherbergen, ja den Knöterich scheinen die Thiere sogar zu meiden. Kolonien des Laichkrautes, der Sumpfrose und der Wassernuss, wenn sie sich auch in der Mitte des Teiches befinden, be- herbergen stets eine zahlreiche Uferfauna, in geringerem Masse gilt dies jedoch von den übrigen hier genannten Pflanzen. An die schwimmende pelagische Vege- tation reiht sich die submerse Vegetation an, die nur ihre Blüthen und Früchte aus dem Wasser emportaucht; hierher gehören z. Th. einige Wasserranunceln (Batrachium), das Tausendblatt (Myriophyllum), das Hornkraut (na- mentlich Ceratophyllum demersum) und einige Laichkräuter (z. B. Potamo- geton crispus). Diese Pflanzen pflegen für gewöhnlich nur eine Wohnstätte der grösseren Thiere, namentlich Weichthiere, Würmer und Wasserasseln und dann der niedrigsten Fauna, Infusorien und Coelenteraten zu sein; ausserdem dienen sie auch verschiedenen Algen (Nostoc, Diatomaceen) als Substrat. Das Leben an diesen Pflanzen ist um so geringer, je dichter ihre Bestände sind. Namentlich sind es die Crustaceen, denen es zwischen diesen Pflanzen nicht zu behagen scheint, und auch an Stellen, wo sie in Massen vorkommen und wo sie mit den abgestor- benen Ptesteu auch den Teichgrund dicht bedecken, finden die Crustaceen nur in geringem Masse die für ihre Entwickelung nöthigen Bedingungen. Die schwimmende Vegetation unserer Teiche ergänzen noch die Wasser- linsen (Lemna minor und Telmatophace gibba). Die erstere bildet nur an einigen Teichen dichte, meist nur auf die Nähe des Ufers beschränkte Überzüge des Wasserspiegels, die in der Regel die Wohnstätte der kleinsten Wasserfauna (Infu- sorien, Pihizopoden, Coelenteraten) zu sein pflegen — seltener siedeln sich Bryo- zoen (Lophopus im Teiche Vrazda bei Dymokur) und kleine Cyclopen an Wasser- linsen au. Da auch diese kleinen Pflanzen sich an ihren Localitäten so vermehren 89 können, dass sie oft in compacten Massen den Wasserspiegel bedecken und den Teiclibodou dann zu sehr beschatten, so hat dann ihr Vorhandensein auf die Ent- wickelung der höheren Uferfauna keinen günstigen Eintiuss. Dies gilt auch von dem kleinen Lebermoose Riccia natans, das ich in einigen Teichen in der Um- gebung von Sobeslau und bei Zbirov zahlreich antraf und dessen Fauna noch dürftiger war. e) Die Älgenvegetation ist unter normalen Verhcältnissen in unseren Teichen nie vorherrschend, obzwar dieselbe mehr oder weniger zahlreich und mannigfaltig in jedem Teiche anzutreffen ist. In den meisten Teichen bilden die Algen nur zarte, zumeist aus Diatomaceen und einigen selteneren Fadenalgen (Bulbochaete etc.) bestehende Überzüge an Steinen, Därmnen, Wasserbauten u. a. Gegenständen. In einigen Teichen pflegen diese Überzüge mächtiger zu sein, so sich zu den er- wähnten Arten noch andere Algen aus der Gruppe der Oscillarien, Spirogyren, Conferven etc. gesellen. Derartige Algen vermehren sich ungemein, namentlich in solchen Teichen, in denen sich gewisse verunreinigende Stoffe anhäufen, besonders in der Nähe von Hutweiden und auch da, wo das Wasser durch die Abfälle aus Fabriken verunreinigt und vergiftet wird. Im letzten Falle beschränkt sich die in den Algenknäueln existirende Fauna zumeist nur auf die kleinsten Lebewesen (Rhizopoden, Infusorien etc.), im ersteren Falle herrscht da ein regeres Leben, als nämlich unter solchen Algen interessante Cladoceren, Cyclopsarten, viele Cypriden, die sonst in Teichen selten und nicht zahlreich zu sein pflegen, ferner eine Menge Wasserasseln, Naiden und Egel zu finden sind. In einer Richtung kann die Ver- mehrung solcher Algen als ein Zeichen der Armuth, in anderer Richtung aber als Zeichen des Reichthumes der hier hausenden Fauna aufgefasst werden. Wenn einige dieser Algen, z. B. die Oscillarien, sich im Übermasse ver- mehren, so kann dies von üblen Folgen sein, nachdem es erwiesen ist, dass diese Algen selbst in gewissem Grade das Wasser vergiften und für einzelne Thiere ver- derblich sein können. Ausser den erwähnten stabilen, ob nun einzelligen oder fadenförmigen Algen, kommen in den Teichen auch freie Algen vor. Mitunter treten diese nur sporadisch auf, einzelne Cosmarium, Desmidium, Closte- rium, Micrasterias, Euastrum, Arthrodesmus u. a., unter welchen man auch öfters Bruchstücke von Oscillarienfäden findet. Diese Algen vermögen dem Teiche keinen besonderen Charakter aufzuprägen, dagegen haben einige Teiche voll- ständig grünes Wasser, herrührend von den kleinen, frei herumschwimmenden Algen Limnochlide flos aquae und Aphanizomenon flos aquae. Limnochlide flos aquae ist eine Alge, die wir in unseren Teichen ziemlich oft antreffen. Massenhaft pflegt sie sich namentlich in den Dorfteichen und Angern, überhaupt in Gewässern, die sehr nahe an menschlichen Wohnungen liegen, zu vermehren. In zweiter Reihe kommt sie, freilich nur zerstreut, in solchen Teichen vor, die mit den ersteren irgendwie in Verbindung stehen, oder sonst von menschlichen Wohnungen entfernter liegen, beziehungsweise denselben sich nur mit einem Ufer nähern. In letzterem Falle sehen wir oft, dass in grösseren Teichen diese Alge nur in einer Bucht zu finden ist, so lange sie Wind und Wellenschlag nicht über den ganzen Teich zerstreuen. 90 So lange sich die Alge nur an einzelnen Stellen concentrirt, pflegt das Wasser bis auf V2 Meter Tiefe durch sie impraegnirt zu sein und zeigt dann eine lebhaft grüne Färbung. Freilich hängt diese Erscheinung von dem Grade der Eut- wickeluug der Alge ab. In der Regel ist im zeitlichen Frühjahr das Wasser noch klar und erst im Mai, wenn die zarten Flöckchen dieser Alge sich zu zeigen beginnen, fängt es an grünlich zu werden; Ende Mai und Anfangs Juni pflegt das Wasser diese aus vielen Fäden bestehenden Flöckchen in Masse zu enthalten und der Landmann sagt dann: „das Wasser blüht". Dieses Stadium hält den ganzen Monat Juni und oft auch den Juli hindurch an, doch um diese Zeit ist bereits eine Abnahme dieser Flöckchen in der pelagischen Zone wahrzunehmen, und es bilden sich Knäuel mit Sporenzellen ; diese Knäuel mehren sich und ziehen sich mehr in die Buchten zurück, so dass das Wasser sich wieder zu klären beginnt. Bei grossen Hitzen gehen die massenhaft in den Buchten angesammelten Algen in Verwesung über, das Wasser wird an solchen Stellen trüb, rostfarbig, und ver- breitet einen unangenehmen Geruch. Es ist bekannt, dass unter diesen Umstanden in kleinen Teichen auch erwachsene Fische zugrunde gehen; solch' ein massen- haftes Absterben von Fischen ist kaum durch etwas anderes, als durch den im Wasser vor sich gehenden Verwesungsprocess zu erklären, wenn wir auch noch keine directen Beweise über die schädlichen Einwirkungen dieser Alge auf die Ge- sundheit der Fische besitzen. Dass diese Algen, wie man früher glaubte, auch ein wichtiger Bestand- theil der Karpfennahrung sein sollten, ist kaum anzunehmen ; erstens spricht schon die Natur der Karpfennahrung dagegen, zweitens auch der Befund der Karpfen- nahrung in Teichen, wo diese Alge vorkommt und füglich auch der Umstand, dass diese Alge pelagisch aufzutreten pflegt und die pelagischen Organismen, ob nun pflanzlich oder thierisch, in der Karpfennahrung, wie später gezeigt wird, absolut nicht enthalten sind. Soüst kann eine zahlreiche Vermehrung dieser Alge im Teiche auch in der Hinsicht von Bedeutung sein, als dieselbe den pflanzenfressenden Fischen und ver- schiedenen Kleinthieren zur Nahrung dienen kann und iudirect zur Vermehrung der für die Raubfische nöthigen Nahrung beiträgt. Nur so lässt sich auch erklären, dass diejenigen Teiche, iu welchen diese Alge spontan (also nicht durch Verschleppung) vorkommt, in der Regel die nahrhaftesten Teiche zu sein pflegen. Anabaena flos aquae ist gleichfalls eine pelagische, in Form kleiner, kaum wahrnehmbarer Punkte erscheinende Alge, die sich unter dem Mikroskop als eine gedrehte Kette von Zellen darstellt. Das mit dieser Alge durchsetzte Wasser ist grün und macht den Eindruck, als wenn es klar wäre, im Glase aber bemerkt man staubartige Organismen, die eben diese Alge sind. In den von mir untersuchten Teichen fand ich sie nur einmal, u. z. im Juli und August in dem Komarover Teiche bei Dymokur. (Im Frühjahre war in diesem Teiche auch eine Menge der erwähnten Limnochlide, die aus dem höher gelegeneu Teiche Vrazda herübergeschwemmt war). Diese Alge füllte nicht den ganzen Teich, sondern, u. z. sehr intensiv, nur seinen mittleren Theil, und überall dort, wo sie die Wellen antrieben, sei es an den Stengeln der Wasserrose, 91 am Schilf oder an Steinen, verursachte sie prachtvoll blaue Spuren. Ihre Bedeutung im Teiche wird wohl dieselbe wie jene der anderen Algen sein, obzwar sie auf den Gesundheitszustand der Lebewesen keinen günstigen Einlluss auszuüben scheint. Die Bewirthsehaftung böhmischer Teiche. Im allgemeinen wird die Teichwirthschaft in Böhmen nach dem alten Systeme, mittels Streich-, Streck- und Hauptteichen betrieben. Nur auf der Herr- schaft Wittingau ist die Bewirthsehaftung der Teiche nach dem neueren Systeme von Dubisch, mit Streichteichen, Brutstreckteichen und Streckteichen eingeführt. Auch wird hier regelmässig eine Melioration des Teichbodens vorgenommen und die Teiche werden systematisch trockengelegt. Auf den übrigen böhmischen Teichen findet eine Verbesserung des Bodens nur durch Trockenlegung statt, doch geschieht dies nur selten und sehr unregelmässig, nur hie und da wird ein Teich regel massig trockengelegt und gesämert. Allein die Trockenlegung wird nicht immer so ausgeführt,, wie es die Beschaffenheit des Bodens erheischen würde. So entspricht auf Sandboden und thonigsandigem Boden, sowie überhaupt auf ausgespültem Boden die blosse Trockenlegung nicht ihrem eigentlichen Zwecke, denn nicht selten beein- trächtigt sie auch die obersten Erdschichten, wenn durch den durchlassbaren Boden wichtige Nährstoffe in die Tiefe geschwemmt werden können, so dass nach der Trockenlegung die Oberfläche nur mit einer ausgenützten, wenig productiven Sand- lage bedeckt bleibt. In dieser Weise wird zum grössten Theile der Zweck der Trockenlegung eines Teiches noch aufgefasst. Es ist geradezu eine Nothwendigkeit einen Boden, während er trocken liegt, anzubauen ; wird aber kein Dünger hiezu verwendet, so ist meines Dafürhaltens das Beste, die noch grüne Frucht, also vor ihrer Reife, bevor sie weniger auf- lösliche organische Stoffe gebildet hat, einzuackern und den Teich, sobald sich die eingeackerte Pflanzensubstanz zu zersetzen beginnt, zu spannen und recht bald mit Brut zu besetzen. Namentlich da würde sich dieses Verfahren als sehr nützlich erweisen, wo man einen derartigen Teich nach dem System von Dubisch als Brut- streckteich benützen und Ende Juni oder Anfangs Juli mit Brut besetzen würde. Der sandige Teichboden jedoch, obzwar diese Art von Melioration seine Fruchtbarkeit schon sehr unterstützt, erheischt eine noch viel wirksamere Be- fruchtung, die allerdings nur durch eine gehörige Düngung erzielt werden kann. Solchen Bodenarten mangelt es in der Regel an Humus, Kalk und Phosphorsäure. Die Humussubstanzen können als Mist und Jauche direct in den Teich geleitet werden, sei es nun dass derselbe schon unter Wasser oder kurz vor der Span- nung ist, wogegen die künstlichen Düngstoffe, nämlich Kalk und Phosphate, dem Boden schon früher mitgetheilt werden müssen und bevor der Teich gespannt wird, muss der Boden mit einer geeigneten Frucht angebaut werden. Die Wich- tigkeit des organischen Düngers ist in keinem Teiche zu unterschätzen, mag der Boden wie immer beschaffen sein; als absolute Nothwendigkeit erweist sich die Anwendung desselben namentlich bei kalkig-lettigem Boden, wo unter normalen 92 Umständen die für die Entwickelimg der Teicbfauna gegebenen Verhältnisse recht ungünstig sind, wenn es an organischen, befruchtenden Substanzen mangelt. Ich war bemüht, auch solche Daten zu erlangen, nach welchen es möglich wäre, die wirthschaftlichen Verhältnisse an unseren Teichen auch ziffermässig dar- stellen zu können. Die angestrebten Daten wurden mir nur von den löblichen Directionen der Herrschaften Zbirow und Chlumetz mitgetheilt ; einige diesbezügliche Angaben finden sich in Susta's „Karpfenet-nährung", im Ganzen aber sind diese Daten unvollständig, so dass ich von einer übersichtlichen Darstellung derselben ablassen muss. Nicht umhin will ich aber einige Erkenntnisse, die aus den An- gaben über Lage, Besetzung und Fang resultiren, hier doch hervorheben. Ver- hältnissmässig beträgt der geringste Zuwachs pro Hektar für eine Hitze II' — 15 Kg. Weniger als diese Norm beträgt nur der Ertrag am Stahkowteiche, da derselbe nicht mit einer dem Flächenraume angemessenen Brut versorgt wird. (Der Zu- wachs betrug da auch nur 5" 7 Kg.) Bei den meisten Teichen mittlerer Pro- ductivität, wenn die weder trockengelegt noch sonst meliorirt werden, beträgt der Zuwachs pro Hektar in einer Hitze 20 — 30 Kg. Die Höhe von 30 — 40 Kg. erreicht der Zuwachs unter Obwaltung von natürlichen Verhältnissen nur in Teichen, die günstig situirt sind, denen reichliche Anschwemmung, befruchtende Substanzen aus nahe gelegenen menschlichen Wohnungen etc. zu Theil werden, oder in Teichen, die von Natur fruchtbar oder wenn unfruchtbar, durch Sämerung verbessert werden. Bei von Natur aus besseren Teichen steigt ihre Productivität durch Trocken- legung auf 40 — 50 Kg. pro Hektar für eine Hitze, durch Melioration, Düngung etc. bis auf 90 und 100 Kg. Es gibt aber auch Teiche von natürlich gTÖsserer Productivität, welche 130 — 150 Kg. (ausnahmsweise auch 200 Kg.) beträgt. Auch dieser Ertrag kann durch Melioration noch bedeutend erhöht werden. Diese ZijEfern können besser praecisirt werden, wenn wir den Zuwachs per Stück in Vergleich ziehen : Am niedrigsten stellt sich derselbe auf 017 Kg. für eine Hitze; und steigt den oben angegebenen Verhältnissen gemäss, auf 0*2 — 0*3 Kg. in trockengelegten, ge- düngten und meliorirten Teichen beziffert sich der Zuwachs bis auf 0*7 — 0*8 Kg. für eine Hitze. Freilich hängt der Zuwachs per Stück nicht nur von der Nahr- haftigkeit des Teiches, sondern auch von der Grösse der Besetzung ab. Diese ist jedoch sehr verschieden. In Teichen, die nie oder nur selten trocken liegen, werden unter verschiedenen Verhältnissen 2 — 7 Schock Fischbrut eingesetzt ; der Zuwachs per Stück richtet sich z. Th. nach der Menge der Besetzung, jedoch nur bis zu einer gewissen Grenze. Als Beispiel hiefür möge nur der Stankover Teich angeführt werden, wo die Besetzung bis auf 13 Stück pro Hektar reducirt wurde ohne dass der Zuwachs per Stück mehr als 0-oG Kg. pro Hektar in einer Hitze betragen hätte. Es ist demnach bei Teichen, die im natürlichen Zustande erhalten und nicht künstlich befruchtet werden, die Productivität auf eine gewisse Norm beschränkt, auf welche die Höhe der Besetzung keinen Einfluss mehr hat. Nur diese totale Productivität, wie schon oben angeführt, kann durch Bewirthschaftung erhöht werden, wobei die, behufs Erzielung grösserer Fische verminderte Besetzung, nicht unter eine gewisse Norm gehen soll, da hiedurch die totale Productivität des Teiches leicht beein- tiächtigt werden jjann. 93 Solche Normen für den allgemeinen Bedarf in ZilTorn festzustellen, ist heute wohl noch nicht möglich; nur für eine gewisse Reihenfolge in der Be- wirthschaftung der Teiche z. B. nach dem System von Dubisch, kann der Umfang der Besetzung annähernd bestimmt werden; doch auch hier muss der Teichwirth immer die gegebenen Verhältnisse mit in Rechnung ziehen. Die Ausbreitung unserer Teiche ist sehr verschieden ; zu Streichteichen werden gewöhnlich Gewässer im Ausmasse von 2 — 20 Hk., zu Streckteichen von 4 — 50, oft auch grössere, zu Hauptteichen wenigstens 10 — 20, doch häufiger von 20 — 80 beziehungsweise bis zu 500 Ha. und mehr benützt. Wenn wir nun diese Masse in Betracht ziehen, so finden wir, dass namentlich die Wahl der Streich- teiche oft verfehlt ist ; da aber die moderne Teichwirthschaft für ihre Zwecke eher kleinere als grössere Teiche beansprucht, so würde ihr Betrieb bei uns ein sehr günstiges Terrain finden, namentlich wenn zur Theilung grösserer Teichflächen ge- schritten werden möchte. In Darlegung von rein wirthschaftlichen Details kann ich mich hier nicht einlassen, umsomehr, als die Regeln der Teichwirthschaft von praktischen Teichwirthen schon anderwärts festgestellt wurden. Ob sich nun der Teichwirth an das alte System der Streich-, Streck- und Hauptteiche oder an das System von Dubisch mit seinen Brutstreckteicheu und Streckteichen hält, dem der Vorzug gebührt, so hat er in beiden Fällen mit dem Teichboden so umzugehen, wie mit der Ackerkrume. Die in dieser Beziehung, namentlich von Director J. Susta praecisirten Regeln können immerhin noch ergänzt oder z. Th. verbessert werden, namentlich auf Grunde der bei der Durchforschung gesammelten Erfah- rungen, und würden in der Hauptsache folgendermassen lauten. 1. Der Pflanzenwuchs am Teich emöge imAll gemeinen nicht als ein Übelstand betrachtet und daher vernichtet werden. Es ist geboten die Teichflora da zu erhalten, wo es ihrer zur Beschützung der weichen Ufer nöthig ist und an anderen Stellen möge sie nur geduldet werden; hingegen möge die reiche, pelagische Vegetation (im offenen Wasser) nicht nur geduldet, sondern da wo sie fehlt, namentlich in grösseren Tiefen künstlich verpflanzt werden. Die Laichkräuter sind als die für diesen Zweck geeignetsten Pflanzen zu betrachten. 2. WährendderTrockenlegung desTeichesmöge seinBoden regelmässig angebaut werden. Namentlich empfiehlt sich bei Einführung des Dubisch'schen Systems der Gründünger*) für den Teichboden, der sowohl bei sandigen als auch bei lehmigen Böden vorzügliche Dienste leistet, dabei sich viel billiger stellt als die Zufuhr von Stalldünger und nebstdem dem Boden weit mehr Stickstoff als dieser zuführt. Diesem Verfahren möge je nach Bedarf auch Kal- kung und Phosphatdüngung vorangehen, wodurch der Boden für den Anbau von Hülsenfrüchten, beziehungsweise für die Gründüngung durch dieselben, günstig ge- macht wird. Für sandigen Boden eignen sich am besten Serradella, Lupine oder Meerstrandsplatterbse (Pisum maritimum), für Lehmboden die gemeine Erbse, Wicke oder Klee. *) Die Gründüngung ist auch so durchzuführen, dass man eine angemessene Futter- frucht anbaut, eine Fechsung derselben benützt, die nächste aber eingeackeit. 94 4. Die Fauna. Der Einfluss der Lage und der Umgebung des Teiches auf die Natur, die Entwickelung und die Menge seiner Fauna. Die Lage eines Teiches kann mehrfach unterschieden werden. Vor Allem geographisch, mit Rücksicht auf die Erhebung über den Meeresspiegel. In dieser Beziehung sind unsere Teiche verschieden situirt, doch der Einfluss der Höhenlage kommt nur dann zur Geltung, wenn sich die Wirkung der ungünstigen Witterungs- verhältnisse oder sonst die Ungunst der Localität an und für sich bemerkbar macht. Solcher Thiere, deren Vorkommen nur auf eine gewisse überseeische Höhe beschränkt wäre, gibt es in unserer Teichfauna nur wenig, und ausserdem sind es auch nicht solche Formen, die den Faunacharakter irgendwie bestimmen würden. Zu diesen gehören z. B. Daphnia caudata, Daphnia ventricosa, Scapho- leberis obtusa, Bosmina bohemica, Acantholeberis curvirostris, Alonopsis elongata. Formen, die in unseren Böhmerwaldseen bei ca. 1000 M. Höhe ü, d. M. anzu- treffen sind. Von denjenigen Arten, die für den See- oder Teichcharakter der pelagischen Fauna unserer Teiche bezeichnend sind, kommen die typischen Seeformen erst von 400 M. ü. d. M. an vor, wogegen die typischen Teichformen von den niedrigsten Lagen bis zu einer Höhe von 700 M. ü. d. M. und höher verbreitet sind. Zu den ersteren gehört Holopedium, Daphnella Brandtiana und Conochilus volvox, zu den letzteren Leptodora Kindtii, Hyalodaphnia cucullata und Daphnella brachyura. In übersichtlicher Weise veranschaulicht diese Verhältnisse die nachste- hende Tabelle: Verbreitung der pelagischen Formen der böhmisclien Teiclie nach der Höhe über dem Meere. Form Meter über dem Meere 200—300 300—400 400—500 500—600 600—700 700—1000 I Holopedium . . Daphnella Brandtiana . . Conochilus . . Heterocope Diaptomus . . Asplanchna . Leptodora . . Daphnella brachyura . . Hyalodaphnia cucullata . Anurea longispina .... Polyphemus 95 Insoferne es überhaupt möglich ist aus dieser Übersicht irgendwelche Schlüsse zu ziehen, so erhellt aus derselben, dass sich die typische See- und Teichfauna in ihrer verticaleu Verbreitung in der Höhenlage von 400 — 700 M. berühren, und die Behauptung, dass die Seefauna regelmässig nicht unter und die Teichfauna nicht über diese Höhenzone steigt, kann nur mit Beziehung auf unsere Verhältnisse aufgestellt werden. In Uibereinstimmung damit befinden sich die Teiche mit gemischter Fauna eben in dieser Höhenlage, wo dann der See- charakter der Fauna sehr oft durch die Teichformen verwischt wird oder den Teichcharakter gänzlich annimmt. Die Uferfanna weist nicht einmal diese Unterschiede auf, denn die Mehr- zahl ihrer Formen kommt in allen in der Tabelle angeführten Höhen vor und es haben in der That auch die eigentlichen, höchstgelegenen Seen in ihrer Uferfauna keine Formen, namentlich von Crustaceen, die von den Teichformen verschieden wären. Es ist also nur den pelagischen Formen nach möglich, den Charakter der stehenden Gewässer beurtheilen zu können. Die bisherigen Durchforschungsresultate berechtigen zu der Annahme, dass die Mehrzahl (wenn nicht alle) der in der Höhenzone von 400—700 M. ü. d. M. gelegenen Teiche ursprünglich einen Seecharakter hatte. Dies gilt namentlich von den vielen südböhmischen Teichen (Chlumetzer und Neuhauser), doch wurde die charakteristische Seefauna von der Teichfauna nach und nach verdrängt, und es scheint, dass die Verminderung der Seefauua auf Kosten der Teichfauna noch immer vor sich geht. Dabei ist nun eine Reihe verschiedener Übergänge wahrzunehmen : 1. Wo durch den Einfluss natürlicher Veränderungen, so z. B, durch mächtige Ausbreitung der Vegetation, die für die Existenz der pelagischen Formen, Holo- pedium, Conochilus und Daphnella Brandtiana, günstigen Bedingungen zu schwinden beginnen; da pflegt die Teichfauna noch durch keine typischen Formen vertreten zu sein und es zeigen sich nur einige, mehr die Uibergangsform darstellende Arten, wie z. B. Asplanchna; 2. Wo durch die Folgen der Bewirthschaftung (so z. B. durch häufige Trockenlegung, Sämerung etc.) die Seeformen unterdrückt und für das Eindringen und die Entwickelung der Teichformen günstige Verhältnisse geschalfen wurden. Sodann vermehren sich die früher nicht zahlreichen Arten, die vielleicht nur durch Zufall und Verschleppung (durch Vögel, Wasserfluthungen etc.) in den Teich gelangten; unter normalen, natürlichen Verhältnissen hätten sich solche Formen gegen die zahlreiche Seefauna nur schwer behaupten können und wären zum grössten Theile vielleicht wieder verschwunden, wenn die neuge- schaffenen Verhältnisse ihrer Vermehrung nicht förderlich gewesen wären. So finden wir Teiche, wo die ausgeprägte Seefauua wohl noch ihre Repraeseutanten aufweist, doch sehr bemerklich machen sich daselbst auch die Vertreter der ty- pischen Teichfauna, als z. B. neben Holopedium auch Leptodora und neben Daph- nella Brandtiana auch Daphnella brachyura zu finden ist. 3. Wo durch Steigerung der angeführten Einwirkungen fremder Elemente die Entwickelung und Vermehrung der Teichfauna in dem Masse unterstützt wird, dass füglich diese die Oberhand gewinnt und die Seefauna gänzlich unterdrückt; so finden wir in umittelbarer Nachbar- schaft von Teichen, die noch eine reine Seefauna oder eine gemischte Fauna be- sitzen, auch Teiche, wo bereits die reine Tauchfauna dominirt. Diese Einwirkungen 96 werden namentlich durch die Nähe der menschlichen Wohnungen bedingt, da der Zufluss von erdigen und organischen Anschwemmungen eine namhafte Veränderung des Teichgrundes und des Wassers sowohl in physikalischer als auch chemischer Beziehung hervorruft, wogegen bei Teichen, die von menschlichen Wohnungen und kultivirtem Land entfernt liegen, der Einfluss der fremden Elemente nur wenig oder gar nicht zur Geltung kommt. Ausser der Höhenlage des Teiches spielen bei solchen Veränderungen und Übergängen der Teichfauna zur Seefauna noch andere Verhältnisse eine grosse Rolle. In erster Reihe ist die Umgebung des Teiches oder Sees massgebend. Je weiter der Teich nicht nur von menschlichen Wohnungen, sondern auch von bel)autem Lande überhaupt entfernt ist, und je weniger Anschwemmungen er von solchen Stellen aus erhält, desto mehr bleibt dem Wasser sein ursprünglicher Cha- rakter, seine ursprüngliche Fauna erhalten u. z. in höheren Lagen der Seecharakter, in niedrigeren der reine Teichcharakter ; in solchen Fällen können die angeführten Verhältnisse nur durch zweierlei Faktoren hervorgerufen werden: entweder wird der Teich von zahlreichem Wassergeflügel besucht, wodurch leicht die Vei schleppung einer anderen Fauna bewirkt wird — doch bleibt in diesem Falle solch ein fremder Typus der ursprünglichen Fauna immer untergeordnet, oder, es wird der Teich- grund durch Menschenhände periodisch kultivirt (gesämert, gedüngt etc.), in welchem Falle sich die untergeordneten Arten leicht vermehren und durch ihre Überzahl dem Teich einen anderen faunistischen Charakter verleihen können. Wenn sich hingegen die Umgebung des Wassers irgendwie geändert hat, so z. B. dass der Wald einem cultivirten, gelockerten, bis an die Teichufer reichenden Boden weichen musste, ändert sich durch die Entfernung des Waldes nicht nur die Durchwärmungsfähigkeit des Wassers, sondern in Folge der Erdanschwemmung auch die Beschaflenheit des Bodens ; die neugestalteten Verhältnisse wirken auf die Entwickelung der hier ursprünglich ansässigen Fauna nachtheilig und diese wird dann von den zufällig hierher gelangten Formen (durch Zufluss etc.) zurück- gedrängt. Dieser Wechsel der Fauna wird auch durch die in Folge der veränderten Verhältnisse nicht selten vor sich gehende Veränderung der Flora unterstützt. Auf diese Art kann die reine Seefauna den Charakter einer gemischten Fauna an- nehmen, oder der Teichfauna ganz weichen; diese kann in gleicher Weise, wenn der Teich so vernachlässigt werden sollte, dass sich in demselben das angeschwemmte Erdreich anhäuft und die Sumpfvegetation überhand nimmt, durch die Fauna der Pfützen verdrängt werden, wobei sich die pelagische Fauna successive ganz verliert. Dies kann jedoch nur an solchen Loc alitäten stattfinden, wo wenigstens einige, die Entwickelung der Teichfauna begünstigende Factoren unverändert bleiben ; aber wenn sich auch schädliche Einflüsse beigesellen, so z. B. wenn das Wasser zu sehr verwächst und die Uferpflanzen zu viel Schatten werfen, oder wenn es zu seicht zu werden anfängt etc., so verschwinden nicht nur die pelagischen, sondern auch die litoralen Formen; unter die letzteren stellt sich anfangs eine grössere Mannigfaltigkeit ein, indem eine grosse Anzahl der meist verbreiteten Arten sich zu vermindern beginnt und an ihre Stelle andere Arten treten. Gewässer mit solch' einer Fauna gibt es sehr viele und dieses ihr Stadium ist nur als ein Symptom der beginnenden Verarmung des Wassers zu betrachten, in dem ausser 97 den kleinsten litoralen Crustaceen, Infusorien, Rliizopoden, Rutaturien etc. nicht mehr viel zu finden ist. Ein so verarmtes Wasser lässt sich durch blosse Trockenlegung des Teiches nicht verbessern; in demselben herrscht ein zu grosser Mangel an organischer Nahrung und es muss dieselbe daher auf andere Weise dem Wasser zugeführt werden. Die Trockenlegung des Teichbodens ist nur dann von gutem Erfolge be- gleitet, wenn der Teichboden überhaupt noch nicht aufgehört hat productiv zu sein, denn es wird dadurch nicht nur der Boden durch Austrocknung, Ijuftzutritt etc. verbessert, sondern auch die Eutwickelung der Keime der Teichfauna wesentlich unterstützt; dies gilt namentlich von jenen Thieren, die persistente, oder s. g. Wintereier haben, in denen der Keim eine längere Zeit ruhen muss, der Aus- Wcärmung und oft einer trockenen Periode bedarf,' wie durch Erfahrung hinlänglich erwiesen ist, um sich entwickeln zu können; so z. B, ist von den Eiern einiger Crustaceen bekannt, dass sie eine Zeitlang trocken liegen müssen, wenn sie über- haupt zur Eutwickelung gelangen sollen. Freilich werden durch die Trocken- legung des Teiches dagegen wieder solche Arten vernichtet, die nur Sommereier haben, oder die zu ihrer Eutwickelung eine längere Zeit beanspruchen. Zu diesen gehören, beziehungsweise werden durch Trockenlegung leicht vernichtet, die Weich- thiere, grössere Insecten, mehrjährige Larven u. ä. Als Ersatz dafür finden dann, nach der Trockenlegung, die Insecten für ihre Larven günstige Wohnsitze und hinreichende Nahrung, so dass diese Kategorie der Teichfauna sich bald und regel- mässig wieder ersetzt. Dem productiven Boden kommt also schon die blosse Trockenlegung sehr zu Nutzen. Dies zeigt sich auch bei veraltetem, nicht mehr productivem Boden, doch in geringerem Masse; durch Trockenlegung bessert sich wohl der erschöpfte Boden, indem er productiver wird, doch wenn demselben nicht zugleich ein Ersatz an organischen Nährsubstanzen zugeführt wird, so wird bald der kleine Erfolg durch den Mangel an letzteren wieder paralysirt, und in nicht langer Frist stellt sich der frühere Zustand wieder ein. Andere Verhältnisse wieder stellen sich da ein, wo der Teichboden durch mehrere Jahre trocken lag, weder gesämert, noch sonst mit anderen Pflanzen bewachsen war ; da wo es an Pflanzenwuchs (namentlich an Uferpflanzen) mangelte, ist im ersten Jahre in der Regel keine erhöhte Pro- ductivität wahrzunehmen, da diese sich bei einem solchen Boden erst später, ge- wöhnlich erst im zweiten Jahre einstellt. Soweit ich am Gatterschlager Teiche bei Neuhaus bemerken konnte, vermehrte sich bei dessen, erst nach 10 Jahren erfolgten Spannung, anfangs nur diejenige Fauna, die in den die ganze Zeit hindurch unter Wasser belassenen Teichtheilen erhalten blieb ; dass diese Fauna in den neu unter Wasser gesetzten Partien nicht ins Leben gerufen wurde, war schon daraus zu schliessen, als sie, je weiter von ihrer ursprünglichen Wohnstätte entfernt, immer spärlicher auftrat, an ihrem Ursprung aber am zahlreichsten vorkam. Nur diejenigen neu unter Wasser stehenden Teichtheile zeigten eine grössere Productivität an an- deren Thierformen, die bei geringer Tiefe mit niedrigem Rasen von Landpflanzen bewachsen waren, oder wenn die eigentlichen Wasserpflanzen (namentlich Manna- gras und stellenweise auch Schilf und verschiedene Repraesentanten der Torfflora) 7 98 sich da anzusiedeln begannen. Solch ein Resultat liefert die blosse Trockenlegung des Teiches namentlich bei erschöpftem Sandboden, der wenn trocken, nur wenige oder gar keine Pflanzen producirt. Hier stellt sich die Nothwendigkeit ein, diesem Mangel durch Bestellung des Bodens mit einer Feldfrucht abzuhelfen; damit aber diese gedeiht, so muss der Boden früher durch Pflug und Dünger gehörig be- arbeitet werden. Wenn wir dies jedoch nicht thun wollten, so ist rathsam, die Saat als Düngung dem Boden zu belassen, denn der Nutzen davon wird grösser sein, als wenn wir die Frucht ernten und so den Boden, statt ihn zu bereichern, um gewisse Substanzen berauben würden. Sehr oft geschieht es, dass von Teichen, die eine Reihe von Jahren trocken lagen und mit viel Schlamm sich anfüllten, der Schlamm für Composthaufen verwendet oder auf Felder geführt wird. In der Regel pflegen solche Teiche nur in ihrer Mitte verschlammt zu sein, an den Rändern sind sie dagegen steril und ausgewaschen. Wenn nun der in der Mitte an- gehäufte Schlamm gänzlich abgeführt wird, so wird dadurch die Productivität des Teiches wesentlich beeinträchtigt und viel verständiger wäre es, wie Director J. Susta dies thut, den Schlamm, wenn er trockener geworden ist, zu heben, denselben au die Ränder anzuführen, und dann die ganze Teichfläche zu düngen und zu besäen. Säugethiere und Vögel. Die an unseren Teichen vorkommenden Säugethiere und Vögel ziehen wir in das Gebiet unserer Betrachtungen nur insoferne ein, als ihre biologischen Be- ziehungen zu der übrigen Teichfauna berücksichtigt werden sollen. Diese Bezie- hungen sind zweierlei Art: 1. Diejenigen Vögel und Säugethiere, die lebelang oder nur für eine Pe- riode ans Wasser und dessen Ufer gebunden sind, suchen daselbst ihre Nahrung auf; 2. von einem Wasser auf das andere kommend, übertragen sie die Keime der Teichfauna und Flora, besonders aber der Algen. In ersterer Hinsicht sind Säugethiere und Vögel als schädlich zu betrachten, sei es dass sie direct von Fischen sich nähren, oder Insecten und andere kleine Wasserthiere aufsuchen, wodurch sie die Nahrung der Nutzfische schmälern; auch sind sie die Wirthe vieler Parasiten, die dann in Fische übergehen. In anderer Hinsicht sind es hauptsächlich Vögel, die an ihrem Gefieder die Gemulen der Spon- gien, die Statoblasten der Bryozoen, die Ephipien und Eier der Crustaceen, ja oft ganze Schnecken und die Sporen der Algen übertragen und auf die Art zur Ver- änderung der Fauna, wie ich in dem früheren Kapitel erwähnte, viel beitragen. Vielleicht ist diesem Umstände auch die auffallende Gleichartigkeit der Uferfauna an allen Orten zuzuschreiben, da im Gebiete derselben die meisten Vögel zu nisten pflegen. Amphibien und Reptilien. Grössere Teiche werden in der Regel nur von wenigen Arten und einer geringen Anzahl von Amphibien bewohnt. In kleineren Gewässern, so z. B. in 99 StreicMeicheu, gibt es deren oft in Überfluss. Hier fällt ihre Anzahl sehr ins Gewicht, denn ihnen werden die grossen Verluste an frisch ausgeschlüpfter Brut zur Last gelegt. Als ein Hauptschädling dieser Art ist der grüne Teichfrosch (Rana esculenta) zu betrachten ; derselbe pflegt auch in grösseren Teichen, in Gesellschaft von erwachseneren Fischen vorzukommen, wo er dann die Ursache einer eigen- thümlichen Erscheinung sein kann; wenn nämlich die Männchen an Zahl die Weibchen stark überwiegen, so geschieht es, dass sich die Froschmännchen an die Karpfen, und zwar an ihren Kopf festsetzen, und ihre Füsse in die Augen- gruben stemmen. Der so belästigte Fisch magert ab, und geht eventuell zu Grunde. In grösseren Teichen pflegen diese Frösche, namentlich im Frülijahr, zur Paarungszeit häufig zu sein ; wenn sie dann seltener zu werden beginnen, so wäre es ein Irrthum, anzunehmen, dass sie andere Gewässer aufgesucht haben, sondern sie fallen den sie verfolgenden Hechten zum Opfer. In kleineren Gewässern halten sie sich oft den ganzen Sommer hindurch in grosser Zahl auf, und wenn hier Fische, die animalischer Nahrung bedürfen, gezüchtet werden, so benachtheiligt sie die Menge von Fröschen ungemein, indem sie ihnen die Nahrung streitig macht; dies gilt namentlich von solchen Fischen, die ihre Nahrung auch aus der Luft holen, wie es z. B. die Forellen sind, denen die über dem Wasser schwebenden Insecten sehr zu Gute kommen. Von verwandten Arten halten sich in Teichen nur wenige und auch nur zur Paarungszeit auf; von den Kröten ist es nur die Unke, die den Sommer hindurch im Wasser bleibt. Eine verhältnissmässig seltene Erscheinung in unseren Teichen sind Molche. Die gemeinen Arten, Triton cristatus und Tr. taeniatus, sind selten und zumeist nur in kleinen schattigen Teichen an- zutreffen, und Triton alpestris kommt in den Böhmerwaldseen vor. Selten begibt sich auch eine Ringelnatter in den Teich, um daselbst einen Frosch oder einen kleinen Fisch zu erbeuten. Fische. Unsere Teiche werden gewöhnlich mit Karpfen, Schleihe, Hecht und Zander besetzt, seltener, u. z. erst in neuerer Zeit, auch mit Aal und Maraene. Auf der Wittingauer Herrschaft wurden auch mit amerikanischem Barsch, verschiedenen Maraenen, Saiblingen, Zwergwelsen und anderen Fischen Versuche angestellt. Ausser diesen Arten kommen in unseren» Teichen noch andere Fische vor, die V Director Susta mit Rücksicht auf ihre Biologie, treffend in Kleinthierfresser, Räuber und Pflanzenfresser eintheilt. Zu den ersten gehören die Karausche, der Grassliug, die Zärthe, der Uckelei, die beiden Bleie, die grundelartigen Fische und das Mo- derlieschen; sie suchen dieselbe Nahrung auf wie der Karpfen, die Schleihe und die Maräne, und da sie zumeist ganz werthlos sind, so werden sie in Teichen ungern gesehen. Freilich kommen diese Arten nicht überall vor ; das Moderlieschen beschränkt sich nur auf einen Theil der südböhmischen Teiche, doch dringt es überall gerne ein und kann namentlich in Streichteichen sehr schädlich werden ; der Grassling, die beiden Bleie und die grundelartigen Fische (Wetterfische, Schmerle 100 und StüingTundel) koiniueu nur in Teichen vor, die an fliessendem Wasser oder in der Nälie von Flüssen liegen, aus denen sie stromaufwärts in die Teiche steigen können. Als eigentliche Teichfische aus dieser Gruppe sind besonders die Ka- rausche, die Zärthe und der Uckelei zu betrachten ; der letztere ist das eigentliche Unkraut unserer Teiche, kommt fast überall vor und vermehrt sich sehr rasch. Schädlicher wirken auf die Karpfenzucht Bleie ein, wo sie in grösserer Anzahl vorhanden sind, wie dies in einem grossen Theile der südböhmischen Teiche im Flussgebiete der Moldau und ihrer Zuflüsse der Fall ist. Zu den Raubfischen gehören ausser dem Hecht, Zander und Aal noch der Flussbarsch, der Kaulbarsch, die Aalraupe und der Wels. Von den genannten ist nur der Flussbarsch überall zu finden ; derselbe vermehrt sich so rasch, dass durch ihn auch fischarme Gewässer bald und reich bevölkert werden können. In seiner Jugend verbraucht er zwar eine Menge jener Nahrung, die der Karpfen braucht, doch jagt er mehr nach grösseren, im Wasser frei schwimmenden oder ins Wasser gefallenen Thieren und sucht seine Nahrung nicht wie der Karpfen, also am Teichgrunde oder im Pflanzenwuchse auf. Die Nahrung des Flussbarsches, bei zahlreichen, aus verschiedenen Teichen stammenden Exemplaren untersucht, wies zumeist die Bestaudtheile von härteren Objecten auf, so die Reste von Landin- secten, Larven, die im Wasser schwammen, pelagischen Crustaceen u. ä. Obzwar der Flussbarsch durchaus nicht ein so arger Vertilger der Karpfennahrung ist, für den er früher gehalten wurde, so ist bei der Karpfenwirthschaft doch angezeigt, die Zahl der Flussbarsche zu beschränken. Die übrigen Raubfische kommen in un- seren Teichen nur ausnahmsweise vor ; am häufigsten trifft man noch die Aalraupe an ; der Kaulbarsch gelangt nur mit fliessendem Wasser in den Teich und der Wels wird in einigen tieferen Teichen mehr nur als Besonderheit gehalten. Als pflanzenfressende Fische haben wir die Rothfeder, die Plötze und den Döbling zu betrachten. In der Gruppe der „Weissfische" stellen diese drei Arten das Hauptcontingent dar. Da dieselben hauptsächlich Pflanzennahrung auf- suchen (obzwar der Döbel oft auch nach animalischer Kost jagt), so macheu sie den Kleinthierfressern nicht nur keine Concurrenz, sondern sind den in dem Teich gehaltenen Raubfischen selbst eine willkommene Nahrung. In dem Masse als es angezeigt ist, die angeführten werthlosen Fische vom Teich fern zu halten, so sehr empfiehlt es sich die Vermehrung der pflanzenfressenden Fische zu unter- stützen. — Es erübrigt nur noch einiger, auf die Biologie der Fische Bezug habenden Factoren Erwähnung zu thun. V^r Allem ist es die Beschaffenheit der Karpfen- nahruug, welche für den günstigen Betrieb der Teichwirthschaft von grosser Wich- tigkeit ist. Der Besprechung dieses Gegenstandes soll das nächste Kapitel ge- widmet werden. Nicht minder wichtig ist auch der Einfluss, den verunreinigtes Wasser auf das Leben der Fische ausübt. In den letzten Jahren haben einige Teiche durch den Zufluss von Fabrik- wasser sehr gelitten, so namentlich mehrere, an solchen Bächen gelegenen Teiche, in welche das Wasser aus Zuckerfabriken abfällt, stellenweise auch solche, die in der Nähe von Spiritusbrennereien oder der, in neuester Zeit entstandenen Fabriken auf Cellulose situirt sind. 101 Die Wirkung der giftigen Fabrikwässer macht sich im Teiche in dreifacher Richtung geltend: erstens durch Beschränkung der verschiedenen Kleinthieie, zweitens durch Vernichtnng der für das Wohlergehen, beziehungsweise das Leben des Fisches nöthigen Bedingungen, und ferner durch Hervorrufung neuer, die Ge- sundheit des Wassers schädigenden Organismen. Soferne es Regel ist, dass das giftige Abfallwasser nur im Frühjahr abge- lassen wird, so übt es seine verderbende Wirkung auf die Kleinthiere nicht direct, sondern auf die Art, als bei dem scheinbar sich klärenden Wasser ein zu Boden fallender, übel riechender Schlamm sich bildet, der mit einer Menge Pilze durch- setzt, alles Leben schon im Keime erstickt. Nur mehr zufälligerweise wo eine regere Strömung des Wassers den Boden gesünder erhält, vermag sich Leben zu entwickeln, und wenn in reineres Wasser gelangt, auch da zu existiren ; so kommen auch in verdorbenen Teichen, deren Wasser nur ein wenig beweglich ist, im Sommer doch einzelne Crustaceen und solche Formen von Thieren vor, deren Keime an der Oberfläche des Wassers, oder an Pflanzen zur Entwickelung gelangen. Es ist also nicht zu verwundern, wenn im Laufe des Sommers in einem solchen Teiche Bryozoen, Insectenlarven u. ä. sich zahlreich vermehrt haben. Unter den Fischen sind es der Zander, der Hecht und die pflanzenfres- senden Fische, die den giftigen Einwirkungen des Fabrikswassers zuerst unter- liegen; in zweiter Reihe kommt erst der Karpfen und der Aal, am meisten jedoch vermögen diesen Einflüssen die Schleihe und noch mehr die Karausche zu wider- stehen und dieser Eigenschaft wegen lässt sich die letztere Fischart auch in ganz vergifteten, von anderen Fischen verlassenen Teichen erhalten. Karausche und Schleihe sind demnach auch die ersten Fische, mit denen Teiche, bei welchen der Zufluss von Fabrikwasser beseitigt wurde, neu besetzt werden können. Wenn nun dabei eine radikale Melioration des Bodens nicht durchgeführt wird, so kann an eine Besetzung des Teiches mit Karpfen und anderen Fischen lange nicht gedacht werden. Es dauert überhaupt lange, bis durch eine natürliche Veränderung der Verhältnisse die niedere Crustaceenfauna an solchen Stellen sich wieder erholt. In diesem Falle beginnt früher die pelagische als die litorale Fauna sich zu vermehren, und wie wir weiter sehen werden, nimmt letztere als Karpfennahrung im Teich den ersten Rang ein. Aus dem Gesagten geht hervor, dass der Zufluss von aus Fabriken her- rührenden Wässern die regelmässige Teichbewirthschaftung nicht nur sehr stört, sondern sie zumeist auch ganz unmöglich macht, und es soll eben dieser Ver- nichtung von Privat- und öffentlichem Eigenthum mit allen zu Gebote stehenden Mitteln gesteuert werden, was namentlich mit Hilfe der bestehenden Gesetze und bei gehörigem Einschreiten der Interessenten, bei Eilheilung von Bewilligungen zum Baue von Fabriken etc. leicht durchführbar ist. Über die Nahrung des Karpfens. Die Frage, womit sich der Karpfen ernährt, wurde in der Hauptsache von Herrn J. Susta, Director der Herrschaft Wittingau gelöst, nachdem er auf 102 Grund sorgfälliger Beobachtimgeu deii Nachweis lieferte, dass die das Waclisthum des Karpfenkörpers fördernde Nahrung nur animalische Stoffe sind und solche, die in ihrer chemischen Zusammensetzung diesen gleichkommen. Dem ersten Eindruck nach würde man geneigt sein anzunehmen, dass dem biologischen Wissen und dem Teichwirth damit vollkommen gedient ist. Wenn wir uns aber mit diesem Gegenstande eingehender beschäftigt haben, so finden wir, dass sich die Sache nicht ganz so verhcält. Bei der Untersuchung der Karpfennahrung trachtete Herr Susta nur die angeführte Thatsache festzustellen, doch bei der Prüfung der Nahrung, aus was für Arten von Thieren dieselbe besteht, gelangte Herr Susta nicht zu dem sich hier bietenden Resultate, das sowohl für den Biologen als den Teichwirth nicht ohne Interesse sein dürfte. Herr Susta fand nämlich, dass die animalische Nahrung des Karpfens aus Weichthieren, Insectenlarveu, Crustaceen, Würmern u. ä. besteht, kurzwegs, welche Gruppen des Thierreichs dieselbe liefern. Mit den Details dieser Frage und, bei den schon erwiesenen Thatsachen bezüglich der Karpfenuahrung, mit der genaueren Untersuchung derselben mich auch befassend, fand ich, dass hier eine andere Eintheilung der Nahrungsfauna in Betracht gezogen werden muss, eine Eintheilung, welche die Fauna im Teiche, als in drei ■ natürliche Gruppen zerfallend, selbst bildet, nämlich die pelagische, die litorale- und die Schlammfauna. Demgemäss trat auch die Nothwendigkeit ein, die Frage zu lösen, aus welcher dieser Zonen der Karpfen hauptsächlich seine Nahrung nimmt? Diese Frage wäre wohl zum Theil schon durch die Untersuchungen von Susta gelöst, doch erübrigt es nur eine Schlussfolge zu ziehen, zu der er nicht ge- langte. Die meisten dieser Thiergruppen, die nach Susta dem Karpfen zur Nahrung dienen, leben in der litoralen Zone und im Teichschlamme. Nur zwei dieser Grup- pen, die Crustaceen und die Würmer, entsenden ihr Hauptcontingent auch in die pelagische Zone. Aus der zu diesem Zwecke verfassten Zusammenstellung, in der namentlich ])erücksichtigt wurde, ob die untersuchte Karpfennahrung aus der litoralen oder lielagischen Fauna besteht, ist zu entnehmen, dass sie ausschliesslich aus litoralen Arten besteht. Die pelagischen Arten finden sich im Ganzen nur selten und ent- schieden ausnahmweisse im Mageninhalt des Karpfens vor; hauptsächlich gilt dies von den rein pelagischen Arten, wie es Leptodora und Holopedium sind; andere, häufiger gefundene Formen, wie es z. B. Diaptomus ist, sind ihrer Natur nach nicht ausgesprochen pelagisch, denn sehr oft nähern sie sich auch Ufern, wo der Pflanzenwuchs nicht dicht steht. Auch finden sich unter den Nahrungsresten Fragmente von pelagischen Algen (Limnochlide), doch auch diese Algen durchsetzen das Wasser so dicht und in solcher Menge, dass sie in dieser Weise bis in die litorale Zona reichen. Hier könnte vielleicht die Einwendung gemacht werden, dass das seltene Vorhandensein 103 der pelagischen Arten im Mageninhalt des Karpfens wohl durch ihre Zartheit zu erklären ist, indem sie rascher verdaut als die gröberen Formen, nicht mehr wahr- genommen werden können. Dem ist jedoch nicht so, denn auch diese Thierchen besitzen trotz ihrer Zartheit gewisse schwer verdauliche Chitingebilde, die auch in dem bereits aufge- lösten Mageninhalt erhalten bleiben und die, namentlich in der frischen, noch un- verdauten Nahrung, die ich am häufigsten untersuchte, gefunden werden müssten, falls sich der Karpfen mit denselben ernähren würde. Zum Beweise hiefür möge angeführt werden, dass auch solche Formen, welche die pelagische Zone reichlich bewohnen, und deren Körper so beschaffen ist, dass ihre Überreste auch in der verdauten Nahrung conservirt bleiben müssen, wie z. B. jene von Ceratium macro- ceros, in der Karpfennahrung sich absolut nicht vorfinden, obzwar sie da vorhan- den sein müssten, wenn der Karpfen in der pelagischen Zone nach Nahrung suchen würde. Doch auch andere Umstände weisen darauf hin, dass es die Uferfauna ist, die den Hauptbestandtheil der Karpfennahrung bildet. Da ist vor Allem der Umstand in Betracht zu ziehen, dass sich in den Speiseresten des Karpfens auch pflanzliche und eidige Beimengungen vorfinden, die jedoch mehr durch Zufall als Absicht vom Fische verschluckt wurden. Dies hängt freilich damit zusammen, auf welche Art und Weise der Karpfen nach Nahrung sucht und sie aufnimmt. Nur selten sehen wir ihn, dass er im freien, offenen Wasser nach Nahrung schnappen oder jagen würde ; dies thut er, wenn ihn die Noth dazu zwingt oder, wenn an der Oberfläche grosse auffallende Bissen herumschwimmen. Eegelmässig jedoch sucht der Karpfen seine Nahrung am Grunde auf, an Blättern und Stengeln mit dem ausstülpbaren Rüssel so herumfahrend, wie es Susta richtig beschrieb. Es ist also ausser Zweifel gestellt, dass dem Karpfen ausschliesslich die s. g. Uferfauna zur Nahrung dient, und die pelagische Fauna für ihn fast keine Bedeutung hat. Unwillkürlich wirft sich da die Frage auf, wozu denn die pelagische Fauna im Teiche überhaupt vorhanden ist? Es ist natürlich, dass auch diese hier nicht unnütz ist, wenn sie auch dem Karpfen nicht zur Nahrung dient. Ihre kleineren Formen nämlich, wie die Infusorien und vielleicht auch die Rotatorien, dienen den grösseren Arten zur Nahrung, wie ich mich bei Daphnien überzeugte, in deren Nahrung ich Ceratium vorfand. Die grösseren, wie es Daphnien und Leptodoren sind, dienen wieder jenen Fischen zur Nahrung, die mehr ein pe- lagisches Leben führen und im freien Wasser nach Beute jagen. Doch was ist aus den angeführten Thatsachen im Interesse der Teich wirth- schaft, beziehungsweise der Karpfenzucht zu folgern? Dass die Vermehrung der Ufer- und Schlammfauna nach Möglichkeit zu unterstützen ist, nachdem wir er- kannt haben, dass sie hauptsächlich die Nahrung des Karpfens bildet. Wir gelangen somit auch zur richtigen Erkenntniss des Nutzens, den die empfohlene Trockenlegung und Melioration des Teichbodens auch für die Entwickelung der kleinen Thierwelt im Teiche hat, indem der verschlammte, wenig Luft und Nahrungsstoffe, doch sehr viel schädliche Gase enthaltende Boden, auf die thierische Existenz verderblich einwirkt. 104 Aus dem schon früher Angeführten, und der Feststellung der Localitäten, au welchen sich die litorale Fauna vornehmlich aufhält, geht hervor, dass für ihr gedeihliches Dasein ein massiger Bestand von Wasserpflanzen Hauptbediugung ist. Namentlich ist das Vorhandensein von reichen, fluthenden Pflanzen, oder weichem Rasen, der Entwickelung der Uferfauua sehr förderlich; hingegen wird sie durch dichten Pflanzenwuchs, der sie etwa nur hart am Ufer schützen kann, zumeist unterdrückt. Wenn ich allen Verhältnissen nach, wie ich sie kennen lernte, schliessen darf, so würde ich mir das Ideal eines, allen in dieser Hinsicht geäusserten Anfor- derungen entsprechenden Teiches so vorstellen, dass dessen Ufer entweder durch einen weichen Graswuchs, oder, wo dies nicht ginge, wenigstens durch einen schmalen Streifen Schilf geschützt wären, ferner, dass auf der Wasserfläche schwim- mende Inseln (von wenigstens 2 M. im Durchschnitt) u. z. bestehend aus Potamogetou natans (schwimmendes Laichkraut) angepflanzt wären. (Andere passende Schwimm- pflanzen, die jedoch z. Th. seltener sind, sind auch Limnanthemum, Trapa, Hydro- charis und Wasserlinsen, doch letztere nicht in zu dichten Überzügen, ferner andere Laichkrautarten u. ä. ; weniger eignet sich für diesen Zweck das fluthende Manna- gras, sei auch dass es ziemlich zart ist und nicht viel Schatten wirft, seine Blattflächen bieten jedoch keinen günstigen Ptaum zur Ansiedelung der Wasserfauua). Wenn ein so beschaffener Teich, der nebstdem nur am Hauptdamme eine auf den nöthig- steu Flächenraum beschränkte Tiefe hätte, gehörig bewirthschaftet, d. i. in regel- mässigen Perioden trocken liegen und sein Boden bei Lebenskraft erhalten bleiben würde, dann wären auch alle jene Verhältnisse, die ein günstiges Piesultat bedingen, vorhanden, und ein Leichtes wäre es, mit den übrigen wirthschaftlichen Arbeiten nachzuhelfen. Freilich bleibt noch in Betracht zu ziehen, wie sich die Wirkungen der verschiedenen fremden Einflüsse, von denen schon- früher gesprochen wurde, hier kundgeben würden. Die Weichthiere. Die geographische Verbreitung der Weichthiere in unseren Teichen bedingt theilweise das geologische Substrat, zum Theil hängt dieselbe von der Menge und der Beschaffenheit der Vegetation ab, und theilweise hat auch die Lage über dem Meere des betreffenden Wassers Einfluss auf dieselbe. Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass die Mollusken, was die Menge der Individuen und die Zahl ihrer Arten anbelangt, am häufigsten im Gebiete unserer Kreideformation vorkommen; sehr arm an Weichthieren sind dagegen die Gewässer im unteren Silur, reicher sind schon die im Urgebirge und die im Gebiete der erruptiven Gesteine gelegenen Wasserkörper. Im Obersilur in Böhmen be- findet sich nur wenig Teichwasser, so dass aus diesem Gebiet nur sehr wenig Daten über die geographische Verbreitung der Wassermollusken vorhanden sind. Wenn man ihre Verbreitung den Landmollusken nach beurtheilen sollte, so würde man in den Gewässern des oberen Silur auch eine reichliche Anzahl von Mollusken vermuthen; diese Annahme wäre jedoch irrig, wie wir uns davon in den Flüssen 105 und Bächen dieser Formation leicht überzeugen können. Über die Ursache dieser ungleichen Vertheilung ist es schwer auch nur eine Vermuthung aufzustellen, denn aus den übrigen Daten erhellt, dass in gleicher Weise wie die Landmollusken kalkreiches Gestein aufsuchen, die Wassermollusken kalkreiches Wasser bevorzugen und im kalkarmen Wasser nur spärlich auftreten. Sowohl in den Gewässern auf älteren als auch auf jüngeren Anschwemmungen, richtet sich die Menge der vorhandenen Mollusken darnach, woraus diese Anschwem- mungen entstanden sind. Wo unsere Elbe nur eine den Mollusken halbwegs zusa- gende Bucht bildet, pflegt sie eine Menge derselben zu beherbergen, und namentlich sind es die Eibtümpel, die reichlich von Mollusken bewohnt sind ; dagegen ist die Moldau und ihre Zuflüsse an Mollusken arm zu nennen, namentlich im Gebiete der azoischen und silurischen Zone. Auch machte ich die Wahrnehmung, dass in pflanzen- armen Gewässern auch wenig Mollusken vorhanden sind, besonders wenig kommen sie in der schütteren Ufervegetation und zwischen den harten Rohr- und Simsen- bestäuden vor. Die dichten Bestände dieser Art, untermischt mit Kalmus, scheinen diesen Thieren besser zu behagen als die schütteren; ungleich mehr wird aber eine dichte, pelagische Vegetation, namentlich Laichkräuter, von ihnen bevorzugt. In Ermangelung von Uferpflanzen siedeln sich Mollusken nur selten an Steine und Hölzer an. Doch an diese Verhältnisse sind am allerwenigsten die Schlamm- mollusken, besonders Unio, Anodonta, Cyclas, Ancylus u. ä. gebunden. Die Nähe einer harten Uferflora scheinen besonders die grösseren Arten von Schlammschnecken (Limnaea peregra und stagnalis), doch auch einige kleinere Arten, die sich sonst in der reicheren pelagischen Flora aufzuhalten pflegen, auf- zusuchen. Die letzteren werden hauptsächlich durch die Gattung Planorbis und Limnaea repraesentiert, die zahlreichste pflegt jedoch Physa zu sein, seltener Bythinia. Zu den seltensten Erscheinungen in der Teichfauna gehört die vornehm- lich am Grunde sich aufhaltende Paludina vivipara, die mir nur aus dem Pocernicer Teich bekannt ist, sich aber mehr im Zuflüsse des Teiches als im Teiche selbst aufhält. Es scheint auch, wie schon oben bemerkt, dass die Verbreitung der Weich- thiere in unseren Teichen auch von der Höhenlage des Wassers beeinflusst wird, doch besitzen wir noch nicht so viel Daten, um aus denselben entnehmen zu kön- nen, inwieferne die geographische Lage hier eine Rolle spielt. Soviel kann jedoch mit Bestimmtheit angegeben werden, dass die an Mollusken reichsten Gewässer auf die niedrigsten Lagen vertheilt sind, wogegen die Gewässer mit ärmerer Molluskenfauna, durchschnittlich 300-400 M. über dem Meere situirt sind, und noch ärmer sind dann die AVasserkörper, deren Höhenlage 600 M. und mehr beträgt. So sind aus den in einer Höhe von 630 M. ü. d. M. sich befinden- den Padrfteichen nur Planorbis albus und Limnaea peregra bekannt, und aus den Seen im Riesengebirge nur eine Pisidiumart und das nicht zweifellos. Im ersteren Falle darf nicht unerwähnt bleiben, dass auch in den niedriger gelegenen Padrt- teichen keine anderen Molluskenarten vorkommen. In den böhmischen Teichen, soweit sie durchforscht wurden, und in dieser Arbeit angeführt erscheinen, kom- men nur 14 auf 7 Gattungen vertheilte Arten von Alollusken vor. Von diesen ist nur Anodonta mutabilis als der eigentliche Teichtypus /u betrachten ; zu den Aus- 106 nahmen gehört nebst der oben angeführten Palndina, noch Bythinia tentaculata, die reichlich vorhandenen Vertreter der Gattung Limnaea (besonders L. stagnalis und peregra, seltener L. ovata und L. auricularis), Planorbis (besonders PI. rotun- datus und vortex, weniger PI. albus und viel seltener PL corneus) und Physa (Ph. fontiualis fast überall, seltener Ph. hypnorum) ; füglich auch Ancylus lacustris, doch dieser nur selten. Moosthierchen (Bryozoa). Die Bryozoen sind in unseren Teichen ziemlich weit verbreitet. Obzwar die Mehrzahl der Arten auch im strömenden Wasser vorkommt, so sind doch die Teiche und die Seitentümpel der Flüsse als ihre hauptsächlichsten Wohnsitze zu betrachten. Die dem fluthenden Wasser eigentlich angehörigen, doch auch in Teichen vorkommenden Arten, sind: Plumatella repens und Plumatella lucifuga (Fredericella), in Teichen siedeln sie sich gern an denjenigen Stellen an, wo das Wasser am wenigsten stagnirt, also mehr in der Nähe des Zuflusses oder Abflusses, wo sie dann sehr zahlreich zu sein pflegen, wogegen, wenn sie sich an Stellen mit stehendem Wasser angesiedelt haben, ihi'e Zahl in der Regel eine viel ge- ringere ist. Auf Teiche und Tümpel fast ausschliesslich beschränkt sind Cristatella ophidioidea, Hyalinella vitrea, Lophopus Trembleyi, Paludicella Ehrenberg i und Plumatella fungosa. Von diesen hat Plumatella fungosa, da sie auf bestimmte Eigenschaften des Wassers nicht angewiesen zu sein scheint, die grösste Verbreitung. Ihre zahlreichsten Standorte befinden sich sowohl in Ostböhmen im Gebiete der Kreide, als auch in Südböhmen im Urgebirge. Angeführt sei, dass diese Art, wenn in den Uferpartien vorkommend, daselbst die schüt- teren Pflanzenbestände vorzieht, sich aber am liebsten an ins Wasser reichenden Wurzeln oder an Holzstücken, die ins Wasser fielen, ansiedelt; nur selten, und dann nur in kleinen Kolonien, kommt sie auch in dichteren Rohrbeständen vor. Einmal fand ich sie auch recht zahlreich an der Unterseite der Seerose angesiedelt. Über Cristatella ophidioidea gilt, was ihre Verbreitung anbelangt, dasselbe, was über die frühere Art gesagt wurde. Ihr Hauptsitz pflegt die Unterseite der Blätter der pelagischen Flora zu sein ; auch an den Stengeln dieser Pflanzen, am Rohr (meist am Rande der Rohr- bestände), seltener aber am Holz und an Steinen kann man sie finden. Die übrigen Arten sind nur von einigen Localitäten bekannt und so lange die Kenntniss über ihr Vorkommen nicht erweitert wird, ist es nicht möglich sich einen richtigen Begriff von ihrer geographischen Verbreitung in Böhmen zu machen. Insecten. Die Insecten sind in der Teichfauna sehr zahlreich vertreten, mehr jedoch als Larven als im geschlechtreifen Zustande. 107 Ausser einigen Arten aus der Klasse der Halbflügler (Naucoris, Notonecta, Corisa, Nepa, Ranatra) sind es ausschliesslich Käfer aus den Gattungen Hydro- philus, Gyrinus, Dytiscus und Verwandten, die ihr ganzes Leben im Wasser zu- bringen. Die grösste Zahl der Wasserbewohner weisen jedoch die Klassen der Zwei- flügler, Netz- und Geradflügler auf. Den bisherigen Untersuchungen nach, wären mehr als 30 Larven verschiedener Gattungen und Arten von Insecten in unseren Teichen sichergestellt, und da manche von ihnen periodisch in grossen Massen zu erscheinen pflegen, so haben sie als Fischnahrung nicht wenig Werth. Hauptsächlich sind es : Agrion sp., Agripnia pagetana Gurt., Allotrichia pallicornis Kat., Anabolia laevis Zett., Anax sp., Caenis sp., Cloe diptera, Corethra sp., Culex sp., Cyrnus trimaculatus Gurt., Ephemera div. sp., Holocentropus dubius Ramb., Hyphydrus ferrugineus, Chironomus div. sp., Leptocerus atterimus Steph., Leptocerus cinereus Gurt., Leptocerus senilis Burm., Libellulasanguinea, Lestes sponsa, Limnophilus rhombicus L., Limuophilus sp., Mystacides longicornis. L., Oecetis furva Ramb., Oecetis lacustris Pict., Oecetis ochracea Gurt., Polycenthro piis flavo-macula tus Pict., Tabanus sp., Tipula sp., Triaenodes bicolor Gurt. Diese Larven kommen fast ausschliesslich in der Uferzone vor und halten sich zumeist an solchen Stellen auf, wo es soviel am Boden verwesender Pflanzen- reste gibt, dass diese von den Larven als Versteck oder als Baumaterial für ihre Köcher etc. benützt werden können. Verhältnissmässig ist es nur ein kleiner Theil von Arten, die zu ihrem Aufenthalte im Teiche, freie, steinige, oder sandige Stellen zu wählen pflegen und in der Regel sind sie daselbst auch nicht zahlreich ; die meisten ziehen es vor zwi- schen der reichen Vegetation zu leben, sei sie nun litoral oder pelagisch. Spinnenthiere. Die Spinnenthiere sind in unseren Teichen durch drei Gruppen repraesen- tirt, doch nur die Gruppe der Wassermilben weist eine grössere Anzahl von Arten auf. Von ächten Spinnen kommt in unseren Teichen nur Argyroneta aquatica vor, u. z. in Teichen, die eine reichliche, aber weiche Vegetation besitzen; sonst ist noch hie und da, doch selten, auch Macrobiotus, aus der Gruppe der Bärenthier- chen anzutreffen. 108 Vor der Durchforschung der Teiche waren die Wassermilben in Böhmen überhaupt nicht studiert, es sind also die über diese Gruppe hier mitgetheilten Daten in dieser Beziehung als neu zu betrachten. In der Uferzone der Teiche kommen Wassermilben regelmässig vor, doch nicht überall gleich häufig und nicht in gleichen Arten; am meisten sagen ihnen Localitäten mit schütterem Pflanzen- ^YUchs zu, möge nun derselbe aus Wasser- oder Uferpflanzen, oder aus inundirten Laudpflanzen bestehen; am zahlreichsten fand ich sie an den gegen Süden oder Südosten zugewendeten Teichufern; auch in der pelagischen Zone tummeln sich noch die Wassermilben, doch viel spärlicher; zumeist sind es jüngere Stadien von Limnesia, analog wie bei einigen Cypriden-Arten, deren jüngere Stadien regelmässig pelagisch leben. Ferner möge nicht unerwähnt bleiben, dass es unter den Wasser- milben auch Schlammformen und Schmarotzer gibt; diese wurden bei uns bisher nur selten beobachtet. Im Ganzen weisen die in unseren Teichen gefundenen Wassermilben 10 Gattungen mit 13 Arten auf, zu deren Erkenntniss die, nur auf Grund vorläufiger Bestimmungen verfasste Übersicht dienen möge: I. Familie: Medioculatae. 1. Gattung: Limnochares. Limnochares holosericea Latr. Die einzige Art ihrer Gattung. Von den übrigen Wassermilben durch eine ganz andere Lebensweise verschieden: Sie schwimmt nicht, sondern kriecht am Boden und an Wasserpflanzen umher. Ich fand sie nur einmal im Teiche Starö Jezero bei Chlum. 2. Gattung: Eylais Latr. Eylais extendens Latr. Habituell erinnert diese Art an die gemeine Wassermilbe Hydrachna globosa; obzwar sie bisher nur aus wenigen Teichen bekannt ist, so dürfte sie, wenn dieser Thiergruppe in Zukunft mehr Beachtung geschenkt wird, wohl auch an vielen anderen Orten gefunden werden. IL Familie: Lateroculatae. 3. Gattung: Arrhenurus Dug. Arrhenurus globator (Müll.) C. L. Koch. Ist eine grüne Wassermilbe, die wir bisher nur aus dem Karezer und Tiser Teiche bei Strasic kennen. 4. Gattung : Limnesia Koch. Limnesia calcarea, auch aus dem Genfer See unter dem Namen Campognatha Foreli bekannt, kommt in einigen unserer Teiche vor, so im Oberen Padrt und Gatterschlager Teich. Limnesia sp., eine lichtgrüne Wassermilbe, die grösste und zahlreichste in unseren Teichen. Gefunden wurde sie im Gatterschlager, St. Jacob, Padrf, Munitzer Teich und im Stare Jezero bei Chlum. 109 5. Gattung : xl x o n a Kramer. 6. Gattung ; A X n a viridis. Di ese zierliche und charakteristisclie Wasserniilbe fand ich nur einmal u. z. im jungen Stadium im Munitzer Teich. Diplodontus Dug. Diplüdontus filipes Dug. Diese, wie es scheint, über ganz Europa verbreitete Art, fand ich in Böhmen bisher nur im St. Jacobteich. Diplodontus s capularis erinnert sehr an die Wasser- milbe, die ich aus dem St. Jacobsteich erwähnt habe. 7. Gattung: Atax Bruz. Atax ypsilophorus (Bonz) Clap. ; eine parasitische Form, gefunden in Anodonten in Teichen der Umgebung von Bi'eznic. 8. Gattung: Nesaea C. L. Koch. 9. Gattung Nesaea mollis. Die böhmischen, mir nur aus dem Mu- nitzer und Podmyter Teiche bekannten Exemplare dieser Art, stimmen zwar nicht ganz mit der Diagnose überein, doch scheinen sie nur eine Varietät zu sein. Nesaea trinotata(?) Sehr nahe stehen dieser Art die ziemlich grossen, graugrünen und verhältnissmässig zahlrei- chen Wassermilben aus dem Padrt und Gatterschlager Teich. Obzwar es wahrscheinlich ist, dass diese Milbe eine neue, mit der angeführten Species verwandte Art ist, so will ich von der Untersuchung, inwiefern diese beiden Arten verschieden sind, hier absehen, mir die Lösung dieser Frage für eine spe- cielle Arbeit über die böhmischen Wassermilben vorbehaltend. Hydrachna Bruz. Hydrachna globosa Dug., diese in unseren Pfützen sehr verbreitete Art, ist mir, was ihr Vorkommen in Teichen an- belangt, mit Sicherheit nur aus dem Gatterschlager und Pod- myter Teich bekannt. 10. Gattung: Mideopsis. Mideopsis depressa Neum., diese, durch ihren linsen- förmig abgeflachten Körper charakteristische Art, fand ich im Teiche Holy und im Novy Hospodär bei Chlum. 110 Crustaceen. Die Crustaceen nehmen in unserer Teichfauna, schon in Anbetracht der grossen Menge ihrer Individuen, eine sehr hervorragende Stelle ein und viel ein- gehender als die übrigen Klassen der Teichfauna, wurde eben diese Thiergruppe bei uns studiert. Namentlich gilt dies von den Cladoceren, mit den uns schon früher, auf Grund der Untersuchung einer Reihe von Teichen, Prof. Dr. A. Fric bekannt machte und die später dann von Dr. B. Hellich speciell bearbeitet und theilweise von Dr. W. Kurz ergänzt wurden. Unsere Kenntnisse über die Clado- ceren Böhmens wurden seit der Zeit nur durch einen Fund des Herrn Jos. Gregor, als er zum erstenmale in Böhmen auch Limnosida, in einigen Teichen der Umgebung von Neuhaus vorkommend, nachwies, erweitert. Die in Rede stehende Limnosida soll eine neue Art sein, die leider bis heute als solche noch unbe- schrieben blieb. Ferner möge auch angeführt werden, dass man durch die Unter- suchungen dei' Teiche, in der Teichfauna auch einigen Cladoceren nachwies, die bisher nur aus Seen, Sümpfen oder Pfützen bekannt waren. Zu diesen gehört Sida elongata Sars., früher nur aus Seen bekannt, ferner der in Torfsümpfen vorkom- mende Streblocerus serricaudatus Fisch., die in Pfützen lebende D a p h n i a magna Strauss und von anderen Daphnien die Seeformen Daphnia microce- phala Sars. und D. penn ata Müll. In seiner Arbeit über die böhm. Cladoceren, erwähnt Hellich auch die Lebensweise der Cladoceren, des pelagischeu und litoralen Charakters der einzelnen Gattungen, und der Verbreitung der einzelnen Arten in Seen, Teichen und Tümpeln. Die Beobachtungen von Hellich wären in einigen Punkten noch zu vervollständigen. Durch Untersuchung einer grösseren Anzahl von Teichen wurde sicherge- stellt, welche Arten von Thieren die stehenden Gewässer charakterisiren und wie sie in dieser Hinsicht zu unterscheiden sind. Vor Allem wurde nachgewiesen, dass es nur die pelagische Fauna ist, die als Charakteristikon der einzelnen Ge- wässer betrachtet werden kann; die Litoralfauna dagegen ist mehr kosmopolitisch und mit ihrer Manigfaltigkeit und ihrem Reichthum der Individuen nur an die localen Vegetationsverhältnisse der Ufer und die Beschaffenheit des Teichbodeus gebunden, daher sie auch keine Arten aufweist, die für die einzelnen Gewässer bezeichnend wären. Die pelagische Fauna lässt sich wieder ihrem Charakter nach in eine See-, Teich- und Tümpelfauna eintheilen. Doch auch zwischen diesen Typen finden sich Übergänge, so dass man auch eine See- und Teich- und eine Teich- und Tümpel- fauna unterscheiden kann. Von Cladoceren, deren wir zuerst erwähnen wollen, sind es H o 1 o p e- dium gibberum und Daphnella Brandtiana, welche die Seefauna cha- rakterisiren. Die erste Art ist rein pelagisch, die zweite mehr tychopelagisch, ob- zwar sie auch in der eigentlichen pelagischeu Zone häufig vorkommt. Für die T eich f au na sind charakteristisch: Leptodora Kindtii, Hyalodaphnia cucullata, oder statt dieser, auch Daphnia (galeata, gracilis u. ä.) und Daphnella brachyura. 111 Leptodora Kindtii, obzwar in anderen Ländern auch aus einigen Seen bekannt, kommt bei uns nur in Teichen und allgemein in grösseren, bewirth- schafteten Gewässern vor. Hyalodaphnia oder irgend eine Daphniaart, pflegt regel- mässig in ihrer Gesellschaft zu sein, doch sind auch Beispiele bekannt, wo die pelagische Fauna nur aus Leptodora bestand. Mit grosser Wahrscheinlichkeit ist in solchen Gewässern auch Daphuella brachyura als vicarierende Species der see- liebenden D. Brandtiana anzutreffen; es gilt von ihr das schon früher gesagte. Wenn nun die Fauna irgendwelche Übergänge zeigt, so hängt ihr vorwie- gender Charakter hauptsächlich von dem Grade der Veränderung der physikalischen Verhältnisse ab. Es sind Fälle bekannt, wo die Mehrzahl der Teich- und See- formen neben einander vorkommt, also Leptodora neben Holopedium, beide Daph- uellen und vielleicht auch Hyalodaphnia oder irgend eine andere Daphniaart. Wenn nun der Seecharakter mehr zurücktritt, so verschwindet Holopedium gänzlich, und nur stellenweise erinnert noch Daphnella Brandtiana an den See. Durch ähnliche Veränderung der Verhältnisse eines Teiches können auch die Teichformen aus demselben verschwinden, und zwar betrifft dies zuerst Leptodora, nach ihr kommt Hyalodaphnia und überhaupt die pelagischen Daphnien, und zuallerletzt Daphnella brachyura. Die pelagische Fauna der Tümpel — soweit sie als solche überhaupt in Betracht gezogen werden kann — wird dann nur durch Ceriodaphnia und Bos- mina- Arten repraesentirt, die auch die offenen, von Pflanzenwuchs freien Stellen des Wassers füllen. Bezüglich der anderen biologischen Eigenschaften der teich- liebenden Cladoceren, möge auf das den Munitzer Teich behandelnde Kapitel (S. 27.) verwiesen werden. Von den übrigen Crustaceen spielen im Teichleben noch die C o p e p o d a eine grössere Rolle. Von diesen ist es H e t e r o c o p e r o b u s t a, die den Typus der Seefauna charakterisirt ; früher nur aus den Böhmerwaldseen bekannt, wurde sie später auch im Gatterschlager Teich gefunden. Eine sehr verbreitete pelagische Teichform, die in vielen Teichen sehr zahlreich vorkommt, ist Diaptomus gracilis Sars. Aus der Gattung Cyclops kommt häufig, doch nur in kleineren Gewässern, als pelagische Form, Cyclops signatus vor, am meisten da, wo sich die Alge Limnochlide flos aquae vermehrt hat. Sonst wählen die Arten von Cyclops mehr die tychopelagische Zone auf, am Rande einer reichen Vegetation oder auch an nicht zu dicht verwachsenen Ufern. Die Muschelkrebse (Cypriden) leben mehr in Tümpeln und Pfützen. In Teichen pflegen sie weder häufig noch irgendwie charakteristisch zu sein. Am häu- figsten sieht man sie da, wo es viele Algen, namentlich Fadenalgen gibt. Es sind dies: Cypris vidua 0. F. Müll, C. compressa Baird., C. pubera 0. F. Müll. C. Ovum 0. F. Müll, C. fasciata 0. F. Müll, und Notodromas mo- n ach US 0. F. Müll Pelagisch kommen die Jungen von C. fasciata oft vor. Als isolirte Erscheinung ist das Vorkommen von C. Jurinei Zaddach, die einmal u. z. nur im Winter im Munitzer Teiche gefunden wurde, zu betrachten. Sonst begegnen wir in unseren Teichen nur noch zwei Arten von Crusta- ceen, nämlich der Wasserassel, Asellus aquaticus und dem Flusskrebs, Asta- cus fluviatilis. Die Wasserasseln kommen nicht überall vor; zumeist halteq 112 sie sich da auf, wo viel Algeu vorkommen, oder wo es eine weiche, verwesende Vegetation gibt. Ihre Lebenszähigkeit ist erstaunlich gross, denn unter allen Krebs- thieren zeigen sie gegen aller Art Vergiftungen des Wassers die geringste Emp- findlichkeit. Dem gegenüber wird der, in den Höhlungen der Teichdämme sich aufhaltende und daselbst eine oft sehr bedeutende Grösse erlangende Flusskrebs immer seltener, offenbar aus dem Grunde, als der Flusskrebs gleichzeitig auch aus den fliessenden Gewässern, die auf Krebse sehr ausgeplündert sind, sich immer mehr verliert, und auch in Teichen, wo ihm nicht nur sehr viel Feinde nachstellen, sondern wo er auch durch Ablassen des Wassers oft vernichtet wird, findet er keinen günstigen Boden zu seiner Entwickelung und Vermehrung. Seiner künst- lichen Zucht, die in eigenen Krebshaltern betrieben wird, sollten gewiss die Teich- wirthe mehr Aufmerksamkeit zuwenden. Würmer. Unter den Würmern sind es nur die Räderthierchen (Rotatorien), die den Charakter der Teichfauna bestimmen. Namentlich gibt es unter denselben einige charakteristische pelagische Formen. Aus unseren Gewässern waren bis zur Zeit dieser Durchforschungen die Arten der Rotatorien nicht festgestellt, es sind dem- nach die über diese Thiergruppe in dieser Arbeit veröffentlichten Mittheilungen auch in faunistischer Hinsicht neu. Pelagisch kommen in unseren Teichen diese Arten vor: Conochilus volvox Ehrb., Lacinularia socialis Ehrnb. (junge Colonien), Asplanchna vulgaris (auch helvetica Imp.) und Anurea longispina Kell Als typische Seeform ist unter diesen nur Con. volvox zu betrachten ; diese Art bewohnt na- mentlich die Böhmerwaldseen, doch wurde sie auch im Gatterschlager Teich, im Novy Vdovec bei Lomnitz und in einigen Teichen in der Umgebung von Chlum nächst Wittingau gefunden. Lacinularia socialis Ehrnb. pflegt regelmässig in solchen Teichen zu finden sein, in welchen schwimmendes Laichkraut, Tausend- blatt, Wassernuss und überhaupt solche Pflanzen vorkommen, die lange, ausläufer- artige Stengel haben, auf denen sie sich gern ansiedelt; die jungen Colonien leben pelagisch, fügen jedoch auch durch ihre Menge dem Charakter der Fauna nichts Wesentliches bei. Asplanchna vulgaris ist eine der gewöhnlichen Formen unserer Teiche, soweit sie ihren ursprünglichen Teichcharakter behalten haben, und ähnlich wie der Conochilus für die pelagische Fauna der Seen, so bezeichnend ist sie für die pelagische Fauna der Teiche. A u u r e a 1 o n g i s p i n a Kell., die K e 1 1 i k o t in einem See bei Buffalo fand und die von Imhof in zahlreichen Seen der Schweiz und Oesterreichs (bis in einer Höhe von 1908 M. ü. M.), sowie von Zacharias in einigen Seen Deutschlands nachgewiesen wurde, tritt auch in einigen unserer Teiche pelagisch auf; am zahlreichsten in den Padrfteichen, weniger im Teiche Hluboky bei Zbirow und im Teiche Zebräk bei Chlum nächst Wittingau. Mehrere Arten der Rotatorien halten sich in der tychopelagischen Zone auf, hauptsächlich am Rande der Ufervegetatiou, oder in der Nähe der pelagischen Flora, von da dringen sie dann in die pelagische Zone. In unserer Fauna sind es 113 Polyarthra platyptera Ehrnb. und Triathra longiseta Ehrnb., die zu diesen gehören. Die erste ist in unseren Teichen zahlreich und an vielen Orten zu treffen, die zweite fand ich nur in kleineren Teichen, wo die Alge Linmochlide flos aquae häufig war. Die litorale Zone unserer Teiche pflegt noch durch viele Arten von Rotatorien bewohnt zu sein, unter denen mit Sicherheit diese Arten nachgewiesen wurden : Floscularia appendiculata Leyd., Br achionus mi- litaris Ehrb., Br. pala Ehrb., Salpina brevispina Ehrnb., Anurea aculeata Ehrnb., Anurea foliacea Ehrnb., Anurea stipitata Ehrnb., Anurea stricta, Notus quadricornis Dug., Melicerta ringens Ehrnb Ausnahmsweise wurde einmal (im Teiche Pusty bei Dymokur) auch Synchaeta mordax Huds. gefunden. Doch hat auch die Anwesenheit dieser Arten auf den Charakter der litoralen Fauna keinen Einfluss, Von den übrigen Würmern sind in unseren Teichen besonders die verschie- den Egel vertreten, so Nephelis vulgaris, Clepsine sexoculata und Piscicola geometra, dann die Gattungen Nais, Chaetogaster, Chaeto- notus, Tubifex, Anguilulla, ferner Turbellarien u. a, von deren specielleu Studium, da demselben andere Krcäfte obliegen, abgesehen wurde und ausserdem verleiht diese, nur auf die litorale Zone beschränkte Thiergruppe, der Teichfauna keine besondere Charakteristik, oljzwar sie als Fischnahrung ein wichtiger Factor im Teiche ist. Zumeist halten sich diese Würmer an Pflanzen auf, besonders sind es die pelagischen Pflanzeninseln, in denen sie sich massenhaft verborgen halten; verhältnissmässig ist es nur ein kleiner Theil, der im Schlamme lebt oder sich an den Wurzeln der Pflanzen angesiedelt hat. Pflanzenthiere und Urthiere. Die Pflanzenthiere (Coelenterata) sind im süssen Wasser überhaupt nicht zahlreich und die einheimischen Arten bewohnen hauptsächlich ruhige Wasser- tümpel; in Teichen sind sie um so weniger anzutreffen, je unruhiger das Wasser derselben zu sein pflegt. Eine der häufigsten Erscheinungen ist Hydra fusca; seltener ist Hydra pallens. Schwämme treten auch nur spärlich auf und es scheint, das ihr Vorkommen von gewissen Verhältnissen, deren Natur jedoch ken- nen" zu lernen bisher nicht gelang, abhängig ist. So erschien einmal im Teiche bei Pocernic Euspongilla lacustris in zahlloser Menge und umfangreichen Colonien (im selbem Jahre war daselbst auch Cristatella ungemein zahlreich), doch seit dieser Zeit vergieugen fünf Jahre, ohne dass diese Erscheinung sich wieder- holt hätte. (Auch bei der Bryozoe ist dies der Fall). Diese Art fand ich, jedoch sehr zerstreut, nur noch in den Teichen der Herrschafft Zbirow und im Komärover Teiche. In den übrigen Teichen wurden (durch Herrn Prof. J. Gregor) nur noch Euspongilla Jordanensis (?) und Ephydatia Mülleri in einigen Teichen bei Bystritz (südlich von Neuhaus) constatirt. Es scheint, dass sowohl die Coelen- terata als auch die Urthiere in den Teichen keine günstigen Wohnungsplätze fin- den können. Zahlreicher sind nur die stabilen, oder mehr an den Pflanzenwuchs gebundenen Infusorien und Rhizopoden ; doch weisen sie keine grosse Mannigfaltig- 8 114 keit an Formen auf. An den Überzügen von Steinen und Pflanzen finden sich regel- mässig Difflugiavul gar is,Arcellavulga ris und Centropyxisaculeata; seltener Difflugia Corona, Difl. pyriformis, Lecquereusia spiralis Ehrnb., Arcella dentala und in der Nabe von Torf Nebella collaris. In- fusorien pflegen neben diesen Arten von Ehizopoden nicht häufig zu sein, wie man anzunehmen geneigt wäre ; die häufigsten pflegen V o r t i c e 1 1 e n zu sein und überhaupt die festsitzenden Arten, wie z. B. Cothurnia crystallina Ehrnb. u. ä. Zeitweise erscheinen auch einige Epistylis-Formeu parasitisch auf Cladoceren, Co- pepoden u. ä. oder grosse Colonien Zoothamnium in der submersen Vegetation. Im Ganzen sind aber diese Erscheinungen im Teiche nur von untergeordneter Be- deutung. Charakteristisch pflegen zeitweise nur einige pelagische Formen aufzu- treten, soCeratium tripos und Ceratium hirundinella 0. F. Müll. (C. ma- croceros Schrank). Die erstere habe ich als eine regelmässige Erscheinung in der pelagischen Fauna nur im Jordan-Teiche bei Tabor beobachtet, die zweite ist häu- figer, zumeist jedoch nur einzeln, doch in dem Bechyher Teiche bei Zbirow fand ich sie in solcher Menge, dass sie das Wasser grün färbte. Ziemlich häufig tritt auch Volvox pelagisch auf; in der Kegel aber auch nur zerstreut; einmal, u. z. im Zehuher Teiche fand ich aber doch diese Art in solcher Masse, dass sie das Wasser dieses grossen Teiches förmlich durchsetzte. Die Thatsache, dass unter ge- wissen Umständen einige Arten so überhand nehmen, kann in unseren Teichen häufig beobachtet werden; meines Erachtens hängt diese Erscheinung entweder von der Beschaßenheit des Bodens, oder von der Art und Weise der Bewirthschaf- tung des Teiches ab, indem dadurch bald zum Vortheil oder auch zum Nachtheil der einen Art sich die natürlichen Verhältnisse ändern, und im ersteren Falle über- holt dann die betreuende Art in ihrer Vermehrung weit die übrigen. IV. Übersicht der ausgeführten Durchforschungen der böhm. Teiche. Der hier erstattete Bericht bezieht sich zu den Arbeiten, die: 1. im Ganzen die Durchforschung von 50 Teichen auf den Domainen Zbi- row, Dymokur, Chlum bei Wittiugau, Frauenberg, Neuhaus und Neubystritz um- fassen und mit welchen zugleich auch eine Übersicht der älteren Untersuchungen einiger Teiche in Südböhmen geboten wurde; 2. durch welche der Charakter der See- und der Teichfauna, sowie die Übergänge zwischen beiden und die diese Veränderungen hervorrufenden Ursachen sichergestellt wurden; 3. wurden theilweise durch diese Untersuchungen auch Belege für die geographische Verbreitung der Teichfauna überhaupt geliefert und sowohl die verticale als auch die horizontale Verbreitung der Thierformen im Teiche selbst constatirt ; 115 4. wurden festgestellt auch die den Charakter der Teichfauna bestimmenden Arten und ausserdem wurde eine Reihe von Thierformen, theils aus der Gruppe der Crustaceen, theils unter den Wassermilben, Rotatorien, Rhizopoden, Infusorien u. a., die bisher aus Böhmen nicht bekannt waren, in unserer Fauna nachgewiesen ; 5. wurden vielfache biologische Beobachtungen gemacht, die sowohl auf die Entwickelung der Thierwelt des Teiches und ihr Verhalten den verschiedenen Ver- hältnissen gegenüber, wie sie das Wetter, die Beleuchtung, die Wärme, die Ver- unreinigung des Wassers und andere Factoren bedingen, Bezug haben. 6. wurden die Vegetationsverhältnisse, die geologische und die geographische Lage der untersuchten Teiche und andere Verhältnisse, die irgend wie auf die Be- schaffenheit der Fauna und, mit Berücksichtigung der Teichwirthschaft, auf die Nahrhaftigkeit des Teiches von Einfluss sind, coustatirt; 7. wurde die Frage über die „Karpfennahrung" näher beleuchtet und im Interesse der Teichwirthschaft wurden aus den Untersuchungen neue Folgerungen gezogen ; 8. schliesslich wurde bei den einzelnen Teichen auf ihre Mängel und Nach- theile hingewiesen und soweit möglich, auch die Art und Weise, wie solchen Übel- ständen abzuhelfen wäre, näher erörtert. .-5^-0- INHALT. Seite Einleitung 3 I. Die Arbeiten der Teichdurchforscliung in ihrer Reiiienfolge 7 II. Die Durchforschung der einzelnen Teiche 15 A. Die Teiche der Herrschaft Zbirow 15 1. Obere Padrtteich 16 2. Untere Padrtteich 19 3. Untere Karezer Teich 21 4. Obere Karezer Teich 23 5. Bechyner Teich 24 6. Holoubkauer Teich 25 7. Lamanicer oder Hammerteich 26 8. „Podmytsky« 27 9. St. Stefansteich • . 29 10. Cekover Teich 30 Übersicht der Teiche der Herrschaft Zbirow . • 31 (11. Teich Tisy, 12. Dvorsky, 13. Hluboky, 14. Cäpsky, 15. Klein- oujezder) 32 33 ß. Die Teiche derHerrschaft Frauenberg 34 16. Municer Teich 35 17. Bezdrev 43 18. Judenteich 46 19. Zwolenover Teich 48 Übersicht der Teiche der Herrschaft Fraueuberg 49 C. Die Teiche der Herrschaft Dymokur 50 20. Komärover Teich 50 21. St. Jacobsteich 53 22. Teich „Pusty" 56 23. „ „Vrazda" 58 Übersicht der Teiche der Herrschaft Dymokur 60 Borne Max. v. d. Handbuch der Fischzucht und Fischerei. Berlin. Paul Parey. — Die Fischzucht (Thaer-Bibliothek). Berlin. 1885. Wiedersheim dr. E. Die Fischzucht mit einem Anhange über Krebszucht. Stuttgart. 1885. Kafka Josef. Ceskö rybniky. Archiv zemedelsky, Jahrg. I. 1886. Püchner Fr. Krebs und seine Zucht. Gerolds Sohn. Wien. 1888. Klapälek Frant. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Böhmens. I. Die Metamorphose der Trichopteren. Archiv für die Landesdurchforschung v. Böhmen. Band VI. Nro. 5. n. Theil enthält: Dr. Em. Boficky: Petrogr apliische Studien an den Basaltgesteinen Böhmens Preis fl. 3-50 Preis der ganzen ersten Hälfte des zweiten Bandes (I. und IL Abtheilung zusammen) geb. fl. 10" — Z "W EITEFIBAND. Zweiter Theil. in. Botanische Abtheilung. Dieselbe enthält: Prodromus der Flora von Böhmen von Prof. Dr. Ladislav Celakovsky (II. Theil) Preis fl. 2-60 rv. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthält: a) Prof. Dr. Ant. Fric: Die Wirbelthiere Böhmens. b) „ „ „ „ DieFlussfischereiinBöhmen. c) „ r, „ „ Die Krustenthiere Böhmens. Preis fl. 3* — V. Chemische Abtheilung. Prof. Dr. Em. Boficky: Über die Verbreitung des Kali und der Phosphorsäure in den Gesteinen Böhmens. Preis 60 kr. Preis der ganzen zweiten Hälfte des zweiten Bandes (III., IV. u. V. Abth. zusammen) geb. fl. 5' — DFIITTEJR BAND. I. Topographische Abtheilung. Verzeichniss der in den J. 1877—1879 vom k. k. mil.-geogr. Institut trigonometrisch bestimmten Höhen von Böhmen herausgegeben von Prof Dr. Karl Kofistka und Major R. DaublebskyvonSterneck fl. 1*80 U. Geologische Abtheilung. I. Heft. Petrographische Studien an den Phonolithgesteinen Böhmens von Prof. Dr. Em. Boficky. Preis fl. 1'— IL Heft. Petrographische Studien an den Melaphyrgesteinen Böhmens von Prof. Dr. Em. Boficky. Preis fl. l*— III. Heft. Die Geologie des böhmischen Erzgebirges (L Theil) von Prof. Dr. Gustav Laube. Preis fl. 2* — in. Botanische Abtheilung. Prodromus der Flora von Böhmen von Prof. Dr. Ladislav Celakovsky. (III. Theil Schluss.) Preis fl. 2*40 IV. Zoologische Abtheilung. I. Heft. Die Myriopoden Böhmens von F. V. Rosicky. Preis 60 kr. IL Heft. Die Cladoceren Böhmens von Bohuslav Hellich. Preis fl. 1*60 V. Chemisch-petrologische Abtheilung, Elemente einer neuen chemis ch-m ikroskopischen Mineral- und Gesteinsanalyse von Prof. Dr. Boficky. Preis . • fl. 1"40 VIEFtTEPt BAND. No. 1. Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. Die Weissen- berger und Malnitzer Schichten von Dr. Anton Fric. Preis fl. 3" — No. 2. Erl äu terungen zur geologischen Karte der Umgebungen von Prag von J. Krejci und R. Helmhacker ^. ..fl. 4'50 No. 3. Prodromus der Flora von Böhmen von Prof. Dr. Ladislav Celakovsky. (IV. Theil.) Nachträge bis 1880. Verzeichniss und Register fl. 2-40 No. 4. Petro 1 og ische Studien an den Porphyrgesteinen Böhmens von Prof. Dr. Em. Boficky fl. 1*80 No. 5. Flora des Flussgebietes der Cidlina und Mrdlina von Prof. Ed. Pospichal. fl. 1- No. 6. Der Hangcndflötzzug im Schlan-Rakonitzer Steinkohlenbecken von Carl Feistmantel fl. 2'— FÜNFTER. BAND. No. 1. Erläuterungen zur geologischen Karte des Eisengebirges (Zelezne hory) und der angrenzenden Gegenden im östlichen Böhmen von J. Krejci und R. Helmhacker fl. 2- — No. 2. Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. III. Die Iser- schichten. Von Dr. Anton Fric . . . , fl. 3' — No. 3. Die mittelböhm. Steinkohlenablagerung von Carl Feistmantel . . fl. 1'20 No. 4. Die Lebermoose (Musci Hepaticj) Böhmens von Prof. Jos. Dedecek. fl. 1- — No. 5. Orographisch-geotektonis che Übersicht des silurischen Gebietes im mittleren Böhmen. Von Johann Krejci und Karl Feistmantel. . . . fl. 2 — No. 6. Prodromus der Algenflora von Böhmen. I. Th. Von Dr. A. Hansgirg. fl. 1*40 SEOHSTEFt BAND. No. 1. Über die Torfmoore Böhmens in naturwissenschaftlicher und national- ökonomischer Beziehung mit Berücksichtigung der Moore der Nachbar- länder. Von Dr. Fr. Sitensky. I. Abth. Naturwissenschaftlicher Theil. . . . fl. 2"80 No. 2. Die Süsswasserbryozoen Böhmens. Von Josef Kafka fl. 1"20 No. 3. Grundzüge einer Hyetographie des Königreiches Böhmen. Von Dr. F. J. Studnicka .... fl 1*50 No. 4. Geologie des böhmischen Erzgebirges. II. Theil. Von Dr. Gustav G. Laube. fl. 2-50 No. 5. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Böhmens von Fr. Klapälek fl. 120 No. 6. Prodromus der Algenflora von Böhmen. I. Th. Forts. Von Prof. Dr. Anton Hansgirg fl- 3*— SIEBENTER- BAND. No. 1. Die Flechten der Umgebung von Deutschbrod von Jos. Noväk (in Vorbereit.). No. 2. Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. IV. Die Teplitzer. Schichten. Von Prof. Dr. Ant. Fric fl. 3-— No. 3. Über die chemische Zusammensetzung verschiedener Ackererden und Gesteine Böhme n's und über ihren agronomischen Werth. Von Dr. Jos. Hanamann fl. 2' — No. 4. Die tertiären Land- und Süsswasser-Conchylien des nordw. Böhmen von Gottlieb Klika , fl. 2-40 No. 5. Die böhmischen Myxomyceten von Dr. Lad. Celakovsky (Sohn) (in Vorbereit.). No. 6. Geologische Karte von Böhmen. Section VI. Entworfen von Prof. Joh. Krejci. Mit Erläuterung von Prof. Dr. A. Fric. Preis fl. 2*20 AOHTEB- BAND. No. 1. Übersicht der Thätigkeit der naturw. Landesdurchforschung v. J. 1864 bis 1890 von Prof. Dr. K. Kofistka fl. —-30 No. 2. Untersuchungen der Fauna d. böhm. Gewässer. II. Fauna d. böhm. Teiche von Jos. Kafka fl. 1-20 No. 3. Monographie der Ostracoden Böhmens. Von Wenzel Vävra . . . .fl. 260 Druck von Dr. Ed. Grdgr in Prag 1692. — Selbstverlag MUS, COMP. ZOOL Ir^ o^— -«^ e_6N, ■'■>3 i^^\ MONOGRAPHIE DER OSTMCODEN BÖHMENS. VON WENZEL VAVRA, ASSISTENT AM ZOOLOGISCHEN INSTITUT DER? BÖHMISCHEN K. K. CARL-FEKDINANDS- UNIVERSITÄT IN PRAG. Mit 188 Original-Zeichnungen in 39 Textfiguren. ARCHIV DER NATURWISSENSCHAFTL. LANDESDURCHFORSCHUNG VON BÖHMEN. (Vin. Band, Nro. 3.) »s^i^^?* PRAG. In Commission bei FR. RIVNAC. ^'^1891. ^^1 ä^ ^^''^«Ä?!; -CT -r« •T DAS ARCHIV für die naturwissenschaftliche Landesdurchforschung von Böhmen I. bis V. Band : Redaktion von Prof. Dr. K. Kofistka und Prof. J. Krejci, VI. Band u. s. w. : Redaktion von Prof. Dr. K. Kofistka und Prof. Dr. A. Fric, eothält folgende Arbeiten : ERSTEH BAND. I. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung und zwar: a) Das Terrain und die Höh en Verhältnis s e des Mittelgebirges und des Sandsteingebirges im nördlichen Böhmen von Prof. Dr. Karl Kofistka. b) Erste Serie gemessener Höhenpunkte in Böhmen (Sect.-Blatt H.) von Prof. Dr. Kofistka. cj Höhenschichtenkarte, Section E., von Prof. Dr. Kofistka. Preis fl. 4' — Preis der Karte app , fl. 1*60 IL Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. Dieselbe enthält: a) Vorbemerkungen oder allgemeine geologische Verhältnisse des nörd- lichen Böhmen von Prof. Johann Krejci. b) Studien im Gebiete der böhm. Kreideformation von Prof. J. Krejci. c) Paläontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der böhm. Kreideformation u. s. w. von Dr. Anton Fric. d) Die Steinkohlenbecken von Rad nie, vom Hüttenmeister KarlFeistmantel. Preis fl. 4-50 in. Die Arbeiten der botanischen Abtheilung. Dieselbe enthält: o* Prodromus der Flora von Böhmen von Dr. Ladislav Celakovsky. (I. Theil.) Preis fl. 1-— IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthält: a) Verzeichniss der Käfer Böhmens vom Conservator Em. Lokaj. b) Monographie der Land- und Süsswassermollusken Böhmens vom Assi- stenten Alfred Slavik. c) Verzeichniss der Spinnen des nördlichen Böhmen vom Real-Lehrer Emanuel Barta. Preis fl. 2* — V. Chemische Abtheilung. Dieselbe enthält: Analytische Untersuchungen von Prof. Dr. Hoffmann. Preis 25 kr. Preis des ganzen I. Bandes (Abth. I. bis V.) geh fl. 9* — Z W EITER, BAND. Erster Theil. I. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung und zwar: a) D a s Terrain und die Höhenverhältnisse des Iser- und des Riesen- gebirges und seiner südlichen und östlichen Vorlagen von Prof. Dr. Karl Kofistka. b) Zweite Serie gemessener Höhenpunkte in Böhmen (Sect.-Blatt HI.) von Prof Dr. Kofistka. c) Höhenschichtenkarte, Section IH., von Prof. Dr. Kofistka. d) Höhenschichtenkarte des Riesengebirges von Prof. Dr. Kofistka Preis dieser Abtheilung fl. 4-50 II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. I. Theil enthält: a) Prof. Dr. Ant. Fric: Fauna der Steinkohlenformation Böhmens. b) Karl Feistmantel: Die Steinkohlenbecken beiKlein-Pfilep, Lisek, Stilec, Holoubkow, Mireschau und Le tkow. c) Jos. Vala und R. Helmhacker: Das Eisensteinvorkommen in der Gegend von Prag und Beraun. d) R. Helmhacker: Geognostische Beschreibung eines Theiles der Gegend zwischen Beneschau und der Säzava. Preis fl. 4'— MONOGRAPHIE DER OSTRACODEN BÖHMENS. VON WENZEL VÄVRA, ASSISTENT AM ZOOLOGISCHEN INSTITUT DER BÖHMISCHEN K. K. CÄRL-FERDINANDS-UNIVERSITAT IN PRAG. Mit 188 Original-Zeichnungen in 39 Textfiguren. ARCHIV DER NATURWISSENSCH. LANDESDURCHFORSCHUNG VON BÖHMEN. VIII. Band Nro. 3. PRAG. In Commission bei Fr. Rivnäc. — Druck von dr. Ed. Gregr. 1891. VORWORT. Von den Bewohnern unserer Gewässer sind es namentlich die niederen Crustaceen, die durch die Zahl ihrer Arten und die Menge der Individuen her- vorragen und unter diesen sind es vornehmlich die mit einer durchsichtigen Hülle versehenen Formen, welche mehr als andere Typen den Forschungsgeist anregten, von ihrer, dem Auge leichter zugtänglichen inneren Organisation Einsicht zu nehmen. Mit dem Reichthum und der Manigfaltigkeit der Formen der Cladoceren unserer einheimischen Fauna, machte uns B. Hellich bekannt, doch weniger be- achtet blieben die oft in ungeheuerer Menge erscheinenden Ostracoden, deren innere Organisation in einer undui'chsichtigen Schale verborgen liegt. Ich folgte daher, mich mit dem Studium der böhmischen Crustaceen be- fassend, dem Rathe meines hochgeehrten Lehrers Herrn Prof. Dr. Ant. Fric, und schenkte namentlich den mehr vernachlässigten Ostracoden eine grössere Auf- merksamkeit. Das erste Material erhielt ich zu diesem Zwecke von Herrn Prof. Dr. A. Fric, ferner von den Herren Gymnasialprofessoren J. Gregor in Chrudim und F. Klapälek in Prag, sowie vom Herrn J. Kafka, Assistenten amböhm. Museum zu Prag, welchen Herren hier meinen besten Dank zu sagen ich als angenehme Pflicht erachte. Mit der Zeit wuchs das gesammelte Material, namentlich durch ausgiebige Forschungen in der weitesten Umgebung von Prag sehr stark an. In dem genannten Gebiet waren namentlich die Fundorte bei Hloubetin und Elb-Kostelec und ferner die Umgebung von Pürglitz sehr ergiebig. Ausserdem unternahm ich zu diesem Zwecke Reisen in das böhmische Mittelgebirge, in's Riesengebirge und nach Chotzen, woselbst der todte Arm der Stillen Adler mir eine sehr reiche Ausbeute bot. Ferner machte ich zwei Reisen in den Böhmerwald ; die erste galt der Erforschung der Umgebung von Eisenstein, die zweite führte mich von Eisenstein nach Hohenfurth und Krummau und be- friedigte mich besonders durch die Funde in den Torfen um Maader. IV Die Repräsentanten der teichliebenden Ostracoden unserer Fauna kennen zu lernen, wurde mir vornehmlich durch meinen Aufenthalt auf der zoologischen Station des Comitets für die Landesdurchforschung von Böhmen ermöglicht u. zw. durch zwei Jahre, als die zool. Station an dem Teiche bei Unter-Po cernic nächst Prag stand und ferner, als die Station an den Gatterschlager Teich bei Neuhaus in Südböhmen übertragen wurde, wo ich in der That, eine über alle Erwartungen grosse Ausbeute machte. Bei der monographischen Bearbeitung des gewonnenen Materials gebot es die Nothwendigkeit, meine Arbeit mit zahlreichen Zeichnungen, namentlich von anatomischen Details zu versehen, da die Bestimmung der Arten nur der blossen Beschreibung nach oft schwierig und unsicher ist. Alle Zeichnungen sind mittelst der Abbö'schen Camera lucida und eines Zeiss'schen Mikroskops ausgeführt. Für die Beschaffung der nöthigen, oft schwer zugänglichen Literatur und überhaupt der nöthigen Hilfsmittel bin ich Herrn Prof. Dr. A. Fric sehr zu Dank verpflichtet. Einen schätzenswerthen Antheil an dieser Arbeit hat auch Rev. Herr Alfred M. Norman in Fence Houses, indem er die Güte hatte, einige zweifelhafte Arten zu revidiren. Für die gelungene Durchführung meiner Zeichnungen auf das zinkographische Kornpapier bin ich dem Herrn J. Blazka, der dieser Arbeit mit grossem Fleisse und Eifer oblag, sehr verbunden. Die anatomischen Zeichnungen wurden zumeist für die xylographischen Anstalt des Herrn J. Vi Um in Prag ausgeführt. PRAG, Mai 1891. Der Verfasser. Historische Einleitung. Die erste Erwähnung von der Existenz eines Muschelkrebses findet sich nach Baird, in Bakers Werke „Employment for the Mikroskop", woselbst der genannte Autor ein „Insect mit zweiklappiger Schale" beschreibt und dasselbe mit einer Teichmuschel vergleicht. Aus der beigefügten Abbildung ist jedoch klar zu entnehmen, dass dieses „Insect" ein Muschelkrebs ist u. z. ist derselbe von der Rückenseite dargestellt. Erst Linnö in seiner „Systema naturae", 1748 (1) benannte diesen Krebs dem ersten Eindrucke nach, den er auf den Beschauer macht, als „Monoculus concha pedata". Nach Linnö hat 0. F. Müller, der hervorragende Beobachter der Fauna Dänemarks und Norwegens, im J. 1785 (5) in seiner klassischen Arbeit „Entomo- straca seu insecta testacea" die damaligen Kenntnisse von dieser Thiergruppe nam- haft erweitert. Aus dem Linnö'schen „Monoculus," der collectiven Bezeichnung der nie- deren Crustaceen überhaupt, bildete 0. F. Müller mehrere Gattungen, und mit dem Namen Cypris bezeichnete er die Süsswasser-Muschelkrebse, von denen er 11 Species beschrieb und vorzüglich abbildete, zumeist Arten, die als solche bis heute aufrecht erhalten werden. Nach dieser, für jene Zeit nicht unbedeutenden Schrift, entstand in der betreffenden Literatur eine Pause von fast dreissig Jahren. Bloss Ramdohr (7), 1808, verdien': näher erwähnt zu werden. Derselbe lieferte eine ziemlich correcte Beschreibung und Abbildung der inneren Organe von Cypris incongruens und erkannte ihre beiden Geschlechter. Die in diese Zeit fallenden Arbeiten von Fabricius und Latreille beziehen sich hauptsächlich auf die Schaffung eines Systems der Gliederthiere im Allgemeinen. Als ein bedeutender Schritt nach vorwärts ist die 1820 erschienene Schrift Louis Jur ine's „Histoire des Monocles" (9) zu betrachten. Jurine kannte nur die Weibchen der Gattung Cypris, und ihre Entwickelung vom Ei verfolgend, ge- lang es ihm, mehrere parthenogenetische Generationen nach einander zu erziehen. Ausserdem erweiterte er in hohem Masse die systematischen Kenntnisse von den Muschelkrebsen überhaupt. 1 Fast gleichzeitig, im J. 1821, befasste sich mit der Erforschung ihrer inneren Organe HerculeEug. Strauss (10) und gelangte schon zu einer ziemlich richtigen Erkenntniss derselben. Die in den drei folgenden Decennien erschienenen kleineren Arbeiten sind zumeist nur systematischen Inhalts, so einige Artikel von W. Baird, das Werk von Koch, und Milne Edwards: „Hist. nat. d. Crust." (14), in dem nur die bisher bekannten Arten ohne Rücksicht auf ihre Synonyma angeführt werden, so dass das- selbe eben nicht als von Bedeutung für die Erforschung der Ostracoden betrachtet werden kann. Zaddachs Prodromusv. J. 1884 (15) weist sieben neue Arten auf. Mit dem Jahre 1850 beginnt eine neue Epoche in der Literatur der Ostra- coden auf Grund der Arbeiten von W. Zenker. In seiner Dissertation „De natura sexuali generis Cypridis" (18) hat genannter Forscher nachgewiesen, dass die Ge- schlechter bei den Muschelkrebsen getrennt sind und gab zuerst die richtige Be- schreibung sowohl der männlichen als auch der weiblichen Genitalien, den eigen- thümlichen, grossen Apparat, den er als eine Drüse, „glandula mucosa" auffasste, näher untersuchend. In demselben Jahre übergab W. Baird (22) der Öffentlichkeit sein pracht- volles Werk „The natural history of the British Entomostraca", in dem einige neue Gattungen und Arten beschiieben werden. Die Arbeit Seb. Fischers v. J. 1851 (23) „Ueber das Genus Cypris" hat nur in faunistischer Hinsicht Werth, doch sind des Autors anatomische Unter- suchungen, namentlich seine Ansichten über den Genitalapparat von keiner Bedeutung. Ein ähnliches Prachtwerk wie das von Baird, ist die im J. 1853 erschie- nene Arbeit „De Crustaceis ex ordinibus tribus" von W. Liljeborg (25). Da dieses Werk in schwedischer Sprache geschrieben ist, so blieb es lange Zeit un- beachtet, obzwar es eine grosse Anzahl richtiger anatomischer Details enthält. Auch bei der Bearbeitung des systematischen Theiles nahm der Autor auf die innere Organisation die nöthige Rücksicht. Fast zu derselben Zeit publicirte W. Zenker seine „Monographie der Ostracoden (26), in der er anstrebt ein klares Bild des inneren Baues der Ostracoden zu entwerfen, u. z. gelang dies ihm in dem Masse, als dieses Werk bis heute als die Hauptquelle der Kenntnisse über die Ostracoden zu betrachten ist. — Bei den einzelnen Species führt Zenker eine ungemein reiche Synonymik an, doch sind die meisten seiner Angaben in dieser Hinsicht nicht richtig. Im J. 1855 berichtigt Seb. Fischer (27) in einer kleineren Schrift die irrigen Angaben in seiner früher erschienenen oberwähnten Monographie, und be- schreibt daselbst einige neue Arten. Die complicirte Entwickelung dieser Krebse, über die man bis zu dieser Zeit nicht unterrichtet war, hat im J. 1865 Claus klar gestellt, u. z. durch seine Schrift: „Zur Kenntniss der Jugendform von Cypris ovum« (38) und später, 1868, durch seine „Entwickelungsgeschichte von Cypris" (42). Eine wichtige Schrift „ versigt ofNorges marine Ostracoder" (37) erschien im J. 1865 von G. 0. Sars in der die Ostracoden schon in einzelne Gruppen vertheilt werden. Die Fauna Englands bearbeitete G. St. Brady (41) in seinem Werke: „A Monograph of the recent British Ostracoda" im J. 1868. Die in der folgenden Periode erschienenen Schriften basiren hauptsächlich auf den Untersuchungen der Geschlechtsverhältnisse und der Entwickelung der Ostra- coden. So untersuchte im J. 1880 W. Müller (57) ihre Entwickelung und ihre Geschlechtsorgane, Weissmann (56) gab eine kurze Nachricht über die Parthe- nogenesis derselben und Rehberg (70) studierte einige anatomische Details. Arbeiten über die männlichen Geschlechtsorgane besitzen wir von einigen Schülern Weissmanns: 0. Nordquist (74) lieferte im J. 1886 einen „Beitrag zur Kennt- niss der inneren männlichen Geschlechtsorgane der Cypriden" und gleichzeitig untersuchte F. Stuhlmann (75) den Bau der Hoden und die Entwickelung der Spermatozoen, L. G. Schwarz dagegen (83) versuchte den Bau und den Zweck der s. g. glandula mucosa zu erklären. Im J. 1887 wurden die embryologischen Kenntnisse über die Ostracoden durch Weissmann und Ischikava (78) bedeutend erweitert. Im J. 1889 erschien die umfangreiche Monographie „A monograph of the marine and fresh- water Ostracoda" (87) von G. S. Brady & Rev. A. M. Nor^ mann als Ergänzung von Brady's Monographie vom J. 1868. Durch diese Schrift wuchs die Zahl der bekannten Süsswasser-Muschelkrebse sehr an, und auch um die Klarstellung der Synonymie, in der bisher eine grosse Ungewissheit herrschte, haben sich die Verfasser, denen es möglich war von den Originalen von Zaddach, Sars, Liljeborg u. a. Einsicht zu nehmen, verdient gemacht. In neuester Zeit, 1890, publicirte C. Claus (90) einen vorläufigen Bericht über die Resultate seiner Untersuchungen betreffend die Organisation der Cypriden, durch welche Arbeit die in dieser Richtung herrschenden Kenntnisse z. Th. be- richtigt, z. Th. ergänzt werden. Weiter habe ich noch der Literatur über die Ostracoden der Fauna Böh- mens zu erwähnen. Zuerst, u. z. im J. 1868 werden die böhm. Ostracoden von Fric und Nekut in der Schrift „Korysi zeme ceskö" (43) bearbeitet und später im J. 1872 veröffentlichte Fric seine „Krustenthiere Böhmens" (48) aufweisend von Ostracoden nur 7 Arten. Im J. 1880 schrieb B. Hellich (60) „Über den Genitalapparat der Gattung Cypris". In demselben Jahre entdeckte F. Vejdovsky (59) bei seinen Untersuchungen der prager Brunnen Typhlocypris eremita, eine Art, die bisher nur in Prag und in Agram gefunden wurde. Verzeicliniss der benützten Literatur: 1. 1748. Linnö C, Systema naturae. VII. vyd. 2. 1761. Ledermüller, Microscopische Gemüths- u. Augenergötzungen. I. S. 141. Taf. 43. Fig. d. 3. 1764. Müller Otto Fridrich, Fauna insectorum Fridrichsdalina. 4» 1776. — Zoologiae Daniae Prodromus. 1* 5. 1785. Müller Otto Friedrich, Entomostraca seu Insecta testacea, quae in aquis Daniae et Norvegiae reperit, descripsit et iconibus illustravit. Lipsiae et Hawniae. 4°. c. tab. 21. 6. 1805. Ramdohr K. A., Beiträge zur Naturgeschichte einiger deutschen Monoculus- Arten. Mit 6 Taf. Halle. 7. 1808. Kam dohr K. A., Über die Gattung Cypris Müll, und drei zu derselben ge- hörige neue Arten, (In: Magaz. d. Gesellschaft naturforsch. Freunde in Berlin Jg. II. p. 83.-93., mit Taf. IIL) 8. 1816. Treviranus der beiden, Abhandlungen über den inneren Bau der ungeflü- gelten Insecten. In : Vermischte Schriften anatomischen und physiolo- gischen Inhalts. 9. 1820. Jurine Louis, Histoire des Monocles, qui se trouvent aux environs de Gen^ve. C. tab. 22. 10. 1821. Strauss Hercule Eugene, Memoire sur les Cypris, de la classe des Crustacös. Avec 1. pl. In: Extr. des Annal. du Museum d. bist, natur. Tom. VII. 11. 1835. Baird W. Trans. Berw. Nat. Club. vol. I. 12. 1836. "Wagner Dr. R., Beiträge zur Kenntniss der Saamenflüssigkeit der Thiere. In: Arch. für Naturg. von Wiegraann (Troschel) II. Jahrg. 1. B. p. 369. 13. 1837. Koch C. L., Deutschlands Crustaceen, Myriopoden und Arachniden. Ein Bei- trag zur deutschen Fauna. Herausg. von G. A. W. Herrich-Schäffer. Heft 1. — 40. Regensburg 1835 — 1841. Die die Ostracoden enthalt. Hefte sind 10., 11., 12. J. 1837. Heft 21. J. 1838. Heft 36. J. 1841. 14. 1840. Milne Edwards, Histoire naturelle des Crustac6s. Tome III. pag. 409. pl. 36. 15. 1844. 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Ilir in einer zweiklappigen, an den Seiten zusammengedrückten Schale ver- borgener Körper ist undeutlich gegliedert. Dieselben besitzen nur sieben Extremitätenpaare. Die fünf vorderen, zum Kopfe gehörenden, repraesentiren zwei Antennenpaare, die entweder als Schwimm- oder als Kriechorgane dienen, und drei Paare sämmtlich mit Tastern versehene Kiefern. Am Rumpfe befinden sich nur zwei als Füsse entwickelte Paare von Ex- tremitäten. Der Körper endigt mit paarigen, doch ungegliederten Anhängseln, den s. g. Furcalgiiedern. Im Folgenden gebe ich eine kurze Übersicht der anatomischen Verhält- nisse, wie sie bei der Gruppe der Muschelkrebse des süssen Wassers, den Cy- priden, obwalten. 1. Exoskelet. Wie schon hervorgehoben wurde, ist das ganze Thier in einer zweiklap- pigen, an den Seiten zusammengedrückten Schale verborgen. Dieselbe dient z. Th. auch als Stütze der inneren Organe, da die Muskeln derselben an ihr befestigt sind, und sie deshalb als Exoskelet bezeichnet werden kann. Dieses Exoskelet besteht, wie die Umhüllung der Arthropoden überhaupt, aus zwei Schichten. Die innere (hypodermis s. matrix) (Fig. 5, M.) wird durch das Epithel gebildet, dessen Zellen unverhältnissmässig hoch sind und einen deutlichen Zellkern besitzen ; an ihrer äusseren Fläche bildet sich die Chitiumembran (Cuticula) (C), an der sich dann kohlen- undjphosphorsaurer Kalk ablagert. In der Jugend bedingt dieser Process eine eigenthümliche Structur der Schale. Die kalkigen Verbindungen lagern sich in Form von kurzen Stäbchen ab, die sternförmig geordnet, der Schale eine reticu- lirte Structur geben. — Mit dem Alter und den Häutungen des Thieres ändert 10 sich diese Structur, so dass später die Oberfläche der Schale oft ganz glatt er- scheint. Am längsten hält diese reticulirte Structur der Schale bei Cypris reti- culata an, da sie noch nach der letzten Häutung eine Zeit lang wahrzunehmen ist. Am wenigsten verkalkt ist die Schale bei der Gattung C a n d o n a, und da sich bei derselben auch kein Pigment bildet, so ist sie rein weiss und porcellanartig. Am meisten verkalkt und fast so stark wie bei den marinen Muschelkrebsen ist sie bei Ilyocypris. Die Chitinmembran ist an ihrem Vorder- und Hinterrande oft frei von kalkigen Ablagerungen und stellt dann entweder eine hyaline Berandung dar, oder bildet am Rande grössere oder kleinere Zähnchen oder Dornen (Notodromas, C. pu- bera, clavata). Der inneren Schicht, matrix, entspringen auch Borsten, die durch Ka- nälchen in der Chitinmembran an die Oberfläche der Schale gelangen und daselbst an der Basis, mit einem kleinen, verdickten Wall umgeben sind, der, wenn die Borsten dann verloren gehen, als ein glänzender Höcker an der Oberfläche der Schale zurückbleibt. Nur bei wenigen Arten finden wir die Schale auch noch im späteren Alter beborstet (Candona pubescens, Cypridopsis, Cypris pubera). In der Regel bleiben Borsten, mehr oder weniger dicht, nur entlang des Vorder- und Hinterrandes, da- selbst zumeist in eigenen Kanälchen sich befindend. Zwischen den beiden Schichten, matrix und cuticula, liegen die Pigmentzellen. Die gegenseitige Verbindung der Schalen ist ganz ähnlich gebildet wie bei den Bivalven. Im mittleren Drittel des Oberrandes verbindet die Schalen ein ela- stisches Ligament, vermöge dessen sich die Schalen öffnen. Dem entgegen fungirt ein Schliessmuskel, der sich fast in der Mitte des Körpers befindet. Derselbe ist von garbenförmiger Gestalt, es treffen nämlich die Sehnen desselben in ihrer Mitte zusammen und laufen auf beide Seiten in 4 oder 5 Muskelsträuge aus ; dieselben sind unmittelbar an die Cuticula befestigt und ihre Abdrücke sind als vier oder mehr lichte oder dunkle Mackeln an der Oberfläche der Schale wahrzunehmen. Die Anordnung dieser Muskelabdrücke ist für einige Arten sehr bezeichnend. Neben denselben stehen noch zwei grössere Muskelabdrücke, herrührend von jenen Muskeln, mittelst welcher die Mandibeln an die Schale befestigt sind. (Fig. 1.) Die Schalen können fast hermetisch geschlossen werden. Namentlich in der Nähe des Mundes, entlang des unteren Ran- des finden wir oft Leisten, die in die entgegengesetzten Rinnen, Fig. 1. Muskelab- ^' ^- ^^^' zweiten Schale, einfallen oder ihren Rand umfassen. drücke der Cypris strigata. 0. F. Mül- Eine ähnliche Einrichtung bemerkt man oft auch am ler- V Vorderrande, wo den Höckerchen der einen Schale entgegen- stehende Grübchen an der zweiten Schale entsprechen. 11 2. Endoskelet. Als Stütze der Muskeln der inneren Or- gane dient hier, wie bei den meisten übrigen Cru- staceen, eine Chitinplatte, die wir als Endoskelet bezeichnen. Diese Platte ist breit, vor der Sehne des Schliessmuskels (SJ^ an die sie sich mit zwei hinteren Fortsätzen anlehnt, inserirt. Von beiden Seiten befestigen sich an dieselbe die Muskel- stränge aller Extremitäten des Eumpfes und des zweiten Antennenpaares. Claus (90, pag. 57) machte zuerst auf dieses innere Skelet auf- merksam. 3. Extremitäten. Fig. 2. Endoskelet von Cypris pu- bera. F. Müller.) Mit Eau de Ja- vell geätztes Präparat.) ^ Die Ostracoden besitzen sieben Paare von Extremitäten und ausser diesen befindet sich am Abdomen noch ein Paar von Furcalgliedern. Die ersten zwei Extremitätenpaare stellen die Antennen dar, die folgenden drei Paare bilden die Kiefer, und hinter diesen stehen zwei Fusspaare. Alle diese Extremitäten sind aus chitinösen Gliedern zusammengesetzt, oft durch starke Leisten , namentlich an den Basalgliedern unterstützt. Am Ende dieser Glieder stehen in der Regel Borsten, die verschiedenartig beschaffen und angeordnet sind. Antennen. Die beiden Paare derselben dienen hauptsächlich zur Fortbewegung des Thieres. Dieselbe ist, vermöge des zweiten Antennenpaares, entweder kriechend, oder vei-mittelst beider Paare, schwimmend. Die schwimmende Bewegung geschieht in der Weise, dass das erste Paar in der Richtung nach der Rückseite, das zweite Paar aber entgegengesetzt bewegt wird. Das erste Autennenpaar. (Fig. 3. Ä-^^.) Dasselbe besteht aus 7 Gliedern. Das erste und grösste Glied entspringt dicht unter dem Auge und ein Bündel starker Muskeln dringt in dasselbe ein. Das zweite Glied ist klein; die folgenden fünf sind schmäler und werden gegen die Spitze immer kleiner. Die vier letzten tragen an ihrem Ende, u. zw. an der äusseren Seite, lange, gefiederte Borsten. An dem letzten, siebenten Gliede sitzt ausserdem noch die feine Sensitivborste. Dieses Antennenpaar ist bei den Cypriden durchaus gleichförmig gestaltet. Nur bei solchen Arten, die wegen Mangel der Schwimmborsten am zweiten An- tennenpaare nicht zu schwimmen vermögen, sind die Borsten am ersten Fühler- paare kurz und nicht gefiedert. 12 Das zweite Antennenpacar. (Fig. 3. Ä^.) Dasselbe besteht aus 5 oder 6 Gliedern. Das erste starke Glied entspringt unter dem ersten Antennenpaar. Auf dasselbe folgt das zu diesem im rechten Winkel stehende und nach aufwärts gerichtete zweite Glied. Das dritte ist im rechten Fig. 3. Cypris virens. Die linke Schalenklappe ist entfernt. Ob. A. oc. 1. V A^, A,2 Erstes und zweites Antennenpaar. L Oberlippe. Md Mandibel. Mx^ erstes, Mx^ zweites Maxillenpaar, mit der Athemplatte Rp. P,, P^ erstes und zweites Fuss- paar. Fu Furcalglieder. o Auge. Ma Muskelabdrücke. B Reibzeug. mB Magendarm. chD Chylusdarm. An After. Nb Nahrungsballen. H Leberscblaucb. Ov Eierstock. Winkel nach abwärts gerichtet. Diese drei Glieder sind unter einander sehr be- weglich verbunden. An der inneren Kante des dritten Gliedes ist bei allen Arten die s. g. Riechborste vorhanden. Vor dem Ende dieses Gliedes, u. zw. auf seiner inneren Fläche, sind bei den meisten Arten die Schwimmborsten inserirt, zumeist 5 an der Zahl, vor diesen pflegt noch eine kleine Borste, die sechste, zu stehen. Bei den meisten Arten sind diese Borsten zweigliederig, entweder bis an das Ende der Klauen reichend (Notodromas, Cypridopsis, Subgenus Eucypris), oder dieselben mitunter bedeutend überragend (Ilyocypris, Cypria, Cyclocypris). Im an- deren Falle sind sie kurz, steif, ungefiedert, zum Schwimmen nicht geeignet (Sub- gen. Erpetocypris) oder ganz fehlend (Caudona, Typhlocypris, Candonopsis.) Bemerkenswerth ist der Umstand, dass bei der typischen Form der Gattung Ilyocypris lange, gefiederte Seh wimmborsten vorhanden sind, wogegen bei der Varietät r e p e n s dieselben kurz und ungefiedert bleiben, demnach sich diese Formen zu einander verhalten, wie die Untergattung Eucypris zu Erpetocypris. 13 Bei der Gattung Notodromas ist in beiden Geschlechtern der Fühler ögliederig (Fig. 7. Nr. 4.)- Bei allen übrigen Gattungen finden wir diese An- tenne beim Weibchen fünfgliederig, beim Männchen, in Folge einer Thei- lung des vierten Gliedes, zumeist sechsgliederig. Eine Ausnahme von dieser Regel macht die Gattung Cypris, da bei dem Männchen derselben diese Antenne fünf- gliederig bleibt. Bei den Männchen pflegen sich am Ende des vierten Gliedes beson- dere Sensitivborsten zu entwickeln, mit Ausnahme der Gattungen Cyclocypris und Cypris. Das letzte Glied ist um die Hälfte schmäler als das vorangehende; diese beiden Glieder sind mit einer grösseren oder, kleineren Anzahl von Klauen be- waffnet, die sowohl zum Kriechen als auch zum Anklammern dienen. Das letzte Glied trägt ausserdem noch eine feine Sensitivborste. Die Kiefer. Derselben sind drei Paare. Sie bestehen aus drei Theilen: Dem Extremi- tätenstamm (Protopodit), welcher aus zwei Gliedern zusammengesetzt sein kann, und den mit diesem in Verbindung stehenden zwei Aesten, dem äusseren (Exopodit) in Form einer Athemplatte, und dem inneren (Endopodit) als Taster. Die Mandibeln. (Fig. 3, ilM) Der Basaltheil, den wir als P r o x i m a 1 g 1 i e d des P r o t o p o d i t e n (Fig. 8, Nr. 1. I.) bezeichnen, ist gedehnt und von schmal dreiseitiger Form. Der untere scheinbar durch eine starke Chitinleiste getrennte Theil, trägt an seinem Rande eine Reihe starker Zähne; der äussere und grösste derselben ist einfach, unge- theilt, die übrigen verkleinern sich allmälig und sind 2 — 3 zinkig. Auf der Mitte der äuseren Kante schliesst sich das breite Distalglied des Protopoditen (II) an, an dem die an ihrem Rande mit 5—7 gefiederten Borsten versehene Athemplatte {Ex) befestigt ist. Die folgenden drei, succesiv kleiner werdenden Glieder, bildenden Taster (1—3). Das erste Glied trägt an seiner inneren Kante in der Regel ein Bündel starker, einseitig gefiederter Borsten. Das letzte Glied endigt entweder mit starken Dornen oder Klauen. Bei manchen Arten pflegt der Taster sehr verlängert zu sein (Candonopsis, Cypria). Die Mandibel ist an ihrem schmalen Gipfel mittelst eines getheilten Muskels an die Schale befestigt (Fig. 8, Nr. i. m), an deren Oberfläche die Abdrücke des- selben als zwei helle Mackeln durchscheinen. (Siehe Fig. 1.) 14 Das I. Maxillenpaar. (Fig. 3 Mx^) (Fig. 14, Nr. 6.) Den Protopodit bildet hier eine breite, am Rande in 3 Abschnitte (i. 2. 3.) getheilte Platte (Kl.) Diese Abschnitte sind an ihrem stumpfen Ende beborstet, das erste derselben trägt oft auch starke Dornen. Bei Notodromas sind solcher 6 vorhanden, bei den übrigen Gattungen pflegen nur zwei zu sein, die auch gezähnt sein können*). An der äusseren Seite ist der zweigliederige Taster befestigt (en). Über demselben befindet sich die grosse, halbmondförmige Athemplatte (i?2j), an deren Hinterrande zweigliederige, langgefiederte Borsten strahlenförmig angeordnet stehen. Dem Unterrande entspringt ein Bündel weniger, nach abwärts gerichteter Borsten. Das IL Maxillenpaar. (Fig. 3, Mx^.) Ist beim Männchen und Weibchen verschieden. Beim Männchen einiger Arten ist dasselbe in eigenthümlicher Weise umgestaltet und zum Festhalten des Weibchens bei der Begattung eingerichtet, bei einigen ist die Fussform noch deutlich erkennbar. Der ursprüngliche Fuss blieb bei der Familie der Cytheridae erhalten, wo nur zwei Kieferpaare, aber drei Fusspaare vorhanden sind. (Siehe Limnicythere.) So besteht beim Männchen von Notodromas diese Maxille aus zwei Theilen u. zw. dem Basalglied und dem Taster, der mit einer langen Klaue ver- sehen, dadurch an die nächstfolgende Extremität erinnert. (Fig. 8. 4.) Ähnlich, u. zw. mit einem Haken von verschiedener Gestalt, endigt auch der Taster bei den Männ- chen der Gattungen Cypria, Cyclocypris und Cypris. Bei den Männchen von Candona ist der Taster ungegliedert und von ganz abweichender Form. Beim Weibchen bildet sich diese Maxille ganz abweichend von der Fuss- form aus. Der Taster ist entweder solid oder zweigliederig; im letzteren Falle ist das zweite Glied unscheinbar, oft undeutlich vom ersten getrennt (Notodromas, Candona); in der Jugend ist dasselbe bei manchen Arten Sgliederig. Bei der Gattung Ilyo cypris ist der Taster verkümmert, doch deutlich zweigliederig. Bei allen Arten endigt der Taster mit drei gefiederten Borsten, deren mittlere die längste ist, nur bei Notodromas sind zwei kurze Wimpern vorhanden. Die Athemplatte ist entweder klein, doch wohlentwickelt, in der Regel mit sechs gefiederten Borsten versehen oder dieselbe bleibt rudimentär und an ihrer Stelle entwickeln sich entweder drei gleiche, gefiederte Borsten (Candonopsis) oder zwei ungleich lange, unscheinbare Wimpern (Candona, Typhlo cypris). Bei der Gattung Notodromas fehlt sie vollständig. Paragnathae. Der Mund ist an seiner vorderen und hinteren Seite durch eigenthümliche Chitinbildungen begränzt, die wir als Paragnathae bezeichnen. Dieselben sind *) Dieses Merkmal hat aucli systematischen Werth- 15 analog der Ober- und Unterlippe bei den Copepoden. Obzwar dieselben nicht der Umwandlung einer Extremität entsprechen, so führe ich sie doch an dieser Stelle an. Die Oberlippe ist helmförmig (Fig. 3 L) nach vorne zu stark gewölbt und endet vor dem Munde mit einer scharfen Kante. Die Unterlippe ist paarig und mit der Oberlippe durch starke Leisten verbunden. An ihrem Anfang finden wir einen paarigen, zum Zermalmen der Nahrung eingerichteten Apparat (Zenkers „rechenförmige Kauorgane", „hypopharynx" Claus.) (Fig. 7. Nr. 6.), dessen bezähnte Theile in einander greifen. Füsse. Derselben sind zwei Paare. Beide sind durch Muskeln an das Endoskelet befestigt. Das erste Fusspaar (Fig. 3. P^.) Dasselbe ist 5-gliederig. Das erste Glied ist mit dem zweiten knieförmig, fast rechtwinkelig verbunden ; die folgenden zwei Glieder sind schmäler, gleich lang. (Bei Cypris pubera sind dieselben zusammengewachsen). Das letzte, fünfte Glied, ist klein, kegelföimig und endigt mit einer starken, nach vorne gerichteten Klaue. Dieses Extremitätenpaar ist sonst bei allen Arten fast gleichförmig gestaltet. Das zweite Fusspaar. (Fig. 3. P^.). In der Regel ist dasselbe 5-giiederig ; bei einigen Arten der Gattung C a n- dona ist das vierte Glied getheilt, so dass der Fuss dann 6-gliederig wird. Das erste und zweite schmale Glied ist nach rückwärts gerichtet, die übrigen Glieder wenden sich nach aufwärts, zum Rücken des Thieres. Die mittleren drei Glieder sind fast gleich lang. Das letzte Glied ist klein und endigt auf zweierlei Weise : Entweder stehen an seinem Ende drei Borsten, von denen in der Regel zwei nach vorwärts und eine nach rückwärts gerichtet sind (bei der Gattung Cyclocypris ist das letzte Glied verlängert und nur eine kurze Borste ist nach rückwärts und zwei nach vorne gerichtet und abwärts geneigt) — oder dasselbe ist, von der Seite besehen, schnabelförmig vorgezogen und scharf bespitzt. An der äusseren Seite des Gliedes steht eine starke, kürzere oder längere, nach rückwärts gerichtete Chitinklaue; neben derselben steht eine kleine an das Glied meist angedrückte Borste und etwas weiter eine zweite lange, die kurz gefiedert und nach vorne ge- richtet ist. Die hintere Kante des vorletzten Gliedes endigt stets mit einem chitinösen Gebilde, das an seiner inneren Seite ein nageiförmiges, gekörntes Plättchen trägt. Die äussere Kante am Ende dieses Gliedes ist abgerundet und trägt einen Fächer von grösseren oder kleineren Wimpern. Die innere Kante ist entweder bedoint oder glatt. 16 Das letzte Glied und die Seitenklaue an ihrer Wurzel sind — von hinten besehen — ausgehöhlt. Dieses Fusspaar, der s. g. Putzfuss, dient vermuthlich zum Reinigen der grossen Kiemenplatte am ersten Maxillenpaar. Die Furcalglieder. (Fig. 3 Fu.) Dieselben sind paarig und haben die Form eines ungegliederten Fusses. An ihrem Ende sind sie mit zwei, nach rückwärts gerichteten Klauen bewaffnet, vor welchen eine längere oder kürzere Borste steht. Eine ähnliche Borste ist auch auf der hinteren Kante, näher oder weiter von den Klauen inserirt. Dieselbe fehlt nur bei der Gattung Candonopsis. Bei Cypridopsis sind die Furcalglieder ver- kümmert und von peitschenförmiger Gestalt. Die Furcalglieder sind nebst den Antennen bei der Bewegung des Thieres h auptsächlich thätig. 4. Die Musciilatiir. Bei den Muschelkrebsen sind die Muskeln mächtig entwickelt, die Anord- nung derselben möge hier nur kurz angeführt werden. Wie schon bei der Beschreibung des Exoskeletes erwähnt wurde, geschieht das Schliessen der Schalen vermöge eines starken Schliessmuskels, der mittelst 5 — 6 kurzen Muskelfasern an die beiden Schalen, etwa in deren Mitte, befestigt ist. In alle Extremitäten dringen einzelne Muskelbündel ein. Die Muskeln der Extremitäten sind am Endoskelet befestigt. Dasselbe dient auch zur Stütze der Muskeln, die mit dem vorderen Theil der Verdauungsröhre, und zwar mit deren Bauchseite in Verbindung stehen, wo- gegen die Muskeln ihrer Rückenseite sich an die Oberlippe stützen. Ein starker Muskelbündel dient zur Bewegung der Fuscalglieder. Was die histologische Structur der Muskeln anbelangt, so sind dieselben deutlich quer gestreift. Die doppelt lichtbrechende Scheibe (Bowman's „discs") ist breit, am straffen Muskel tritt die lichte Hensen'sche Scheibe deutlich in der Mitte hervor. Die Nebenscheibe (Isotrop) ist sehr klar, in der Regel mit deutlich wahrnehmbarer Kraus'schen Quermembran. Von der Struktur der das Zenker'sche Organ umhüllenden Muskeln wird an anderem Orte Erwähnung geschehen. 5. Das Nervensystem und die Sinnesorgane. (Fig. 4.) Die Wahrnehmung und der Verfolg des Nervensystems bei den Ostracoden ist, da dasselbe unter den Extremitäten und den Chitintheilen vorborgen liegt, ziemlich schwierig. 17 Deshalb blieb dasselbe — abgesehen von einigen Angaben Zenkers — bis in die neueste Zeit, wo Claus (90) die Resultate seiner diesbezüglichen Studien in einem kurzen Bericht veröffentlichte, unbekannt. Das Nervensystem besteht aus dem Gehirn und einem fünf Ganglien zählenden Bauchstrang. Das Vorderhirn, welches von einer starken Schicht Nervenzellen umgeben ist, entsendet die Nerven zum Auge. Von dem Mittelhirn aus gehen die Nerven zu dem ersten Antennenpaar, wogegen die mit dem zweiten Antennenpaare in Ver- bindung stehenden Nerven, dem hier das Hinterhirn darstellenden Schlundring entstammen. Der Bauchstrang zieht sich bis zum Genitalapparat. Die ersten drei Ganglien stehen sehr gedrängt und die aus denselben tretenden Nerven führen zu den drei Kieferpaaren. Der nachfolgende Theil ist schmäler und aus dessen beiden Ganglien gehen die Nerven zu den zwei Fusspaaren. cfn \^ v^ji:,öf J. K't //n p!, Fig. 4. 1 — 2. Querschnitt durch die Ganglienmasse von Cypris virens: 1. In der Region der Mandibeln, 2. des Schalenmuskels. Ps Punktsubstanz, gn Ganglienzellenkerne. — 3. Das Auge von Cypris pubera von oben. — 4. Verticalschnitt durch das Auge von Cypris virens. (Parafiueinb.) 1 — 4. Ob. D. oc. 1. Cam. Abbe. *f^. — 5. Das Auge von Notodromas monacha. Ob. BB. oc, 3. '{^^ «j. «2 Nerven der paarigen Augen, n^ unpaares Auge. 1 Linse, c Vorderhirn. Dem letzten Ganglion entstammen auch die zum Hinterleib führenden Nervenfasern. Mein Befund der histologischen Structur des Nervensystems möge an dieser Stelle nur kurz angeführt werden. An den Schnittserien durch die zweifachen Ganglien bemerken wir, wie bei den meisten Evertebraten, zwei Schichten, nämlich die aus Ganglienzellen beste- hende Riudenschicht, und die mittlere Nervensubstanz, die Leydig als „Puukt- substanz" bezeichnet („Marksubstanz" Dietels und Ravitzs, „Centrales Nervennetz" 2 18 nach Bellonci und Haller). Die Ganglieuzelleu der Vorderganglieu beschränken sich nur auf die Veutralseite, (Fig. 1. ]. gn) wogegen sie au den hinteren Ganglien entlang der ganzen Peripherie des Ganglion auftreten und sich auch entlang der mittleren Linie lagern, so dass sie das Ganglion in zwei Theile theilen. (Fig. 4. 2. o >^ 1— 1 a3 GQ o 5- •rH CO o •rH 'S -rJ • • CO ■^ CO 03 cfl •w 03 . ' -tj a 'ö 1 r^ s 03 a CO ;h o PQ "ö; .2 Ä £ i=l .|3 ö a . i t • .^^ t- . 1 1 f^ 1 a 02 O 0; Cü I a (D a> a 6 T- •^ • rH axille o ■ a a bO fiH 03 'ö S? o *f-y « a T=i a N a d) > ri4 a a fH 03 !-4 bJO W 03 (-) bß i ■ o 03 CS CO a a • E/3 O P tS3 03 03 a 03 , a , CO ' - ^rH 03 1 03 03 a c3 1^ 3 a > rM ü •pH B a Ol 03 'P ^ß o CO pq -H 03 U 03 CO tH 03 Ö a 03 •rH 03 p: N3 I-H CS 03 a. a _03 ^-< bß 3 I-H 'Ö3 03 02 •rH 03 bß • I-H 03 N • rH 3 1 "^ '^ r= »T^ •- o a • rH 1 o t\ 1 c» «3 a 1 CO 'S CO 03 CO -^ 03 :c3 a 03 'Ö i 03 ' •I-H ■ O 1 a PR 1 .2 1 • i-H a^ •S S • t-H rH g i2 1 rH o Co •rH m %* O pq ^ o • rH rH 1 a •F-H o;) N CO rH o3 a ,a CO a a O) -4-3 a ■73" 03 •t— t 3 a 03 bß •I-H a i2 p; c3 -SS ja • •7^ (D 0) 02 ^ ^ 1 ^ :0 3 ^ *3 W E/3 ^'1 't '-' ö c3 -s a ^• ia bß % r— 4 as le s me mgse CQ en bi 1er K o M gen d h da Anbä 1 'S ^ a ^ § o QQ 2 1 ,0 o 'S : ^ o ' ö «3 •- • eben e de •es 02 CQ <1 CJ .2 'ö S 'Ö CS 1 'Ö w ö ' b C lang Glie die Sp em 4. 2ten «3 03 CS 1 i (/ 3 «3 '^ 1 1 'bß •1— ( TS Die e Borste am ten Fuss-; gliede eilt Fuss- ederig) -t-s 0) 'S) 1 CO •*^ ii "bß bß _ *" bß C/J eö "3 eö Ol unter letz un (das paar vierte Glied des ten Fusspaares (M 42 rückwärts gericlitete Borste ist so lang, wie die drei letzten Glieder zusammen, "wogegen die untere nur so lang als das Endglied ist. Die nach vorne gerichtete Borste ist von der Länge der vier letzten Glieder, Die Furcalglieder sind stark, beim Männchen gerade, beim Weibchen schwach gebogen. Das Copulationsorgan und das „Zenker'sche Organ" ähnlich wie bei Can- dona pubescens. Fig. 10. Candona rostruta. 1. Die Schale von der Seite, 2. von oben. Ob. A. oc. 1. V- — S. Ein Spürorgan von dem zweiten cT Antennenpaare Ob. F. oc. 1. *5''- — 4. Der Taster der zweiten Maxille der rechten Seite, 5. der linken Seite Ob. D. oc. 1. ^J\ —6. Drittes (3) bis sechstes (6) Glied des Fusses des zweiten Paares. Ob. D. oc. 1. 'f\ Diese Art fand ich bislier nur in den Torfen Südböhmens, doch immer in einer beschränkten, an Männchen und Weibchen gleicher Anzahl. Fundort: Gatterschlager-Teich bei Neuhaus (Zool. Station) IX., 1890. Torftümpel bei Hurkenthal im Böhmerwalde, VIII., 1887. Verbreitung: Bisher ausser Böhmen, nur in England und Norwegen gefunden. 43 3. Candona pubescens. (Koch.) (Fig. 11. 1-9.) 1837. Cypris pubescens, Koch (13) 146, 6. 1838. „ coinpressa, Koch (13) 161, 17. 1851. „ compressa, Fischer (23) pag. 144. Taf. II. Fig. 7—12, Taf. III. Fig. 1—5. 1853. Candona compressa, Liljeborg (25) p. 129. Taf. XXVI. Fig. 1—3. 1868. „ compressa, Brady (41) p. 382. pl. XXVI. Fig. 22—27. 1868. „ albicans, Brady (41) p. 381. pl. XXV. Fig. 20 — 25 (junior). 1889. „ pubescens, Brady & Norman, (87) p. 101, pl. XII. Fig. 32—37. Masse: Länge 1*0 mm. Höhe 0-6 mm. Breite 0*5 mm. An der Seitenansicht (Fig. 11. i.) ist diese Art der C. rostrata ziemlich ähnlich. Der Vorderrand ist niedrig, allmälig in den Oberrand übergehend; der letztere ist im mittleren Drittel gerade und erreicht die grösste Höhe im hinteren Drittel. Die hintere Kante ist regelmässig abgerundet, die untere etwa in der Hälfte leicht gebuchtet. Von oben (Fig. 11. 2.) ist die Schale eiförmig, mit grösster Breite in der Mitte, hinten abgerundet, nach vorne verschmälert. Die ganze Ober- fläche der Schalen ist kurz beborstet, am dichtesten entlang des Vorder- und Hinter- randes. Die Form der Schale beim Männchen ist von der des Weibchens nicht verschieden, nur der Hinterrand erscheint bei dem ersteren etwas höher. Das zweite Antennenpaar ist beim Weibchen 5-gliederig. (Fig. 11. 3.) Das vierte Glied trägt ungefähr in der Mitte der inneren Kante ein Büschel von vier feinen Borsten, am Ende drei schmale Klauen, von denen die erste nur zur Hälfte der beiden anderen reicht. Das letzte Glied ist um die Hälfte schmäler als das vorangehende, zweimal so lang als breit, an der Spitze mit zwei ungleich langen Klauen und einer Sensitivborste (s) versehen. Beim Männchen ist dieses Antennenpaar (Fig. 11. 4) 6-gliederig. Die Spürorgane (Fig. 11.4. sm) sind lang, (Fig. 11. 5.) fast bis zur Hälfte der Klauen reichend, schwach gebogen, am Ende mit einem unscheinbaren, membranösen An- hängsel (a). Die Klauen sind ähnlich angeordnet wie beim Weibdien, doch ist die erste Klaue länger und an der Basis derselben sitzt noch eine kleine Klaue. Beim Männchen ist das zweite Maxillenpaar ähnlich wie bei der vorigen Gattung gestaltet. Der rechte Taster (Fig. 11 6.) ist an seinem Ende helmförmig erweitert, seine hintere, senkrechte Kante ist ganz gerade und in eine feine, nadeiförmige, abwärts gerichtete Spitze ausgezogen. Unterwärts vor dieser Spitze ist der Taster bogenförmig ausgeschweift, am Anfange des Ausschnittes steht eine kleine steife Borste und über derselben, an der Aussenseite, noch eine zweite. Der linke Taster (Fig. 11, 7.) ist sanft gebogen, seine obere Contur neigt sich im regelmässigen Bogen nach abwärts. Gegen das Ende zu ist der Taster verschmälert und endigt dann jäh in einen kurzen Dorn. 44 Fig. 11. Candona pubesceus. 1. Die Schale von der liuken Seite, 2. von oben. Ob. A. oc. \\ — 3. Die zweite Antenne vom Weibchen, 4. vom Männchen, o Riechborste, s Sensitivborste, sm Spür- organe. Ob. D. oc. 1. '^^ — 5. Ein Spürorgan mit dem membranösen Anhängsel a. Ob. F. oc. 1. tio, _ 6. Die Maxille des zweiten Paares vom Männchen der rechten Seite, 7. der linken Seite. ha rudimentäre Athemplatte. Ob. D. oc. 1. ^ ?■-. — 8. Drittes (3) bis sechstes (6) Glied des Fusses des zweiten Paares. Ob. D. oc. 1. 'J'^. — 9. Copulationsorgan. Ob. BB. oc. 3. ^j^ 45 Das zweite Fusspaar (Fig. 11, s.) ist G-gliederig, das dritte Glied ist so lang als das vierte und fünfte Glied zusammen. Die untere Borste am letzten Gliede reicht bis zur Mitte der oberen Borste, die so lang ist, als die drei letzten Glieder zusammen. Die Furcalglieder sind stark, die Klauen derselben scharf gesägt, die hintere Borste verhältnissmässig kurz. Das Copulationsorgan (Fig. 11, 9.) ist im Umrisse ziemlich viereckig; dasselbe besteht aus einem dreiseitigen Theile, (i) wo der in seinem Anfange zu einer höckerigen Chitinkapsel aufgedunsene Samenleiter führt, und aus zwei vier- eckigen, flügeiförmigen, an die Dorsalseite des ersten Theiles befestigten An- hängseln (2. 3.). Fischer's Cypris compressa ist der Abbildung des zweiten Fusspaares nach Candona pubescens. (Brady und Norman führen C. compressa Fisch, unter den Synonymen der Candona rostrata an.) Sowohl in kleinen Tümpeln als in Teichen in grosser Anzahl vorkommend, hält sich gern am Grunde auf und wühlt sich in den Schlamm ein, aus dem sie zeitweise hervorkriecht. Die Männchen dieser Art pflegen reichlich zu sein. Im Allgemeinen gehört sie zu den selteneren Arten. Fundort: Judenteich bei Frauenberg (VIII. 1887). Tümpel beim Dorfe Ofech (VII. 1890). Verbreitung: England, Schw^eden, Norwegen, Russland, Deutschland, Nord- und Westfrankreich. Fossil im Tertiär in England. 4. Candona fabaeformis. (Fischer.) (Fig. 6. 2. Fig. 12. 1—9. Fig. 13.) 1851. Cypris fabaeformis, Fischer 23 p. 146. Taf. III. Fig. 6—16. 1853. Cypris fabaeformis, Liljeborg (25) p. 207. 1870. Candona diapbana, Brady & Robertson (45) pl. V. F. 1 — 3. (9) pag. 18. 1889. Candona fabaeformis, Brady & Norman (87) pag. 103. pl. 14. Fig. 1 — 4. Masse: Länge 9 1'^ mm. (j* 1*2 mm. Höhe 9 0*52 mm. ^ 0*65 mm. Breite 0"50 mm. Die Schale des entwickelten Weibchens (Fig. 12, 1.) zeigt an der Seiten- ansicht eine , gestreckte Form; die obere Kante ist mit der unteren parallel; Vorder- und Hinterrand sind regelmässig abgerundet ; der Unterrand ist im ersten Drittel seicht ausgebuchtet. Die grösste Höhe zeigt die Schale im letzten Drittel. Die Muskelabdrücke schimmern in der Mitte der Schale deutlich durch, desgleichen der als schmaler, weisser Streifen zum hinteren Winkel sich ziehende Eierstock. Das unentwickelte Weibchen (Fig. 12. 2.) weicht in seiner Form von den entwic- kelten Individuen etwas ab. Der obere Rand ist nach hinten zu ziemlich jäh auf- steigend, und fällt dann, eine schiefe, etwas concave Linie bildend, nach abwärts (C. diaphana Brady and Rob.) 46 Die Schalen der Männchen (Fig. 12, 3.) sind durch ihre Form von jenen der Weibchen auf den ersten Blick erkennbar. Dieselben sind immer grösser, in ihrem letzten Drittel relativ höher; der obere Rand steigt allmälig und übergeht in regelmässiger Abrundung in den Hinterrand. Die untere Kante ist in der Mitte stark ausgebuchtet, im Übergang zum Hinterrand einen stark hervortretenden Bogen Fig. 12. Candona fabaeformis. 1. Die Schale des Weibchens, 3. des Männchens von der linken Seite. — 2. Umriss der Schale eines jüngeren Weibchens. — 4. Die Schalen von oben. 1—4. Ob. A. oc. 1. V- — 5. Viertes (4) bis fünftes (5) Glied der 9 Antenne. — 6. Viertes (4) bis sechstes (6) Glied der cT Antenne, s^—s^ Sensitivborsten, r—5' Klauen des fünften Gliedes beim J- Ob. D. oc. 1. '«^ — 7. Ein Spürorgan. Ob. F. oc. 1. "J«. — 8. Der Taster der zweiten cT Maxille der rechten Seite, 9. der linken Seite. Ob. D, oc. 1. 'I^ 47 bildend. In der zweiten Hälfte der Schalen schimmern die Hoden in Form von vier Bögen durch. Die Oberfläche der Schalen ist nur schwach beborstet, nur am Vorder- und Hinterraude stehen die Borsten etwas dichter. Von oben erscheinen die Schalen lang eiförmig (Fig. 12. 4.) mit fast paral- lelen Seiten und sind in der Mitte am breitesten. Das zweite Antennenpaar ist beim Weibchen 5-gliederig, in der Mitte und am Ende des vierten Gliedes, an dessen Innenseite, mit je einer Sensitivborste versehen (Fig. 12. 6. s^.sj, zwischen denen ein Büschel von vier Borsten steht. Das fünfte Glied ist kurz, so lang als breit, an der Spitze zwei Klauen und eine Sen- sitivborste (S3) tragend. Beim Männchen (Fig. 12. 5.) ist dieses Antennenpaar 6-gliederig, zwischen dem vierten und fünften Gliede stehen wieder zwei besondere Spürorgane, die aber so kurz sind, dass sie das letzte Glied nur mit dem membra- nösen Anhängsel überragen. Dieselben sind stark (Fig. 12. 7.), etwas gebogen, das am Ende sitzende membranöse Anhängsel (a) ist hier gross, fast ein Drittel der ganzen Borste einnehmend. Das vorletzte Glied ist durch seine starke Bewaff- nung ausgezeichnet; es trägt nämlich fünf Klauen, die eine Klaue ist stärker und länger als die vier übrigen, von denen zwei an der äusseren und zwei auf der inneren Seite stehen. Das letzte Glied trägt nur zwei schwache Klauen und eine Sensitivborste (s^), somit hat im Ganzen diese Antenne beim Männchen sieben, beim Weibchen nur fünf Klauen. Der Taster der J* zweiten Maxille der rechten Seite ist an seinem Ende kappenförmig erweitert, und hierauf rasch in eine membranöse Spitze ver- schmälert, vor der unterseits eine kurze, steife Borste steht und desgleichen eine an der Aussenseite. (Fig. 12. 8.) Der Taster der linken Seite ist walzenförmig, gegen die Spitze zu all- mälig verschmälert, an seiner oberen Seite sind zwei stumpfe Höckerchen zu bemerken. Die zwei Borsten an seiner Unterseite sind stark und lang. (Fig. 12. 9.) Das zweite Fusspaar ist 6-gliederig, ähnlich wie bei der vorigen Art gebildet. Die Furcalglieder sind stark, beim Weibchen gebogen, beim Männchen gerade (Fig. 13., Fig. 6. 2.), die über denselben endigende Dorsalseite des Körpers ist in einen kurzen Dorn zugespitzt. (Fig. 6. 2. sp.) Das „Zenkersche Organ" (Fig. 13. z) ist durchsichtig, an seiner mittleren Röhre befinden sich sieben, aus je etwa 35 Chitin- dornen gebildete Kränze; die Dornen des ersten und letzten Kranzes sind unterein- ander durch einige Chitinleistchen verbunden. Der Samenleiter (v. d.) ist zart und mündet direct in das Copulationsorgan. Derselbe ist ähnlich gebildet wie bei Fig. 13. CandonafabaeformiscT. Das Zenker- sche Organ (z) und das Copulationsorgan. C. pubescens. Der Haupttheil (1.) ist jedoch tj.cZ. vas deferens a Furcalglied. Ob. BB. oc. 2, 48 mehr viereckig, der Samenleiter durchzieht denselben in ähnlicher Weise wie bei der genannten Art, doch befindet sich hier ein starker knieförmig gebogener Chitinhaken. Der flügeiförmige Anhang (2.) ist hier gross und viereckig. Der zweite Fortsatz (3.) ist nur unbedeutend, von dem Haupttheile kaum getrennt. Das ganze Organ ist dicht reticulirt. Fundort: Diese Art fand ich bisher nur in den kleinen Wiesentümpeln zwischen Unter-Pocernic und Bechovic; schon Ende März und im April erscheint sie da in Menge; die Männchen sind so häufig, dass sie an Zahl die Weibchen übertreffen. Verbreitung: Russland, Schweden, England und Frankreich. 5. Candona Candida. (0. F. Müller.) (Fig. 14. 1-10.) 1785. Cypris Candida, 0. F. Müller ((5) p. 62. Taf. VI. Fig. 7—9. 1820. Monoculus candidus, Jurine (9) 176. pl. XIX. Fig. 7—8. 1835. Cypris pellucida, Koch (13) H. 11. 5. 1850. Candona lucens, Baird (22) p. 160. Taf. XIX. Fig. 1. 1850. „ similis, Baird (22) p. 162. Taf. XIX. Fig. 2, 2«. 1851. Cypris pellucida, Fischer (23) p. 149. Taf. V. Fig. II. 1—4. 1853. Candona Candida, Liljeborg (25) p. 127. Taf. XI. Fig. 19, 20. Taf. XXV. Fig. 13—15. 1854. Cypris Candida, Zenker (26) p. 76. Taf. 1. Fig. 1—10. 1868. Candona Candida, Brady (41) p. 383. pl. XXV. Fig. 1—9. pl. XXXVI. F. 13. pl. XXXVII. Fig. 1. 1868. Cytheridea zetlandica, Brady (41) p. 428. pl. XXVIII. Fig. 42—46. 1871. Candona Candida Heller (46) p. 94. 1872. Cypris Candida, Fric (48) p. 227. 1885. „ „ Nordquist (74) p. 25. F. 27. 1888. Candona Candida Sostaric (85) p. 49. 1889. „ „ Brady & Norman (87) p. 98. plate X. Fig. 1—2, 14—12. Masse: Länge 10 — 1-2 mm. Höhe 0*6 mm. Breite 0-5. Die Schalen des Weibchens sind an den Seiten sehr hoch; (Fig. 14. 1.) ihr oberer Rand ist im zweiten Drittel am höchsten, von da fällt er in fast gerader Linie zum abgerundeten hinteren Winkel ab ; der untere Rand ist etwa in der Mitte schwach ausgeschnitten. Brady beschreibt zwei Varietäten dieser Art u. z. var. tumida und var. clavaeformis. Bei uns fand ich bis jetzt nur die typische Form. Die Schale des Männchens (Fig. 14. 2.) ist von der des Weibchens wesentlich verschieden und der Form nach gleich erkennbar. Der Vorderrand und das hintere Drittel der Schale sind höher als beim Weibchen ; der untere Rand ist im mittleren Drittel tief eingeschnitten. Die hintere Hälfte der Schale ist stark gewölbt, daselbst 49 Fig. 14. Candona Candida. 1. Die Schale des Weibcliens, 2. des Männchens von der Seite. — 3. Die Schalen von oben. — 4. Die Schale eines jungen Weibchens. 1—4. Ob. A. oc. 1. i^. — 5. Ein Spürorgan. Ob. F. oc. 1. *?". — 6. Die Kieferfortsätze (1—3) iind der Taster (e) der ersten Maxille. — 7. Die weibliche Maxille des zweiten Paares. — 8. Die männliche Maxille des zweiten Paares der linken Seite. — 9. Der Taster desselben Paares der rechten Seite. 6—9. Ob. D. oc. 1. *!''. — 10. Zweites (2) bis fünftes (5) Glied des ersten Fusses. Ob. BB. oc. 3. '|-. 4 50 durchschimmern die Hoden in Form von vier Bögen und ober ihnen das Zenker'sche Organ. Auch ist die Schale des Männchens etwas grösser als die des Weibchens. Von oben besehen (Fig. 14. 3.) ist die Schale lang eiförmig, am vorderen Theile etwas verschmälert, hinten mehr abgerundet, die grösste Breite ist in der Mitte. Bei entwickelten Individuen ist die Schale fast glatt, nur an den Rändern, mit Ausnahme der Oberrandes, stehen kurze Borsten. Die Schale des unentwickelten Thieres zeigt an der Seitenansicht eine andere Form (Fig. 14. 4.): Der obere Rand ist zum unteren fast parallel, der Vorderrand und der Hinterrand sind regelmässig abgerundet. Die Oberfläche ist unregelmässig aber deutlich reticulirt. Das zweite Antennenpaar ist beim Weibchen ähnlich geformt, wie bei den anderen Arten. Beim Männchen ist dieses Antennenpaar wieder 6-gliederig, die zwei besonderen Spürorgane (Fig. 14. 5.) sind stark, etwas gebogen und überragen das letzte Antennenglied. Das erste Maxillenpaar ist bei allen Arten dieser Gattung von fast gleicher Form. Der Taster (Fig. 14. e. e) ist zweigliederig, das erste Glied trägt an seinem Ende, auf der äusseren Seite ein Büschel von drei gefiederten Borsten. Das zweite Glied ist klein, unterwärts tief ausgeschnitten und hier mit einigen längeren Borsten versehen. Die Kieferfortsätze (1. 2. 3.) sind dicht beborstet. Der erste Fortsatz, (1.) trägt ausser den Borsten noch zwei, der dritte (3.) Fortsatz vier starke, zweiglie- derige Dornen. Das zweite Maxillenpaar (Fig. 14. 7.) des Weibchens trägt eine rudimentäre Athemplatte (b.a.) aus zwei gefiederten Borsten, von denen die obere von der Länge des ersten Tastergliedes, die untere aber nur ganz kurz ist. Der Taster ist walzenförmig, gegen das Ende zu verschmälert und besteht aus zwei Gliedern ; das zweite Glied ist (2.) sehr klein und an seinem Ende mit drei gefiederten Borsten versehen ; die mittlere dieser Borsten ist die längste. Beim Männchen ist der linke Taster (Fig. 14. 8.) mächtig entwickelt, sehr gestreckt, knieförmig nach unten ge- bogen, gegen das Ende zu verschmälert und mit einer hyalinen Spitze endigend; unten, an der äusseren Seite desselben, stehen zwei über einander inserirte Borsten. Der rechte Taster (Fig. 14. 9.) ist kleiner, anfangs gedunsen, dann jäh eingeschnürt und fast im rechten Winkel nach abwärts geneigt; der nach abwärts gerichtete Theil ist in der Mitte verbreitet und wie der linke Taster hyalin zugespitzt. Die zwei an seiner Unterseite sich befindenden Borsten sind sehr lang. Das erste Fusspaar (Fig. 14. 10.) besteht aus fünf langen schmalen Gliedern; das zweite Glied trägt sowohl an seiner vorderen als auch an der hinteren Kante einige Borsteubüschel; das dritte und vierte Glied sind zweimal so lang als breit, das fünfte ist kegelförmig, eine lange, schmale Klaue tragend. Alle Glieder sind am Ende ihrer Vorderseite mit einer langen Borste versehen, nur das letzte Glied hat auch hinten noch eine kleine Borste. Das zweite Fusspaar ist fünfgliederig ; das vierte Glied ist nicht getheilt, das letzte kleine Glied trägt zwei nach rückwärts gerichtete Borsten, deren obere von der Länge der zwei vorletzten Glieder, die untere aber um die Hälfte kürzer 51 ist. Bei jungen, unentwickelten Individuen ist anstatt der unteren Borste am letzten Gliede ein keulenförmig aufgetriebenes Häkchen wahrzunehmen, das stets nach vorne gerichtet ist und erst am entwickelten Individuum sich zu einer spitzigen, nach rückwärts gerichteten Borste umformt. Das „Zenker'sche Organ" und das Copulationsorgan sind ähnlich gebildet wie bei Candona fabaeformis, der sie verhältnissmässig am nächsten steht. Zu ihrem Aufenthalte wählt diese Art klares Wasser, woselbst sie am Boden herumkriecht oder sich in den Schlamm desselben vergräbt. Am leichtesten lässt sich diese Art sammeln, wenn man den Schlamm in Gefässen aufbewahrt und so der zeitweise an die Oberfläche hervorkriechenden Thierchen habhaft wird. Diese Art kommt in ziemlich beschränkter Anzahl vor. Nur im Gatterschlager Teiche bei Neuhaus, auf der zoologischen Station, hatte ich Gelegenheit sie auf torfigem Grunde in grösserer Menge zu beobachten und daselbst auch Männchen zu finden, doch letztere in einer verhältnissmässig geringen Zahl, denn unter 180 Weibchen waren nur 13 männliche Individuen. Brady giebt dagegen an, dass letztere in grosser Anzahl zu erscheinen pflegen, was hier nicht der Fall war. An anderen Fundorten fand ich nur Weibchen, u. z. mit leerem Receptaculum seminis, wornach zu schliessen wäre, dass sich diese Art auch parthenogenetisch fortpflanzt. Prof. Dr. Vejdovsky fand sie auch in einem Brunnen in Smichov, doch auch nur Weibchen mit leerem Receptaculum. Fundorte: Basin im böhm. Museum (Juni 1888), bei der Mühle im Kunraticer Teich (April 1887), Klicany (Mai 1887), Pürglitz (Juni 1888 und Septb. 1887). Torfe bei Neuhaus, Smichov in Brunnen (Vejd.) Verbreitung: In ganz Europa; auch im Brackwasser. III. Gattung. Typhloeypris, Vejd. 1880. Cypris, Vejdovsky (59) pag. XLIX.— LVI. 1882. Cypris (Typhloeypris), Vejdovsky (66) pag. 64. Von der Gattung Candona hauptsächlich durch das Fehlen des Auges verschieden. In Folge des Aufenthaltes im Dunklen verkümmerte das Auge, und an seiner Stelle entwickelte sich das Sensitivorgan. Im übrigen mit der Gattung Candona übereinstimmend. Wie bei Candona, mangeln auch hier am zweiten Antennenpaare die am Ende des dritten Gliedes inserirten Schwimmborsten. Das zweite Maxillenpaar trägt eine verkümme.rte , aus zwei ungleichen, gefiederten Borsten bestehende Athemplatte. Das zweite Fusspaar ist 5-gliederig, das letzte Glied desselben trägt drei Borsten. Diese Gattung zählt nur eine Art 52 6. Typhlocypris eremita, Vejd, Fig. 15. 1-6. 1880. Cypris eremita, Vejdovsky (59) pag. XLII. — LVI. 1882. Cypris (Typhlocypris) eremita, Vejdovsky (66) pag. 64. Taf. VII. Fig. 1—6. 1888. Typhlocypris eremita, Sostaric (85) pag. 50. Masse: Länge 0.9 mm. Höhe 0*52 mm. Breite 0*45 mm. An der Seitenansicht zeigen die Schalen eine dreieckige Form (Fig. 15. i.) ; ihre grösste Höhe, die mehr beträgt als die Hälfte ihres Längenmasses, liegt in der Mitte. Vorder- und Hinterrand sind fast gleich hoch und treffen über der Mitte der Schale zusammen. Daselbst sind die Schalen, wie an ihrer Vorderkante, schwach hyalin berandet. Der untere Rand ist etwa in der Mitte schwach gebuchtet. Von oben besehen sind die Schalen eirund, in der Mitte am breitesten, hinten abgerundet, vorn etwas verschmälert (Fig. 15. 2.). Dieselben sind schneeweiss, bedeckt mit langen Borsten, die am dichtesten am Vorder- und Hinterrande stehen. In der Mitte der Schale schimmern die ähnlich wie bei Candona angeord- neten Muskelabdrücke durch. Dieselben sind klein und in zwei Reihen stehend. Die vier der ersten Reihe beschreiben in ihrer Anordnung einen schwachen Bogen und zwei stehen in der zweiten Reihe ; ihre Form ist unregelmässig, meist länglich und fast alle sind in zwei bis drei Felder getheilt (Fig. 15. 3.). Das zweite Antennenpaar ist 5-gliederig, ohne Schwimmborsten am Ende seines dritten Gliedes ; an der inneren Seite, in_.'der Nähe der Basis dieses Gliedes, befindet sich die Riechborste (Fig. 15. 4. 0). Das vierte Glied ist mit drei Klauen be- waffnet; die erste Klaue ist kurz, die beiden anderen sind schmal und dreimal länger als das sie tragende Glied. Das fünfte Glied (5.) ist klein, mit zwei Klauen versehen, die zweite Klaue ist etwas kürzer, neben ihr steht eine ausserordentlich lange Sensitivborste (s) von der Länge der letzten Klaue. Die Mandibeln sind an ihrem Kaurande lang, scharf gezähnelt. Das erste und zweite Maxillenpaar ist wie bei der Gattung Candona ge- bildet. Der Taster des zweiten Maxillenpaares ist zweigliederig, das zweite Glied ist klein, am Ende mit drei Borsten, von denen die mittlere die längste ist. Die Athem- platte ist verkümmert (Fig. 15. 5. &r), aus zwei gefiederten Borsten bestehend; die obere derselben reicht bis ungefähr in die Mitte des Tasters, die untere ist um die Hälfte kürzer. Die Glieder des ersten Fusspaares sind schmal, das zweite ist so lang als die drei folgenden zusammen; die Klaue am letzten Gliede ist schmal, um die Hälfte länger als die drei letzten Glieder. Das zweite Fusspaar (Fig. 15. 6.) ist 5-gliederig. Das zweite Glied trägt drei Borsten, das vierte Glied nur eine an der hinteren Kante. Das letzte, fünfte Glied 53 ist klein, viereckig (5.), drei Borsten tragend, wovon zwei nach rückwärts gerichtet sind. Die obere Borste ist stark, so lang als die zwei letzten Fussglieder, die unter ihr stehende ist kurz, hakenförmig, um wenig länger als das letzte Fussglied. Die dritte Borste ist nach vorne gerichtet, so laug als die drei letzten Fussglieder. Fig. 15. Typlilocypris eremita. 1. Die Schale von der Seite, 2. von oben. Ob. A. Oc. 1. V- — 3. Die Muskelabdrücke. Ob. D. oc. 1. ' J\ — 4. Zweites (2) bis fünftes (5) Glied der «weiten Antenne. o Riechborste, s Sensitivborste. Ob. D. oc, 1. i?\ — 5. Die zweite Maxille. br rud . Athemplatte. Ob. D. oc. 2. 25». — 6. Zweites (2) bis fünftes (5) Glied des Fusses des zweiten Paares. Ob. D. oc. 1. 'J\ Die Furcalglieder, sowie ihre Klauen sind kräftig, letztere fein gesägt. Die hinten stehende Borste ist an den Anfang des letzten Drittels der hinteren Kante verschoben. 54 Das Männclien dieser Art wurde bisher noch nicht gefunden. Und da man auch das Receptaculum semiuis der bisher gefundenen Weibchen immer leer fand, so dürfte sich diese Art wohl nur parthenogenetisch fortpflanzen. Diese interessante Art entdeckte Prof. Dr. Vejdovsky bei der Untersuchung der prager Brunnen, an deren Grunde sie sich aufhält. In Ermangelung der Schwimm- borsten kann sie sich nicht schwimmend fortbewegen, sondern kriecht am Schlamme umher oder wühlt sich in denselben ein. Fundort: In den Brunnen der Stadt Prag zahlreich. Vejdovsky fand diese Art in den meisten der von ihm untersuchten prager Brunnen. — Ich erhielt sie in Menge bei der Reiniguug des Brunnens im Hause Nro. 22. in der Brenntegasse. Verbreitung: Bisher ausser Prag nur in Agram gefunden (Sostaric). IV. Gattung. Candonopsis. n. g. 1870. Candona, Brady & Robertson (45) pl. IX. F. 9—12. Das zweite Antennenpaar, ähnlich wie bei der Gattung Candona, bei dem Männchen 6-gliederig mit zwei besonderen Spürorganen zwischen dem vierten und fünften Gliede. Die Mandibeln sind mit einem ungewöhnlich langen Taster versehen. Das zweite Maxillenpaar trägt eine deutliche, aus drei gefie- derten Borsten bestehende Athemplatte. Die Furcalglieder sind schlank, die Borste der hinteren Kante fehlt. Die hervorgehobenen Merkmale weichen von den Merkmalen der Gattung Candona so ab, dass ich die betreffende Ai*t zu einer besonderen Gattung zu erheben für nöthig hielt. Das Weibchen blieb mir unbekannt. 7. Candonopsis Kingsleii (Brady & Robertson). Fig. 16. 1-10. 1870. Candona Kingsleii, Brady & Robertson (45) p. 17., pl. IX. Fig. 9—12. 1889. Candona Kingsleii, Brady & Norman (87) p. 102., pl. IX. Fig. 19—22., pl. XIII. F. 19. Masse: Länge 9-3 — 1*0 mm. Höhe 0*54 mm. Breite 0*35 mm. An der Seitenansicht (Fig. 16. i.) ist die Schale des Männchens länglich nierenförmig. Der Vorderrand ist niedriger als der regelmässig abgerundete Hinterrand; der Oberrand erreicht die grösste Höhe im zweiten Drittel, der Unterrand ist im ersten Drittel ausgebuchtet. I 55 Fig. 16. Candonopsis Kingslei i. — 1. Die Schale von der Seite, 2. von oben. Ob. A. oc. 1. *{'. — 3. Drittes (5) bis sechstes {6) Glied der zweiten |-'. — 4. Ein Spürorgan. Ob. F. oc. 1. S^". — 5. Die Mandibel. /Proximales und //distales Glied des Protopoditen. 1—S Die drei Glieder des Tasters. — 6. Die zweite rj' Maxille der rechten, 7. der linken Seite. — 8. Drittes (5) bis fünftes (5) Glied des Fusses des zweiten Paares. Vergr. 5-8. Ob. D. oc. 1. 'f s. _ 9. Ein Furcalglied. — 10. Copulationsorgan der rechten Seite von aussen- Vergr. 9—10. Ob. BB. oc. 3. '1^ 56 Von oben besehen erscheint die Schale (Fig. 16. 2.) seitlich comprimirt, ihre grösste, etwa zwei Drittel der Schalenhöhe messende Breite, liegt im zweiten Drittel; hinten sind die Schalen abgerundet, vorne mehr verengt. Die Schale ist weiss, im trockenen Zustand mit etwas Perlmutterglanz ; beim Männchen durchschimmern die Hoden in Form von vier Bögen. Am Vorder- und Hinterrande stehen dichte, lange Borsten, sonst ist die Schale glatt und kahl. Die Muskelabdrücke sind klein, etwas nach vorne vorgeschoben, in zwei Reihen stehend, die erste Reihe zählt ihrer vier, die zweite zwei. Dem zweiten Antennenpaare mangeln, wie bei Candona, die Schwimmborsten am dritten Gliede. Die Riechborste ist sehr lang. (Fig. 16. 3. 0) Beim Männchen entspringen zwischen dem vierten und fünften Gliede zwei eigenthümlich geformte Spürorgane. Dieselben (Fig. 16. 3. s^ Fig. 16. 4.)